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Morgenausgabe

Nr. 224

A 113

49. Jahrgang

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Vorwärts

Berliner Bolksblatt

Sonnabend

14. maí 1932

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Die Raufbolde verurteilt.

Heines, Stegmann, Weißel je drei Monate Gefängnis/ Straßer freigesprochen.

greifen!

Die Verhandlung.

Das Schnellschöffengericht Berlin- Mitte fällte gestern der Angeklagte Stegmann dem Oberstaatsanwalt Köhler| Brutalität enthüllt. Diese Mischung heißt deutscher nach fait siebenstündiger Verhandlung in dem Prozen zuries, es sei fein Kunststüd, wenn im Gerichtssaal unter dem Faschismus und will in Deutschland nach der Macht wegen des Zwischenfalls im Reichstag folgendes Urteil: Schuße der Polizei ein Oberstaatsanwalt ihm unwahrhaftig­Die Abgeordneten Heines, Stegmann und feit vorwerfe, das sollte ihm einer auf der Straße Weikel werden wegen gemeinschaftlicher Körperversa gen! Es ist tief bedauerlich, daß das Gericht darin nicht letzung in Tateinheit mit tätlicher Beleidigung zu je einmal einen Anlaß zu einer Rüge gesehen hat! Der Feme : drei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Ab- mörder Heines aber rief unter brausendem Beifall der im geordnete Gregor Straßer wird freigesprochen. Zuhörerraum versammelten SA. aus, daß Klotz die Schläge gut getan hätten.

*

Die Nazischläger vom Reichstag haben für ihren brutalen und feigen Ueberfall auf Dr. Klotz ein gerechtes Urteil erhalten. Ihr Oberführer Straßer ist nur Dank einer unhaltbaren juristischen Konstruktion gerechter Bestrafung entzogen worden, die volle moralische Verurteilung, die dieser Prozeß gegen die Nationalsozialisten bedeutet, trifft

auch ihn.

=

und

Majur im fleinen Schmurgerichtssaal des alten Striminalgerichis Kurz nach 1 11hr eröffnete Landgerichtsdirektor Majur im kleinen Schmurgerichtssaal des alten Kriminalgerichts­gebäudes die Verhandlung gegen die nationalsozialistischen Reichs­tagsabgeordneten Heines, Steegmann, Beizel Gregor Straßer . Die Angeklagten werden aus dem Polizei­präsidium vorgeführt. Sie erscheinen in Begleitung ihrer Ver­teidiger, der Rechtsanwälte Dr. Frant II- München , Rupp und Karpenstein- Stettin. Der mißhandelte Schriftsteller Klotz ließ sich als Nebenkläger vom Rechtsanwalt Brandt vertreten. Der Gerichtssaal ist im Nu bis zum letzten Platz gefüllt. Innerhalb und außerhalb des Gebäudes forgt ein starkes Polizeiaufgebot für

Ordnung.

nant a. D., 34 Jahre alt, in Stettin wegen eines Fememordes zu Die Bernehmung zur Person ergibt folgendes: Heines, Leut­5 Jahren Gefängnis verurteilt und wegen Beihilfe zum Hochverrat im November 1923 zu 1 Jahr 3 Monate Festung. Die beiden Strafen find zu einem Teile verbüßt, der Rest wurde durch die Amnestic erledigt. Außerdem ist er wegen Fortführung einer verbotenen Organisation bestraft.

Das Verhalten der SA. im Zuschauerraum war schließlich das Lehrreichste an diesem Prozeß. Als im Prozeß die Rede auf die Röhm Briefe tam, wurde es im Zuschauerraum lebhaft. Die Jungen, die da zu krakeelen begannen, sind offensichtlich im Glauben gehalten worden, daß die Röhm- Briefe, die Klotz veröffentlicht hat, Fälschun gen von Kloz darstellen. Das ist schon interessant genug, Bären die Köpfe in Deutschland nicht verwirrt, so noch interessanter aber ist, daß auch der angeklagte Reichs­müßten sich alle anständigen Menschen von diesen Leuten tagsabgeordnete Stegmann im Brustton tiefster Ent­abfehren! Es war ein flägliches Schauspiel, wie rüstung über die Fälschung der Röhm- Briefe durch Klotz diese nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten vor Be- sprach, und daß die Verteidigerbant sich bemühte, diese Illu richt mit ihrer Brutalität zugleich ihre geistige Hilflosigkeit fion der betrogenen Nationalsozialisten aufrechtzuerhalten! enthüllten! Echt deutsche Menschen mit ganz besonderem Denn das war schließlich der Kerndes Prozesses: Sauberkeitsgefühl wurden sie von ihren Berteidigern ge- die ohnmächtige Erbitterung über die Veröffentlichung der nannt, aber immerhin wurde Wert darauf gelegt, nicht ihre Röhm- Briefe, deren Echtheit gerichtsnotorisch ist, ganzen Borstrafenregister zu entrollen! die Erbitterung darüber, daß ihre Echtheit nicht bestritten werden kann, daß vielmehr alle Klagen von Röhm und seinen Freunden gegen die Veröffentlichung der Briefe zurüdgenommen werden mußten, hat zu diesem Ueberfall eines Rollkommandos auf Dr. Kloz geführt! In diesem Zusammen- Strafen wegen politischer Breffevergehen. hang erhält die Betonung des besonderen Sauberkeitsgefühls der angeklagten echt deutschen Menschen noch ihre ganz be sondere Bedeutung!

Diese echt deutschen Menschen sind erst fünf Mann starf, und zum zweiten Male fünfzig Mann start hinterlistig und heimtückisch über einen einzelnen wehrlosen Mann hergefallen; sie haben vereint von hinten auf den Sitzenden einge schlagen, sie haben ihn noch geschlagen, als er am Boden lag, sie haben sich zu Schlägen auf das wehrlose Opfer herbei gedrängt. Alle Tatzeugen haben ihrer tiefen Empörung über den feigen Ueberfall, über die Roheit und Feigheit, über die brutale heimtückische Art dieses Ueberfalls Ausdruck ver­liehen. Hinterlist und Feigheit, gepaart mit Brutalität- das ist das wahre Wesen dieser ,, echt deutschen Menschen!" Ihr Sauberkeitsgefühl aber besteht darin, daß sie es zunächst mit dem Leugnen versuchten wie Schul­buben, die sich vor ihrem Lehrer verantworten sollen. Der Fememörder Heines wollte von Klotz durch ein Schimpf mort provoziert worden sein, die Ausrede brach kläglich zu sammen. Der Angeflagte Stegmann wollte nur ganz zu fällig hinzugefommen, nur ganz zufällig an den ersten besten eine Ohrfeige ausgeteilt haben, und dieser erste beste- o Wunder war ganz zufällig Dr. Kloz. Zoll für Zoll ließen sie ihre Ausreden durch die Beweisaufnahme wider­legen, um fich zum Schluß von ihren Verteidigern bescheini­gen zu lassen, daß sie mannhaft zu ihrer Tat gestanden hätten!

Diese Methode der Verteidigung, das Leugnen mit dem Anspruch darauf, als Bekenntnis zur Tat gewertet zu werden, paßte ausgezeichnet zu dem Bilde der Brutalität, das die Beweisaufnahme enthüllte. Die Erscheinungen der Angeklagten auf der Anklagebank und die geschwollenen Worte der Verteidiger auf diese wahrhaft deutschen Menschen standen in einem grotesten Gegensatz.

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Auch die Verteidigerbanf war ein Kapitel für sich. Sie wurde mehr als einmal- leider nicht vom Ge­richt, sondern von den Zeugen sehr fräftig in ihre Schranken verwiesen. Ungerügt durften die Verteidiger von infamen Tendenzen der Polizei sprechen, ungerügt durften fie ihre Plädoyers bis zur offenen Proklamation des Faust rechts und der Femeandrohung steigern. Die Richter mögen gegen diese Drohreden denn um Drohreden, nicht um Plädoyers handelt es sich dabei schon abgeftumpft sein, aber die öffentliche Kritik hat alle Ursache, diesen Aus­schreitungen der Verteidigerbant entgegenzutreten!

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Eine Verteidigung, die diesen hinterlistigen und gemeinen Ueberfall, diese fortgesetzten Mißhandlungen eines wehrlosen Mannes als einen Bagatellfall anspricht, der mit 10 M.Geldstrafe genügend gefühnt sei, und zur gleichen Zeit die Handlungsweise der feigen Schläger feiert, paßt aus­gezeichnet zu dem Bilde, das die Angeflagten geboten haben! Im Schlußwort haben die Angeklagten schließlich ihre brutale Schlägergesinnung offenbart. Das ging soweit, daß

Die Angeklagten, die Verteidigerbank, die SA. im Zu­schauerraum so rundete sich das Bild. Zur Ergänzung muß nur noch hinzugefügt werden, daß der von seiner Partei als ,, Fememörder " gefeierte und angepriesene Heines durch seinen Anwalt Beschwerde führen ließ, daß Klotz ihn als Fememörder" bezeichnet habe, und daß Herr Gregor Straßer sich empörte, daß Klotz ihm Bruch des Ehrenwortes vorgeworfen habe. Wirklich, Herr Straßer hat dem Gericht feierlich versichert, er habe niemals sein Ehren mort gebrochen!

Dieser Prozeß hat eine Mischung aus Lüge und

Der Angeklagte Stegmann, 33 Jahre alt, von Beruf Land­wirt, ist wegen fleiner politischer Vergehen, darunter auch wegen Rörperverlegung, zu Geldstrafen verurteilt.

Der Angeklagte Weigel, 28 Jahre alt, von Beruf Schlosser, stand und verbotenen Waffenbesitzes.

ist gleichfalls mit Geldstrafen vorbestraft wegen Beleidigung, Wider­

Der Angeklagte Gregor Straßer , 40 Jahre alt, hat mehrere

klage. Es wird sämtlichen Angeklagten vorgeworfen, daß sie fort. gesetzt und gemeinschaftlich handelnd den Schriftsteller Dr. Klotz be­leidigt haben, und zwar, indem die Beleidigung mittels Tätlichkeiten begangen worden war. Es wird ihnen ferner vorgeworfen, den Schriftsteller Klotz vorfäßlich mißhandelt und an seiner Gesundheit geschädigt zu haben, indem die Körperverlegung von mehreren ge­meinschaftlich und mittels gefährlicher Werkzeuge begangen worden ist.

Oberstaatsanwalt Dr. Köhler erhebt mündlich die An

Die Ausreden der Angeklagten.

Ich gebe ohne weiteres zu, daß ich eine unglaubliche Beleidigung des Es folgt die Vernehmung zur Sache. Abg. Heines erklärt: Herrn Kloß mit einer Dhrfeige quittiert habe. Es stimmt nicht, wenn er behauptet, stillschweigend dagesessen zu haben. Ich war in den Vorderraum des Reichstagsrestaurants gegangen, um mir eine

Sozialistische Aktion!

Bedeutsamer Beschluß des Berliner Bezirksvorstandes.

Der Berliner Bezirksvorstand der Sozialdemokratischen| fapitalistischen Kräfte erneut erstarken sollten. Partei und Partei hat gestern unter Teilnahme der Berliner Reichstags- Gewerkschaften stehen vor der Aufgabe, den Umbau der abgeordneten und Kreisleiter die folgende Entschließung heutigen Wirtschaftsordnung mit dem Ziele sozialistischer einstimmig angenommen: Gemeinwirtschaft in Angriff zu nehmen.

Der Bezirksvorstand der Sozialdemokratischen Partei von Groß- Berlin fieht mit Stolz und Genugtuung die große Aktivität, mit der die deutsche Arbeiterklasse den schweren Abwehrkampf gegen Faschismus und Sozial­reaktion führt. Er ist sich aber auch bewußt, daß es zur Ueberwindung des Faschismus nicht genügt, Terror und Gewalt abzuwehren. Die der Sozialdemokratie gestellte ge­schichtliche Aufgabe fann nur gelöst werden, wenn die Abwehr faschistischer Gewalt verbunden ist mit dem Angriff auf das völlig versagende fapitalistische Wirtschafts:

und Gesellschaftssystem.

Der Kampf gegen Wirtschaftskrise und Arbeitsnot wird auch nur dann Erfolg haben, wenn es gelingt, zugleich die Fehler zu beseitigen, die zu dieser Krise geführt haben. Es wäre sozial und politisch unerträglich, wenn durch die aus der Krise geborenen Notmaßnahmen die alten privat­

Die sozialistischen Grundforderungen find zum ent­scheidenden Faktor der Gegenwartspolitik geworden. Der Staat darf nicht länger zögern, die Macht der privaten Monopole zu brechen, feinen Einfluß über Warenerzeugung, Warenverteilung, Bant- und Kreditwesen zu verstärken. Besitz- und Verfügungsgewalt der öffentlichen Hand find zu erweitern, um die Grundlage für die Planmäßigkeit der Gesamtwirtschaft zu schaffen.

Der Bezirksvorstand richtet an die zentralen Borstände der in der Eisernen Front vereinigten Organisationen die Aufforderung,

ein solches Wirtschaftsprogramm aufzustellen, alle Maßnahmen zu ergreifen, um durch ein Aktions­programm die gesamte Bewegung im ganzen Lande zu mobilisieren. Die Einstellung des politischen Tagestampfes auf das große Ziel des Sozialismus ist die Borausjehung für einen Erfolg im Ringen gegen Faschismus und soziale Not.