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Keine sofortige Verhaftung der Sklareks.

Drei Tage Gewahrsam im Gefängnislazarett.

Zu seinem in der Abendausgabe bereits mitgeteilten 3ucht. Straftaten zu strupellos, zu gemeingefährlich und von zu langer hausantrag gegen die Gebrüder Sklaret führte der Ober- Dauer gewesen. Auch bei den Beamten habe er lange gezögert, ftaatsanwalt Frhr. v. Steinäder in der Urteils begrün- aber trotzdem mildernde Umstände zugebilligt. dung etwa folgendes aus:

Bei der Würdigung des Strafmaßes mußte der angerichtete Schaden in Höhe von 10 Millionen Mart eine Rolle spielen. Noch schlimmer sei allerdings der moralische Schaden und die Tatsache, daß es eine Korruption in der Stadt Berlin gegeben habe. Die Schulb der Sflarets sei zweifellos größer als die der Beamten, obwohl es schon sehr schmutzig bei ihnen zugegangen sei. Der Oberstaatsanwalt erklärte, seine Aeußerung, daß Oberbürgermeister Böß und die übrigen Personen der Stadt nichts mit der strafrechtlichen Schuld zu tun hätten, set mißverstanden worden und sollte nicht heißen, daß sie nicht auch ihre Schuld hatten. Die städtische Leitung habe wenig Finger­Spizengefühl gehabt man fönne es auch anders nennen-, als fie die Stlarets als Ehrengäste zu festlichen Gelegenheiten hinzu­zogen. Das nenne ich Tanz ums goldene Kalb, das geschah nur, meil die Sflarefs reich waren." Freiherr v. Steinäder ging auch auf das in der Hauptverhandlung zutage getretene Spendensystem ein, das leicht zu Mißdeutungen Anlaß geben fonnte. Es sei auch nicht zu verschweigen, daß es der Dienstaufsicht durch Oberbürger­meister Böß an der nötigen Energie gefehlt habe, daß er auf der Höhe seiner Stellung in Weihrauchwolken schwebte und die nach geordneten Stellen die Berantwortung tragen ließ, die er tragen follte.

Ferner wies der Oberstaatsanwalt darauf hin, daß sich die Stlarets auf das System Rieburg berufen hätten. Sie hätten dieses System aber längstens ausgebaut und weitergeführt. Zur Frage der mildernden Umstände betonte Oberstaatsanwalt Freiherr v. Steinäder, daß den Stlarets trotz ihrer Unbestraftheit Milde rungsgründe versagt werden müßten, es sei eine Unmög­lichkeit, ihnen mildernde Umstände zuzubilligen, dazu seien ihre

Nach längerer Beratung verkündete das Gericht folgenden Be Schluß: Der Antrag der Staatsanwaltschaft, die Angeklagten Leo und Willi Sklaret in Haft zu nehmen, wird abgelehnt, da das Gericht auch zur Zeit bei keinem der beiden Angeklagten Fluchtverdacht für begründet erachtet. Die Angeklagten Leo und Willi Sklaret werden bis zum nächsten Verhandlungstermin am Montag, dem 6. Juni, zur Aufrechterhaltung ihrer Verhandlungs­fähigkeit in Gemahrsam genommen und in das Lazarett des Untersuchungsgefängnis gelegt."

Leo Stlaret beleitete die Ausführungen des Vorsitzenden mit unartitulierten Zwischenrufen und Schluchzen, aus dem nur mehrmals die Worte: ,, Gott , o Gott, das ist ja furchtbar, das ist ja nicht möglich", herauszuhören waren. Auch Willi Stlaret bat unter Tränen den Vorsitzenden, diesen Beschluß rückgängig zu machen, und versprad), immer pünktlich vor Gericht zu erscheinen, man möge ihn doch auf freien Fuß belaffen. Der Vorsitzende cr­flärte aber sehr ernst, daß es bei seinem Entschluß bleibe. Willi und Leo Schlaret baten dann noch, daß man sie wenigstens unter Aufsicht mit ihren Frauen telephonieren lasse, was der Vorsitzende ihnen nicht abschlug, aber zunächst wurde die Verhandlung fort gefeht, nachdem sich Leo und Willi Sklaret für verhandlungsfähig erklärten. Der Vorsitzende gab dann dem Geschäftsführer Dr. Kessel als Vertreter des als Nebenfläger zugelassenen Vereins gegen das Bestechungsunwesen das Wort.

Der Borsigende setzte die Verhandlung dann bis Montag, den 6. Juni, aus, wobei er darauf hinwies, daß von der nächsten Woche, in der die Plädoyers der Verteidiger beginnen, ab viermal verhandelt werden müsse, um den Prozeß vor Beginn der Gerichts­ferien beendigen zu können.

Gemeinden ohne Rettung.

Katastrophale Folgen der Krisenmacherei.

Gefahren für die Arbeitslosen.

Die ersten schwerwiegenden Folgen der Krisenmacherei| man in der ersten Lesung fertig. Augenblicklich wird an den Ab­haben die deutschen Gemeinden zu spüren bekommen. schnitten über die allgemeine Verwaltung und über das Kapitel Durch den Sturz der Regierung Brüning in einem Kapital und Schulden" verhandelt. Am Montag wird man voraus­Augenblick, da das Reich sich endlich zu einer Stükungs- sichtlich mit der ersten Lesung vollkommen fertig werden. Nach einer aktion aufraffen wollte, ist die Gefahr des finanziellen furzen Bauſe will der Ausschuß die zweite Beratung am 13. Juni aufnehmen. Die Stadtverordneten hoffen, die zweite Beratung schon Zusammenbruches der deutschen Kommunalver­am 15. abschließen zu können, und der Stadtverordnetenvorsteher waltungen erschreckend nahe gerückt. Im Mai sind nur plant, den abgeänderten Haushaltsentwurf zur endgültigen Beschluß­noch 70 Proz. der Reichszuschüsse ausgezahlt worden und fassung am 23. Juni im Stadtparlament auf die Tagesordnung zu bie 60 bis 70 Millionen Mark, die den Gemeinden im sezen. Juni zufließen sollten, sind in weite Ferne gerückt. Die Finanznot der deutschen Gemeinden hat so katastrophale Ausmaße angenommen, daß es für einzelne Stadtver­waltungen nur noch eine Frage von Wochen ist, ob an die Stelle geordneter Finanzverhältnisse anarchische Zustände treten sollen. Besonders verheerend wirkt sich das Ausbleiben der Reichshilfe auf die Neichshaupt­stadt aus. Berlins Zusammenbruch wird unaufhaltsam sein, wenn man die Dinge so weiterlaufen läßt wie bis: her. Die neue Regierung der Herren Barone wird sich über die Folgen eines Zusammenbruches der deutschen Gemeinden klar sein müssen.

Fleißige Etatsarbeit im Rathaus.

Im Haushaltsausschuß der Berliner Stadtverordneten versammlung sind die Beratungen des neuen Etatsentwurfes gut vorwärts gekommen. Mit dem Kapitel Gesundheitsverwaltung ist

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Oskar Wöhrled

Jan Hus

Der Tetzte Zag

,, Ist das die Prügelpredigt?!" Bring mich nicht aus dem Konzept, Bündrich! Also, wo war ich? Ja, daß ziemlich Böhmenknechte mit unter dem Haufen waren. Und da war einer, ein dicker, fetter, mit straft zurückgescheiteltem langem Haar, am dicken Bauch und an der wilden Gebärde genau dem Hyronimus gleichend. Einer von diesen Oberschlaminern, die aussehen, wie die ge­borenen Unruhestifter und Rebellanten. Sicher war er noch feine vierzehn Tage von der Hohen Schule herunter. Und biefer Hansdampf Borndran, der schmeißt seine Schmalzhaare ins Genicke dahinter, fuchtelt mit dem kurzen Gearm wie bei einer Kanzelrede und schreit mit einer Pfingststimme von fieben, nicht nur von einem heiligen Geist beschattet: Die Prälaten mögen gegen Hus sagen was sie wollen, eines müssen sie stehen lassen: Magister Jan ist ein Meister des Worts, wie es unseres Lands feinen zweiten mehr gibt!" Hört! Hört! schreien da die andern durcheinander. Ja, hört, hört! Die Steine fann der Magister heulen machen, wenn er zu predigen anhebt. Der Hus...

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Aufgedeckte Riefenunterschlagung.

Die raffinierten Tricks eines Buchhalters.

Nicht weniger als acht Jahre lang, alfo genau von der Be­endigung der Inflation ab, hat es ein Buchhalter verstanden, jeine Firma um Beträge zu prellen, deren Summe weit über 100 000 Mark liegt.

Magdeburg war seit langer Zeit der jetzt vierzigjährige Albert Bei der A.-G. für Hoch- und Tiefbau B. Witttop in Becker als Buchhalter tätig. Die Interessen der Firma führten ihn oft nach Berlin , und vor allem von hier aus verstand er es, durch falsche Avertissements die Firma zu täuschen. Besonders seit Beder als Vertreter und Geschäftsführer der Wittkop A.-G. in Berlin seinen ständigen Siz hatte, dehnte er seine Betrügereien immer mehr aus. Durch raffinierte Buchungstrids hat er es fertiggebracht, immer größere Beträge für sich beiseite zu schaffen. Der Beschuldigte hat seine Verfehlungen in vollem Umfange

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eingestanden. Ueber die genaue Höhe der Unterschlagungen freilich weiß auch er feine stichhaltigen Angaben zu machen. Auch über ben Berbleib der veruntreuten hohen Summen ist die Polizei noch pöllig im unflaren, hier wird erst die richterliche Unter­suchung Klärung schaffen.

Berkehrsunglück in Wilmersdorf .

An der Ede Badensche und Meeraner Straße in Wilmersdorf ereignete sich gestern abend ein schweres Verkehrs­unglück, bei dem fünf Bersonen verlegt wurden. Ein mit zwei Personen besetztes Motorrad rafte mit einem Privat­auto zusammen. Dabei wurde das Auto gegen eine auf dem Bürgersteig stehende 3eitungsperkaufs bude geschleudert. Die Inhaberin des Kioskes, deren Mann und der Motorradfahrer mit seiner Begleiterin mußten burch die Feuerwehr in St.- Norbert­Krantenhaus gebracht werden. Ein Bassant, der noch von dem Auto erfaßt worden war, tam mit leichten Verlegungen davon.

Typographia: Alle Sänger treffen fich am Sonntag, bem 5. Juni, um 9 Uhr, in der Dresdener Straße 22, zum 50. Verbands­jubiläum des Kollegen Nad.

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Wetteraussichten für Berlin . Wolkig bis heiter und fühler, später vereinzelt Schauer. Für Deutschland . Im Süden Ge­witter, im Norden und Often veränderlich und fühler, an den Küften vereinzelt Schauer.

Parteinachrichten,

Einsendungen für diese Rubrik sind

Berlin GB 68, Lindenstraße S.

für Groß- Berlin

stets an das Bezirkssekretariat 2. Sof, 2 Treppen rechts, zu richten

Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, sofern feine besondere Zeitangabe! Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer u. Lehrerinnen, Bezirksgruppe Berlin .

Sonnabend, 4. Suni, 20 Uhr, im Köllnischen Gymnasium, Inselstraße, Boll­versammlung. Die schulpolitische Lage in Braunschweig ", Referent Genoffe Boigt- Braunschweig. Parteimitgliedsbuch als Ausweis mitbringen.

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1. Areis. Achtung, Konsummitglieber! Alle Genossen, die von der 55. Ab­gabestelle, Fehrbelliner Straße, ihre Ware beziehen, werden gebeten, am Sonntag, 5. Juni, 9% Uhr, im Lokal Dobrohlam, Swinemünder Str. 11, su erfcheinen.

7. Rreis. Sonntag, 5. Juni, veranstaltet das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold auf dem Spandauer Bod ein großes republikanisches Maffenkonzert. Um zahlreichen Besuch der Parteigenoffen wird gebeten. Beginn 15 Uhr. Ein­tritt 50 Pf.

7. uno 8. Kreis. Heute findet teine Juristische Sprechstunde statt.

33. Abt. Sonntag, 5. Juni, Wanderung nach den Naturfreundehütten an der Großen Krampe. Treffpunkt 62 Uhr Bahnhof Treptow , Parkseite. Un­toften 55 Bf.

74a. Abt. Die Funktionäre holen wichtiges Material von Schneider ab. 103. Abt. Sonntag Tagesfahrt der jüngeren Parteimitglieder. Treffpunkt 7 Uhr an der Schule Hasselwerder. Ede Berliner, Straße.

104. Abt. Sonntag Ausflug der jüngeren Parteimitglieder. Treffpunkt 7 Uhr Berliner Straße , an der Mädchenschule. 119. Abt. Die Gruppentassierer werden gebeten ,,, Unser Weg" umgehend vom

Genossen Groppler abzuholen.

Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin.

Mitte: Am Montag, 6. Juni, 20 Uhr, findet im Jugendheim Elisabethkirchstraße eine Kreiseltern versammlung statt. Tagesord nung: Unsere Ferienlager!" Alle Eltern find herzlich eingeladen. Kreuzberg : Heute traffen sich die Gruppen zur Borbesprechung der Fahrt um 18 Uhr wie folgt: Alle südöstlichen Heim Manteuffel­ftraße, alle füdwestlichen Heim Nordstraße.

Abt.

Neukölln: Die Genosfinnen, die fich für das Nähen bereiterklärt haben, treffen fich Montag, 19 Uhr, in der Schule am Herzberplag. Lichttämpfer und Kurt Eisner : Jung- und Rote Falten. Wir treffen uns Sonn­tag 7 Uhr Bahnhof Neukölln. Wir gehen nach der Rönigsheide. Turnschuhe mitbringen.

Abt. Röpenid: Jung, und Rote Falten treffen sich zum Kreisspielnachmittag in Bohnsdorf Bahnhof Köpenick 14 Uhr, Schloßplag 144 Uhr. 35 Pf. und Becher find mitzubringen.

Reinikendorf: Selfer.Radfahrt an den Ueberfee. Abfahrt Sonnabend, 4. Juni, von Wittenau.

uedersee 18% Uhr Ringbahnhof Landsberger Allee . Montag, 20 Uhr, Kreis­Friedrichshain: Seute, Sonnabend, Treffen zur. Kreishelferfahrt nach dem Abt. Landsberger elternverfammlung im Kreisheim Mühlenstr. 50( Schule).

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Blag: Montag, 17 Uhr, Abteilungsabend im Kreisheim Mühlenstr. 50. Abt. Paul Singer: Dienstag, 17 Uhr, Abteilungsabend im Kreisheim Mühlenstr. 50.

Sterbetafel der Groß- Berliner Partei Organisation

33. Abt. Genoffe Walter ürpeI, Benmeste 29, ift plöglich ver. storben. Ehre seinem Andenten! Einäicherung Montag, 6. Junt, 16% Uhr, im 38. Abt. Am 1. Juni verstarb im Alter von 65 Jahren unser langjähriges mitglied Franz Bartusch, Friedenstr. 88. Ehre seinem Andenken! Ein­äscherung Montag, 6. Juni, 18 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Um rege Beteiligung wird gebeten.

129. Abt. Heute mittag 12 Uhr findet die Beerdigung des Genoffen Fris öffler Parkſtr. 18, auf dem Friedhof II, Schönholzer Heide , Bahnhofftraže, ftatt. Um rege Beteiligung wird gebeten. Krematorium Baumschulenweg. Um rege Beteiligung wird gebeten.

Wind machen und schreit: Hergehört, ihr Prügelträger! Zu­erst auf alles, was unrecht Gut sich anmaßt, was praßt und faßt und Luderleben führt, derweil der arme Teufel in Lumpen um sein bißchen Leben hungert! Auf die Köpfe geht's zuerst!" Der Meister Burkard stimmt als erster bei, tapfer fein glührot schimmerndes Eisen schlagend: Auf die zuerst!" Und der ganze Haufen schreit nach, nicht nur die ver­fchnürten Ungarn , nicht nur die strupphaarigen Böhmen , nicht nur der dicke, pflaumenlippige Prager Studente, nein, alles, was um die Schmiede steht, schreit: Auf die zuerſt! Gebt ihnen Saures! Gebt ihnen!""

predigten. Nein, seine Zuhörer schwitzen. Ihnen treibt er ob ihrer Sündenverstrickung den Angst- und Todesschweiß aus. Alle Mittel sind ihm recht, durch die er seine Gemeinde aus dem Tal der Sünde hinauf auf die steile Höhe zu Gott führt. Alle Mittel, selbst die stärksten! Er reckt sich auf der Kanzel und tut einen Ruf: Siehe, der Papst schreibt, es gebe viele unter uns, deren Herzen der Ketzerei voll seien. Ich aber sage und danke Gott , daß ich keinen tezerischen Böhmen tenne!" Und das ganze Volk schreit: Er lügt! Er lügt!" Der Papst nämlich. Hus reckt sich und ruft: ,, Ich habe gegen die Befehle des Erzbischofs appelliert und appelliere fortan: wollt ihr euch anschließen?" Und das ganze Bolt schreit: ,, Das wollen wir! Wir schließen uns an!" Hus reckt sich noch höher und ruft zum Schluß: Es wäre wahrhaftig notwendig, daß mir, wie es in dem Alten Bunde durch Mosen befohlen war, uns mit dem Schwerte umgürteten und Gottes Gesetz gewappnet vermesserscharfen Lippen: teidigten!" und männiglich schreit: Jawohl, verteidigen!" und springt empor und schwingt die mitgenommenen Prügel und Knüttel."

,, Aha, die Prügelpredigt!"

,, Noch nicht, Bündrich, fie fängt erst an, die Brügel­prebigt. Se, Mann des Geschreis", sagt da der Meister Burkard, ein neues Glied der Sperrtette auf dem Schnabel des Amboßes zurechthämmernd, was machen denn deine Husleute mit den geschwungenen Brügeln und Knütteln?!" " a", fagt der Schlawiner, wieder sein gelbzähniges Maul aufreißend, fie gehn, alles, was Lug und Trug ist, in Grund und Graben zu schlagen!"- ,, Das flingt meinen grauen Ohren schon beffer!" schreit der Meister Burkard durch das Sausen des Blafebalgs und zieht einen frischen Eisenstab aus dem Feuer."

,, Hast du gesehen, war er gezeichnet?"

" Ich stifte einen Zuber Schwarzbier, wenn ich nicht eine Glaze bekomme, eh' du bei deiner Prügelpredigt bist!" ,, Gut, Bündrich, deine mildtätige Stiftung ist angenom­men! Aber benor dir die Nachtluft die Platte bebläst, zunächst einmal weiter im Legt! Wovon erzählte ich doch? Aha, von ,, Alles in Ordnung, Bürgermeister, es war der Stadt diesem Wortsprudler Schlawiner. Ja", sagte er, Freunde, Beichen baran! Und dann, auf den Amboß mit diesem Stab hört, hört! Der Hus, der spaltet die Gewissen mit seinem ge- und drauf losgehauen, daß die Funken stieben und die Um­waltigen Wort! Der haut darauf bei Pfaffen und Laien, daß stehenden erschredt weichen, ruft der Graubart seine Gesellen die Fezzen aus der sündigen Seele fliegen. Nicht wie eure an: He, Bitus und Adolf, wie mär's, menn mir auch hier in deutschen Kapuziner, die, wenn sie auf der Kanzel stehen, ihre Konstanz mal mit solch einer faftigen Predigt begönnen?!" Handtücher schwenten und sich damit den Geifer vom Mund- und der Adolf, der Schafheitlin, ihr müßt ihn fennen, er hat eck und den Schweiß von den gedunsenen Backen wischen, die im Span mit den Solothurnern eine quer über die Backe be= sich bei ihrer Predigt schneuzen, und die reuzen und speuzen, fommen, sieht narbig aus wie eine Studentenbirne, der ist nicht wie die Roßknechte bei einem Leiden- Chrifti- Spiel. Nein, faul, läßt fich nicht zweimal heißen, zieht den Blasbalg, daß beim Hus ist alles ehrlich. Nicht er schwigt bei seinen Buß-| die Klappen faufen und als müff' er das Hundertfache an

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,, Auch die hiesigen schrien?"

,, Die am allermeisten, Bürgermeister!" ,, Die Namen müßte man sich merken, Bogt!"

Hans Hagen hebt, bös und überlegen grinsend, die

,, Sind schon gemerkt, Bürgermeister!"

,, Fälbel, für mich und den Vogt noch je einen Doppel­schoppen!"

Goldträger?"

,, Nichts andres!"

,, Aber der Schafheitlin gibt keine Ruh. Er läßt's nicht beim ersten Geschnörre bewenden. Stein, er gibt beim zweiten noch viel lauter und heßiger an: Dann auf die Sippschaft, die fromm die Augen verdreht, in härenen Rutten durch die Gassen schleicht, die Haustürflinten pust, in Chriſti Namen winselt, schnorrt und bettelt, doch abends dann daheim, hei, wie das schmort und prasselt und bratenduftig aus den Fen­stern zieht! Hernieder auf die tahlgeschornen Schädel!" Auch da stimmt der Meister Burtard, der Schmied, bei, haut das Eisen, daß du meinst, Amboß und Hammer zerscherbe, und schreit mit seiner schrillen Fistel, die durch Mart und Bein geht: Hernieder auf die die kahlgeschornen Schädel!" Und der ganze Haufen schreit, Ungarn und Böhmaten wild durchein­ander: ernieder auf die glattgeschornen Schädel!"" ,, Wieder die Hiesigen mit?"

Der Vogt hört wohlig den Strahl des Goldfrägers in seinen Humpen laufen.

,, Wieder, Bürgermeister, und wieder am tollften!" ,, Soweit sind wir also doch schon getommen!" ächzt Herr Johann von Schwarzach. Aber diese betrübliche Erkenntnis hält ihn nicht ab von einem tüchtigen Humpenhub. ( Fortsegung folgt.)