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Arme sieht man nicht gern...

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Der ,, Autobummel".

Der Nazi- ,, Stabschef" Gewehr vor Gericht.

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Der frühere Leiter der Nazi- ,, Stabswache" in der Hedemann| Schäfer frei. Soll es nun wirklich gestattet sein, unbestraft ſtraße, der Ingenieur Gewehr, ist von dem Helldorf- Prozeß her Selbsthilfe" zu üben, die über eine erlaubte Selbsthilfe weit hin­sattsam bekannt. Er hatte zusammen mit seinem Chef Helldorf den ausgeht? Autobummel über den Kurfürstendamm gemacht und war von der ersten Instanz zu einem Jahr 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden; in der zweiten Instanz fam er allerdings viel billiger davon.

Man müßte meinen, daß die Hausgestrengen jener Miet­fafernen, die gleich ein halbes Hundert Parteien beherbergen, ge­rade etwas Einsicht und Nachsicht mit all den zermürbten, ver zweifelten Menschen hätten, zumal der Hauswirt in den Brole: tarierwohnungen zumeist eine weit sicherere Garantie für seine Miete hat, als in den hochherrschaftlichen" Behausungen. In einer Miet­fajerne des Berliner Nordens gibt es allmonatlich bei der Miete zahlung allerhand Krach. Da bewohnt eine arme Witwe Stube und Küche. Sie mußte, weil sie die Miete allein nicht aufbringen kann, die Stube abvermieten; nun läßt sich der Hauswirt unter der Be zeichnung Wassergeld" allmonatlich 2 Mt. von ihr bezahlen, das fällt der Frau sauer, der Untermieter will es naturgemäß erst recht nicht tragen und droht mit Auszug. Alle Bitten der Frau, ihr diesen Betrag zu erfassen, scheitern an des Hauswirts eisernem Berlin- Mitte erneut als Angeklagten. Zusammen mit 3mei Am Donnerstag sah man ihn vor dem Schöffengericht Willen. ,, Was können wir zwei alten Menschen( mein Mieter ist früheren SA.- Leuten Basti und Schäfer hatte er sich wegen über die Siebzig, ich nicht weit davon entfernt), an Wasser groß ver: gemeinsamer gefährlicher Körperverlegung zu verantworten. Es be­brauchen", meint die Frau. ,, Dieser Betrag kommt ja nicht mal aufstätigte sich von neuem die Tatsache, daß die Nationalsozialisten eine Familie mit fechs kleinen Kindern". Die Bezeichnung Wasser auch dann zur Selbsthilfe greifen, wenn es ein leichtes wäre, die geld ist hier natürlich nur eine Umschreibung für einen Aufschlag, den zuständige Behörde zu alarmieren. der Hauswirt für das Untervermieten erhebt. An sich besteht eine Berechtigung des Hauswirtes für solch einen Aufschlag, es fommt aber selten oder nie vor, daß die Hauswirte bei Menschen, die in folch fümmerlichen Verhältnissen leben, davon Gebrauch machen, noch dazu, wenn ein Hauswirt wie jener, von dem hier die Rede ist, Besizer sechs großer Miethäuser ist. Noch bitterer beklagt sich die alte Frau aus dem Seitenflügel, eine Sozialrentnerin von 75 Jahren, deren Kanonenosen in ihrer Kochstube lebensgefährliche Alterserschei nungen aufwies und von der Baupolizei als total unbrauchbar be­zeichnet wurde; als sich die alte Frau an den Hauswirt wandte, sagte er ihr die Aufstellung eines Ersatzofens zu, jedoch auf ihre Kosten. Ihr Einverständnis mußte sie schriftlich niederlegen und sich zu monat­licher Ratenzahlung verpflichten. Als sie bei der dritten Rate um Aufschub bat, wurde der Mann furchtbar grob und warf die alte Frau zur Wohnung hinaus. Ja, arme Leute sieht man nicht gern...

vereins Fichte einen Kameraden zum Anhalter Bahnhof be­Am 15. August v. J. hatten Mitglieder des Turn gleitet; sie befanden sich auf dem Wege zur Untergrundbahn, als es zwischen ihnen und etwa vier Nationalsozialisten zu einem Zu­sammenstoß fam. Einer von den Fichteleuten soll ,, Arbeitermörder" Fichteleute wollten ihrem Kameraden Hilfe bringen, aber schon er gerufen haben; die EA.- Leute bekamen ihn zu fassen, die übrigen hielt der eine eine Ohrfeige, der andere in roher Weise mit einem Der erste Fichtemann ergriff die Flucht, die SA.- Leute liefen hinter eisernen Koppelfarabiner einen Schlag auf den Kopf. her, feine Kameraden riefen den in der Nähe postierten Beamten herbei, mit Hilfe einer Tage holte man die Nationalsozialisten ein und stellte sie fest. Der eine von ihnen war Gewehr. In seiner Tasche fand man die Koppel mit dem eisernen Karabiner. Vor Gericht erklärte er, er misse nicht, ob er mit der Koppel ges schlagen habe. Der Staatsanwalt beantragte Gefängnisstrafen. Das Gericht verneinte gemeinschaftliche Körperverlegung, verurteilte Ge­30 Mart Geldstrafe, stellte das Verfahren gegen Basti ein, da ein Strafantrag gegen ihn nicht vorlag und sprach

Im Strudel des sinkenden Schiffes. mehr megen gefährlicher Körperverlegung zu- Zwölf Tote bei den Rettungsarbeiten für die Gauß. Lissabon , 12. Mai. Bei den Bergungsmanövern für den deutschen Fracht. dampfer ,, Gaus", der in der Nähe von Oporto ge­strandet ist, haben bisher 12 Menschen ihr Leben ein gebüht. Zwei der potugiesischen Rettungsboote fenterten, als sie sich dem Schiff näherten, infolge des hohen Wellen­ganges. Nur einigen der Insassen gelang es, das Ufer schwimmend zu erreichen, die anderen ertranfen.

Doppelfelbstmord im Bahnabteil.

£ yd, 12. Mai..

In einem Abteil eines auf dem hiesigen Bahnhof abgestellten 3uges fand man den 21jährigen Hans Schwarz und die 20jährige Erna Tobies, beide aus Landsberg in Ostpreußen , er hängt auf. Das Paar hatte Selbstmord begangen.

Gühne für Roheitsvergehen.

Die im Alter von 22

24 Jahren stehenden Angeklagten Hudi Zander, Kurt Nicksch und Karl Michaelis gehörten zu einer Gruppe jugendlicher Raufbolde, die die Gegend am Görliger Bahnhof feit langem unsicher In der Nacht zum 15. Februar wurden ein Tischler­

machten.

Stephan und Schöneberg ".

Nene Fernsprechvermittlungsstellen mit Gelbstanschluß.

Die Oberpostdirektion Berlin teilt mit, daß die Vermittlungs stelle Stephan in Berlin- Schöneberg , Hauptstraße 27, in der Nacht zum 29. Mai auf Selbstanschlußbetrieb umge stefft werden wird. Gleichzeitig wird die in demselben Gebäude untergebrachte Vermittlungsstelle mit Selbstanschlußbetrieb Schö neberg in Betrieb genommen. Die neuen Vermittlungsstellen unterstehen dem Fernspre chamt Süd in Berlin- Schöneberg , Hauptstraße 27. Die Vermittlungsstelle Stephan führt das Ruf zeichen G 1, die Vermittlungsstelle Schöneberg das Rufzeichen G 7.

Berliner Postverkehr zu Pfingsten.

In Groß- Berlin werden am 1. Pfingstfeiertag Brieffendungen, Beitungen und Batete zugestellt; am 2. Pfingsttage ruht die gesamte Zustellung. Die Paketannahmen find an beiden Festtagen geschlossen, doch werden dringende Pafete( Sondergebühr 1 m.) angenommen bei den Postämtern C. 2, Sw. 77, N. 4, W. 9, S. 11, D. 17, GD. 36, NW. 40( ununterbrochen), Berlin- Charlottenburg 1( 8 bis 20 Uhr) und in den übrigen früheren Vororten bei Bostämtern, die an Sonntagen von 8 bis 9 Uhr geöffnet sind. Die Schalterdienst stunden an beiden Pfingsttagen sind die gleichen wie an Sonntagen. Gedruckte einfache Pfingsttarten, die in Größe, Form

Gerichtsvollzieher faffierte für sich.

Größere Unregelmäßigkeiten entdeckt.

der im Bezirk des Amtsgerichts Schöneberg tätig ist, beschäftigt Die Angelegenheit des Obergerichtsvollziehers R. in Friedenau , augenblicklich die zuständigen Justizbehörden. K. ist etwa seit März mit der Abführung der vereinnahmten Gelder an seine Auftrag

geber im Rückstand. Er hat in vielen Fällen Beträge, die er von

Schuldnern zur Anwendung von Pfändungen in Empfang ge nicht abgeführt. nommen hat, und auch die Einnahmen aus erfolgten Versteigerungen

Seine Auftraggeber hat der Gerichtsvollzieher dauernd ver tröstet und als Grund unter anderem angegeben, daß durch den inzwischen erfolgten Umzug von der Eisenacher Straße nach heit eingetreten sei. Seine Versprechungen, die Zahlungsverbind­Friedenau eine Verzögerung in der Abwicklung der Geldangelegen lichkeiten in den nächsten Tagen zu regeln, hat er aber nicht gerichtsvollzieher beim Amtsgericht Schöneberg eingegangen waren; eingehalten. Nachdem eine Reihe von Beschwerden gegen den Ober­wurde K. vom aufsichtführenden Richter des Amtsgerichts, Amtss gerichtsrat Reinide, zur Verantwortung gezogen. Er gab an, daß ihm ein größerer Geldbetrag gestohlen worden und daß er dadurch in Schwierigkeiten geraten sei. R. versprach aber, sofort zu seinen Verwandten zu reisen, um sich den fehlenden Betrag zu beschaffen. Seitdem ist K. nicht auffindbar. Nach den bisherigen Ermittlungen handelt es sich um einen Fehlbetrag von bis 6000 M., man vermutet aber, daß sich die Summe noch als bedeutend höher herausstellen wird. Nunmehr werden sich die zu ständigen Stellen eingehend mit der Angelegenheit befassen.

5000

| Aufgabeorts als auch im innerdeutschen Fernverkehr somie im Ber fehr mit der Freien Stadt Danzig , Litauen und Memelgebiet, Luremburg und Desterreich für einfache Karten( ohne Umschlag versandt) 3 Bf., für Karten im offenen Umschlag bis 20 Gramm 4 Pf.

Arbeiterchor ,, De Stem des Volks" in Berlin .

Der holländische Arbeiterchor, Volkschor Amsterdam De Stem des Volks" besucht als Gast des Gaues Berlin des DAS. zu Pfingsten Berlin . Am 1. Feiertag treffen die Genossinnen und Genossen, ca. 370 Teilnehmer, auf Reiseautos in Berlin ein und werden nach dem Gewerkschaftshaus geleitet, wo eine kurze Begrüßung stattfindet. Bei der am Pfingstmontag stattfindenden Rundfahrt werden die Gäste in den Mittagsstunden die Ausstellung ,, Sonne, Luft und Haus für Alle" besuchen und werden dort auf Einladung der Direktion einige Lieder im Terrassengarten fingen. Besonders fei auf das am Abend stattfindende Konzert im Sa al. bau Friedrichshain hingewiesen, bei welchem u. a. auch das Chorwert ,, Arbeitsauferstehung", sozialistische Kantate für Soli und Chor erstmalig in Berlin zur Aufführung gelangt. Anschließend Be­grüßung durch die Berliner Arbeiterfänger unter Mitwirkung großer Chöre des Bundes, wobei voraussichtlich auch Carl Severing und Baul Löbe die Gäste begrüßen werden. Der Eintritt beträgt nur 60 Pfennig, wobei derselbe auch schon zum Nachmittag im Garten berechtigt, mo Konzert und Chorgesang Berliner Chöre vorgesehen stelle Schneider, Hufelandstr. 31, und im Konzertlokal erhältlich.

meister und ein Schuhmacher in der dortigen Gegend nacheinander und Papierstärke den Bestimmungen für Postkarten entsprechen ist. Karten in den mit Plakaten belegten Stellen, in der Gaugeschäfts-.

überfallen, schwer mißhandelt und beraubt. Als Täter wurden die jezigen Angeklagten festgestellt. Auf Grund der Beweisaufnahme verurteilte das Schöffengericht Berlin- Mitte Nicksch zu 2 Jahren 8 Monaten Gefängnis und die beiden anderen Angeklagten zu je 1 Jahr 8 Monaten Gefängnis, und zwar wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverlegung.

Oskar Wöhrle

Jan Hus .

Der Tetzte Tag

Bei diesem Lobspruch glänzt das grämliche Gesicht des Esels wie das eines Heiligen, dem zur Feier des Namens­tages ein Schock voller großer gelber gutduftender Wachs­ferzen entzündet wird.

Beim Eintritt in den Saal kommt es zu einem fleinen Aufenthalt. Als der Esel die schwere eichene Tür aufgestoßen und sich wartend auf die Seite gestellt hat, um dem Ritter den Vortritt zu lassen, springt überrascht ein Bärlein hoch, das bisher versunken, Wange an Wange, im Fenster saß.

Die jungen Leute sind im ersten Augenblick wie verſteint. Der Page faßt sich zuerst. Jan von Trocznom erkennend, macht er ihm eine tiefe, höfische Verbeugung, noch tiefer, noch ehrfürchtiger, als er sie selbst dem König gegenüber gemacht haben würde. Sie soll ihm Zeit geben, die aufgestiegene Verwirrung zu verdecken.

und ohne Umschlag versandt werden, unterliegen einer Absenderangaben( Absendungstag, Name, Stand und Wohnort nebst ermäßigten Gebühr. In diesen Karten dürfen außer den sogenannten Wohnung des Absenders) noch weitere fünf Worte, die mit dem gedruckten Wortlaut im Zusammenhang stehen müssen, handschriftlich hinzugefügt werden. Die Gebühr beträgt sowohl im Ortsbereich des

Der Page möchte gern eine Antwort geben. Doch er bringt die Lippen nicht auseinander, so sehr er sich auch müht. Befangenheit verriegelt seinen sonst so schlagfertigen Mund.

Der Ritter wartet indessen eine Antwort gar nicht erst ab. Er schreitet weiter, dem Esel nach, der jede der nächsten Türen vorsichtig hinter sich verschließt. Erst als er im dunklen Gang unter der Straße vorwärtstappt, fällt es ihm ein, zu fragen: Wie heißt sie?"

Wer?"

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Das grämliche Gesicht mitten im Zählen der Schritte unterbrochen hat Mühe, sich darauf zu befinnen, wen der Ritter mit seiner Frage eigentlich meint. Schließlich be­greift er.

,, Luzia!" sagt er dann langsam.

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,, Richtig, Luzia!" wiederholt Jan von Trocznom, und es ist ihm, als ob er beim Aussprechen dieses Namens in das Fruchtfleisch eines Pfirsichs bisse. Luzia! Vor drei Monden, als ich nach Böhmen zurückritt, war sie doch noch ein Kind!" Der Eesel ist stehen geblieben: Es geht oft seltsam schnell mit diesen deutschen Mädchen. Ueber Nacht sprengt es sie auseinander, prall, wie im Frühjahr den Flieder!" Damit ist für ihn der Fall erledigt. Er tappt und tastet fich weiter. Der unterirdische Gang wird jezt so eng und schwierig, daß das grämliche Gesicht ganz vergißt, zu er Das Mädchen aber steht da, vom Blut übergossen wie klären, daß es selber am erstaunlichen Aufblühen dieses von scharlachener Farbe, heftig atmend, als wollten die unmädchenfleischenen Flieders nicht ganz unbeteiligt ist. Denn gestüm sich hebenden Brüste das Hemd sprengen. Es weiß auf des Esels Vorschlag hin ist jedesmal, wenn die böhmischen nicht, wo es die Augen lassen soll vor jungfräulicher Scham. und mährischen Herren geheimerweise sich versammelten, Der Ritter ist selber verblüfft vor der unerwarteten Rarel, der Page, dem Mädchen beigeordnet worden, als ihr Szene. Aber als er begriffen hat, lacht er, hebt der Wider Geselle sozusagen, der sie in dieser Zeit beschäftigen und so strebenden mit Daumen und Zeigefinger das Kinn hoch, davon abhalten sollte, besondere Wahrnehmungen oder Ent­sieht, daß ihr das Herz in dem Adernez des Haljes schlägt, dedungen zu machen. Bisher hat die unschuldige List auch wie ein ängstlicher Vogel, und freut sich der schönen Ber - immer verfangen. Luzia, die Beschließerin des Hauses, hat wirrung. Aber er duldet nicht, daß sich ihr Auge noch länger fie nie darum bekümmert, wer an solchen Tagen in der versteckt hält, sondern zwingt ihren Blick in den seinen. steinernen Arche ein- und ausging. Sefundenturz nur dauert diese Augenvermischung, aber lang genug, um den Stahl, der ihn blank und blau ansticht, hin­schmelzen zu lassen in verdämmernden Samt. Noch einen Augenblick, und es stürzen die Tränen.

Doch der Ritter läßt allen 3wang sein; er gibt frei das miberstrebende Sinn, macht dem Bagen scherzhaft einen Droh finger und sagt: Wie werden die Prager Fräulein die Märe aufnehmen, Rarel, daß du zu Konstanz im Hörfelberg ſizeſt?"

Jezt aber, aufgeweckt durch die plötzliche und über­raschende Begegnung mit dem einäugigen Ritter, ist in dem Mädchen mit beinahe schmerzhaftem Drang die Neugier wachgeworden.

Die Eritarrung der beider löst sich. Karel greift nach Luzias Hand.

Sie weicht aus und feuchtet mit der Zungenspiße die troden gewordenen Lippen.

Karel breitet die Arme und will Luzia an sich ziehen.

Ein fostenloser Wiederholungskursus im Syftem Stolze- Schrey( 8 Abende, einmal wöchentlich) beginnt Mittwoch, 18. Mai, 18 Uhr, int Lyzeum Zehlendorf . ( Bahnhof Zehlendorf- Mitte, Wannseebahn , Omnibus 7 und T.) Uebungen Mitt. wochs von 19% bis 21% Uhr ebenda. Schriftliche Anmeldungen an den Gruppenleiter Hugo Geitner, Berlin- Zehlendorf , Albertinenstr. 2.

,, Laß!" wehrt sie ab und stellt einen der Lehnstühle als Bollwerk zwischen sich und ihres Freundes Ungeduld. Er verschlingt sie mit Blicken. Da schildet sie sich mit der Frage: ,, Sag mir lieber, wer das war!" Auch Karel stuzzt und fragt: Wer?!" Auch bei ihm dauert es eine Weile, bis er den Sinn der Worte begriffen hat.

,, Das war Herr Jan von Trocznow!" sagt er dann lang­sam zu Luzia, die sich mit einer Hand an der Stuhllehne feft= hält und mit der andern die widerspenstigen Haare zurück­streicht, die die flare Front ihrer Stirn bedrängen. Jan von Trocznow, genannt 3izka, der Einäugige, der tapferste und berühmteste Ritter in meinem Heimatland Böhmen !"

Bizka!" wiederholt das Mädchen. und zittert plöglich in den runden Knien, und es ist ihm, als ob dieser Name Leib und Leben habe, starte gewaltige Glieder, Hände, die mutter­lind über sie hinstrichen, Arme, die sie faffen und schwenken und aufheben und irgendwo hintragen, so daß fie felig schwankt wie ein befränzter Sommernachen auf dem See.

Bizka!" sagt sie nochmals, und dieser Name wird tat­fächlich etwas Lebendiges, etwas auf sie Bustürzendes, das ihr mit einer bisher unbekannten lustgefüllten Heftigkeit ans Herz greift, so daß sie erschauert, vom Wirbel bis in die innere Biegung der Fußsohle hinein.

Ihre Arme fallen in jähem Niedersturz an ihr hinunter. Sicher wäre sie umgefunken und auf die blanken Dielen hin­geschlagen, wenn nicht Karel im letzten Augenblick fie auf­gefangen und in den Stuhl gesetzt hätte.

Als er mit einem Becken Wasser und mit einem Hand­tuch wiederkommt, um ihr die Stirne zu fühlen, ist die ver­räterische Ohnmacht bereits von ihr gewichen.

Luzia ist wieder Luzia, nur einen Schimmer bleicher als sonst. Er findet nichts an ihr verändert, nicht ein Fältlein, trotzdem ihr ganzes Inneres umgestürzt ist. Die Gedanken sind nicht zu erraten, die hinter der Kuppel ihrer steil vor­springenden Stirn durcheinanderjagen, wie Funken im an gefachten Feuer. Wenn ihr Mund nicht lügt, so gibt es für ihre sechzehn Jahre niemanden auf der Welt, der in ihrem Herzen tiefer beschlossen ist als Karel. Aber diese Beteuerung hindert sie nicht, aus ihm alles herauszuloden, was er über Bizta meiß. Der Bage mill feinen Bescheid geben. Er mindet fich, er gebraucht Ausflüchte. Irgend etwas in ihm sträubt sich. Aber auf die Dauer fann er ihrem Drängen nicht wider­stehen..

( Fortsetzung folgt.)