Einzelbild herunterladen
 

Die Wahrheit über den Benzinpreis

Nach wie vor Interessentenskandal- Her mit dem staatlichen Monopol!

Als kürzlich auch der ADAC. in öffentlichen Versammlungen gegen Monopolpreise protestierte, mußte sich der Laie wundern. Protestierte der ADAC . etwa gegen die Monopolpreise des Benzin­fartells? Weit gefehlt, gegen die der Reichsbahn! Hier war mit geschickter Regie wieder einmal sehr einfach der Staat zum Sündenbod ge= macht worden. Die monopolistischen Benzin­interessenten waren dessen sehr zufrieden. Was ist die Wahrheit?

Der deutsche Benzinpreis ist ein Gemisch" aus Intereffentenwünschen und Subventionswirt­schaft, wie es schlimmer nicht gedacht werden kann. Die Interessenten sind 3G.- Farben für Leuna- Benzin, die deutsche Erdölproduktion, der Ruhrbergbau für Benzol, die Großzagrarier für Spiritus und die Benzinimporteure.

Sie alle haben ihren Anteil am Benzinpreis, den der deutsche Kraftfahrer zahlen muß. Daß die volkswirtschaftlich überaus wichtige Kraft­verkehrswirtschaft bei so vielen Nutznießern über­mäßig belastet wird, ist kein Wunder. Sehen wir einmal die einzelnen Teile dieses Inter­essentengemischs von deutschem Benzinpreis etwas nähet an. Da ist zunächst

der deutsche Benzinzoll.

Er machte bis Frühjahr 1931 5,81 m. je 100 Liter Benzin aus; dann wurde er auf 9,68 M., am 29. Mai 1931 sogar auf 16,23 M. je 100 Liter erhöht. Warum diese plötzliche und ge­waltige Erhöhung? Weil die IG.- Farben, die deutsche Erdölproduktion, der Ruhrbergbau ein Profit, das heißt Subventionsinteresse daran hatten. Als die JG.- Farben mit ihrer Kohleverflüssigung hervortraten, als die deutschen Erdölvorkommen als abbauwürdig erschienen, da erfand man auch hier das Argument der Autarkie. Und wo es sich um die ,, Pianwirtschaft der Dummen" handelt, da darf auf Verbraucher= kosten ja auch der unrentabelste Schorn= stein profitabel rauchen!

Jedenfalls hat man im Jahre 1931 die Kraft­verkehrswirtschaft mit einer Zollsumme von rund 150 Millionen Mark zusätzlich belastet. Eine Erziehungszollwirkung ist kaum wahrscheinlich: Die IG.- Farben produzieren seit Jahren, entgegen allen Prophezeiungen, etwa 100 000 Tonnen und werden in absehbarer Zeit diese Produktionsziffer faum überschreiten. Immerhin zahlen sie statt des Zolles DON 16,23 M. nur eine Ausgleichsabgabe von 0,75 M. je 100 Liter( vor dem 1. Oktober noch weniger!), und das macht eine Steuersubvention von rund und nett 20 Millionen Marfjährlich.

Einfach skandalös sind die Sondergewinne des Ruhrbergbaus

durch den Zoll und die niedrige Ausgleichsabgabe. Vor dem Kriege fosteten 100 Liter Benzol 16 M., heute etwa 48 bis 49 M. Die Sondergewinne des Ruhrbergbaus aus diesem Nebenprodukt zu Lasten des Kraftverkehrs sind auf mindestens 50 Millionen Mark zu schätzen.

Es gibt für die Reichsregierung feine Entschul­digung dafür, daß die Ausgleichsabgabe für Benzol nicht ganz bedeutend erhöht wird. Hier ist eine bedeutende Einnahmequelle für das Reich, die nicht genutzt wird, weil die Regie­rung mächtige Interessentengruppen offen be­günftigt.

Sollen die Großagrarier fehlen, wo die Großindustrie so festlich auf anderer Leute Kosten tafeln darf? Die Spritbeimischung zum Treibstoff ist jetzt glücklich auf 10 Proz. erhöht worden, damit man den Brennereien möglichst viel von ihrem Kartoffelsprit möglichst teuer ab= nehmen kann. Zusätzliche Kosten für Kraftver­kehrswirtschaft jährlich wieder runde 50 Mil= lionen Marf.

Und nun zu den Benzin- 3mporteuren.

Sie haben in letzter Zeit die Deffentlichkeit geradezu überschüttet mit Kalkula= tionen, die beweisen sollen, daß sie auch bei den heutigen Preisen noch zusetzen, zum mindesten nichts verdienen. Diese Rechnungen geben sich den Anschein großer Genauigkeit, nur sind sie alle verschieden, das heißt auch bei kleinen Differenzen sehr viel: ein Pfennig je Liter macht nämlich bei einem für 1932 auf 1.65 Milliarden Liter geschätzten Absatz schon 16,5 Millionen Mark

aus.

Da ist zum Beispiel die Spritbelastung, die bei der Erhöhung der Beimischung von 6 auf 10 Proz. den Benzinpreis um zwei Pfennig verteuert haben soll. Das ist schon falsch. So berechnet eine sehr genaue, von Interessenten an­erkannte Darstellung( Rölnische Zeitung" vom 4. Oktober) die gesamte Belastung bei 10prozen­tiger Beimischung auf 3,2 Pfennig je Liter, die Berteuerung ab 1. Oktober auf 1,3 Pfennig. Da= zu müsse man einen Pfennig für neue Anlagen, Mischeinrichtungen usw. rechnen, die bisher in­folge des scharfen Wettbewerbs nicht angerechnet worden seien. Uns werden aber die gesamten neuen Anlagekosten von Interessentenseite auf etwa eine Million Mark angegeben das sind noch nicht ein sechzehntel Pfennig je Liter! Sie spielen also in Wahrheit keine Rolle. Die Berteuerung durch die erhöhte Beimischung ftellte sich tatsächlich auf 1,3 Pfennig;

-

-

die Benzinkonvention hat sich dafür 2 Pfennig berechnet das sind 0,7 Pfennig je Liter oder 11,5 Millionen Mark jährlich auf den Ge= samtverbrauch zuviel!

Kleinigkeiten? Eben nicht!

Wenn die Verteilungsfost en innerhalb Deutschlands einmal mit 3 Pfennig, dann mit 3,7 Pfennig, ein drittes Mal mit 4 Pfennig, wenn die Provisionen für die Tankstellen­halter einmal mit 4, ein andermal mit 5 Pfennig angegeben werden, so zeigt das nicht nur einen sehr bedingten Wert dieser Rechnungen, sondern spricht auch nicht für ein gutes Ge= missen. Aber eine andere Aufstellung beweist schlagend, daß

die jetzigen Benzinpreise tatsächlich zu hoch find. In den fünf Jahren von 1925 bis 1929 betrug der durchschnittliche Preisunterschied zmi­schen dem amerikanischen Ausfuhrpreis und dem Berliner Preis 12,95 Pfennig je Liter. Im Jahre 1930( erste Benzinfonvention!) ist die Spanne stark gestiegen, im Jahre 1931 erheblich unter den Durchschnitt gesunken. Heute ist die Spanne ( unter Berücksichtigung aller Belastungen) mit 13,12 Pfennig höher als im Durchschnitt 1925 bis 1929; jetzt man den deutschen Durchschnitts­preis für Benzin an, so macht die Spanne sogar 14,12 Pfennig aus. Wer wollte behaupten, daß heute eine höhere Spanne als in den Jahren 1925 bis 1929 gerechtfertigt sei?

Und selbst wenn die Importgesellschaften heute nichts verdienten, so sind die Zustände durch ihren Konkurrenzkampf unhaltbar geworden. Das

Tankstellen- und Pumpennet

Das be= ist zugegebenermaßen start übersetzt. deutet, daß alle Verteilungskosten wegen ihres Wenn eine ,, figen" Charafters zu hoch sind. Pumpe durchschnittlich einen täglichen Umsatz von etwa 22 Mart hat, dann muß man allerdings dem Tankstellenbesitzer 4 Pfennig je Liter Rabatt geben. Bei doppeltem Umfag wäre aber ein Rabatt von nur 2 Pfennig genug! Und so ist es mit allen Verteilungskosten, mit der Verzinsung und Amortisation des investierten Kapitals usw. Die Kraftverkehrswirtschaft fordert mit Recht eine Entlastung. Zunächst hat das Reichs­wirtschaftsministerium schleunigst die Preise der Benzinkonvention zu prüfen und herabzu­fetzen. In anderen Ländern, in Frankreich , Italien , Aegypten hat man auch die nötige Energie gefunden. Eine Herabsehung der Zölle und der Kraftfahrzeugsteuer ist heute,

unter den Bodenseereitern des Papen­Kabinetts,

mehr als je eine hochernste Etatausgleichfrage. Dagegen ist die Ausgleichsabgabe zu Lasten der inländischen Produzenten zu er= höhen. Eine wirkliche Entlastung aber kann letztlich nur durch Einführung eines staatlichen Treibstoffmonopols

erreicht werden.

Selbst eine so im Prinzip privatwirtschaftlich ein­gestellte Zeitschrift wie der Deutsche Volkswirt" vertritt jetzt diese Forderung. Die Einführung eines Staatsmonopols würde Ersparnisse von 200 millionen jährlich bringen, die voll der Kraftverkehrswirtschaft zugute kommen fönnten. Z.

Nach dem Kreuger- Krach

Wie Schweden durch hohe Löhne und niedrige Zölle profitierte

Schweden hat weniger Arbeitslose als die meisten Länder Europas , gegenüber dem Produktionsstand zur Zeit der Hochkonjunktur im Jahre 1929 ist bis jetzt die industrielle Tätig­feit nur um etwa ein Sechstel zurückgegangen dies trotz der schweren Erschütterung, die die schwedische Wirtschaft durch den Zusammenbruch des Kreuger- Konzerns erfuhr, dessen Verluste be= kanntlich eine Milliardenziffer erreicht haben.

Die erstaunliche Widerstandsfähigkeit

ist freilich erst dann richtig einzuschäzen, wenn man sich die Größenverhältnisse des Landes vor Augen hält; zwar ist Schweden an Fläche nicht viel kleiner als Deutschland , zählt aber nur etwas über 6 Millionen Einwohner, etwa 1 Million weniger als Bayern .

Schweden hat vor allem zwei Reichtümer: Wald und Eisenerz. 52 Proz. des Landes bestehen aus Waldungen. Der Holzreichtum bildet die Basis für die Entwicklung einer großen Holzbearbeitungs- und Papierindustrie; für die Entwicklung der schwedischen Zündholzindustrie war der Bestand an Espenwaldungen ausschlag­gebend. Die Eisenerzförderung Schwedens betrug 1930 11 Millionen Tonnen, wovon der größte Teil nach Deutschland ging. Heute allerdings sind Erz­förderung und Erzerport auf ein Minimum des damaligen Standes zusammengeschrumpft. der Verarbeitung der eigenen Erze ist eine be­deutende Eisen- und Stahlindustrie aufgebaut. Nur einige

Beispiele internationaler Schwedenkonzerne: Zunächst der schwedische Zündholzkonzern, der sich zu einem Weltunternehmen entwickelte und den größten Teil der Zündholzproduktion der Erde kontrollierte, noch ehe Kreuger seine betrügerischen Finanzaktionen durchführte. Der schwedische Kugellagerfonzern SK F. be­figt Fabrikationsunternehmungen in zahlreichen Ländern und spielt auf den größten amerikanischen Märkten eine fast monopolartige Rolle. Auf dem Gebiet der Herstellung von Separatoren und Milchzentrifugen hat die Firma Sepe= rator A. B. eine Weltstellung. Die Staubsauger­firma Elettro lug befigt Tochtergesellschaften in den wichtigsten europäischen Ländern. Telephonbaufirma Ericsson verfügt in zahl­reichen Ländern Europas und Lateinamerikas über Fabrikationsunternehmungen und Telephon­betriebsgesellschaften. Ebenso reicht der Interessen­bereich des Starkstromkonzerns Ase a weit über die Grenzen Schwedens hinaus. Der Eisenerz­fonzern Grängesberg versorgt nicht nur einen großen Teil Europas mit schwedischen Eisenerzen, sondern befigt auch Erzgruben oder Förderungsrechte in Nordafrika und Südamerika .

Die

Bon anderen Ländern unterscheidet sich die industrielle Entwicklung Schwedens dadurch, daß sie durch Zölle nur wenig geschütt worden ist und daß im allgemeinen hohe Löhne und hohe Gehälter gezahlt wurden. Schweden gehört zu den wenigen Ländern. die noch heute Zollfäße von Vorfriegshöhe haben; lediglich die Einfuhr von Weizen und Roggen ist begrenzt. Infolge des hohen Lohnniveaus hat sich die kaufkraft des Landes gut entwidelt; die Lebenshaltung war höher als in den meisten Ländern Europas .

Dreierlei hat die wirtschaftliche Entwicklung

Schwedens in der letzten Zeit erheblich er= schüttert: erstens die stark verringerte Auf­nahmefähigkeit der europäischen Länder für schme­dische Erzeugnisse, zweitens die Abkehr von der Goldwährung, die unmittelbar nach der Loslösung vom Goldstandard erfolgte, drittens der Zu­fammenbruch Kreugers.

Die Währungsverschlechterung bildete zunächst natürlich eine Art Schuzzoll, der die Einfuhr industrieller Erzeugnisse aus anderen Ländern erschwert. Diese Maßnahme hat jedoch nicht verhindern können, daß die Exportindustrien einen erheblichen Umfagrückgang verzeichnen.

=

Der Kreuger 3usammenbruch hatte zunächst katastrophal aussehende Folgen. Die Aktienkurse stürzten in wenigen Tagen auf einen Bruchteil, die Börsentätigkeit war einige Zeit gelähmt, die Währung erfuhr eine neue Er­schütterung. Es ist aber bezeichnend für die Widerstandsfähigkeit der schwedischen Wirtschaft, daß trotzdem bald wieder eine Entspannung ein­trat. Der Notenumlauf blieb stabil, die Einlagen bei den Banken, die bis Juni 1932 zurüdgingen, zeigten schon im Juli wieder eine Erhöhung.

Die Arbeitslosigkeit

belief sich nach den Angaben der Gewerkschaften um die Mitte des Jahres 1932 auf 19 Proz. gegenüber 12 Proz. Mitte 1931. Die Ver­schlechterung, die in den letzten Monaten einge­treten ist, betrifft fast ausschließlich die erpor­tierende Industrie.

Zweifellos wäre ohne die Berluste aus dem Kreuger- Zusammenbruch die Widerstandsfähigkeit der schwedischen Wirtschaft gegen die Krisen­auswirkungen noch größer gewesen. Um so mehr ist Schweden ein Musterbeispiel dafür, welche Widerstandsfähigkeit ein Land entwickeln kann, in dem jahrelang den Arbeitern hohe Löhne gezahlt wurden und das sich von Schuh­zöllen und anderen Absperrungsmaßnahmen nach Möglichkeit ferngehalten hat.

Frei erfunden!

Zur Lage

der Berliner Baugesellschaften

Im Zusammenhang mit einer Besprechung der Notlage der Gemeinnügigen Baugesellschaften murde in einem Berliner Morgenblatt die Be­hauptung aufgestellt, daß auch die städtischen Baugesellschaften aus eigenem schon heute nicht mehr in der Lage wären, die Hypo= thekenzinsen zu zahlen, und daß die Baugesellschaften sich genötigt gesehen hätten, umfangreiche Kredite bei der Stadtbank in An= spruch zu nehmen.

Diese Behauptungen sind, wie das Nachrichten­amt der Stadt Berlin mitteilt, völlig frei e= funden. Der Stadt Berlin gehört das Geseil­schaftskapital der Gemeinnüßigen Baugesellschaft Adamstraße, der Gemeinnügigen Baugesellschaft Berlin- Ost, der Pankower Heimstätten GmbH., der Heimstättengesellschaft Primus, ferner zu 98,8 Proz. das Kapital der Heimstättensiedlung

Berlin- Wilmersdorf, zu 75 Proz. das der Gemeinnützigen Tempelhofer Feld- Heimstätten GmbH., zu 66,67 Proz. das der Gemeinnützigen Baugesellschaft Heerstraße( der reſtliche Teil gehört der städtischen Wohnungsfürsorgegeſell­schaft).

Reine einzige dieser Gesellschaften sei mit Bank­ihren Verpflichtungen gegenüber den instituten, die ihnen Hypothefen gewährt haben, rückständig. Keine einzige dieser Gesellschaften jei auch genötigt gewesen, zur Zahlung ber laufenden Zins- und Tilgungsverpflichtungen die Hilfe der Berliner Stadtbank in Anspruch zu nehmen. Im Gegenteil, bei der Stadtbank seien in nicht unerheblichem Umfange flüssige Mittel der Gesellschaften angelegt. Im übrigen seien die Ausführungen schon insofern völlig haltlos, als die Berliner Stadtbank auf Grund der Not­verordnung vom 5. August 1931 der Stadt oder städtischen Gesellschaften überhaupt keine neuen Kredite gewähren darf.

Anleihen in Not Kommunale Finanzkatastrophe

Am Montag hat der Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. Mulert, wegen des unmittel= bar bevorstehenden Zusammenbruches zahlreicher Kommunen einen Warnungsruf in letzter Stunde an den Kanzler gerichtet.

Daß dieser Warnungsruf die Finanzsituation bei den deutschen Gemeinden nicht um ein Tüp­felchen zu schwarz gemalt hat, beweist die 3 a h= lungsunfähigkeit einer der ehemals reichsten Städte Deutschlands , der Stadt Frank­furt a. Main , die am Dienstag wegen der Nicht­einlösung ihrer Schahzanweisungen eine Gläu= bigerversammlung einberufen mußte. Es handelt sich bei diesen Schazanweisungen um eine Summe von 30 Mill. Mark aus dem Jahre 1928/29, die jetzt zur Einlösung fällig gewor den sind.

Der Stadtkämmerer von Frankfurt , Dr. Leh­mann, machte den Gläubigern einen Vergleichs= vorschlag, der eine zehnprozentige Rückzahlung sowie eine Prolongation der restlichen 90 Proz. auf drei Jahre vorsieht. Unter Hinweis auf die enormen täglichen Lasten der Kommune für Deckung des dringendsten Bedarfes des Wohl­fahrtetats mußte Dr Lehmann aber erklären, daß Frankfurt a. Main im Augenblick auch nicht einmal die zehn Prozent, das wären rund 3 Millionen Mark, flüssig machen könnte. Die Ausführungen des Kämmerers zur Finanz­lage der Stadt gaben ein erschütterndes Bild über die Einnahmedrosselung der Kommunen bei dem Finanzausgleich unter anderem sind die Reichsüberweisungssteuern um 73 Pro3. von 24. auf 6,4 Mill. Mart seit 1928 gesunken sowie die unhaltbar gewordenen Lasten, die durch Ab­wälzung der Arbeitslosenunterſtügungen vom Reich auf die Kommunen entstanden seien.

-

-

In der Debatte wurde von verschiedenen Gläu­bigern die Auszahlung eines Teilbetrages bis zum Jahresende gefordert. Wenn ein Gläubigerver­treter der Stadt zum Vorwurf machte, daß sie die Beschaffung langfristiger Anleihen ver= säumt(!) habe so ist dieser Vorwurf ein= fach lächerlich, denn jeder Mensch in Deutsch­ land weiß, daß unter dem glorreichen Regime des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht die deut­ schen Kommunen gewaltsam an einer Fundierung ihrer furzfristigen Schulden behindert wurden.

Auch die Stadt Köln , die in allernächster Zeit vier Millionen Mark für fällige Schatz­anweisungen aufzubringen hat, befindet sich in der gleichen katastrophalen Lage wie Frankfurt a. Main . Auf der für heute angesezten Gläu= bigerversammlung wird der Vertreter der Kom­den Gläubigern auseinandersetzen, daß ohne ein Einspringen des Staates die Mittel für eine zehnprozentige Ausschüttung nicht aufzubringen sind.

mune

Feste Börse

Starke Nachfrage am Rentenmarkt

Die Kurssteigerungen, die der ruhige Verlauf der Wahl und das Wahlergebnis selbst an der gestrigen Montagsbörse ausgelöst hatten, setzten sich auch an der gestrigen Börse fort.

Auffallend kräftig war die Nachfrage auf dem Rentenmarkt. Sowohl Goldpfandbriefe, wie Reichsschuldbuchforderungen, wie auch kommunale Schuldverschreibungen konnten ihre Kurse um durchschnittlich 1 Proz. und vielfach darüber hin­aus erhöhen. Auf dem Aktienmarkt blieb das Geschäft klein, jedoch wirkten verschiedene günstige Meldungen aus der Industrie befestigend. Stark gefragt blieben Reichsbank mit 129, Reichs= bahnvorzugsaktien mit 89% und J.G.- Farben mit 97. Schwarzkopff tonnte sich auf 30%, Drenstein auf 34% und Gesfürel auf 70 gegen 68 Proz. verbessern.

Stollwerd nach der Sanierung. Die führende westdeutsche Schokoladenfabrik Gebrüder Stoll­merd A.-G. in Köln , die im vergangenen Jahr megen großer Fehlerpansionen sanieren und das Sapital von 16,4 auf 9 Mill. M. zusammenstreichen mußte, erzielte im Geschäftsjahr 1931/32 einen Reingewinn von 251 620 M. Die Verwal: tung hofft, durch die Sanierung eine Grundlage für ein wirtschaftliches Arbeiten bei anziehender Konjunktur gefunden zu haben. Der mengen­mäßige Abjatrückgang war nur gering. Die Schulden fonnten um 2,6 Mill. M. ab ge­baut werden, darunter die Bankschulden um rund 1 Million.