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ERSTE BEILAGE

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Nachmit

20

2 Sozialdemotratische partei Deutſchlands 2

r

Crispien- Aufhäuser- Frau Bohm- Schuch- Cilte

Liste 2

Als die Gebrüder Lahusen noch im Essighaus der alten Hansestadt Bremen bei der Schaffer= mahlzeit schwelgten, stand Herr Hjalmar Schacht auf und sagte jenen berüchtigten Saz, daß jeder Deutsche heute von Kindesbeinen an ein Staats­rentner sei, der mit dem Eintritt ins Leben sein gemachtes Bett vorfinde. Das war eine andere Formulierung von der Wohlfahrtsanstalt, zu der man den Staat gemacht habe und gegen die Herr von Papen so laut bei seinem Regierungsantritt metterte. Aber ehe Herr von Papen kam, da mußten erst aus 12 Nazis 106 und schließlich 230 werden ,,, auf deren breiten Rücken die Barone dann behende in die Amtlichkeit geklettert sind." Und die Arbeitslosen Berlins werden sich vielleicht heute daran erinnern, wie sie dann in den Juli­tagen frühmorgens-- am 1. Juni waren die Barone gekommen in der Sonnen- Allee, am Friedrich- Krause- Ufer und in der Borhagener Straße vor den Kassenschaltern ihrer Arbeits­ämter standen und tatsächlich überlegten: sollen mir nun dem Kassierer die abgebauten Groschen an den Kopf schmeißen und ihm sagen, die drei Sechser könne er sich an den Hut stecken oder was sonst? Sie ſizen noch alle aus der 22,05- Mt.- Zeit von 1929 auf dem Nachweis und wenn man dann einen Rumpel von damals trifft und man fragt ihn: Wieviel kriegst du denn noch?", dann er­hält man zu Antwort: 10 Mt. für vierzehn Tage". Von der ganzen Sozialversicherung scheint nur noch das Gerippe zu stehen und es ist eine Aufgabe des heutigen Tages, durch eine kluge Wahl auch der ramponierten Sozialversicherung den Weg zu einer neuen Blütezeit zu ebnen. Dabei kann man noch geteilter Meinung sein, mem es schlechter geht: den Erwerbslosen oder den Kurzarbeitern. So schickt uns ein Parteigenosse aus der Laufiger Straße seinen Wochenetat ein. Seit mehreren Jahren verdient er wöchentlich nur noch 17,75 Mt. netto. Dem stehen aber folgende Ausgaben gegenüber:

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Miete Gas Feuerung

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Fahrgeld.

6,25 Mr. 1,25 1,70 1,10

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"

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Bürgersteuer.

9

0,56

"

4

0,30

"

1,40 0,75

"

"

Arbeitslosenhilfe

Verband ,, Vorwärts"

.

zuf.: 13,31 Mt.

Vorwärts

villa mit!

Im Sommer hatten die lieben Nachbarn noch gut reden: es könnte nicht mehr schlimmer kommen. Aber wenige Monate später, im Herbst, da war das Heulen und Zähneklappen groß. Es war noch sehr viel schlimmer gekommen und gegenüber den heutigen Wohls fahrtssätzen der Kommissare muten beispielsweise die 22,05 M. Wochenunterstützung des Hermann- Müller - Kabinetts für einen ledigen Erwerbslosen phantastisch an. Denn als nur 12 Nationalsozialisten im Deutschen Reichstag saßen, da lagen doch Freitags menigstens noch ein paar Scheine auf dem Tisch. Heute, seitdem 230 Notverordnungs­jacken allein im Reichstag sitzen, lohnt es kaum, die paar Markstücke über­haupt noch einzuteilen: Miete, Elektrizitätsmann, Gasmann, Kohlenmann, Milchmann, Kleiderrate, schon ist der Traum aus. Nun scheint es allerdings, als wäre man mit der albernen Redensart, es könnte nicht schlimmer kommen, etwas vorsichtiger geworden; dazu war die Lektion zu derb. Dafür macht eine neue Redensart lustig die Runde: ,, Ach, uns ist alles egal, uns geht es so schlecht und so schlecht! Diese Redensarten zeigen, wie notwendig es ist, noch in den heutigen letzten Stunden Hunderte von Volksgenossen an ihre Dornehmste staatsbürgerliche Pflicht eindringlichst erinnern. Gerade an diesem 6. November gilt es mehr denn je: nehmt alle mit!

Demnach bleiben dem Mann für Essen, Trinken und Kleidung ganze 4,34 Mt. pro Woche. Aber das ist ein Mann vom Herbst 1932, der Arbeit hat!

Tod durch Autarkie

Hat der Arbeiter kein Geld, hat der Mittelstand auch nichts. Die Politik der Barone bedeutet den Ruin für ungezählte Existenzen. Da hat ein kleiner Unternehmer in Berlin einen ruhigen Handel mit Fischerei- Thermometern nach Kopenhagen , nach Gotenburg , nach Stavanger , nach Bergen, selbst bis nach England gehabt. Diese Thermometer sind dem Fischer nötig wie das tägliche Brot, denn er fann natürlich nicht wie ein Havelangler erst loten, sondern muß den Stand der Fische aus bestimm­ten Temperaturen des Meerwassers berechnen. Nun war es den Herren Olofsen in Drontheim oder den Herren McLean aus Edinburgh voll­

ZU

tommen gleich, woher diese Hilfsapparate tamen; sie tamen bereits seit 20 Jahren aus Berlin und so sollten sie weiter daher kommen.

Bis eines Tages die fälligen Bestellungen aus Skandinavien und England ausblieben. Und was war der Grund? Der Heringszoll! Auch die nord­ländischen Fischer hatten jahrzehntelang ihren ruhigen Handel mit Fischen nach Deutschland , bis es dem Zollgebäude Deutschlands umgekehrt ging wie der Sozialversicherung: magerte die eine zum Stelett ab, glich das Zollsystem schließlich einem undurchdringlichen Didicht. Gegenwärtig ist ja die Tomatenkommission dabei, noch Stacheldraht herumzuwickeln. Nun brauchen die Fischer nach wie vor ihre Thermometer, aber sie sagen: wenn uns die Deutschen solch Theater machen mit unserer Butter und unseren Heringen , dann kaufen wir ihnen halt nichts mehr ab. Und wirklich

Nur mangelhafter Teilverkehr

Berlin muß weiter laufen- Ruhe in der Stadt

Die Hoffnung der Berliner , daß sich der Straßenbahn-, Autobus- und U- Bahnverkehr im Laufe des Sonnabends nach einem bescheidenen Beginn in den Vormittagsstunden weiter beleben würde, hat sich als trügerisch erwiesen. In den Nachmittagsstunden fuhren insgesamt 219 Straßen­bahnen, die sich auf 31 Linien verteilten. Um 20 Uhr wurde der Betrieb wieder eingestellt, um am Sonntagmorgen bei Eintritt der Helligkeit wieder aufgenommen zu werden. Der BVG. stehen zur Zeit über 5000 Mann Personal zur Berfügung. Inwieweit die weiterstreifenden An­gestellten der Aufforderung der BBG.- Direktion zur Wiederaufnahme der Arbeit folgen werden, nachdem gestern die ersten tausend Entlaffungen zugestellt worden sind, bleibt abzuwarten.

In Berlin fahren in normalen Zeiten rund 72 Straßenbahnlinien mit etwa 1000 Wagen und ebensoviel Anhängern. Dazu tommen mehrere hundert Autobusse. Die 219 Straßenbahnwagen, die gestern über die Schienen rollten und sich auf zahlreiche Stadtbezirke verteilten, tamen bei der

Größe Berlins kaum zur Geltung. Selten wurde eine Straßenbahn gesehen, die dann zumeist auch nur schwach besetzt war, weil das Publikum noch Racheatte fürchtete.

Auch der U- Bahnverkehr funktionierte sehr mangelhaft. Auf der Strecke Warschauer Brücke- Gleisdreieck, wo Betrieb in Aussicht ge= nommen war, blieben die Zugänge vergittert.

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Im Laufe des Tages tam es an verschiedenen Stellen der Stadt zu Plänkeleien zwischen Radi­falen und Arbeitswilligen, die jedoch in keinem Falle ernstere Ausmaße annahmen. Vom Berliner Polizeipräsidium wird über den gestrigen Tag folgender Bericht herausgegeben: Der Sonnabend ist ruhig und ohne Zwischenfälle verlaufen. Irgendwelche Angriffe oder Sabotageakte auf den im vermehrten Umfange aufgenommenen Verkehr der BVG. sind nicht erfolgt. Von der Politischen Polizei wurden im Verlaufe des geftrigen Tages 3 Mitglieder der geheimen Streit­leitung festgenommen.

SONNTAG 6. NOV. 1932

macht das Geschäft heute eine Firma in Plymouth , Südengland . Der Mann in Berlin , der vor dem Zollunfug monatlich seine 20 Aufträge aus Stan­dinavien hatte, bekommt jetzt in acht Wochen viel­leicht noch fünf. Es ist jedenfalls so viel, daß er noch an zwei Tagen in der Woche Arbeit hat. Das ist nur ein kleines Beispiel; aber der Mann ist furiert: er wählt heute keine Barone.

Hilfe für Mieter!

Aber alle Abzüge von Lohn und Rente schlagen um in eine unerträgliche Belastung des Miet­fontos. Es ist oft genug ausgerechnet worden, daß Erwerbslose ihre ganze Unterstützung nehmen müßten, wollten sie immer pünktlich den Haus­wirt bezahlen. Aber nicht nur die Erwerbslosen leiden unter dem überhöhten Mietsanteil, sondern auch alle Werktätigen. Hier wird von Woche zu Woche die Mietzahlung hinausgezögert, bis plög­lich nach vier Monaten eine gesamte Mietrate

Wirkung eines Inserats: Ansturm erwerbsloser Verkäuferinnen.

überfällig ist. An irgendein Aufholen all dieser Mietschulden ist unter den heutigen Zuständen nicht zu denken, und so steht am Ende dieser Leidenswege die bittere Ermission. Hier stehen jetzt die Bedrängten auf und sagen: jahrzehntelang haben wir uns gemüht und gequält, um die Möbel und allen Hausrat anzuschaffen, wir haben unter Verzicht auf Essen unsere Wohnungen durchge­halten, aber jetzt will man uns auf die Straße setzen, jedoch die Landwirte, die nicht so unmittel­bar Not leiden wie wir, haben ihren Zwangsvoll­streckungsschutz. Und die Mieter fügen fragend hinzu: Wann rührt sich endlich eine Amtsstelle und macht Schluß mit den Ermiffionen. Denn es war nicht unsere Schuld, daß wir allesamt unsere Arbeitsplätze verloren haben!" Aber in den Woh­nungen ist die Not bereits so groß, daß allein ein Notrecht für Ermittierte nicht mehr genügen wird, sondern bei Neu- wie Altbauten wird man sich endlich zu Senkungen bequemen müssen.

Aber jetzt taucht für den Wähler die Frage auf: mit wem soll die Besserung der Lebenshaltung durchgesetzt werden? Vielleicht mit des Teufels Großmutter? Vielleicht mit den Hauswirten, die die Hakenkreuzfahnen zum Fenster hinaushängen haben? Aber ebenso wenig mit den Kommunisten. An dreißig Stellen in Berlin haben seit Monaten schon die Kommunisten Mieterstreits angezettelt, ohne daß auch nur ein Erfolg abzusehen wäre. Dagegen war die Sache mit der Wanzenburg in vierzehn Tagen aus der Welt geschafft und eine 40prozentige Mietsenkung durchgesetzt, als sich im Vorwärts" die sozialdemokra= tische Landtagsfraktion des Preußen­parlaments dieses Standals am Moltenmarkt an­genommen hatte.

Deshalb kann es für jeden Werktätigen heute nur eine Lofung geben: Stärkt die Sozialdemo­tratie! Ab 9 Uhr früh alles zur Wahl und das Kreuz in die Liste 2.

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