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schreckend vor der Verzerrtheit, der Zerrissenheit des wirrhaarigen Antliges draußen... Das Kleinste weinte auf, der Vater sprang hoch, lief gegen das Fenster...

Ehe er's aufgerissen hatte, war Beethoven ent­flohen. Er hielt nicht inne im Laufen, er blieb ein Gehetzter, bis ein Mann in Uniform sich ihm entgegenstellte, ihn festhielt, als Beethoven ihn beiseite schieben wollte. Der Mann fragte etwas, Beethoven hörte es nicht; er suchte nach seinem Korrespondenzbuch, das lag zu Hause in Baden; dann begriff er, daß der Mann nach seinem Namen fragte. ,, Beethoven!" antwortete unwirsch. Er sah den Mann grob lachen, sah, wie die Polizistenaugen das lodernde Haar, das nasse Gesicht, den unordentlich wehenden Rock, die ungeschickt baumelnden Hosen hinunterglitten, bis zu den nassen Füßen, fühlte seinen derben Griff auf der Schulter und folgte ihm...

*

er

An diesem heiligen Abend saß im Lokal ,, Zum Schleifer" vor den Toren von Wiener- Neustadt der Maler und Kupferstecker Blasius Höfel . Auch der Polizeikommissar von Wiener- Neustadt befand sich in der Runde der Männer, die der Weihnachts­abend nicht in ein eigenes Heim lockte.

Spät in der Nacht kam ein Polizeidiener: ,, Herr Kommissar, wir haben jemand arretiert, der uns keine Ruh gibt und immerfort schreit, daß er Beethoven sei. Ein Lump ist er, hat keinen Hut, einen alten Rock, keinen Ausweis. Er gibt feine Ruh. Den Herrn Musikdirektor Herzog follen wir rufen! Und, Papier und Bleifeder hat er sich geben lassen und malt Noten, lamentiert, lauft hin und her und singt..."

Blasius Höfel sprang auf: Es wird nicht not tun mit dem Herrn Musikdirektor. Ich weiß, wie er ausschaut, der Beethoven !" Und er ging mit dem Polizeibeamten. Der Kommissar und die Freunde schlossen sich an.

Beethoven hatte das Papier mit Notenlinien überzogen, faß, sprang auf, lief hin und wider, taktierte, fang und schrieb. Laßt mich allein!" fuhr er seine Befreier an, und nach einer halben Stunde, in der sie im Schatten des Raumes war­teten: Heut frieg ich's nicht. Aber ich weiß es, ich weiß es jetzt."

Der Wagen des Neustädter Bürgermeisters, schnell herbeigeholt, fuhr Beethoven im geliehenen Mantel nach Baden zurück.

Ein paar Tage später erschien Höfel bei Beethoven . Ins Korrespondenzbuch schrieb er die Frage: Hatten Sie sich am Heiligen Abend verirrt?"

Der Taube antwortete lächelnd:

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,, Freilich, Herr Höfel und wieder auch nicht!" Und nun, etwas zaghaft, schrieb Höfel die Frage: Woran haben Sie in der Polizeiftube tomponiert?"

Beethoven packte Höfel beim Oberarm:

,, Ich hatte vergessen, daß Weihnachten war. Aber dann hab' ich Kinder singen sehen vor Freude... Kennen Sie das Gedicht von Schiller

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das von der Freude...? Das war's, aber ich hab' noch nicht das Richtige, ich wills verwenden in größerem Rahmen. Freude... Freude...!" Und Beethoven schwieg und lächelte wieder.

Karl Bröger :

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Tragödie der Zeit

Eine Berliner Skizze/ Von Günther Birkenfeld

Noch vor wenigen Wochen traf ich ihn auf der Straße. Sein Name braucht nicht genannt zu werden. Denn er ist in allem einer von vielen. Nennen wir ihn Karl. Im ersten Augenblick er tannte ich ihn nicht wieder, so grau und alt war er geworden, so verfallen. Als er vor Jahren in der Volkshochschule mein Hörer gewesen war, strozte er nur so von Gesundheit und Kraft, ein Mann in den besten Jahren.

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Wir gingen in ein Café. Karl erzählte. Er

Ich müßte beinah wünschen, daß ein Anderer sich fände, der diesen glücklichen Leichtsinn besitzt. Anders ist mir um Herta bange. Vielleicht ist er schon da. Seit einigen Tagen ist sie so sonderbar unruhig und scheu."

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Karl hatte sich nicht getäuscht. Tage hindurch hatte ich vergeblich darüber nachgedacht. wie ihm zu raten oder zu helfen sei. Ich fand nichts. So sollte er wenigstens wissen, daß ich an seinem

Walther G. Oschilewski: Legende

Vom Libanon sprang der Abend in den vorüberstürzenden Tag. Die Zedern klangen wie Harfen, und in den Wolken lag Eine weiße Taube, die der Hand des Bergs entflog Und dann an einem süßen Oelblatt sog.

Aus Judäa kam. Jesus an das Galliläische Meer; Petrus und Andreas fischten, die Bäume bluteten sehr; Volk, das aus den Dörfern und Städten kam, folgte ihm nach. Auch die Tochter Zions, Jerusalem , und Jesus sprach: ,, Ich will euch wieder lehren, was feurig ist und weit, Was euch nicht knechtet, nicht verfolgt, was euch befreit! Doch schließet die Gärten und Tempel allhier im Land, Gott, nur ein Mensch unter Menschen, braucht keine Wand, Hinter der die Händler noch den Speichel vergeben.

O Töchter des Weizens, Kinder Israels im Lande der Reben:

Mein Wort, das durch das Fleisch wie Wein und Brot gegangen, Sei euch der Ruf, danach die Armen langen.

Eine Fackel, ein Gewitter, das aus Städten und Wäldern loht, Signal zu den Herzen der Brüder, eine heilige Fahne in Rot !"

sprach schwer und stockend, so als müßte er mit jedem Wort gegen eine kaum überwindliche Scham ankämpfen. Dennoch war deutlich zu merken, daß es ihm wohltat, sich aussprechen zu fönnen. Damals hatte er mit seiner alten Mutter und mit einer jüngeren Schwester zu­sammen gelebt, hatte ihnen zuliebe auf seinen einzigen Lebenswunsch, auf ein eigenes Heim mit Frau und Kind, Verzicht geleistet. Mehr als drei. Bersonen konnte das kleine Gehalt, das er als Hilfsarbeiter einer. Reichsbehörde bezog, unmög lich ernähren. Die Mutter war im Herbst 1929 gestorben, und die Schwester hatte sich verheiratet. Karl war mun frei für seinen Lebenswunsch. Im November 1930 heiratete er eine Vierundzwanzig­jährige, von der er sagte, daß sie ein guter und lieber Mensch sei. Vier Monate nach seiner Ber­heiratung wurde er abgebaut. ,, Also Stempel­bruder", murmelte er perquält, einer von den vielen, die man nicht mehr braucht, auf die's nicht mehr ankommt, die nur noch eine öffentliche

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Ereignis anderStempelstelle Laft sind. Dafür also hat man vier Jahre draußen

Verschabt die Röcke, zerfranst die Hosen, stehen und warten die Arbeitslosen in Gruppen an ihrer Stempelstelle. Gewesene Meister, Lehrling, Geselle, Angelernte und Ungelernte und alles Verzweifelte und Entkernte. Sie reden und reden alle Tage die gleichen Worte der gleichen Plage und ballen in heißem Zorn die Hand. Einer steckt den andern in Brand.

Am grauen Haus, das sich endlos dehnt, hat ein Mann sich müd' an die Mauer gelehnt. Einer das zeigt der erste Blick­unter ihrem Gesetz und ihrem Geschick. Verschabt der Rock, die Hose zerfranst, mit hohlem Gesicht und leerem Wanst. Es geht ein Raunen im ganzen Kreis, ob einer Bescheid um den Zugang weiß. Doch niemand hat vorher den Fremden

gesehn.

Ihm ist wohl wie Tausend andern geschehn. Bis endlich ein Junger in keckem Ton die Frage stellt nach der Profession. Der Fremde, erwacht wie aus einem Bann, antwortet einfach: Zimmermann!" Die Stempler stoßen sich in die Seite. ,, Mensch, das ist aber eine Pleite! Da kannst du noch oft an den Schalter hier laufen und dir, wenn es reicht, einen Hering kaufen." Ein Lächeln den Mund des Mannes verschönt. ,, Genossen, ich bin an das Warten gewöhnt. Man nennt mich sonst den Herrn Jesus Christ . Ich bin so alt wie der Hunger ist. Der Hunger nach Brot, der Hunger nach Licht, der aus jedem von euch gewaltig spricht. Aus unsrem Hunger, aus unsrer Not ersteht der Welt als erstes Gebot: Den Bruder zu suchen, der überall ist, wo du ein Mensch unter Menschen bist. Zweitausend Jahre such ich ihn nun. Er ist erweckt und wird nie mehr ruhn. Die Zeit der Satten ist bald vorbei..." Da springt einer zu von der Polizei und nimmt den Sprecher so verdächtiger mit auf die Wache.

Sache

im Dreck und zweimal hart am Tode gelegen! Dafür hat man mit aller Liebe seinen kleinen Posten versehen! Um jetzt mit Bettelpfennigen abgespeist zu werden! Sagen Sie, wozu ist unser­eins noch auf der Welt?" Er fant in sich zu= sammen und schwieg lange. Ich dachte an den Karl von einst, an den kraftvollen, pflichtfreudigen Mann. Wie stolz war er auf seine Stellung ge= wesen! Mochte sie auch noch so untergeordnet sein, so durfte er sich doch müßlich und einbezogen fühlen in das große gemeinsame Wert. Und ich blickte auf den Karl von heute. Er sah aus wie ein unheilbar Kranker, wie einer, dem das de­mütigende Gefühl, zu nichts mehr nutze zu sein, gleich Krebs am Lebensmark frißt.

,, Aber dies alles ist noch nicht das Schlimmste", begann Karl nach langer Bause wieder, das Schlimmste... das ist das mit meiner Frau. Sehen Sie, sie ist jung und so ganz Frau, sie ist gesund und kräftig, alles in ihr verlangt so un= gestüm nach einem Kinde. Und ich? Ich bin ein solch elendes Nichts, daß ich ihr das versagen muß! Man hat doch noch einen letzten Rest von Gewissen, nicht wahr. Würden Sie in dieses Elend ein Kind setzen? Nur damit es auch wieder ein Baria wird, zu dem man spricht: Scher dich fort, wir können dich nicht brauchen!" Und dumpf fügte er noch hinzu: Das Furchtbarste aber ist, daß Herta nicht klagt und mir nicht einmal zürnt. Sie wird nur immer stiller und schwer­mütiger. Ich kann ihre Augen nicht mehr sehen, diese sanften Augen, die unentwegt ins Leere starren!"

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Ich bemühte mich, Karl zu ermutigen. Ich wagte ihm zu raten, daß er einmal, ein einziges Mal nur alle Gewissenhaftigkeit verachten und der Natur gehorchen sollte. Ich sprach von dem unschuldigen Leichtsinn des Tieres, das sich ja auch nicht darum befümmert, ob seine Jungen auch leben können. Worte, armselige Worte! Sie hören sich ganz gut an, so lange man nicht vor einer solchen legten Entscheidung steht. Wie lächerlich, hier an das Tier zu erinnern. Wußte ich doch, daß ein Mann wie Karl nie und nimmer gegen sein Gewissen handeln könnte. Dies grade war ja sein Adel, der Adel eines echten Menschen. So schüttelte er auch zu all meinen Redensarten nur mutlos den Kopf und meinte: ,, Sie würden es auch nicht über sich bringen." Und später, Baum verständlich, fagte er noch diese Worte:

Schicksal teilnahm. Ich fürchtete für ihn. Also fuhr ich zu ihm hinaus.

Er war nicht da, war auf seinem ständigen Passionswege von Bewerbung zu Bewerbung. Aber Herta war da, seine Frau. Zuerst war fie mißtrauisch, ja mehr noch: unfreundlich. Ich ließ mich nicht beirren und sprach von meiner Sorge um Karl. Natürlich erwähnte ich nichts von den Dingen, die sie betrafen. Während ich noch sprach, warf Herta, plötzlich aufschluchzend, das Gesicht in die Hände. Nachdem sie sich etwas beruhigt hatte, sagte sie: Es ist wohl doch gut, daß Sie gekommen find. Karl hat mir von Ihnen erzählt. Ich habe ja sonst niemand, zu dem ich mich aus­sprechen kann. Ich möchte Ihnen etwas an­vertrauen. Sie müssen mir raten. Ich weiß ia nicht mehr aus und ein. Aber, Karl darf nichts davon erfahren. Das müssen Sie mir Der= sprechen." Ich versprach es.

,, Also hören Sie: Am Dienstag vor zwei Wochen bin ich hier mit dem Aufräumen der Stube

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beschäftigt, als es draußen mehrfach flingelt. Das kann doch nur der Geldbriefträger sein! denke ich in einer törichten Hoffnung, die Ihnen verständlich sein wird, und gehe zur Tür. Vor mir steht ein junger Mensch, blond, hübsch und gut gewachsen. Er ist bleich und feucht. Erst jetzt sehe ich, daß er einen Revolver in der Hand hält und ihn unversehens auf mich richtet. Ihr Geld, oder...!" ruft er mie gewürgt. Sie fönnen mich ruhig totschießen!" antworte ich. ,, Ja, ich wäre Ihnen sogar dankbar dafür. Geld habe ich leider nicht." Er läßt den Revolver sinfen, murmelt etwas, das wie eine Entschuldi­gung flingt, und will davonlaufen. ,, Sie brauchen auch nicht gleich fortzurennen", rufe ich hinter ihm drein ,,, kommen Sie etwas herein, wenn Sie wollen." Wie willenlos folgt er mir in die Küche. Ich wärme ihm Raffee und streiche ihm ein Brot mit Margarine. Dann spreche ich mit ihm. Er stottert und schämt sich sehr und weint zulegt. Ich fühlte mich wie die Mutter dieses armen dummen Jungen, ja, ich konnte einfach nicht anders: ich mußte seinen Kopf an meine Bruft ziehen und ihm durchs Haar fahren. Natür­

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wüßte. Im Stillen wünschte ich, daß er schon bald wiederläme, schon morgen. Und er fam. Und fortan täglich. Er liebt mich. Und, ja, id) liebe ihn auch. Er ist so jung, so stürmisch, so wundervoll bedenkenlos, jetzt in der Liebe mie früher in der Verzweiflung. Sagen Sie, was soll ich denn nun bloß tun? Lange fann ich dem Jungen nicht mehr widerstehen, das weiß ich genau. Schon wenn ich nur an ihn denke, so iſt das wie ein unsagbar süßer und weher Krampf." Was sollte ich sagen und raten? Das Schicksal hatte seine Fügungen getroffen, hatte diese drei Menschen unter ihr Verhängnis gestellt, einen jeden unter sein eigenes. Keiner von ihnen konnte zurück oder hinaus, sie fonnten nur weiter und weitergehen, zum dunklen oder lichten Ende. Um nur überhaupt etwas zu sagen, riet ich, was ein jeder geraten hätte. Aber ich wußte von vorn­herein, wie töricht mein Vorschlag war. Und Herta hatte das Recht, überlegen und schon ein wenig spöttisch zu lächeln.

Es blieb noch ein Letztes. Sinnlos auch dies. Aber ich wollte nichts unversucht lassen. Ich bat Karl zu mir und bemühte mich, ihn mit aller mir zu Gebote stehenden Beredsamkeit davon zu überzeugen, daß er Hertas Wunsch erfüllen müsse, ja, daß er dazu verpflichtet sei, so un­verantwortlich es auch erscheinen möge. Ich sprach von der brutalen Gewissenlosigkeit der Natur, die nicht danach fragt, ob ihre Früchte auch leben und gedeihen können, die vielmehr nur mit grandioser Verschwendungssucht fort und fort gebärt und unter millionen von Reimen nur in wenigen sich ausreift und fortentwickelt. Es gäbe Stunden, so sagte ich, in denen diese kosmische Unvernunft, die in einem tieferen Sinne die schöpferische Vernunft ist, mächtig, ja gewalttätig werde über unseren armseligen Menschenverstand. Dann bliebe uns nichts anderes übrig als zu gehorchen.

Natürlich überzeugte ich Karl auch diesmal nicht. Er war gläubig und sprach jetzt von Gott . Nein, es könnte nicht Gottes Wille sein, gegen die innerste Stimme in der Brust zu handeln und eine offenbare Grausamkeit zu begehen. Denn ein Kind in solche Lebensverhältnisse zu setzen, das wäre barbarisch.

Wenige Tage später erhielt ich von Karl einen Zettel mit nur diesen Worten: ,, Ich habe erfahren, was Sie mir neulich so freundschaftlich ver­schwiegen. Herta ist im Recht. Und Heinz iſt im Recht. Sie gehorchen ja nur. Ich konnte es nicht und gebe ihnen den Weg frei."

3wei Tage später meldeten die Zeitungen, daß die Leiche eines Karl..... im Rummelsburger See gefunden worden sei. Die Motive des Frei­todes wurden als unbekannt bezeichnet.

Von Künstlern und fo

Der Ausweg

Ein Kunsthändler hatte schon seit langer Zeit fünf Statuetten in seinem Laden stehen, die er nicht loswerden fonnte, fünf weibliche Aftfiguren in graziöser Bewegung, verschieden moduliert, aber einander ziemlich ähnlich. Er überlegt hin und her, wie er sie endlich, möglichst alle fünf auf einmal, loswerden könnte. Schließlich findet er einen Ausweg; er setzt den Preis noch einmal herab und bietet sie dem nächsten Kunden an: ,, Die fünf Sinne."

Der hat aber schon an einer von den fünfen genug, vier bleiben zurück. Aber der Händler hat gelernt; der nächste Käufer kommt. ,, Die vier Jahreszeiten."

Wieder wird er eine los; beim nächsten: ,, Die drei Grazien."

Wieder geht eine fort; bleiben ihm noch zwei: ,, Tag und Nacht."

Und so hat er schließlich nur noch eine: H. Sch. ,, Einsamkeit."

Max Barthel :

lich war das sein erster Versuch gewesen. In Schlagt den Hammer

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einem Anfall von irrsinniger Flucht vor seiner Verzweiflung, vor der trostlosen Zukunft eines zwanzigjährigen Arbeitslosen, war er mit dem Revolver seines Bruders in das erste beste Haus gerannt, das etwas vornehmer aussah als die anderen in dieser Gegend. Sehen Sie mal", sagte ich zu ihm ,,, wenn Sie nun nicht zufällig an mich geraten wären, die man nicht erst noch totzuschießen braucht, dann hätten Sie jetzt viel­leicht einen Menschen auf dem Gewissen und könnten Ihr Leben lang im Zuchthaus fizen." ,, Wenn schon", erwiderte er stumpf ,,, dann wüßte man doch wenigstens, wohin man gehört! Size ich denn hier in der sogenannten Freiheit nicht genau so wie im Zuchthaus, nur daß ich nicht weiß, wohin mit mir? Das Schrecklichste ist doch, daß ich mir jetzt immer noch vergebliche Hoff­nungen machen kann!" Ja, so saßen wir und sprachen miteinander, sein Kopf lag schwer in meinem Arm, zwei Berzweifelte, zwei, die nichts mehr zu hoffen hatten, zwei, die in dieser entsetzlichen Leere nur noch sich hatten und die sich plöglich, einfach nur durch dieses Beieinander, irgendwie beschenkt fühlten. Ich sagte zu Heinz, so heißt der Junge, daß er wiederkommen fönnte, menn er wieder mal so gar nicht aus und ein

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auf den Jammer!

Mit dem Hammer läßt sich's schmieden, Aus dem Hammer springt Gestalt, Hammerschlag ist Krieg und Frieden, Ist Erlösung und Gewalt! Schlagt den Hammer Auf den Jammer,

Daß sich ändre unsre Zeit: Seid bereit, seid bereit, seid bereit! Mit dem Hammer bleibt verbunden, Aus dem Hammer blüht die Kraft, Kämpfend haben wir gefunden Unsrer Freiheit Bruderschaft. Schlagt den Hammer

Auf den Jammer,

Daß sich ändre unsre Zeit, Seid bereit, seid bereit, seid bereit! Hammerschläge braucht man viele, Daß ein Werk vollendet sei, Hämmert euch den Weg zum Ziele: Volksgenossen, macht euch frei! Schlagt den Hammer Auf den Jammer,

Daß sich ändre unsre Zelt, Seid bereit, seid bereit, seld bereit!