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ERSTE BEILAGE

Vorwärts

Der Wahlkampf auf der Höhe

Wir werben für die Freiheit

Zu dem Sturm der Flugblätter auf die einzelnen Haushalte, neben den vielen überfüllten Versammlun gen und außer den wehenden Freiheits­fahnen, die das Stadtbild kennzeichnen, wirbt die Sozialdemokratie schon seit 14 Tagen mit zwei großen Laut= sprecherautos für die Idee Freiheit. Tag für Tag fahren sie in die entferntesten Vororte, an die Tore der Fabriken und durch den Lärm des Zen­trums. Ueberall aber wird der Wagen der Freiheit stürmisch begrüßt.

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Eine von den Bezirken Kreuzberg und Neukölln einberufene Erwerbslosenversammlung wurde zu einer mächtigen Rundgebung für die Sozialdemokratie. Gegenüber den demagogischen Scheinanträgen der Neuköllner Kommunisten auf eine nicht durchzuführende Hilfe für die Erwerbs= losen, stellte sich die Versammlung einmütig in die Kampfeslinie der Eisernen Front".

Die ,, Kliems Festsäle" in der Hasenheide waren schon früh überfüllt und mußten polizeilich ab­gesperrt werden. Trotzdem nur Stühle aufgestellt waren, fanden nicht mehr alle Plaz. Hier saßen die Männer im alten Arbeitskleid, das sie nun tragen müssen, auch ohne Beschäftigung zu haben. Blutjunge Menschen, die der Kapitalismus um ihren Lebensweg betrogen und Alte, die man aus ihrer Arbeit ausgestoßen hat, hörten die Worte Theodor Haubachs, der in einem 1% stündigen Referat das herrschende System geißelte und als einzigen Ausweg die Durchführung der sozia­ listischen Aktion aufzeichnete.

Rettung für die Millionen Deutsche , die heute im tiefsten Elend sind, kann nur durch den Umbau der Wirtschaft kommen, wie er von der Sozialdemokratie und den freien Gewerk­schaften angestrebt wird.

Reiht euch alle ein und sorgt dafür, daß das tot­geborene Kind der kapitalistischen Sanierung durch die Regierung der Barone von einem praf= tischen Sozialismus der Arbeiterschaft abgelöst wird. Einmütig wurde folgende Reso lution angenommen: Die am 3. November 1932 in Kliems Festsälen versammelten Erwerbs= losen Neuköllns stellen sich voll und ganz hinter das wirtschaftliche und sozialpolitische Programm der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion und der freien Gewerkschaften Sie fordern alle Prole= tarier Neuköllns auf, am 6. November nur die Liste 2 der Sozialdemokratie wählen.

Spandau auf dem Posten

zu

Die Schlußkundgebung des Kreises Spandau war ein großer Erfolg. Die große Jubiläums­Turnhalle war bis auf den letzten Platz gefüllt. In den Gängen und auf den Rängen drängten sich die Massen. Genosse Guth eröffnete die

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Alle Mann an Deck: Nutzt die Zeit!

Versammlung und wies verschiedene Verleum­dungen zurück, die die Kommunisten im Ort ver­breiten. Junge Parteigenossen führten einen Sprechchor auf, der mit großem Beifall auf­

ler Papen Halliste

Treu zur Sozialdemokratie: Werbung für die Liste 2 an der Kellerwohnung eines Erwerbslosen in Tempelhof

genommen wurde. Das einstündige Referat des Genossen Kuttner entfachte immer von neuem Zustimmung und Beifall der Zuhörermasse. Ellen Treburg trug durch ihre Rezitationen zur weiteren Steigerung der begeisterten Stimmung

bei. Am Schluß sang die Versammlung stehend das Lied ,, Brüder, zur Sonne, zur Freiheit", begleitet von den Klängen der Reichsbannerkapelle.

In einer sehr stark besuchten Versammlung in

FREITAG, 4. NOV. 1932

lottenburg zu. Dort stürzte, offenbar unter dem Einfluß des starken Regens, ein großer Koks= sta pel zusammen. Der 43 Jahre alte Platz­arbeiter Richard Schüßler aus der Charlotten­burger Straße in Weißensee wurde unter den Rotsmassen begraben. Von Kollegen wurde der Verschüttete schwerverletzt geborgen und durch die inzwischen alarmierte Feuerwehr ins Moabiter Krankenhaus gebracht.

Lichterfelde sprach Robert Breuer. Er schilderte Bug in Arbeitergruppe

überzeugend die Gefahr, in der sich die deutsche Arbeiterschaft befindet. Nach einer Kennzeichnung der wahren Situation am 20. Juli rief er zum Kampf für die Sache der Freiheit auf. Begeistert stimmten die Massen in den Freiheitsruf, der seine Rede schloß, mit ein.

Hamburg , 3. November. In Rothenburgsort ereignete sich ein schweres Unglüd. Ein Güterzug, der sich auf der Fahrt von Harburg- Wilhelmsburg nach Hamburg be­fand, fuhr um 14.10 Uhr am Brückendamm in eine Arbeiterkolonne hinein. Drei Arbeiter wurden getötet, zwei schwer und mehrere leicht verletzt. Vier Kranken­

Drei Arbeiter verunglücktagen forgten für den Abtransport der Berlehten.

In den gestrigen Nachmittagsffunden ereigneten sich zwei folgenschwere Arbeitsunfälle.

Im Hauſe Drânienſtraße waren zwei Angestellte Gertrud Bindernagel tot

der Städtischen Gaswerke mit dem Einbau eines Gasreglers beschäftigt. An einer undichten Stelle der Leitung entströmten unbemerkt größere Gasmengen, so daß die beiden Arbeiter unter der Einwirkung der Gase betäubt zu Boden sanken. Von der Feuerwehr wurden die Gas­arbeiter zur nächsten Rettungsstelle gebracht, wo fie ins Leben zurückgerufen werden konnten.

Der zweite Unglüdsfall trug sich auf einem Lagerplatz in der Morsestraße in Char­

Gewählt wird von 9 bis 6 Uhr

Das Kreuz gehört ins zweite Feld!

Am kommenden Sonntag wird die Wahl des Reichstages in der Zeit von 9 Uhr vormittags bis 6 Uhr nachmittags in den von den Bezirks­ämtern bestimmten Abstimmungsräumen durch­geführt.

Die Abgrenzung der Stimmbezirfe und die Lage der Abstimmungsräume werden von den Bezirksämtern an den Litfaß­säulen bekanntgegeben. Aus diesen Bekannt machungen müssen die Wähler ihren zuständigen Abstimmungsraum selbst feststellen.

Die Stimmzettel sind wieder amt= lich hergestellt und werden im Abstim­mungsraum den Stimmberechtigten ausgehändigt. Der Stimmberechtigte muß auf dem amtlichen Stimmzettel den Kreiswahlvorschlag, dem er seine Stimme geben will, in einwandfreier Weise kenn­zeichnen. Dies geschieht am besten dadurch, daß in den leeren Kreis, der sich neben jedem Wahl­vorschlag befindet, ein Kreuz oder ein ähnliches Zeichen gesetzt wird.

Alle denkenden Arbeiter, Angestellten und Be­amten, alle Republikaner und Freiheitskämpfer setzen das Kreuz ins zweite Feld und wählen Sozialdemokraten, Lifte 2!

Stimmzettel, die mehrfach oder überhaupt nicht gekennzeichnet sind, sind ungültig. Inhaber von Stimmscheinen fönnen in einem be= liebigen Stimmbezirk des Reiches ihre Stimme abgeben.

Der Stimmzettel darf nur in einem amtlich abgestempelten Umschlag, der ebenfalls im Abstimmungsraum ausgehändigt wird, dem Ab­stimmungsvorsteher übergeben werden. Das An kreuzen des Stimmzettels und das Hineinlegen in den Umschlag muß unbeobachtet erfolgen; jeder Stimmberechtigte muß sich deshalb in eine der im Abstimmungsraum aufgestellten Wahlzellen begeben. Der Abstimmungsvorsteher darf keinen Stimmberechtigten zur Abstimmung zulassen, der seinen Stimmzettel nicht in der Wahlzelle in den Umschlag gelegt hat. Allen Wählern wird emp­fohlen, das Stimmrecht möglichst bereits am Vormittag auszuüben. Notwendig ist Mit­nahme geeigneter Ausweispapiere.

Anträge auf Ausstellung von Stimm= scheinen fönnen bei den zuständigen Bezirks­ämtern( Bezirkswahlämtern) nur noch bis heute, 4 Uhr nachmittags, gestellt werden.

Die Folgen einer Embolie Die Künstlerin Gertrud Bindernagel ist gestern nachmittag im Westend - Krankenhaus ge­storben. Durch eine plötzliche Lungenembolie wurde dem Leben der bekannten Sängerin, um die sich die Aerzte seit 10 Tagen mit allen zur Ber­fügung stehenden Mitteln bemühten, ein jähes Ende gefeht.

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Frau Bindernagel wurde bekanntlich in den späten Abendstunden des 23. Oktober nach Schluß der Siegfried- Aufführung" beim Verlassen der Städtischen Oper in Charlottenburg von ihrem Mann, dem früheren Bankier Hinge, durch einen Schuß niedergestreckt. Die 24 Stunden später vorgenommene Operation nahm einen günstigen Verlauf, und so schienen alle Vorbedin­gungen für eine Wiedergenesung der Sängerin gegeben. Frau Bindernagel befand sich gestern, den Allgemeinumständen nach, in bester Ver= fassung. Ganz unerwartet setzte um 14.30 Uhr die Lungenembolie ein, die den sofortigen Tod zur Folge hatte.

Durch das Dahinscheiden der Künstlerin erleidet die Städtische Oper einen außerordentlich schweren Verlust. Die Intendanz der Städtischen Oper hat aus Anlaß der Trauer die gestrige Abendvorstellung ausfallen lassen. nt

Herbstfest der Hammerschaft Ulstein. Die Hammerschaft des Verlages Ullstein veranstaltete wie im vorigen Jahr ein großes Herbstfest, dessen Ertrag dazu verwandt wird, die Kinder von 100 erwerbslosen Arbeitern des graphischen Gewerbes zu Weihnachten mit Lebensmitteln und warmen Kleidern zu beschenken. Redakteur Salingré begrüßte die anwesenden Vertreter der Partei, Gewerkschaften und des Reichsbanners. Die Festansprache hielt Major Heinrich, der von den Anwesenden lebhaft begrüßt wurde. Er rief zur Wahl der Sozialdemokratie am 6. November auf. Vor und nach der Festansprache spielte das Tambourkorps des Reichsbanners Friedrichshain und eine Tanzkapelle.

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