Abberufung Poelzigs abgelehnt
Eine Ohrfeige für den Nationalistenklüngel
Der Kampfbund für deutsche Kultur , eine deutschnational nationalsozialistische Organi sation, hatte im Berfolg der Aktion der deutschnationalen Landtagsfraffion in einer Eingabe die fofortige 2b berufung von Professor Boel. zig als Leiter der Bereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst verlangt. da feine Berufung eine Herausforderung aller beutsch denkenden Künstler" sei. Das veranlaßt Reichs= fommissar Professor Dr. Kähler zu einem Schreiben, in dem die Abberufung mit folgender Begründung abgelehnt wird:
Bei der Berufung zu einem wichtigen Amt, mie es die Leitung der Vereinigten Staatsschulen darstellt, ist das Urteil über die Gesamtpersönlichfeit ausschlaggebend. Ich habe besonderen Wert darauf gelegt, einen Mann zu berufen, dessen Schaffen in der deutschen Kunst wurzelt und der feine Befähigung als Lehrer und Leiter von Sunstschulen erwiesen hat. Was die künstlerische
fall zu verteidigen", General Ludendorff wisse das ganz genau und habe es auch in einer besonderen Schrift enthüllt, nämlich
die Verschwörung im Odd Fellow= Palast zu Kopenhagen im Jahmejahr 1910. Von deutscher Seite waren die Brr. Freimaurer Ebert, Scheide mann und andere Prominente vertreten. Hier murde ihnen die Aufgabe zudiftiert, den Kriegsausbruch zu ermöglichen, die Volksverteidigung zu sabotteren".
Ebert und Scheidemann sind niemals Frei maurer gewesen; auch hat keiner von beiden jemals den Logenpalast in Kopenhagen betreten; niemals( außer vielleicht in Irrenhäusern) sind irgendwo Beschlüsse gefaßt worden, wie sie der General Ludendorff enthüllt".
Gesinnung Poelzigs angeht, so ist in der Deffent Chronik deutscher Treue
lichkeit schon mehrfach darauf hingewiesen worden, daß bereits Moeller van den Brud Teine nationalsozialistische Autorität) Poelzig neben Peter Behrens als einzigen Baukünstler be= handelt hat, der heute den„ preußischen Stil" in seinem Schaffen verförpere. Auf der gleichen Linie liegen die Urteile über die kürzlich von der Akademie der Künste veranstalteten Poelzig - Ausstellung. Was schließlich die pädagogische Eignung angeht, so ist Poelzig bereits im Jahre 1902 auf Grund seines tünstlerischen Rufes von dem damaligen König von Preu Ben mit der Leitung der Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau betraut worden. In vierzehnjähriger Tätigkeit hat er diese Anstalt durch seine Fähigkeiten zu großem Ansehen gebracht und darüber hinaus das ganze Kunstleben in Schlesien gefördert. Allein schon diese frühere Bewährung würde Professor Poelzig auch für sein neues Amt als Leiter der Vereinigten Staatsschulen besonders geeignet machen. Seit 1920 übt er seine Lehrtätigkeit an staatlichen Hochschulen in Berlin aus. Somit hat er in nicht viel weniger als drei Jahrzehnten preußischen Staatsdienst es feine Eignung hinlänglich bewiesen. Wenn in einer Besprechung der Ausstellung Boelzig und seine Schule" unter vielen ähnlichen Aeußerungen auch und gerade auf feiten Der rechts stehenden Bresse gesagt wird: Hier läßt wirklich einmal ein Meister seine Schü ler nicht nur an seiner Arbeit, sondern an seinem Erfolg teilnehmen. Er beweist damit auf das schönste, daß er nicht nur ein akademisch bestellter Lehrer, sondern ein Führer mit innerem Auftrag ist, so steht dies in scharfem Widerspruch zu der Behauptung der Beschwerdeschrift, die Ernennung Boetzigs sei eine Herausforderung aller deutsch dentenden Künstler."
Mit derselben Deutlichkeit, mit der bereits Professor Boelzig die Schamlosigkeiten des Nationaliftenflüngels fennzeichnet, wird hier von einer Regierungsstelle, die Fleisch vom Fleisch der Deutschnationalen ist, bestätigt, daß deutschnatio nale und nationalsozialistische Politiker an ver antwortlicher Stelle mit dem Begriff deutsch "
Schindluder treiben, um eine Persönlichkeit von nicht nur internationalem, sondern auch verant mortlichem Ruf in nationalem Sinne zur Strecke zu bringen.
Der Gesamtsenat der preußischen Akademie der Künste teilt mit:
Der Gesamtetat der preußischen Akademie der Rünste hat in einer heute( Mittwoch) auf beson deren Wunsch des Präsidenten Mag von Schillings anberaumten Sigung Profeffor Hans Poelzig , der vor einigen Tagen sein Amt als stellvertretender Präsident der Akademie niedergelegt hat, wiedergewählt. Der Senat münscht damit zugleich zum Ausdruck zu bringen, daß er für Poelzig eintritt gegenüber den in der Deffentlichkeit gegen ihn erhobenen Vorwürfen und besonders gegen die Unterstellung, er allein trage die Verantwortung der Veranstaltung der bel gischen Ausstellung. Diese Ausstellung ist bereits im April vorigen Jahres noch unter Mag Liebermanns Präsidentschaft prinzipiell und im Novem ber vorigen Jahres in der ersten von Mar non Schillings geleiteten Gesamtakademiefizung endgültig beschlossen worden. Präsident von Schillings hat sich Professor Poelzig mit Entschieden heit zur Seite gestellt und erklärt, daß er selbst die Berantwortung für die belgische Ausstellung trage.
Enthüller Ludendorff Oder : Meschugge ist Trumpf Genosse Philipp Scheidemann schreibt uns: Im Ludendorff- Berlag erscheint als Wochenblättchen auch sogenanntes Bolts. gericht". Bon der Existenz dieses Papiers haben mir nur durch einen glücklichen Zufall Renntnis erhalten. In der uns zu Gesicht getommenen Nummer wird ein Trommelfeuer gegen die Sozialdemokratie veranstaltet.
ein
Die freimaurerischen Arbeiter"-Internationalen, heißt es dort, hätten schon 1906 in Stuttgart beschlossen, daß die Wehrmacht des deutschen Volkes sabotiert werden müsse; das deutsche Volk müsse unfähig gemacht werden, sich ..gegenüber dem von Rom - Juda geplanten Ueber
Wer bekämpfte wen
- wann wo?
-
Für den Schulunterricht kommender Generationen sei hier versucht, eine Chronik der„ Einigfeit" im nationalen Lager aufzustellen, aus der zugleich die unwandelbare Treue deutscher Recen von Mann zu Mann zu ersehen ist.
Herbst 1931: Hugenberg und Hitler gründen die Harzburger Front gegen Brüning Groener. Schleicher als Groeners Stabschef
und von Papen als Zentrumsabgeordneter kämpfen im Lager Brünings gegen Hugen berg und Hitler .
Frühjahr 1932: Schleicher stürzt seinen Vorgesezten, den Reichswehrminister Groener.
Juni 1932: von Papen und Schleicher stürzen nach Verständigung mit hugen berg und Hitler das Kabinett Brüning. Von Papen wird Reichskanzler. Reichstagsauflösung gegen Links und Mitte.
Juli 1932: Nach anfänglicher Gefolgschaft distanziert sich Hitler von dem Kabinett von Papen. Reichstagswahlen bei ungeklärter Konstellation.
August 1932: Hitler verkracht sich endgültig mit von Papen. Er tritt in scharfe Opposition zur Regierung von Papen, jedoch mit Ausnahme des Reichswehrministers Schleicher, der eifrig von ihm ummorben wird. Hugenberg unterstützt von Papen.
September 1932: Unter Führung des Nazipräsidenten Göring beschließt der Reichstag mit erdrückender Mehrheit ein Mißtrauensvotum gegen von Papen, für den allein die Deutschnationalen ftimmen, während gleichzeitig von Papen ben Reichstag gegen die Nationalsozialisten auflöſt::
Oftober 1932: Hugenberg und Hilter liefern sich einen furchtbaren Wahlkampf, Saalschlachten zwischen Stahlhelm und SA , fyftematische Sprengung deutschnationaler Bersammlungen durch Nationalsozialisten.
November 1932: Schleicher stürzt von Papen und wird an dessen Stelle Reichskanzler. Es ge lingt ihm, Gregor Straßer von Hitler zu trennen. Straßer ist für Unterstützung Schleichers durch die NSDAV.
Dezember 1932: Jm Reichstag weicht die Hitlerpartei dem offenen Kampf gegen Schleicher aus
Sturmreif
VIMILIS
www
,, Ich begreife nicht. Sonst war ich doch gerade der Fachmann im Minenkrieg."
und strebt nach Bertagung des Konflikts, da sie Wahlangst hat. Hugenbergs Partei auf feiten
Schleichers.
Anfang Januar 1933: Hitler verbündet sich in Köln mit Herrn von Papen gegen Schleicher und schafft so ein Gegengewicht gegen die Konstellation Schleicher Straßer.
Ende Januar 1933: ugenberg, bisher Schleichers einzige parlamentarische Stüße, sagt der Regierung Schleicher den Kampf an, so daß jetzt gegen Schleicher die Konstellation Hugenberg hitler Papen steht..
Februar 1933:.( Scharfsinnige Leser mit guter Kombinationsgabe können die Februarkonstellation im voraus sagen, indem sie aus den bisherigen Konstellationen die wenigen noch nicht verwirklichten Gruppierungsmöglichkeiten ableiten ,. die nunmehr herankommen müffen.)
Jedenfalls ist die fonsequente Fortführung des nationalen Einheitsturses in absolut geradliniger 3idzadkurve und bei unverbrüchlicher Mannes treue der leitenden Personen gegeneinander gewährleistet.
Lettische Willkür Entrechtung der Minderheitsvölker
Eigener Bericht des ,, Vorwärts" Riga , 25. Januar. Den höheren Schulen der Minderheiten will man, wie aus einer Anfündigung der Regierung hervorgeht, die staatlichen Zuschüsse ent ziehen. Die allgemeine Unterrichtssprache für Schüler aller Nationalitäten habe lettisch zu sein. Es stehe den Minderheiten frei, ihre Kinder
Kein Geld für Invaliden!
Die Not der Sozialrentner
Der Sozialpolitische Ausschuß des Reichstags trat am 25. Januar in die Beratung der Beseitigung von Härten in den Notverord= nungen ein, someit es sich um die Unfall- und Invalidenversicherung handelt. In einem umfassenden Antrag der sozialdemokra tischen Frattion murde als vordringlich verlangt:
die volle Gleichstellung der Wegunfälle mit den Betriebsunfällen wiederherzustellen; die Kleinrenten wieder zu gewähren; die Kürzung der Unfallrenten aus der BO. vom 14. Juni 1932 aufzuheben; die verschiedene Behandlung der Unternehmer gegenüber anderen Versicherten zu beseitigen; in der 3B. die Afters witwen renten wieder aufleben zu lassen; in der Unfall, Invaliden und knapp schaftsversicherung die kürzungen der Leistungen durch die BO. vom 14. Juni 1932 aufzuheben; Kindergeld und Waisenrenten bis zum vollendeten 18. Lebensjahr zu gewähren; in der Invaliden- und Angestelltenversicherung die Zufahrente wieder herzustellen.
Abg. Karsten( S03.) gab ein Gesamtbild über das furchtbare Elend der Sozialrentner und erklärte es als unerträglich, daß auch weiterhin für die unbegrenzte Reichshilfe an die Großagrarier einerseits, an die armen Sozialrentner andererseits für die Prüfung der Hilfs. Der bedürftigkeit zweierlei Maß gelten foll. Wiederaufbau der Sozialversicherung fann nicht ausschließlich aus Beiträgen bewältigt werden, das Reich muß seine soziale Pflicht erfüllen,
In der Einzelerörterung protestierte der Redner
gegen die Bestimmung, monach die noch durch Rebenarbeit trantenversicherungspflichtigen Inva liden im Falle der Erkrankung ihrer Invaliden rente verlustig gehen. In der IB. müssen jetzt 250 Pflichtbeiträge entrichtet sein, um Rentenansprüche geltend zu machen. Früher ge= nügten 200 Beiträge, davon 100 Pflichtbeiträge. Erst am gestrigen Tage hat das Reichsperficherungsamt nach dieser Berordnung einer invaliden Witwe die Rente verweigern müssen, obwohl der verstorbene Mann Invalidenrente erhalten hatte. Die Witme bekommt aber feine Rente, meil der Mann nur 214 Beiträge geleistet hat.
Schmidt( Dnat.) erklärt, seine Fraktion merde für alle fozialdemokratischen Anträge stimmen, um dann bei der Deckung der Lasten eine Neuregelung im Sinne seiner Partei erzwingen zu können. Schwarzer( B. Bp.), be= zeichnet diese Haltung der Deutschnationalen als Katastrophenpolitik.
Nach weiterer Debatte gibt Frau Teusch( 3.) vor den Abstimmungen die Erklärung ab, daß fich Zentrum und Bayerische Volkspartei mit Ausnahme von den von ihnen gestellten Anträgen an den Abstimmungen nicht beteili gen werden.
In der Abstimmung wurde dann mit den Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten der weitest gehende Antrag angenommen, durch den generell alle Verschlechterungen aus der Notverordnung aufgehoben werden sollen. Die bürgerlichen Barteien haben sich größtenteils der Abstimmung enthalten. In einem weiter angenommenen Antrag wird die Regierung auf: gefordert, einen Gesezentwurf vorzulegen, der die Beteiligung der Arbeitnehmer in den Berufsgenossenschaften sicherstellt.
in Privatschulen zu schicken, die sie aus eigenen Mitteln unterhalten müßten!
Noch schärfere Maßnahmen gegen die verfassungsmäßig verbürgten Rechte der Minderheiten will man durch- Notverordnung oftronieren!
Warschauer Alarm
Gegen Hegemoniepakt Eigener Bericht des Vormärts"
Warschau , 25. Januar. Der vom Journal de Genève" miedergegebene angebliche englische Plan eines Viermächte. blods zwischen England, Frankreich , Deutsch land und Italien mit ausgesprochener Hege= monieftellung in Europa ruft hier größte Beunruhigung hervor, vor allem deshalb, weil daran auch Deutschland teilnehmen soll. Die Presse zeigt große Aufregung und halbamtlich wird be= tont, daß diese Aktionen der betreffenden Großmächte von der polnischen Vertretung in Genf mit größter Aufmerksamkeit verfolgt werden. Weiter erklären die Blätter, daß Polen fich einem solchen Blan mit aller Energie widersezen merbe. Außenminister Be d werde bei paffender Gelegenheit in Genf entschieden dagegen auftreten. Wenn auch die Möglichkeit der Durchführung diefer Idee nur mit größter Stepsis aufgenommen merden müßte, so verdiene fie doch Beachtung. So meint die halbamtliche ,, Gasetta Bolsta", meil für England die Möglichkeit, an der Spize der vier Großmächte die Stellung eines Schiebsrichters in Europa einzunehmen, eine starte Berlodung fei. Die Verwirklichung dieses Planes sei aber trotzdem zweifelhaft, denn er trage nicht der Existenz von Amerika , Japan , Sowjetrußland und anderer Mächte Rechnung, und meil er wohl nicht den Interessen aller vier Teilnehmer entsprechen würde.
*
In Polen ist man stets sehr mißtrauisch gegen jede Idee, die Polen vielleicht den ständigen Bei stand Frankreichs entziehen könnte. Ueberdies will man durchaus Großmachtstellung haben. Bei alledem sollte man aber doch nicht so weit gehen, sich auf die Nichteinbeziehung außereuropä= ischer Staaten und des Sowjetreiches in eine me st europäische Gruppierung zu berufen! Speziell Rußland dürfte nicht darauf angewiesen jein, seine Interessen durch Polen vertreten zu lassen.
Klaggestan
Zustände im Naziparadies Eigener Bericht des Vorwärts" Braunschweig . 25. Januar. Die sozialdemokratische Fraktion hat am Miffwoch folgende Anfrage eingebracht:
Ruhe und Ordnung sind im Freistaat Braun schweig empfindlich gestört, seitdem Minister & lagges für die öffentliche Sicherheit verantwortlich ist. Ueberfälle von Nationalsozialisten auf politisch Andersdenkende sind keine Seltenheit. Mordtaten häufen sich in erschreckender Weise, ohne daß auch nur in einem Falle ein Täter zur Verantwortung gezogen ist. Sprengstoff- Attentate, die Leben und Eigentum friedlicher Einwohner in Gefahr brachten, find bis zum heutigen Tage nicht gefühnt, obwohl die Täter seif Monaten bekannt sind. Die Erregung über das passive Berhalten der zuständigen Stellen ist noch gefteigert durch die Tatsache, daß zwei von den verhafteten Nationalsozialisten, die an den Sprengstoff- Attentaten entweder beteiligt waren oder darüber wußten, sich einer 2burteilung durch die Flucht entziehen konnten. Wir fragen: 3ft das Staatsministerium endlich bereit, Polizei und Staatsanwaltschaft zur energischeren Berfolgung des politischen Berbrecherfums im Lande Braunschweig anzuhalten?"