prediger Stöcker am 25. Juli cr. bier eingegangene Beschwerde über den Bescheid der Staatsanwaltschaft bei dem föniglichen Landgericht I hierselbst vom 25. Juni er., welcher Ihnen übrigens in Ermangelung einer von Ihnen ausgegangenen Strafanzeige irrtümlich zugestellt ist, eröffne ich Ihnen, daß Sie als Verlegter" im Sinne des§ 170 der Strafprozeß ordnung nicht anzusehen sind und Ihnen aus diesem Grunde die Beschwerde gegen den gedachten Bescheid nicht zusteht. Gleichzeitig bemerke ich, daß ich mich auch nicht veranlaßt sehe, im Aufsichtswege ein Einschreiten gegen den Beschuldigten wegen Verlegung der Eidespflicht herbeizuführen, da die Erwägungen des angefochtenen Bescheides der Sachlage entsprechen. Der Oberstaatsanwalt von Lud."
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Den Prozeß Ledersteger begleitet der Berliner Rorre spondent der Brest . Morg. 3tg." mit folgenden interessanten Bemerkungen: bochintereffant ist der Prozeß durch das Streif licht, welches er auf die frankhafte Sucht sonst ganz vernünftiger Menschen wirft, zu Auszeichnungen zu gelangen, sei es auch auf dem nicht mehr ganz unge wöhnlichen Kaufes, Wege des ſei auf die verhältnismäßige Leichtigkeit, fie fich zu verschaffen. In dem vorliegenden Falle haben die beiden Reflektanten die ganze Welt in Bewegung gesetzt, ihre Namen nicht öffentlich genannt zu sehen. Sie würden nach dem bekannten Sprüchwort in der That für den Spott nicht zu sorgen haben. Der Eine hat eins der größten Modewaaren- Geschäfte Berlins , einen Balast, der auch in der Provinz gut bekannt ist. Der Andere wohnt ihm gerade gegenüber, ift Fabrikant einer Spezialität, die auch ins Modewaarengeschäft schlägt und wohl der größte feiner Art in Berlin . Um das Signalement ganz vollständig zu machen: der Eine ist Jude, der Andere Chrift. Nach den Aussagen Ledersteger's, der das Geschäft, dem er fich gewidmet, für ein sehr legitimes zu halten scheint, hat er allein in Berlin 37 Personen im Ganzen 60 verschiedene auswärtige Auszeichnungen verschafft. Es muß aber auch ein sehr einträgliches Geschäft sein, denn Ledersteger lebte auf sehr großem Fuße, ohne nachweisbare anderweite Einnahmen. Er war mit 8000 Mark eingeschäßt, hätte aber auch für das Doppelte Steuern zahlen dürfen. Ich kenne einen persischen VizeKonsul, der diesen Titel jest gern wieder los sein möchte und thn sich schweres Geld fosten ließ; einen Hofpianisten- Hofder einen klassischen pianist des Fürsten von Monaco ! Namen trägt und mit Hilfe seines Titels fich auf der Tournée in der Provinz eine besondere Bedeutung zu geben weiß. Die interesantefte Persönlichkeit in der Berliner Gemeinde der Drdensnarren aber ist ein Rath in einem preußischen Ministe rium. Ich habe den Mann einmal besucht. Der Orden ist der Gott, zu dem er betet. Er ist von dem Hehren und Gewaltigen der Sterne, der Bänder und Kronen durchdrungen, und. der verächtlichste Mensch für ihn ist der Mann, der sein Knopf Loch verfehlt hat. Der gute Rath aber prahlt nicht mit seinen Erfolgen, und er hat deren eine ganze Menge aufzuweisen. Er hat ein Buch über alle Orden der Welt verfaßt, Kunstwert ein mit Tafeln. großen lithographirten Je erotischer ein Staat, desto eirgehender wurde er behandelt. Was der Mann in mühereichen Tagen erarbeitet, das steckte er in dies Werk wieder hinein. Selbst den Feuerländern ist eine Abtheilung gewidmet. Die Monarchen, Häuptlinge und Prä fidenten, denen er das Werk zusendet, fönnen nichts Gerins geres thun, als ihm den ganzen erotischen Plunder, den er da abgemalt, schiden, und so fann er sich denn buchstäblich in Orden baden. Je kleiner ein Staat, desto größer und heraus fordernder die Orden, desto breiter die Bänder. Er hat sich einen fleinen Salon eigens zur Ordenstammer einrichten laffen. Bis an die Decke find die Wände wie tapezirt mit diesen Dingen. Er selbst thront auf einem Ranapee, inmitten der selben in türkischem Kostüm, ist glücklich über das Erworbene und zermartert sich das Hirn, ob ihm noch etwas fehlt. Der Mann ist ein Original; aber in mehr oder minder abgeschwäch ter Form giebt es eine ganze Anzahl solcher Narren, und so lange diese Geister gedeihen, werden auch die Ledersteger nicht aussterben."
Durch eine Reihe fortgesetter Unterschlagungen ist, wie hiesige Bläter melden, ein in der Kurstraße belegenes Kon fektionsgeschäft von einem in diesem Geschäftshause seit Jahren angestellten Kontrolbeamten in empfindlicher Weise geschädigt worden. Der betreffende Beamte, dem die Aufgabe zufiel, die zum Export bestimmten Seidenwaaren einer Kontrole zu unterwerfen, hat es seit langer Zeit verstanden größere Posten Atlas, Seide und Stoffe bei Seite zu schaffen. Durch einen Zufall find die Unterschlagungen des ungetreuen Beamten durch einen Kriminal Schußmann entdeckt worden. Der größte Theil der Unterschlagungen ist bei einem Hehler und in der Wohnung des ungetreuen Angestellten mit Beschlag belegt worden. Der Schuldige, sowie der Hehler find im Laufe des gestrigen Tages verhaftet worden. Ueber die Art und Weise, wie die Unter Schlagungen durchgeführt wurden, meldet die N. Pr. 8tg.": Gewöhnlich wurden zum Absenden der rohen Seidenstoffe an Die mit der Verarbeitung betrauten Schneider Dienstleute vers wendet, die als Quittung über die richtige Ablieferung die ihnen mitgegebenen Lieferscheine von dem Empfänger unter schrieben zurückbringen mußten. Der Beamte wußte es nun so einzurichten, daß die Seidenwaaren in vielen Fällen nicht an bie richtige Adresse gelangten, sondern von Helfershelfern in Empfang genommen wurden, um dann, nachdem er in den meisten Fällen selbst den Lieferschein unterschrieben, in die Hände der Hehler zu gelangen. Bwei Dienstleute, welche auf diese Weise unbewußt bei dem Betruge geholfen haben, find bereits vernommen worden.
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Schwerer Diebstahl. Als am 5. Auguft d. J. die in der Bernburgerstraße wohnende Frau B. ihrem Manne einen Hundertmarkschein zum Wechseln geben wollte, vermißte fie den felben aus einem verschlossenen Schreibtisch, und als sie am 5. b. Mts. eine Rechnung bezahlen wollte, fehlte wieder aus demselben Tisch ein Hundertmarkschein. Schließlich entstand bei der Bestohlenen die Vermuthung, daß der Klavierlehrer E. aus Charlottenburg , welcher ihrer Tochter Unterricht ertheilte, das Geld entwendet habe. Um fich zu überzeugen, legte fie geſtern Abend furz vor dem Erscheinen des E. einen Fünfzig und brei Fünfmarkscheine, deren Nummer fie fich notirt hatte, in den Schreibtisch und verschloß denselben. E. Tam und gab die gewöhnliche Unterrichtsstunde. Als diese beendet war, erschien Frau B., öffnete den Tisch und fand, daß ein Fünfmarkschein fehlte. Sie sagte dem E. den Diebstahl auf den Kopf zu, und legterer räumte die That auch nach anfänglichem Leugnen ein. Unter den bei E. vorgefundenen Schlüffeln befand sich einer, welcher zu dem Schreibtisch paßte. E. geftand ein, mit diesem Schlüffel den Tisch geöffnet, das Geld entwendet und in feinem Nugen verbraucht zu haben. Der Klavierlehrer ift wegen schweren Diebstahls in drei Fällen zur Haft ge bracht.
r. Eine heftige Wagen- Karambolage, bei welcher eine langfam daherfahrende Droschle zweiter Klaffe von einem Schnellfahrenden Arbeitswagen schwer beschädigt wurde, fand am Sonnabend Mittag zwischen dem Zeughause und dem Kaftanien- Wäldchen statt. Unfälle dieser Art mehren fich täglich und haben augenscheinlich darin ihren Grund, daß auf dem geräuschlosen glatten Pflaster ein schwer beladenes, in schneller Bewegung befindliches Fuhrwert schwer zum Halten zu bringen ist. So war es auch hier der Fall; diese Unfälle mehren fich genau in dem Verhältniß, wie das geräuschlose flafter an Ausdehnung zunimmt. Als einzig probates Mittel biergegen dürfte fich die Anwendung der Bremse empfehlen, die fich ja bei unseren Omnibus- Wagen ganz gut bewährt. Auch das Stürzen der Pferde, das bei solchen Halte Versuchen mit schwerem Fuhrwert sehr oft vorkommt, würde durch das Anbringen von Bremsen bei solchen Wagen vermieden werden.
In Bekümmerniß ist eine in der Lothringerstr. 112 wohnende Schauspielerwittwe R. durch das Verschwinden ihrer einzigen neunzehnjährigen, sehr hübschen Tochter versept wor den. Das junge Mädchen, daß sich, wie die Staatsb. 8tg." berichtet, am legten Mittwoch entfernt, angeblich, um sich nach einer neuen Stelle umzusehen, ist aber bisher von diesem Wege weder zurückgekehrt, noch sonst durch alle Privatrecherchen zu ermitteln gewesen. In Folge eines aufgefundenen Briefes be fürchtet die Mutter, daß das Mädchen einem Versucher oder Agenten in die Hände gefallen. Die Verschwundene ist mittelgroß, hat volles Geficht mit schönen regelmäßigen Gefichts zügen und hellblondes Haar. Als befonderes Merkmal wird eine fleine Narbe an der Unterlippe angegeben. Das Mädchen war bekleidet mit gestickter weißer Wäsche, gezeichnet M. R., einem olivfarbigen Kachemirkleid mit ponceau Sammetstreifen und Volants, einem olivgrünen Regenmantel und einem braunen Strohhut mit brauner Atlaseinfaffung und Goldspigen.
re. Die Bevölkerungsverhältnisse des städtischen allgemeinen Krankenhauses im Friedrichshain im Etatsjahre 1. April 1884/85 gestaltete fich nach dem Magistratsberichte wie folgt: Als Bestand verblieben ult. März 1884 518 Kranke. Aufgenommen wurden in dem angegebenen Zeitraum 6355 Personen( 3782 m., 2573 w.) Die Summe aller Kranken beträgt mithin im Etatsjahre 1884/85 6879. Entlassen wurden in demselben Zeitraum 4816 Rrante( 2911 m., 19,05 m.), gleich 70,4 pCt., gestorben find 1483( 840 m., 649 w.), gleich 21,48 pCt., mithin verbleibt ult. März 1885 ein Bestand von 574 Kranken, gleich 8,35 pCt. Die höchste Anzahl der an einem Tage im Etatsjahre 1884/85 aufgenommenen Kranken 34, der entlassenen 34, der gestorbenen 12. beträgt Am Ende Des Monats März 1885 waren Don den 700 Lagerstellen für Krante 126 gegen 182 Ende März 1884 unbelegt. Unter den aufgenommenen Kranken befanden fich 203 gegen 255 des Jahres 1883/84, welche Vorschuß einzahlten, dagegen 790 Mitglieder von Krantenfaffen gegen 499 des Jahres 1883/84, jedenfalls eine Folge des Krankenversicherungsgefeßes für Arbeiter. Von den im Berichtsjahre vorhanden gewesenen 6873 Kranten find in Summa 200186 Verpflegungstage absorbirt worden, so daß täglich in der an gegebenen Beit durchschnittlich 548,45 Krante verpflegt worden find. Von den 200186 Verpflegungstagen find in der inneren und Jsolir- Abtheilung 115 359 und in der chirurgischen Abtheilung 84827 absorbirt worden. Die Anzahl der an einem Tage vorhanden gewesenen Kranken betrug 468 als Minimum und 615 als Maximum, also mit einer Differenz von 147 Kranken. Im Etatsjahre 1884/85 find für Rechnung der Kom mune beerdigt worden 531, oder von der Gesammtsumme der verstorbenen 1483 Personen 35,81 pCt. gegen 35,85 pCt. im Jahre 1883/84. Taufhandlungen sind im Jahre 1884/85 von dem Prediger der Anstalt, Herrn Müller, vollzogen worden bei 15 Personen( 9 m. und 5 m.) Die finanziellen Resultate der Anstalt pro 1884/85 stellen sich wie folgt: Die Einnahmen betrugen 113 089,80 Mt. oder pro Tag und Kopf bei 200 186 Verpflegungstagen 0,57 Mt., die Ausgaben 545 885,20 Mart oder pro Tag und Kopf bei 200 186 Verpflegungstagen 2,13 Mart, es hat demgemäß eine Mehrausgabe von 432 795,40. oder pro Tag und Kopf bei der angegebenen Anzahl von Ver pflegungstagen 2,16 Mt. stattgefunden, die von der Stadthauptfasse gedeckt werden müssen. Während des Jahres 1884/85 find sehr wesentliche Verbesserungen in der Anstalt geschehen, denn es ist für das leibliche Wohl und die Pflege der Kranken nicht allein durch die Einführung einer reichhaltigen Belöstis gung gesorgt, sondern auch der Anfang mit einer bessern War fung und Pflege der Kranken durch Einstellung von Pflege fung und Pflege der Kranken durch Einstellung von Pflegerinnen des Vittoriahauses gemacht, für die geistliche Pflege durch Einrichtung eines Betfaales mehr wie bisher gesorgt c. Das ärztliche Urtheil über die Leistungen der Viktoriaschwestern lautet sehr günstig, denn es heißt in dem Berichte:" Der von ernſtem Willen unterſtüßten, oft sehr anstrengenden und aufopfernden Thätigkeit und der fleißigen und unermüdlichen Arbeit der Viktoria schwestern ist es gelungen, viele Schwierig Arbeit der Vittoria schwestern ist es gelungen, viele Schwierig feiten, die sich bei einer gewissenhaften Krankenpflege immer herausstellen, zu bewältigen, so daß nicht nur die ärztlichen Direktoren mit der auf den Pavillons eingeführten Krankenpflege, sondern auch besonders die Kranken mit der ihnen zu Theil gewordenen Pflege und Abwartung in jeder Beziehung zufrieden gewesen find." In der mit dem Krankenhauſe ver bundenen Pflegerinnen Schul- Anstalt wurde ein viermonatlicher Schulfursus vom 1. Oktober 1884 an abgehalten. An denfelben nahmen 17 Schülerinnen Theil, welchen sämmtlich günftige Beugnisse ertheilt werden konnten. Unter denselben befanden sich sechs Schwestern des Viktoriahauses für Kranken. pflege, welche nach Beendigung des Kursus im Dienst des Krankenhauses verblieben.
Wasserstand der Spree in der Woche vom 30. Auguft bis 5. September.( Angabe in Metern.)
Lage 30./8. 31./8. 1./9. 2./9. 3./9. 4./9. 5./9. Am Oberbaum 2,14 2,13 2,12 2,11 2,16 2,14 2,12 Dammmühle,
Oberwaffer.2,13 2,09 2,09 2,10 2,15 2,13 2,11 Dammmühle, m
Unterwaffer 0,65 0,65 0,66 0,65 0,68 0,68 0,65
Frl. Jenny Stubel tritt morgen, Mittwoch, am zweiten Strauß Abend als ,, Annina" in ,, Nacht in Venedig " im Friedrich Wilhelmstädtischen Theater auf. Die vielen Freunde dieser aus gezeichneten Soubrette, werden es fich nicht nehmen laffen, der Künstlerin einen verdienten warmen Empfang zu bereiten. Für die Jubelvorstellung hat der Meister ein neues Balletdiver tiffement geschrieben, welches morgen durch die Damen Qualis, Neumann und des Korps de Ballet zum ersten Male im 3. Aft getanzt wird.
Johann Strauß ist gestern bei der Probe zum Luftigen Krieg" Gegenstand herzlichster Ovationen seitens der Direktion und des Personals des Friedrich Wilhelmstädtischen Theaters Beim Betreten des Orchesterraumes wurde der gewesen. Meister mit einem Tusch vom Orchester und donnernden hoch rufen des Bühnenpersonals begrüßt.
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Belle Alliance Theater. Bum Schluß der SommerSaison findet beut die legte Extra Vorstellung„ Der liebe Onlel" und Mädchen Jllufionen" statt. Im Sommergarten treten die allbeliebten Wiener Duettisten Herren Schmutz und Razer zum legten Male vereint auf, um ihre Wiener G'sangeln, die ihnen in Berlin fo unendlichen Beifall gebracht, thren Freunden zum Abschied noch einmal zu wiederholen.
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misfion später gegen diejenigen jungen Leute Anklage_er hoben, die der Simulation verdächtig waren. Unter den Vers dächtigen befand sich auch der Kommis Bloc aus St. Marie aur Chènes im Oberelsaß. Block war durch Vermittelung Liepmanns und Henerles im Oftober 1881 wegen angeblicher Erkrankung von Jschias auf 1 Jahr zurückgestellt. Er ging später nach Altona , wo ihn Dr. Meyer gegen eine Remunera tion von 600 M. wegen Kurzfichtigkeit für dauernd unbrauchbar erklärte. Block wurde zwar verfolgt, war aber erst im April dieses Jahres aufzufinden und wurde gegen 9000 M. Raution vorläufig auf freiem Fuß belassen. In der auf heute anbe raumten Gerichtsverhandlung wird dem Angeklagten schlagend nachgewiesen, daß er sich in 2 Fällen durch Anwendung von unerlaubten Mitteln der Wehrpflicht entzogen, den Dr. Meyer bestochen und den Dr. Liepmann zu falschen Angaben verleitet hat. Besonders interessant find die Ausführungen des als Sachverständiger vorgeladenen Stabsarztes Sellerbed, welcher burch wissenschaftliche Verfuche zur Evidenz nachweist, daß Block nichts weniger als furzsichtig ist. Die Staatsanwaltschaft tadelt in einem glänzenden Plaidoyer die Verwerflichkeit der zur Sprache gekommenen Gesezwidrigkeiten und bedauert den Mangel an Patriotismus, welchen der Angeklagte durch den Widerwillen gegen die höchste Ehrenpflicht eines jeden Deuts schen, den Ehrenrock des Königs zu tragen, bekundet. Der Staatsanwalt findet nur in dem Umstand einen strafmildern den Grund, daß sämmtliche Strafthaten gewissermaßen nur eine fortgesette Handlung bilden, da fie aus ein und dem felben Gedanken entsprungen find. Das Gericht erkennt auf eine Gefängnißftrafe von 1 Jahr und verfügt wegen Flucht verdachts die sofortige Verhaftung. Nach verbüßter Strafe wird Blod 4 Jahre im stehenden Heer zu dienen haben.
Das Zentral- Theater begeht am nächsten Sonnabend wieder ein Jubiläum: den Tag der 50. Aufführung der Novität Die wilde Rage", und der gelegentlich der Besprechung der Première angedeutete Hinweis, daß Kazen ein zähes Leben haben, scheint sich bei diesem Stüde voll zu bewahrheiten, denn die bisher erzielten ausverkauften Häuser laffen noch auf weitere Jubiläen der luftigen Gesangspoffe schließen. ad19/ 9i
Gerichts- Beitung.
Befreiung vom Militärdienst. Ein Nachspiel von dem im Jahre 1881 in Frankfurt verhandelten Monftreprozeß wegen Befreiung vom Militärdienst wurde vor dem Landgericht in Altona verhandelt. Bekanntlich wurden damals die Befreiungen vom Militärdienst bei dem Oberersatzgeschäft in Altona und Kiel so zahlreich, daß in Frankfurt a. M. ein Agent Berg aus Wesel ein schwungbaftes Geschäft betrieb, indem er durch Bestechung der Oberstabsärzte Dres. Liepmann und Henerke zu Wiesbaden und des Oberstabsarztes Meyer die Befreiung seiner Klienten vom Dienst im stehenden Heere erwirkte. Der Agent Berg und Dr. Liepmann sind damals flüchtig geworden, die Dres. Meyer und Henerte zu langen Freiheitsstrafen verurtheilt. Natürlich hat die Obererfagkom.
Ein Ehemann, welcher seiner von ihm fortgegangenen Frau gegenüber zwar wiederholt seine Bereitwilligkeit zur Fortsetzung der Ehe äußert und sie zur Rückkehr auffordert, thatsächlich aber die zurückkehrende Frau durch sein rüd fichtsloses, widerwilliges Benehmen gleichsam moralisch wieder aus seinem Hauſe treibt, fann nach einem Urtheil des Reichss gerichts, IV. Bivilsenats, vom 25. Juni d. J., wenn die Frau fodann ihn für die Dauer verläßt, darauf nicht die Klage auf Ehescheidung wegen böslicher Verlassung gründen.
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Ueber den Roman eines Kindes wird der W. Allg. 3tg." aus London mitgetheilt: Eine ältliche Dame in London , Mrs. Pratt, wandte sich vor einiger Zeit direkt an den Pre mierminister Salisbury mit folgendem Anliegen: Im Jahre 1870 befand ich mich in großer finanzieller Noth; die Ver wandten meines Mannes wollten nichts von mir wissen, weil ich in seinem Hause als Dienstmädchen gedient, und er mich wider den Willen seiner Familie geheirathet hatte. Mein Mann starb im Jahre 1878; er hinterließ mir ein einziges Kind; ig versuchte es einige Beit, mich und dasselbe zu ernähren, und als dies nicht anging, verkaufte ich bald darauf mein fleines schönes Mädchen einer Seiltänzerbande. Ich habe seitdem nichts von dem Kinde gehört; allein vor zwei Monaten ist mein Schwager gestorben und hat meiner Ellen ein Vermögen von 150 000 Pfund Sterling hinterlassen; fie ist jetzt siebzehn um jeden Preis wiffen, Jahre alt, und ich möchte wo fie weilt. Auf Befehl des Premiers arbeitete die Polizei mit größter Eile und Aufmerksamkeit in dieser und es ward festgestellt, daß die Angelgenheit, junge Erbin vor einigen Jahren als fte fich mit ihrer Truppe in Merilo befand, während sie ihr Mittagsmahl eins nahm, von einem jungen Manne erschossen wurde.
Im schwhzerischen Amtsblatt steht folgende Warnung: Infolge eingegangener Klagen über Obstfrevel steht sich die unterzeichnete Amtsstelle veranlaßt, hiermit in Erinnerung zu bringen, daß solcher Frevel gemäß dem„ Obs brieff" vom Jahre 1414 unnachfichtlich mit entsprechender Geldbuße beftraft wird, welche im Falle der Unerhaltbarkeit in Gefängnißftrafe umgewandelt werden kann. Im Bezirk Schwyz auszukünden. Schwyz , den 27. August 1885. Das Bezirksamt." Eine so alte, noch in Kraft bestehende Verordnung ist wohl faum mehr in der Welt zu finden.
Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich in Breßburg am 8. September um 10 Uhr Abends: Nicht weniger als de Opfer, von welchen eines lebensgefährlich verlegt ist, hat die Katastrophe gefordert. Um die erwähnte Stunde beschäftigten fich die Töchter des in der Klarissergaffe Nr. 9 wohnhaften Federnhändlers Redlinger damit, in die Lampe Petroleum einzufüllen. Das eine der Mädchen, eine achtzehnjährige, febr hübsche Blondine, Namens Regina, leuchtete ihrer Schwester mit einem Bündhölzchen, scheint aber hierbei dem aus der Flasche fließenden Petroleum zu nahe gekommen zu sein, denn das felbe fing plöslich Feuer, ergoß sich mit Bligesschnelle über die Kleider des Mädchens, welche im Verlaufe von faum zwe Sefunden in hellen Flammen standen. Angsterfüllt schrie die Aermste auf. Im ersten Augenblick waren alle im Bimmer an wesenden Berfonen vom Schred förmlich gelähmt und über ließen das unglückliche Mädchen ihrem Schicksal. Die jüngere Schwefter derfelben war die Erste, welche ihre Fassung wieder gewann und die lichterloh brennenden Kleider mit den Händen von dem Körper der Brennenden abzureißen versuchte, fte büßte jedoch ihrBeginnen mit einigen Brandwunden an den Händen. Das Mädchen, welches unterdessen die furchtbarsten Schmerzen erlitt schrie um Hilfe und stürzte, als Niemand lam, mit ihren brennen den Kleidern hinaus auf den Gang und rannte verzweifelte Hilferufe ausstoßend in die Wohnung des nebenan wohnen ber den Nachbars Namens Steiner, der seinen Versuch, Brennenden die Kleider vom Leibe zu reißen, mit einigen schweren Brandwunden an den Händen bezahlte. Endlich ges lang es, durch einige auf das Mädchen geworfene Kleidung stüde die Flammen zu erftiden und die verkohlten Kleider von dem Leibe der Unglüdlichen herabzureißen. Das Mädchen bot einen schrecklichen Anblick. Der Körper, von der Stirne an gefangen bis hinab zum Unterleibe, war mit furchtbaren Brand wunden bededt, welche für das Leben des unglücklichen Mad chens das Aergfte befürchten laffen.
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Ein wergelaffenes 8" hätte vor einigen Wochen beis nahe ein Menschenleben" geloftet! Bei dem Redakteur des nordamerikanischen Blattsmouth( Nebr.) Journal", Her Cutright, stellte sich ein gewiffer Carroll mit einer jungen gleiterin, Frl. Marshall, ein und verlangte eine Erklärung über eine in genanntem Blatte erschienene Personal Notiz. Diefelbe lautete: Mr. Carroll übernachtete gestern mit Mig Marshall im Perkins Haus." Nun hatte aber die lettere nicht mit einem Herrn, sondern mit einer Frau Carroll ihr Zimmer getheilt und der Standal, der entstand, war auf die Weglaffung vom Worte Mrs." zurückführen. Es tam zwischen dem Redakteur und Carroll zum Streit, im Laufe deffen lepterer feinen Revolver auf den Ersteren abschoß. Die Verwundung
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ist nicht tödtlich. Wenn das Blatt aber überhaupt nicht mit getheilt hätte, daß die Beiden in Berkins Haus übernachteten was eine sehr überflüffige Beitungsnachricht war, dann hätte feinen Standal gegeben!
laufs der„ Charlotte" ereignete fich ein beklagenswerther un Wilhelmshaven, 10. September. Am Tage des Stapel glücksfall. Beim Segelererziren auf der„ Hansa" fiel in Folge eines Fehltritts der Oberbootsmannsmaat Dettloff von Oberbramrae auf das Deck und brach das Genid. Der Tod war ein augenblicklicher.
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Pest, 11. September. Die Unterdrückung der 1883 antisemitischen Krawalle war mit einem Rostenaufwande vo 1146 fl. 12 fr. verbunden, deren Ersas nun seitens der Regie
rung gefordert wird. Der Magistrat beschloß, gegen diese Forderung, zu welcher die Stadt geseglich nicht verpflichte werden könne, zu remonstriren.
Berantwortlicher Redakteur R. Cronheim in Berlin . Drud und Verlag von Mar Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2.
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