Zum Thema Militärdiktatur.
„Es ist zwar nicht richtig, daß man sich auf die Bajonette nur st ü g e n, nicht aber auf ihnen sitzen kann. Man kann auch auf den Bajonetten sitzen, das pflegt aber früher oder später sehr schmerzliche Folgen zu haben. Mit physischer Gewalt allein kann gegenwärtig keine Diktatur aus-
Schleicher zitiert„Die Gesellschaft".- Das Bündnis mit Hitler wird bestätigt. „Wenn man unter Militär- diktalur eine Regierung versteht, die sich nur auf die Bajo- nette der Reichswehr stützt, lo kann ich dazu nur sagen, daß eine solche Regierung im luit- leeren Raum sich schnell abnutzen und letzten Endes zum Mißerfolg führen muß In Deutschland vielleicht mehr noch als in manchen anderen! kommen. Jede Diktatur braucht Ländern muh die Regierung von � nicht nur die Waffen, sondern einer breiten Volksströmung ge- auch eine sie tragende Schicht, die tragen sein,"- je nach den sozialen und kulturel- (Schleicher in seiner Rundfunk- len Verhältnissen jedes Landes rede.) mehr oder weniger breit sein muß. Und in Deutschland mühte diese Sch'cht verhältnismäßig viel breiter sein als in Rußland oder in Ztalien." („Die Gesellschaft", Zuli lgZZ. > Seite S.) Es ist nicht uninteressant, das Zitat aus der„Gesell- schaft", das Herr v. Schleicher sich zum Teil zu eigen gemacht hat, fortzusetzen: Dieser Umstand ist auch den Inspiratoren der„Präsidialregie- rung" nicht entgangen, und sie versuchen, als tragende Masse
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So hoch soll die Arbeitelo'enunterstützung im Dritten Reich sein,
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Bukt kräftig.Heil Hitler!"- dann reicht es schon! für ihre Diktatur die nationalsozialistische Sewe- g u n g zu gewinnen. Sie verfolgen damit ein doppelle» Ziel, indem sie einer direkten Machteroberung durch die Razis vorbeugen und zugleich die Razibewegung zur Fundierung einer von oben eingesetzten Diktatur gebrauchen wollen. Diese Bestrebungen werden— wenigstens vorläufig— von der nationalsozialistischen Parteiführung unterstützt. Und wir dürfen wohl annehmen, daß Hitler sein Abkommen mit dem neuen Kabinelt nicht ungern abgeschlossen hat. Richt nur deshalb, weil er vorläufig keine Chance für die Macht- eroberung aus eigener Kraft sieht, sondern auch weil er selbst, nach unten„revolutionär" und nach oben sehr kapilalisten- und agrar- freundlich, im Grunde die gleiche Politik der Fundierung einer agrarisch-grohkapitalistischen Diktatur durch seine Bewegung anstrebt. Die Massen der nationalsozialistischen Lewe- gung sollen aber für diese Ziele gebraucht werden, ohne zu'merken, daß sie nicht für den Ausbau eines nebel- hasten„Dritten Reiches", sondern für die Wiederherstellung der altpreußischen herrschaftsverhältnisse ver- wandt werden. Sie sollen mindestens bis zum Wahltag davon überzeugt bleiben, daß ihre Partei mit dem Kabinett der Barone nichts zu tun hatte und mit ihrer ganzen Kraft den unversöhnlichen Kampf für die zwar völlig unklaren, aber leidenschaftlich empfundenen Ziele der Bewegung führe. Der wahlkampf erhält damit den Charakter eines eigenartigen Rennens: gelingt es den Führern, an das Ziel zu kommen, bevor ihre Massen bemerkt haben, was gespielt wird, oder nicht?" 13 Verletzte in Leipzig . Zusammenstöße auf dem Karl-Marx-Platz. Leipzig . 27. Juli. (Eigenbericht.) On einem Leipziger Vorort kam es am Dienstagnach- mittag zu schweren Schlägereien zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Nationalsozialistische Zettelverteiler, die von Kommu- nisten angegriffen wurden, gaben auf der Mucht mehrere Schüsse gegen ihre Verfolger ab. Am Karl-Marx-Platz kam es dann zu blutigen Auseinandersetzungen. Die Gegner gingen mit Zaunlatten und anderen harten Gegenständen aufeinander los. Insgesamt waren an dem Kampf etwa 17l> Personen beteiligt. 13 Mann wurden verletzt, davon drei schwer. Schießerei in Essen . Essen, 27. Juli. (Eigenbericht) In Essen gab es am Dienstognachmittag zwischen National- sozialisten und Kommunisten eine Schießerei. Etwa 20 bis 30 scharfe Schüsse wurden gewechselt. Zwei Nationalsozialisten wurden verletzt. Achimig, Abteilungsleiier! Die Handzettel, Umhängeplakate usw. müssen vom Sitzungssaal des Vezirksverbandes abgeholt werden. Das Pezirkssekretariat ist täglich bis 26 Uhr geöffnet.
Lleberfall auf Wolffel vor Gericht Naziaussagen widerlegt— Prozeß vertagt
Der hinkerhältigc nationalsoziallflifche lleberfall auf den 55jährigen Reichsbannersührer Max w ö l s s e l am Morgen des lZ. Zuli stand bereits heule morgen zur Verhandlung vor dem Schnellschössengerichl. Die Anberaumung eines früheren Termins war wegen der schweren Verletzungen des llebersallenen nicht möglich, wölfsel mußte auch heute noch von zwei Reichs- bannerleulen aus dem Krankenhaus auf einer Tragbahre in den Gerichtssaal getragen werden. Sein rechtes Bein, dessen Knöchel zersplittert ist, befindet sich In einem Gipsverband. Wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung, begangen aus politischen Beweggründen, haben sich auf Grund des Strafgesetz- buches und der Notoerordnung des Reichspräsidenten vom 14. Juni d I. zu verantworten der bereits zweimal wegen Körperverletzung vorbestrafte SA.-Mann K r i n g, der 19jährige Arbeiter B e st- mann, der 23jährige Fleischer L a e h n und der gleichfalls 23jährige kaufmännische Angestellte Horst H o f f m a n n. Die ersten drei befinden sich in Haft. Zur Tat selbst erklären sämtliche vier Angeklagten einheitlich, daß sie in der Nacht vom 11. zum 12. Juli in dem Lokal der Mutter des Angeklagten B e st m a n n gekneipt, eine Anzahl„Stiefel" und Mollen getrunken hätten. Um 3 Uhr nachts brach man auf und begab sich zu der S A.- M u t t c r L o ch m a n n, um hier einen Kaffee zu trinken. Gegen 145 Uhr wurde man von der Tochter der Lochmann hinunterbegleitet Die weiteren Angaben der Ange- klagten über den Borfall selbst gehen auseinander. Die Angeklagten K r i n g und B e st m a n n wollen sich sofort verabschiedet haben, um den Heimweg anzutreten; sie hätten sich umgedreht und gesehen, wie der Angeklagte Laehn von einem Mann mit einer Pistole be- droht worden wäre, seien hinzugesprungen und hätten dem An- greiser die Pistole entwunden. Keiner von den beiden will auf Wölffel einschlagen haben. Der Angeklagte Laehn tischt folgendes Märchen auf: Ein Mann fei vorbeigekommen. Er habe ihn mit dem Hitlergruß begrüßt. Der Mann hätte ausgespuckt und Är- beitermörder und Nazistrolchs gesagt. Es fei ein Wortwechsel ent- standen, der Mann hätte seine Pistole gezogen, darauf hätte er,
Laehn, in Notwehr zugefaßt. Seine Kameraden seien ihm zu Hilfe gekommen. Wohl hätte er dem Mann ein paar Schläge versetzt, es kann aber keine Rede davon fein, daß er ihn mit Füßen getreten oder gar die Knöchel gebrochen hätte. Die Darstellung des verletzten Wölffel ergibt ein ganz anderes Bild: sie wind von den Darstellungen unbeteiligter Zeugen bestätigt. Wölffel, der Brauer ist, befand sich gegen 414 Uhr auf dem Wege zur Arbeit. Er war von der Boyenstraße in die Chausseestraße ein» gebogen und an einem Aquariumladen stehengeblieben, um sich die Auslagen anzusehen. In der Nähe stand ein junger Mensch in weißem Hemd, ohne Abzeichen: einige Meter entfernt noch drei junge Leute. Der junge Mensch im weißem Hemd trat an ihn plötzlich heran und sagte, auf sein Reichsbanner- und Eisernes- Front-Abzeichen hinweisend:„Mach' das Ding ab", und faßte auch gleich zu. Wölffel stieß ihn zurück. Im selben Augenblick wurde er von hinten von mehreren Leuten angefaßt, zu Boden ge- warfen und mit Fäusten und Füßen bearbeitet. In der Notwehr hatte er die Pistole gezogen, in deren Lauf sich keine Kugel befand. Einen Hitlergruß hat er weder gehört noch hat er ihn mit den ihm von Laehn in den Mund gelegten Mußerungen beantwortet. Als Schläger erkennt er Laehn, der ihn als er st er ange- sprachen hat, und Best mann wieder. Aus die Frage des Vorsitzenden erklärt Wölffel, daß die Heilung seines Beines noch sechs bis sieben Wochen brauchen würde. Die Vernehmungen eines Wächters des Warenhauses Tietz und eines Monteurs Lindbera bestätigten in vollem Umfang die Dar- ftellungen des schwerverletzten Wölsiel und widerlegten vollkommen die Darstellungen des Naziangeklagten. Da der Tatbestand einer Bedrohung des Zeugen Lindberg mit der Waffe durch den Nazi K r i n g nicht genügend geklärt ist, wird von den Parteien beantragt, die Verhandlung zwecks neuer Ermittlung zu vertagen. Das Gericht beschließt diesem Antrage gemäß, hält aber die Haftbefehle gegen drei Angeklagte aufrecht. Es ist sehr bedauerlich, daß durch die Hineinziehung der Episode Lindberg die Verhandlung nicht zu Ende geführt werden konnte.
Film und Volksbühne. Die Organisation der Besucher. In dem Geschäftsbericht des Verbandes der deut- schen Volksbühnenvereine, der in dem Verbandsorgan„Die Volks- bühne" für 1931/32 erstattet wird(Heft Iult/August), wird auch die Filmtätigkeit des Berbandes behandelt. Die Unsicherheit der äußeren Umstände verbot die Einleitung schwieriger Experimente auf dem Gebiete der Filmarbeit von selbst. Vielmehr wurde mit dan schon im Vorjahr erprobten organisatorischen und ähnlichen Mitteln auch in der Berichtszeit gearbeitet, wobei wiederum die Feststellung wichtig ist, daß sich irgendeine allgemein- gültige Norm oder auch nur eine klar erkennbare Grundlinie hin- sichtlich der Organisation der Filmarbeit nicht ergeben hat, weil alle Vorgänge ausschließlich den speziellen örtlichen Ge- gebenheiten sich anpaßten. Lediglich in Breslau und in Grünberg , vorübergehend auch in Magdeburg , war die Arbeit am Film ganz systematisch ausgebaut: in Breslau mit einer besonderen Film- gemeinde mit fester Mitgliedschaft, die ihren Mitgliedern in einem der ersten Uraufführungstheater der Stadt im Verlaufe der Spiel- zeit zu äußerst mähigen Bedingungen fünf Spitzenfilme der inter - nationalen Produktion vermittelte: in Grünberg mit der Füh- rung des eigenen Filmtheaters im dortigen Stadttheater. Im ganzen haben sich nur etwa noch zwei Drittel derjenigen Vereine, die im Vorjahr auf dem Gebiet des Films tätig waren, mit dieser Sparte befaßt, nämlich 41 Vereine. Besondere Film- gemeinden wiesen in der Berichtszeit nur 3 Vereine(darunter Breslau ) auf. Weitere 11 Vereine führten eigene Aufführungen durch. In der Hälfte aller Fälle beschränkte man sich darauf, für die Mitglieder der Volksbühne Preisermäßigungen in regu- lären Kinotheatern zu erwirken, wobei aber in der Regel diese Er- Mäßigung nur in Anspruch genommen wurde, wenn einwandfreie Filme das Programm bildeten. Erschwert wurde die Filmarbeit durch die allgemeine wirffchaftliche Lage, sodann wohl auch durch die inzwischen stark herabgefetzten Filmtheaterpreise. In einem Einzelfalle allerdings hat die Bewegung Ausgezeich- netes zu leisten vermocht: das war im Sommer 1931, als der Film „Im Westen nichts Neues" freigegeben wurde. Damals konnten sich zahlreiche Volksbühnen im Reich mit größtem zahlen- mäßigen Erfolg für dieses Filmwerk einsetzen. In vielen Städten haben die Mitgliedschaften der örtlichen Volksbühnen fast restlos den Remarque-Film besucht. In anderen Fällen traten, um einer Vor- schrift der Freigabebestimmungen gerecht zu werden, örtliche Volks- bühnsn allein oder gemeinsam mit anderen Kulturorganisationen als Träger der Remarque-Filmvorftellungen in den einzelnen Städten auf. Auf diese Weise war es z. B. im Rheinland und in Westfalen möglich, den Film teilweise wochenlang in zahlreichen Lichtspiel- theatern.vor Zehntausenden von Besuchern laufen zu lassen. Die beratende Tätigkeit der Verbandszentrale auf diesem Gebiet ist fortgesetzt worden. Insgesamt gelangten 13 Listen begutachteter Filme von der Verbandsgeschäftsstelle an die inter - essierten Vereine zum Versand. Diese Listen führten zusammen ins- gesamt 19 9 F i l m e, die in der Berichtszeit in Verlin zum ersten- mal gezeigt worden waren, aus. Die bewährte Einteilung dieser Filme in drei Güteklassen ist beibehalten worden. Von 199 begut- achteten Filmen wurden nur 24 uneingeschränkt positiv gewertet: weitere 42 Filme waren als beachtenswerte Mittelfilme bezeichnet worden und 133 Filme verfielen von vornherein der Ablehnung. Der angelegte Maßstab für diese Bewertung wurde nicht mehr ganz so streng gchandhabt wie in den vorhergehenden Jahren. Das Nachbarschastsproblem. 4. Internat onale Settlementskonferenz. * Den Höhepunkt der Tagung der 4. Internationalen Settlementskonferenz bildete die große öffentliche Ver- sammlung in dem Plenarsaale der Reichswirtschastskonserenz. In dieser Versammlung kam die große Sehnsucht nach einem neuen Gemeinschaftsgeist recht zum Ausdruck, die die Pioniere der Settlementsbewegung tief innerlich bewegt. Der Nach- barschaftsgeist soll sich schließlich zur völkerverbindenden Idee ausreisen. Starke religiöse Stimmungen schlugen in den Re- feraten durch. Prof. E l a s s e n wandte sich wuchtig gegen die ganze heutige Form des Aroßftadtlebens. Die Lösung des Grotzstadtproblems als eines Gemeinschaftsproblems sei mißglückt. Die Groß- stadt sei völlig durch Gegensätze zerklüftet. Ueberall walte der Geist der Uneinigkeit, des Unfriedens. Ueberall trete die Tendenz in
Deutschland hervor, Abgründe zwischen den sozialen Gruppen auf- zuweisen. Im Rahmen der staatlichen Gemeinschaft habe die Sozial- demokratie vor dem Kriege große gewerkschaftliche Organisationen aufgebaut. Der Kommunismus spitze den Klassengegensatz in ganz extremer, die Gemeinschaft zersetzender Weise zu. Der heutige Rassen-Rationalismus treibe die Gemeinschaft direkt auseinander. Außerhalb der Großstadt sei vielfach in ländlichen Siedlungen ein Nachbarschaftsgeist, ein neuer Gemeinschaftsgeist aufgeblüht. Die nachfolgenden Redner stellten den Nachbarschafts- geist direkt als eine die Gesellschaft umgestaltende geistige Macht dar. Als eine ernste Mahnung prägten sich die Worte des Vorsitzen- den Prof. Siegmund-Schultze ein: Geht in die Arbeiter- quartiere, dort im Osten werdet ihr eine andere Solidarität als im Westen finden. Die Nachbarsiedlung solle sich zu einer neuen Aufbauquelle entwickeln. Die Völker sollen zu guten Nachbarn werden! Gegenüber der demagogischen Mordhetze warf Siegmund-Schultze die ernste Frage auf: Soll der Bruderkrieg etwa an die Stelle des Weltkrieges treten?___ P.K. Erwerbslosigkeit und Ernährung. Prof. Carl von Tyszka. der Nationalökonom und Sta- tistiker an der Universität Hamburg , hat über den Einfluß der Wirt- ichastskrise auf Lebenshaltung und Ernährungslage des deutschen Volkes umfassende statistische Untersuchungen angestellt. Mit seinem Ergebnis, das er in der„Klinischen Wochenschrift" veröffentlicht, tritt Tiezka der Ansicht entgegen, die aus dem amtlichen" Lebens- haltungsindsx mit seiner Senkung der Lebenshaltungskosten von 1917 bis 1932 um etwa 20 bis 25 Proz. und aus einem Abbau der Löhne um 6 Proz. entstehen tönnt�: als habe sich die Lebenshaltung der noch in Beschäftigung stehenden Arbeiter keinesfalls ver- schlechtert. Die Wirkung der Lohnkürzung war, so betont er, nicht nur eine Einschränkung im Bedarf an Bekleidung, Wäsche, Hausrat, Erholung usw., sondern ganz sicher auch eine Ver- schlechterung der Ernährung, und zwar der Uebergang von einer hochanimalischen zu einer mehr vegetabilischen Kost. Der Forscher erörterte dann die Frage, wie eine durch Arbeitslosigkeit oder verstärkte Kurzarbeit erzwungene größere Einkommens- Verkürzung auf die Lebenshaltung und Ernährungslage der Arbeit- nehmer wirkt. Auf den ersten Blick erstaunlich erscheint eine etwas stärkere Einschränkung der Zlusgaben für pflanzliche als für tierische Nahrungsmittel— ein deutlicher Beweis, wie notwendig für städtische Familien die Aufnahme animalischer Nahrungsmittel ist. Denn selbst bei einer Verminderung des Einkommens um etwa ein Drittel wird der Verbrauch animalischer Produtte so wenig wie möglich gekürzt. Das mögen alle diejenigen, die für eine über- wiegend vegetabilische Kost eintreten und für die Industriebevölke- rung Kartoffeln und Roggenbrot für zuträglicher halten als Fleisch und Butter, recht beherzigen. Es gibt bestimmte Grenzen für die Einschränkung: ein gewisser Fettbedarf muß eben befriedigt werden. Tyszkas Untersuchung ergibt bei Schmälerung des Einkommens um rund ein Drittel eine wesentliche Verschlechterung der Er- nährung, die in einer Verringerung der verbrauchten Mengen, Verminderung der Qualitäten und Rück- gang der Eiwcißzufuhr wie der Kalorienzohl zum Ausdruck kommt. Bei den in Beschäftigung stehenden Arbeiterfamilien muß die Vitaminzufuhr als kaum genügend bezeichnet werden, bei den während der Erwerbslosigkeit untersuchten Haushalten aber herrscht geradezu Vitaminmangel. Das gilt schon von denen, die noch die Arbeitslosenunterstützung bezogen. Bei den Empfängern der Krisen- und Wohlfahrtsunterstützung spricht Dr. Hellmut Lehmann in einer Arbeit in der„Zeitschrift für Ernährung" von einer ver- schleierten Hungersnot, und Prof. von Tyszka gibt ihm darin recht. Nach den ermittelten Zahlen ist die Ernährung der Menge nach und besonders der Qualität nach mit ihrem viel zu geringen Verbrauch an Eiweißträgern völlig unzureichend.
Die lleberhunderkjährigen in Preußen. Von 123 Personen, die bei einer Zählung am 4. März 1932 in Preußen ihr 100. Lebens- jähr vollendet hatten, find nach der soeben veröffentlichten letzten Statistik des Preußischen Statistischen Reichsamts noch 17 am Leven. 106 Personen im Alter von 100 bis 100 Iahren verstarben in der Zwischenzeit..Die Mehrzahl der Ueberhundertjährigen rekrutiert sich aus Bauern. 7 der noch Lebenden sind jetzt 101 Jahre, 5 102, 1 Frau ist 103, 3 Frauen sind 104 und 1 Mann ist sogar 106 Jahre alt. Im allgemeinen schlagen die Frauen die Männer beim Alters» rekord ganz erheblich.