Das Gut ohne Tiere
Wenn die schlanken Silhouetten der Nauener Funktürme an der Berlin - Hamburger Chauffee auftauchen, zweigt ein Weg ab nach Markee, der in einem ummauerten Gutshof endigt. Das war die Arbeitsstätte Dr. Arthur Schurigs, deffen plötzlicher Tod vor einigen Monaten erfolgte.
Nur 15 Jahre war es Arthur Schurig vergönnt, in Markee zu arbeiten. Heute gehören fünf Güter mit insgesamt 13 000 Morgen zu: Zentralverwaltung, elfhundert Arbeiter finden ihren Verdienst. Markee ist der Gipfel landwirtschaftlicher Leistung geworden. Ein Drittel des bewirtschafteten Bodens trägt Getreide, ein anderes Drittel Gemüse, das legte Drittel Hackfrüchte. Dem Gemüse galt Schurigs ganz besonderes Interesse. Wir sehen ein phantastischer Anblick!- 150 Morgen Stangenbohnen; aber nicht etwa an Stangen, sondern nach Schurigs Idee an Drahtstäben, die sich als bedeutend wirtschaftlicher erwiesen haben. Für dieses Jahr hatte Schurig nicht weniger als fünftausend Morgen Blumenkohl vorbereitet. Hunderte von Morgen Spinat, Gurken und Mohrrüben werden je nach der Jahreszeit angebaut. 3 uder rüben erntet man hier auf einem Boden, der unter feinem anderen Landwirt jemals diese Frucht tragen wollte.
Die ersten automatischen Pflück' erbsen- Dreschmaschinen
die das Handpflüden durch Mähen ersetzen, haben in Markee innerhalb weniger Stunden die Erbsen von Feld in die Konservenbüchsen wandern lassen. Und trotzdem find auf Markee mehr Arbeits= träfte beschäftigt als auf anderen gleich großen Betrieben.
In wenig Worten
Bei Vornahme von Dachreparaturen am Kirchturm in Warnemünde stürzte am Sonnabendvormittag der Arbeiter Willi Engel aus Rostock , als er eine Leiter aus der Turmlufe des Kirchturms herausbringen wollte, plöglich rüdlings in die Tiefe. Er schlug mit dem Kopf auf das Dachgefims auf und fiel mit zertrümmertem Schädel tot auf den Rasen vor der Kirche nieder.
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Fünftausend Morgen Blumenkohl
Nur für Tiere war Schurig nicht zu haben. ,, Raubtiere, die den Menschen arm fressen", nannte er die braven Vierbeiner. Statt Zugtiere zu halten, ließ er das gesamte Gelände mit Feld= bahnen und Reichsbahn - Anschlußgleisen durchziehen, um damit Zeit und Kosten zu sparen. Acht Verladebahnhöfe wurden eingerichtet.
Die unbedingt notwendigen Tiere mußten sich Schurigs Willen fügen. Seit über zehn Jahren haben die Pferde von Markee fein Gramm Hafer zu sehen bekommen. Sie erhalten das, wofür die Zeit gerade günstig ist: Rübenschnitzel, Soja- Schrot, Melasse; vor allem aber erstklassiges Luzerne- Heu. Und das Merkwürdigste: sie gedeihen prächtig dabei und sind zu den höchsten Leistungen fähig!
Einmal aber verfiel Schurig doch auf die Schweine zucht. Natürlich begann er nicht im kleinen, sondern verfügte zeitweise- je nach Konjunktur über einen Bestand von 10 000 Tieren. Um diese gesund zu halten, brachte er sie in Strohhütten auf freiem Feld unter und zwar organisatorisch so geschickt, daß je ein Mann 1000 Schweine betreuen konnte. ,, Man muß die Schweine so schnell wachsen lassen, daß fie keine Zeit haben, frank zu werden", pflegte er zu sagen.
Eines der interessantesten Experimnte machte Schurig, als er mit der Stadt Berlin einen Vertrag schloß, nach dem ihm... der gesamte Ber liner Müll gehörte. Berlin war überglücklich, denn eine Viermillionenstadt weiß faum, wo sie die Unmassen von Abfällen unterbringen soll. Schurig ließ einfach auf Tausenden von Morgen in fußhoher Schicht den Müll breitfahren und verwendete ihn als Dünger. Es ist, wenn gerade
sowie die Aenderung des Pachtvertrages zwischen der Stadt und der Berek und eine Vorlage über die Ausführung neuer Notstandsarbeiten im Rahmen der achten Notstandsaktion der Stadtentwässerung. Die anderen Punkte betreffen kleinere Angelegenheiten. Es ist aber sicher damit zu rechnen, daß von den radikalen Parteien Anträge zu dem BVG.- Streif eingebracht werden.
In der Nacht zum Sonnabend ereignete sich in Löbe zum 9. November
Groß- Baudiß, Kreis Liegnig, ein gräßliches Autounglück. Ein Lastwagen mit Anhänger fuhr in eine Gruppe Personen, die von einer nationalsozialistischen Versammlung in GroßDrei jungverheiratete Männer aus Groß- Baudiß wurden tödlich verlegt.
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Baudiß heimkehrten.
Der 44jährige Komiker Willi Maurer hörte in Zürich von einer Kartenlegerin, seine Geliebte in Gera , die 39jährige frühere Artistin Mary Friedrich, sei ihm untreu geworden. Diese ,, Nachricht" brachte Maurer ganz außer sich. Er fuhr sofort nach Gera , quälte seine Geliebte fort gefeßt mit unbegründeter Eifersucht und überfiel fie schließlich hinterrücs. Mit einem Küchenmesser durchschnitt er ihr den Hals und tötete sich dann selbst.
Stadtparlament am Donnerstag
Am Donnerstag, 10. November, findet wiederum eine Sigung des Stadtparlaments statt. Auf der vierzehn Punkte umfassenden Tagesord= nung steht die dritte Beratung des Stadthaushaltsplans für 1932, die schon mehrmals vertagt wurde,
Paul Löbe sollte am 9. November über die deutschen Rundfunksender sprechen. Im Interesse der„ politischen Ruhe" wurde der Vortrag Löbes abgelehnt.
holländische
Der Arbeiterradiobund, der selbständige Aussendungen bringen kann, bat den Genossen Löbe, vor den holländischen Hörern seinen in Deutschland ,, unerwünschten" Vortrag zu halten. Der holländische Sender Hilversum ist nun ungefähr ab 18 Uhr bereits mit guten Dreiröhrengeräten einwandfrei auch in Deutschland zu empfangen! Paul Löbe spricht über Hilversum am 9. November über das Thema: Der 9. November und die Arbeiterklasse" um 19.10 Uhr. Hilversum sendet auf Welle 296 Meter. Der Sender Hilversum meldet sich: Hier Bara Hilversum."
Der Arbeiterradiobund Deutschlands e. V. bittet alle Rundfunkhörer, ihm Berichte über den Empfang des Hilversumer Senders, besonders aber über die Veranstaltung am 9. November, einzusenden. Anschrift: Arbeiterradiobund Deutsch lands e. V., Berlin SW. 61, Gitschiner Str. 93.
wieder einmal gedüngt" worden ist, ein merkwürdiger Anblick, endlose Flächen mit 3eitungspapier, Glasscherben, Ron servenbüchsen bestreut zu sehen. Kolonnen von Arbeitern machen sich daran, Blech und Glas auszufortieren und in Waggons zu sammeln, in denen diese Dinge wieder als Rohstoffe in die Fabriken transportiert werden. Die verwitterbaren Bestandteile des Mülls aber düngen die Felder von Markee ganz ausgezeichnet..
Neue Moorwirtschaft
Markee hat nicht nur den vielseitigsten Feld gemüsebau Deutschlands , sondern auch eine Moor mirtschaft, die gänzlich neue Wege weist. Ohne Viehwirtschaft gedeihen Hanf, Kohl, Möhren, Kartoffeln. Im Krieg griff Schurig dem Staat unter die Arme, indem er 5000 Morgen, die im Vorjahre Weizen getragen hatten, mit dem begehrten Rohstoff Hanf bepflanzte. Man hat in landwirtschaftlichen Kreisen stets viel gespottet und ge= lacht über den monomanischen Experimentator von Markee. Aber die Sachverständigen der ganzen Welt wanderten zu Schu-= rig, um wichtigste Anregungen für die Dekonomie großer Staaten zu empfangen, um zu erleben, wie Unmögliches hier möglich wurde, um einen Menschen kennenzulernen, deffen Blickfeld das feiner Zeitgenossen weit übertraf.
Arthur Schurig starb in einer Zeit, in der jener unendliche Segen der Scholle, den er hervorzuzaubern verstand, sich durch die falsche Organi= sation des Weltkonsums in fürchterlichen Unsegen wandelt; da die Menschen am Ueberfluß der Natur verhungern und sich das Elend des Produzierenden zugleich mit der Menge seiner Produkte steigert.
3u Tode geschleift
Brutalität eines Autolenkers
In der einst deutschen, jetzt polnischen Stadt Bromberg ereignete sich ein Unfall, der in der Geschichte des modernen Straßenverkehrs wegen der ihm anhaftenden Erscheinungen der Roheit einzig dastehen dürfte.
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Ein Kraftlieferwagen erfaßte beim Anfahren eine 65jährige Frau, riß sie zu Boden und schleifte sie, da sich ihre Kleider an der Kurbel fingen, mit. Troß des Schreiens der Passanten hielt der Führer des Wagens nicht an, sondern blendete die Scheinwerfer ab und suchte in schneller Fahrt zu entkommen. In einer der Seitenstraßen der Stadt glaubte sich der Wagenlenker in Sicherheit, hielt den Wagen an und entfernte die furchtbar verstümmelte Leiche. Das Opfer war etwa zwei Kilometer mitgeschleift worden. Der Rohling entkam darauf mit seinem Wagen. Die Polizei leitete sofort die Untersuchung ein und konnte noch im Laufe der Nacht den Befiger des Wagens feststellen. Der Wagenlenter ist geflohen und konnte noch nicht verhaftet werden.
Die Armen können nichts kaufen
In der letzten Sigung des Fachausschusses für Kohlen, Kots und Briketts der Industrie und Handelskammer zu Berlin wurde die Frage der Kohlenversorgung Groß- Berlins erörtert. Hierzu wurde folgendes ausgeführt:
In den ersten 9 Monaten des Jahres 1982 ist im Bergleich zum Vorjahr die Belieferung Groß
Berlins an Kohlen, Koks und Briketts um 729 000 Tonnen= 15,7 Proz. gesunken. Am stärksten war der Rückgang bei Steinkohlen mit 460 000 Tonnen( 20,8 Proz.) und Braunkohlen mit 216 000 Tonnen( 12,2 Proz.), am schwächsten bei Koks mit 53 000 Tonnen( 8 Proz.). Unter diesen Umständen erscheint die Kohlenversorgung Groß- Berlins mit Hausbrandbrennstoffen für den kommenden Winter nicht gerade gesichert. Der Fachausschuß sprach den Wunsch aus, daß die in Frage kommenden Kreise über diese Verhältnisse aufgeflärt werden möchten, damit durch rechtzeitige Dispositionen dem Kohlenhandel eine reibungslose Versorgung der Bevölkerung bei plötzlich eintretender Kälte erleichtert wird.
Selbstverständlich ist Berlin mit Kohlen unterversorgt. Aber wer soll sich denn für den Winter eindecken können? Warum geht die Industrieund Handelskammer bei ihren schönen Aufklärungsratschlägen um diese Frage herum? Wenn schon Papens Anturbelung versagt, dann soll man öffentliche Arbeitsbeschaffung machen, um mehr Kauffraft zu schaffen.
500 werden gesättigt
Hilfsaktion der Arbeiterwohlfahrt
Auf dem großen Fabrikhof von Dr. Reiß in der Erasmusstr. 20 wimmelte es in der gestrigen Mittagsstunde von Menschen. Naß tamen sie alle an, denn es goß unerbittlich in Strömen, aber diesen Weg scheute feiner. Für 500 hungrige Menschen dampfte hier in Aschingers Riesen. feffeln ein schmackhaftes Effen. Tief fuhr die große Schöpffelle in den wohlriechenden Erbsenbrei und aus der Nachbarschaft flog mit gutgezieltem Schwung ein anständiges Stück fetten Specs darauf. Ein halbes Tausend Töpfe, Schüsseln und Näpfe füllten sich im Nu. An der Essenausgabe walteten mit Fleiß und nimmer ermüdenden Armen sechs ehrenamtliche Helferinnen. Vorne am Eingang hatten die beiden Listenführerinnen nicht genug Hände, Augen und Ohren, um rasch und doch genau Namen abzustreichen und Nummern einzusehen. Alles kam pünktlich und wollte auch rasch wieder abgefertigt werden, denn das Warten haben sie alle schon mehr als satt. Aber hier ging es flott, und die Stunde, die für die Ausgabe angesetzt war, war noch längst nicht verstrichen, da waren die Kessel schon alle fast leer. Aber auch für jenes Grüppchen Menschen, das draußen vor dem Tor geduldig im Regen harrte, war noch etwas übrig geblieben. Man hatte reichlich ge= focht und so bekam der und jener noch etwas ab. Dieses Liebeswert wird den Winter über an jedem Sonnabend durchgeführt. Die Arbeiterwohlfahrt hat sich mit anderen Wohlfahrtsinstitutionen in den Dienst der guten, Sache gestellt, um recht vielen wenigstens für einen Tag den Hunger zu stillen und die ärgste Not zu nehmen. Hoffentlich findet dieses gute Beispiel viel Nachahmung.
Tag der Autounfälle
Am Sonnabendnachmittag ereigneten fich mehrere schwere Autounfälle. An der Ecke Heerund Bergstraße in Staaten stießen zwei be= jezte Privatautobusse zusammen. Drei Fahrgäste des einen Fahrzeuges, das später abgeschleppt werden mußte, erlitten erhebliche Verlegungen.- An der Berliner , Ede Kalischer Straße in Wil mersdorf fuhr ein Privatwagen mit einer Autodroschke zusammen. Dabei wurde ein Wagen gegen einen Gaskandelaber geschleudert. Der La ternenpfahl stürzte um und traf eine Passantin, die 40 Jahre alte Frau Anna Wolf aus der Breite Straße 23. Frau W. fand im GertraudtenKrankenhaus Aufnahme. In der Reinicken dorfer Straße geriet die 53jährige Frau Marie Rayhs aus der Müllerstraße unter ein Lieferauto. Mit schweren Beinverlegungen mußte die Ueberfahrene ins Virchow- Krankenhaus überführt
werden..
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