tischen Kampffrage ersten Ranges gemacht! Man hat das Ansehen der Reichsregierung für diese wirtschaftspolitische Scharlatanerie aufs Spiel gesezt! Reiner der Vertreter des autoritären Rurses hat seine Stimme er= hoben, um die Regierung davon abzuhalten und sie auf die Konsequenzen hinzuweisen. Aber schließlich hat auch die Oppo sition ein Interesse daran, daß diese Art von Regierungsführung ein Ende findet! Auch die Opposition hat ein Interesse daran, daß die Regierungsführung sauber bleibt von Interessenteneinwirkung, und daß die wahre Staatsautorität nicht untergraben wird durch Maßnahmen, die nur ge= eignet sind, den Kurs, der sich als autoritär gebärdet, ins Lächerliche zu ziehen!
Wir haben davon schon genug erlebt unter dem Regime Papen , und es scheint, daß wir noch mehr davon erleben sollen! Der reaktionäre Rurs hat alles in allem einen Triumphzug der Lächerlichkeit mit sich gebracht, angefangen vom 3 widelerlaß bis zur Margarineverordnung!
Unter dem reaktionären Kurs ist stärker als jemals zuvor das Lob der Ministerialbürokratie gesungen worden. Ihre Leistungen erfüllen uns mit Schaudern! Vermag sie nicht zu unterscheiden zwischen ernsthaften wirtschaftspolitischen Maßnahmen, über die man streiten und disfutieren fann, und Patentmedizinen, die aus Hitlers Geheimschrank stammen könnten und noch dazu den fatalen Geruch des Intereffententlüngels an sich haben? Ist sie geistig nicht in der Lage, die Unmöglichkeiten und Lächerlichkeiten einer solchen Maßnahme zu überblicken, die ihr vom ersten Tage an in der Oeffentlichkeit vorgerechnet worden sind? Oder hat sie nicht den Mut und die innere Unabhängigkeit besessen, sich gegen. über dem Drängen der politisch mächtigen Interessenten zu behaupten?
Die Regierung hat sich der Möglichkeit ausgesetzt, daß der Reichstag diese Verordnung mit großer Mehrheit aufhebt. Sie hätte den Interessenten gegenüber eine starke Stellung gehabt, wenn sie sich fest auf den Boden der Berfassung gestellt und er flärt hätte, daß derartige Maßnahmen Angelegenheit der ordentlichen Gesetz aebung sind. Statt dessen hat sie das Drängen der Interessenten flugs in eine Notverordnung umgemünzt, und in was für cine Rotverordnung!
En mird heute in Deutschland regiert! Die Buttermigerei wird zu einer Rabinettsfrage, zu einer hochpolitischen Angelegenheit unter dem lauten Beifall der braunen Medizinmänner! Das nennt sich dann autoritärer Regierungsfurs!
Keil- Kaffe
Patent der Harmlosen
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in
Aus dem Weheschrei eines Rassenführers erfährt man, daß bei den Nazis eine ReilKasse für Bersammlungsschlachten besteht, aber auch gleichzeitig, daß fie- leer ist. Parteiamtlich" veröffentlicht die Hitler- Presse den dringenden Mahnruf an alle Ortsgruppen, pünktlich und regelmäßig diesen PrügelBeitrag an die Sachschädentaffe München " abzuführen. Die Saalbestyer meigerten sich vielfach, ihre Säle weiter zur Verfügung zu stellen, weil das Mobiliar bei früheren Nazi versammlungen zertrümmert worden sei. Deshalb wird an die Anordnung der Reichsleitung vom 1. Mai 1931" erinnert, monach jede Bersammlung der Sachschädenkasse" zu melden und ein Beitrag an die Kasse abzuführen fei.
Die Ortsgruppen find aber, wie weiter zugestanden wird, der Verpflichtung zur Keil- Kasse nicht nachgekommen, und die tatsächlich eingelaufenen Beiträge reichen nicht aus. Deshalb der dringende Befehl: Zahlt endlich in die Kasse, damit wir weiter Säle bekommen! Die Zertrümmerung folgt automatisch nach!
Die flüchtigen spanischen Monarchisten aus der westafrikanischen Berbannung sind in Port Etienne ( Französisch- Westafrifa) eingetroffen. Spanien foll beabsichtigen, ihre Auslieferung zu verlangen.
Brasilien hat den Amazonenstrom für Kriegsfahrzeuge Perus und Kolumbiens gesperrt.
Eigener Bericht des ,, Vorwärts"
Frankfurt a. M., 5. Januar. Unter ungeheurem Andrang des Publikums begann am Donnerstag vor dem Frankfurter Schwurgericht die Verhandlung gegen die drei Nazijünglinge, denen die Anklage eines der scheußlichsten Berbrechen vorwirft, die seit Jahren in Frankfurt geschehen find. Im Dezember 1931 verschwand unter rätselhaften Umständen die 19 jährige Hausangestellte Emma Busse. Erst im Mai vorigen Jahres wurde sie als Leiche aus dem Main gezogen. Man nahm allgemein Selbstmord an, bis die Polizei im Oktober durch eine Kette von Zufällen auf die Spur der drei Nazijünglinge Stubenrauch. Eich und Arzt kam, die jetzt unter der Antlage des Mordes und der Beihilfe zum Mord vor Gericht stehen.
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Robert
Der 21jährige Hauptangeklagte Stubenrauch, bis zum Tage seiner Verhaftung Mitglied der Hitlerpartei, der im Augenblick seiner Festnahme das nationalsozialistische Partei. abzeichen trug, hat damals der Mordkommission des Polizeipräsidiums und dem Untersuchungs richter in wiederholten Aussagen gestanden, daß er mit seinen beiden mitangeklagten Freunden, die bei der Verübung der Tat 17 und 18jährige Lehrlinge waren, jeine Geliebte um= bringen wollte, weil sie sich von ihm Mutter fühlte. Die unglückliche Emma Busse wurde, nach dem Stubenrauch noch ein
malintim mit ihr verfehrt hatte, auf eine Mainbrüde unterhalb Frankfurts gelodt und dann gewaltsam ins Wasser ge= worfen.
Am ersten Tage des auf mehrere Tage berech neten Prozesses widerruft Stubenrauch seine Geständnisse.
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Der Prozeß beginnt mit der Vernehmung der Angeklagten über die Mordnacht auf der Mainbrüde. Stubenrauch behauptet, er sei von Emma Busse in den ersten Dezembertagen zu einer Zusammenkunft gebeten worden durch einen Brief, in dem es hieß: ,, Lieber Robert! Wir bekommen einen fleinen Robert... Bei der Aussprache habe er seiner Freundin gegenüber seine Baterschaft bestritten. In seiner Verzweiflung habe er sich dann mit seinen Freunden beraten. Arzt habe gesagt: „ Ach Quatsch. mach doch einfach Schluß." Er selbst habe nicht gewollt. Schließlich wurde verabredet, und das wird von feinem der Angeklagten geleugnet, daß man abends das Mädchen in den Main werfen wollte.
Als man sich dann nachts traf, wollen die Angeklagten angeblich Reue bekommen und sich verständigt haben, das Verbrechen nicht zu begehen.
Nun wird Stubenrauch in ein scharfes Kreuzverhör genommen. Der Staatsanwalt will feststellen, warum Stubenrauch ursprünglich ein Geständnis abgelegt habe.
Auf die Frage des Staatsanwalts, warum er in den Kassibern, die er seinen Freunden durchschmuggeln wollte, eine harmlose Darstellung
Der japanische Raubzug in Nordchina hat England, S. und Frankreich zu diplo matischen Vorstellungen in Tokio veranlaßt, die von den drei Botschaftern einzeln und gemeinsam bei dem Außenminister Uschi da angebracht morden find. Biel Bertrauen zum Erfolg dieser Mahnungen an feierlich geschlossene Verträge und Antifriegspatte wird man nach dem pollendeten Mißerfolg des Borgehens der Großmächte bei ben früheren Etappen der friegerischen Besetzung chi nesischen Gebietes durch die Japaner wohl faum haben. Der französische Sozialistenführer Léon Blum fordert tagtäglich im Bopulaire", daß Frankreich den japanischen Imperialismus var der Welt anprangere und alle Beziehungen zu einer derartigen Regierung abbreche. Aber dazu wird ein einzelner Staat nicht bereit sein, wenn nicht alle anderen das gleiche fun. In Wa=
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japanischen Vorgehens und würde Konferenzen mit den europäischen Mächten erst dann erwägen, wenn die fremden Niederlassungen in Tientsin und Peking bedroht werden sollten.
Bomben auf die Eisenbahn
Wie halbamtlich gemeldet wird, haben mehrere japanische Flugzeuge die Eisenbahnftrede Beling -Schanhaifman mit Bomben belegt, wobei sie an verschiedenen Stellen 3 er stört murde. Mehrere Bomben trafen einen chinesischen Transportzug. moburch zahlreiche Soldaten getötet und verwundet wurden.
über die Borgänge in der Mordnacht geben wollte, vermag Stubenraud) feine Antwort zu geben.
Nun erreicht die Vormittagsfihung ihren Höhepunkt. Bors:„ Warum sind Sie doch mit dem Mädchen auf die Brüde gegangen, obwohl Sie angeblich den nachmittags verabredeten Plan bereits aufgegeben hatten? Und warum sind Ihre beiden Freunde denn nachgefahren und Ihnen immer gefolgt bis zur Brüde? Warum ist das alles genau so geschehen, wie es in dem Plan vorgesehen war, obwohl Sie den Plan gar nicht ausführen wollten?"
Stubenrauch antwortet zögernd und stotternd:„ Ich weiß selbst nicht, wie wir an die Brücke gekommen sind. Ich war noch nie vorher dort. Arzt und Eich wollten vielleicht mal fehen, wie das nun ausging mit dem Mädchen."
Der Staatsanwalt hält dem Angeklagten Stubenrauch vor, daß er auch angesichts der ausgegrabenen Leichenreste des Mädchens seinen Mitangeklagten Arzt weiterhin belastet habe. Stubenrauch schweigt auf die Frage des Staatsanwalts: Wo haben Sie denn die Kraft her gehabt, an gesichts der Leiche des Mädchens noch zu lügen?" Nach der Mittagspause werden die beiden Mitangeklagten Arzt und Eich vernommen, die die Aussage Stubenrauchs beftätigen, also die gemeinsam verübte Mordtat bestreiten.
Am Freitag um 10 Uhr wird ein Lofaltermin stattfinden.
startem Bebauern davon Kenntnis genommen, daß die Leitung des Deutschen Theaters sich einschüchtern und ohne zwingenden Grund zur Absehung von Julius Hays Schauspiel Gott, Kaiser und Bauer" hat bestimmen lassen. Mit unserer Stellungnahme sind feineswegs berechtigte weltanschauliche Auseinandersetzungen gemeint. Der Rückzug der Bühnen leitung ist etwas anderes: er ist ein Ausweichen por der eigenen Berantwortung und bebeutet für die Zukunft eine Aufmunterung jener Clemente, die fich unbefugterweise in fünftlerische Angelegenheiten einmischen wollen."
Eduard Bernstein Kautskys letzter Abschiedsgruß Heute nachmittag merben bie Maffen der So zialdemokratischen Partei Groß- Berlins durch ihren
shington hat der Leiter der Asien - Abteilung Gegen Theaterreaktion imposanten Aufmarsch in Schöneberg noch einmal
des Auswärtigen Amtes den japanischen Botschafter aufgesucht, eine Unterredung diefer Per Noch einmal: Gott, Kaiser und Bauer sönlichkeit mit dem Staatssekretär Stimson steht benor. General McCoy, Mitglied der LyttonKommission, hatte eine Besprechung mit dem Präsidenten Hooper.
Die chinesische Regierung hat entgegen ihrer Anfündigung nun doch einen direkten Protest an Japan gerichtet und darin
Zurückziehung der Truppen, Bestrafung der japanischen Schuldigen an den Zwischenfällen der letzten Tage, Sicherung gegen fünftige Vorfälle dieser Art gefordert
und das Recht vorbehalten, Schadenersaz zu fordern.
Die Besetzung der sowjetrussischen Grenzstadt Progranitschna ja durch japanische Truppen wird nun durch eine Charbiner Reuter- Meldung bestätigt, in der behauptet wird, 3000 chinefische Soldaten hätten sich den japanischen Streit träften im östlichen Abschnitt der Ostchinabahn ergeben und darauf sei diese Stadt besetzt worden. Bis jetzt ist von einem sowjetrussischen Protest nichts bekannt.
Nach chinesischen Meldungen sind bei den Kämpfen in Shanhaifman 3000 chinesische Zivilpersonen getötet worden. 100 000 Personen sollen nach Süden geflohen sein.
Amerika greift nicht ein Washington , 5. Januar.
Es verlautet maßgebend, die amerikanische Regierung beabsichtige weder Truppen noch Kriegsschiffe nach Nordchina zu entsenden. Sie beschränke sich auf Mißbilligung des
Margarinekrieg gegen das Volk Geffentliche Protestkundgebung der Frauen
am Montag, dem 9. Januar, 19.30 Uhr, im Großen Saal des Saalbaus Friedrichshain . Rednerin: Reichstagsabgeordnete Mathilde Wurm . Protestiert mit uns gegen die Aushungerung des Volkes! Eintritt frei!
gegeben:
das Andenken Eduard Bernsteins ehren. Aus Wien erhalten wir zu dieser Feier dieses Telegramm:
Dem unvergeßlichen Freund und Kampfgenossen legten Abschiedsgruß. Karl und Luise Kautsky .
Nazis ,, kämpfen" in Lippe- Detmold
Brutale Gewalt und SA.- Terror
Eigener Bericht des Vorwärts"
Detmold , 5. Januar. Für die letzten 14 Tage des Landtagswahl. tampfes, an dem sich auch Hitler , Goebbels , Frant II, Rosenberg und zahlreiche andere Nazigrößen mit einer großen Zahl von Versamm lungen beteiligen, haben die Nazis in das fleine Land Lippe( 165 000 Einwohner) einige tausend auswärtige SA. und SS.. Leute einquartiert. Das hat bereits zu Zusammenstößen mit der ruhigen lippischen Bevölkerung geführt. In den Städten werden Mitglieder der Eisernen Front, die das Pfeilabzeichen tragen, von Hitlers Privatarmee angepöbelt. In Lemgo maßte sich die auswärtige Hitler - Truppe Polizeigewalt an. In Trupps von 15 bis 20 Mann durchziehen die Braunhofen die Straßen, Gummifnüppel und Riemenzeug schlagbereit in der Faust, und tommandieren: Straße frei!" Wiederholt fam es bei solchen Anlässen zu Zusammenstößen. Als einige Passanten dem Befehl" nicht sofort Folge leisteten, rief einer der Nazis: Schlagt bie Hunde nieder!" Schließlich mußten die Angegriffenen der Uebermacht weichen und wurden bis zur Polizeimache verfolgt. Ein anderer Bassant, der über das Gehaben der Nazis lächelte, wurde angebrüllt: Was. Sie lachen über uns? Sehen Sie zu, daß Sie feine in die Freffe triegen!" Selbst Frauen wurden angepöbelt.
Auf Grund diefer Borfommnisse hat die Landesregierung mit fofortiger Wirkung gemäß Art. 123 Abs. 2 der Reichsverfaffung ein Berbot für alle Demonftrationen und Bersamm.
lungen unter freiem Himmel für den Bereich des Freistaates Lippe erlaffen. Bei einer Verschärfung der Lage ist nach der Berordnung der Landesregierung mit weiteren Eingriffen zu rechnen.
Die Polizeibehörden sind angewiesen, schärfstens durchzugreifen, wenn parteipolitische Formationen oder deren Mitglieder sich polizeiliche Befugnisse anmaßen.
Jugendgenoffe erstochen!
Neuer Nazi- Mord in Breslau Eigener Bericht des„ Vorwärts" Breslau , 5. Januar Um Donnerstagabend gegen 21 Uhr wurde im Norden Breslaus am Waschteich eine Gruppe von Mitgliedern der Sozialistischen Arbeiterjugend von politisch Andersdenkenden, vermutlich Nationalsozialisten überfallen. Es tam zu einer schweren Schlägerei, in deren Berlauf der jugendliche der SAJ. angehörige Arbeiter Frih Hanisch einen Messerstich in die Halsgegend erhielt.
Der schwerverlette Hanisch wurde sofort in das Allerheiligenhofpital übergeführt, wo er furz nach seiner Einlieferung verstarb.
Das Ueberfallfommando nahm zahlreiche an den Auseinandersetzungen beteiligte Personen fest und führte fie zweds Bernehmung der politischen Bolizei zu.