fich die Damen einander an, während die Herren es an scherz­haften Bemerkungen nicht fehlen ließen. Die verschiedenen Gefühle banger Erwartung und zweifelnder Neugier, verwan delten fich in das ungeheurer Heiterfeit, als auf ein gegebenes Beichen die schüßende Hülle fiel und das lebende Bild fich den Blicken der Gesellschaft präsentirte. Inmitten der Thüröffnung stand ein mit dem naffen Elemente angefüllter Wassertrog, aus welchem wehmüthig das schwarze Haupt Diana's, Herrn W.'s Jagdhündin, die Anwesenden musterte. Unter diesen mußte wohl Diana ihren Herrn erkannt haben, denn plößlich, mit einem wahren Freudengeheul entrann fie dem unfrei willigen Bade und stürzte mitten unter die Gesellschaft, welche vor dieser Profanirung entsegt auseinanderstob. Nur mit Mühe gelang es, den schüßenden Schleier wieder vor die badende Diana zu ziehen. Herr Pastor H. aber hatte ob seiner Be­fanntschaft mit der heidnischen Göttin viele Neckereien über sich ergehen zu laffen.

N. Groß Feuer. Diese Meldung allarmirte gestern Abend Die Feuerwehr und rief fie mit zwei Dampf- und sechs großen Handdrucksprigen nach dem Grundstücke Wafferthorstraße 46. Daselbst war auf dem Boden ein Feuer ausgebrochen, welches reiche Nahrung an den Boden- Verschlägen, dem Dachverband und den zahlreichen, dort lagernden Möbeln und Betten sc. fand. Der Brand hatte beim Eintreffen der Löschmannschaften benn auch bereits solche Dimensionen angenommen, daß das ganze Dach und der Boden mit seinem Inhalt ein vollstän­biges Flammenmeer war. Länger als eine Stunde arbeitete die Feuerwehr mit äußerster Anstrengung, ehe es ihr gelang, des wüthenden Elementes Herr zu werden. Die Aufräumungs­arbeiten nahmen noch die Arbeit von ca. zwei Stunden in Anspruch. Der Schaden ist für einige Miether, von denen nur sehr wenige versichert sind, ein sehr großer. Die Ent­ftehungsurfache des Brandunglücs ist noch nicht bekannt.- Mehrere Stunden später wurde die Feuerwehr durch den Melder nach dem Askanischen Platz gerufen; es stellte sich aber heraus, daß der Feuerlärm ein blinder war. Wahrschein lich ist von bübischer Hand der Wecker in Thätigkeit gesezt worden.

N. Besinnungslos stürzte heute Morgen 9 Uhr vor dem Hause Friedrichstraße 76 ein junger Mann, anscheinend den befferen Ständen angehörig, zusammen. Die Krankheitsursache fonnte nicht festgestellt werden, und wurde der Verunglückte nach dem Krankenhause im Friedrichshain gebracht.

N. Der Berichterstatter der Berliner Nachrichten", Edgar Faulhaber, welcher vor einigen Tagen durch einen Sturz aus dem Fenster verunglückte, befindet sich auf dem Wege der Befferung. Die erlittenen Quetschungen an Armen und Beinen find fast verheilt, ebenso find die Wunden am Kopf unbedeutend. F. ist, wie wir uns persönlich überzeugt haben, ganz flaren Geistes und nicht, wie einige Blätter be richteten, geistesgestört. In circa vierzehn Tagen gedenkt F. feine Thätigkeit wieder aufzunehmen.

,, Ein Geheimniß von Berlin " betitelt fich eine drei­aftige Boffe, welche am Dienstag im Alhambratheater zur Auf­führung gelangen soll.

Wer erst tommt, der erst mahlt. Bei dem Kochstr. 39 wohnenden Uhrmacher erschien gestern Vormittag der Gerichts­vollzieher, um auf Antrag eines Gläubigers das Waarenlager des Uhrmachers mit Beschlag zu belegen. Das Geschäft ging schnell von Statten, denn bedeutende Vorräthe waren nicht vor­handen; mit Hilfe einiger requirirter Droschkentutscher waren bald sämmtliche Regulatoren 2c. in die betreffenden Gefährte gebracht und, reich beladen mit dem Raub, segte sich der Bug in Bewegung. Hatte der Vorgang schon peinliches Aufsehen bet Betheiligten hervorgerufen, so wird der betreffende Haus­wirth erst recht unangenehm berührt sein, wenn er den leeren Laden vorfindet und die Entdeckung macht, daß ihm ein An­derer zuvor gekommen, und wird demselben wohl nichts anderes übrig bleiben, als den armen Gepfändeten von seinem noch 2 Jahre laufenden Kontrakte zu entbinden.

r. Ein gefährlicher Strangschläger verseßte am Sonn­tag in der Mittagstunde die Passanten an der Ecke der Char­loftenstraße und den Linden in nicht geringe Aufregung. Schon beim Abfahren vom Halteplatz vor dem Hotel de Rome zeigte fich das vor eine Droschte gespannte Thier ziemlich wider­fpenftig und als es den Damm der Linden überschritten, suchte es mit großer Beharrlichkeit seinen Weg auf dem Trottoir fortzufezen. Swar wurde es hieran durch die energische Bügel­führung und durch die Peitsche des Kutschers gehindert, doch begann es nun plöglich, den Wagen mit den Hinterhufen zu bearbeiten, daß der Kutscher, um feinen erheblichen Schaden zu nehmen, vom Bocke sprang und der Fahrgast ebenfalls schleu­nigft flüchtete. Zum Schluß lief das wild gewordene Thier in das Schaufenster eines Belzwaarenhändlers, wo es jedoch infolge der Verlegungen, die es fich an den Glassplittern der zerbrochenen Spiegelscheibe zuzog, schleunigst umwendete und fich hierbei zum Glüd so in dem Geschirr verwickelte, daß es zu Falle lam und gebändigt werden konnte. Wehllagend er­zählte der Kutscher, daß ihm der bösartige Gaul von einem Bferdehändler angeschmiert" sei, und zog, das Thier vorsichtig am Kopfe führend, mit dem stark beschädigten Wagen von dannen.

zu verdienen scheine. Nach seiner Rückkehr vernahm Norden ftiöld gegen die von ihm dargestellten Lehren über die Lage des bogenförmigen Nordlichtes den Einwurf, daß das Lettere in der Nachbarschaft des Nordlichtpols als ein Ring erscheinen müßte, er führt aber dagegen an, daß dieses keineswegs der Fall sei, daß das bogenförmige Nordlicht dort ganz und gar unter dem Horizot liege. Es gebe feine Stelle auf der Erde, von welcher aus der ganze Lichtkreis auf einmal gesehen werden tönne.

In seinem großen Werke über die wissenschaftlichen Er­gebnisse der Vega- Expedition( Leipzig bei F. A. Brodhaus) publizirt Nordenskiöld eine interessante Karte über das Gebiet der Sichtbarkeit des gewöhnlichen Nordlichtbogens. Er theilt daffelbe in fünf Untergebiete ein, welche fich fonzentrisch rings um den Nordlichtpol lagern. Das innerste Gebiet ist ein Kreis, der von der Baffinsbay bis fast hinauf bis zum Nordpol geht und zu den am besten erforschten Polargegenden gehört. Der Theorie nach dürfte innerhalb dieses Kreises die gewöhn liche Nordlichtglorie nur als ein weit entfernter Lichtschimmer oder niederer Lichtbogen an dem vom Nordlichtpol abgefehrten Theil des Horizonts zu sehen sein. In der That nehmen in den Berichten der zahlreichen Polarforscher, die hier überwintert haben, die Mittheilungen über das Nordlicht einen sehr unter­geordneten Blag ein. Deutlicher zeigt fich schon der gewöhn­liche Bogen in dem zweiten Sichtbarkeitsgebiet, welches als ein acht Grab breiter Gürtel fonzentrisch den inncren Kreis um­giebt. Dieser Gürtel umfaßt Nord- Spißbergen, Nord- Grön­land und die amerikanisch- arktische Inselwelt. Nordenskiöld beobachtete während der schwedischen Expedition 1872-73 von der Mosselbay aus, daß fich der gewöhnliche" Bogen im magnetischen Süden als ein Bogen von gleichmäßig vertheiltem Lichte zeigte. Von hier fand ein Strahlenwerfen hauptsächlich in der Ebene der Nordlichtglorie nach dem innern Kreise statt, wodurch die hübschen Draperieen- Nordlichter entstanden, welche in Mosfellbay so oft beobachtet wurden. Wenn die Nordlichter sehr start wurden, so fand auch innerhalb des innern Kreises, Das heißt auch vom Benith nach dem magnetischen Norden ein Strahlenwerfen statt, und nun entstand eine prachtvolle Strone, deren Strahlen an dem Puntte am Himmelsgewölbe aufammen zu laufen schienen, gegen den die Magnetnadel zeigte.

Es folgt als drittes Sichtbarkeits- Gebiet rings um das zweite ein ringförmiger Gürtel, welcher halb so breit ist als der zweite. Dieser Gürtel dehnt sich über den nördlichen

Gerichts- Zeitung.

K. Wegen Bergehens gegen die§§. 6 und 19 des Reichsgefeßes über die Presse stand am 27. d. M. vor der Abtheilung 94 des Schöffengerichts eine Verhandlung gegen den Verlagsbuchhändler Dieß aus Stuttgart an. Derselbe hatte es nämlich unterlassen, auf einem Flugblatte, welches in seiner Druckerei zu Hamburg hergestellt war und hier in Berlin ver­breitet worden ist, den Namen und Wohnort des Verlegers beziehungsweise des Verfassers und Herausgebers zu nennen. Rechtsanwalt Freudenthal, welcher den Angeklagten vertrat, stellte den Antrag, daß das Schöffengericht seine Unzuständig feit ausspreche, weil das Flugblatt in Hamburg hergestellt und an die Besteller ausgeantwortet sei. Der Umstand, daß hier in Berlin das Preßerzeugniß verbreitet wurde, sei nicht von Be­lang, da die Strafthat, in einer Unterlassung bestehend, in Hamburg vollendet sei und von einer Fortsegung der Straf that hier in Berlin nicht die Rede sein könne. Der Staatsan­walt widersprach dem Unzuständigkeitsantrage; der Gerichtshof erklärte fich jedoch unter Adoption der Ausführungen des Ver­theidigers für infompetent und legte dem Staate die Kosten des Verfahrens zur Last.

Die seltene Anklage der versuchten Nöthigung des Justizministers zur Vornahme einer Amtshandlung, ver­bunden mit einer weiteren Anklage der wiederholten wiffent lich falschen Anschuldigung unter wiederholter Beleidigung gelangte heute gegen den Eisenbahn - Invaliden Gustav Öfftg vor der vierten Straflammer hiesigen Landgerichts I zu Ver­handlung. Die Grundlage der sämmtlichen Anklagepunkte bilden einzelne romanhafte Vorgänge, die sich in den Jahren 1874, 1876 und 1880 in dem schlesischen Städtchen Grottfau abgespielt haben. Dort verstarb nämlich im September des leggenannten Jahres der 81 Jahr alte Rentier, frühere Schmiede­meister Ignaz Seppel und hinterließ laut Testament vom 31. Mai 1876 fein Vermögen der als Üniverfalerbin eingesetz­ten Adoptivtochter Mathilde Schneeweiß, während er seinen Blutsverwandten, der Mutter des Angeklagten und deren fieben Kindern nur Legate von je 149 Mark ausge setzt hatte. Aus den Beiakten wurde konstatirt, daß der Erblaffer am 15. April 1874 in der Wohnung der Wittwe Schneeweiß vor einer aus dem damaligen Kreisrichter Dr. Mantel und Protokollführer Berger bestehenden Gerichts Kommission, deren beide Töchter Mathilde und Klara adoptirt und daß er im Mai 1876 ein früher hinterlegtes Testament zurückgenommen hat, worauf er das legtgenannte vom 31. Mai 1876 von Neuem hinterlegt habe. In dem neuen Testament gab der Erblaffer fein baares Vermögen in Höhe von circa 2500 Mart an. Legate wurden in demselben auch den fünf Kindern des Kämmerers Kornte, je 149 Mark, welcher bei dem Adoptionsvertrage als Retognitionszeuge fungirte. Der Ange­flagte bat nun als Generalbevollmächtigter seiner Mutter seit drei Jahren Denunziation auf Denunziation und Beschwerde auf Beschwerde abgelassen gegen die Wittwe Schneeweiß, sowie gegen alle bei den verschiedenen Atten betheiligten Beamten, sowie gegen den Kämmerer Kornke und den Magistrats Sekretär Hellmann in Grottlau. In all diesen Schriftstücken wurde behauptet, daß die Wittwe Schneeweiß zum Zwecke der Erbschleicherei den halb schwachsinnigen Seppel an sich gefesselt, die Adoption ihrer Tochter durch Vorschiebung einer anderen Person bewirkt, den alten Eeppel in seiner Freiheit beschränkt, gemißhandelt und zur Aenderung seines Testaments bestimmt habe. Es wird in diesen Schrifistücken auch die Vermuthung ausgesprochen, daß der plögliche Tod des Seppel nicht auf natürliche Ursachen zurückzuführen sei. Dem Kornte wird An­ftiftung dieser Strafthaten zum Vorwurf gemacht und der Magistratssekretär Hellmann bezüchtigt, die Aussagen der Zeugen gefälscht zu haben. Die Denunziationen wurden durchweg zu zückgewiesen, und so wandte fich in verschiedenen Fällen der Angeklagte auch an den Justizminister. In der einen dieser Beschwerdeschriften war, wenn Abhilfe nicht geschaffen würde, mit Veröffentlichung in der Presse und leberweisung des Ma­terials an den Reichstagsabgeordneten Eugen Richter gedroht. Der Angeklagte bekennt sich für nichtschuldig und behauptet u. A., daß sein Großontel, wie jeder Einwohner Grottkaus wisse, mindestens ein Vermögen von 60 000 M. hinterlassen habe, während das selbe in seinem legten Testament mit noch nicht 2500 M. angegeben sei. Aus den Aften wurde konstatirt, daß die Ge­richtstommiffion am 15. April 1874 auf eine Eingabe der Wittwe Schneeweiß behufs Aufnahme eines Testaments in deren Wohnung erschienen sei, daß Frau Schneeweiß aber garnicht testiren wollte, und daß nun die Kommission auf das Ansuchen des anwesenden Seppel den Adoptionsvertrag aufnahm. Staats­anwalt Hoppe beantragte eine Gesammtstrafe von 3 Jahren Gefängniß, während Rechtsanwalt Geschte unter der Ausfüh rung, daß hier thatsächlich eine Erbschleicherei vorzuliegen scheine, gegen welche fich die Thätigkeit des Angeklagten rich­tete, auf deffen Freisprechung plaidirte. Der Gerichtshof ver­urtheilte den Angeklagten nur wegen Nöthigung und Beleidi gung in einem Falle zu drei Monaten Gefängniß, welche er burch erlittene Untersuchungshaft als verbüßt erachtete.

Anarchist Peutert als Kläger . Der Anarchistenführer Josef Peutert hatte den deutschen Reichstags- Abgeordneten

Theil von Britisch- Amerika, den mittleren Theil der Davis ftraße, Süd- Grönland, Jan Mayen , Süd- Spißbergen und Franz Josephsland aus. Ueber ihm liegt der gewöhnliche Nordlichtbogen im Benith und ist dem Beobachter näher als in irgend einem andern Theile der Erde. Der gewöhnliche Bogen" erscheint hier weniger oft als Bogen, sondern als ein allgemeiner Lichtschimmer, der aber im Vergleich zu den Strahlen- Nordlichtern, die hier anfangen allgemein zu werden, so unwahrscheinlich ist, daß er wahrscheinlich sehr wenig be­obachtet worden ist.

Da vierte Gebiet wird durch einen wiederum doppelt so breiten Gürtel, als der eben besprochene, gebildet. Dieses Gebiet umfaßt Jsland, Nord- Skandinavien, Nowaja- Semlija, Nord- Sibirien, Alaska und Britisch Amerika. Hier beginnen die schwachen Nordlichter mit einem Bogen ungefähr im mag­netischen Norden; von diesen Bogen gehen oft radiirende Strahlen von größerer oder geringerer Lichtstärke entweder frei in den Raum hinaus oder nach einem andern, dem ersten bei nahe parallelen Bogen. Das fünfte Gebiet endlich umfaßt einen Gürtel rings um den vierten, welcher das mittlere Stan dinavien, Finland, Nord- Rußland, Nord- Sibirien füdlich der Küste, Nord- Amerika bis hinab zu den Vereinigten Staaten, Labrador und Nord- Schottland enthält. Die inneren Kreise der Nordlichtglorie sind hier nicht sichtbar. Die ruhigeren Nordlichter find hier weniger häufta, dagegen find die Nord­lichtunwetter und die prachtvollen Draperien Nordlichter all­gemein.

Selbstverständlich wurden während der Ueberwinterung der Bega auch Studien des Nordlichts mit dem Erd- Magnetis mus gemacht. Es stellte sich heraus, daß der gewöhnliche Nordlichtbogen respettive fein Einfluß durch magnetische Va­

Karl Grillenberger in Wien verklagt, weil derselbe in feinem Blatte, der Fränkischen Tagespost", eine Korrespondenz aus Graz veröffentlicht hatte, welche das Treiben der Wiener Anarchistenführer in scharfer Weise tennzeichnete. Es hieß darin, die Sache der österreichischen Arbeiter werde durch Gauner ge schädigt, welche Verbrechen anstiften, angeblich um Geld zur Propaganda zu beschaffen, in Wirklichkeit diene das Geld aber, wie man in Arbeiterkreisen meine, doch nur dazu, das Wohl befinden der Herren von der Bukunft" zu erhöhen. Es waren dann Peutert, Schmidt und Andere näher als solche Gauner bezeichnet und noch hinzugefügt, wer sich diese Lumpen in der Nähe betrachte, begreife die Meinung, welche über sie herrsche. Beufert fühlte fich durch die Ausdrücke Lump", Gauner" und durch den Vorwurf, er verwende Parteigelder für fich, in seiner Ehre gekränkt und beauftragte durch Dr. Glaser in Wien den hiesigen Rechtsanwalt Meyer mit energischer Führung der Sache. Der Angeklagte Grillenberger erflärte bei Einleitung des Prozesses sofort, den Wahrheitsbeweis führen zu wollen, und ließ eine große Anzahl Zeugen in Desterreich und in der Schweiz über das Treiben Peutert's tommissarisch vernehmen. Von den dadurch erzielten Aussagen sind diejenigen mehrerer Mitglieder des Arbeiter- Bildungsvereins zu Innsbrud am interessantesten. Zeuge Wilhelm Hofer daselbst bekundete: Beutert tam im Herbst 1881 als Most'scher Emisfär von einem Anarchisten- Kongreß aus London , um die Propoganda ber That" in Desterreich zu organistren. Er sagte den versammelten Arbeitern, die bisherige Agitation sei Kinderei, man müſſe im Sinne Moft's zur That schreiten.( Es folgt nun die Wiedergabe der Branreden Peutert's, welche direkt zu Mord und Todt schlag aufreizen.) Man tönnte fich ja zur Ausführung der Thaten gemeiner Verbrecher als Kanonenfutter bedienen, damit die Leiter der Partei außer Gefahr bleiben. Ueber diese Lehren, welche glücklicherweise dort nicht auf günstigen Boden fielen, gaben außer Hofer noch zwei andere Beugen übereinstimmend Auskunft; ein weiterer Beuge giebt an, daß Beutert ungefähr um dieselbe Zeit auch in Meran war und in derselben Weise wie in Jnsbrud predigte. Alle Beugen betonen ferner, daß es fich keineswegs um akademische Reflexionen, sondern um direkte dringende Aufforderungen zum Verbrechen gehandelt habe. Nad der Aussage verschiedener Beugen in Winterthur hat Beulert dort, wenn auch in mehr reservirter Form, gleichfalls die Be raubung von Bankhäusern empfohlen und das Merstallinger Attentat blos getadelt, weil sich wegen einer Bagatelle bas Opfer von Menschenleben ,, nicht rentire". Auch soll er sich dort zur Mitwissenschaft des Merstallinger- attentats bekannt haben, doch gehen darüber die Beugenaussagen auseinander. Weiter wurde als Beuge der wegen Bankraub und Mordvers fuch in Stuttgart jest zu lebenslänglichem Zuchthaus verurs theilte Kumitsch über seine Beziehungen zu Peutert vernommen. Er gab zu, daß er denselben fenne, verweigerte aber eingehende Auskunft. Ein Entlastungszeuge, Mitglied der gemäßigten Arbeiterpartei sagt unter Anderm aus: Es sei wahrscheinlich daß Beukert um das Merstallinger- Attentat vorher gewußt habe, denn er habe ja mit Engel und Pfleger, die ausführen den Attentäter, in demselben Komitee gefeffen und sei mit ihnen bei einer Konferenz erschienen, auf welcher die Abhal tung eines öfterreichischen Arbeitertages besprochen wurde. Vor Gericht habe er dann gesagt, er hätte die Beiden faum einmal gesehen. Beutert sei die Seele der anarchistischen Organisation gewesen, er müsse daber auch von den Unternehmungen Stellmacher's und Kammerers' gewußt haben. Kumitsch verfah den Vertrauensposten eines Revisors bei der Bukunft", während Beufert Redakteur war. Daß Verdacht hinsichtlich der Verwendung von Parteigeldern in Arbei tertreisen und selbst unter den Anarchisten herrsche, sei That sache. Der Angeklagte Grillenberger erklärte, er halte den In halt des Artikels vollständig und mit allen einzelnen Ausdrücken aufrecht und wunderte sich, daß es bei dem erdrückenden Beweis material, welches er dafür beigebracht, die Gegenpartei über haupt noch zur Verhandlung habe tomme laffen. Aber freilich, Beutert habe leicht flagen, ihm stehen zur Bezahlung des Advo faten die Fonds der geraubten Gelder zur Verfügung. Er Redner, erhalte nicht einmal feine Auslagen ersetzt, da der Verbrecher flüchtig sei. Wenn fonstatirt ist, daß ein Mensch zu solchen Verbrechen gehezt hat, so sei er ein zehnmal größerer Lump wie Kammerer, und wenn ein solcher Zump nicht mehr Gauner genannt werden dürfe, dann sei man mehrlos gegen Diese Verbrecherbande. Redner habe sich das Verdienst e worben, bei seinen Agitationsreisen in der Schweiz , wie auc in Deutschland die Anarchisten gebrandmarkt zu haben; e vertrete berechtigte Interessen, denn er wolle verhindern, daß die Verbrecher den ehrlichen deutschen und österreichischen Ar beitern nicht an die Rodschöße gehängt werden; dafür glaube er Dant, nicht Strafe zu verdienen.

Das Gericht erkannte auf Freisprechung und schloß sich in der Begründung des Urtheils den Ausführungen des Verklagten an. Derfelbe habe berechtigte Interessen vertreten, und die ge brauchten Ausbrüde seien nicht über die berechtigte Kriti hinausgehend einer Person gegenüber, die allerdings zu schlimmsten Verbrechen in der verwerflichsten Weise aufgereist habe. Das Verbrechen als solches zu bezeichnen, sei nicht strafbar. Kläger wird in alle Kosten verurtheilt.

Vermischtes.

ben

Briefe aus Batavia besagen, daß die zwei Inseln Steers und Calmeyer, die voriges Jahr zur Zeit des Ausbruches des Bullans Kratatao entstanden, vom Meere wieder verschlungen find. Der Vullan Merapi in Java ist seit einiger Beit in einem Zustande der Thätigkeit, der zuzunehmen scheint und auf mehreren der benachbarten fleinen Inseln werden Erderschütte rungen verspürt.

Ein frommer Wunsch. Aus den zuverlässigen Quellen ermitteln wir, fagt das Middletowo Transscript", daß der Nationalreichthum der Vereinigten Staaten 872 Dollars pro Kopf der Bevölkerung beträgt. Wir wünschen, daß der Mensch, Der die uns gehörigen, aber fehlenden 871 Doll. und 75 Gent in Händen hat, uns die Summe überbringt, ehe wir zu alt werden, um uns der Genüffe, welche Reichthum gewährt, e freuen zu können.

M

Anarchistenriecherei. Herr Bildhauer M. besuchte gestern den Rheingau und machte auch einen Abstecher nach dem Na fionaldenkmal auf dem Niederwald. Unterwegs faufte er fic in einer der Hütten eine internationale Korrespondenzkarte, um vom Niederwald nach Petropolis in Nordamerila feinen Be wandten einen Gruß zu senden. Am Denkmale selbst besuchte er den ihm befreundeten Cuftos. Als er fich anschickte, ben Rückweg einzuschlagen, fam plöglich athemlos ein Herr und fragte nach dem Käufer der Weltpostkarte, der ein verdächtiges Badet bei fich führe. Herr M., dessen Rinn ein röthlich- graue Bart ziert, meldete sich sofort und fragte, was man von ihm wolle. Der herbeigeeilte Mann stellte fich als den Bürge meister einer benachbarten Gemeinde vor, und forderte be perdächtigen Fremdling auf, fich zu legitimiren. Da Herr im Hintergrunde Polizei gewahrte, so machte er weiter feine Umstände und bat, ihm zu dem Custos zu führen, was aud Frankfurt sei. Aber das Bädchen, daß er bei sich trägt?" bies es wieder. Enthält Ortsvorstande zum Deffnen, der jedoch scheu davor zurückwid und damit reichte Herr M. es dem - enthält zwei Köpfe von Heiligen." Damit flog der Dedel auf und statt Dynamit lamen zwei Modelle zum Vorschein Um den gefährlichen Menschen rasch thalabwärts bringen lönnen, hatte der Bürgermeister telegraphisch einen Bug, Rabbahn beordert, der nun, statt von einem gefangenen Ver brecher und Gendarmen, von einer vergnügten Gesellschaft ftiegen wurde.

der Einfluß der stärkeren Nordlichter auf die Magnetnadel sehr geschah. Dieser erklärte, daß der Vorgeführte Herr M. aus

merkbar. Die Veröffentlichung der hauptsächlichsten Säße der Nordenskiöldschen hypothese geschah noch so frühzeitig, daß es möglich war, der Mehrzahl der im Sommer 1382 aufbrechen­ben internationalen Polarexpeditionen davon Renntniß zu geben. Inzwischen aber hatten auch die Untersuchungen über den Erdmagnetismus und die Erbftröme eine besondere Rich tung angenommen, wovon wir im nächsten Artikel reden werden.

( Fortiepung folgt.)

Verantwortlicher Redakteur R. Gronheim in Berlin . Druck und Berlag von Mag Bading in Berlin SW. Beuthstraße 2.

be

be

2