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Germanenschlacht
Der Moniteur des Herrn Goebbels ist heuer mit unserer Justiz gar nicht zufrieden. Die nationalsozialistischen Verleumder und Wege- lagerer haben durch das Urteil im Weih-Prozeh und durch den Freispruch der Angeklagten im Mordprozeß Gatschke schwere moralische Ohrfeigen erhalten. Drei und fünf Monate Gefängnis für die„Angriff�-Redakteure, die nichts von ihren Verleumdungen gegen Weih beweisen konnten, daran ist natürlich— die Justiz schuld! Freispruch der Angeklagten, die mit den Unschulds- lämmern des Sturmes 33 in einen Raufhandel geraten waren— Schuld der Justiz. Immerhin hält man sich neuerdings vor persönlichen Be- schimpfungen der Richter zurück. Es ist Goebbels und den Seinen noch in trüber Erinnerung, wie die Unflätigkeiten der Freitzler und Äube auf die deutsche Juristenwelt gewirkt haben. Dafür hat man einen neuen Sündenbock gefunden. Der „Angriff" schreibt: „Wir messen hier den Richtern und auch den Vertretern der Staatsanwaltschaft keine Schuld zu. Die Schuld liegt einzig und allein beim Römischen Recht... Das Gericht als Exponent der Römischen Rechtspflege gab nicht dem Rechtsempfinden des Volkes, sondern dem des Juden Weiß Recht. Das muß so sein, so lange in Deutschland ein R ö m i- s ch e s Recht existiert." Diese Ausrede auf das Römische Recht ist eine furchtbare Blamage der„Angriff"»Leute. Sie zeigt, in welchem Maße sich die Nazis auf die ge- schichtliche Unkenntnis ihrer Anhänger ver- lassen können. Sie haben einmal etwas davon läuten hören, daß im späten Mittelalter in Deutschland das Römische Recht, das vom Kaiser Justinian zusammengestellte Corpus juris, über- nommen wurde. Diese Rechtsübernahme erstreckte sich jedoch lediglich auf das Zivilrecht. Das Strafrecht, das doch allein in den Prozessen Weiß und Gatschke in Frage kommt, ist niemals von den Römern übernommen worden. Das deutsche Strafrecht hat sich vielmehr entwickelt' aus der Carolins, der peinlichen Halsgerichtsord- nung Karls V. von 1S32. Von den 370 Paragraphen unseres heute gelten- den Strafgesetzbuches ist nicht ein einziger römischen Ursprungs, höchstens ist ein gewisser Paragraph„röhmisch"... Aber für die Ver- leumdungen des„Angriff" und für die Taten des Mordsturmes 33 das im Strafgesetzbuch nicht vorhandene Römische Recht verantwort- lich zu machen, das geht denn doch zu weit!
Redeverbot für Graes verlangen<He Nazis! Die Teutonenschlacht in der Hasenheid« nimmt in den Blättern der nationalen Konzentration immer noch einen erheblichen Raum«in und e» gewährt einen ungeteilten Genuß, die Schlachten» berichte der beiden Generolstäbe zu studieren. Hu» genbergs Blätter stellen die bezeichnend« Tatsache fest, daß sich unter den Nationalsozialisten ein Standartenarzt befand und daß sie Verbandszeug mitgebracht hatten, wo» raus sich die Planmäßigkeit der Störungen ergebe. Der„Angriff" seinerseits glaubt wieder mangelnde Tapferkeit bei seinen nationalen Gegnern feststellen zu können. Zwar hätte Herr Graes ganz kollegial angefangen:„Sperren Sie Ihr Ohr so weit auf, wie Sie I h r M a u l aufreißen." Aber dann seien die„Bismarck-Jünglinge" angstvoll hinter die Bühne gekrochen, bis die Polizei da war,.„die Spießer aber deckten sich und krochen z w i- schen den Stühlen am Boden herum". Die Polizei untersuchte alle noch im Saale befind- lichen Versammlungsteilnehmer nach Waffen. Sie wollen sich bessern Der Führer der Gruppe Berlin-Brandenburg der NSDAP. , Gras Helldorf , hat an die Unter- gruppen folgenden Befehl erlassen:„Die deutsch - nationale Presse setzt mit ihrer Phantasie die letzt- hin erfolgten Versnmmlungsstörungen auf unser Konto: Die deutschnationalen Versanrmlungen veröden an ihrer eigenen Langweilig» keit und Lächerlichkeit. Jede Beteiligung. unsererseits macht höchstens Reklame, Klamauk zieht Neugierige herbei, und Zahlung von Ein» trittsgeldern stärkt den gegnerischen Wahisonds. Daher ordne ich an, daß die SA. sich von deutsch » nationalen Versammlungen fernhält." Wohin also geht sie jetzt, um„Klamauk" zu machen? Deutsche « Heldentum scheint ja nach alledem � keine Triumphe gefeiert zu haben, und da nach dem„Angriff" die Scherl-Presse diesen Sachver» halt„wieder zu den frechsten und geineinsten An- würfen gegen die Nationalsozialisten" zählt, sei es „unbeschreiblich, mit welch marxistischen Methoden die Deutschnationalen unter dem Schutze des Gummiknüppels ihren Hetzfeldzug gegen
Vor dem allgemeinen Kampf pflegten sich— natürlich nur bei den alten Germanen— die Führer persönlich zum Zweikampf herauszufordern
Adolf Hitler und seine Bewegung und dann gegen das nationale Deutschland (!) durchführen dürfen". Die Entrüstung gipfelt auch bei den National- sozialisten in einem Hilferuf an die Pol!» z e i, von der sie eben erheblich Prügel bezogen hatten: „Wir fordern-von dem Polizeipräsidenten M e l ch e r, daß man dem durch seine üblen Hetzereien bekannten Reiche- tagsvizepräsidenten Graes sofort ein Redeverbot auferlegt, weil er die öffent- liche Ruhe und Ordnung wiederholt schon aufs schwerste gefährdet hat. Was würde einem Redner von uns geschehen, der durch seine Aus- führungen eine Saalschlacht hervorruft?!" Das hätte sich der gute Gräef, der seinen nazio- tischen Lieblingen so oft im Reichstag beigestanden hat, auch nichr träumen lassen, daß seine Freund- schaft einmal diese Erwiderung findet. Im übrigen bewundern wir die Langmut dieser Polizei gegen- über den Provokationen des Goebbels-Blattes, das doch fortdauernd zu solchen Rüpeleien und Ausschreitungen anreizt.
Wieder Harzburger Keile! Lchüsse in einer deutschnationalen Versammlung
Düsseldorf , 7. Oktober. Die Deutschnationale Volkspartei wollte am Freitagabend im Kaisersaal der Tonhalle eine Wahloersammlung veranstalten, in der Referendar Dr. Giseoius über das Thema„Nazi erwache" sprechen sollte Gleich zu Beginn der Versammlung wurde der Versammlungsleiter durch laute Zurufe unterbrochen, die ihn zwangen, die nationalfozia- listischen Zwischenrufer durch den Saalschutz ent- fernen zu lassen. Hierauf entstand ein u n g e-
heurer Tumult. Stühle flogen durch die Luft, und es kam zu einer ausgedehnten Schlägerei. Inzwischen war eüi starkes Schupoauf- gebot im Saale erschienen, das mit dsm Gummiknüppel den Saal räumte. Vorher waren im Saal schon mehrere Schüsse gefallen, durch die ein junger Mann schwer ver- letzt wurde. Auf der Straße setzten sich die Kundgebungen der Nationalsozialisten fort.
Jimmy schafft es nicht Die„Europa " zu spät gelandet Eigener Bericht des„Vormärts" New Jork, 7. Oktober. Das N e w- fg or k e r S t a a t s g e r i ch t hat auf die Klage der Demokratischen Partei ent- schieden, daß die Neuwahl eines Bürger- Meisters notwendig ist. Die Wahl findet am 8. November statt, Jimmy Walkers Kandi- datur ist ausgefallen. Walker war nach seinem erzwungenen Rücktritt nach Italien gefahren. Als Bürgermeister fun- gierte in New Jork ein provisorischer Stellver- treter. Walker wollte einiges Gros über seine Geldaffären wachsen lassen, um später bei einer Neuwahl wieder zu kandidieren. Seine Gegner haben ihm einen Strich durch die Rechnung ge- macht. Die Wahl ist so schnell angesetzt, daß er seine Kandidatur nicht mehr anmelden kann. Walker hatte zwar auf die Nachricht von der Verwaltungsklage sofort einen Italienischen Dampser bestiegen, um nach New Jork zurück- zufahren. Dieses Schiff, das«Inen SchnelligkSIts- rekord ausstellen wollte, erlitt in Gibraltar eine Havarie. Walker flog deshalb nach Cherbourg , um die„Europa " zu erreichen, mit der er weitergefahren Ist. Zu spät! Die„Europa " Ist noch nicht gelandet, und die Gegner Jimmys haben selbst den Schnelligkeitsrekord des besten Ozeandampfers der Welt gebrochen. An Stelle von Walker haben seine Gegner in der Demo- kratischen Partei den Stadtsyndikus O' B r i e n, «inen Iren von Geburt, als Kandidat ernannt.
Zum neuen Ehef des Protokolls wurde der bis» herige Generalkonsul in Kalkutta Gras Basse- w i tz ernannt.
Abgevlasenes Manöver der ZZ.»öataillone Dom 14. bis 16. Oktober sollte die SS. der Gruppe Ost in Mecklenburg ein Manöver ver- anstalten, das nach Meinung der Nazis in einer Großzügigkeit glänzen sollte, wie es nur im Vor- kricgsdeutschland möglich war. Die Nazis wollten die Formationen ihrer SS. und SA. in einer Stärke von etwa 8000 Mann auftreten lassen. Die Uebung sollte nach modernsten Grundsätzen veranstaltet werden. Alle Verbände motorisiert. Das Manöver war im Räume Brüel — Witten - bürg mit Marschrichtung auf Schwerin ange- kündigt und sollte am Sonntag, dem 16. Oktober, mit dem Einmarsch der Formationen in Schwerin enden, wo vor dem„großen Adolf " eine Parade geplant war. Von den obersten Herrschern der Hitlerschen Pripatarmee waren angekündigt: Herr Stabschef Röhm und der Reichsführer der Schutz- ftaffel Himmler. Fast 300 Musiker der SS.» Kapellen der Gruppe Ost sollten unter Leitung eines ehemaligen kaiserlichen Obermusikmeisters am Sonnabend, dem IS. Oktober. Schwerin mit Konzert beehren. Alles war in Butter Da die mecklenburgische Naziregierung wirtschaftlich nichts leisten konnte. sollte wenigstens ein herzerfrischende« Schauspiel aufgeführt werden. Plötzlich aber platzt die Nach- richt nach Schwerin : „Die S S.» M a n ö v e r. die die Reichsleitung der Nationalsozialistischen Partei in Mecklenburg- Schwerin Mitte Oktober zu veranstalten beab- sichtigte.' sind am Mittwoch zur allgemeinen
Kammerspiele Eine Lauerntragödie „Das Verlöbnis ", ein düsteres Mordspiel von Richctrd Billinger, erwies sich als schwaches Stück eines starken Dichters. Das enttäuschte Publikum bewahrte dem volkskundigen Romantiker, der den vorjährigen Ruhm seiner Rauhnacht nicht mehrte, gebührende Achtung. R. Dr.
Ueberraschung von Adolf Hitler selbst a h g e- blasen worden." Wer hat den Soldatenspielern da in die Suppe gespuckt? Der verunglückte Kindertag in Pots- dam? Fehlte das Geld oder die Begeisterung der Großgrundbesitzer? Oder meldeten sich mächtigere Stellen? Schon wieder Urlaub? Der„Kampf» geist" scheint bös im Abflauen zu sein.
Einzelhandel Schiedsspruch nach langer Verhandlung In dein Streit um die Neuregelung der Gehalts- und Arbeitsbedingungen der 40 000 Berliner Einzelhandelsangestellten ist gestern um Mitter- nacht vom Schlichtungsausschuß unter Vorsitz des Gewerberats Körner ein einstimmiger Schiedsspruch gefällt worden, der im wesent- lichen folgendes besagt: Die Gehälter der Lehrlinge und Jugendlichen werden je nach der Gruppe um 10 bis IS Proz. herabgesetzt. Die Gehälter der Angestellten in der Gehaltsgruppe I und II bleiben unverändert be» stehen. In der Gehaltsgruppe III kommen die Gehälter für die höheren Berufsjahre in Fortfall. Für die Gruppe IV bleibt nur noch ein Grund- geholt bestehen. Der Urlaub für die Lehrlinge uyd Jugendlichen wird um zwei Tage gekürzt. Der Urlaub für die Angestellten der Gruppen I und II wird in der Spitze' um drei Tage gekürzt. Die Geltungs- dauer für den Manteltarisvertrag ist bis zum 30. September 1033 festgesetzt worden, die für das Gehaltsabkommen bis zum 31. Januar 1033. Crklärungsfrist zu diesem Schiedsspruch läuft bis zum 15. Januar.
Zwei Nazistudenten wurden von der großen Strafkammer in Frankfurt a. M. wegen Land» friedensbruch» zu je sechs Monaten Ge- f ä n g n i s oerurteilt. Sie waren an den Frank- furter Universitätskrawallen beteiligt. Das Gericht hebielt sich trotz der Milde der Strafen die Eni- scheidung über eine Bewährungsfrist nach weiteren Ermittlungen vor.