unft in Kronstadt behandelte der Kanzler sehr kühl. Man jabe bei Erneuerung des Dreibundes etwas zu viel Pauken md Trompeten ertönen lassen und haben Andere(Frankreich «d Rußland ) gedacht, sie wollten auch einmal Pauken und trompeten ertönen lasten. Alle Regierungen seien sehr riedlich gesinnt, keine wolle den Krieg. Aber die völlige riegsbereitschaft sei trotzdem nöthig und werde noch lange Sthig bleiben. Der Redner stellte eine Vermehrung der rmce in Aussicht und schloß mit einem Lob auf dieselbe tid ihre hervorragende Tüchtigkeit. Abg. Buhl(nat. lib.) kam nicht über allgemeine thrasen hinaus. Er bedauert den Rücktritt Bismarks, essen Verdienste er preist. Er verlangt Sparsamkeit und enaue Prüfung der Ausgaben in d>.r Kommrssion.(Bis tzl hat jedesmal die Partei des Redners nach genauester strüfung" für alle Forderungen der Regierung gestimmt.) Abg. Bebel(Soz.) betont den großen Zwiespalt wischen den Friedensbetheuerungen von allen Seiten mit en stetswachsenden Kriegsrüstungen. Der Reichskanzler abe sich über die Beunruhigung durch Zeitungsschreiber «klagt und dabei wohl zunächst an den einen großen Zei- l»ngsschreiber in Friedrichsruh (Bismark ) gedacht; aber die Wmistische(schwarzsehende) Auffassung der Zustände in en Zeitungen spiegelt doch nur die gleiche Stimmung des iolkes wieder. Auch die Militärschriftsteller tadelt der ieichskanzler, weil sie das Volk durch neue übertriebene und �durchführbare Vorschläge beunruhigen, die sie stets durch «n alten Spruch rechtfertigten: 8i vis xaesw pora dsllum. (Wenn du den Frieden willst, so rüste dich zum Kriege.) !as aber, als eben dieses, sei das Endergebnis seiner igenen Rede? Auch er verlangt noch weitere Rüstungen, och mehr Soldaten. Und doch habe das Reich schon nahe >» 2 Milliarden Schulden. Wo solle das Geld herkommen W soll es enden? Wie werde man die Berproviantierung dieser Heeresmassen bewältigen, wie die Pflege der Kranken nd Verwundeten? Von sehr maßgebender Seite sei die lbsicht ausgesprochen worden, die Truppen gegen den in- ««Ten Feind zu verwenden. Auch dieHamburger Näch­sten" führen aus, daß die soziale Frage eine Kriegsgefahr nebst allerlei Verdächtigungen der politischen Gegner, st man von Fürst Bismark gewohnt sei. Hätte er zur stfrechterhaltung seiner Meinungen seinen Posten im Hause �genommen, so würde er dieses und noch manches andere > hören bekommen haben lHeiterkeit). Daß mit der wach- »den Vermehrung der Soldaten auch mehr Sozialdemo- 'aten in das Heer kommen, ist einfach selbstverständlich, es «darf hierfür keiner Propaganda in dem Heer, die ebenso jährlich wie nutzlos wäre. Aber beunruhigend wirken vor Äem Reden, wie deren eine kürzlich vor den Rekruten zu stfurt gehalten wurde,(Vizepräsident v. Ballest rem Unterbricht den Redner, indem er erklärt, es könne sich dies "»r auf eine Rede des Kaisers beziehen und e- sei nicht lsttattet, dessen Person in die Debatte zu ziehen.) Durch die fortgesetzten und stets erhöhten Rüstungen «igt die Belastung ins Unerträgliche. Die Schutzzölle er- öhen die ohnehin schon so hohen Lebensmittelpreise und die stgierung weigert sich, den berechtigten Forderungen des Kolkes nachzugeben und durch Aufhebung der Zölle auf «bensmittel billigeres Brot und Fleisch für die arbeitende evölkerung zu schaffen. Deshalb nimmt der Konsum von serdefleisch so zu. Daß an inanchen Orten das Schweine- tisch so billig geworden, erklärt sich nur aus der Nothlage K Bevölkerung. Die jungen Thiere, die sonst aufgefüttert st» gemästel werden, verkauf!, man zu jedem Preis oder flachtet sie, weil die hohen Futterpreise unerschwinglich »d. Daran trägt die Mißernte die Schuld, doch ohne die �ahrungsmittelzölle wäre ihre Wirkung eine weit iveniger Üsthängnißvolle. Die Folgen des herrschenden Systems wn immer unverhüllter zu Tage. Unterschlagung und sttrug bei zahlreichen, oft hochangesehenen Bankfirmen, stindalprozeffe, welche zu allgemeinem Schrecken Dinge an '« Oeffentlichkeit bringen, welche Jeder kennt und sich ge- Aen läßt, so lange sie verborgen bleiben Alles zeigt, "ß die alte Gesellschaft in dem Sumpf, auf welchem sie ihr >aus aufgebaut, rettungslos versinken muß. Aber diese ver- "Nkene Gesellschaft gebe den Boden ab für einen Neubau eine andere neue Gesellschaft. Fahren Sie nur so fort s wer erntet, das ist doch nur die Sozialdemokratie.(Leb- Laster Beifall bei den Sozialdemokraten.) , Abg. Frege(freikons.> ist befriedigt von der Rede des stichskanzlers und einverstanden mit der Beibehaltung der Mrthsckaftspolitik. Die hohen Getreidepreise seien blos «olge des Börsentreibens, die Unzufriedenheit im Volke Äre blos vop den hohen Ansprüchen her. Das einzige ffilmittel für unsere wirthschaftlichen Schäden ist nach der "erzeugung des Redners: die Silberwährung.(Heiterkeit.) . Abg. P a y e r(Volksp.) bespricht eingehend die herrschen- if» Mißstände, tadelt die Höhe der Rüstungen, welche die Maaten des Dreibundes bald nicht mehr bestreiten können. Ues Ueberflüssige, wie kostspielige Bauten oder die meisten 'Usgaben für die Marine und Anderes muß aus den Aus- "ben herausgestrichen werden. Redner verlangt als posi- "e Leistungen: Aufhebung der Kornzölle und zweijährige ''enitzeit. Abg. v. d. Decken(Welfe) beklagt sich über Nerfolgun- % denen seine Partei ausgesetzt sei, und verlangt Heraus- "be des Welfenfonds an die kgl. Familie von Hannover . , Reichskanzler v. Caprivi verweist diese Klagen vor «n preußischen Landtag, als Reichskanzler in Deutschland �be er damit nichts zu schffaen. Die Fortsetzung der Debatte findet Montag, d. 3V. No- �nber, statt. GrMimgsjmn, niefif Orilnungsmame! . Nachstehendes entnahmen wir einem Artikel derDeutschen «»usfrauen-Zeitung", der viel Wahres und Beherzigenswerthes �thält. Es giebt viele Frauen, denen man Tüchtigkeit nicht ab- Bechen kann, die aber dennoch nicht verstehen, es ihrer Familie sich selbst wirklich wohl und anheimelnd zu machen in den Wänden.- Nie läßt sich ein loses oder gar abgerissenes (''ndenknöpfchen entdecken; prompt sind die Kleider gebürstet, stt und Stock am rechten Platz; das Mittagessen läßt nie länger sich warten, ist zur rechten Zeit bereit; kurz, Alles ist in >r Ordnung. Und dennoch wie barbarisch und schrecklich »uch klingen mag fühlt sich der Mann zu Hause nicht t>I. Die Hausfrau beklagt sich, daß der Gatte, statt nach der «sarbeit zu Hause zu bleiben, den Abend außer demselben tnge; sie, die doch auch von früh bis spät arbeitet, keine Nde müßig verbringt, die von der felsenfesten Ueberzeugung �hdrungen ist, das Muster einer Hausfrau zu sein, wird, nach Ansicht, dafür mit schwarzem Undank belohnt. Hat sie -Wie kommt es, daß, ob auch die Hausfrau mit Putzen, üern und Kehren sich abmüht und absorgt, dennoch der seine freie Zeit lieber außer dem Hause zubringt? Nehmen wir uns die Mühe, einen tieferen Blick in die Häuslichkeit zu werfen! Der Eheherr kehrt unter den ersehnten Klängen der Feier- abendglocke heim; schon auf der Treppe ruft ihm die Hausfrau entgegen:Hast Du auch die Stiefel drunten hübsch gereinigt? Heute erst wurde jene gescheuert und ich möchte nicht, daß sie schon morgen wieder aussehen würden, als ob sie seit drei oder vier Wochen keine Bürste und kein Wasser mehr geschaut!" Das Abendessen ist vorbei. Der Mann möchte gerne eine Zi- garre rauchen. Die Ehehälfte merkt die Absicht und wird verstimmt. Zu neuen Vorwürfen löst sich ihre Zunge:Lieber Mann, könntest Du Dir nicht angewöhnen, Deine Zigarren, wenn denn absolut geraucht sein muß, draußen zugenießen"? Meinet- wegen, wenn Du in's Geschäft gehst, oder aus dem Heimweg? Du weist doch, daß die Gardinen den Zigarrenrauch nicht er- tragen, und abgesehen davon, wird die Asche überall herum ver- streut, aus den Möbeln und auf dem Fußboden." Die so gern gerauchte Zigarre wird weggelegt. In seinen ledigen Jahren war ihm das Holzschnitzen eine Lieblingsbeschäftigung. Wie manchen Winterabend saß er im kleinen Stäbchen bei seinem jetzt schon längst verstorbenen Mütterlein! Noch jetzt sieht er sie im Geiste vor sich sitzen, das Strickzeug in der Hand, hin und wieder mit ihm plaudernd, dann wieder freundlich ihm zunickend, seine Arbeit betrachtend und mit ihrem Lob sie fördernd. Wie wohl und zufrieden fühlte er sich in solchen Stunden und wie schön dachte er sich's erst, wenn er einst ein liebes Weib an seiner Seite sitzend habe! Wie herrlich müßten dann sich die langen Winterabende gestalten! Diese Erinnerungen weckten in ihm heute neue Lust für seine fast in Vergessenheit gesunkene Abend- beschäftigung; er möchte seine Kunst wieder einmal probieren, hat er doch mit ihren Resultaten früher seiner Braut manche Freude bereitet und oft an Namens- und Geburtstagen sie mit Arbeiten überrascht. Schon ist er im Begriff, sich so recht nach Herzens- lust daran zu machen, als seine Ehehälfte ihm verwunderte und verwundende Blicke zuwirft, welche die stumme Frage stellen, was denn diese Auspackerei von Messern, Holz, Zirkel, Bleistift und Vorlagen zu bedeuten habe.Aber, lieber Mann, was soll denn das heißen?"Das wirst Du bald sehen, mein Schatz. Jetzt wird wieder einmal geschnitzt; denn daß ich kein gelehrtes Haus bin und mich immer nur mit Bücherlesen und Gott weiß, was für Krimskrains beschäftigen kann, weißt Du ja wohl so gut wie ich und d'rum mache Jeder, was er kann sang' ich gleich zu schnitzen an.""So so?" kam es gedehnt von den Lippen seiner Frau.Also schnitzen? Weißt Du, an und für sich finde ich das Schnitzen ja ganz recht, aber ich dächte" Nun, und was ist denn dabei zu bedenken?""Zu bedenken giebt es für unsereins eben dabei gar viel, aber natürlich, ihr Männer, ihr habt keinen Begriff davon, wie sauer man sich's werde» läßt, bis die Stube recht rein und sauber aussteht. Ja, ja, eine Unordnung ist schnell gemacht; aber was das Aufräumen und Ordnen für Zeit braucht, davon habt ihr leider keine blasse Ahnung. Jetzt willst Du schnitzen? Hier in dieser Stube schnitzen? Nein, lieber Mann, das wirst Du denn doch nicht thun wollen? Bedenke doch die vielen Holzschnitzeln, welche bei der Arbeit auf den Boden fallen! Warte Du lieber bis zum Soiymer; da kannst Du dann im Garten arbeiten; aber in der Stube nein, mein Lieber, das ist denn doch zu viel verlangt." An dies Alles habe ich allerdings nicht gedacht. Weißt Du was, Schatz, ich hole mir Hut und Stock und geh' für heute Abend in's Wirthshaus, dort kommt's auf ein Bischen Zigarren- asche mehr oder weniger nicht an; sogar gegen Holzschnitzel wäre der Boden nicht so empfindlich, wie der Deine. Leb' wohl, mein Schatz!"" Und fort geht er. Die gute Frau war zwar etwas verblüfft ob des raschen Entschlusses ihres Gatten, ja sie fühlte sich bitter gekränkt, daß der Mann so rücksichtslos sein konnte. Was hatte sie denn ge- than? Was giebt es denn Schöneres in der Haushaltung, als eine musterhafte Ordnung? War sie nicht im ganzen Bekannten- kreis als ein Muster einer Hausfrau bekannt? Harte man es ihr nicht selbst schon gesagt? Nur Derjenige, welcher es am ehesten anerkennen sollte, wollle es nicht würdigen; das das war zu viel fiir sie, und die unglückliche Frau brach in bittere Thränen aus. Kroilfrage. Seit nun das in Aussicht gestellte indische und russische Getreide ausgeblieben ist, wird die Frage in den Kreisen der Satten" ventilirt, was nun, wenn unsere Brodfurcht zu Ende geht, lange vor der neuen Ernte. Und bei solchen Gelegenheiten zeigt sich ja meist eine Erfindungssucht, die zu bewundern wäre, wenn es nur dabei nicht immer wieder hauptsächlich auf'sVerdienen" und zwar im Großen hinaus- liefe. So ist ein Amerikaner auf die schlaue Idee gekommen, den in Amerika sehr billigen Mais, der bisher hauptsächlich als Schweine- und Gänsefutter verbraucht wurde, in Deutsch - land als Brodfrucht einzuführen. Es wär damit möglich, den Hungernden mit billigem Material den Magen zu stopfen und ein brillantes Geschäft wär in Aussicht von dem Einige wieder Milliönchen davon tragen könnten. Und die deutschen Kurpfuscher des kranken Gesellschafts- körpers, die sich bereit hatten finden lassen, den, Volke Fleisch und Brot zur theuren Delikatesse zu machen, zu Gunsten der armen Reichen, sie sind auch jetzt bereit, dem amerikanischen Unternehnlern entgegen zu kommen und das Volk mit einem neuen Fütterungsmirtel zu beglücken. Mußte bisher die an Nährwerth sehr niedrig stehende Kartoffel den besitzlosen Klassen so manches werthvolle aber unerreichbare Nahrungsmittel ersetzen, so war doch im Brod noch Nährstoff; doch ein Maisbrod würde nicht viel mehr haben als die Kartoffel. Doch hören wir, was die Zeitungen darüber sagen: Maisbrod. Nach Mittheilungen Berliner Blätter hat das landivirthschaftliche Departement der Regierung in Washingten einen Herrn Charles I. Murphy nach Berlin gesandt, um dem Mais als Ersatz für andere Brotstoffe Eingang zu verschaffen. Herr Murphy hat in einer Bäckerei in der Schützenstraße ein Brot aus einem Pfund Roggen- mehl und einem Pfund Maismehl herstellen lassen, welches durch Absorbirung von Waffer ein Gewicht von 4>/z Pfund hat und sich unter Zugrundelegung der jetzigen Roggen- und Maispreise auf 20 Pf. im Preise stellt. Herr Murphy wurde von dem landwirthschaftlichen Minister empfangen. Auch will die Proviankabtheilung des Kriegsministeriums aus amerikanischem Maismehl eigene Prüfungen mit der Herstellung von Mischbrod anstellen. Recht nett. Da sind wir also auf dem besten Wege, zur Polenta und Mamalika, im Waffer gekochten Maismehl, zu gelangen. In Italien und Rumänien lebt ein großer Theil zahraus jahrein von diesem geschmacklosen Mais- oder Kukeruzbrei. Aber in eben diesen Gegenden ist auch die scheußliche Pelagrakrankheit verbreitet, von der viele Aerzte behaupten, sie habe ihren Grund in dieser Ernährungsweise. Es wäre gewiß eine feine Sache, wenn der Name eines un- serer Staatsmänner mit der Einführung einer neuen Krank- heit nach Deutschland für ewig verbunden iväre. Und alle diese Experimente, warum? Damit eine Handvoll Groß- grundbesitzer in Saus und Braus und Gloria nach ihrer Väter Weise weiter leben kann. Ueber dos Murphysche Maisbrod schreibt ein Fachmann aus Ludwigshafen derVolkstribüne": Amerikanischer Humbug! Unwillkürlich kam mir dieses Wort in den Sinn, als ich in der vorigen Nummer den Artikel über das gute und billige Maisbrod nach dem Rezept des Amerikaners Murphy las. Als Humbug ist es zu be- zeichnen, wenn genannter Herr behauptet, aus 2 Pfd. Mehl ä'/z Pfd. Brod herstellen zu können. Wenn dies wirklich möglich wäre, dann wäre es mit unfern Brodpreisen noch nicht schlimm, da sich dieselben dann um ein Drittel billiger stellen müßten. Wir deutschen Bäcker haben nämlich zur Herstellung von 4 Pfd. Roggen- oder Weißbrod 3 Pfd. Mehl nöthig, währenddem Maismehl, das keinen Kleber hat und infolgedessen weniger Wasser annimmt, auch weniger Brod ausgeben muß. Auch mit dem Preis von 20 Pf. wird es nicht ganz stimmen, da 1 Pfd. Roggenmehl und 1 Pfd. Mais- mehl ohne die Brodherstellungskosten gerechnet, sich höher stellen als 20 Pfg., wenigstens nach hiesigen Preisen. Was den Geschmack des mit Maismehl vermischten Brotes anlangt, so ist derselbe sehr zweifelhafter Natur und auch nicht annähernd mit dem eines guten Stück Roggen- oder Werzenbrodes zu vergleichen. Möglich schon, daß es von den großen Herren, die eben an der Nothstandskalamität herumdoktern, und die es ja im Nothfall mit Butter und Schinken belegen können, gut geheißen wird, etwas Anderes ist es aber mit dem Arbeiter, der es oft zu einer dünnen Tasse Kaffee genießt, wie es ja in vielen Gegenden Deutsch - lands Gebrauch. Ich habe vor ungefähr Jahresfrist im Auftrage einer hiesigen Fabrik, die ebenfalls die löbliche Absicht hatte, ein billiges Arbeiterbrod herzustellen, verschiedene Verfuche mit Mais- und Roggenmehl gemacht, und zwar anfänglich% Roggen und 1/3 Mais, und nachdem dies herzlich schlecht ausgefallen war,»/« Roggen und«/< Mais. Trotz dieser kleinen Beimischung fand das Brod in hiesigen Arbeiterkreisen keinen Anklang, indem sich jeder sagte, lieber will ich für ein gutes Brod 4 oder 6 Pf. mehr bezahlen. Bei diesen Versuchen habe ich gefunoen, daß das kurze, sandartige Maismehl eher zu allem andern als zur Brod- bäckerei geeignet ist, und glaube ich, daß derjenige, der ein gutes Brot davon herstellen will, schon ein Hexenmeister a la Murphy sein muß. Diese Proben genügen wohl den Arbeiterfrauen zun, Beweis, daß man die ohnedies niedrigstehende Ernährung des deutschen Arbeiters noch iveiter herunter drücken möchte auf jdie Stufe der italienischen Arbeiter, welche in Bezug auf Ernährung den chinesischen Kulis am nächsten sind. Es wäre dann ein so körperlich heruntergebrachtes Volk auch geistig kaum noch fähig, sich zu rühren; je schlechter die Lebenshaltung, desto mehr wird das Denken erstickt und so wäre auch die Gefahr in die Ferne gerückt, daß das Volk sich selbst hilft gegen Bedrückung aller Art. Zar Fraueaftage. England. Die Anstellung von Frauen zur Bedienung der Schreibmaschine im Kriegsministerium hat sich so gut bewährt, daß daselbst bereits zwei Kopistinnen-Abtheilungen unter Leitung einerl-acty Superintendent" errichtet worden. Miß Urania Latham, die hinterlassene Tochter eines Pfarrers, hat in diesem Jahre den ersten der von der Londoner medizinischen Schule für Frauen ausgesetzten Preise gewonnen und dasFanny-Butler-Stipendium" 28 Lstrl. aus vier Jahre ist einer Deutschen , Fräulein Valeska von Himpe, der Tochter des verstorbenen Obersten von Himpe aus Leipzig , zu- erkannt worden. Die siegreiche Bewerberin muß sich verpflichten, ihre Dienste als Arzt eine Zeit lang der Zenana-Mission der englischen Kirche in Indien zu widmen. Portugal . Nach einer zweijährigen Thütigkeit als Assistentin im Hospitale St. Joseph ist Fräulein Amelia Cardia von der medizinischen Hochschule in Lissabon in feierlicher Weise zum Doktor promovirt worden. Rußland. Frau Jwanschytz hat in Petersburg eine Handels- schule für Frauen mit zweijährigem Kursus eröffnet, den Schülerinnen der staatlichen Gymnasien ist der Befuch dieser Anstalt unentgeltlich gestattet. In Riga sind medizinische Lehrkurse für Frauen eingerichtet worden. Deutschland . Der Dozentin der Mathematik, Miß Gentry aus Nordamerika ist es gestattet worden, den Vorlefungen einiger Professoren der Mathematik an der Berliner Universität als Hospitantin beizuwohnen. Man darf gespannt sein, ob vor- kommenden Falls den Töchtern Deutschlands mit gleichem Maße gemessen wird, wie der Ausländerin. Das Recht, an der Uni- versität Examina zu machen, ist allerdings mit dieser Zulassung nicht verbunden. Berlin . Frau Lina Morgenstern ist zum Mitglied der be- rathenden Behörde der Abtheilung für Frauenarbeiten auf der Weltausstellung in Chicago gewählt worden. Das Mädchenschulwcsen auf dem Lande soll nach dem Organ Bismarcks die Schuld an dem Zuhälterthum tragen. Die hohe BUdung, welche die Mädchen in der Dorfschule er- halten, steigere ihr Selbstgefühl; sie fänden ländliche Arbeit in Wind und Wetter oder im Viehstall nicht mehr ihrer würdig, die Aussicht aus eine Nähmaschine und die Freuden des Tingel- Tangel lockten sie nach der großen Stadt. Ihr Verdienst an der Nähmaschine entspräche nicht ihren durch Vergnügungssucht gesteigerten Ansprüchen, sie verfielen der Prostitution und den,- nächst dem Zuhälter. Selten ist wohl ein größerer Unsinn zu Tage gefördert worden. Denn jedein Einsichtigen ist wohl klar, daß viele von den zu Grunde gehenden Mädchen, eben zu wenig gelernt haben, daß Schule und Erziehung nicht hinreichend waren und sind, um alleinstehenden Mädchen auskömmliches Brod zu sichern. Was wird denn z. B. heute von einem Hausmädchen alles ver- langt? Sie soll schneidern, frisiren, bügeln können. Wer soll sie das lehren, wenn die Eltern zu arm waren, um Lehrgeld zu zahlen? Und was erhält ein so vorgebildetes Mädchen an Lohn? 130 Mark im höchsten Fall, davon soll sie womöglich noch eine arme alte Mutter erhalten! Also nicht zu viel, sondern zu wenig lehren die Schulen die Mädchen. Und ihre Fähigkeiten werden von den Besitzen- den für ein elendes Entgelt gründlich ausgebeutet. Wenn sie also bei so hohen Anforderungen von Seiten der Herrschaften ein Mädchen für Alles soll z. B. fertig kochen können es vorziehen. Fabrikarbeit in der Stadt zu suchen, wozu ihre geringen Kenntnisse ausreichen, so sind dieHerrschaften" mit ihren hohen Anforderungen und demgegenüber schlechten Löhnen schuld, wenn die Mädchen sich vor dem Dienstbotenstand scheuen. Und wir haben gerade in voriger Nummer derArbeiterin" darauf verwiesen, wie Prostituirt« gemacht werden von den Herren und ihren Söhnen, welche die Welt stets nur durch die eigene Brille des Egoismus und der falschen Sittlichkeit an- sehen.