Nr. 257.49. Jahrgang
1. Beilage des Vorwärts
DerTodesschrei des Jungen
Freitag, 3. Juni 1932
Rätsel der Viertelstunde im Mordfall Ziehm- Systematisches Leugnen törner, die im nächsten Frühjahr ausgefät werden, bringen
Das heufige Zeugenverhör im 3ie hm- Prozeß war mit dramatischer Spannung geladen; Kriminalfommissar Irettin, der die Untersuchung gegen die Angeklagten geführt hatte, bemühte sich, das Rätsel jener verhängnisvollen Viertelstunde aufzuklären, in der das Verbrechen an dem kleinen Hans- Georg verübt worden sein muß.
Vors: Wann erschienen Sie in Fürstenberg? 3euge: Ich wurde erst 36 Stunden nach der Tat gerufen. Inzwischen war wertvolle Zeit verlorengegangen, denn die beiden Frauen waren ja frei und konnten tun, was sie wollten. Es galt, den springenden Punkt dieses ganzen Falles, die Tatzeit, festzulegen. Ich habe es mit der Einkreisung dieser Tat versucht und bin zu dem Ergebnis gekommen, daß sie sich nur zwischen% 41 und 1 Uhr nachts abgespielt haben kann. Innerhalb dieser Viertelstunde ist der Tod des Jungen eingetreten. Frau Ladewig war in dieser Zeit allein im Zimmer. Erst durch den gellenden Schrei wurden die Eltern alarmiert und famen ins Todeszimmer.
Dieser Schrei scheint auch für Frau Ladewig überraschend gekommen zu sein. Ich bin überzeugt, daß es der Todesschrei des ' unglücklichen Kindes war. Er war nicht im Programm vorgesehen...
Berteidiger: Diese Art der Zeugenaussage geht doch zu weit. 3euge: Ich muß Ihnen doch zeigen, wie ich zu meiner Konstruktion gekommen bin. Es tamen in erster Linie drei Per
sonen in Frage: die heutigen Angeklagten und der Lehrer Ziehm. Ziehms Aussagen schienen von vornherein vollkommen glaubhaft. Ich hielt der Frau Ladewig vor, daß nur sie allein das Kind vergiftet haben kann. Frau Ladewig leugnete und leugnete. Schließlich gestand sie, daß sie dem Jungen doch Wasser gegeben habe. Sie war sich der Bedeutung dieser Aussage bewußt und hat sie später auch verschiedentlich widerrufen. Es war ungeheuer schwer, die Frauen zu vernehmen, weil sie einfach alles leugneten. Frau Ladewig hatte die Trinkszene genau geschildert. Sie erklärte:„ Ich trat mit dem Wasserglas an Hänschens Bett. Hänschen tranf aus diesem Glas." Und merkwürdig: nachher war das Glas nicht aufzufinden. Warum hat Frau Ladewig das Glas verschwinden lassen, wenn es nichts als Wasser enthalten hatte?
Genau so mühsam war die Feststellung, wie das Chlorkali ins Haus gekommen war. Frau Ziehm hatte erst beim neunten Verhör gestanden, daß sie es gekauft hat! Dabei hatte dieses Leugnen angesichts des großen Fundes, des Kassenzettels vom 16. November, in dem der Kauf des Chlorfalis bestätigt wurde, keinen Sinn. Aber Frau Ziehm hatte eine unüberwindliche Abneigung gegen die Wahrheit.
Der Sachverständige Professor Dr. Ralisch hält dem Zeugen vor, daß der Zeitraum von einer Viertelstunde für eine Chlorkalivergiftung zu furz scheine. Ob er nicht glaube, daß man dem Kind schon früher Giftdosen verabreicht habe? Der Zeuge erklärt, daß er das nicht für wahrscheinlich halte. Er fönne zwar nicht das Gegenteil beweisen, aber schließlich sei es Sache der Sachverständigen, diese Frage zu klären.
Das Rasseamt für Kartoffeln.
Ein Einblick in die Geheimnisse der Natur. - Die Registerkommission.
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Das Lichtfeimverfahren.
Dem Anbau von Kartoffeln in Deutschland wird heute mehr| der Lebenslauf, die Herkunft, der Charakter oder die Güte Aufmerksamkeit gewidmet als jeder anderen Feldfrucht. Die er- der Kartoffelforte, ihr Geschmad und Ertrag, und was es sonst höhte Bedeutung macht sich schon darin bemerkbar, daß bereits noch bei einer so gewichtigen Persönlichkeit wie die der Kartoffel seit 1925 eine wissenschaftliche Kommission besteht, die als ,, Kar zu vermelden gibt. toffelforten Registerfommission" bezeichnet wird und die Aufgabe hat, dem Sortenwirrmar zu steuern. Diese Kommission arbeitet mit Unterstüßung der landwirtschaftlichen Spizenorganisationen und des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirt schaft hauptsächlich in der Biologischen Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Berlin- Dahlem , deren Abteilung für Sortenfunde eine wichtige Ergänzung der Abteilung für Kartoffelfrankheiten, insbesondere des Kartoffeltrebses, bildet.
Es ist eine der interessantesten Erscheinungen voller biologischer Eigentümlichkeiten, die die Tätigkeit der Kartoffelsorten- Registerkommission ausmacht. Der Leiter der Abteilung, Regierungsrat Dr. Snell, macht den Besucher vorerst mit den Voraussetzungen vertraut, warum die vorhandenen Kartoffelsorten in Deutschland registriert werden mußten. Es herrschte noch vor 10 Jahren ein solcher Sortenwirrwarr, daß sich kein Mensch darin zurechtfinden fonnte. Ueber 1200 Sorten waren vorhanden und als die Arbeit begann, diese Sorten auf ihre Merkmale zu untersuchen, stellte es sich heraus, daß nur knapp 200 Sorten übrig blieben, die anderen hatten ihren Ursprungsnamen mit irgendeinem schöneren vertauscht. Dabei ist zu bedenken, daß von diesen 200 noch bestehenden Sorten, die man als Originalsorten ansprechen könnte, nur etwa 20 von größerer Bedeutung sind, während die übrigen als Lokalforten oder Sorten für besondere Zwecke nur eine geringere Rolle spielen. Was die Wissenschaft einmal in die Hand nimmt, betreibt sie gründlich! Und so sehen wir in der Kartoffelsorten- Registerkommission Schränke angefüllt mit Akten, die wie ein Verbrecher album die Sorten sorgfältig verbucht haben. Ein Künstler in seinem Fach hat die hauptsächlichsten Stammsorten in ihren Knollen, Blättern und Blüten mit minutiöser Genauigkeit nach Farbe und Form im Aquarell festgehalten. Die Kunstblätter dienen zu Vergleichsstudien, menn lebendes Material eingeliefert wird. Ein anderes Blatt aus einer der vielen Mappen zeigt die gepreßten Blätter und Blüten der betreffenden Sorten, um die Erkennungsmerkmale durch Blattzähnung, Behaarung, Blütenspißen usw. zu besigen. Das wichtigste Vergleichsmaterial, die natürlichen Knollen und die grünen Samenfrüchte vom Kartoffelkraut, sind in Hunderten von Gläsern fonserviert. Natürlich liegt in den Mappen auch schriftlich vermerkt
JUNO
Blüte kreuzt der Züchter unter sorgfältigster Beobachtung durch fünstliche Uebertragung des Blütenstaubs zwei verschiedene Sorten. Aus dieser Kreuzung entsteht ein Bastard, der die guten oder minderwertigen Eigenschaften der Bater- oder Mutterpflanze in sich vereinigen kann. Die kleinen, sorgsam gewonnenen Samen= Pflanzen zutage, die schon im ersten Jahr zu richtigen Kartoffelstauden auswachsen können; die Vermehrung findet aber nach dem ersten Jahr des Wachstums der Pflanze nur mehr durch die Knollen in der Erde, also ungeschlechtlich statt. Der Züchter muß dauernd an den Formen der Pflanze und an dem Ergebnis der Knollen kontrollieren, was ihm als wertvoll aus seiner Kreuzung erscheint. Er wird nur die besten und schönsten Knollen zur Fortpflanzung benugen. Es währt 10 bis 12 Jahre, ehe eine Neuzüchtung marktfähig wird und dabei ist es natürlich wichtig, daß die Krebsfestigkeit und die Neuheit der Sorte frühzeitig festgestellt wird, damit nicht durch Verwechslung im Lager oder auf dem Feld eine alte Sorte unter neuem Namen vermehrt wird und sich später als eine ganz gewöhnliche Dabersche oder Industrie- Kartoffel herausstellt. Der Publikumsgeschmad ist beim Kartoffeltauf wechselnd mie feiner weiß warum? werden nur die Damenmoden; zur Zeit gelbfleischige Kartoffeln bevorzugt und darum auch vom Kartoffel= anbauer auch nur gezogen, obwohl die weißfleischigen, mehligen viel nahrhafter und bekömmlicher sind. Und doch befassen sich Hunderte von Landwirten und Gärtnern nicht nur in Deutschland , England, Schottland , Schweden und Polen mit diesem so wenig erträglichen Sport der Neuzüchtungen.
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Ein gemeiner Betrüger.
Frauen um ihre letzten Spargroschen gebracht.
In der letzten Zeit war wiederholt ein gemeiner Betrüger in zahlreichen Fällen mit Erfolg tätig. Der Bursche sucht Frauen auf, deren Männer durch einen Unglücksfall ums Leben gekommen sind und stellt sich als Vertreter der Reichsversicherungsanstalt vor. Er erzählt seinen Opfern, daß ihnen eine Witwenrente in Höhe von 80 bis 90 M. zustehe. Die Rente könne aber nur bewilligt werden, wenn die legten rückständigen Beiträge des Verstorbenen gleich bezahlt würden.
Die Frauen fallen auf diesen Trick meistens herein, zumal der Betrüger sehr sicher auftritt. Er hat eine Aktentasche bei sich, holt verschiedene Akten hervor, legitimiert sich durch einen falschen Ausweis und wiegt seine Opfer dadurch in Sicherheit. Dem gewissenlosen Burschen fallen regelmäßig Beträge von 40 bis 60 M., oft die legten Spargroschen der armen Frauen, in die Hände. Der Täter hat verschiedentlich Quittungen mit dem Namen Reimann, Reinhardt, Bormann usw. unterzeichnet. Von der Kriminalpolizei, die dem Betrüger das Handwerk noch nicht legen konnte, wird folgende Personalbeschreibung gegeben: 35 bis 38 Jahre alt, schwarzes, volles, welliges Haar, kleiner Schnurrbart und große, braune Augen. Der falsche Versicherungsbeamte trägt häufig einen faffeebraunen Anzug. Sollte der Schwindler in den nächsten Tagen wieder irgendwo auftauchen, ist seine sofortige Festnahme zu veranlassen.
Ein anderes Mittel zur Sortenfeststellung, das schneller und sicherer als die Detektivkartei arbeitet, ist das vom Regierungsrat Snell entdeckte Lichtfeimverfahren, das eine Feststellung am lebenden Objekt ermöglicht. Die Merkmale der Pflanze zeigen nach dem Darwinschen Vererbungsgeseh keinerlei Veränderungen, soweit ihre Vermehrung ungeschlechtlich ist, d. h., bei den Kartoffeln, daß sie durch die Knollen in der Erde erfolgt. Jede Kartoffelpflanze ist nur ein Ableger oder ein Teil der vorjährigen Pflanze und diese wieder der vorvorjährigen usw. Sie müssen also alle die Merkmale Reichswehroffizier bei einer Lebung getötet. der Ursprungspflanzen tragen, fie vererben aber auch ihre Eigenschaften, die guten und die schlechten. Die Sorten, die gegen Krebs nicht immun sind, der gefürchtetsten Kartoffelkrankheit, die ganze Landstriche verseucht, diese Sorten werden auch diese üble Eigenschaft immer beibehalten, ganz gleich, auf welchem Boden und in welchem Klima fie gedeihen. An diesem biologisch wichtigen Prinzip ermißt man die größte Bedeutung, die die Sortenbestimmung für den Züchter und Landwirt hat.
Leutnant Werner Cenné von der 3. Abteilung des Artillerieregiments 5, Ludwigsburg , war am Donnerstagfrüh als Offizier zur Beobachtung am Ziel während des Scharfschießens kommandiert. Aus Dienstinteresse ließ sich der Offizier verleiten, entgegen den Bestimmungen den schußsicheren Unterstand vorübergehend zu verlaffen. Er wurde von einer in der Nähe einschlagenden Granate getroffen und sofort getötet.
Im Snellschen Lichtkeimverfahren werden die Knollen einer jeden Probe der zu prüfenden Kartoffeln auf einer kleinen Nagelleiste aufgespießt, die dann in einem Warmhaus auf Regalen eingeordnet werden. In der tropischen Temperatur, die hier herrscht, entwickeln sich sehr schnell die Lichtkeime an den Knollen. Schon bei ihrem ersten Wachwerden zeigen sie ganz charakteristische Merkmale: die einen kommen rot äugig oder blauäugig aus den Reimnarben, andere mit feinbehaartem oder unbehaartem Reime, die sich untereinander wieder durch blaue, graue oder grüne Blattspigen unterscheiden. Diese Erscheinungen sind so konstant und bei jeder Kartoffelforte unveränderlich, daß sich für den Fachmann trische Gutachten erklärt Matuschka für geistig voll verant hier eine unbedingt zuverlässige Sortenbestimmung ermöglicht.
Kartoffelzucht durch Samen.
Die Frage nach dem Zustandekommen einer Neuzüchtung führt das Thema auf die Vermehrung der Kartoffel durch Samen. Es ist dies eine Anwendung der Mendelschen Regel von der Vererbung der männlichen und weiblichen Eigenschaften. Zur Zeit der
den Eisenbahnattentäter Sylvester Matuschka vor dem Landesgericht in Wien nunmehr endgültig am 15. Juni und wird drei Tage dauern. Den Vorsitz führt Oberlandesgerichtsrat Dr. Zeidler, die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. Freiinger. Das von den Professoren Bischof und Hövel erstattete eingehende psychia=
wortlich.
Stadtdirektor Sommerburg freigesprochen. Nach mehrtägiger Berhandlung sprach das Schöffengericht Schöneberg den Direktor des Bezirksamts Neukölln, Bruno Sommerburg, von der Anflage der fortgesezten Untreue zum Nachteil der früheren Neutöllner Stadtbant G. m. b. H. auf Kosten der Staatskasse frei.
Deutsche Wertarbeit darf sich mit vollem Recht
JOSETTI WERTARBEIT
die gute JUNO nennen.
Gerade weil sie jede Zugabe in Form von Wertmarken, Gutscheinen oder Stickereien ablehnt, ist der Raucher sicher, höchsten Gegenwert in bester Tabakmischung zu erhalten. Rauchen auch Sie
Juno!
Wer Juno raucht, hat mehr vom Leben!
Josetti
JUNO
o/ M.rund
6 STUCK 20%
KON LINON