Nr. 131. Dienstag 9 Juni 1885 «.Jahrg. SMerVÄsM Organ für die Interessen der Arbeiter. scheint tSglick Morgens ÄAirÄ mi DasBerliner Volksblatt" außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis i 1 �irlin frei in'S HauS vierteljährlich 4 Mark, monatlich 1,35 Mark, wöchentlich 35 Pf. ' nnement 4 MI. Einzelne Nr. 5 Pf. Sonntags-Nummer mit illustr. Beilage 10 Pf. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1885 unter Nr. 746.) Zr« sertionsgebühr beträgt für die 3 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Zimmerstraße 44, sowie von allen Annoncen« Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. 18. Redaktion: Kenthstraße Ä. Expedition: Iimmerstraße 44. presse und Verbrecher!" » So lautet eine fteundliche Zusammenstellung auf de« eines Schriftchen», da» die General« Versammlung der ,)ei«isch. Westfälischen Gefängniß- Ge- Isuschaft herausgegeben hat und in de« die Behaup« M aufgestellt ist, durch die Berichte der Zeitungen über °itichtsv«rhandlung«n»erdeden verwerflichen Meinungen Leser schlimme Nahrung zugeführt, das Gefühl für Mchknt und Recht geschädigt und daS Laster gefördert." ., Schön gesagt; wir wollen auch keineswegs bestreiten, dieser Uebelstand bei gewisse» Blätter» bis zu einem Grade vorhanden ist. Man denke an die Bericht» c** die Unthaten de» MädchenmördrrS Schenk, dessen blöd- -*>!!« und widrige Stilübuvge» dem große» Publik»« ''ä kostbare Aktenstücke von %!?. 2l�nli�e Beispiele den Blätter« ließen sich rn unterbreitet Menge an- s,.. Die Herren vonderRhtinisch-WestfälischenGefängniß'Ge« zUIchaft.meistensStrafanstaltSdeamte, sind freilich gewohnt, die nach den Gesichtspunkten zu beurtheilsn, die sie bei Ueberwachung und Verwaltung der Gefängnisse ge- �nnen haben. Für diese» Urtheil danken wir. Nicht in dumpfen Atmosphäre zwischen dm Gefängnißmauern, »Ä»"» draußen im frischen und raufchmden Leben M:°Bn tW0n»in Urtheil über unser Volk und seine �nukteranlagen gewinnen. ��»sationeller Lektüre lüsterne Leute giebt e« in r Volke v»el«, also auch bei uns. Da» haben sich ge- ,Ze«tungm zu Nutze zu machen gewußt; namentlich »n der Reichlhauptstadt giebt e» eine Reihe von die, dem ursprünglichen hohen Beruf der Presse Mich entfremdet, nur eine brutal« Kapitalanlage find. Ue Blätter find nur noch Fabriken sentimentaler Nach« Kt<n mit dem WortFabriken" haben wir % gesagt. Für diese Blätter handelt e» sich längst y mehr darum, da» Publikum zu rnformiren t zu belehren, sondern darum, seine Nerven Ritzeln. Wir brauchen diese niedrige Art von Presse U nicht näher zu bezeichnen; Jedermann kennt sie. �n eine bekannte Persönlichkeit schwer erkrankt rst. so 'l!d sein Tod gemeldet; trifft'S nicht ein, so wrrd'S be- >gt. Wenn irgendwo eine anarchistische Unthat vor« 'M, so wird gemeldet, die Regierung werde dort den »�gerungtzustand verhängen, gleichviel ob dadurch eine Aahl Einwohner in Erregung gesetzt werden. Nachher N» eben dementirt. Diese Presse ttägt die Schuld am fst und hat durch ihr« Art und Weise der Darstellung ''"nentaler Ereignisse den Geschmack de» Publikum» " verdorben, al» wieder gut gemacht werden kann. gteuiffclon. Äm Eckfevsser. Roman von Friedrich Gerftäcker» (Fortsetzung.) Es war immer«ein sehnlichst» Wunsch gewesm," Karl leise fort,hier einmal in meiner Vaterstadt 3 als Meister einzutreten; ich hatte einen Stolz darein %, und daß nun Alle» so kommen«ußte..." c»Und bist Du gewiß, Karl," fragte der Vater nach längeren Weile, in der Alle ihre« eigenen Gedanke« C'kt waren,daß jener Mann, den Du neulich gesehen, L" Nämlich» gewesen, der Dir damals den Stock abgekauft M Man kann sich so leicht täuschen, und'' find darüber hingegangen.. k.»Ja, Vater, da» ist wohl wahr," sagt« Karl,aber Gesicht täusch' ich mich nicht, od«, ei müßte em 'ikingtbrude, gewesen sein. Die langen Jahre ° ich die Gestalt, da» Geficht vor«eine« «Zen gehabt und fast an nicht« Andere» h�cht, während ich die furchtbare Strafe verbüßte. .»ttßte dabei, daß ich e»»ieder erkenne» würde, wo auch begegnete: aber wa» Hilst'«, der Notar hat >«men Recht, ich kann ihm nicht» mehr bewetsen, wenn nicht selber eingestehe« wollt«, md daß er da» thu« daran ist natürlich nicht zu denken. Jfttzt Hab �tch «II-�nsch«n wiedergefunden, der, wie ich immer glaubte, in ffifnnS» nnrnefm mir* mir meinen ebrlrwm Namen y'" Hüft und daß Ich, u Li»a«ze» lange» Leben innen Bruder Abel u müßte wie Kam, .»Aber, Bater," sagt« die Maraareth, mit mitleidige» Blicken betrachtet yane,orr ch soll ja. wie Her, Sennnlei»»««lich erzählt«, in die de« Bruder achtet hatte,der �kurzer Zett hi« ei» vornehme» Weibsen au» der Herrath«,. Müßte man den» da nicht eigenttich hin« IC* nud e» den Leute« sage»,»aS sie für einen Schwiege,. bekäme«,» Aber wa» ist zu thu»? Sollen die Zeitungen etwa keine Gerichtsverhandlungen mehr bringen? Dann hätten wir ja russisch« Zustände, denn in Rußland dürfen die Blätter über«inen Prozeß nicht« berichten, sobald die Polizei«» verlangt. Wie aber wird's dann mit der Zuhörerschaft bei den Gerichtsverhandlungen, Wenn die Lektüre einer solche» Verhandlung Übel wirkt, muß e» da» Zuhören erst recht thun. Dan« müßte man eben die Oeffentlichkeit der Gerichtsverhandlungen aufheben und dann hätten wir da», wa» die Rheinisch-Westfälische Ge« fängnißgesellschaft, die au« sehr konservativen Leuten besteht, wahrscheinlich auch haben will. Aber ist in Rußland die Zahl der Verbrecher geringer, weil die Oeffentlichkeit bei den Gerichtsverhandlungen mehr beschränkt ist und weil die Blätter über einzelne Prozesse gar nicht berichten können? Sicherlich nicht. Wir haben gar keinen Grund, un»«ach den soziale» und politischen Zu- stände» Rußlands irgendwie zu sehnen und müssen dem- gegenüber gestehe«, daß daS bei un» vorhandene Uebel immer noch da» kleinere ist gegenüber den russischen Zu- ständen._, ES ist sehr bequem, die Schuld an der Häufung der Verbrechen und Vergehe» der Presse aufzuladen, zeugt aber von geringer Kenntniß der«irklichen Zustände. Man mag derjenigen Presse, die von Sensationsnachrichten und Sensationslügen lebt,«inen Theil der Schuld daran aufbürden, daß da» große Publikum sich für pikante Gerichtsverhandlungen mehr interessirt al» für politische Leitartikel. Allein nur konservative Leute .inen die ganz« Presse für die Vermehrung der Vergehen und Verbreche» haftbar machen wolle«. Die Vermehrung der Verbrechen hat tausend andere Ursachen, die wir hier nicht anführen wollen I Der beste Schutz gegen die Einwirkung der sensatio- nellen Lektüre im schlimmen Sinne ist und bleibt eine ge- diegene Volksbildung. Wenn die Herren Kon- fervativen sich nur bemühen wollte», die Volksschule besser auszustatten, zu bewirke«, daß Kinder und jugendliche Arbeiter sich statt mit der Fabrikarbeit nur mit der Schule zu befassen hätten, dann wäre e» schon besser. Dann würde sich da» Publikum schon von selbst eine gediegene Lektüre suchen und von den sonst so seichten und flachen Sensatton»- blättern nicht mehr befriedigt sein. Wa« aber die Verringerung der Vergehen und Ver- brechen anbelangt, so kann dieselbe erst durch soziale Reformen bewirkt»erden, doch niemals durch eine Einschränkung der Thätigkeit der Presse. Man weiß doch, daß der größte Theil der Verbrecht« durch unsere soziale» Mißstände bewirkt wird, durch Elend und Verarmung, durch Roth und Unsicherheit de« Dasein» und Verbrenne Du Dir da» Maul," sagte der Tischlermeister, finster vor sich hin mit de« Kopfe nickend.Erstlich, wa« hilft'» Dir, denn kein Mensch würde e» glauben und der Karl könnt'S nicht einmal beschwören, und dann wäre daS nm ein gefundene» Fressen für da» Gerede in der Stadt; dann zöss ich selber von hier fort, denn die Leute würden mit Finger» auf uns weisen. Nein, Grethel, der ist ein vornehmer Mensch, der die gute Meinung der Anderen schon allein für sich hat; e» klingt auch zu merkwürdig, daß ein vornehmer Graf einen armen Juden auf der Straße todtschlage« und berauben sollte, ich würd'S selber nicht glaube«; er mag jenem Schurken ähnlich sehen, aber ich kann mir'« nicht denke», daß er't selber gewesen ist. Also fang Du da mit denen etwa» an! Wo aber der Hummel heute bleibt; er wollt« doch de» Nachmittag her- komme«, vielleicht ist er noch gar nicht zurück." Da« ist ei» recht braver Mensch," sagte die Mutter leise,wenn man ihn nur besser verstehen könnt«, aber er hat eine solche Menge von kauderwälschen Worten, daß ich manchmal gar nicht herausknegen kann, wa» er nur will."_. Ja," sagt« Margarethe,.und mit dem häßlichen Tabak« kauen. Immer hat er einen gelben Rand um den Mund, und da» ewige Spucken, brrrr, mir graust's, wen» ich daran denke. Wie sich ein Mensch nm so etwa« Häßliche» an- gewöhnen kann, wa» ig» allen anderen Mensche« verhaßt machen muß I",,., Ja," sagte der Bater,da» ist nun emmal so m de« Amerika Mode, und wer'» einmal angefangen hat, kann'» nicht wieder lasse«. Mir gefiel'S ober auch nicht und da» Rauch«« wid�edenfall» reinlicher." glaub', da ging Herr Hummel g'rad vorbei," Frau Handorf ,mir Fenster gesehe« hätte. ,.»Zch sagte dre vor de« I» demselben Moment knarrte au Mr. Hummel, mit dem fteundlichsten stand m der Thür. war's, al» od ich ihn ebeu die HauSthür, und «ficht von der Welt, durch die auf diese Weise stark hervorgetriebenen Leiden- schaften. Allein wie wenig«S de» Herren Konservative« mit ihren angebliche» sozialen Reformen ernst ist, dafür hat«an der Beweise nun gerade genug. Eine so verbreitet« Institution wie die öffentliche Press« treibt selbstverständlich auch ihre üblen Auswüchse, wie da« überall der Fall ist; indessen werden diese Autwüchse tau- sendfach aufgewogen durch die wohlthätige Wirkung, welche die öffentliche Besprechung an Mißständen aller Arte» ausübt. Die konservative Sucht, alle» unter Vormundschaft zu stellen, was nicht in da» große konservative Horn bläst, verleugnet sich auch hier nicht. Indessen»erden die Herren Gefängniß» Inspektoren und Direktoren, die das Haupt» kontingent zu der Rheinisch-Westfälische» Gefängniß-Gesell- schaft stellen, ihr« im Gefängnißleben gewonnene» An- schauungen dem großen Publikum nicht aufzwängen können. f olitiBcke Uebersickt. erth de» Grund und Bodens in Deutschland ist in diesem Jahrhundert ganz bedeutend gestiegen. So war z. B. der Werth derselben Rittergüter in sechs preußi- schen Kreisen 1837 6.8 Millionen Thaler 1857 16,7 Eine Ruthe ritterschaftlichenAilodialbesitze» in Mecklenburg war 1770-1779 1790-1799 1830-1839 1850-1859 18601863 20,712 Mark 49,740 63,635 118,698 180,441 werth. Zu diesen Ziffern bemerkt der soz'alreformerische Gustav Schmoller :Der Grundbefitz ist daS Kapital, da» tn beschrankter Menge vorhanden mit steigender Kultur immer wieder große Extragewinne und Rentenüberschüsse zeitweise giebt, denen keine Arbeit der Befitzer entspricht und welche auS den Mitteln der übrigen Gesellschaftsklassen bezahlt werden."(Vergl. Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und VolkSwirthschaft im Deutschen Reiche. IX. Jabrg., Heft 2: Analakten zur Erhöhung der Getteldezölle, S. 200). Der Grundbefitz, das heißt vor allem der G r o ß grundbefitz. Schmölln tritt übrigens für eine maßige Getreidezollerhöhung ein, mit dem Wunsche, daß der jetzt eingeführte Zoll nicht als etwa« Dauerndes detrachtet werde. Eine Hoffnung, zu deren Erfüllung die agrarisch-klerikale Trutz- und Sckutzzollgenoffen- ichast ebenso dereit sein sein wild, wie zur Aufhebung der Ausnahmegesetze. Der Getreidezoll ist zwar auch ein arbeitslos erzielter Extragewinn»er Latifundtenbefitzer auf Kosten d r übrigen Gesellschafttklaffen, aber das profefforale Gewissen Schmolleri beruhigt fich mit dem Opiat der frommen Wünsche. indem er aufstand und ihm die Hand reichte, die derAmeri- kann" derb schütteltenoch immer in der alten Weise; dem Karl geht die Reise im Kopfe herum. Er möchte gern hier bei uns bleibe«, und Zdie Alte da läuft mir immer mit verweinten Augen herum, aber e« wird doch wohl nicht ander»«erden, und wenn es den» fein muß, nun, dann mit Gott ! Wir Menschen sind ja doch schwache Ge- schöpf« und können)*(»&» Rathschlägen nicht entgegen arbeiten." Machen Sie fich deshalb keine Sorgen, Mister Han« dorf," sagte Hummel;der Karl wird die states schon teile»"(to like, Gefallen daran finden) und dort bald 'wa« vor fich bringen, und jetzt geht auch die Reis« bald fort. Meine Mutter hat endlich ihre Vorbereitungen so ziemlich zu Ende gebracht, und ich denke, ich»erde mit oe« nächsten Schtiemer(stearner, Dampfer) fortkönnen." Aber trinken Sie nicht«ine Tasse Kaffee, Herr Hummel?" fragt« die Mutter.« Na, wen» noch eine da ist, why not? please, Madam aber«in» Hab' ich der Mutter versprechen müssen, daß ich da drüben«ämlich nicht sterben möchte heheh«, wenn ich'« eben verhindern kann! Zehn Jahr« wolle» wir noch da drüben bleiben und Mutter ist gar nicht so alt, daß sie die nicht noch recht gut abwarten könnte, dann Hab' ich genug, wen» die Jahr« nur middling find, und dann ver» kauf' ich meine Farm für caah und ziehe«ieder mit ihr »ach Deutschland herüber." Margarethe hatte Hummel indessen erstaunt angesehen, denn sie bemerkte gar nicht, daß er kaut«. Er spuckte nicht «in einzige» Mal au«, und wie er seine Tasse bekam, ging e, auch nicht, wie er et sonst immer gethan, erst an die Thür,«m da« ekelhast« Priemchen hinaus zu weissen. Er macht« allerding« noch, wohl au« alter Angewohnheit, die Bewegung mit den Lippe«, aber e« stak«irklich kein Tabak dahinter, und zuletzt konnte sie«* nicht über'« Herz bringen st««ußte ihn frage». Aber, Herr Hummel, sie kauen ja heute keinen Tabak? No, miss", sagt« Hummel, indem er sie von der Seite anblinzelte«Tm done with." Wa«?" fragte©reichen.