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Nr. 332

B 161

49. Jahrgang

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Vorwärts

Berliner Boltsblatt

Sonnabend

16. Juli 1932

10 Pfennig

Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlan

Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernspr.: Dönhoff ( A 7) 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin .

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Neue Blutopfer im Reich

Frank und Goering hetzen offen zum Bürgerkrieg

Am 15. Juli erklärte der NSDAP. - Führer Goering im Berliner Sportpalast :

,, Kein SA.- Mann darf eine Waffe führen, sonst fliegt er aus der Partei." Ich sage euch: Jekt ist Schluß damit!( Tosender Beifall.) Wenn unser Führer Hitler in einigen Tagen aus Ostpreußen nach Führer Hitler in einigen Tagen aus Ostpreußen nach Berlin kommt, dann werde ich ihn mit anderen Führern bitten und ich weiß, er wird diese Bitte er. füllen- daß dieser Befehl aufgehoben wird. Diese

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Bitte wird erfüllt werden.( Minutenlanger

Beifall.) Gebt uns die Straße frei und in zweimal 24 Stunden wird das Gesindel verschwunden sein!"

Offener kann die Aufforderung zu Mord und Totschlag nicht ausgesprochen werden. Für jeden von Nazibanditen ermordeten Arbeiter übernimmt in der Folge Hitler per= sönlich die Verantwortung! Selbstverständlich, daß sich die Republikaner nicht wehrlos abschlachten lassen.

Baron Gayl hört die Reden Goerings und Franks nicht. Er wird aber vermutlich bald von weiteren Blutopfern hören, die auf das Konto der Hitler, Frank und Goering fommen!

Auch Lahusen- Frank hetzt.

Braunschweig , 16. Juli. ( Eigenbericht.) Am Freitagabend hat der Verteidiger des Großschiebers Lahujen, Rechtsanwalt Frank II aus München , in Braun­ schweig eine blutrünstige Herede gehalten. Wir fchreien es auch zum Himmel" sagte er wörtlich, - daß wir mit dem Mordterror gegen unsere Parteigenoffen ein Ende machen werden, daß wir

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Sichert euer Wahlrecht!

Seht die Wählerlisten ein!

Solange die Wählerlisten noch in den an Plakatsäulen bekanntgegebenen Lokalen ausliegen, sollte niemand ver­säumen, seine Eintragung nachzuprüfen, da er sonst seine Wahlberechtigung verlieren kann. Zwar ist in den letzten Tagen die Zahl der Einsehenden stark angewachsen, aber

es ist eine alte Erfahrung, daß immer noch viele die selbst­verständliche Pflicht versäumen. In diesem Wahlkampf darf

es aber keine Bequemlichkeit geben und deshalb nochmals: Prüft eure Eintragung gewissenhaft nach, zumal teilweise neue Listen angelegt wurden und deshalb leicht ein Irrtum möglich ist.

beiter wurde durch einen Kopfschuß lebens. gefährlich und ein zweiter Arbeiter schwer verletzt. Gine Frau erlitt infolge der Aufregung einen Herz­ich lag und fiel tot um.

Wegelagerer.

Die Kulturschande der Gegenwart.

Koblenz , 16. Juli. ( Eigenbericht.)

Der Redakteur unseres Parteiblattes ,, Rheinische Warte", Ge­noffe Gundelfinger, wurde am Freitagnachmittag auf offener Straße Der Anführer von Nationalsozialisten überfallen.

war der bekannte Stoßtruppführer Krämer aus Kob= lenz, der erst vor 14 Tagen mit seiner Meute auf den Verleger Gundel­

nicht gewillt sind, auch nur noch einen einzigen Tag unseres Parteiblattes einen Ueberfall ausgeführt hatte.

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zuzusehen.

Wenn die Reichsregierung nicht imftande ist, binnen 24 Stun­den in Deutschland die Ordnung zu garantieren, dann werden wir zur Selbsthilfe gegenüber dem Mordgesindel schrei­ten." Zentrum und Sozialdemokratie müßten sich daran gewöhnen, daß auf deutschem Boden nur eine deutsche Be­wegung marschieren könne, und daß kein Platz da sei für margistische Untermenschen. Der Zentrumsführer ka as und der Minister Dr. Held seien besonders verantwort­lich für die Mordtaten. Die kommende Regierung werde nationalsozialistisch sein oder es werde gar keine da sein. Zum Schluß sprach Frank wieder davon, daß ein Gericht veranstaltet werde, von dem man noch in tausend Jahren jprechen werde.

Straßenschlacht in Halle.

GA. Banditen zurückgeschlagen.

Halle, 16. Juli. ( Eigenbericht. Außer auf das Gewerkschaftshaus wurde in der Nacht zum Sonnabend auch auf den kommunistischen Klassen­kampf" ein Ueberfall versucht. Die Nazis wurden auch hier abgewehrt. Sie erneuerten dann gegen 24 Uhr morgens nochmals den Ueberfall mit Radfahrern und Fußtruppen, wobei es abermals zu schweren Straßenkämpfen kam. Unbegreiflicherweise ließ die Polizei die Lastwagen der Nazis und ihre Besatzung unbehelligt. Auch an anderen Stellen der Stadt fanden die Nacht hindurch schwere Straßenkämpfe statt, wobei das Straßenpflaster aufgerissen und die Steine als Wurfgeschosse benutzt wurden.

In Wittenberg fand am Freitagabend eine vom Gewerkschaftskartell veranstaltete Kundgebung mit an­schließender Demonstration statt. Veranlaßt durch eine unverschämte Provokation der Nazis, die die Anweisung

finger erhielt von hinten einen Fußtritt und man versuchte ihn durch Beinstellen zu Fall zu bringen. Da dies mißlang, schlug Krämer ihm mit der Faust über den Kopf. Darauf setzte sich Gundelfinger zur Wehr und hielt die 30 Nazis mit einer Pistole in Schach . Auf dem Wege zum Polizeipräsidium wurde Gundelfinger von etwa 100 Nazis begleitet, die in Morddrohungen sich austobten.

Das Schnellgericht verurteilte den Schriftleiter Hildebrand vom nationalsozialistischen Koblenzer Nationalblatt" wegen übler Rachrede zu drei Monaten Gefängnis und zu den Kosten der Veröffentlichung des Urteils in zwei Koblenzer 3eitungen.

Dem Prozeß lag folgender Vorgang zugrunde: Aus Anlaß der Anwesenheit des früheren Reichskanzlers Dr. Brüning am 3. Juli in Koblenz sollte den auswärtigen Gästen, insbesondere Dr. Brüning, Gelegenheit zur Besichtigung einer Rheinillumination auf dem staatlichen Regierungsdampfer" Preußen" gegeben werden. Etwa 25 eingeladene Gäste, die alle der Zentrumspartei angehörten, waren zu der Dampferfahrt erschienen, jedoch befand Dr. Brüning sich nicht unter ihnen. Unterwegs wurden den Gästen einfache Er­frischungen gereicht. Gleichwohl brachte das Koblenzer National­blatt" über diese Veranstaltung einen längeren Aufsatz mit der Ueberschrift:" Wüste Sauferei auf dem Regierungsdampfer dem Preußen", in dem die Rede von schwankenden, ange.

truntenen Gestalten, torfelnden

Zentrums=

bonzen, Freifreffen auf Staatskoſten" usw. war. Wegen dieser Schilderung hatten von den Teilnehmern der Vorsitzende der Koblenzer Zentrumspartei, Oberregierungsrat Hillenbrand, Reichs verkehrsminister a. D. von Guerard, Oberbürgermeister Dr. Rosen­thal und Polizeipräsident Dr. Biesten Strafanzeige wegen übler Nachrede und Verleumdung gestellt, worauf gestern das Urteil gefällt wurde.

Zuchthäusler als SA - Führer.

Unter den ,, Erneuerern" Deutschlands in der Hitler - Bewegung finden sich nicht nur rauhe Kämpfer", sondern sogar regel rechte Räuberhauptleute. Im Januar dieses Jahres wurde in Neuwalde im Kreis Inſterburg ( Ostpreußen ) das Ehepaar Saß von zwei Banditen überfallen und durch Bedrohung mit dem Re­ihres Führers Ritterbusch, die ,, Margisten zu volver gezwungen, seine Ersparnisse herauszugeben. Die Räuber schlagen, wo sie sie treffen", befolgten. fam es blieben zunächst unentdeckt. Später wurden die Arbeiter" Ströh­gegen Schluß zu einem Zusammenstoß. Die Polizei schritt mann und Zimmermann aus Berschkallen wegen gemeinsamer mit dem Gummiknüppel ein und machte schließlich auch schwerer Einbruchsdiebstähle im Rückfall zu lang= von der Schuhwaffe Gebrauch. Ein junger Ar- jährigen 3uchthausstrafen verurteilt. Die beiden haben

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auch den Ueberfall in Neuwalde ausgeführt. Das Gericht bejahte Verbrechen aus Neigung.

Die beiden Verurteilten haben seit ihrer Jugend nur in Gefäng­niffen gearbeitet. Obwohl das allgemein befannt war, wurden fie dennoch für würdig befunden, Abteilungsführer der SA. zu werden!

Hugenbergs Klage.

ehgeschrei über die nationalsozialistischen Bundesbrüder.

Hugenberg will gemeinsam mit den Nationalsozialisten ,, Ord. nung" in Deutschland schaffen. Inzwischen rufen seine Partei­genossen nach der Polizei, damit sie Ordnung gegen die Nazis schaffe, die Hugenbergs Anhänger terrorisieren!

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Die

Nicht nur die Polizei, auch die Kirche soll helfen! Pommersche Tagespost" erregt sich über nationalsozialisti sche Todesanzeigen, in denen es heißt: ,, Sie sterben im festen Glauben an ihren Führer Adolf Hitler ." Sie nennt dies Feme vom chriftlichen Geist" und fordert das Einschreiten derirche

Ausgerechnet die Hakenkreuzpastoren, die Hugenberg hat

heranzüchten helfen, sollen nun einschreiten!

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Zum andern beflagt sich die Pommersche Tagespost" über die Demagogie der Nazis:

,, Die NSDAP . hat im Kreise Dramburg mehrfach auch bei eingesessenen Bauernfamilien Erfolge erzielt. Wenn man 3. B. einem Jungbauern, der in der heutigen Krisenzeit viele Ge­schwister auszahlen muß, durch einen Hausagitator weismachen läßt ,,, menn Hitler zur Regierung fommt, wer den alle Grundschulden gestrichen, fein Bauernland darf mit raffendem Kapital belastet werden", so klingt dies ganz schön. Wenn im gleichen Atemzuge den nachgeborenen Ge­schwistern erklärt wird, Hitler wird dafür sorgen, daß auch ihr genau so auf freier Scholle fizen sollt wie euer ältester Bruder", so mag auch dies( unter gefährlicher Anreizung von persön= lichen Neidinstinkten) schön flingen. Beide Leimruten sind im Kreise Dramburg ausgelegt worden; diese Beispiele ließen sich vermehren, sie alle aber haben Gläubige gefunden. Wie sich solche, einander direkt gegenüberstehenden Versprechungen verwirklichen lassen, wissen ihre Urheber sicherlich selbst nicht- ob sie sich in unserem Heimatkreise ohne Schaden für das Volks= ganze überhaupt durchführen lassen, möchten wir sehr in Zweifel ziehen. Das Urteil über den Wert solcher und ähnlicher Ver= sprechungen aber wollen wir dem ungetrübten Menschenverstande der Dramburger Kreisbevölkerung überlassen."

wird nach dem Oldenburger Beispiel gearbeitet, wo der Steuer­streifhezzer zum Steuereintreiber geworden ist! Aber haben die Nazis diese Agrardemagogie nicht von den Deutschnationalen gelernt?

Wenn es an die Verwirklichung der Versprechungen geht, dann

Jezt wird Hugenberg mit der Peitsche gezüchtigt, die er selber geflochten hat!

Proteststurm bei Hindenburg . Das Zentrum gegen die Entartung des politischen Kampfes.

Die deutsche Zentrumspartei hat an den Reichspräsidenten von Hindenburg nach Neudeck ein Telegramm gerichtet, in dem unter Hinweis auf einen Artikel des Angriff" vom 14. Juli unter der Ueberschrift Zentrumsschurterei, verrohter Zentrumspfarrer will einem toten SA. - Mann noch im Sarg das Braunhemd ausziehen", auf das schärffte gegen diese Entartung des politi fchen Kampfes protestiert wird.

Das Telegramm an den Reichspräsidenten hat folgenden

Wortlaut:

,, Hochverehrter Herr Reichspräsident! Wir fühlen uns verpflichtet, Ihre Aufmerksamkeit auf einen Artikel des Angriff" Nr. 144 vom 14. Juli, der die Ueberschrift trägt 3entrumsschurterei! Verrohter Zentrumspfarrer will einem toten SA. - Mann noch im Sarg das Braunhemd ausziehen", zu lenken. Der Angriff" berichtet in diesem Artikel, daß ein katholischer Kaplan in Bernau fich geweigert habe, einem katholischen, GA.- Mann die kirchliche Beerdigung zu gewähren, und gefordert habe, daß man dem toten SA. - Mann noch im Sarge das Braunhemd ausziehen soll. Diese Darstellung des Sachverhalts widerspricht der Wahrheit. Die Umkleidung des Berstorbenen ist nicht gefordert worden. Der Kaplan hat im übrigen bei der Verweigerung des firchlichen