ERSTE BEILAGE
Vorwärts
Die fortgesetzten Versuche der Direktion der BVG., einen Teilverkehr in Gang zu bringen, führten am geftrigen Nachmittag in fast allen Stadtteilen zu heftigen Zusammenstößen, da sich vor den Straßenbahndepots große Ansammlungen bildeten, und die herausfahrenden Wagen, die mit Polizeischuh versehen waren, nach Berlassen des Depots nach wenigen Straßenzügen mit Steinen beworfen wurden. Ueber die folgenschwersten Zusammenstöße, die sich in den ewigen Unruheeden, im Ber liner Außenwesten ereignete, und dem leider mehrere Frauen und Mädchen zum Opfer fielen, wird an anderer Stelle berichtet.
Im Laufe des Nachmittags wurden zahl= reiche Sabotage af te verübt, die sich in der Zeit von 16 bis 17 Uhr noch derart steigerten, daß sich die Direktion der BVG. entschloß, den
Straßenbahnbetrieb und den Autobusverkehr, der teilweise aufgenommen worden war, gegen 18 Uhr wieder völlig einzustellen.
An verschiedenen Stellen der Stadt, vornehmlich aber in der näheren Umgebung der Straßenbahnund Autobusdepots, fam es zu Krawallen.
Ueber 20 Straßenbahnangestellte und einige Fahrgäste wurden durch Steinwürfe und Glassplitterverletzungen der zertrümmerten Fensterscheiben zum Teil schwer verletzt. Außer der schweren Schießerei an der Kreuzung Haupt- und Eisenacher Straße, über die wir an anderer Stelle ausführlich berichten, kam es an der Ecke Vorberg- und Hauptstraße zu einem blutiger 3wischenfall der Polizei mit Nationalsozialisten und Kommunisten. Ein Polizeischnellauto, das die Hauptstraße in Schöne berg entlangfuhr, wurde von. meist halbwüchsigen Burschen mit Steinen beworfen. Als das Auto hielt und die Beamten heraussprangen, wurden aus der Menge einige Schüsse abgegeben. Die Schupobeamten erwiderten das Feuer und dabei wurden ein Mann und eine Frau niedergestreckt. Der Mann, dessen Personalien noch nicht feststehen, starb auf dem Transport ins nächste Krankenhaus. Als Polizeiverstärkungen eintrafen und zu Verhaftungen schritten, stellte sich heraus,
daß sich unter den Scafeelern nicht ein einziger BBG.- Arbeiter oder Angestellter befand.
Der ganze Zwischenfall war das Werk nationalfozialistischer und kommunistischer Provokateure. Bei der Schießerei in Schöneberg wurde ein Mann getötet und fünf Personen, darunter allein vier Mädchen und Frauen, verletzt.
Unruheherde im Norden
Eine zweite Schießerei spielte sich unweit des Autobus depots in der Usedomstraße im Norden Berlins ab. Dort versuchte ein Bassant einen gerade vom Depot ausfahrenden Autobus anzuhalten. Der junge Bursche stellte sich auf den Fahrdamm, um den Fahrer zum Halten zu zwingen. Mehrere Schupobeamte wollten den Mann festnehmen. In diesem Augenblick stürzten sich wieder Kommunisten und Hakenkreuzler im trauten Verein auf die Polizisten. In der Bedrängnis zogen die Beamten ihre Dienstpistolen und feuerten eine Reihe von Schüssen ab. Fünf Personen wurden durch Schüsse verletzt, einer davon ist inzwischen gestorben.
Zu einer weiteren Schießerei fam es vor dem Stettiner Bahnhof, wo aufrührerische Elemente einen Straßenbahnwagen an
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hielten und trotz der polizeilichen Begleitmannschaft zu demolieren versuchten. Von den Beamten wurden mehrere Schüsse abgegeben. Zwei Demonstranten wurden niedergestreckt und durch Wagen des Städtischen Rettungsamtes fortgeschafft. Zu weiteren bedrohlichen Situationen kam es auch in anderen Stadtteilen, und in zahlreichen Fällen wurden Schreckschüsse abgegeben.
Der politische Charakter der Streifbewegung bei der BVG., die von einem großen Teil der unorganisierten Verkehrsarbeiter als eine reine Tarifbewegung angesehen wurde, hat sich gestern mit aller Deutlichkeit offenbart.
Seit Freitag nachmittag üben die Kommunisten und Nationalsozialisten einen wohlorganisierten Terror auf die
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Verkehrs
das Depot zu ermöglichen. Mehrere Burschen versuchten den Polizeiwagen umzufippen, das mißlang jedoch, und einige Haupträdelsführer fonnten gefaßt werden.
Aehnlich sah es in der Umgebung der übrigen Straßenbahnhöfe und der Autobusdepots aus.
Es geht gegen SPD. und Eiserne Front
Parteigenossen, Gewerkschaftler, Reichsbannerleute und Mitglieder der Eisernen Front waren, soweit sie an ihren Abzeichen kenntlich waren, vielfach Gegenstand von Beschimpfungen und Anpöbelungen. In der Landsberger Straße tam es zu einem schweren Zusammenstoß zwischen Nationalsozialisten und Reichsbannerkameraden. Dabei wurde ein Reichsbannerkamerad verlegt und ein Nationalsozialist schwer verletzt. Eingreifende Polizei nahm zwei Siſtierungen vor. Als sich am Nachmittag in der Müllerstraße unsere Genossen in der Nähe des Straßenbahnhofs versammelten, um zum Sportpalast zu gehen, stürzten aus den umliegenden Lokalen Hun= derte von Nationalsozialisten und Kommunisten und schlugen auf unsere Genossen ein, die sich zur Wehr jetzten. Einer unserer
dem die Polizei sich gestern nicht gewachsen zeigte. Vor den Straßenbahnhöfen und Omnibusdepots versammelten sich in den ersten Stunden des Nachmittags oftmals Hunderte und Tausende von Menschen, darunter viele SA. und SS.= Leute in Uniform, die fast überall das Ausfahren der Straßenbahnwagen und Omnibusse unmöglich machten. Am stärksten belagert wurden die Straßenbahnhöfe 24 in Lichtenberg, Bahnhof 1 in Reinickendorf , Bahnhof 2 in der Müllerstraße, Bahnhof 5 in Tempel Freie Sozialistische Hochschule hof, Bahnhof 11 in Steglig und Bahnhof 6 in Tegel .
Auf den Straßenbahnhöfen
Auf den Straßenbahnhöfen hatte sich in den frühen Nachmittagsstunden ein großer Teil der die Straßenbahnangestellten eingefunden, um Arbeit wieder aufzunehmen. Die Depots waren in weitem Umkreis durch Polizeiposten gesichert. Trotzdem fonnten kommunistische und nationalsozialistische Krafeeler an verschiedenen Stellen ihre Aftionen" durchführen. Auf dem großen Straßenbahnhof in der Müllerstraße standen bereits um 14 Uhr Hunderte von Fahrern und Schaffnern, um die Arbeit wieder aufzunehmen. Sobald aber ein Wagen den Versuch machte, den Hof zu verlassen, ertönte auf der Straße ein wüstes Geschimpfe und Steine sowie Eisenteile wurden gegen die Bahnen deichleudert. Die noch weiter im Streit verharrenden BVG. Angestellten hielten sich in einiger Entfernung von den Radaumachern; sie beteiligten sich an den Zerstörungs- und Sabotageaften nicht. Schon hier draußen im Norden Berlins hatte man den Eindruck, daß nicht mehr die BVG.- Angestellten streikten, sondern daß Hakenkreuzler und Kommunisten die nun einmal gegebene Gelegenheit zu ihren Terrorakten mißbrauchten. Wiederholt wurde die Müllerstraße von der Polizei geräumt.
In der Wie bestraße in Moabit standen um 15 Uhr gleichfalls Hunderte von Fahrern und Schaffner zur Arbeitswiederaufnahme bereit. Unmittelbar vor dem Straßenbahnhof war so gut wie kein Mensch zu sehen, die Terrortrupps hielten mehr die Bürgersteige der oberen Turmstraße besetzt.
In der Nähe des Straßenbahnhofes Kreuz berg änderte sich das Bild wieder. Kommu= nisten und Nationalsozialisten hatten fich in größerer Zahl eingefunden, und als einige Bahnen das Depot verließen und die Belle- Alliance- Straße erreicht hatten, seßte ein Steinhagel auf die Bahnen ein. Dabei wurden nicht nur das Fahrpersonal, sondern auch Fahrgäste verlegt. Bon einem Polizeipatrouillenwagen mußten mehrere Schreckschüsse abgefeuert werden, um den Wagen überhaupt erst die Rückfahrt in
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Für den heute abend, 19% Uhr, im Plenarsaal Ides Reichswirtschaftsrates, Bellevuestrasse 15, stattfindenden Vortrag des Genossen Otto Bauer über ,, Krise des Kapitalismus " sind Eintrittskarten nicht mehr zu haben.
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Genossen wurde schwer verletzt. Auf die ,, Vorwärts" Filiale Müllerstraße 34a erfolgte am Nachmittag ein organisierter Ueberfall, wobei die Fensterscheiben durch Steinwürfe zer= trümmert wurden. Als die Polizei eintraf, flüchteten die Täter und entkamen.
Auch mehrere Lokale, in denen die Gewerkschaftsfunktionäre den Verbandsmitgliedern über die am Vormittag im Gewerkschaftshaus abgehaltene Funktionärtonferenz Bericht erstatten wollten, wurden von Nazis und Kommunisten belagert, die die Versammelten am Verlassen der Lokale hinderten. Den Eingeschlossenen war es nur mit Hilfe herbeigerufener Polizei möglich, sich aus ihrer Lage wieder zu befreien und entweder die Bahnhöfe aufzusuchen oder nach Hause zu gehen.
Klub der Harmlosen
Die getarnte Reaktion
In einem westlichen Berliner Vorort haben sich seit einiger Zeit 25 Vereine der verschiedensten Art zu einer Nationalen Arbeitsgemeinschaft zusammengetan. Damit die Deffentlichkeit einmal erfährt, was für eine Gesellschaft sich unter dem angeblich so unpolitischen Stichwort national zusammengefunden hat, seien die Vereine namentlich aufgeführt:
1. Deutscher Offiziersbund, 2. Kriegerverein, 3. Verein ehemaliger Kameraden der Kavallerie, 4. Verein der Jäger und Schützen, 5. Verein Schwarzer Kragen, 6. Stahlhelm, 7. Reichsoffiziersbund, 8. Schüzengilde, 9. Verein der Schießfreunde, 10. Turn- und Sportverein, 11. Sportverein, 12. Sportverein 1911, 13. Männergesangverein 1873, 14. Freiwillige Sanitäts
Wo man Kenner trifft, sieht man, Saba"
Es gibt viele Cigaretten zu 33 Pfg.;
aber es gibt keine bessere
als ,, Saba ohne".
SONNABEND, 5. NOV. 1932
kolonne vom Roten Kreuz, 15. Verein der Zivildienstberechtigten, 16. Verein evangelischer Männer und Jünglinge, 17. Bläserchor von 1916, 18. Haus- und Grundbesigerverein, 19. Theaterverein, 20. Radfahrverein Hohenzollern", 21. Verein der heimattreuen Ost- und Westpreußen , 22. Jugendgruppe des Kriegervereins, 23. Bismarc- Jugendbund, 24. Königin- Luise Bund,
25. Stahlhelm- Frauenbund.
Die angeblich politisch neutralen bürgerlichen Sportvereine, allen voran der Radfahrerverein ,, Hohenzollern ", das auf seine politische Neutralität so sehr pochende Rote Kreuz, der ganz und gar ,, unpolitische" Haus- und Grundbesizerverein, der angeblich harmlose Theaterverein, alle in einer Einheitsfront mit den eindeutig rechtspolitischen Offiziersvereinen und Stahlhelmgruppen und den die militärischen, fasernenhöfischen und hohenzollernschen Traditionen hochhaltenden Militärvereinen! Wenn Ehrlichkeit zu den ausgeprägten Charaktereigenschaften dieser politischen Heimlichtuer gehörte, dann würden sie sagen: Deutschnationale Arbeitsgemeinschaft, und jeder wüßte, was los ist.
Kaffenbotin überfallen
Räuber mit Beute entkommen
Ein beispiellos dreister Ueberfall wurde gestern nachmittag an der Ecke der Friedrich- und Kronenstraße auf die 20 Jahre alte Kontoristin Ella Maire verübt, die für ihre Firma, die Rahmenfabrik von Joachim in der Ritterstraße 80, 440 M. vom Postscheckamt geholt hatte.
Die Kontoristin hatte das Postscheckamt verlassen, von wo sie 440 M. abgeholt hatte. Auf dem Rückweg zu ihrem Geschäft passierte sie die Ecke der Friedrich- und Kronenstraße. Plötzlich tam ein Motorrad heran, auf dem zwei Männer faßen. Der eine stieg ab und eilte auf das junge Mädchen zu. Ehe sie es sich versah, hatte ihr der Mann, der etwa Ausgang der Zwanzig war, ihre Aktentasche entrissen und rannte zu dem Motorrad zurück. Das Mädchen schrie um Hilfe und das Ueberfallkommando wurde alarmiert. Mit dem Polizeimagen verfolgten die Beamten die Täter durch einige Straßen, konnten sie aler nicht mehr einholen; sie entfamen im Gewühl der City. Die überfallene Kontoristin konnte infolge des ausgestandenen Schreckens feine Beschreibung des Täters geben.
in de sta
Trodener" Wahltag
Sammeln vor Wahllokalen verboten
Zu den polizeilichen Maßnahmen für den Wahltag erfahren wir noch, daß das Sammeln vor den Wahllokalen verboten wird. Außerdem darf vor den Stimmlokalen von jeder Partei nicht mehr als ein Plakatträger stehen. Am 5. und 6. November tritt das für ganz Preußen erlassene Verbot des Ausschanks und Kleinverkaufs von Trinkbranntwein in Kraft. Die erhöhte Alarmbereitschaft der Berliner Schutzpolizei setzt am Sonnabend um 2 Uhr nachmittags ein und am Sonntag tritt dann die große Alarmstufe in Kraft, deren Ende erst je nach der Lage festgestellt werden soll.
Wie wird das Wetter?
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In Berlin : Bewölkungszunahme, am Tage mild, südliche Winde. In Deutschland : Im Westen und Nordwesten erneut Wetterverschlechte= rung mit Niederschlägen, im Süden und Osten noch troden und vielfach heiter.
KÖNIGIN VON
6 Stück 20 Pfg.
GA
Saba
Flugzeugbilder mit Hoheitszeichen
M.C
ohne
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