zu kommen, um hier die Angelegenheit genauer zu besprechen. Diese Besprechung hat dann am Sonnabend im Kultusministerium stattgefunden. Professor Cohn hat seinen Standpunkt dem mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichskommissars beim Kultusministerium beauftragten Professor Kaehler dargelegt. Nunmehr hat Pro= fessor Raehler den Rektor, den Pro= rektor und den Dekander juristischen Fakultät an der Universität Bres = lau nach Berlin gebeten mit dem Ersuchen, ihn darüber aufzuklären, wie es zu dem Beschluß von Rektor und Senat gegen Prof. Cohn gekommen sei. Diese Besprechungen werden voraussichtlich in den ersten Tagen des Monats Ja= nuar im Kultusministerium stattfinden. Vorher ist es, wie an amtlicher Stelle versichert wird, für das Ministerium unmöglich, zu dem neuen Fall Cohn Stellung zu nehmen.
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Man muß den Bemühungen des ,, mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichskommissars beim Kultusministerium beauftragten Professors", den Breslauer Universitätsskandal beizulegen, mit einem Mindestmaß von Vertrauen entgegensehen.
Professorenprotest gegen den Breslauer Senat
In der Vossischen Zeitung" protestieren maßgebliche Professoren der deutschen Universitäten gegen den Beschluß des Senats der Breslauer Universität, der sich gegen den von den Nazistudenten seit Wochen befehdeten rechtsstehenden Professor Cohn richtet.
Der Professor der Theologie an der Kieler Universität, Baumgarten, telegraphiert:
,, Bin für entrüsteten Protest gegen derartige Einschränkung der Freiheit der persönlichen Meinungsäußerung."
Der Völkerrechtslehrer an der Universität Ham burg , Professor Mendelssohn- Bartholdy , erklärt:
,, Mir bisher vorliegende Pressemeldungen laffen Haltung Breslauer Senats nach Universitätsrecht so unerklärlich erscheinen, daß mir zur Zeit Urteil noch unmöglich."
Der Volkswirtschaftler Professor Harms in Kiel äußert sich folgendermaßen:
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,, Wie immer man über die Aeußerung Professor Cohns denken mag der Beschluß von Rektor und Senat Breslaus legt die Art an die Würde und Unabhängigkeit der deutschen Hochschulen."
Der Bonner Staatsrechtler Professor Richard Thoma schließlich telegraphiert:
,, Breslauer Senatserklärung dienstrechtlich Uebergriff, verfassungsrechtlich gegen 118, mo= ralisch fleinmütiges Dedungssuchen hinter Vorwand."
Der syrische Parasit
Hakenkreuzweihnachten in der Hitler- Presse
Sie waren alle sehr fromm und sehr christlich zu Weihnachten, die braven Leute von der Hafentreuzpresse. 3war hat man in Dresden die Leiche eines von SA.- Leuten ermordeten SA.- Mannes aufgefunden, in Staffel hat man SA.- Leute wegen Falschmünzerei verhaftet, aber in der Hakenkreuzpresse knien sie an der Krippe und beten zum Stern von Bethlehem :
„ Und gibt es dabei einen harten Strauß, dann holen wir uns die Kraft im Gebet bei jenem gottgesandten Welterlöfer, der por 2000 Jahren in Bethlehem in Armut geboren ist. So wird unser Volk, das mir zu diesem Wunderborn zurückführen wollen, doch einmal nach Jahren qualvollen Schicksals die Weihnachtsverheißung, die Wintersonnenwende der frohen und starken Wiedergeburt allen Lebens erfahren dürfen."
So das Hakenkreuzblatt von Baden. Aber nun tommt der Dr. Peter Winkelntemper vom„ Westdeutschen Beobachter" in Köln , die Glanznummer des hakenkreuzlerischen Provinzjournalismus, der Mann von„ Einst spielt ich mit Szepter, mit Krone und Schweif", er greift in die Saiten, daß sie aufrauschen:
war
„ Es das Judentum, jener syrische Parasit, der sich immer und zu jeder Stunde einsog in die Flügel unserer Kraft, wenn die deutsche Seele in ihrem erhabenen Geistesflug zu erlahmen drohte.
Wo bleibt der syrische Wunderborn von Beth lehem , wenn die Flügel der Hakenkreuzseele Läuse haben?
,, Es war Ahasver , der aus dem Volk der Helden ein Bolf von Krämern und Stlave. machen wollte, es war der Jude, der die deutsche Seele haßte und sie hineinzwang in die Seelenlosigteit und Leere seiner syrischen Empfindungswelt."
Fichte- Sportler beschossen
In Zehlendorf wurde in der vergangenen Nacht auf Braunschweiger Sportler, die sich in einem Castauto auf der Heimfahrt von Berlin nach Braunschweig befanden, von SA. - Leuten ein hinterhältiger Feuerüberfall verübt. Es wurden von den Hitler - Leuten etwa 8 bis 10 Schüffe auf das Lastauto abgegeben. Drei Mann wurden verletzt und mußten ins Stubenrauchfrankenhaus gebracht werden.
Die Braunschweiger Sportler, es handelt sich um Mitglieder des kommunistischen Vereins Fichte", hatten in Eberswalde an einem Sportfest teilgenommen. Die Rückfahrt ging über Neukölln- Zehlendorf . Auf dem Lastauto befanden sich insgesamt 46 Sportler. Als der Wagen die Kreuzung Berliner - und Windfriedstraße in Zehlendorf passierte, wurde aus dem Dunkel auf das Lastauto ein Pistolenschnellfeuer eröffnet. Die Kugeln prasselten nur so gegen die Wagenwände, drei Projektile erreichten leider ihr Ziel. Der 26 Jahre alte Hermann Dürrtopf und der 18jährige Lehrling Walter Brandt erlitten Beindurchschüsse. Der Führer des Autos, der 41 Jahre alte Karl Thiele, wurde von einem Querschläger am Fuß verletzt. Glücklicherweise gelang es dem An
SA.- Ueberfall drei Verletzte
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geschossenen noch, das Lastauto zum Halten zu bringen. Unter den Sportlern entstand eine Panit. Alles sprang vom Wagen, von den verbrecherischen Schützen war in der Dunkelheit aber nichts zu erkennen. Man hörte nur noch das Knattern mehrerer davonrasender Motorräder.
Im Norden Berlins , an der Ecke Glas= gower und Ofener Straße wurden in der letzten Nacht Reichsbannerleute von SA. Banditen überfallen. Ein Reichsbannerkamerad erlitt erhebliche Kopfverletzungen. Der Verlegte wurde in das Paul- Gerhard- Stift nach der Müllerstraße gebracht. Die Täter flüch= teten und entkamen. Die polizeiliche Verfolgung verlief ergebnislos.
Autounglüd- 4 Tote
Grobe Fahrlässigkeit des Führers Chemnik, 27. Dezember.
Um zweiten Weihnachtstag nachmittag ereignete sich auf der Chemniher Straße in Limbach ein schwerer Verkehrsunfall. Das Auto eines
Erste Information
Der Washingtoner Berichterstatter der ,, Times" meldet, daß Norman Davis, der sich mit Roosevelt besprochen hat, in New York eine Unterredung mit Edmond Day, einem der amerikanischen Vertreter im vorbereitenden Ausschuß der Weltwirtschaftskonferenz, haben werde. Day fahre am Mittwoch nach Genf ab. Er werde der erste Beauftragte der noch nicht im Amt befindlichen Regierung Roosevelt sein, der nach Europa komme. Es sei jedoch sehr zweifelhaft, ob Day andere als negative Anweisungen mitnehmen werde.
Dem Washingtoner Berichterstatter des Daily Expreß " zufolge hat Roosevelt bereits vor 14 Tagen einen Sonderbeauftragten nach Europa entsandt, um die Meinungen verschiedener Persönlichkeiten in London , Paris und Rom über die Kriegsschuldenfrage zu hören. Der Name des Beauftragten werde nicht bekanntgegeben. Abrüstung drängt
Albany ( New York ), 27. Dezember.
In der Unterredung zwischen Roosevelt und Norman Davis. die sich um die Abrüstungsfrage, die Weltwirtschaftskonferenz und internationale Geld, Währungs- und Finanzprobleme brehte, erklärte Norman Davis, auch die Weltwirtschafts
Winkelnfemper an die SA.- Falschmünzer von Rassel und ihre falschen Fuffziger gedacht! Der syrische Parasit ist an allem schuld-, darum feiert fröhlich den Stern von Bethlehem und den großen Juden Jesus Christus !
Die gesegnete Weinflasche
Der Westdeutsche Beobachter" veröffentlicht an der Spize seines Tegies einen Aufruf des Straßer- Nachfolgers Dr. Robert Ley an die ,, Amtswalter" der Nazis. Parole: Weitermachen! Folgendermaßen steigt der Schlußpassus dieses Bronunziamientos:
" So gehen wir in ein neues Kamsjahr. Möge der Herrgott unsere Waffen segnen! Heil Hitler!"
Der Herrgott ist ein arg in Anspruch genommener, vielgeplagter Mann, seit er einmal so leichtsinnig gewesen ist, aus ein bißchen Lehm den Adam zu formen. Die Sache ist aber nun leider nicht mehr rückgängig zu machen. Immerhin: das geht doch wohl entschieden zu weit, daß er jetzt sogar verurteilt werden soll, Dr. Leys Weinflasche aus dem Hotel Deis in Köln zu segnen, mit der Len den Genossen Otto Wels über den Kopf schlug. Wir wüßten nämlich nicht, über welche andere Waffen als solche, mittels deren man gefährliche Körperverletzung verüben kann, Dr. Len sonst noch verfügte.
konferenz werde bei ihrem Zusammentritt Anfang nächsten Sommers nur wirksame Arbeit leisten können, wenn sich die Hauptmächte über ihr Vorgehen geeinigt haben. Roosevelt soll in dieser Unterredung die Auffassung geäußert haben,
das Gefühl der Sicherheit zwischen den Nalionen werde in genau dem Maße zunehmen, in dem die Zahl der Kriegswerkzeuge vermindert werde.
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Er habe in diesem Zusammenhang an eine Bemerfung Clemenceaus in Versailles er= innert, daß Frankreich sicher sein werde, sobald die Gewähr bestehe, daß es mit Deutschland feinen Krieg haben werde. Davis soll entgegnet haben, daß er eine günstige Aende= rung in der Haltung der franzö= sischen Politik gegenüber Deutsch land wahrgenommen habe. Hinzugefügt habe er, er glaube, daß trotz des japanischen und französischen Widerstandes eine Abschaffung der U- Boote möglich sein werde. Schließlich set Dapis noch für eine französisch- italienische Flottenvereinbarung entsprechend dem Londoner Bertrag, für die Abschaffung Bombenflugzeugen, Giftgas und beweglicher, schwerer Artillerie sowie für das Verbot von Bomben= angriffen eingetreten.
Die Amnestie
Limbacher Fabrikanten, das dieser selbst steuerte, geriet in einer langgestreckten Kurve auf den rechten Fußsteig und überfuhr dort vier in gleicher Richtung gehende Fußgänger, und zwar einen Mann, eine Frau und zwei knaben. Danach ffieß der Kraftwagen an eine Gartenmauer, beschädigte diese, fuhr auf dem Fußsteig zwölf Meter weiter und gelangte dann auf den gegenüberliegenden Fußsteig, wo der Kraftwagen einen Gartenzaun einstieß und dadurch zum Halten fam. Die vier Fußgänger wurden durch das Auto zu Boden geschleudert, überfahren und schwer verleht. Der Mann und ein Knabe starben nach ihrer Einlieferung in das Krankenhaus Limbach. Die Frau und das andere kind sind ebenfalls im Laufe des Nachmittags ihren Verlegungen erlegen.
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Während der Führer des Wagens unverlegt blieb, wurden die fünf Mitinsassen mehr oder weniger schwer verlegt. Die Namen der Getöteten es handelt sich wahrscheinlich um eine Familie- find noch nicht bekannt. Den bisherigen Feststellungen nach ist der Unfall auf grobe Fahrlässigkeit des Kraftwagenführers durch übermäßig schnelles Fahren und Schneiden der Kurve zurückzuführen.
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mächtigt, 1,3 Milliarden Frant neue Obligationen auszugeben.
Im Finanzausschuß der Kammer haben die Sozialisten für das provisorische Budget ge= stimmt, obwohl die Parteistatuten vorschreiben, einer bürgerlichen Regierung die Mittel zur Ausübung der Macht nicht zu bewilligen. Der Verwaltungsausschuß der Partei, der von der Parlamentsfraktion gebeten worden war, ihre Haltung zu billigen, hat sich am Montag für nicht tompetent erklärt und die Verantwortung der Fraktion überlassen. Die Fraktion wird auch in der Kammer für den Budgetentwurf stimmen. Im anderen Falle würde die Regierung geschlagen werden und wahrscheinlich zurücktreten.
Arbeiterstreit
Eine Straßenschlacht
Dublin , 27. Dezember. In der irischen Stadt Kilrush in der Grafschaft Clare fam es am Weihnachtsabend zu einer Straßenschlacht zwischen den Angehörigen zweier Gewerkschaften, die sich wegen Lohnstreitigkeiten in die Haare geraten waren. Bei dem Kampf, der mehrere Stunden dauerte, wurden etwa hundert Personen verletzt. Don
Weitere 60 Anträge entschieden Die Abwicklungstammer unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Tolf, die über sämtliche Amnestieanträge zu entscheiden hat, hielt auch an beiden Feiertagen Sigungen ab. Sämtliche Beamte der Geschäftsstelle waren bis 1 Uhr auf ihren Plägen. Es waren im ganzen 60 Anträge zu erledigen. Negativ fielen nur die Beschlüsse aus, die auf eine doppelte Anwendung sowohl der Amnestie als auch der Friedensnotverordnung hinzielten. So hatte die Verteidigung 3. B. den Antrag gestellt, die nach der Anwendung der Amnestie bei dem vom Sondergericht wegen schmeren Landfriedensbruchs zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilten Schmidtke noch verbleibenden zweieinhalb Jahre Gefängnis zu streichen. Gleichlautende Anträge in bezug auf Büschel und Kopper wurden gleichfalls a b= gelehnt.
Frankreichs Finanzklemme Sozialisten für Regierungsplan Eigener Bericht des Vormärts" Paris , 27. Dezember. Das Parlament, das heute wieder zusammentritt, wird in der Hauptsache einen provisorischen
Was dem einen sein Wunderborn und sein Der Fememord in Dresden Budgetentwurf für das Jahr 1933 zu verab
Stern von Bethlehem , ist dem anderen die Leere der syrischen Empfindungswelt! Es war Ahasver , der die Schulden des Herrn Len gemacht hat und seine Geschäfte, es war der Jude, der die Finanzen des Westdeutschen Beobachters" in Unordnung gebracht hat!
Er ist der Verbrecher, der aus den Söhnen unseres Volkes entwurzelte Proletarier intellektuelle Nomaden und aus vielen verstohlene Diebe und aus so vielen, viele. deutschen Töchtern verlorene Dirnen ge. macht hat!"
Es scheint festzustehen, daß die tödliche Kugel auf den 26jährigen SA.- Mann Hentsch, dessen Leiche am Montag an der Malter- Talsperre aufgefunden wurde, an einem dritten Orte abge. geben/ worden ist. Die Mörder haben anscheinend die Leiche vom Tatort nach Malter gefahren und von der 15 Meter hohen Brücke ins Wasser ge
Biele verstohlene Diebe.- da hat der brave worfen.
schieden haben. Der Entwurf ist vom Finanzausschuß bereits gebilligt. Er bewilligt einen Gesamtkredit von 4690 Millionen Frank, der unter Abzug der unter Herriot gemeldeten Ersparnisse im großen und ganzen den zwölften Teil des Budgets für das laufende Jahr entspricht. Außerdem enthält der Entwurf aber die Genehmigung zur Ausgabe von fünf Milliarden Frank neuer Staatsbonds zur vorläufigen Deckung der Ausgaben des Staates in den ersten Monaten des Jahres, in denen die Steuereingänge sehr gering sind. Weiter werden die französischen Eisen bahnen, die mit einem Defizit arbeiten, er
Die aus nur 12 Mann bestehende Ortspolizei fonnte sich auch durch wiederholtes Abfeuern von blinden Schüssen keine Achtung verschaffen. Die an der Straßenschlacht beteiligten etwa zweihundert Personen benußten als Waffen außer einigen Revolvern, Steine, Bierflaschen, Mistgabeln und Eisenstangen. In drei Häuser wurden sämtliche Möbel zerstört. Drei auf der Straße stehende Kraftwagen wurden vollkommen zertrümmert.
Das genannte Städtchen zählt 3300 Einwohner.
Kampf mit Einbrechern
Müllerbursche niedergeschossen
Ein blutiger Kampf zwischen einem Einbrecher und mehrere Müllerburschen, bei dem einer der Verfolger niedergeschossen und getötet wurde, spielte sich in der Ortschaft Papendorf bei Basemalt ab. Auf Anordnung der Oberstaatsanwaltschaft in Prenzlau wurde die Berliner Mordkommission unter Leitung von Dr. 3iese angefordert.
Das Anwesen des Mühlenbesizers Scherping lingt mitten in der Ortschaft Bapendorf. Als der Müller am Sonntag früh aufstand, traf er in den Wohnräumen plöglich auf einen Einbrecher, der, wie sich später herausstellte, durch ein Fenster eingestiegen war. Der Verbrecher hielt dem Müller sofort eine Waffe vor die Brust und forderte ihn auf, das Geld herauszugeben. Dem Bedrohten tlieb nichts weiter übrig, els der Aufforderung nachzukommen. Mit vorgehaltenem Revolver verschaffte sich der Einbringing durch den Raum, in dem die Müllerburschen schliefen, Durchlaß und gewann auch unangefochten die Straße. Die Müllerburschen bewaffneten sich jetzt mit Megten und Forken und verfolgten den Verbrecher durch den Ort hindurch. Dieser drehte sich aber mehr. mals um und feuerte auf seine Verfolger. Emer der jungen Männer, der ihn faft eingeholt hatte, wurde durch die Kugel in die Schulter und in die Stirn getroffen und sant tot zu Boden. In der allgemeinen Aufregung ist es dem Verbrecher gelungen, zu entkommen.
Dodarbeiterstreif in Ce Havre, Brest und Saint- Nazaire legt diese franzischen Häfen Cherbourg geführt, wo noch nicht gestreift still. Die Schiffe werden zum größten Teil nach
wird.