Der„verscholzte" Rundfunk Nuo6kua!c6ebatte im �.ancitsxs�usseKuQ
�on�er-Iustitis
„Kritik?— Nichts zu machen! Meine Waage ist im Gleichgewicht!"
/
Der Unterrichtsausschuh des Preu- hischen Landtags beschäftigte sich am Man- tag mit drei nationalsozialistischen Anträgen, die schon Anfang Juni eingebracht wurden und in denen oerlangt wird, die Ueberwachungsausschüsse und Knlturbeiräte bei den deutschen Sendern wegen erwiesener Unzulängtichteit und parteiischer Einstellung neu zu besetzen, den Reichsrundfun?- kommissar abzuberufen und die beim Rundfunk beschäftigten artfremden und auslän» dischen Kräfte sofort abzubauen und durch „d e u t s ch st ä m m i g e" Künstler und Geistes- arbeiter zu ersetzen. Nach einer sehr dürftigen Begründung durch den Abg. Dr. ch a u p t(Natsoz.) erhielt das Won Abg. Meier, Berlin ,(Soz.), der zunächst zu den Anträgen selbst Stellung nahm, die zum größten Teil nur noch antiquarischen Wert hätten. Selbstverständlich würden die Sozialdemokraten aus grundsätzlichen Erwägungen auch gegen den Antrag stimmen, artfremd«, d. h. jüdische Kräfte, und Ausländer sofort abzubauen. Entscheidend könne immer nur die Oualilät der Darbietungen sein. Die Sozialdemokraten würden es niemals zu» lassen, die Juden als Staatsbürger zweiter Klasse abzustempeln. Außerdem werde eine Entlassung etwa beschäftigter ausländischer Künstler ganz sicher Repressalien für unser« im Ausland beschäftigten deutschen Künstler nach sich ziehen. Bei dieser Gelegenheit nahm der sozialdemo- kratische Redner den„v e r s ch o l z t e n" Rund- funk kritisch unter die Lupe. Noch als Ministe- rialrat habe Dr. Scholz unter S e o« r i n g alle Angriffe der Nationalsozialisten auf Rundfunk und Staat tatkräftig abgewehrt. Er war es, der auch noch unter Brüning dessen große Rede im Reichstag im Rundfunk wiederholen lieh, die so scharf mit den Nationalsozialisten und dem Balten Rosenberg abrechnete: derselbe Scholz wechselte nach dem Sturz Brünings von den Deutschnationalen zu den Nationalsozia- listen über und trat aus der chitler-Partei wieder aus, als diese von der Papen-Regierung !n ble Defensive gedrängt wurde. Diese politische Mandlungsfähigkeit konnte ihn nur im System der»grundsählichen Staatssührung- zum Diktator des deutschen Rundfunks machen. Seine politische«Charakterfestigkeit- sei beinahe sprichwörtlich geworden. Es sei ein grausamer aber treffender Scherz, wenn ein Spaßvogel be> b-niptet«, daß künftig die jeweilige politische Gin» fteüung des neuen Rundfunkkommissars bei den Tagesnochrichten im Rundfunk bekanntgegeben werde. Die nationalsozialistischen Anträge, so erklärte der sozialdemokratische Redner weiter, gingen von der geflissentlich verbreiteten und genährten dema- gogischen Unterstellung aus, daß vor der Neu- orientierung die Hörerschaft durch' den„roten Rundfunk" volkszerfetzend beeinflußt worden sei. An Hand von Zahlen konnte er unwidersprochen nachweisen, daß schon damals Vorträge von sozialdemokratischen Referenten in so verschwindender Anzahl gehalten wurden, daß man von Objektivität kaum reden konnte. Jehl kommt die organisierte Arbeiterschaft überhaupt nicht mehr zu Wort, und insofern seien die Forderungen der Rationalsozialisten wohl restlos erfüllt. Danach sieht das„Kulturniveau" de» neuorien- tierten Rundfunks auch ausl In dem Bestreben. auch die Aetherwellen zu nationalisieren, hätten die Programm« eine Ausgestaltung erfahren, die jeder Beschreibung spottet. Kein Wunder, daß stch jetzt auch ausgesprochen« Rechtsblätter mit Schaudern von der Kultur der Militärmärsche ab- wenden und von einer Trostlosigkeit dieses Zwischenftadiums sprechen. Auch sie müssen fest- . stellen, daß sich das D u r ch s ch n i t t s n i o e a u der Darbietungen nach Qualität. Bielseitigkeit und Publikumswirksamkeit recht bedenklich ge- senkt habe. Die Schuld daran trage die„neue Personalpolitik", die uns u. a. auch den mehr de- rüchtigten als berühmten Schriftsteller Arnolt Bronner in einer leitenden Stellung beschert hat. Die Eharakleristik des Rationalsozialisten Bronner war nicht schmeichelhaft. Nach von ihm unwidersprochenen Zeitungsmeldun- gen hat er zunächst seinen jüdischen Vater Bron- ner in Wien als Empfehlung benutzt, um seine Schriften unterzubringen. Er hat ihn später zu verleugnen oersucht, indem er mitteile» ließ, daß er in Wirklichkeit als Kind seiner inzwischen ver- storbenen Mutter von einem germanischen Vater gezeugt sei. Dieser Mann, der also seine tote Mutter beschmutzt, wurde vor einigen Wochen
von der Zentrumspresse als ein Schriftsteller dar- gestellt, dessen Werke geradezu ein Katalog der Sexualpathologie sind. Einem solchen Urteil brauch« man nichts hinzuzufügen, aber man brauche sich nicht zu wundern, wenn die Hörer- schaft aus den arbeitenden Schichten Programme ablehnt, die von solchen Erneuerern geistig be- einfluht sind! Wenn es so weiter geht, werde es nicht beim bloßen Protestteren bleiben. Wenn im zweiten Vierteljahr bereits 50 000 Hörer den Rundfunk abbestellt haben, so sei das nicht allein aus die Rot zurückzuführen, es sei zum großen Teil aus Protest gegen die Einstellung des Rundfunks geschehen, der sich erst kürzlich in einem Prozeß mit anerkennenswerter Offenheit als politischer Tendenzbetrieb bezeichnet habe. Abg. Dr. Lauscher(Z.) bezeichnete zwar eben- falls die ersten Anträge der Nationalsozialisten als überholt, meinte aber, daß man sehr wohl von einem Ueberwuchern des jüdischen Einflusses beim Rundfunk sprechen könnte. Er brachte einen Abänderungsantrag'ein, in dem gefordert wird, daß die Kräfte des Rundfunks st ä r k e r als bisher in den Dienst christlicher und deutscher Kultur gestellt werden. Abg Dr. Löpelmann(Natsoz.) rückt« offen von Bronner ab, quittierte aber mit Dank die antt- semitische Annäherung des Zentrums an die Nationalsozialisten. Von den 2069 Angestellten des deutschen Rundfunks seien nur 1% Proz. Ausländer, die größtenteils in Or- chestern als Soli st en tätig sind. Er müsse vor einer restlosen Ausmerzung dieser Ausländer warnen, weil zweifellos im Ausland eine viel größere Anzahl deutscher Künstler beschäftigt sind, als ausländische Künstler sich in Deutschland in Stellung befinden. Im Reichsrat werden die hauptamtlichen Vertreter Preußens, unterstützt von Sachbearbeitern, an der Feststellung der neuen Richtlinien mitwirken. Und da» Ergebnis der Debatte? Sämtliche An. träge der Rationalsozialisten und der Antrag de» Zentrums wurden abgelehnt!
Labours Varteitag Bekenntnis zum Sozialismus London , 3. Oktober. Eigener Bericht Die 3 2. Konferenz der L a b o u r- Party in Leicester, die am Montag er- öffnet wurde, wird, nachdem man über den Schrecken der Wahlniederlage vor zwölf Monaten hinweggekommen ist, das sozialistische Ge- dankengut der Partei schärfer herausarbeiten, als dies während der letzten Regierungsperiode sichtbar war. Der Grundton der Reden ist, daß keine schwachen und unentschlossenen Regierungen
wie 1929/30 mehr gebildet werden dürfen. Die Vo»-der-Hand->n-den-Mund-Politik, mit der die letzte Regierung dem Sozialismus näherzu- kommen hoffte, hat sich als Mißerfolg erwiesen und die Aufgabe dieses wie des nächsten Partei- tages ist es, Stufe für Stufe eine praktische, zur Uebersetzung in die Wirklichkeit bereits sozialistische Politik zu entwerfen. Die Konferenz wurde von L a t h a n eröffnet. Er bezeichnete es als die Aufgabe des Sozialis- mus, Ordnung aus dem Chaos zu schaffen. Cr sprach sein Bedauern über den Absall der Unabhängigen Labour-Party aus, äußerte sich aber mit großer Zuversicht über die Zukunft der Partei, die sich seit einem Jahre wieder erheb- lich gekräftigt habe. Die sogenannte Na- tionalregierung wurde wegen ihrer phantasielosen und schädlichen Sparpolitik heftig angegriffen. Es entspann sich eine lebhafte Diskussion darüber, was geschehen solle, wenn der König einen La- bour-Premier mit der Regierungsbildung beauf- trägt, ohne daß eine absolute Labonr-Mehrheit im Parlament vorhanden sei. Die Stelle der Unabhängigen Labour-Party als Propagandoorganisation innerhalb der Labour- Party nimmt jetzt die am Sonntag gegründet« Soziali st ische L t g-o»in. in der sich die nicht mit dem Austritt einverstandenen Mitglieder der Unabhängigen Labour-Party zusammengefunden hoben, mit der vor einem Jahr entstandenen Ge- sellschaft für sozialistische Forschung und Propa» ganda_
Scholz in Urlaub Der Herr Kommissar bleibt uns erhalten Die über den angeblich bevorstehenden Rück- tritt des Rundfunkkommissar« Scholz verbreiteten Gerüchte werden amtlich als nicht den Tatsachen entsprechend bezeichnet. Der Rundfunk- kommissar Scholz tritt nur für wenige Tage einen Erholungsurlaub an und bleibt den Hörern er- halten. Die Richtlinien für den Rundfunk find in Aus- arbeitung begriffen und werden Mitte Oktober dem Reichsratsausschuß vorgelegt werden. Don besonderen bayerischen Reservatrechten soll dabei nicht die Red« sein.
Klagges-Goldaten Braunschweig . 3. Oktober. Der Stahlhelm veranstaltete heute abend einen FackelzugzuEhrenHindenburgs durch die Stadt. Nationassozialistisch« Horden, die zunächst neben dem Zug herliefen und die Stahl- helmer als„Papensoldaten usw." beschimpften, fielen schließlich über die Stahlhelmer her. Nur mit Mühe konnten diemitblankerWaffevor- gehenden Polizisten die Stahlhelm«? vor den Nazihorden schützen. Es gab eine große Zahl Verletzter und zahlreiche Festnahmen. Auch wurde von Naziselte geschossen.
Zw larisstreil des Hamburger Verkehrsgewerbes sind die am Montag geMrten Nach- verhairdlungen ergebnislos geblieben. Die Entscheidung liegt nunmehr beim Reichsarbeit»- minister.
Hilfe für Kinderreiche!
t rfr M IN f? Eine Anfrage und eine Antwort
i<ff
Der„R« i ch s b u n d der Kinderreichen zum Schutze der Familie" hat an die Leitungen aller Parteien ein Schreiben gerichtet, worin mit Recht über die schlimme Lage der kinderreichen Familien geklagt wird. Der Reichs« bund sagt: „Obwohl diese Familien durch den Unterhalt, die Erziehung und Ausbildung des für die Bestandserhaltung von Volk und Staat unent- behrlichen Nachwuchses große Opfer im Interesse des Lolksganzen bringen, hat man bei den gesetzgeberischen Maßnahmen auf die ungeheure Vorbelastung dieser wirtschaftlich ohnehin schon schwachen Volksschicht keine, oder doch nur ungenügende Rücksicht genommen." Die Parteien werden nun angefragt, ob sie bereit seien,„sich für eine zielbewußte Familien- Politik zur Wiederausrichtung und Gesundung der deutschen Familie einzusetzen". Der Reichsbund will die eingegangenen Antworten im Hinblick auf die R e i ch s t a g s w a h l am 6. November zur Kenntnis seiner Mitglieder bringen. Die sozialdemokratische Reichstags- f r a t t i o n. die diese Anfrage beantwortet hat, konnte darauf hinweisen, daß die Sozialdemo- kratische Partei keine neuen Wahlver- sprechungen zu machen braucht. Die ganze Arbeit der Sozialdemokratie gilt dem Schutze der minderbemittelten und hilfsbedürftigen Bevölke- rung und darum ist auch die Vertretung der Interessen der kinderreichen Familien eingeschlossen. Schon in der R e i ch s v e r f a s s u n g. an deren Schöpfung die Sozialdemokratie maßgebend be- teiligt war, ist ausdrücklich bestimmt, daß linder- reiche Familien Anspruch auf ausreichende Für- sorge haben und daß dafür gesorgt werden müsse, daß allen deutschen Familien, besonders den Kinderreichen, eine ihren Bedürfnissen ent- sprechende Wohn- und Wirtschastsheimstätte ge- sichert wird. Solange die Sozialdemokratische Partei ihren Einfluß auf die Regierung ausüben konnte, ist diesen Bestimmungen Rechnung ge- tragen worden. E» wurden Kinderzulagen bei Löhnen und Ge- hällern, bei Unterstühungen und Renten ge- schassen, bei der Vergebung von Heimstätten wurden kinderreiche Familien vornehmlich be-
rücksichligt, bei den Steuerleistungen sind ent- sprechende Vergünstigungen gewährt worden. Erst seitdem die Sozialdemokratie aus der Regierung ausgeschallet Ist und sich die Gesetz- gebung Im wesentlichen in Form der Rolver- ordnungen vollzieht, ha« man diese Rücksichten fallen gelassen. Die bürgerlichen Parten, die nicht oft genug über die Heiligkeit der Eh« und der Familie reden können, tun nichts um die kinderreichen Familien vor völliger Verelendung zu schützen. Sie über- lasten es der Sozialdemokratie und den Gewerk- schaften, gegen die familien- und kinderseindlichen Maßnahmen der Regierung der Freiherren zu kämpfen. Sicher werden die bürgerlichen Parteien im Wahlkamps wieder die schönsten Versprechungen machen, nach dem 6. Novem- ber wird man aber nichts von ihren wirklichen Taten für die kinderrsichen Familien hören. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion brauchte nicht darauf zu warten, bis die an sich gerechtfertigte Anfrage des Retchsbundes an die Parteileitung kam. Auch in den von ihr zum Um- bau der Wirtschaft und Erhaltung der Existenz der arbeitenden Bevölkerung im Reichetag einge- brachten Gesetzentwürfen wird selbstverständlich der kinderreichen Familien gedacht. Das kommt ins- besondere zum Ausdruck in den sozialdemokra- tischen Forderungen auf. Wiedererhöhung der Sozialleistungen, Gewährung einer Winterhilfe für die notleidende Bevölkerung, Mietbeihilsen für bedürftige Mieter in Altwohnungen, Mietsenkung für Neubauwohnungen, vor allem für Kinder- reiche. Befreiung der Kleinhausbesitzer von der Zahlung der Hauszinssteuer, Schaffung eine- sozialen Wohn- und Mietrechts. Schaffung eines Reichsstädtebaugesetze». Entlastung notleidender Schuldner. Wenn also die Väter und Mütter, die eine große Kinderschar ihr«igen nennen, bessere Ver- Hältnisse flir sich und ihre Familien herbeiführen wollen, so müssen sie dafür sorgen, daß am 6. November die Zahl der sozialdemokra- tischen Abgeordneten so erhöht wird, daß sie im neuen Reichstag ihre Forderungen durchsetzen können!
CREME MOUSON
begnügt sich nicht damit, die Hautoberfläche einzufetten, sondern sie dringt bis in die untersten Gewebe der Haut sie erneuernd und aufbauend.
ein
QukerTRntfurSelbstRasierer! lUj-el TTUnuten i WirKunä unbeschreiblich!