Mikrophons foll man ein Gespräch belauscht haben, das sie mit einem Kieler Matrosen führte, und ähnlicher Unsinn mehr. Nach ihrer Verhaftung am 9. Oktober 1917 set ihr die TodesStrafe sicher" gewesen, und als die Revolution ausbrach, sei ihr hochverratsprozeß noch nicht zu Ende" gewesen. Dabei war das Untersuchungsverfahren gegen sie bereits am 39. April 1918 vom Reichsgericht auf Antrag des Oberreichsanwalts eingestellt worden, weil ihr„ eine landesverräterische Handlung nicht nachzuweisen" sei. Sie soll die Massen immer wieder zu Gewalttätigkeiten aufgehegt" und selbst vor dem Befehl zum Plündern nicht zurückgeschreckt" sein. Diese gemeine Verleumdung kennzeichnet den stock reaktionären Charakter des Artikels.
Als einer derjenigen, die in den Kriegs- und Revolutionsjahren mit Luise Zietz aufs engste in gemeinsamer politischer Arbeit verbunden waren, halte ich mich berufen und verpflichtet, dieser Verleumdung einer Toten, die ihr Leben dem Proletariat und ber Menschheit gewidmet hatte, mit Nachdruck entgegenzutreten.
Da der Artikel in zahlreichen Provinzblättern nachgedruckt worden ist, ersuche ich, diese Ent= gegnung in Ihrer Korrespondenz abzudrucken.
Unsere Genossen im Lande, die den Schmähartikel in heimischen Blättern gelesen haben, sollten darauf achten, daß auch die Richtigstellung von ihnen veröffentlicht wird.
Die aus Sozialdemokraten, Kommunisten und Nationalsozialisten bestehende Mehrheit des. Bayerischen Landtags hat beschlossen, die Staatsregierung zu ersuchen, den im Reichsrat beabsichtigten Widerspruch gegen das Amnestie= gefe zurüd zuziehen. Nach den Erklärun gen, die Ministerpräsident Dr. Held im Berfaffungsausschuß abgegeben hat, ist es jedoch fraglich, ob die Regierung diesen Beschluß berückfichtigen wird. Sie begründet ihre Weigerung mit der angeblichen Pflicht der Wahrung der Länderrechte, da auf Grund der Justizhoheit der Länder eine Reichsamnestie verfassungsmäßig ein Ding der Unmöglichkeit sei! Seit Bestehen der Terror= Notverordnung wurden in Bayern insgesamt 52 Fälle abgeurteilt; in einem einzigen Falle murde eine Strafe von 10 Jahren Zuchthaus ausgesprochen und in acht Fällen Strafen von 1 bis 6 Jahren Zuchthaus.
Wann Reichstag?
Was wird aus der Winterhilfe? Die Kommunisten fordern den 3usammen. tritt des Reichstags zum 19. Dezember. Auf die Tagesordnung sollen die Anträge des Haushaltsausschusses auf Aufhebung der sozialpolitischen Notverordnungen, die Winterhilfe und ein Mißtrauensantrag gegen die Regierung Schleicher gesetzt werden.
Ob und wann der Reichstagspräsident den Aeltestenrat zur Stellungnahme zu dem kommu nistischen Antrag zusammenrufen wird, steht noch nicht fest. Sicher ist jedoch, daß die Mehrheit des Reichstags einschließlich der Nationalsozialisten dem Verlangen nach Einberufung einer Sigung noch vor Weihnachten nicht entsprechen wird. Die Sozialdemokratie, die sich bereits in der legten Reichstagsfizung gegen die lange Ber tagung des Parlaments ausgesprochen hatte, wird ihre Stellung zur vorzeitigen Einberufung des Reichstages in der Hauptsache davon abhängig machen, ob die Reichsregierung den Beschlüssen des Reichstags über eine Winterhilfe für Bedürftige entspricht.
Theaterbrand in Worms
Brandstiftung vermutet
Worms , 15. Dezember. Bon einem schweren Brandunglück wurde das Wormier Städtische Spiel- und Fest. haus betroffen. Gegen 9.30 Uhr erfönte Großfeueralarm, und noch ehe die Feuerwehren angerückt waren, stand das Bühnenhaus in hellen Flammen.
Hoover will verhandeln
Ermächtigung durch Kongreß aber unwahrscheinlich
Eigener Bericht des„ Vorwärts"
Washington , 15. Dezember. Wie verlautet, ist die Bundesregierung angesichts der Schuldenkrise zu sofortigen Revisionsverhandlungen bereit. Hoover plant angeblich, in seiner bevorstehenden Botschaft an den Kongreß die Erteilung von Sondervollmachten und die Einsetzung einer sechsköpfigen Kommission von Repräsentanten und Senatoren zur Führung solcher Verhandlungen mit den Schuldnerstaaten vorzuschlagen. In erster Linie wolle man den ihren Dezemberzahlungen nachkommenden Staaten entgegenkommen. Die Zustimmung des Kongresses zu den Anregungen Hoovers ist jedoch unwahrscheinlich.
New York , 15. Dezember. Die Erregung der Oeffentlichkeit über die Entwicklung der Schuldenfrage hat sich noch nicht ge= legt. Regierung und Presse sind stark bemüht, das Publikum zu beruhigen. Sie weisen auf die Isolierung Frankreichs und Belgiens hin und betonen, vier Fünftel der europäi schen Gesamtschulden würden pünktlich bezahlt werden. Wie verlautet, werden als Gegenmaßnahmen gegen die Zahlungsverweigerung die Suspendierung amerikanischen
der
französischVertragsverhandlungen und die Einführung von Bergeltungszöllen erwogen. Im Kongreß ist man
besonders schlecht auf Frankreich zu sprechen. Man bezeichnet die französische Haltung als unflug und undankbar.
Die polnische Regierung hat auf ihre zweite Note nach Washington wegen der Stundung der heute fälligen Schuldenzahlung noch keine Antwort erhalten. Es ist vorläufig noch ungeklärt, welchen Standpunkt Polen nun einzunehmen gedenkt.
Ordre- Contreordre
Der französische Botschafter in Washington , Claudel, war von der französischen Regierung beauftragt worden, dem Staatssekretär Stimson auseinanderzusetzen, daß infolge des Votums der Kammer das Kabinett nur noch laufende Amtsgeschäfte zu erledigen hat und deshalb nicht mehr dazu qualifiziert ist, die Verhandlungen über die am 15. Dezember fälligen Zahlungen fortzusetzen. In letzter Minute ist nun aber, wie der Petit Parisien" aus Washington meldet, diese„ Demarche" wieder abgesagt worden.
Die allgemein vorherrschende Ansicht über die Lösung der Kabinettstrise wird vom ,, Matin" treffend zum Ausdrud gebracht:
Die Stunde für eine Konzentration sei noch nicht gekommen, noch weniger die Stunde für eine nationale Einigung. Die Formel eines Kabinetts auf radikaler Grundlage, das die Unterstützung der Sozialisten genießt, babe anscheinend die größten Aussichten
Wertpapiere, die Flügel hatten
Der Herr Major und der gerissene Geschäftsführer
Bei dem Reichsverband der Deutschen Luftfahrtindustrie herrschten nicht gerade vorbildliche Zustände. Der Geschäftsführer, ein alter Militär, ein Major von Tetens, verstand von kauf männischen Dingen überhaupt nichts. Er besaß zwar Bankvollmacht, jedoch bekam ihn die Bank, mit der der Reichsverband arbeitete, nie zu Geficht. Man kannte hier nur seine Unterschrift, und der Herr Major begnügte sich damit, seine Unterschriften herzugeben. Die tonnten aber nur allzu leicht gefälscht werden.
Der eigentliche Geschäftsführer war der Angestellte August Kern. Er besaß nur eine Bojt Dollmacht, besorgte aber nicht nur die Bost, sondern auch sämtliche Bankgeschäfte. Nur thn fannte man in der Bank, er galt als Vertrauensmann des Reichsverbandes. Diese Situation machte er sich zunuze. Der Reichsverband der Deutschen Luftschiffahrt besaß bei der Depofitentasse der Dresdener Bank in der Potsdamer Straße ein Bankkonto. Bei derselben Depofitentasse hatte auch Kern sein Effektenkonto. Durch erfolgreiche Börsenspekulationen war es bis auf 50 000 Mark angestiegen. Dann aber hatte er seinen Kredit überzogen, er fonnte schließlich seine Schulden nicht abzahlen und war gezwungen, einen Offenbarungseid zu leisten. Sett 1928 ging das Konto auf den Namen seiner Frau. Kern befand sich in Geldverlegenheit. Was tat er nun?
Er stellte unter dem Namen Tetens
sie entweder aus Aerger hierüber absichtlich den Brand gelegt, oder er ist durch eine von ihnen weggeworfene 3igarette entstanden.
In einer Kunstpappenfabrik brach am Mittwochabend ein Großfeuer aus. Da das Feuer auf eine der Fabrik benachbarte, noch im Bau befindliche Kirche, überzugreifen drohte, mußte die gesamte Breslauer Wehr eingesetzt werden. Erst nach Stunden gelang es, das Feuer auf seinen Herd einzudämmen. Bei den Löscharbeiten erlitt ein Feuerwehrmann schwere Berletzungen.
und fraß sich bis zum Dachstuhl empor, der frachend bald darauf einstürzte. Die Feuerwehr bekämpfte das rasende Element von allen vier Seiten und auch vom Zuschauerraum aus, der durch das Wasser start in Mitleidenschaft gezogen wurde. Gegen 11.30 Uhr nachts konnte die Ge= fahr als endgültig beseitigt betrachtet werden. Während das Bühnenhaus vollkommen ausgebrannt ist, blieb der große Theatersaal vom eigentlichen Feuerschaden bewahrt. Als Brandursache wird Brandstiftung vermutet. Es wurde festgestellt, daß in den Abendstunden ein Einbruch verübt worden war. Die Diebe hatten es auf die Gelder abgesehen, die aus dem Kartenvorverkauf eingegangen waren. Sie fanden aber nichts por, und allem Anschein nach haben
Die Tote noch nicht festgestellt
Der Potsdamer Mordtommission, die unter Leitung des Kriminalrates Degener an der Aufklärung des Leichenfundes in der Parforceheide bei Nowawes seit Mittwoch ununterbrochen arbeitet, ist es bisher nicht gelungen, die Tote zu identifizieren.
An der Leiche der unbekannten Frau waren feine äußeren Berlegungen festzustellen und es muß deshalb das Ergebnis der Obduktion abgewartet werden. An einem Sittlichkeits. verbrechen ist nach Meinung der Potsdamer Polizei nicht zu zweifeln, da der Frau die Kleider vom Leibe gerissen waren.. Es sieht beinahe so
Auftragsscheine aus und überwies aus dem Goldpfandbriefdepot des Reichsverbandes bei der Danatbant, teils auf das Konto seiner Frau, teils auf das Konto des Reichsverbandes bei der Dresdener Bant die Wertpapiere des Reichsverbandes.
Die Fälschung der Tetensschen Unterschrift war so vorzüglich, daß die Bantbeamten feinen Verdacht schöpften. Sie taten dies auch aus dem Grunde nicht, weil Kern des öfteren die Verbindlichkeiten des Reichsverbandes durch Inanspruch nahme feines Kontos gedeckt hatte. Der Geschäftsführer, Major von Tetens, interessierte sich überhaupt niemals für den Zustand des Goldpfandbriefdepots. Erst als fämtliche Wertpapiere in Höhe von 87 000 Mark zur Dresdener Bank abgewandert waren, erfuhr er, daß bei der Danatbank nichts mehr zu holen sei. Kern hatte nämlich die Bestätigungsscheine furzerhand vernichtet. Das gleiche Manöver unternahm Kern auch mit den Goldpfandbriefen des Vereins zur Förderung der Aerodynamischen Versuchsanstalt Göttingen im Werte von 28 000 Mart,
Kern hatte sich heute morgen vor dem Landgericht II megen Urkundenfälschung, Urkundenbeseitigung und Betruges zu verantworten.
Das Gericht verurteilte den Angeklagten megen Urkundenfälschung in Tateinheit mit Be trug zu 1 Jahr 1 Monat Gefängnis.
aus, als ob der Täter die Kleider mit einem scharfen Messer zerschnitten hat. In den heutigen Vormittagsstunden wurde der Tatort mit Polizeihunden nochmals genau abgesucht. Ueber das Ergebnis der Aktion ist noch nichts bekannt geworden.
In der Nähe des Tatortes ist kurz vor Auffindung der Leiche ein Mann gesehen worden. Ob er mit dem mutmaßlichen Verbrechen etwas zu tun hat, muß die weitere Untersuchung ergeben.
Der Tod des Rentners
Mord in der Perleberger Straße? Die Reservemordfommiffion wurde nach der Perleberger Straße 17 gerufen. In seiner Wohnung im zweiten Stod des Seitenflügels war der 76 Jahre alte Rentner Karl Menzel tot aufgefunden worden. Seine 74 Jahre alte Frau ist schon seit Jahren irrfinnig und hatte bereits einige Tage an der Leiche ihres Mannes verbracht. Da die Todesursache völlig unflar ist, der Rentner soll einerseits vergiftet und nach einer anderen Version erwürgt worden sein, wurde die Mordkommission Dr. Ziese beauftragt, Ermittlungen anzustellen.
Der 76 Jahre alte Karl Menzel war früher als Wächter tätig und wurde dann pensioniert. Am vergangenen Sonnabend war in der Wohnung ein
auf Erfolg; denn das Ansehen Frankreichs mache die Aufrechterhaltung des Vertrauens, die schnelle Verabschiedung eines provisorischen Budgets für die ersten Monate des Jahres 1933 und cine energische Prüfung und Verabschiedung des endgültigen Budgets notwendig. Ein einziger Umstand könne die Bildung eines solchen Kabinetts unmöglich machen, nämlich der Abfall der Sozialisten. Aber Léon Blum hat eine Erklärung abgegeben, die wohl als Versprechen einer neuen Unterstützung der Sozialisten ausgelegt werden dürfe. Der Weg für eine vielleicht provisorische Lösung der Krise scheine also offen zu stehen.
Die Konsequenz der Sozialisten
Leon Blum schreibt im Populaire" über die Haltung der Sozialisten: Die Mehrheit von 400 Stimmen, die das Kabinett stürzte, umfaßt als die wichtigsten Elemente die Rechte unter Führung von Tardieu und Marin sowie die Sozialisten. Um diese Verbindung zu vermeiden, haben die Sozialisten in den letzten Tagen alle Anstrengungen zugunsten einer vermittelnden Lösung der Schuldenfrage unternommen, denn sie haben nicht mit Vorbedacht diese Gelegenheit für den Sturz der Regierung gewählt. Zwischen der ehemaligen Rechtsmehrheit und den Sozialisten gibt es aber außer der gleichen Farbe der Stimmzettel nichts Gemeinsames. Die sozialistische Partei ist sich selbst tonsequent geblieben, während die alte Rechtsmehrheit in zynischer Weise versucht hat, sich den Folgen ihrer Haltung zu entziehen. Die, alte Rechtsmehrheit ist dem nationalistischen Butgeheul gewichen, während die Sozialisten sich in voller Gewissensruhe bemüht haben, ihr in noch wirksamerer Weise den Weg zu ver sperren.
fleiner Ofen brand ausgebrochen, der von der Feuerwehr aber schnell gelöscht werden konnte. Gestern hätte der alte Mann seine Rente abholen müssen. Da er heute morgen noch immer nicht auf dem Bostamt erschienen war, begab sich ein Beamter in die Wohnung. Als er die Wohnung betrat, fand er den alten Rentner neben Ofen und Bett auf der Erde liegend tot auf. Er war mit Decken zugedeckt. Seine Frau hatte bisher neben der Leiche gesessen. Der Ofen war geheizt. Ein sofort herbeigerufener Arzt ließ die Frage offen, ob der alte Rentner einer Gasvergiftung erlegen cder etwa erwürgt worden sei, da sich am Halse Strangulationsmerkmale zeigten.
50000- Mart- Gewinn
In der heutigen Vormittagsziehung der Preußisch- Süddeutschen Klassenlotterie fiel ein 50 000Mart Gewinn auf die Nummer 152 643, und zwar wird dieses Los in der ersten Abteilung in Viertellosen in der Provinz Brandenburg und in der zweiten Abteilung in Achtellosen in Berlin gespielt.
Rundbauals Marithalle
Am Ringbahnhof Frankfurter Allee
Am Ringbahnhof Frankfurter Allee wurde eine neue Markthalle eröffnet. Auf einem unbebauten Terrain entstand binnen drei Monaten ein breitausladender flargegliederter Rundbau in einem Gesamtflächenausmaß von 1800 Quadratmeter. An 185 Ständen, von 70 Händlern bewirtschaftet, kann man von der Kartoffel bis zum Gänsebraten, vom Kragenfnopf bis zum modernen Wollkleid alles erstehen. Die Verkaufsstände find übersichtlich gelagert, bequeme Durchgänge bieten dem Publikum Ge legenheit, genauestens zu sichten und zu wählen. Die Preisgestaltung der Ware ist niedrig ge= halten, außerdem ermöglicht ein neuartiges Rabattsystem eine weitere Preisreduktion. Ohne Minderung der Qualität oder Herauffezung der Preise erhält jeder Kunde an jedem Stand beim Einkauf von Ware im Betrage von 0,25 Mart eine Sparmarte; für 100 solcher Marken gibt es 50 Pfennig in bar oder in Waren. Neuzeitliche hygienische Ent- und Belüftungsanlagen, Kühlund Lagerräume sorgen für gute Luft und beste Konservierung der Ware. Das Massivdach der Halle besteht aus isolierenden Hohlsteinen mit Kortplattenbelag, um die Einwirkung der Sonnenstrahlen zu verhindern.
Beim Autobrand schwer verletzt Bei Reparaturarbeiten geriet in einer Garage in der Belle- Alliance- Straße 92 ein Privatauto in Brand. Der Monteur, der gerade unter dem Wagen arbeitete, wurde von einer Stich flamme erfaßt. Seine Kleidung geriet in Brand. Durch das Hinzufommen einiger Arbeiter, die durch Ueterwerfen von Decken die Flammen erstickten, wurde der Verunglückte vor dem Schlimmsten bewahrt. Die Feuerwehr brachte den Mann ins Elisabethkrankenhaus. Das Auto wurde tro starten Wassergebens ein Raub der Flammen,