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Nr. 4.

Hamburg, den 24. Januar 1891.

1. Jahrg.

Die Arbeiterin

Zeitschrift

für die Interessen der Frauen und Mädchen des arbeitenden Volkes.

ersichergan aller auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Vereinigungen der Arbeiterinnen. Eintracht macht stark Bildung macht frei!-

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Redaktion: Emma Jhrer, Velten ( Mark).

Erscheint wöchentlich einmal und zwar am

Sonnabend.

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Expedition und Verlag: E. Jensen& Co., Hamburg , 35 Rosenstraße.

Annoncen pro Zeile 20 Pfennig. Vereine erhalten Abonnement pro Vierteljahr 1 Mark, Einzelnummer Rabatt. 10 Pf. Direft per Kreuzband Mr. 1,40.

reunde und Freundinnen! Sorgt für die Verbreitung der Arbeiterin!

ersucht, Die Lebensmittelzölle.

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( Fortsetzung.)

Gestern erhielt ich aus dem Leobschüzer In den ländlichen Bezirken Sachsens ist die Kreise einen Brief, worin ich gebeten wurde, hier Noth so groß, daß die Kinder über die öster­mitzutheilen, in welcher geradezu unglaublichen reichische Grenze nach Troppau und Jägerndorf gitator So viel Frauenzeitungen wir auch zur Hand Lage sich die dortige Arbeiterbevölkerung in diesem geschickt werden, um von dort das zollfreie ns der nen, wir finden nicht eine einzige, welche sich meist dem. Großgrundbesitz verfallenen Kreise be Quantum Mehl für ihre Eltern einzukaufen. Die für die obiger Frage beschäftigte. Sollten sich die findet. Seit dem 1. Oktober erhielten die Ar- Kinder werden sogar unter unrichtigem Namen gepflegt teenannten guten deutschen Hausfrauen beiter täglich ausschließlich der Kost 40 Pf., im über die Grenze geschickt, da die Zollbehörde nur chaftliche nie darum bekümmert haben, was Brod, Sommer 60 Pf., allerdings sind einige Feßen für jede Familie einzeln das Recht auf den Be fultivisch gekostet hat, was es jest toftet und woher Land dabei und Wohnungen, aber welche zug eines gewissen Quantums Mehl gelten lassen ner Kont diese übergroße Theuerung kommt? Wohnungen! 1872 auf der Konferenz der länd- will, dessen Preis in Desterreich auf 6 Pfund aftstong Nun es liegt ihnen allerdings auch nicht so lichen Arbeitgeber in Berlin erklärte Herr von schon um 20 Pf. billiger it, als auf deutschem tion, be wie den Frauen der Arbeiter, denen nur Göben, zahlreiche Großgrundbesißer machten für Gebiet. In welchem Maße unsere Wirthschafts­ufordern Iben knappen Mittel zur Verfügung stehen ihre Schweineställe größere Aufwendungen als politik eine Klaffenpolitik ist, zeigt der Ertrag der zahlen. vor der Theuerung. Wenn die Bürgersfrau für die Arbeiter. Im Wahlkreise des Herrn v. Getreidezölle, der im vorigen Jahre 100 Millionen möglich auskommt mit dem Wirthschaftsgeld, so muß Kardorff erhielten die Arbeiter täglich 50 Pf. im Mark ausmachte, und der Umstand, daß solche iffion i fenden Mann dasselbe eben erhöhen. Ebenso ist es Winter und 75 Pf. im Sommer. Die Wohnungen indirekten Abgaben die zahlreicheren Familien sten" aben höheren Beamtenkreisen, wo gleich bei im Leobschußer Kreise sind so niedrig, daß es ein besto härter treffen, also geradezu wie eine Kopf­lat 2, ng der Theuerung Gehaltszulagen verlangt Wunder ist, daß Amtsvorsteher und Polizei der steuer wirken. Die Einnahmen des Reichs aus auch gegeben wurden. Anders verhält es artige Wohnungen überhaupt zuließen. Im Osten den Kaffeezöllen betrugen im letzten Jahre dagegen in der Familie des Arbeiters. Wohl ist es nicht anders. Nach dem Bericht eines 4514 Millionen, die aus den Tabakszöllen 1412 hier und da die Löhne ein wenig in die Medizinalbeamten in Gumbinnen ist die Entstehung Millionen, die inländische Tabakssteuer 1012 Mil­schuß gegangen, als Erfolg schwerer und harter von Infektionskrankheiten auf den schlechten Zu- lionen, die Salzsteuer 41 Millionen, die Brannt sonen, fpfe, welche die Familien standhaft ertragen stand der ländlichen Wohnungen zurückzuführen. weinsteuer 129 Millionen, die Biersteuer 23 Mil­jung sun in der Aussicht auf Besserung ihrer Lage. Diese Zustände erwecken die Unzufriedenheit der lionen, die Viehzölle 5 Million, der Reiszoll diese Lohnerhöhungen betragen nicht so viel, Arbeiter und erzeugen eine förmliche Völker 32 Million. Alle diese Einnahmen treffen nn die einen Ausgleich gegenüber der Vertheuerung wanderung von Osten nach Westen, nach den gleichfalls vorzugsweise die ärmeren Klassen. Ein fein, Reebensmittel herbeiführen zu können. großen Industriebezirken, was ein immer neues Regierungssystem, daß auf eine solche Zollpolitik Uebersch Sie ist es nun erst um die alleinstehenden Sinken der Löhne zur Folge hat. Glücklicher gegründet ist, kann von den arbeitenden Klassen en und Mädchen bestellt, die keiner Organi weise fängt es auch bei der Landbevölkerung an nicht mit Freude begrüßt werden." angehören, deren Löhne von Jahr zu Jahr zu dämmern, und die Religions- und Sittlichkeits- Troß der Entgegnung des Ministers, der hter werden, weil sie selbst allein nicht im wächter können die Bewegung nicht länger aufzugab, daß es nothwendig sei, eine Entlastung ing. be sind, für eine Besserstellung einzutreten? halten. Jene, für die Religion und Sittlichkeit der armen Bevölkerung herbeizuführen, wurde der Zeit Bet Nahrung ist durch die Vertheuerung noch eins ist, behaupten, wir zerstörten die Religion. Antrag auf Aufhebung der Zölle abgelehnt! Frl. Wer geworden; sie müssen vielfach auch auf Für uns find Religion und Sittlichkeit zwei ver Hatten doch die Großgrundbesißer in ihrer einmalige warme Rost am Mittag verzichten schiedene Dinge,-man kann auch ohne jegliche Presse wie in Versammlungen und im Reichstag mm. Salich nur mit Kaffee, der nur den Namen Religion höchst sittlich sein! Wäre ich Großgrund- sich in jeder Weise gesträubt, in eine Ermäßigung 1, da mben führt, und einem Schmalzbrod dazu be befizer, so würde ich es mit Religion und Sitt oder gar Aufhebung der Getreidezölle zu willigen lichkeit nicht vereinigen können, für die Viehzölle, und sie haben es durchgesezt. Die Millionäre ist dies aber nicht allein eine Schmälerung Lebensmittelzölle und Zuckerprämien zu stimmen! find wieder einmal durch das Volk vor dem othwendigsten Lebensmittel, sondern zugleich Wie traurig es mit der Sittlichkeit auf dem Lande drohenden Bankerott" gerettet. Nun, haben wir diese Lebensweise schädlich auf die Gesund steht, müssen sogar unsere Gegner selbst bekennen. Frauen auch heute noch kein Wahlrecht, so werden einwirken und dadurch noch eine weitere In der Diözesanversammlung in Grimma sagte wir es doch als unsere Pflicht erachten müssen, zung der ohnehin schon kurzen Lebenszeit Dr. v. Wächter über die Verhältnisse der arbei soweit es in unseren Kräften steht, dafür einzu­führen. Andererseits muß eine solche noth- tenden Bevölkerung daß als hochbedenklich für die treten, daß in Zukunft nur solche Volksvertreter gene schlechte Lebensweise natürlich auch Sittlichkeit des weiblichen Theils der Arbeiter gewählt werden, welche nicht das persönliche le geistige Beschaffenheit des Menschen ein auf dem Lande, die Herren Großgrundbesizer, Interesse oder das ihrer Klasse, sondern das der Jorteur und diese auf die tiefste Stufe herabdrücken. deren Beamte und zur Mannöverzeit die Herren großen Masse des Volkes vertreten. diese hungernden und in jeder Weise ge- Offiziere wären! Die Heuchelei ist auf keinem Auch die nun in Folge der amerikanischen m Wesen nicht Antheil nehmen an geistigen Gebiete so groß, wie auf dem der Moral und Zölle, die wiederum eine Folge der deutschen iefern wissen, so ist das eben die natürliche Folge Religion. 5 Grem niedrigen Lebenshaltung! Schutzzölle sind, eingetretene Arbeitslosigkeit wird Die Lebensmittelzölle können in keiner Weise hoffentlich mitwirken, den Arbeiterinnen die Augen rtal der vorigen Nummer hatten wir in einem den Verfall des Kleinbauernstandes aufhalten, zu öffnen. Angeblich um die inländischen Erzeug­er diesma Bericht über eine Bolfsversammlung bereits da dieselben nur den Großgrundbesitzern zu Gute nisse vor Konkurrenz zu schüßen, erschwerte man heilt, daß die sozialdemokratische Fraktion kommen, ebenso wenig wie die Innungspolitik im die Einfuhr der fremdländischen Erzeugnisse, in­zur Antrag auf Aufhebung aller Lebensmittel Stande ist, den Verfall des fleinen Handwerker- dem man diese mit hohen Zöllen belegte und die nbringen werde. Wir bringen in Folgendem ſtandes aufzuhalten. Die 94 Prozent der Be Ausländer zahlten mit gleicher Münze, indem sie Auszug aus einer Rede des Reichstags- völkerung, deren Einkommen unter 1500 Mart auf die Einfuhr der deutschen Erzeugnisse einen Expeditoneten Bebel, welche er bei der Berathung ist, tragen die Lasten dieses indirekten Steuer- eben so hohen 3oll legten. Die Textil- und trages hielt; er sagte unter Anderem: systems. Konfektionsbranche haben ganz besonders darunter

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