Ueberfüllte Riesenkundgebung.
Breslau , 21. Juni. ( Eigenbericht.) Die Eiserne Front in Breslau eröffnete am Montagabend den neuen Wahlkampf mit einer wegen Ueberfüllung polizeilich gesperrten Riesenfundgebung, in der Profeffor tölting- Frankfurt a. M.
sprach.
Nölting, dem stürmischer Beifall zuteil wurde, ging aus von einer Charakterisierung der Wirtschaftskrise und ihrer psychologischen Folgen. Durch die Welt gehe ein gigantischer Prozeß der seelischen Ablösung vom Kapitalismus . Das fapitalistische System versuche jetzt den Teufel Margismus mit dem Beelzebub Hitler auszutreiben. Das Kapital räume freiwillig ein Außenfort seiner Stellung und werfe dem Faschismus den Knochen des jüdischen Bank- und Börsenkapitals hin. Die Nationalsozialisten, so fennzeich nete Nölting die Rolle der Hakenkreuzler gegenüber dem Kabinett Vapen, haben mit den Herren vom Adelsklub ein Stillhalteab kommen geschlossen, aber die Massen des deut schen Volkes wissen sehr wohl, daß die neue Notverordnung ein Fehdehandschuh ist, den man ihnen ins Gesicht geschleudert hat.
Die deutsche Arbeiterklasse hat nicht an Kraft eingebüßt und kann guten Mutes in den Kampf gehen. Ohne die Arbeiterschaft wird Deutschland nicht leben. Ohne den guten Willen der Arbeiterschaft gibt es in Deutschland kein Wasser, kein Licht, feine Kraft! Die Arbeiterschaft bleibt trotz aller Gefahren stark im Bewußtsein ihrer gesellschaftlichen Unentbehrlichkeit.
Infame Plakatpropaganda.
Breslau , 21. Juni. ( Eigenbericht.) Die Breslauer Nazis züchten unter ihren Anhängern systematisch Bogromstimmungen. Seit Montagfrüh flebt an den Anschlagfäulen der schlesischen Hauptstadt ein zum Besuch einer bevorstehenden Goebbels- Versammlung aufrufendes großes Plakat, das die Ueberschrift trägt:„ Fertig machen nach Palästina!"( Das hegerische Plakat hat in der Breslauer republikanischen Bevölkerung stärkste Empörung ausgelöst. Die Breslauer Arbeiterschaft ist fest entschlossen, gegenüber solcher Verrohung des politischen Kampfes bei ihren Gegnern zur rüdsichtslosen Selbsthilfe zu greifen, falls die zuständigen Behörden sich nicht entschließen, für die Zukunft die Anbringung derartiger Macywerfe zu verhindern.
Er sabotiert seine eigenen Befehle.
Gestern abend haben wir unter der Ueberschrift ,, Hakenkreuzungehorsam" darüber berichtet, daß der im Angriff" veröffentlichte Befehl des nationalsozialistischen Gauleiters Josef Goebbels , aus Anlaß der Aufhebung des SA.- Verbotes zu flaggen, so gut wie gar nicht befolgt worden ist. Hierzu teilt uns ein Leser des ,, Vorwärts" eine interessante Einzelheit mit:
Am Reichskanzlerplay Nr. 3, vorn I Treppe, wohnt Herr Dr. Josef Goebbels . Unser Gewährsmann, der fast täglich in der Gegend zu tun hat, fonnte in den letzten Monaten beobachten, daß Dr. Goebbels schon bei den Wahlen zum Reichspräsidenten und zum Breußischen Landtag trotz der durch ihn im Angriff" verfündeten Parole nicht geflaggt hat. Auch diesmal ist selbstverständlich eine Beflaggung der Wohnung des Herrn Goebbels ausgeblieben. Uebrigens mar am ganzen Reichskanzlerplag über hauptfeine Hafenfreuzflagge herausgestedt. Dafür steht aber seit gestern zum besseren Schuhe von Dr. Goebbels vor dem Hause ein SA.- Mann, offenbar als Ersatz für die fehlende Fahne. Uebrigens hat die Flaggenpleite der Nazis ihre guten Gründe: vor den Hindenburg - Wahlen und vor dem 24. April hatten die Nazis ganze leerstehende Wohnungen gemietet, um sie durch Hakenkreuz flaggen zu verunzieren. Außerdem zahlten sie an Arbeitslose für das Heraushängen des Lappens die Summe von 1 bis 3 M. pro Tag. Das ist jetzt ausgeblieben, und damit hat auch die Begeisterung aufgehört.
Strafanträge im Beamtenbank- Prozeß. 1½ Jahre Gefängnis für Weber.
Jm Beamtenbank- Prozeß stellte der Staats anwalt die Strafanträge gegen die Angeklagten: gegen den Angeklagten Kaufmann alias Weber wegen genoffenschaftlicher Untreue, Bilanzverschleierung und Bergehen gegen das Genossenschaftsgesetz 1 Jahr 6 Monate Gefängnis und 30 000 mart Geldstrafe, gegen den Prokuristen Höpfner wegen Beihilfe zur Untreue 4 Monate Gefängnis und 300 Mark Geldstrafe, gegen den Kaufmann Tiemann und den Makler von Buchwald wegen Betruges an der Beamtenbank je 1 Jahr 3 Monate Gefängnis und gegen den Kunstmaler Prof. ende wegen Beihilfe zum Betrug 6 Monate Gefängnis,
Eine Berichtigung.
Bom Gesamtverband der Krankenkassen Deutschlands E. V. wird uns geschrieben:
#
In der Beilage zum Vorwärts"," Der Abend", vom Dienstag, dem 14. Juli 1932, wird in dem Artikel von Frau Reichstagsabgeord: nete Mathilde Wurm ,, Die Notverordnung, die noch fehlt", ausgeführt:
denn diese Allensteiner Kasse gehört dem Gesamtverband der Krankenkassen Deutschlands E. V., Siz Effen, an, einer dem Zen trum nahestehenden Spizenorganisation. Ihr Vorsitzender ist der Reichstagsabgeordnete Beder- Arnsberg, der zum Bapen- Flügel des Zentrums gehört. Desgleichen ist auch der geschäftsführende Direktor Schulte Mitglied der Zentrumspartei .
Diese Behauptungen der Artikelschreiberin sind unrichtig. Der Gesamtverband der Krankenkassen Deutschlands E. V. steht weder dem Zentrum, noch einer anderen politischen Partei nahe. Er ist seit feiner Gründung parteipolitisch neutral. Borsigender des Gesamt verbandes ist der bekannte evangelische Arbeiterführer Franz Behrens . Reichstagsabgeordneter Becker Arnsberg ist stellvertretender Vorsitzender. Der geschäftsführende Verbandsdirektor Schulte ist evangelisch; er gehört der Zentrumspartei nicht an und hat ihr auch nie angehört."
Die sachlichen Feststellungen der Genossin Wurm werden durch diese Berichtigung nicht berührt.
Tragt das Wahlkampfabzeichen der Eisernen Front!
Die drei Pfeile, die Einigkeit, Aktivität und Disziplin der für Freiheit fämpfenden Arbeiter, Angestellten und Beamten symbolisieren, sind auch in der Diez- Buchhandlung, Berlin SW 68, Lindenstraße 2, zu haben. Alle Kämpfer und Freunde der Eisernen Front sollten das Abzeichen tragen. Es fostet nur 10 Pf. Wer es trägt, gibt damit seiner Berbundenheit zur Sache der Freiheit, Menschenwürde und Gerechtigkeit Ausdrud.
Der Pionier für die Schauspieler
Gustav Rideft, der unermüdliche Vorfämpfer für die soziafen Interessen der deutschen Schauspielerschaft, wird am 21. Juni 70 Jahre alt. Von einer fanatischen Besessenheit erfüllt ob der von ihm übernommenen Aufgabe, den deutschen Bühnenangehörigen menschenwürdige Daseinsbedingungen zu erkämpfen, so steht Gustav Rickelt vor uns. Dieser Mann, dem seine außerordentlichen Verdienste um das genossenschaftliche Wert den Titel eines Ehrenpräsidenten der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehörigen eingetragen haben, hat noch fürzlich, fast ein Siebziger, fich als belebender und vorwärtstreibender Mittelpunkt der in Düsseldorf abgehaltenen Delegiertenversammlung erwiesen. Man glaubt dem rüstigen Streiter nicht sieben Jahrzehnte, weder nach seiner ungewöhnlichen geistigen Lebendigkeit, noch seiner förperlichen Frische, die von einem hinreißenden Temperament belebt wird.
Anläßlich einer Feier, die der Deutsche Bühnen- klub unlängst zu Ehren von Hermann Vallentin veranstaltete, hielt Rickelt in seiner impulsiven Art eine Ansprache, in der er die unerhörte Intensität würdigte, von der die Bühnenschöpfungen des Schau spielers Ballentin getragen sind. Mit dieser Charakteriſtik eines anderen deckt sich Gustav Rickelts eigene Persönlichkeit. Darüber hinaus wird, was Rickelt wirkt und schafft, stets von einem lebendigwarmen Empfinden für alles Menschliche diktiert.
-
"
11
Gustav Ridelt ist unerschütterlich überzeugt von der Sent dung des Theaters. Er ist überzeugt, daß mir, trog Tonfilm, trog Radio, trph Sport, eine Renaissance der Schaubühne erleben werden. In seinem neuen Roman entspinnt sich zwischen zwei Freunden nach einem gemeinsamen Besuch der MetropolitanOper in New York ein Dialog, der in einer treffenden Definition den scheinbaren Kampf zwischen Theater und Confilm beleuchtet: Das Zurückgedrängtwerden des Theaters ist nur eine vorübergehende Erscheinung; im Kampf mit dem Tonfilm wird das Theater den Sieg davontragen." Warum? Tonfilm und Theater sind zwei ganz verschiedene Dinge."- ,, Aber", meint Martin ,,, in beiden handelt es sich um Menschen, von Menschen dargestellt."-" Sehen Sie das ist es. Das ist das Entscheidende. Haben Sie nicht gestern im ,, Capitol" bemerkt, mie alles, was an Lebenden, zumal an Menschen, auf der Leinwand erscheint, etwas Schemenhaftes, Geisterndes, Blurleeres hat. Ganz anders heute abend im Theater. - atmos. Hier standen lebendige Menschen auf der Bühne, die sphärisch wirkten, die man atmen sah und hörte, deren Blut Verbindung schlug zum Blut der Zuschauer.
-
"
-
Im Theater quellendes Leben, dessen Duft man spürt- im Kino auch die Leinwand voll Bewegung, aber ein Abziehbild. Im Theater blüht und glüht das Blut, im Film ist es ge=
-
Von dem unverwüstlichen Optimismus, der Rickelts Roman durchpulst, von seinem fanatischen Glauben an eine bessere Zufunft sind alle seine Schöpfungen überglänzt. Diese Zuversicht hat sich Gustan Rickelt auf weitverzweigten Lebenspfaden bewahrt, während seiner fämpfereichen Arbeit im Dienste der Deutschen Bühnen- Genossenschaft, sowie in früheren Jahrzehnten, während seiner ausgedehnten schauspielerischen Tätigkeit am Münchener Hof
Der Schauspieler Rickelt: Die Gestalten, die er lange Jahre| tarnt." hindurch geschaffen im alten Schiller- Theater, im Lessing - Theater bei Brahm, sie sind in die Bühnengeschichte eingezeichnet. Sein pon urwüchsigem Leben strozender Rentier Krüger im Biberpelz" dürfte troh Pallenberg als die vorbildliche Nachschöpfung dieser Brachtfigur gelten. Sein ehrlich- treuer, keine Schleichwege duldender Just in Minna von Barnheim", sein scharf umrissener Schiffs bauer Auter in Ibsens „ Stützen der Gesellschaft" gehören in die Ehrenreihe der zahlreichen Figuren, die Gustav Ridelt auf der Bühne verlebendigt.
Gegenmärtig arbeitet Rickelt an einem erlebnisreichen Roman, in den mancherlei Persönliches hineinnermoben ist. Die Handlung dieses Werkes geht in Nordamerika vor sich; der Held ist ein ges bürtiger Deutscher, auf dessen Gemüt und Sinne die Kultur, die Technik, das machtvolle Rauschen des Daseinskampfes in den Ver einigten Staaten einen beispiellojen Eindruck ausüben.
Und so gelangt Rickelt auch am Schluß seiner fesselnd geschriebenen Autobiographie zu der überzeugungsvoll ausgesprochenen Be trachtung: Denkt daran, daß troz Jammer und Elend, Not und Hunger, Streit und Hader, das Leben zwar oft graufig, aber auch Nicht der Pessimist hat recht manchmal unendlich gütig ist. nur der Optimist wirkt und schafft die Schönheit des Daseins. Darum: ein ,, Ja" dem Leben!" Martin G. Sarneck.
-
-
Mahlzeiten einfindet? Gar zu leicht verweist man solche Wünsche ein für allemal in das Reich der Phantasie. Das ist aber durchaus nicht nötig, weil die Anhänglichkeit der Tiere auf dem Gewöhnungsweiter nichts als die Bestätigung der durch und durch wahren Behauptung vom Gewohnheitstier.
Im Film ergößen wir uns an der Freundschaft zwischen Affe und Kaze, zwischen Zwergspitz und Hähnen, die so fest ist, daß der fleine Hund bei einem erbitterten Hahnenkampf ungerufen als Friedensstifter und nach menschlicher Betrachtungsweise als Friedensstifter und Schiedsrichter auftritt. Ferner sehen wir eine Dohle in Befriedigung ihres Naschtriebes ganz ungewollt Hans Huckebein, den Unglücksraben, spielen. Wir erblicken eine Kröte, einen Gecko und eine Schlange, die in anderen Ländern als Haustiere gehalten werden, da sie in der Ungeziefervertilgung ziemlich viel leisten.
Die Direktion Rotter stellt ihren großen Operettenerfolg dieser prinzip beruht. Und die absonderlichsten Tierfreundschaften sind Sailon auf, Neu hergerichtet heraus. Es sind zwar nicht mehr die großen Startanonen, die uns da die politischen und Herzens- Konflikte eines hawaiischen Prinzenpaares und amerikanischen Marineoffiziers vorsingen und vorspielen, dafür aber wird uns jetzt eine Besetzung geboten, die sich jedenfalls sehen lassen kann. Lori Leur als hawaiische Erkönigin ist repräsentativ und verfügt über bedeutend schauspielerisches Können. Sie mußte sich erst im Laufe des Abends, frei" spielen und entwickelte so von Aft zu Att eine Steigerung und Entfaltung ihrer Rolle. Brillant fonversiert sie den letzten Aft, wo sie als ihre eigene Doppelgängerin auftritt. Diese rothaarige französische Schauspielerin, temperamentvoll, feftlaunig, fpielt sie mit himreißender Eleganz und Schluderigkeit. Luise öff, in der Soubrettenrolle, stimmlich unbedeutend, aber reizend im Spiel und eine glänzende Tänzerin. Weniger glücklich die beiden unglücklichen Liebhaber John Hendrit, Kurt v. Ruffin, dagegen sorgen für echte Operettenheiterfeit Heinz Rohleder, Peter Arnolds, Barbara Hill, Ludwig mayr und alle anderen. Die Musik Paul Abrahams funkelt und brilliert wie am ersten Tage. Süße, einschmeichelnde Melodien wechseln mit scharf rhyth mifierten Schlagern, die beste amerikanische Tanzmufit sein tönnten. Dieser Abraham stellt eine mirkliche Bereicherung des Operetten
tomponisten- Kontingents bar. Er ist jung, nicht immer gerade neu in feinen Einfällen, aber stets apart und originell in deren Be handlung. Das Orchester unter der Leitung des umsichtigen Hans Heinrich Peyser brachte Abrahams Melodien und Rhythmen zu stärkster musikalischer Wirkung.
-
„ Geschichten erzählen."
Interessantes Experiment der Funtstunde.
F. L.
Die Funkstunde unternahm ein interessantes Experiment: fie ließ Menschen, die weder Schriftsteller sind, noch es werden können, selbsterlebte Geschichten vor dem Mikrophon erzählen. Die Hörer bekamen eine Auswahl davon von Schallplatten vorgeführt. Da kam ein alter Mann zu Wort, der das Nobiling- Attentat auf Wilhelm I. miterlebt hat. Man spürte, wie oft er die Begebenheit in seinem Bekanntenkreise erzählt hat, immer weiter ergänzt durch jede behördlich festgestellte Einzelheit, damit niemand aus der Zeitung mehr darüber wüßte als er, der doch dabei gewesen war. So verlor der Bericht jeden persönlichen Charakter und wurde zur schablonenhaften Tatsachenschilderung. Wieviel stärker erlebt waren dagegen ein paar naive Schilderungen von Menschen, die einst von auswärts, von Prenzlau und aus Bayern , nach Berlin kamen und denen ihre Hilflosigkeit im großstädtischen Alltag zur Sensation wurde. Ihre Erzählungen hatten nicht viel Inhalt, aber sie brachten dem Hörer den angenehmen Kontakt mit natürlichen, offenen Menschen. Dem Berliner vielleicht am sympathischsten war ein Berliner Erzähler, der sich verliebt in seine Muttersprache hineinfniete.
Eine Frau erzählte von einer Begegnung mit einer stellenlosen Mannequin, das schließlich mit einem Begleiter in einem Absteigequartier verschwindet. Diese Erzählung war darum besonders interessant, weil sie zeigte, wie das wirkliche Erlebnis einen inner lich verschlossenen Menschen zum persönlich gestalteten Bericht bringt. Die Schilderung war anfänglich kultivierte Schablone; als sie an das Schicksal der fremden Frau rührte, verloren die Sätze die phrasenhaften Bendungen. Echtes Mitgefühl sprach weniger aus Worten als aus Form und Tonfall der Säge. Durch den Inhalt sehr erzählbar war eine Flucht während des Ruhrkampfes; ganz farblos blieb der Bericht eines jungen Mädchens, das mit fünf Mark in der Tasche nach Berlin kam.
Literarisch bedeutungsvoll war diese Stunde ,, Geschichten erzählen" sicher nicht; dafür war sie menschlich um so aufschlußreicher. -Iz.
,, Tiere als häusliche Freunde." Gloria Palaft.
Wer möchte nicht ein Reh befizen, das ihm, treu wie ein Hund, durch Feld und Flur folgt, oder ein Eichfäßchen, das, obwohl es seine Freiheit hat, sich täglich bei seinem menschlichen Freund zu den
Alle diese Bilder sind lehrreich. Darum fällt das Bild ,, Freundschaft zwischen einem Reh und einem Star" für einen Liertenner unangenehm aus der Reihe. Sieht man doch weiter nichts, als daß Lilian Harven in schöner Pose ein Reh streichelt und füttert, und Willy Fritsch hold lächelnd sich dieses anmutige Bild betrachtet. Deshalb sollte man die verständige und schöne Arbeit des Terzetts Ulrich, T. Schulz, Dr. Kaufmann und Junghans von dieser Reklame befreien. e. b.
Gegen bürgerlichen Kulturbolichewismus. Anläßlich der 8. Ge neralversammlung des Deutschen Arbeiterfängerbun des warben gestern abend in der Brunsviga- Halle in Braun schweig 700 Gangesgenossinnen und-genossen für zeitgenössische Arbeiterchormusik von Lendvai und Gerster. Hermann Scherchen dirigierte. 6000 Zuhörer stimmten begeistert dieser hochbedeutenben fulturpolitischen Demonstration zu, die in der Internationale ihren Abschluß fand. Man sollte nicht nur in Braunschweig auf heißestem Boden, sondern allerorten in den kommenden Wochen in allen Arbeiterkulturorganisationen gegen den bürgerlichen Kulturbolichemismus so nachhaltig und überzeugend sich verwahren, wie es hier von mutigen Genossinnen und Genossen in Braunschweig W. H. geschieht.
Ludwig Fulda wird gefeiert. Die Abteilung für Dichtung der Breußischen Akademie der Künste hatte für Montag zu Ehren ihres Mitgliedes Dr. Ludwig Fulda , der am 15 Juli d. J. 70 Jahre alt wird, zu einem Tee in die Räume der Akademie am Pariser Plaz geladen. In der Reihe der vielen Glückwunschredner sprach Mar Liebermann für die Akademie der Künste. Der Borfizende der Abteilung für Dichtkunst, Heinrich Mann , unterstrich besonders die vielseitige organisatorische Tätigkeit Ludwig Fuldas, während Eduard Studen in feinsinnigen Worten den Dichter so vieler geistreicher Werke pries. Fulda dankte in einer längeren Rede, in der er sich zur Jugend bekannte, die es zu lieben und zu fördern gelte, wo immer man vermag, auch wenn sie- eben mit dem gesunden Recht ihrer Jugend das Alte rücksichtslos verdrängt.
-
Der Stand der Atomzertrümmerung. Im Berliner Bezirksverein des Vereins Deutscher Chemiker sprach Montag Dr. Friz Lange über den gegenwärtigen Stand der Atomzertrümmerung. Er führte u. a. aus: Im Jahre 1919 gelang es Rutherford mit schnellen AlphaStrahlen, eine Anzahl leichtatomiger Clemente umzuwandeln. Dr. Lange und seine Mitarbeiter Dr. Brasch und Urban haben bereits 1927 als erst auf die Wichtigkeit dieses Problems hingewiesen und auf dem Monte Generoso Versuche zu seiner Lösung unternommen. Dort erreichte man bereits Hochspannungen von 12 bis 14 Millionen Bolt, mit denen es möglich wäre, in den Atomtern einzudringen. Später wurden diese Versuche mit fünstlichen Hochspannungen im Laboratorium der AEG. fortgesetzt. Die Anlagen, die Lange und Brasch zur Verfügung stehen, liefern bei einer Spannung von 2½ Millionen Bolt einige Tausend Ampère. Das sind Leistungen, die erheblich höher find als die unserer Großfraftmerke. Es ist gelungen, große Zertrümmerungseffekte herbeizuführen, und es fann bereits festgestellt werden, daß eine ganz er= hebliche Anzahl von Elementen mit Hilfe dieser Anlagen zertrümmert werden können.
In der Staatsoper muß die für heute angesetzte Bremiere von Wiener Blut" auf Freitag verschoben werden. Heute:„ Eine Nacht in Venedig ".
Das Kupferstichkabinett hat seine im vorigen Sommer erstmals bewährte Nachmittagsöffnung wieder eingeführt und hält seine Räume am Mittwoch und Freitag, nachmittags bis 7 Uhr, geöffnet.( Es wäre durchous wünschenswert, daß auch die großen Museen, die jetzt meistens bereits um 3 1hr schließen, länger geöffnet blieben.)