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befolgte auch diesen Rath und erhielt nach etwa 10 Tagen die Auskunft, daß seine Auftraggeber- Chambregarnisten seien Chambregarnisten seien und im vierten Stock eines Hauses in einer der minder guten Straßen wohnten. Nun schrieb der Gerbermeister den inzwi­schen ungeduldig drängenden Engländern, daß die fraglichen 250 Stück Lederjoppen bereits verpackt ständen, es aber bei thm Usus sei, das erste Geschäft per Kaffe zu machen, und die größere Sendung erst nach Eingang des Betrages für die ge­lieferten 50 Joppen abgehen würden. Die Herren Engländer schickten auch thatsächlich den Betrag und der Gerbermeister der Gerbermeister behielt seine übrigen 250 Lederjoppen.

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be. Eine große Anzahl russischer Juden, die theils ohne Weiteres von hier ausgewiesen, theils mit einer Aufent­haltstarte von längerer Dauer bedacht worden sind, begeben fich in diesen Tagen mit ihren Familien nach Amerika ; andere der Ausgewiesenen richten ihr Reiseziel nach Paris , die we nigsten aber nach ihrer alten Heimath. Große Bestürzung erregt übrigens, wie wir einem Privatbriefe eines in Infateri­noslav lebenden Deutschen entnehmen, unter den Deutschen in Rußland wegen der Ausweisung russischer Unterthanen aus Berlin . Man befürchtet, daß die russische Regierung in gleicher Weise mit den Deutschen verfahren wird.

x. Ein recht betrübender Unglücksfall ereignete fich vorgestern Abend in der Badstraße. Das ungefähr 6 Jahre alte Töchterchen des Arbeiters Riel spielte in der Nähe ihrer elterlichen Wohnung auf dem Trottoir mit einem Stöckchen. Das Kind fiel zur Erde und stieß sich hierbei den Stock so tief in das linke Auge, daß derselbe erst von Passanten heraus­gezogen werden mußte. Man brachte das schwer verlegte Kind zu seinen Eltern, welche sofort die nöthige ärztliche Hilfe in Anspruch nahmen. Es steht kaum zu hoffen, daß dem unglück­lichen Mädchen die Sehkraft auf dem Auge erhalten bleiben wird.

mann in dem Liede ,, Lieblich röthen fich die Wangen" Ausge-| zeichnetes leisteten. Auch Herr Raula als van Bett" hatte seinen guten Abend, nur möchte uns gestattet sein, zu bemerken, feinen guten Abend, nur möchte uns gestattet sein, zu bemerken, daß auch die heiterste Komit ihre Grenzen hat, und daß ein Zuviel in dieser Hinsicht sehr leicht auf den guten Geschmack des Publikums in nicht besonders fördernder Weise einwirkt. Kunst und Publikum leiden gleichmäßig darunter, wenn man allzusehr auf die Lachmuskeln gewiffer Zuhörerkreise spekulirt. Also niemals ins Poffenhafte verfallen. Wie schon oben ge­fagt, war der Gesammteindruck ein völlig befriedigender. Jedem, der in dieser Weise Belehrung und Erheiterung schöpfen will, fönnen wir die Opernaufführungen im Louisenstädtischen The ater nur angelegentlichst empfehlen.

Gerichts- Zeitung.

Angeklagte: Ich habe das ganz werthlose Korset hier und er­laube mir, es dem Herrn Staatsanwalt zu überreichen."( Die Angeflagte widelt aus einem Stüd Beitungspapier ein mit braunem Zeug überzogenes, schmuziges Stahlgerippe, welches fie dem Staatsanwalt zeigt und dann wieder einwidelt.) Der Staatsanwalt hält indeß die Angeklagte in allen Punkten für schuldig und beantragt, da der erforderliche Strafantrag von Seiten des Herrn Cohn vorliegt, 1 Woche Gefängniß. Der Gerichtshof beschließt nach längerer Berathung, die Verhand­lung zu vertagen und Fräulein Bonde, den Kriminalschußmann Klemm und die Frau Cohn zu dem neu anzuberaumenden Termin als Zeugen zu laden.

Arbeiterbewegung, Vereine und

Versammlungen.

Aufruf! Metallarbeiter Berlins ! Große öffent­liche Generalversammlung sämmtlicher Metallarbeiter Berlins , wie Klempner, Gürtler, Drücker, Schnittarbeiter, Preffer, Former, Galvaniseure, Blechlackirer 2c. Sonntag, den 3. August, Vormittags 10 Uhr, im Lokale Königsbant, Große Frankfurter­

R. Mit welchen Lappalien sich mitunter die Gerichte befassen müssen, das zeigte wiederum eine gestrige Verhand­lung vor der 93. Abth. hiesigen Schöffengerichts. Des Dieb­stahls angeklagt erschien auf der Anklagebant das Dienstmäd­chen Helene Schulz; dieselbe soll ihrem früheren Dienstherren, dem Hotelier Cohn Burgstraße 20, einige Stummel Stearin­ferzen, 1 Korsett, 1 Tollscheere, 1 Kopffiffenbezug und 1 Handstraße 117, früher Mohrmann. Tagesordnung: 1) Die Noth­tuch entwendet haben. Herr Cohn hatte Strafantrag gestellt und so unterlag die Sache der Entscheidung des Gerichts. Die Angeklagte giebt zu, einige Stummel Stearinkerzen für fich gebraucht zu haben; in ihrem Zimmer welches auch das zweite Dienstmädchen mitbewohnte, hätte sie kein Licht gehabt und da fie Abends öfter ihre Sachen ausbeffere, so habe sie die Lichtstumpfen zur Beleuchtung verwandt. Das Korsett und die Tollscheere habe fte von einer Nichte der Frau Cohn, Fräulein Bondi, welche aus Böhmen zum Besuch hier war, geschenkt erhalten; das Handtuch und den Kopfkissen- Ueberzug habe sie von dem zweiten Dienstmädchen, welches die beiden Gegenstände unvorsichtiger Weise verbrannt habe, erhalten um fie zu verstecken, damit die Frau Cohn es nicht erfahre. Da ste dieselben nicht zu lassen wußte, so brachte sie die beiden ange­brannten Gegenstände zu einer Bekannten in Charlottenburg , welche später die Sachen wieder der Frau Cohn zuſtellte. Außerdem habe ihr Herr Cohn den Werth der Gegenstände noch vom Lohn abgezogen. Herr Cohn hätte mich wohl nicht angezeigt so fährt die Angeklagte fort - wenn ich mich gewissen Wünschen, die er an mich stellte, gefügiger gezeigt hätte er hat mir 10 Mart geboten, da ich es aber nicht gethan habe, so bat er mir ein schlechtes Beug niß ins Buch geschrieben und mich geschlagen. Beuge Hotelier Cohn, ein starker, unterſeßter Mann mit einem gewaltigen Schnurrbart, weiß von der ganzen Sache nur durch seine Frau. Da Frau Cohn im Zuschauerraum anwesend ist, so stellt der Staatsanwalt den Antrag, die Frau Cohn sofort zu vernehmen. Der Gerichtshof ist damit einverstanden. Frau Cohn, eine sehr forpulente, fleine Frau betritt den Zeugenraum und deponirt, nachdem fie vereidigt worden, Folgendes: Die

N. Drei Kinder vergiftet. Ein entseglicher Unglücksfall durch Vergiftung, der bereits ein Menschenleben gefordert und zwei andere im höchsten Grade gefährdet hat, wird uns vom geftrigen Tage von dem Grundstück Koloniestr. 94 gemeldet. Daselbst waren die beiden Kinder der dort wohnenden unver­heiratheten Schiller, ein Knabe von 10 Jahren und ein Mäd­chen von 4 Jahren, sowie der 10 jährige Sohn eines dort wohnenden Arbeiters mit Lumpenfortiren beschäftigt. Bei dieser Arbeit fanden die Kinder eine Düte, deren Inhalt fie für Zucker hielten und davon naschten. Kaum hatten fie das weichliche Beug genossen, als sich bald bei allen Dreien Erbrechen und andere Symptome einer Vergiftung zeigten. Ein fofort hinggerufener Arzt ordnete die Ueberführung der Kinder nach der Rönigl. Charité an, wo der 10 jährige Schiller bereits sterbend eingeliefert wurde, und nach einer halben Stunde verstarb. Die beiden andern Kinder schweben trop fofort angewandten Gegengiftes noch in größter Lebensgefahr. Die Düte soll Mauſegift enthalten haben.

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i. Im Louisenstädtischen Theater wurde gestern das ebenso gern gegebene wie gefehene Repertoirstück Czaar und Bimmermann" aufgeführt. Man darf wohl ohne Uebertrei­bung dieses Lorging'sche Werk als eines der besten in dem Genre der komischen Oper bezeichnen. Die Musik ist weniger fünstlerisch als dem wahren, finnigen Volksgesange abgelauscht und bildet so mit dem Tert, der auch nur den einfachen, schlichten aber edlen Volksgeist und den sprudelnden Volkswiz repräsentirt, ein vollkommenes, harmonisches Ganze. Die Auf führung selbst muß im Großen und Ganzen als eine höchst gelungene bezeichnet werden. Namentlich waren die Rollen Dan Bett( Kaula, Baß), Peter Michaelow( Reiche als Gast, Bariton) und Marie( Frl Deutschmann, Sopran) in gefang licher wie in schauspielerischer Hinsicht gleich ausgezeichnet be legt. Dagegen ließ Herr Krüger als Marquis v. Chateauneuf ( Tenor) manches zu wünschen übrig. In den höheren Lagen, die doch gerade bei einem Tenor den Glanzpunkt feiner Leistungen bildet, versagt er vollständig und auch im Spiel Lönnte etwas mehr Sorgfalt nicht schaden. In eine so noncha lante Haltung, wie sie Herr Krüger gestern im Spiel beliebte, als er als Gesandter Frankreichs ( gegen den Schluß des 1. Atts) Den Czaar bittet

Wollen die Gnad' gewähren, Mich huldreich anzuhören?" dürfte wohl schwerlich jemals ein Gesandter verfallen sein, na­mentlich zu jener Beit, in der man bekanntlich die größte Sorgfalt auf die Etiquette legte. Bei den Soloparthien muß in erster Linie Herr Reiche und Frl. Deutschmann erwähnt werden, die beide in den Liedern, der erstere in dem so be­liebt gewordenen ,, Einst spielt ich mit Szepter", Frl. Deutsch­

schlagen, bis mir das Blut kommt. Sie hat schreckliche Angst Dor Der Bolizei."

st sie jetzt zu Hause?"

Nein, fie ist ausgegangen. D, die hat sehr gute Zeiten. Sie geht ins Theater und ins Wirthshaus und zum Tanz, aber ich und Richard, wir müssen bei den Kindern bleiben und

nach ihnen sehen.

Dann fannst Du mich ja ganz unbesorgt nach Eurer Wohnung führen. Ich werde längst fort sein, ehe Deine Tante zurück ist. Sieh, ich gebe Dir auch diesen Schilling."

uns ein großes Stück Cervelatwurst und Brod faufen. Gut, ich will Sie führen, nur bleiben Sie nicht lange."

D, das viele Geld. Dafür tönnen wir, Richard und ich,

Sie nahm Rupert wieder auf den Arm und wollte davon eilen, aber der Polizeibeamte hielt fie auf und ließ fie in einen Milchladen eintreten und dem verhungerten Kinde eine Taffe

Milch geben.

Nachdem sie bis unter das Dach hinaufgeklettert waren,

mäßigen Biehmutter.

befand fich der Polizist in der verpesteten Höhle einer berufs

Auf dem Stroh in einem Winkel lag das größte der Findelfinder, welches, wie Anna erzählte, die ganze Nacht ge schrieen hatte, jest aber schlief.

Das Kind war in Folge einer zu reichlichen Gabe von Morphium gestorben.

" Schmug,

amte, Rotizen in sein Taschenbuch schreibend.

Mangel, Ausschweifung," sagte der Polizeibe

zu bringen?"

In welches Krankenhand

welches Rrantenhaus pflegt Deine Tante die Kinder

,, Dort hinüber in das Stepney- Krankenhaus." gefesten Bericht über die gräuliche Verbrecherhöhle, die er ent Am Nachmittage erstattete der wadere Polizist seinen Vor­bedt hatte, über die fieben vor Schmut starrenden, verhunger ten und mit Schlafmitteln betäubten Rinder und die kleine Leiche auf dem Stroh. Ein Besuch im Stepney Krankenhause folgte, und als am Abend die gewissenhafte Biehmutter in ihr Bimmer getaumelt war und sich auf ihr Bett niedergelassen batte, um zu überlegen, was sie mit dem Kinde anfangen follte, erschienen zwei Polizeibeamte bei ihr, um sie zu ver haften; ein Dritter ging ihren Mann aufzusuchen und ein Bierter brachte die ganze Adoptivfamilie zu zwei anständigen alten Frauen, die von dem Bolizei- Inspektor beauftragt waren, Die unglücklichen Kleinen nach Anordnungen eines Arztes zu

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reinigen und zu füttern.

taufen wollte.

,, D, mir meine Lieblinge zu entreißen!" heulte die plöglich ganz nüchtern gewordene Ziehmutter. ,, Mein Herz bricht über den Tod des Kindes meiner armen Schwester, das mir starb, während ich fort war, um mir durch Waschen und Scheuern etwas Geld zu verdienen, wofür ich dem süßen Jungen ein Paar Apfelfinen ten", fagten die Polizeidiener, fie ohne alle Förmlichkeiten vors Sie müffen uns nach dem Stepney- Krankenhause beglei

wärts schiebend.

Ich werde nicht einen Schritt gehen!"

Da sie nicht gutwillig gehorchte, schleppten fie die Polizisten

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bei der Angeklagten vorgefunbenen wordearen noch ziemlich

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lang und hätten noch in der Wirthschaft gebraucht werden tönnen: daß die Bondi das Korsett und die Tollscheere ge schenkt hat, glaube ich nicht, übrigens ist mir für tausend Mark Wäsche von den Mädchen verdorben worden und für 500 Mt. ist mit mindestens abbanden gekommen."( beiterleit bei den Buschauern) Die lleine Frau ist ganz echauffirt und erzählt weiter: In Charlottenburg , wo die Angeklagte eine Bekannte wohnen hat, ist gehaussucht worden, doch hat die Polizei nichts gefunden. Aber fo fährt Frau Cohn mit gehobener Stimme fortes foll in Charlottenburg in der beregten Wohnung noch ein Koffer gewesen sein, den die Polizei nicht geöffnet hat, weil er einem Schlafburschen gehört haben soll, ist es da nicht möglich, daß meine ganze Wäsche in diesem Stoffer gesteckt hat?( Seiterkeit der Zuschauer). Und nun er­laubt sich die Angeklagte hier Redensarten gegen mei­nen Mann Herr Präsident, mein Mann

wendigkeit einer lokalen Fachorganisation der Berliner Metall arbeiter. Referent: Herr Stadtv. Ferd. Ewald. 2) Verschiedenes. Bewerkskollegen aller Branchen! Den Wünschen unserer in den verschiedensten Stadtvierteln domizilirenden Gewerks genoffen Rechnung tragend, haben wir es nun unternommen, mit unsern längit geplanten Wanderversammlungen zu be ginnen, und ist die oben angekündigte die erste von diesen. Niemand jedoch von Euch Kollegen der Louisenstadt und aller übrigen Stadtviertel darf sich träumen laffen, daß er in dieser Versammlung nicht zu erscheinen nothwendig habe, Alle, Mann für Mann, find wir verpflichtet, allüberall, wo es sich um unsere Interessen handelt, wo die wichtigste Frage, unfere Eristenz und Magenfrage, das materielle wie das geistige Wohl unserer Familie berathen und diskutirt wird, ist es unbedingte Pflicht zu erscheinen und darum auf zur Versammlung am Sonntag, wo unser alter Kämpfer in der Gewerkschaftsbewegung wiederum unsere Interessen in Wort und That vertreten wird, zeigen wir, daß uns fein Weg zu weit wird, an den gemein­famen Berathungen zur Aufbesserung unserer so traurigen Lohnverhältnisse theilzunehmen, um stets wohl organisirt der so rapid um fich greifenden Schundproduktion und der damit eng verbrüderten Lohnreduktion energisch den Weg vertreten zu können. Die Kommission. J. V.: A. Negband. NB, Mit dem 1. Auguft haben wir Ritterstraße 123, im Restaurant Sodke, ein unentgeltliches Arbeitsnachweise- Bureau errichtet und wird selbiges sämmtlichen Kollegen Morgens und Abends von 8-9 Uhr geöffnet sein. Die Zahlstellen befinden sich eben­dafelbst wie auch an jedem Sonntage bei Funke, Prinzen- und Annenstraßen- Ede.

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Die Maurer tagten Mittwoch, den 30. d. M. im Saale ,, Sanssouci ", Kottbuserstr. 4 dem Gebahren der Krankenkasse gegenüber Stellung zu nehmen, welches darauf hinausläuft, Die rückständigen Beiträge exekutorisch einzutreiben. Als erster Redner nahm Herr Konrad das Wort, und entwickelte der selbe in sachlicher Weise die Gründe, welche den größten Theil der hiesigen Maurer veranlaßt hätten aus der alten Gewerks frantentaffe aus und der freien eingeschriebenen Hilfskaffe Grundstein zur Einigkeit" beizutreten. Er zeigte an einzel­nen drastischen Fällen, wie in der alten Kaffe die freie Selbst­bestimmung überhaupt nicht existiren könne, und betonte haupt­fächlich, daß jeder dafür Sorge tragen müße, nur einer Kaffe anzugehören, die auf freie Selbstverwaltung bafire. Von einer folchen fönne aber in der alten Gewerkskrankenkasse keine Rede sein, und wer irgend wie noch den geringsten Zwei­fel darüber gehabt hätte, den dürften wohl nament lich die letzten 2 Jahre eines Besseren belehrt haben. Der Vorstand habe stets nach eigenem Gutdünken gehan­delt und achte nicht einmal die statuarischen Bestimmungen, wie dies deutlich aus den erekutorischen Eintreiben der rück­ständigen Beiträge hervorgehe. Das Statut befage, daß alle Diejenigen, die 4 Beiträge schulden, als zu der Kaffe zu­gehörig nicht mehr zu betrachten seien. Dem aus diesem ganz ungehörigen Vorgehen des Vorstandes erstandenen Prozeß sehe man sehr ruhig entgegen und wäre derselbe sicher schon zu Gunsten der Mitglieder entschieden, wenn nicht durch ein un­vorhergesehenes Ereigniß( Fehlen des Richters) diese Angelegen heit hätte vertagt werden müssen. Zum Schluß ermahnt Redner sämmtliche Kollegen, fest zusammen zu halten und alle vorge­fommenen Unregelmäßigkeiten zur Kenntniß des Vorstandes der hiefigen Filiale der Krankenkaffe Grundstein zur Einigkeit" zu bringen. Im weiteren Verlaufe der Debatte ergriffen noch die Herren Scheel, Heinze, Erdmann und Peter das Wort, um theils die Ausführungen des Herrn Conrad zu unterstüßen, theils dieselben zu ergänzen. Der legte Redner, Herr Peter, wies speziell darauf hin, wie das Kranken- und Unfallversicherungs- Gesetz feineswegs den Erwartungen der Arbeiter entspreche und daher auch niemals den erzielten Zweck erreichen werde. Nach einstimmiger An­

ist ein anständiger Mann Präfident ins Wort fallend: Beruhigen Sie sich doch, die Angeklagte fann das zu ihrer Entlastung anführen! Erzählen Sie uns jegt, wodurch Sie den Diebstahl erfahren haben!" Beugin: Die Mädchen haben sich unter einander gezankt und sich gegenseitigt beschuldigt, deshalb habe ich auch nicht anders benten können, als daß fie auch die andere fehlende Wäsche haben. Ich vermuthe das" Präsident unterbrechend: Es handelt sich für heute nur um die angegebenen Gegen­tände!" Angeklagte, haben Sie noch etwas anzuführen?"

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mit Gewalt weiter, und erst nachdem sie von den Beiden an den Armen gezogen, in figender Stellung über einige Stufen der Treppe gestoßen worden war, fand fie es bequemer, fich auf ihren Füßen fortzubewegen. et sa o to Be

In dem Stepney- Krankenhause wurde sie zunächst in die Leichenkammer geführt. Dort lag eine kleine Leiche mit allen Spuren des Hungertodes.

Wer ist dies?" fragte der Polizeidiener.

" Das ist Emma," erwiderte fie; dann genauer hinsehend, fügte sie hinzu: Nein, das ist Alice," und sie war im Begriff, nahme folgender Resolution wurde die Versammlung, die einen fich auf das todte Kind niederzubeugen und es zu tüffen, aber einer der Männer, von Etel erfaßt, schleuderte sie weg.

Sie wurde in das Krankenzimmer geführt. Eine Wärterin faß mit einem anderen verkümmerten und abgezehrten Kinde auf dem Schooß. Es war im Krankenhause gereinigt worden und man hatte alles aufgeboten, der Kleinen Leben zu retten. Werden Sie es durchbekommen?" fragte der Polizeidiener mit Thränen des Mitleids im Auge.

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Das läßt sich noch nicht sagen. Ist das die mörderische Mörderisch?" leuchte die Biehmutter.

Sie werden höchstwahrscheinlich wegen Todtschlag vor Gericht kommen, Weib."

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Das ist Emma. Mich kann fein Tadel treffen. Ich habe mein Bestes für die Kinder gethan und sie nie unsanft berührt."

Eins der armen Kleinen wurde mit einem gebrochenen Arm hierher gebracht," sagte die Wärterin.

Ja, das war aus dem Bett gefalien."

Vor dem Krankenhause hielt der Gefängnißwagen und die treue Ziehmutter wurde in's Gefängniß überführt, wo ihr Gatte gleichfalls einige Stunden später Obdach fand.

Am nächsten Morgen waren alle Beitungen voll von den Gräueln der Kinderpächterin. Ganz London hallte davon wieder.

Die entsegliche Wohnung unter dem Dache, wo die Adop finder einem schnellen und doch qualvollen Tode entgegen flechten, wurden genau beschrieben und die Fälle, welche im Stepney Krankenhause zur Behandlung gekommen waren, er­mangelte man nicht, einzeln aufzuzählen. Gräuel unerhörter Art tamen plöglich zu Tage und wurden in allen Kreisen der Gesellschaft besprochen.

Der kleine fechsjährige Straßenaraber, der Erbe von fünf­hundert Pfund, dem schon in diesem zarten Alter die Neigung zum Verbrechen in's Herz gepflanzt worden war, figurirte in den Spalten der Blätter, ebenso die Nichte, welche ahnungslos das Werkzeug der Entdeckung all dieser Scheußlichkeiten geworden war. Alle Berichte aber vermeilten mit besonderer Vorliebe bei einem sehr schönen Kinde, einem Knaben von etwas über zwei Jahren

mit dunklen Augen und braunem Haar und offenbar sehr kräftiger Konstitution, mit dem die Ziehmutter zwanzig Pfund bekommen bätte, und der die üble Behandlung überleben zu wollen schien, da er sich jetzt in sorgfältiger Pflege befand. ( Fortsetzung folgt.)

sehr ruhigen Verlauf genommen hatte, geschlossen. Die heute in Sanssouci tagende Versammlung protestirt auf das Ent­schiedenste gegen die Maßregeln des Vorstandes der alten Gewerkstaffe. Die Versammlung erklärt sich ferner damit ein­verstanden, eine Deputation von 3 Mitgliedern zu wählen, die bei der zuständigen Behörde darüber vorstellig werden soll, daß man erst die Mitglieder ihrer Rechte entbindet und dann noch die restirenden Beiträge erefutorisch eintreiben läßt."

Der Arbeiterbezirks- Verein des werkthätigen Volkes der Schönhauser Vorstadt bielt am Mittwoch Abend in Meister's Lokal, Schönhauser- Allee 161, eine außerordentliche Versammlung ab. Daselbst hielt der Stadto. Herr Goerdi einen Vortrag über Arbeiter- Kolonie und Kolonisation." Re ferent verwies zu Anfang seines Vortrages auf die Ueberpro duktion, die so viele deutsche Arbeiter aus ihrer Arbeit ver dränge, welche in der Hoffnung, jenseits des Oceans in etwas befferen Verhältnissen ihr Leben fristen zu lönnen auswandern. Aber die Meisten sehen sich getäuscht! Denn in Amerika suche der Kapitalistsoen Arbeiter auch nach Möglichkeit auszubeuten. Ned ner führte weiter an, es stehe doch thatsächlich fest, daß doch nur diejenigen solche Reise unternehmen können, die etwas be mittelt find, dagegen die Unbemittelten für ihren Lebensunter­halt hier durchzufämpfen hätten. Diesen stehe nun noch die Konkurrenz( der Buchthausarbeit) gegenüber, mit welcher der freie Arbeiter nicht tonfurriren fann. Es kommen nun hierzu noch die Arbeiterkolonien, die dem freien Arbeiter auch noch die Arbeit entreißen, und so den Arbeiter zwingen, als Vaga bund auf die Landstraße zu ziehen, um in einer solchen Anstalt Aufnahme zu suchen. Schließlich würden die Anstalten über­füllt, es müßten neue Kolonien geschafft werden. Bum Schluß betont Redner fich zu vereinigen und zu organisiren, und Män ner zu wählen, die für Sozialreform eintreten, wie Normal­Arbeitstag, Aufhebung der Buchthausarbeit. Als hierauf der Borsigende Herr Schulz seinen Dant erstattet, für den gehal­tenen sehr intereffanten Vortrag, erhoben sich die Versammelten von ihren Sigen, um ihre vollste Anerkennung fund zu geben. t. Der Kampf der Bäckergesellenschaft gegen den Meister Innungs- Verband Germania" wird immer heftiger. Nachdem am 17. d. durch das feste Busammenhalten der Ge sellen der Versuch des Innungs- Vorstandes, einen Gesellen­Ausschuß wählen zu laſſen, gescheitert ist, hat jetzt besagter Innungs- Vorstand folgende Bekanntmachung" den Gesellen übermitteln lassen: Mit dem 1. Dezember 1884 müſſen fämmtliche Krankenkassen dem Gesez entsprechend umgeändert sein. Für die Bädergesellen- Krankenkasse würden sonach in Bezug auf den monatlichen Beitrag, sowie auf die Höhe der

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