Patienten bewohntem �atte einer eine große Wohnung, mußte er für die gymnastische Verordnung 90 M. und mehr bezahlen. Zum Beweise seiner angeblichen Wunderkuren stellte der Angeklagte einen 80jührigen Patienten vor, der zum Gaudium der zahl- reichen Zuhörer im Gerichtssaal eine„Kerze" machte, einen Saltd mortale schlug und Rückenschwiiymbewegungen zeigte. Die Bitte eines Schwerkriegs oerletzten, ihn umsonst zu behandeln, hatte der Angeklagte abgelehnt. Rath bezeichnet sich als„Messias der Menschheit, der die Fäulnis der letzten Jahre austreibe» will". Die Strafkammer verwarf die Berufung des Angeklagten, so daß es bei 4090 M. Geldstrafe verbleibt. Beim Verlassen des Ge- richtssaals rief der Angeklagte:„Heil Hitler, jetzt werde ich euch zeigen, was ich kann."
Nazis beschießen Reichsbanner! Gemeiner Lleberfall auf Lungbannerleute. In der Rosenthaler Straße verübten gestern abend etwa 15 Nationalsozialisten einen gemeinen Ueberfall aus Mitglieder des Jungbanners. Zwei Jungbannerleute wurden von der nationalsozialistischen Meute umringt und mit allen möglichen Schlaginstrumenten von den Hitler -Banditen bearbeitet. Zum Glück kamen mehrere ältere Reichs- bannerleute des Weges, die den Bedrängten zur Hilfe eilten. Jetzt ließen die Hitler -Gardisten von ihren Opfern ab, ergriffen die Flucht und feuerten eine Reihe von Schüssen auf die Reichsbannerleute ab. Dann zogen sich die Nazi- Verbrecher in ihr �turmlokal,„Bötzow-Quelle", in der Großen Präsidentenstraße zurück, von dem schon mehrfach gemeine Ueber- fälle auf friedliebende Staatsbürger inszeniert worden sind. Wie wir erfahren, wurden neben sechs National- sozio listen auch zwei Reichsbannerleute der Politi - schen Polizei zugeführt. Die festgenommenen Nationalsozialisten hatten sich noch vor der Festnahme ihrer Schußwaffen entledigt.
Nazis als Abzeichenräuber. Ein Zeitungshändler der republikanischen Zeitung„Alarm", der gestern nachmittag an der Ecke B ü l o w- und P.o t s d a m e r Straße stand, wurde von drei uniformierten Na- tionalsozialisten überfallen. Die Burschen entrissen dem Händler 59 Abzeichen der„Eisernen Front" und flüch- teten. Die Verfolgung der feigen Burschen, die in einem Haus in der Kurfürftenftraße oerschwanden, verlief zunächst ergebnislos. Der „Alarm"-Händler nahm also seinen Stand wieder ein. Nach einiger Zeit sah er einen der Abzeichenräuber— nun aber in Zivil— über die Potsdamer Straße gehen. Der Bursche wurde von der Polizei festgenommen und zum nächsten Revier gebracht. Nach anfänglichem Leugnen gab der 18jährige Nationalsozialist zu, an dem Vorfall beteiligt gewesen zu sein. Die Abzeichen will er jedoch nicht gestohlen haben und seine Kumpan« natürlich nicht kennen; er wurde der Politischen Polizei übergeben, der es bald gelingen dürfte, auch die beiden anderen Täter zu ermitteln.
Tumylis am Potsdamer plah. Kommunisten zertrümmern Fensterscheiben. In den gestrigen späten Nachmittagsstunden rotteten sich am Potsdamer Plag größere Trupps Kommunisten zusammen, es bildete sich wie auf Kommando ein ntehrere hundert Mann starker Demonstrationszug. Hoch- und Niederrufe ertönten. Zlls einige Verkehrsbeamten eingreifen wollten, warfen die Demon- stranten mit Steinen. Vor dem Restaurant „P s ch o r r" am Potsdamer Platz ballte sich eine größer« Menschen- menge zusammen und durch Steinwürfe wurden einige Fenster- scheiden des Lokals zertrümmert. Bei dieser völlig sinnlosen Aktion verhetzter Halbwüchsiger wurde eine Angestellte des Restaurants durch einen Steinwurf am Kopf verlegt. Das Mädchen wurde zur Rettungsstelle in der Eichhornstrahe gebracht. Es war hier dieselbe Taktik und dasselbe Manöver, das am Vortage die Nazis beim Aufmarsch der Marinewache anwandten, wo auch die Polizei in unerhörter Weise provoziert wurde. Diesmal konnte jedoch durch das Einsetzen mehrerer Schupoabteilungen die Ruhe sehr schnell wieder hergestellt werden. Da erneute Zusammenrottungen in der Leipziger - und Friedrich-
Devalidm- Wie man mit fremde Im Devahe im- Prozeh wurde gestern nachmittag noch einmal Direktor Dr. Doth, der Vorstandsmitglied des Dsvaheim-Konzerns war, als Zeuge gehört. Er schilderte zunächst, daß er im März 1939 zuerst als Sekretär des Generaldirektors I e p p e l in den Konzern eintrat, um sich über das Bausparwesen zu informieren. Die Verteidigung hielt dem Zeugen vor, daß er zunächst eine reine Volontärtätigkeit betleidet habe, dafür aber ein Gehalt von 759 M. m o n.a t- lich bekommen habe. Diese Tätigkeit habe etwa 8— 19 Wochen gedauert, dann habe er, wie er weiter schilderte, drei Wochen mit der Aufstellung eines rechnerischen Plans über die Entwicklung einer Gruppe von 199 Bausparern zu tun gehabt. R.-A. Dr. Möhring: Für diese Arbeit haben andere Angestellte einen Tag gebraucht. — Staatsanwalt: Aber mit welchem Resultat. Es wäre besser gewesen, wenn die andern auch drei Wochen daran gearbeitet hätten.— Direktor Voth bekundete weiter, daß er wegen D i f f e- r e n z e n mit dem Angeklagten Pastor v. Cremer und dem General- direktor Isppel schließlich aus dem Vorstand des Devaheim-Konzerns ausgeschieden sei. Schon im November 1939 habe er an Pastor Cremer einen Brief geschrieben, daß die Deoaheim in der nächsten Zeit 2X Millionen Bauspargelder auszahlen müsse und nicht über diese Mittel verfüge. Wie man mit dem Gelde der Gesellschaft wirtschaftete, zeigte das Gutachten des Autosachverständigen Polizeihauptmann a. D. Fiedler. Der Chauffeur konnte machen, was er wollte, niemand kontrollierte seine Ausgaben. Natürlich glaubte er, daß bei einem so großzügigen Arbeitgeber das Teuerste und Beste, so reichlich wie möglich eingekauft, gerade gut genug sei. Daß es aus fremden Taschen ging, war nicht feine Angelegenheit. Allgemeine Heiterkeit
straße befürchtet wurden, traten Schuposchnellwagen und berittene Schupo in Aktion, die unaufhörlich die Straßen patrouillierten. Während es in der Innenstadt zu weiteren Zwischenfällen nicht mehr kam, randalierte gegen 18 Uhr ein abgedrängter Komunistentrupp am Halleschen Tor. Auch an dieser Stelle konnte von der Polizei sehr schnell Ruhe geschassen werden. Insgesamt wurden etwa zehn Rädelsführer festgenommen und der Politischen Polizei übergeben.
Ein Freispruch im Oevisenschieberprozeß Aber Gefängnis für den Schweizer Kahn Das Schöffengericht Berlin-Mitte, unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor N e u m a n n, verurteilte gestern abend den Schweizer Weinhändler M y r t i l Kahn wegen fortgesetzter Vergehen gegen die Verordnung über die Devisenbewirtschaftung zu 6 Monaten Gefängnis und 6999 Mark Geldstrafe unter Anrechtung von 6 Wochen Unter- suchungshast und unter Aussetzung der Untersuchungshaft gegen eine Sicherheit von 15 999 Mark. Papiere im Werte von 329 999 Mark wurden für eingezogen erklärt. Der Berliner Bankier Robert Bernheim wurde freigesprochen, da ihm eine Mittäterschaft an den zwischen dem Angeklagten Kahn und dem durch Selbstmord ge- endeten Bankier Blum getätigten strafbaren Devisengeschäften nicht nachgewiesen werden tonnte. Der Haftbefehl gegen ihn wurde aufgehoben.
Die Berufsschulbeiträge für 1S32. Der Stadtverordnetenversammlung ist die Vorlag« über die Berufsschulbeiträge im Rechnungsjahr 1932 zugegangen. Vorgesehen sind Beiträge von den Gewerbetreibenden(mit Ausnahme der freien Berufe) für ihre Betriebsstätten im Gemeindebezirk in Höhe von 17 Proz. der Grundbeträge der Gewerbeertragsteuer und 59 Proz. vom Grundbetrag der Lohnsuiktmenstsuer. Di« nicht- gewerbetreibenden Arbeitgeber(einschließlich der freien Berufe) haben 3 M. für jeden von ihnen beschäftigten kranken-, invaliden- oder unfallversicherungspstichtigen Arbeiter und Ange- stellten(einschließlich der Lehrlinge) zu zahlen, soweit die Jugend-
Wirfscliaft. i Gelde um sich warf. löste die Feststellung des Sachverständigen aus, daß der Chauffeur in einem Jahr nahezu einen halben Zentner Putzlappen liguidiert hatte, die Zahl der Putzleder war so groß, daß man sich davon einen kompletten Lederanzug hätte machen können. Auch für das Vulkanisieren von Reifen und für Reparaturen, sogar für das Nachstellen von Bremsen, was nach Ansicht des Sachverständigen von dem Chauffeur sehr leicht hätte selbst gemacht werden können, waren erhebliche Beträge verwendet worden. Bei spar- samerer Wirtschaftsführung hätten die Kosten um 17— 29 Proz., also um elwa 3999 2!?. im Iahr, geringer hätten sein können. Die Verhandlung wurde dann schließlich auf Donnerstag früh vertagt. Die Enttäuschten appellieren an die Kirche. Die Versammlung der Deoaheim- und Deuzag-Gläubiger faßte auf Grund eines Referats des Konkursverwalters und der Aus- führungen von Mitgliedern des Gläubigerausschusses eine Eni- schließung, wonach die bei Konkurseintritt vorhandene Masse in schwerer gemeinsamer Arbeit nicht nur erhalten, sondern v e r- g r ö ß e r t worden sei. Die vorhandene Konkursmasse stelle heute einen Wert dar, der unbedingt für die Befriedigung der Gläubiger erhalten werden muß. Dieser Wert kann nur erhalten werden, wenn die von der Kirche an den Konkursver- walter gegebene verbindliche Zusage umgehend eingelöst wird. Die Gläubigerveriammlung richtet, wie dies auch schon der Konkursverwalter getan hat, hiermit die erneute AuDorderung an die Kirche, ihrer Verpflichtung nachzukommen. Nun- mehr ruht alle Verantwortung bei der Kirche und der Inneren Mission.
lichen der einzelnen bei ihnen beschäftigten Arbeiter und Angestellten gleichfalls berufsfchulpflichtig sind. Der sich hieraus ergebende Be- trag von rund 3,3 Millionen Mark ist bereits im Haushaltsentwurf für 1932 als Einnahme beim Berufs- und Fachschulwesen vorgesehen.
Krawall um einen Kautionsfchwindler. Im Laufe des gestrigen Tages spielten sich im Osten Berlins vor dem Haufe Cadiner Sraße 16 erregte Szenen ab. Mehr als dreißig Personen forderten von dem Inhaber einer dort gelegenen Polsterwerkstatt, dem 58 Jahre alten Kaufmann Richard Labuhn, die Rückgabe ihrer als Kaution gegebenen Gelder. Es kam zu so heftigen Aufttitten, daß die Polizei einschreiten mußte, und für den Kaufmann war es fast ein Glück, daß ihn die Kriminalpolizei wenige Stunden zuvor schon wegen Betruges verhaftet hatte, denn er wäre wahrscheinlich sonst der Wut der Betrogenen zum Opfer gefallen. Schon im vergangenen Jahr schwebten gegen L. mehrere An- zeigen wegen Kautionsschwindels, und er wurde deswegen zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, erhielt aber Bewährung?- frist. Diese nutzte er nun wieder aus, um erneut Kautions- betrügereien zu verüben. Bisher sind bei der Kriminal- polizei über 59 Fälle bekannt geworden, bei denen es sich je- weils um Beträge bis zu 599 M. handett. L wechselt ständig seine Wohnung aus Angst vor seinen Opfern. Er suchte für seinen „Betrieb" Chauffeure, Mitfahrer, Kassierer und Boten, gab an, zwei Auws zu unterhalten und enorme Außenstände zu haben. Unter diesem Vorwand nahm er den Leuten die Kautionen ab. Als jetzt zahlreiche Anzeigen einliefen, griff die Kriminalpolizei zu.
Fünf Jahre Republikanischer Pfadfinderbund. Der Deutsche Republikanisch« Pfadfinderbund hiett vor kurzem in Carlshafen an der Weser sein Bundes- treffen ab. In den fünf Iahren seines Bestehens ist es dem Bunde gelungen, trotz aller Anfeindungen von rechts- und linksradikaler Seite seine Mitgliederzahl stark zu erhöhen. Das Bundestreffen in diesem Jahre stand unter dem Zeichen der allgemeinen Not, so daß die meisten Ortsgruppen nur chre Führer entsenden konnten. Die
f-aW-a? 23\Aj\.'VtäLt A Ihre vollen Lippen neigen sich heiß zu feinem Gesicht. Karel zittert noch mehr. Wird sie ihn küssen? Nein, die Lippen küssen nicht, sie befehlen:.Komm!" Karel erschauert. Er löst sich von der Mauer. Tastend strecken sich seine mageren Hände vor. Wie ein Nachtwandler setzt er seine Schritte. Kleine Schritte sind es, als ob seine Füße gefesselt wären. Er geht auf das Himmelbett zu, das voll Brokat prangt. Auf seinem Rand sitzt hochgerafften Kleides die Königin. Ueber ihr, an der Wand, hängt mit ausgebreiteten Armen ein Schmerzensmann. Karel stürzt keuchend seiner eigenen Kreuzigung zu. Dem tiefsten Schmerz ist die höchste Wollust verschwistert. Karel weiß nicht, wie viele Stunden, wie viele Jahre er hier verbracht hat. Er weiß nur, daß es sich ihm wie ein Brand entgegenwarf und daß es ihm die Seele aus den Bliu- odern sengte. Die Maße der Welt sind für ihn zerbrochen. Ein Funken- mantel hat ihn eingehüllt, Feuerhände haben ihn hingerissen. Karel hebt sich und schwebt. Karel schwebt als Feuer- stern im lohenden Raum, einem mächtigeren Feuersterne be- gegnend. Die ungeheure Vermählung, die folgt, reißt licht- brüllend das Tor zur Unendlichkeit auf. Zu Ewigkeiten dehnt sich die Fülle der stöhnenden Lust... Als Karel wieder zur Erde kommt, sind alle Zeichen des Himmels verflogen. Kein Funkenmantel deckt ihn mehr. Karel liegt nackt neben einem Weibe. Noch nie bis jetzt hat er einen entblößten Frauenkörpsr ge- sehen. Es ist ihm alles unbekannt, was sein Auge erblickt: die im Atemstoß sich rhythmisch hebende Fülle der Brust, Macht und Pracht des Leibes, das Schenkelpaar, das milchige Licht des beruhigten Fleisches. Karel staunt,
Unwirklich scheint ihm das alles, wie verhangen. Er braucht Zeit, um sich zurechtzufinden. Ist das ein Traum, in dem er schwebt? Aber, wenn das ein Traum ist, warum liegt dann nicht Luzia neben ihm? Warum ist er Gesell eines fremden Wesens, das er nicht kennt? Eine zärtliche Stimme ruft seinen Namen. Er will diese Stimme nicht hören. Er wühlt seinen Kopf in die Kissen. Er verschließt gewaltsam Auge und Ohr. Eine Hand tastet nach ihm; keine Hand des Zugriffs mehr, nein, eine unendlich gelöste Hand. Aber er rückt mit Abscheu die Hüfte von ihr, als ob diese Hand eine stechende Natter wäre. Eine zärtliche Stimme klingt dicht über ihm. Karel rührt sich nicht. Die Stimme, die da redet, weckt kein anderes Echo in ihm, als Haß gegen sie, die Verführerin, ohnmächtige Wut gegen sich selber. Ganz andere Stimmen gehen gegen ihn an: Hier liegst du in den Betten einer Ehebrecherin, dir zum Ekel, deiner Knappenschaft zum Abscheu, zur Schande! Wie willst du bestehen, wenn dich Herr Kepka befragt? Wie willst du bestehen vor Luzias forschenden Augen? Die Trauer und Trostlosigkeit aller Kreatur springt ihn an. Seele, wo ist da ein Ausweg? „Knabe, du weinst?" Das nackte Weib neben ihm faßt seine zuckenden Schullern. Er stößt es jäh von sich, rücksichtslos, heftig. Cr kann keine Berührung von dieser Hand mehr ertragen Die Königin packt den Schopf des Widerstrebenden und zieht ihn mit Gewall aus den Kissen. Sie will den Weinen- den zwingen, ihr in die Augen zu sehen. Aber chre Stimme ist gar nicht mehr zärtlich, nein, es liegt etwas von dem Fauchlaut einer gereizten Katze darin, als sie zwischen zusammengebissenen Zähne/r hervorstößt: .Küsse! Hörst du! Auf der Stelle küsse mich! Oder du sollst brennen wie morgen dein Hus!" Und nun geschieht das Unbegreifliche, jene tolle Szene der Wellgeschichte, von der nur darum keine Chronik meldet, kein Historienbuch, well deren Schreiber gemeiniglich nur in den Vorzimmern schlafen und nie selbst dabei sind bei den Kämpfen und Krämpfen in der verbuhllen Fürstinnen Betten und Kissen: I
Karel schlägt der Königin, die nackt über ihm kauert, voller Wut ins Gesicht! Blut springt ihr aus Nase und Mund, und mit einem Aufschrei sinkt sie zurück, als fei sie von einem Mörder ge- troffen. Bis ihre Frauenzimmer sie finden, ihr ein Hemd über- werfen, dann nach Essigtüchern laufen und ihr die Ohnmacht und das verkrustete Blut aus dem mißhandelten Antlitz reiben, ist es späte Dämmerung geworden. Breit klafft das Fenster offen; vom See her kommt kühlig ein Wind. Schon steht hoch im Osten Venus am Himmel, der Stern der Liebenden. „Wo ist der Knappe?" Sie mag fragen wie sie will, ihre Frauenzimmer zucken nichtwissend die Schullern und legen die boshaften Köpfe schief. Keine von ihnen hat das gelbe Wams fortgehen sehen. Die Königin findet keine Ruhe. Sie wandert von Zimmer zu Zimmer, in ihrer Unrast einer gefangenen Wölfin gleichend. Bei der Tafel nachher verweigert sie Speise und Trank. Nicht einmal die köstlichen, wie Sirup glänzenden äthiopischen Feigen rührt sie an. Das Erlebnis mit diesem böhmischen Knaben sitzt ihr wie ein Stachel im Blut. O, nur ihn finden! Sie will ja allen Stolz von sich tun! Wie die niederste Magd will sie sich vor Karels Türschwelle legen. Mag er über ue hinschreiten, mag er sie treten Das wird ihr Sühne und Auslösung sein! Sie will ausgehen und läßt sich ihren seidenen Ueber- wurf bringen.„Nein, keine Sänfte!" Sie winkt ab. Die Frauenzimmer folgen ihr. Am eisernen Gittertor, das vom hastigen Ausstoßen in den Angeln zittert, schickt sie alle zurück und tritt allein in die Gasse. Sie mag laufen wie sie will, das ganze abendliche Kon- stanz ist auf den Beinen, Pfaffen und Laien streifen in großer Zahl, aber nirgendwo ist ihr Knabe Karel dazwischen. Die suchende Königin biegt schließlich in die Gasse ein, wo die Herberge der Böhmen steht. Da wird sie auf dem Rückweg von einem abenteuerlustigen Bäuerlein aus der Höri angesprochen, das gern sein heut gelöstes Marktgeld los- werden möchte. Tief bis zum Boden zieht es vor der ver- mummten Frau sein zerschlissenes Hütlein. „Madam", fragt das Männlein vom Lande,„seid Ihr eine Hur?" ......,..(Fortsetzung folgt.)