Ausständigen verhindern jede Arbeit, gleichwohl erklären die Arbeitgeber, daß fie nicht nachgeben werden. Als Grund der zwischen den jetzt Ausständigen und den Arbeitgebern bestehenden Differenz wird angegeben, daß die Arbeitgeber ein dauerndes Arbeiterpersonal für einen Lohn von 30 Shilling die Woche und für den Mann haben wollen, anstatt eines tageweise angenomme nen Bersonals, deffen Wochenlohn 311/2 Shilling betragen würde. Die Tabakarbeiterinnen in Havre haben den Ausstand erklärt; fie verlangen einen Lohnzuschlag von 1 Fr., d. h. einen Gesammtlohn von 6 Fr. Alle Arbeiter der Glashütten, deren Mittelpunkt Carmaur ist, stehen jetzt aus.

Vereine und Derfammlungen.

Frankfurt a. M.

Deffentliche Boltsversammlung für Männer und Frauen. Eine wadere Borkämpferin für die Sache bes Proletariats hatten wir gestern Abend Gelegenheit zu be= grüßen und ihren Worten zu lauschen. Frl. Wabniz aus Berlin , welche sich zur Zeit auf einer Agitationsreise in dem Süden Deutschlands befindet, sprach im Meriansaal über das Thema: Die Frau in der Induftrie". Wir berichteten über dieses Thema schon häufig und können auch des beschränkten Raumes wegen nur den folgenden Zwischenfall, der für die Ge feteskenntniß der Frankfurter Behörden spricht, anführen. Die Rednerin sagte nach einer lebhaften Schilderung der Ausbeutung der Frauen und Kinder etwa Folgendes: Wir haben Rechen­schaft abzulegen über solche Zustände; aber nicht vor einer himmlischen Gottheit, das mag alauben wer will, sondern vor unferer Vernunft, unserem Gewissen. Wir glauben, daß einer Staatsregierung nicht darum zu thun sein kann, daß solche Zu­ftände um fich greifen.( hier erhob sich der über= wachende Beamte und verkündete, daß, wenn die Rednerin so fortfahre, er die Verfammlung auf: Iöfe. Unwillige Zwischenrufe.) Rebnerin fortfahrend: Meine legten Worte waren: Daß es feiner Staatsbehörde barum zu thun fein könne, daß solche Zustände herrschen. merken Sie fich biefelben genau, ich verantworte Alles, was ich gesprochen habe, ich werde mich aber danach richten, daß ich in Frankfurt a. M. und nicht in Berlin bin.( Stürmischer Beifall.) Rednerin be= endete dann ihren Vortrag unter großem Beifall. In der hier­auf folgenden Diskussion baten Fran Hoffmann, Frl. Jäkel und Frau Heim, die Worte der Rednerin zu beherzigen und endlich bie Frauen durch die Organisation zu vereinigen. Genoffe Diener brachte die von ultramontaner Seite in Szene gefeßte Bewegung in der Schul- und Frauenfrage zur Sprache und schloß sich im Wesentlichen den Ausführungen der Vorrednerin an. Folgende Resolution wurde mit zur Debatte geftelt:

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Die heute Abend im Meriansaal" stattgefundene öffentliche Versammlung für Männer und Frauen erklärt fich mit den Ausführungen der Referentin einverstanden und beschließt, in Erwägung, bak durch die heutigen wirth­schaftlichen Verhältnisse die Frau gezwungen wird. dem Manne Konkurrenz zu machen, und daß eine Befferstellung der gesammten arbeitenden Bevölkerung nicht erreicht wird, bevor eine völlige wirthschaftliche Gleichstellung beider Ge­schlechter eintreten wird; in weiterer Erwägung, daß heute noch sehr viele Arbeiter in der Frau ein nicht gleichberech tigtes Wesen erblicken, mit allen Kräften dafür einzutreten, baß solche Vorurtheile beseitigt werden und hier eine lebens­fähige Arbeiterorganisation zu Stande kommt."

Da sich weiter Niemand mehr zum Worte meldete, so erhielt Frl. Wabnik nochmals das Schlußwort, worin sie den Bildungs­brang ber Arbeiter erwähnte, welcher ganz besonders gegen die Rnüppelgarden eines Jskraut 2c. erheblich absteche. Lebhafte Bravos folgten auch diesen Ausführungen. Hierauf wurde die Resolution einstimmig angenommen. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung wurde dem Vorschlage des Genoffen Bertram ge­mäß eine neungliederige Kommission, bestehend aus sechs Damen und drei Herren, zur Aaitation unter den Arbeiterinnen gewählt. Unter Berschiedenes" tam Genoffe Emmel auf den oben er­wähnten Zwischenfall zu sprechen, er verurtheilte das Vorgehen des Polizeikommissars als mit den Gefeßen unvereinbar. Dies ging jedoch unserer Polizei­größe über den Horizont; in seiner ganzen Größe erhob er sich und löste die Versammlung auf. Wie ein Funte ins Bulverfaß, so wirkte die Auflösung. Brausende Sochruie auf die Sozialdemokratie erfolgten und unter Absingen bes bekannten Liebes Wohlan, wer Recht und Wahrheit achtet" verließen die Anwesenden den Saal.

Berlin .

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Die fechfte öffentliche Kellnerinnenversammlung fand in der Nacht vom 9. zum 10. Oktober unter dem Vorsitz der Frau M. Rohrlack statt. Es waren ungefähr 200 Herren und 40 Damen anwesend. Infolge polizeilicher Maßnahme war es den nach 12 Uhr Kommenden nicht möglich, sich an der Ver­sammlung zu betheiligen, obgleich der Raum noch mindestens 100 Personen mehr faßte als anwesend waren. Unter den nicht Bugelaffenen befanden sich viele Kellnerinnen. Dr. Pinn, welcher das Referat übernommen hatte, wandte sich zunächst gegen den bezüglich ber Kellnerinnen in der Volks- Tribüne" gefallenen Ausdruck ,, Lumpenproletariat". Es könne das nur in Bezug auf die Art der Besoldung gemeint sein, und in Be­zug hierauf gäbe es keine Lumpenproletarier. Barum nenne man denn die Schauspielerinnen und Konfektioneusen nicht auch Lumpenproletarier, welche vielfach, um sich erhalten zu können, ihren Leib unter irgend einer Form verkauften? Der Redner tritifirte dann die kapitalistische Gesellschaft und speziell die Ausbeutung der Kellnerinnen durch Wirthe, Gäste und Kom­missionäre, und meinte, es wäre für die Kellnerinnen beffer, fich einem anderen Berufe zuzuwenden, z. B. dem der Dienst­mädchen oder Geschäftsdamen. Vor allen Dingen möge man aufklärend unter ihnen durch Verbreitung von Flugblättern, Broschüren und durch das mündliche Wort wirken. Die Ver allgemeinerung der in einzelnen Restaurants mit Damenbedienung herrschenden Anständigkeit müffe erstrebt werden. An der regen Diskussion nahmen Theil die Herren Suth, Stabernad, Rohr lad, Störenberg, Mantewitsch( cand. phil.), Pötsch, Ritter, Boom, Lippmann, Fräulein Dmoch und Frau Reißner. Herr Suth meinte, der Tag des Todes der kapitalistischen Wirth­schaft sei auch der Tag des Todes der Prostitution jedweder Form; eines fei ohne das andere nicht möglich, darum könne es nur das Ziel der Kellnerinnenbewegung sein, die gräßliche Ausbeutung der Kellnerinnen zu beseitigen oder doch zu ver­mindern. Die Lohnzahlung müsse zu allererst angestrebt wer­ben. Herr Rohrlad war der Meinung, daß es schon einen aroßen Vortheil bedeute, wenn in einem Jahre in der Organi fation ein Dußend Kellnerinnen zu ernsten Kämpferinnen und Agitatorianen herangebildet werden. Frl. Dmoch schilderte aus führlich die im Kellnerinnenberuf herrschenden Uebelstände und meinte, die Kellnerinnen könnten einer Menge gewiffenloser Wirthe durch Denunziation zur Entziehung ihrer Ronzession verhelfen. Der Dienstbotenberuf biete den Kellnerinnen auch feinen Ausweg. Student Mankewitsch, welcher sich als Ver­treter des Bürgerthums gerirte, trat dem Referenten und ver= schiebenen Rednern in einzelnen Punkten entgegen, woraufhin ein Theil der Debatte sich wesentlich um die Widerlegung seiner Ausführungen drehte. Gutsbesiger Ritter wollte darüber ab­

gestimmt haben, ob die Versammelten sich auf den Boden der Religion fteller. Wir find Christen und dürfen darum die freie Liebe nicht wollen!" rief er aus, als dieses Wort als In­begriff eines auf bloßer Zuneigung basirenden Rusammengehens von Mann und Weib im Laufe der Debatte gefallen war. Herr Boom war der Meinung, daß das Kellnerinnen- Unwesen nur mit der kapitalistischen Ausbeutung sein Ende nehmen werde. Frau Reißner trat dem Referenten in Bezug auf seine Aus­führungen- bie Kellnerinnen mögen Dienstboten werden entgegen. Wenn die Kellnerin mehr gezwungen werde, sich der Prostitution zu opfern, so komme das Dienstmädchen durch die Beschränkung ihrer Freiheiten ebenso wenig zur Aufklärung, als die Dienstboten dazu heranzuziehen seien. Nachdem um halb 4 Uhr ein Schlußantrag angenommen worden, schloß die Borsigende nach einigen ermunternden Worten an die anwesen. ben Kellnerinnen die Versammlung, welche nur einmal durch die Hinausweisung einiger Flegel gestört wurde.

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In der letten öffentlichen Schneiderversammlung nahmen die zahlreich Erschienenen einen interessanten Vortrag des Ge noffen Roland über Robespierre als Staatsmann" entgegen. Wenn man, so führte Redner etwa aus, auch von der tenden­ziösen Geschichtsfälschung absehe, so bleibe doch die Beurtheilung dieses Helben der Revolution seitens der Historiker immer noch eine sehr verschiedene. Falsch sei es, Robespierre als einen Mann hinzustellen, der aus niederen Motiven die Schreckens­herrschaft über sein Vaterland verhängt habe. Redner zeigte an Beispielen, daß wohl selten ein Staatsmann verfönlich so fitten­rein und uneigennütig gewefen ist, als Robespierre , und er scheiterte nur, weil er in seinem Streben nach fittlicher Voll­tommenheit die thatsächlichen Verhältnisse außer Acht ließ.( Beis fall.) Als Delegirte zur Konferenz am 25. und 26. Oktober wurden einftimmig Timm, Rogge und Frau Schwarz gewählt. Sierauf legte Kollege Täterom die Schlußabrechnung der Freien Vereinigung" vor, die von der Versammlung gut geheißen wurde. Durch Abreise mehrerer Restanten usw. war die Er­lebigung dieser Angelegenheit etwas verzögert worden. Einer. Einnahme von 103,96 M fteht eine Ausgabe von 107,10 M gegenüber, das Defizit beträgt mithin 3,14 M. Nachdem noch auf das am nächsten Sonntag stattfindende Vergnügen hin­gewiesen war, wurde die Versammlung mit einem Hoch auf die Bewegung geschloffen.

Hanan. Eine der größten, imposantesten Versammlungen, die bis jetzt hier stattgefunden haben, war die auf gestern Abend von dem Verband der Gold- und Silberarbeiter einberufene öffentliche Frauenversammlung. Um 8 Uhr war der Saal in der Harmonie dicht von Frauen und Mädchen befeßt, so daß bei Einlaß der Männer menig Raum zum Stehen war, selbst Hunderte von Frauen mußten stehen. Das Lotal hätte noch einmal so groß sein dürfen, es hätte dennoch nicht gereicht alle aufzunehmen, die noch vor dem Hause standen. Nach erfolgter Bureauwahl ertheilte der Vorfißende Frl. Wabniß aus Berlin das Wort zu ihrem Bortrage Die Frauen in der Industrie", welcher lebhaften Beifall fand. Durch das Gedränge entstand Unrube, und begehrten noch sehr viele durch eine Nebenthür Einlaß, weshalb der Vorsitzende die Versammlung auf 10 Minuten vertogte, und die Männer ersuchte, den Saal zu verlassen, was auch geschah. Damit war der überwachende Beamte nicht zus frieden, und wollte die Versammlung schließen. Als ihn der Borsigende belehrte, er habe teine Befugniß zu schließen, löfte er die Versammlung auf. So ihr Arbeiterinnen, jest habt ihr auch gesehen wie Versammlungen aufgelöst werden. Frl. Wabniz hat versprochen, wieder zu kommen und ihren Vortrag weiter zu halten, was mit Freuden allseitig aufgenommen wurde.

In Mainz fand am 11. Oktober eine Frauenversammlung statt, in der Frl. Wabniz über die Frau in der Industrie" sprach und die von Männern und Frauen sehr zahlreich besucht war. In fließender Rede behandelte die Rednerin ihr Thema, indem sie die Ausbeutung der Frauen in den verschiedensten Rweigen gewerblicher Thätigkeit und die daraus erwachsenden Schäden erörterte. Die zum Schluß vorgeschlagene Resolution besagt: In Erwägung, daß durch die heutigen wirthschaftlichen Verhältnisse die Frau gezwungen wird, dem Manne Konkurrenz zu machen, und daß eine Besserstellung der gesammten arbeiten den Bevölkeruna nicht erreicht wird, bevor eine völlige wirth­fchaftliche Gleichberechtigung beider Geschlechter eintreten wird; in weiterer Erwägung, daß heute noch sehr viele Arbeiter in der Frau ein nicht gleichberechtigtes Wesen erblicken, beschließt die Versammlung, mit allen Kräften dafür einzutreten, daß solche Vorurtheile beseitigt werden und eine lebensfähige Organisation zu Stande kommt". Es wurde ein Komite von 5 Frauen zur Bildung eines allgemeinen Frauenvereins eingesetzt, ein Hoch auf die international- revolutionäre Arbeiterbewegung ausgebracht und die Arbeiter Marseillaise angestimmt.

Allerlei aus aller Welt.

Der wirthschaftliche Niedergang, unter dem gegenwärtig die Arbeiterschaft ganz besonders zu leiden hat, spricht deutlich auch aus einer Statistik, die der Fachverein der Tertilarbeiter in Crefeld über die dortige Sammetfabrikation aufgenommen hat. Nach derselben sind von 2819 Webstühlen bei 28 Firmen nur 1603 im Betrieb. Die frühere Arbeits­zeit von 10 Stunden ist wesentlich beschränkt und sogar bis zu 61/2 Stunden herabgezt worden. Das ist die kapitalistische Verkürzung der Arbeitszeit, die den Arbeiter dem Hunger in die Arme treibt.

Arbeiterrifiko. In der Zuckerfabrik Watenstedt gerieth eine Arbeiterin mit einem Fuß ins Getriebe und erlitt so schwere Verlegungen, daß man sie nach Braunschweig ins Krankenhaus schaffen mußte.

Den preußischen Volksschullehrern soll nach den Mitthei­lungen der Kölnischen Zeitung " eine bittere Enttäuschung insofern bevorstehen, als die ministeriellen Erhebungen be­züglich der etwaigen(??) Nothwendigkeit einer Gehalts­erhöhung wieder eingestellt worden sind. Regierungspräsident v. Tiedemann in Bromberg hat sich ebenfalls einer Lehrer­abordnung gegenüber dahin ausgesprochen, daß Mittel zu Es einer Befferstellung der Lehrer nicht vorhanden seien. ist eine alte Geschichte, doch ewig bleibt sie neu!" Wie aus Württemberg berichtet wird, hat soeben ein dortiges Realgymnasium ein Mädchen zur Ablegung des Abiturienten- Eramens zugelassen. Die Kandidatin, Gräfin Maria von Linden , hat das Examen bestanden und also das Recht zum Studium der Naturwissenschaften, der Mathe­matik oder der neueren Sprachen erlangt, das bekanntlich den Abiturienten der Realgymnasien zuerkannt ist!

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Was

in Württemberg ohne Erschütterung der Grundvesten des Staatswohls möglich war, wird es vielleicht auch in Preußen fein. Man darf daher gespannt sein auf das Schicksal der Petition, welche der Deutsche Frauenverein Reform" soeben dem preußischen Abgeordnetenhause überreicht hat; diese Petition ist bereits die fünfte, welche genannter Verein zum Zweck der Eröffnung des Universitätsstudiums für das weibliche Geschlecht eingereicht hat! Der Deutsche Frauen­verein Reform"( Zentralfiz 3. 3. Weimar ) bildet bekanntlich den Mittelpunkt dieser Bestrebungen, welche der Frau das ungeschmälerte Recht auf Bildung erfämpfen wollen; da

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ein Mädchengymnasium als unerläßliche Vorbedingung die Zulassung der Frau zum Universitätsbesuch anzusehe ist, hat genannter Verein beschlossen, die Errichtung eine folchen aus privaten Mitteln in die Hand zu nehmen un fammelt augenblicklich Beiträge zu einem Gymnasiumsfonds Am 20., 21. und 22. d. M. hält der Verein seine dies jährige Generalversammlung in Erfurt ab; die am Abend des 21. stattfindende Sigung ist öffentlich, also jederman zugänglich; auf derselben wird u. a. der Reichstagsabge ordnete Dr. Harmening über die Stellung der Frau nad dem Entwurf des neuen bürgerlichen Gesetzbuches reden. Londoner Elend und Armenhäuser. Aus London wird die Folgendes mitgetheilt: Am Mittwoch ereignete fich ein felt of other famer Vorgang um die Mittagsstunde, und zwar in de hiteh City, wo das Menschengewühl am stärksten um jene Beit Vor einem großen, prachtvollen Juwelierladen erschienen Die zwei Arbeiter, der eine mit einer Eisenstange, der andere gen mit einem langen Bohrer bewaffnet, und zerschmetterten im wie Nu die großen Spiegelscheiben. Sie blieben ruhig ftehen

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rührten nichts von den Kostbarkeiten an und ließen sich ohne Ble i Gegenwehr verhaften. Sie sagten aus: Wir thaten das in De voller Absicht. Wir zerbrachen die Scheiben, um die Aufbe merksamkeit auf unsere eigene traurige Lage und die unserer sefüg Klasse zu lenken. Es ist für in's Elend gerathene Leute un möglich, die Ausstellung von so strahlendem Lurus mit Rube zu ertragen, oder den Zorn und die Versuchung zu bändigen,

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einen beim Anblick Senfter gleichsam Hohn lachen in ihrer Fülle von Gold und Edel geftein." Uebrigens wurden 16 Shilling in ihrer Tafhe vorgefunden. Unser Lettes vom Pfandleiher", war die Erklärung. Nichts wurde in den Fenstern vermißt. ist öfters schon vorgekommen, daß Hungerleider Fenster ein Die schlugen und sich ruhig verhaften ließen mit der Erklärung: Unsere Armenhäuser werden zur Abschreckung verwaltete fo Wir leiden Noth und wollen lieber die beffere Pflege des Gefängnisses." Eine Frau, die Hungers starb, erkärte vot ihrem Tode, daß sie diesen einer Aufnahme in das Armen haus vorgezogen, und ein alter Mann verübte Selbstmord, auf einem Rettel dasselbe Motiv als Erklärung hinterlassend Wenn eine Familie in's Elend kommt und sie wendet sich an die Behörde um Aufnahme in das Armenhaus, so sie sich der Trennung unterwerfen. Der Vater wird aufge nommen; die Familie bleibt draußen und muß sich wöchent lich einmal im Armenhause einfinden, um ein

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Quantum Lebensmittel in Empfang zu nehmen. Dafür muß der Vater im Armenhause täglich Steine flopfen. Dies e folgt alles nach der Theorie", daß solche Abschreckung das beste Mittel sei, um etwaiger Trägheit und erheucheltem Elend vorzubeugen! Charles Dickens hat in seiner Roman figur" Bumble", dem Armenhausportier, diese Praxis derben Zügen geschildert.

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Die Berliner Volksküchen haben gegenwärtig begreiflicher Weise ihre liebe Noth. Die Lebensbedürfnisse find theuer; nöthigen Ausgaben müffen gedeckt werden; die armen Leute wollen für billiges Geld ihren Hunger stillen und, die Haupts sache nicht zu vergessen, der Ruhm der menschenfreundlichen Voltsküchen- Unternehmer, Frau Lina Morgenstern voran,

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glänzen. Sollen alle diese Ansprüche befriedigt werden, so ift das nur möglich, indem man die Größe der gereichten Speise portion so einrichtet, daß jeder dieser Faktoren dabei zurecht tommt, ausgenommen der Magen des Hungrigen. Es klingt

auch für den wohlhabenden Bourgeois bezaubernd, wenn er hört daß ein Arbeiter in der Volksküche schon für 15 Pf. eine Ma zeit, allerdings nur eine halbe Portion, genießen fann. a fann man benn für die nothleidende Menschheit mehr thun? Nun muß man sich einmal so eine Portion gegenwärtig ansehen. Die Sorge der Volksküchen- Verwaltung scheint in erster Reihe barauf gerichtet zu sein, daß sich nur ja teiner der Mittagsgäfte den Magen überlabet. Als Kuriosität wurde uns dieser Tage eine Extra Fleischportion eingesendet, die in einer Volksküche für 5 Pfg. gekauft war; gewiß ein geringes Geld hei den heutigen Fleischpreisen. Aber die Menge muß es bringen! Wir haben uns redlich bemüht, das Gewicht dieser Fleischportion festzustellen.

Es wog genau 10 Gramm.

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Profit bei dem Fleisch allein von etwa 66 Proz.

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Dualität, der als Ausschnitt verkauft wird, für 1 m. 60 Pfg. pro Bfund zu haben. Legt man diesen Preis als Maßstab für die Fleischportionen der Volksküche an, so arbeitet diese mit einem sollte man meinen, fönnte es ein Nicht- Wohlthätigkeits- Unter nehmer auch thun und die Reklame, die für die Volksküchen in ben ,, arbeiterfreundlichen" Blättern gemacht wird, ist eigent lich nicht recht verständlich. Hoffentlich kaufen doch die Bolts küchen im Großen ihren Bedarf an Fleisch und sonstigen Speise mitteln ein. Es hört sich ja gewiß für eine Hausfrau, in besseren Verhältnissen lebend, täglich für ihre Familie oder einige Pfund Fleisch auf den Tisch bringt, sonderbar genug an, wenn der einzelne Arbeiter, der genöthigt ist, in der Bolts küche zu effen, wegen seiner Fünf- Pfennig- Fleisch- Portion stellungen macht. Allein bei den theuren Zeiten haben armen Leute genau rechnen gelernt und man kann es ihnen he wahrhaftig nicht verdenken, wenn sie aufmerken, ob sie für ihr Geld auch entsprechende Waare, namentlich Nahrungsmittel halten. Wir haben hier über einen einen einzelnen Fall berichtet. Thatsache aber ist, daß Klagen gleicher Art in zahlreichen Fällen laut werden. Die Volksküchen sind aber nicht beffer, wie jebes andere Unternehmen und es muß dem gefliffentlich verbreiteten Wahne entgegengetreten werden, als ob die Arbeiter in ben Volksküchen etwas geschenkt oder im Verhältniß zu den üblichen Marktpreisen besonders wohlfeil erhalten. Nach dem oben ge schilderten Fall ist die Möglichkeit nicht ausgeschloffen, daß vo

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den Speisevorräthen in den Volksküchen manchmal Etwas in bie

,, unrechte Rehle" geräth.

Feste Preise.

Sprich ja und nein, und dreh' und deutle nicht; Was du berichtest, sage furz und schlicht, Was du gelobest, sei bir heil'ge Pflicht, Dein Wort sei heilig, d'rum verschwend' es nicht.

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