1. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt.
Nr. 258.
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Tokales.
Dienstag, den 3. November 1896.
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13. Jahrg.
Sollen die Pfarrer dieselben selbst davon nicht halten, oder auß- Ein schlimmer Regentag sei auch die Ursache des„ Diebstahls" schließen, Sondern solches zum yberfluß an vnser Confiftorium gewesen, dessen er sich nach der Mittheilung einiger Blätter. Er habe an dem Tage durchnäßte Der Lokal- Anzeiger hat jekt 200 000 Abonnenten." gelangen, dann in solchen vnd dergleichen Sachen im Fiscal schuldig gemacht haben soll. Diese Mittheilung, die am Montag auf Riesenplakaten an den verordent, welcher widder solche Verbrecher mit Prozeß gebühr Füße gehabt, und da sei er denn mit den Gummischuhen, die Anschlagfäulen verkündet wurde, lieft sich wie eine schwere lichen zu erfahren, Gewalth hat."- Und das alles soll heute Herr Levy im Bureau stehen gehabt habe, nach Hause gekommen. Selbstverständlich hätten die Schuhe am andern Morgen wieder Anklage gegen einen beträchtlichen Theil der Berliner Be- noch zu recht bestehen! völkerung. Das Geschäftsprinzip des Blattes, das eine derartige, Aus der Geschichte des Berliner öffentlichen Fuhr- an ihrem Plaze geftanden. Frau Werner bezeichnet ferner die bis jetzt in Deutschland unerhörte Auflage erreicht hat, bestebi wesens. Am 30. Oftober 1846, also jest vor 50 Jahren, wurden Nachricht als unrichtig, daß ihr Sohn wegen Unterschlagungen aus darin, sich peinlich zu hüten, über irgend eine politische oder in Berlin die ersten Omnibuslinien fonzessionirt. Es feiner Stellung entlassen worden sei. Ihm sei die Beschäftigung zu an soziale Angelegenheit eine Meinung auszusprechen. Das waren zunächst die folgenden 5 Linien: 1. Alexanderplat- Unter strengend gewesen und sie als Mutter habe gleichfalls geglaubt, daß er Blatt will feinem zu nahe treten und vor allem nicht den den Linden- Bendlerstraße, 2. Karlsbad - Moltenmarkt- Jannowiß- eine Arbeit, wie die im Bureau des Rechtsanwalts, wohl gelegent= herrschenden Machtfaktoren. Darum muß es, ob es will oder brücke, 3. Hallesches Thor- Chausseestraße- Hamburger Bahnhof, lich mit einer, die seinen Kräften mehr zusage, vertauschen könne. nicht, den niedrigsten Instinkten schmeicheln, und darum 4. Anhaltischer Bahnhof- Hackescher Markt- Schönhauser Thor, Die Ursache seiner Verderbniß schreibt die Mutter dem Umgang giebt es feine politische oder soziale Ungeheuerlichkeit, 5. nach Charlottenburg . Die„ Ronzessionirte Berliner Omnibus mit Grosse und der Beschäftigung in der Ausstellung zu, welche Die groß genug wäre, den Lokal- Anzeiger" zu einem scharfen Kompagnie" eröffnete den Betrieb noch in demselben Jahre mit er, wie bekannt, dort bald bei Gebr. Naglo gefunden hatte. Sie Worte ehrlicher Entrüftung hinzureißen. Im alten Athen mußte zunächst 20 Wagen und 120 Pferden. In der Entwickelung der habe sich schwere Sorgen gemacht, als ihr Sohn schließlich der Mann, der im Kampfe der Parteien feine Stellung genommen Berkehrsmittel war damit ein wichtiger Schritt vorwärts gethan. bummelig geworden sei, und sogar die Nächte außer dem Hause hatte, schimpflich die Stadt verlassen; im modernen, von sozialen Versuche, einen regelmäßigen, an bestimmte Abfahrtzeiten verbracht hätte, und sie glaube, daß es ihr möglich gewesen Kämpfen durchwühlten Berlin steigt das Blatt, dessen politisches gebundenen Omnibusverkehr ins Leben zu rufen, waren wäre, ihr Kind wieder zur Raison zu bringen, wenn ihre und soziales Prinzip es ist, auch nur den Anschein einer felb in Berlin schon früher gemacht worden, aber bisher immer ge- Pflegetochter nicht um diese Zeit eine schlimme Krankheit durchständigen Meinungsäußerung ängstlich zu verbergen, auf eine scheitert. Bereits 1829 waren dahingehende Wünsche laut zumachen gehabt hätte, von der ihre ganze Kraft in Anspruch Auflage, mit der auch nicht entfernt irgend eine andere Zeitung geworden, kurz nachdem in Paris die schon 150 Jahre früher genommen worden wäre. Der Vormund, der für Werner einin Konkurrenz treten kann. Und die Ursache? Das aufgekommenen, aber später eingegangenen Omnibus wieder ein- gesetzt worden sei, hat sich fast gar nicht um ihn gekümmert. Blatt ist fenfatione II, es bringt die neuesten geführt worden waren. Daß das Unternehmen für Berlin erst Man mag das Bild, welches Frau Werner von ihrem Sohne Mordgeschichten am schönsten und ausführlichsten, es läßt sich 1846 verwirklicht wurde, lag in der Hauptfache daran, daß man entwirft, für ein solches halten, das durch mütterliche Liebe, aus Italien über Hammerstein's Shlipsnadel telegraphiren fich über die Streitfrage Monopol oder freie Konkurrenz" nicht die nimmer versiegt, manche Züge erhalten hat, die in Wirkund ehrt den im Gefängniß fißenden Mordbuben Grosse, einigen konnte. Diese Frage, die auch gegenwärtig die Berliner lichkeit eben nur das mütterliche Auge entdecken kann. Aber auch andere Personen, indem es ſein werthes Routerfei heute an derfelben Stelle bringt,| Bevölkerung wieder lebhaft beschäftigt, hat in Berlin , so lange nicht allein die Mutter, sondern ihn als Werner gekannt haben, bezeichnen ihn einen feit 1739, bie wo morgen irgend ein Potentat prangt. Das macht kein anderes hier überhaupt ein öffentliches Fuhrwesen besteht, Blatt so gut wie der Lokal- Anzeiger" und nun schon garnicht wo ein Fiater- Institut ins Leben gerufen wurde, das 1794 Menschen, dem bis vor kurzem wenig Zadelhaftes nachzus fagen gewefen sei. So auch der Prediger, der die Mutter ein politisches Blatt, das unter stetem, aufreibendem Rampf den einging und erst 1815 als Droschfen- Juftitut wieder auferstand fagen gewefen fei. Unterdrückten und Enterbten eine neue, bessere Welt erbauen den Behörden wie den betheiligten oder Betheiligung am Sonntag besucht hat. Man wird es bei den herrschenden helfen will. Wenn unsere Parteigenossen rühmend der wünschenden Unternehmern viel zu schaffen gemacht. Man Moralansichten begreiflich finden, daß alle honetten Leute, die 150 000 Berliner Stimmen gedenken, die bei der letzten Wahl hat beides, Monopol und freie Ronkurrenz versucht, nach bürgerlichen Begriffen etwas auf sich halten, nach Bekannt den Kandidaten der Sozialdemokratie zugefallen find, aber mit beiden schlechte Erfahrungen gemacht. Mit werden der Greuelthat die Mutter des Mörders" gemieden dann mögen sie sich der Worte erinnern:" Der Lokal- Anzeiger" Privatunternehmern sind eben überhaupt keine guten Er- haben. Das bischen Weißnäherarbeit, mit der sie sich ernährt, hat 200 000 Abonnenten," und danach ihre Agitation fahrungen zu machen. Im Berliner Omnibus- Fuhrwesen führte ist ihr entzogen worden, und bis in die letzten Tage hat sich, einrichten! die Konkurrenz, die sich dieses Ausbeutungsobjektes sehr bald einige gleichfalls arme Nachbarn ausgenommen, die ihr einen Aus der Konfiftorialordnung von 1573. Eine artige Aus der Konfiftorialordnung von 1573. Gine artige bemächtigte und infolge immer neuer Konzessionirungen rasch Topf Suppe in die im Quergebäude des Hauses GeorgenkirchKurzweil bietet das" Gemeindeblatt" seinen Lesern durch eine anwuchs, zu einer erheblichen Verbilligung der Fahrpreise, aber straße 53, 3 Treppen hoch belegene Wohnung brachten, kaum auch zur Verschlechterung des Materials und anderen Mängeln ein menschliches Wesen um die Frau gekümmert. Zu dem furchts Beilage, welche die Verhandlungen der vorletzten Stadtverordneten des Betriebes, so daß schließlich allgemein eine Bentralisation baren Schmerz, den der Sohn ihr bereitet, muß sich nun auch Versammlung über die bekannte Konfiftorialordnung vom Jahre 1573 im amtlichen stenographischen Berichte der des gesammten Omnibusverkehrs verlangt wurde. 1865 wurden dann noch die materielle Noth gefellen, wenn nicht einige weniger auf Bürgerschaft mittheilt. Aus dem Berichte über die Versamm die sämmtlichen Omnibusunternehmen zu einer Berliner Omnibus äußere Respektablität versessene Leute sich der unglücklichen lung selbst ist bekannt, welche Heiterkeit der Stadtverordnete gesellschaft" vereinigt, an deren Stelle 1868 die Allgemeine Berliner Mutter annehmen werden. Omnibusgesellschaft" trat. Wie diese Gesellschaft hinterher das Dr. Bergmann erregte, als er einzelne Bestimmungen jener Bublikum ausgebeutet hat, ist ja hinreichend bekannt. Das EndRonfiftorialordnung im Wortlaute vortrug. Die Sache verdient cs, daß wenigstens einige Blüthen dieses Straußes nicht so schnell ergebniß der viel gepriesenen Konkurrenz möglichst vieler Privatverwelten. Daß Anno dazumal in dem geistlichen Stande eine unternehmer war also auch hier das übliche. Wenn die Gegner große Anzahl verbummelter Existenzen zu finden waren, geht sich lange genug bekämpft haben, ohne einander unterzukriegen, große Anzahl verbummelter Existenzen zu finden waren, geht dann besinnen sie sich auf ihren gemeinsamen Vortheil und reichen aus dem Kapitel über die" Bocation" hervor, in dem es u. a. sich die Bruderhand zur Versöhnung; oder die schwächeren heißt: Zu dem sollen auch zu einem so wichtigen Ampte, wie bißhero geschehen, teine Schneider, Schuster oder andere verdorbene Gegner werfen sich, wenn sie merken, daß sie nicht länger WiderHandtwerker und Ledigkgänger, die jre Grammaticane nicht stand leisten können, dem stärkeren in die Arme. Und die KriegsUeber die Qualität der neuerdings in Sachen eines Fel. D. studiert, viel weniger recht lefen tönnen, vnd alleine weil sie tosten zahlt allemal das Publikum! erlaffenen polizeilichen Preß berichtigung giebt die folgende, ires Beruffs nicht gewartet, verdorben vnd nirgends hinaus Zur Mordaffäre Levy. Ueber das Vorleben des jungen von einigen hiesigen Blättern gebrachte Meldung einige wiffen, nothhalber Pfaffen werden, gestattet noch angenommen Werner werden uns einige Einzelheiten berichtet, welche die von Aufklärung. Wir lesen da:" Der schwere Mißgriff der werden." Ueber Lehre und Sitten der Pfarrer spricht sich uns ausgesprochene Ansicht bestätigen, daß Perfonen, die eine Kriminalpolizei ", über welchen wir wiederholt berichtet haben, bedie Konsistorial- Ordnung also aus: Den Pfarrern und moralische Verpflichtung gehabt hätten, sich um sein Wohl und schäftigte am letzten Sonnabend den Untersuchungsrichter am Predigern gebühret auch, die Gottlose, Faule, Trege, Behe zu bekümmern, anscheinend nicht das geringste gethan hiesigen Landgericht I, Herrn Landrichter Telle . Der Herr Polizeivnachtfame Leute, fo Gotteswort vnd die Predigt verseumen haben, die Keime des Guten in dem jetzt zum Mörder ge- präsident hatte bekanntlich die Redaktionen um Aufnahme einer oder sonst in des jrer Arbeit, vnd Hondthierung gewarten, auch wordenen jungen Menschen zu pflegen und schlechte Auswüchse Berichtigung ersucht, in welcher behauptet wurde, das kürz von dem Gebrauch des hochwürdigen Sacraments des Altars sich zu beseitigen. Werner war etwa 16 Monate beim Justizrath lich unter einem schimpflichen Verdachte zur Kriminal etliche Jahr eußern, desgleichen die in Unzucht, Ehebruch, Levy beschäftigt, und erhielt an Gehalt zu Anfang polizei sistirte Fräulein D. habe einer wegen Verbrechens Zauberei, Fullfaufen, Spielen, Wucher vnd anderen öffentlichen 15 Mart, dann 20 Mark und schließlich 25 Mark im Monat. wider feimendes Leben verhafteten Frau F. nach AnGotteslefterungen leben, damit berüchtig oder verdechtig fein, trewlich Dies Geld hat er regelmäßig an feine Mutter abgeliefert, und gabe einwandsfreier Beugen" längere Besuche abgestattet. zu ermahnen, sich zubessern, vnd von sünden abzustehen. Mit an- fein Arbeitgeber scheint feine Ursache gehabt zu haben, die gute Wegen dieser Berichtigung" hat der Bater der Verdächtigten, geheffter Verwarnung vnd Bedrawung, da jemandts also in ver- Meinung zu zerstören, welche die Mutter und auch im übrigen wie gemeldet, beim Herrn Minister des Innern Beschwerde geachtung Göttlichs Worts, vnd rohem leben fortfahren, vnd nicht Leute aus seiner Bekanntschaft von ihm hegten. Im Gegentheil führt, und auf dessen Veranlassung wohl die Ladung des Fräu bey zeite zur Buße schreiten würde, da der oder dieselben zu Ge- berichtet die Mutter, daß nach ihrer Meinung oft genug Grund fein D. vor den Untersuchungsrichter zurückzuführen sein dürfte. fatterschaften, vnd andere chriftlichen versammlungen vnd vorhanden gewesen sei, sich bei Herrn Levy über allzu große Aus- Dem letteren legte übrigens der Bater der gemaßregelten jungen Hendel, nicht sollen zugelaffen, Vielweiniger, da sie ver- nuhung ihres Kindes zu beklagen. Der Junge habe morgens Dame das amtliche Attest eines töniglichen Bezirksphyfitus florben, auff die Kirchhöfe als Chriften begraben, Sondern zeitig ins Bureau gehen müssen; die Mittagszeit über sei er vor, welches darüber nicht den leisesten Zweifel aufkommen ohne einiche chriftliche verordente Gefenge, als die uns gleichfalls in Anspruch genommen worden, so daß er nicht habe läßt, daß der gegen Frl. D. ausgesprochene Verdacht völlig unvernünfftigen Thiere, anders wohin sollen begraben werden, zu Tisch kommen können, und abends wäre er um 8 oder 9 Uhr, begründet ist. Herr Landrichter Telle ließ die inhaftirte Frau F. vud da sie durch solch schrecken oder gütlich vermahnen, oft bis auf die Haut durchnäßt, endlich von den vielen aus dem Untersuchungsgefängniß vorführen; diese bestätigte, sich auch nicht wollten aus dem vnbußfertigen leben begeben. Bureaugängen, die er zu verrichten hatte, heimgekehrt. daß sie das Fräulein D. nicht fenne und niemals längere oder
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Bruno Werner hatte gestern wieder eine lange Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter Landrichter Telle zu bestehen, welche von morgens 9 bis mittags 1 Uhr dauerte. Dem Vernehmen nach ist Werner auch gestern bei seiner mit den Angaben des Groffe im Widerspruche stehenden Darstellung geblieben; infolge deffen wurde am Nachmittage Willy Groffe vorgeführt und ver nommen. Eine Konfrontation der beiden Burschen hat auch heute noch nicht stattgefunden.
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Berliner und der Pariser Poffe in den letzten Jahren wirksam Arthur Schnikler's neuestes Schauspiel Freiwild". erwiesen hat, das haben die beiden Autoren in ziemlich lockerer das heute, Dienstag, im Deutschen Theater" zum ersten Male Arbeit zusammengetragen. Aber es wurde nichts Rechtes daraus. in Szene geht, weist folgende Beseßung der Hauptrollen auf: Das Publikum am Sonntag nahm die Späße wohl etwas Oberlieutenant Karinsti: Oskar Sauer; Oberlieutenant Rohnfreundlicher auf, als das Premièren Publikum am Sonnabend. stedt: Hermann Nissen ; Paul Rönning: Rudolf Rittner ; Poldi vollem Behagen kam man nicht; trotz der zappelnden Grehlinger: Hanns Fischer; Dr. Wellner; Arzt: Emanuel Luftigkeit des Herrn Alexander, der den Berliner Schwere- Reicher; Lieutenant Vogel: Hermann Müller ; Schneider, nöther gab, und trotz des Herrn Pagay, der einen Wiener Direktor des Sommertheaters: Guido Thielscher ; Finke, Regiffeur: Kellner in fecker Karrikatur zeichnete. Emil Mary; Balduin , Liebhaber und Heldenspieler: Paul Biens
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Kunst und Wissenschaft. Theater des Westens . Viel Reklame vor, viel Spektakel während der Hamlet Aufführung am Sonnabend. Das Theater des Westens wollte Herrn Bonn , der von München und Wien her gewohnt ist, von sich reden zu machen, feierlich als großen tragischen Schauspieler einführen. Es hieß, Herr Bonn werde einen Hamlet schaffen einen Hamlet nach den neuesten Ergebnissen der Shakespeare- Forschung. Nach der Posse wird ein einattiges Gelegenheitsspiel: feldt; Enderle, Romifer: May Reinhardt; Anna Riedel, LiebWenn ein Schauspieler sich wissenschaftlich drapirt, so hat man Treptows Abschied von Dr. Leipziger aufgeführt. Wiele haberin: Annie Trenner; Pepi Fischer, Soubrette: Gisela ein Recht, gegen ihn mißtrauisch zu sein. Wenn er mühsam in Ralauer und viel Gespötte über die sanft entschlummerte Aus- Schneider; Käthchen Schüss, zweite Liebhaberin: Paula Gberty. sich hineinpreßt, was der Kommentatoren Weisheit ausgeschnüffelt stellung in Treptow bilden den Inhalt der Komödie. Wie weiß hat, so wird kaum etwas Lebendiges daraus. So ging es auch man jetzt so tapfer zu lästern, was man einst mit hellen mit dem wissenschaftlichen Hamlet des Herrn Bonn . Hamlet ist ein Geschöpf, bei dem Nerv und Geift vor dem muskelkräftigen Fanfaren begrüßte, als es entstand. Leben Oberhand haben. Ein melancholisch Nachdenklicher wird eine blutige That gestellt.
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anf die Walze,
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München schreibt unser dortiges Parteiblatt: Das war die Zu dem Ende der Mekthalerei im ,, Deutschen Theater" au höchste Zeit, denn das sonst so geduldige Münchener Theaters Im Bellealliance Theater ist am Sonntag unter Zeitung publikum fing bereits an, recht ungemüthlich zu werden. In der Nach schauspielerischer des Herrn Julius Türk Nestroy's" Lumpazivagabundus " gegeben des Auditoriums gegen die Meßthalerei gekommen. Leute, die Vorstellung vom gestrigen Abend war es zu lebhaften Protesten Tradition wird nun Hamlet als beschaulicher Mann gegeben, worden. Heute erscheint einem Arbeiterpublikum die Welt des das zuerst vorgeführte Ballet mit musterhafter Ruhe angehört der trübsinnig in sich gekehrt ift. Wo die Hamletauffassung zur Schablone erstarrte, da pflegte man den Dänenprinzen als forglosen Handwerksknotenthums, die der österreichische Dichter hatten, begannen sich protestirend zu regen, als mit dem Beginne mit liebenswürdigem Humor schildert, fast ebenso märchenhaft völlig schlaffen Träumer zu spielen, als Menschen, der völlig wie das Feenreich, das er im ersten Bilde feiner Posse wonnevoll des Dramas Liebelei" das Meßthaler'sche Regime an die Reihe blutleer geworden. Das war in der That ein Uebel. But, dachte Herr Bonn , ich mache es umgekehrt, und er verfiel erschließt. Wer geht, wie das lüderliche Kleeblatt, in der fam. Grelle Pfiffe ertönten, der Ruf„ Meßthaler raus" erscholl und unter allgemeiner Unruhe, während der viele Zuschauer munter Gegenwart ins Extrem, das abermals von Uebel ist. Vor lauter Sucht, Abend auf der Herberge froh bei Bier, fauren Nieren und wer verbringt den das Theater verließen, konnte das Spiel zu Ende ge orginell zu sein, tam Herr Bonn auf die geschmacklosesten brallen Mädchen, wer fände in der Aera des Massenelends und führt werden. Der Spektakel hatte natürlich auch die die Regie Verkehrtheiten. Sein Hamlet wüthete zu Zeiten auf der Bühne, Mehrere Szenen wurden ganz auswie ein toller Draufgänger; ja nach dem Monolog Sein oder der Polizeihaz den kindlichen Leichtfinn, der ehedem die zünftig Schauspieler und, wie es schien, namentlich legitimirte Handwerksburschenschaft mit einem faft poetischen gelaffen. Eines der fähigsten Mitglieder, Frl. Sanden, wurde Nichtsein beging Hamlet , der der blutschene, einen Selbst. Wie kann man an einem großen mordversuch. Hauch umkleiden mochte? Dichter fündigen, ein närrischer Kommentator den Schau Wenn auch das vorgeftrige Sonntagspublikum vollauf be- plöglich unwohl, so daß der Vorhang mitten in der Szene Spieler zum Widersinnigen treibt! Und das Schlimmifte griff, daß die dargestellte Märchenwelt feinerlei Widerschein aus beruntergelassen werden mußte. Hinter dem Vorhang hervor von Allem: Die tobende Leidenschaftlichkeit von Boun's der gegenwärtigen Zeit spendete, so nahm es den kreuzbraven schallte dann auch von der Bühne lebhafter Lärm in den Saal. Einige männliche Mitglieder waren hart aneinander gerathen dankbar Nestroy dennoch hin. Und es hatte guten Hamlet war äußerlich, war gemacht. Ueber die übrigen Darneller wäre nicht viel zu berichten. Den Schauspielern des Grund, seine Zufriedenheit zu erkennen zu geben. Lumpazi- und der Spektakel unter den Mimen erreichte seinen Höhepunkt, Theaters im Westen wird eine überreiche Arbeitslast zugemuthet; vagabundus wurde, einige Nebenrollen vagabundus wurde, einige Nebenrollen etwa abgerechnet, als das nicht zu verkennende Geräusch einer klatschenden Ohr fie fönnen sich in ihre Aufgaben nicht recht vertiefen; und so geradezu prächtig gegeben. Besonders günstige Umstände brachten feige die energische Eruption wogender Gefühle ankündigte. Soll das Unternehmen wirklich in die Höhe kommen zu gedeihlichem dienten sie im Hamlet gleichsam nur zum Untergrund, von dem es mit sich, daß die drei luftigen Haupthelden in den Herren Birken, dann müßten vor allen Dingen die Eigenthümer für die Worlitzsch, Jürgens und Manussi vortreffliche Darsteller nächste Zeit die rein fapitalistischen Interessen beiseite lassen und sich die Künstelei des Herrn Bonn blendend abheben sollte. fanden; ganz besonders glänzte der letztgenannte Herr, die Leitung einer energischen und genügend künstlerisch gebildeten Im Residenz- Theater wird eine neue Poffe, Die Viel- den der Zettel als aus Prag tommend bezeichnet, Persönlichkeit übertragen, welche sich von dem Schmutz des Ge geliebte" von Jarno und Fischer, zwei Berliner Schau- in der Rolle Des biederen Schusters Knieriem durch spielern, gegeben. Es ist eine richtige Schauspielerkomödie, ein fernigen, echt österreichischen Humor. Und zu diesem Kleeschäfts- Theaterunternehmerthums rein gehalten hat. Aber, daß Brei von allerhand Bühnenerinnerungen: Ein weiblicher blatt gefellte fich Frau Dora, die bekannte Soubrette, als nob- der Wille dazu vorhanden ist, bezweifeln wir billig. Und so wird der Effekt der schönen und rühmlichen Entrüstung des Industrieritter, Die Bielgeliebte", angelt im Kurort Ischl nach lichtes Fräulein Camilla. Wie ehedem im Zentral- Theater, so publikums am Ende nur der sein, daß der kleine Theatereinem foliden Gatten; ein schnoddriger Berliner steckt seinen wußte sie auch hier durch ihren schelmischen Koupletvortrag zu Stlavenhalter durch einen größeren ersetzt wird. Trauring in die Westentasche und geht in den Alpen auf Aben- zünden. Zum Schluß fei noch des Orchesters gedacht, das unter teuer aus, ein Japaner bekommt, wenn er sich erregt, die merk- Leitung des Kapellmeisters Wolff in der Nachmittagsvorstellung würdigsten Zufälle, er muß einschlafen; furz, was sich in der brav seine Pflicht that.
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