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Dienstag, 14 April 1885

II. Jabry.

Berliner Volksblatt.

Organ für die Interessen der Arbeiter.

Das Berliner Volksblatt"

erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Bostabonnement 4 Mt. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags- Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.)

Redaktion: Beuthstraße 2.

Bur Weltausstellung in Berlin .

Wir haben über dieses Thema schon im Voltsblatt" geschrieben und haben uns für eine Weltausstellung und gegen eine sogenannte nationale Ausstellung er­flärt.

Aus den letzten beiden Nummern unseres Blattes aber ersehen die Leser, daß man sich gegenwärtig mit bem enthal Blane trägt, in Berlin eine nationale Ausstellung für das Jahr 1888 zu veranstalten.

detail hen Ausschuß eingesetzt, welcher über die Aus­

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Wir halten es nun an der Zeit, ein Referat wieder aufzufrischen, welches zu Ende des Jahres 1882 im ,, Ver­ein zur Beförderung des Gewerbefleißes" zu Berlin ge­halten wurde. Dieser Verein hatte nämlich einen techni­tellungsfragen berathen sollte. Profeffor Bogel, Mitglied dieses Ausschusses, referirte nun unter dem Vor­siz des Unterstaatssekretärs Dr. von Möller über die Bes rathungen des Ausschusses in folgender Weise.

Insertionsgebühr

beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf.. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 thr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., 3immerstraße 44, sowie von allen Annoncen­Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen.

Expedition: Zimmerstraße 44.

Wien, eine Stadtbahn befize Letteres überhaupt nicht. Er macht auf den mächtigen Aufschwung der Berliner Industrie aufmerksam, welche der Pariser selbst auf dem Frankreich ureigensten Gebiete der Mode namhafte Ronkurrenz macht. Ueber 50,000 Menschen ar beiten in Berlin in Konfektion und exportirte diese Branche allein nach Nordamerika 1880 Waaren im Werthe von M. 2,800,000 und 1881 fogar für M. 3,800,000. Der Gesammtumsatz der Berliner Shawlfabrikation wird auf jährlich 13 Millionen Mart angegeben, davon tommen 7 bis 8 Millionen auf den Export. Die Exportlisten des hiesigen amerikanischen Konsulats weisen 1876 nur für 7 Millionen, 1881 dagegen für 16 Millionen Mark Berliner Waaren auf. Redner betonte dann die große Entwickelung der Berliner Kunstindustrie, die in manchen Branchen, z. B. Bronzewaaren und Lampen, erfolgreich mit der französischen in die Schranken

weilte) an der Spiße der Bewegung zu Gunsten der Weltausstellung stehe, und daß uur Grundstückspetulanten, Bimmervermiether, Stellen­jäger und Droschtenkutscher sich für dieselbe intereffiren. Man ließ von Seiten des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller das Weltausstellungsprojett fallen und agitirte seitdem nur für eine de ut fche Landesausstellung. Dagegen nahm der Verein für Gewerbefleiß im April 5. J. bas erste Projekt wieder in Erwägung, als Herr Dr. Grothe verschiedene Anträge, betreffend die Reform des Ausstellungswesens gestellt, und darin ausdrücklich die Weltausstellungsfrage angeregt hatte. Der technische Ausschuß des Vereins wählte den Reduer zum Referenten in dieser Sache und unterbreitete nach ein nabme, worin die Veranstaltung von internationalen Aus­gehender Berathung dem Vereine eine Resolution zur An­ftellungen in nicht zu furzen Zeiträumen als wünschenstrete und bereits einen Weltmarkt befize. Der Redner werth hingestellt und die Reichsregierung ersucht wird, daß die nächste Weltausstellung nach der italie nischen in Berlin stattfinde, dabei aber betont wird, daß Reformen im Weltausstellungswesen noth­betont wird, daß Reformen im Weltausstellungswesen noth­wendig erscheinen.

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Nach dieser historischen Darstellung schritt Redner zur Motivirung der untenstehenden Resolution. gab zu, daß bei Weltausstellungen sich Elemente ein drängen, die nur ihren eigenen Vortheil im Auge haben, betonte aber, daß dies bei allen großen Unternehmungen der Fall sei, und wies auf den spekulativen Patriotismus" des Jahres 1870 hin. Er gab die hohen Untoften zu, ers achtete diese aber für klein gegenüber dem immensen didaktischen Nugen derfelben für die vers anstaltende Nation; er bestritt, baß jede Weltaus­ftellung ihre Vorgängerin an Lurus und Großartigkeit über­treffen müffe. Die Philadelphia- Ausstellung war nur wenig größer als die Wiener, und war in Bezug auf Baulich feiten viel einfacher und billiger, aber dennoch anziehender als die lettere, so daß sie ohne Defizit abschloß, während die Wiener 12 Millionen Gulden Defizit hinterließ. Der unerhörte Luxus der Pariser Weltausstellung von 1878 batte einen politischen Hintergrund; man wollte zeigen, daß die Republik noch größeren Glanz entfalten könne, als das Raiserreich.

Er gab zunächst einen Abriß über die Entstehung des Projektes, bas bereits 1879 zur Zeit der Gewerbeaus­stellung ventilirt wurde. Das Aeltestenkollegium der Ber­te ge liner Raufmannschaft und das Präsidium des deutschen Kehr Handelstages diskutirten die Angelegenheit, suchten die Meinungen der Handelskammern zu eruiren und machten rik über die dem Projekt günstigen Aeußerungen derselben dem Reichsamt des Innern Mittheilung. Weiterhin nahm der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller" die Sache in die Hand und wählte ein Romité zur Berathung. Dieses traße 2 erklärte fich in seiner Majorität gegen eine Berliner Weltausstellung, dagegen für eine allgemeine deutsche Ausstellung. Um die Meinung eines größeren fompe Nan tenten Forums über die Angelegenheit zu vernehmen, berief Diejen bas Komité eine Versammlung von Delegirten der hervortreffen müffe. Die Philadelphia- Ausstellung war nur wenig ies gragenbsten technischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Vereine Berlins auf den 21. Juli 1881; biefelbe erklärte fich, obgleich anfänglich die Stimmung mehr für eine beutsche Landesausstellung war, nach lebhaften Debatten fchließlich für eine Berliner Weltausstellung. lig au In wiſchen tauchte das Projekt einer 1885er internatio­12 Bonalen Ausstellung in Nom auf. Das Aeltestenkollegium richtete daher an die Reichsregierung das Ersuchen, darauf hinzuwirken, daß statt dieser Ausstellung eine internationale Bftraße Ausstellung in Deutschland abgehalten werde. Der Be vei Hescheid des Ministers von Boetticher lautete ablehnend und wurde derselbe in der Reichstagsfißung vom 28. Januar b. J. auf die Interpellation des Abg. Löwe näher motivirt. Herr Reichensperger Krefeld bekräftigte die Aeußerungen des Ministers und suchte auszuführen, daß Herr Reulea ug ( der in jener Beit in Australien als Regierungskommissar

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Feuilleton.

Im Eckfenster.

Roman von Friedrich Gerstäder. ( Fortseßung.)

D, ich weiß schon!" fuhr dieser mit erhöhtem Pathos unb bie Rolle hebend fort, man hält eine der begabtesten

L 1,50 Jüngerinnen Polyhymnia's nicht für würdig, in den Kreis 1,50 einer hochadligen Familie zu treten und doch dabei noch M bem Beruf zu folgen, zu dem sie eine Got theit selbst be geisterte; man nennt das öffentlich auftreten, und einem opfern foll?"

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21 M. Jolchen Vorurtheil verlangen Sie, daß ich meinen Kontrakt

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Aber wenn es selbst Fräulein Blendheims innigfter unfch wäre?"

Es ist nicht denkbar," sagte der Direktor und die Augenbrauen famen wieder herunter und zogen sich so fest zufammen, daß sie nur einen einzigen dunklen Strich über feiner Nafe bilbeten, es wäre unnatürlich, und was gegen Die Natur ist, läßt sich nicht denken."

Aber wenn Sie sie selber fragen wollten?"

Und alle die Opfer, die ich gebracht habe," sagte der Direktor tragisch, ja, die Verpflichtung, die ich selber gegen pas Publikum eingegangen bin? Es wäre Selbstmord. Rain, wo ist Dein Bruder Abel? würde mich der Herr ragen, wenn ich ein solches Licht mit eigener Hand unter en Scheffel stellte; entschuldigen Sie den Vergleich, aber ie heilige Schrift führt ihn selber an."

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Unb ließe fich ba fein Ausweg treffen, kein Vergleich hließen?" fagte Dürrbed. Sie gitiren mir eben die Bibel, lieber Herr, aber einer echt chriftlichen Gesinnung wäre es doch angemessen, dem Glück eines jungen Mäd­hens nicht im Wege zu stehen."

Glück," sagte der Direktor achselzuckend, was ist Blüd? Glüd ist eine folche Stimme, wie fie Fräulein Blend beim hat, denn in ihrer Rehle trägt sie ein Rapital, nd wenn fie bas in den Raften legt und nicht mehr ver inst, so hat sie das Glück von sich gestoßen."

,, Aber, verehrter Herr," sagte von Dürrbed, dem das

Rebner tritt ferner der Behauptung entgegen, daß Berlin feine Stadt sei, die Anziehung auf die Fremben ausübe, und daß es deshalb an genügender Besucherzahl für eine Weltausstellung fehlen würde. Er weist auf die großartige Entwidelung des Berliner Verkehrswesens in ben letzten 10 Jahren hin. Berlin habe jetzt ca. drei Mal soviel Stadtpostanstalten und ein mehr als drei Mal so großes Pferdebahnnet wie

Gespräch unangenehm wurde, denn er kam dadurch zu feinem Biele, wir sind ganz von dem Punkte, über den ich eigentlich mit Ihnen sprechen wollte, abgekommen, ich meine ben Rontraft des Fräuleins. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, wie sehr ich die Verbindung mit der jungen Dame wünsche, und daß es uns Beiden furchtbar sein würde, unsere Vereinigung noch auf Jahre hinausgeschoben zu sehen."

Der Direktor zudte hoch hinauf mit den Achseln, und der Lorbeerkranz nahm fich dazu etwas fonderbar aus.

Meine Frage," fuhr Dürrbed bestimmt fort, ,, richtet sich deshalb auch nur direkt an Sie, vers ehrter Herr, ob Sie nicht doch vielleicht darauf eins gehen würden, Fräulein Blendheim wenigstens im Laufe des nächsten Monats, wo doch die stille Beit für das Theater beginnt, ihres Rontrakts und deffen Berpflichtungen zu entbinden.

Direktor Sußmeyer streckte den Arm pathetisch vor Raum für Alle hat die Erde, was verfolgst Du meine Heerde?" sagte er. Wie komme ich dazu, aus reiner Ge fälligkeit einer Dame den mit vollem Bewußtsein geschloffes nen Kontrakt zu lösen, und noch dazu einen Kontraft, bei dem ich einmal feinen Schaden habe? Sehen Sie, Herr Hauptmann," fuhr er lebhafter fort, da ist der Kontrakt unferes zweiten Liebhabers oder der der Soubrette, die noch auf zwei Jahre laufen, wenn Sie die gelöst haben wollen und mir die Einwilligung der Betheiligung bringen, mit bem größten Vergnügen."

Dann entschuldigen Sie, daß wir Sie umsonst be­müht haben," sagte Dürrbed, ungeduldig werdend, indem er Solberg's Arm nahm.

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Nicht zu hißig, junger Mann," sagte der Direktor, indem er den Arm hob und die Augenbrauen wieder in die Höhe zog. Sie wissen nicht und können nicht wissen, welche leiden der Dirigent einer Bühne, eines Runfitempels burchzumachen hat, wie schwer es ist, in jeßiger Zeit wirk lich tüchtige und, was in der Neuzeit fast eben so viel fagen will, jugendliche Kräfte zu gewinnen und zu halten. Die Hoftheater schnappen uns mit ihren enormen Gagen außerdem alles wirklich Gut fort, was nicht niet- und

weist dann auf die in neuerer Zeit entstandenen und noch entstehenden staatlichen, tommunalen und bürgerlichen Brachtbauten hin, auf die fich immer weiter ausdehnende Asphaltirung der Straßen, auf das Anwachsen der Kunst­schätze unserer Museen, die neuerdings durch grandiose Funde( die Schäße von Pergamon und Troja) den Neid ber ganzen Welt erregten, er weift endlich hin auf die wissenschaftliche Bedeutung Berlins , um darzuthun, daß eine solche Stadt recht wohl Anziehungskraft für Fremde besitze und nicht Ursache habe, um zahlreichen Besuch besorgt zu sein. Er ertennt eine Welt­ausstellung in Berlin als eine nationale Ehrenpflicht, nachdem wir oft genug bie Gastfreundschaft frember Böller genossen hätten. Er betont, wie das Ausstellungsland den Vor theil habe, über den Raum frei zu disponiren, während auf fremden Ausstellungen der Mangel an Raum oft eine genügende Entfaltung unserer Industrie verhindert habe.

Vor Allem falle aber die belehrende Wir kung der Weltausstellung ins Gewicht, die nimmermehr durch Zeichnungen, Modelle 2c. ersetzt werden fönnte. Nur durch den Augenschein kann man sich über­zeugen, wie eine Maschine arbeitet, elektrisches Licht brennt, oder eine Bronze ziselirt ist. Er weist hin, wie wir erst durch die Pariser Weltausstellung 1867 in Deutschland zu der Einsicht ge langten, wie schlimm es mit unserem Kunstgewerbe stand, und daß in Folge davon zur Hebung desselben aus privaten Mitteln bas Gewerbemuseum gegründet wurde.

Redner erklärte ferrer, daß auswärtige Weltausstel lungen nur ungenügend geeignet seien, den Makel, der

nagelfest ist, und selbst Kontrakte schüßen dagegen nicht immer, benn die Herrschaften brennen zuweilen selbst mit diesen durch."

Was wollen Sie also machen," sagte hier Hans, der sich über den exzentrischen Menschen zu ärgern anfing, wenn Ihnen Fräulein Blendheim einfach durch­geht?" ,, Dafür bürgt mir ihr Bräutigam," sagte der Direktor pathetisch.

Dber heifer wird," fiel Solberg ein, ein ganzes Jahr lang als frank auf dem Bettel steht, nur regelmäßig ihre Gage bezieht und keinen Ton dafür singt?"

Dem Direktor wurde das Gespräch, da es diese Wendung nahm, wie es schien. nicht angenehm. Er trat nicht weit von da, wo er ftand, auf einen einen Knopf, den Hans, als er den Fuß wieder davon nahm, am Boden bemerkte, und es tam ihm fast vor, als ob er im untern Geschoß eine feine Glode hätte anschlagen hören, dann streckte er die Hand, in ber er noch immer die Rolle hielt, pathetisch aus und sagte mit hohler, theatralifcher Stimme in der Rolle des Taffo weiter:

Hältst Du mich für so schwach, für so ein Rind, Daß solch ein Fall mich gleich zerrütten fönne?" ,, Uebrigens", fegte er dann mit seiner natürlichen Stimme und in feine gewöhnliche Weise fallend, d. h. grob werdend, hinzu, haben wir hier im Drt auch noch Polizei und einen Theaterarzt und Strafen und Abzug, um Thea terbamen, die absolut chikaniren wollen, ihren Standpunkt flar zu machen. Ha," fuhr er dann, wieder in Pathos fallend, fort:

-

Ich will den Schein, ich will nicht reden hören, Ich will den Schein, und darum sprich nicht mehr. Ich will tein fanfter Narr kein Schwärmer fein, Der's Haupt verdreht und jammert, und sich doch Ergiebt den chriftlichen Vermittlern. Fort, sag' ich, Ich will tein Reben meinen Schein will ich!"

Er hatte dei den letzten Worten eine wahrhaft impo nirenbe Stellung angenommen; ehe ihm aber Einer ber beiden jungen Leute auch nur ein Wort erwidern konnte,