Abg. Harm: Den Beifall der Maffen hat Herr von Köller nöthiger, als mir Sozialdemokraten. Er hat in feinem bekannten schulmeisterlichen Tone uns unsere Nichtbetheiligung an den Budget- Kommisstonsberathungen vorgeworfen. Warum macht man uns diese Betheiligung und überhaupt den längeren Aufenthalt in Berlin durch Nichtgewährung von Diäten unmöglich? Wenn die Reservisten ihre Familien nicht ernähren können, fallen fie der Armenpflege anheim und gehen ihres Wahlrechts verlustig.( Präfident v. Wedell rügt den Ausdruckschulmeisterlichen Ton" als unparlamentarisch.)
Abg. v. Köller: Den Vorwurf des Abg. Haupt, ich bätte den Antrag nicht verstanden, weise ich zurüd; Kap. 31 handelt ausdrücklich nur von den Erfagreservisten. Herr Richter sprach von einer Einziehung auf 8 Wochen, die Reserves und Landwehr übt aber thatsächlich nur 14 Tage.
Abg. Auer: Wir haben unseren Antrag zu Rap. 31 auf ausdrücklichen Wunsch des Buraus gestellt. Es heißt in der Ueberschrift der Position: Verpflegung der Ersatz- und Reservemannschaften. Wir waren also zur Einbringung an dieser Stelle durchaus berechtigt. Nicht bloß der Diätenmangel hindert uns, an den Kommissionsberathungen theilzunehmen, fondern auch der Mangel an geeigneten Persönlichkeiten. Wir werden uns allerdings im nächsten Jahre an den Verhand lungen der Budgetkommission betheiligen. Den Vorwurf der Kommission, den auch der Abg. Richter, ein Freund des parlamentarischen Lebens, uns macht, weise ich zurück. Wir lehnen den Etat nur deshalb im Ganzen ab, weil wir damit prinzipiell erklären wollen, daß wir mit dieser Regierung nicht einver standen find. Mit der Kommissionsberathung des Antrages bin ich einverstanden.
Abg. Richter: Herr Auer scheint fast in seiner Be scheidenheit zu glauben, daß Herr Köller in die Budgetverhältnisse eingedrungen sei. Herr Köller tritt allerdings mit einer Sicherheit auf, daß Mancher, der von den Sachen nichts versteht, glauben fönnte, Herr Köller wisse sehr viel davon. Er weiß aber vom Militäretat sehr wenig, viel weniger vielleicht als Herr Auer selbst. Im Text des Etats steht ausdrücklich Verpflegung der Ersatz und Reservemannschaften. Die Herren lesen das nur nicht genau. Gestern hat Einer das Komma übersehen, heute ein Anderer das ,, und". Aus Seite 73 des Etats geht hervor, daß 15 000 Reservisten 7 bis 8 Wochen zu dienen haben. Auch Das hat Herr v. Köller nicht gelesen.
Abg. Graf Behr hält die dem Antrage Harm zu Grunde liegende Jdee für eine richtige und wird deshalb für eine Betathung deffelben in der Kommission stimmen.
Referent v. Köller: Herr Richter hat von dem bes scheidenen Standpunkte gesprochen, den Herr Auer in Etatsfragen einnehme. Es sollte sich ein Jeder bemühen, einen be scheidenen Standpunkt einzunehmen. Ich bin hie und da gefragt worden, ob wohl Herr Richter die bescheidene Haltung, die er bei der Etate berathung gezeigt, weiter bethätigen werde, und ich habe darauf gesagt, es wäre wohl zu hoffen. Jest bedauere ich es, gefagt zu haben.( Heiterkeit.) Herr Richter hat mir, wie schon früher einmal, wieder vorgeworfen, ich hätte die Nase nidf ins Buch gesteckt und den Eiat nicht angesehen. Ich will Shnen nur tur sagen, weshalb der Antrag Harm nicht hierher zu Kap. 31 gehört: Derselbe giebt der Regierung die Mittel zum Transport der Eriagreservisten zum und vom Truppentheil. Der Antrag gehört also gar nicht hierher.
Abg. Richter: Man muß eben, um den Etat und deffen Pofitionen zu verstehen, auch die Erläuterungen lesen. Herr v. Köller vergist eben, daß ich ihm nachgewiesen habe, daß diese Position nicht von Eisas Reservisten, sondern von Reservisten handelt. In der Erlänterung steht ausdrücklich, daß im nächsten Jahre 15 000 Reservisten auf 7 bis 8 Wochen zur Uebung eingezogen werden. Deshalb ist die Behauptung falsch, daß der Antrag zur unrichtigen Position gestellt ir. Es giebt feine solche, welcher der Antrag seiner Natur nach näher stände.( Buftimmung links.)
Der Antrag arm wird hierauf der Budgettommission überwiesen, der Rest des Rapitel unbe anstandet genehmigt.
Um 5 Uhr wird die weitere Berathung des Militär. Etats bis Mittwoch 12 Uhr vertagt.
Kommunales.
Resultate der Stichwahlen.
Die gestern vollzogenen Stichwahlen zur Stadtverordneten Versammlung haben folgendes Resultat ergeben:
8. Wahlbezirf: Vortmann( lib.) 1171, Bidenbach( B.-P.) 1042 Stimmen. Gewählt Vortmann.
10. Wahlbezirk: Mühlberger( lib.) 657, Meyer( B.-P.) 643. Gewählt Mühlberger.
25. Wahlbezirt: Krampf( B.-P.) 611, Franke( Arbeiter partei) 469. Gewählt Krampf.
26. Wahlbezirk: Limprecht( B. P.) 917. Kohlert ( lib.) 890. Gewählt Limprecht.
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32. Wahlbezirk: Hoffmann( B. P.) 947. Fleischer ( lib.) 931. Gewählt Hoffmann.
34. Wahlbezirk: Hellriegel( lib.) 671. Böhl( Arbeiter partei) 616. Gewählt Helltiegel.
38. Wahlbezirt: Wallich( B.-P.) 626. Bluth( lib.) 526. Gewählt Wallich.
40. Wahlbezirk: Geride( lib.) 1221. Müller( B.-P.) 1029. Gewählt Gerice.
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Tagesordnung für die Sigung der Stadtverord neten- Bersammlung am Donnerstag, den 17. Dezember cr., Nachmittags 5 Uhr. Vorschläge des Ausschusses für Petitio nen ein Naturalisationsgesuch- Wahl des Stadtverord neten Vorstehers- Berichterstattung über die Vorlage, betr. ben Bau einer Interimsbrücke für den Neubau der Molttes brüde Vorlage, betr. Die erfolgte Bauabnahme der neuen Gemeinde Doppelschule in der Brizerstraße- desgl., betr. die Beschaffung von zwei neuen Löschzügen für die biefige Feuerwehr desgl., betr. die Einsetzung einer gemischten Depus tation zur Borberathung der Angelegenheit wegen Kreirung der Stelle eines städtischen befoldeten Sanitäts- Beamten- desgl., betr. die erfolgte Bauabnahme der neuen GemeindeDoppelschule in der Kulmstraße Etat für die Verwaltung des Gesinde Belohnungs und Unterstüßungs Fonds pro 1. Januar 1886 bis ultimo März 1887 Vorlagen, betr. den Antauf einer Parzelle des Grundstücs Staligerstr. 55/56, so wie des Grundstücks Derfflingerfir. 18a zu Gemeindeschulzweden 9 Rechnungen Vorlage, betr. den Ablauf der Wahlzeit eines Bürger Deputirten bei dem Kuratorium des Bentral- Viehhofs- Berichterstattung über einige Benfionirungs. fachen, so vie über eine Anstellungsfache- desgl. über bie sovie Vorlage, betr. den Ablauf der Wahlzeit von zwei Raths. Maurermeistern brei Unterstüßungsfachen Vorlage, betr. Die Feier eines Jubiläums.
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Lokales.
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Es scheint, daß die Universitätsbehörden es nicht gern sehen, wenn man von der Häufigkeit der Diebstähle in Sen Auditorien spricht. Anders tönnen wir uns wenigstens das Dementi nicht erklären, das jüngst einem unserer Bericht erftatter gegeben wurde. Im Allgemeinen find wir geneigt, folche Anjiandsbedenken zu berücksichtigen. Folgendem Brief, der uns von einem Studenten der Medizin unterm 10. Dezember zugegangen ist, glauben wir jedoch berücksichtigen zu müffen: Dir ist heute ein neuer, werthvoller Winterüberzieher aus der Garderobe der Klinit in der Siegelstraße wäh. rend der Vorlesung Prof. v. Bergmann's gefiohlen worden. Diebstähle sind in diesem Winter bereits öfter vorgekommen
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und auch in früheren Jahren find sie nicht ausgeblieben. I Schuld daran find die mangelhaften Garderobe Einrichtungen sämmtlicher medizinischen Institute, in denen die Kleidungsftücke ohne jede Aufsicht und ohne jeden Verschluß, auf Treppen und Korridoren( z. B. in der Charitee) herumliegen. Das ließe fich leicht ändern, wenn man von jedem Studiren den jedes Semesters einen fleinen Beitrag erheben wollte, um dafür einen Aufseher zu bezahlen. Sicher wäre jeder Studirende zu solcher Beisteuer bereit, wenn er darauf rechnen tönnte, dafür sein Eigenthum unversehrt zu erhalten." Der Vorschlag scheint uns wohl ausführbar. Die Berliner Studentenschaft, die viel Gemeinfinn befißt, würde die Sache auch ohne Hilfe ihrer Behörde ausführen tönnen. Doch würden wir es für nicht zu viel balten wir es für nicht zu viel halten, wenn die Behörde fich der Sache annähme. Solche Zustände sind einer großen Anstalt nicht würdig.
j. Verhaftung eines ital. Grafen . Die Mailändische Lombardia" erhält aus Berlin folgendes Telegramm vom 8. Dezember: Die hiesige Polizei verhaftete im Bentral Hotel den ital. Grafen M. Derselbe hatte beim reichen Bankier F. in der T.- ftraße einen schweren Erpressungsversuch gemacht, nachdem er deffen Ehefrau in Rom verführt gehabt. Der Bantier F. beantragte die Ehescheidung, auf welche am 5. Ja nuar 1886 vor der 13. Zivillammer des Landgerichts I erkannt werden dürfte. Man versichert, der gräfliche Erpresser sei aus Mailand gebürtig." Die Jtaliener scheinen eine besondere Anziehungskraft auf die Damen " der Geldaristokratie auszuüben. In Plößensee vergeht ihnen hoffentlich die Luft, geprellte EheIn Plögensee vergeht ihnen hoffentlich die Luft, geprellte Ehemänner noch außerdem zu schröpfen.
Aus dem reich illustrirten Mode- und Handarbeiten Theil der soeben, 30 Seiten start, erschienen Zeitschrift Mode und Haus" praktische illustrirte Frauenzeitung( John Schwerin's Verlag, Aktien Gesellschaft, Berlin W. 64. Abonnementspreis pro Quartal 1 M.) heben wir hervor: Modebrief von Emmy Heine, 3 Gesellschafte toiletten, Morgenkleid aus blauem Flanell, Kleid aus Lodenstoff und Blusch. 4 Knaben- und Mädchen anzüge, 3 Kinderhüte, Hälelarbeit, Nähtischdecke, Scheiben- Gar dinen, Deffin zu einem Handschuhlaften 2c., sämmtlich mit Ab bildungen. Der Hauptheil enthält unter anderen sehr intereffanten Mittheilungen: eine Weihnachtsidylle, Haushalts Silhouetten, goldene Dichterworte, gut gewählte Lebensregeln, Aufsäge über Erziehungswesen, die Gesundheitspflege, ferner Hausmittel, Küchenzettel und einen sehr vielseitigen Meinungsaustausch ( Beiträge der Abonnentinnen). Die illustrirte belletristische Bei lage von Mode und Haus" bringt als Titelbild( nach einem vorzüglichen Photogramm für Mode und Haus" auf Holz gezeichnet) die töniglich preußische Opernsängerin Fräus lein Lola Beeth, das durch eine mit einem Faffimilé der hervorragenden Künstlerin verfehene Selbstbiographie doppelt an Reiz gewinnt. Der anderweitige, das Weihnachsfeft gleich: sam einläutende Text wirkt besonders sympathisch durch zwei der Heiterkeit und dem Ernst gewidmete Jllustrationen. Erftere eine Original Beichnung für Mode und Haus" mit luftigen Weihnachtswünschen, lettere mit stimmungsvollem Gedicht, ein abendlicher Kirchgang mit Mondscheinbeleuchtung. Der Hinweis auf ein Prämienräthsel, das ohne Einsatz Lotteriechancen bietet ( Gewinn: ein elegantes Kostüm zum Eintaufspreise von 300 M.) wird die Zugkraft der beliebten Zeitschrift noch erhöhen.
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Polizei- Bericht. In der Nacht zum 14. d. M. entstand in einem Schantlokal in der Großen Hamburgerstraße zwischen mehreren Personen Streit, bei welchem der Kommis Güngler dem Arbeiter Ehlert ein Glas Bier ins Geficht goß. Letterer ergriff bierauf sein Bierglas und warf es dem ersteren mit solcher Gewalt ins Geficht, daß dieser schwer verlegt wurde und nach dem jüdischen Krankenhause geschafft werden mußte. Am 14. d. M. Morgens fiel eine Frau, als fte auf dem Hofe des Grundstücks Möckernfir. 120a mittelft einer Leiter auf einen Boden steigen wollte, mit der Leiter um und erlitt durch den Fall bedeutende Verlegungen. An demselben Tage Mittags wurde der Viehtreiber Starke auf dem Bentral- Viehhofe von einem Stier derartig gegen das rechte Knie geschlagen, daß er, anscheinend schwer verlegt, nach seiner Wohnung gebracht werden mußte. Einige Zeit später batte der Kutscher Rutter, der vor dem Hause Gürtelstr. 36 in Friedrichsberg
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und die Haut der im Rheine aufgefundenen Leiche auf einen Mann schließen ließ, der den besseren Ständen angehörte.
Allein am Spätabende des 27. August wanderte in dem benachbarten Laubenheim ein wild aussehender Mann die Dorfstraße entlang. Er fehrte in einer dortigen Gastwirthschaft ein und bat, ihm Nachtquartier zu gewähren. Die Kunde von den geschehenen Verbrechen war jedoch auch bereits nach Laubenheim gedrungen. Man mißtraute daher dem unheimlich aussehenden Menschen und benachrichtigte von seiner Anwesen heit den Bürgermeister des Dorfes. Dieser erschien sehr bald in Begleitung eines Gendarmen. Da der Fremde, der sich Müller nannte, fich nicht legitimiren fonnte, so wurde er in Haft genommen. Nun wurde festgestellt, daß der Verhaftete der Schuhmachergeselle Herbst aus Mainz war. Es wurde ferner festgestellt, daß Herbst bei Wothe als Gefelle gearbeitet und mit der ermordeten Frau Wothe ein intimes Liebesvers hältniß unterhalten hatte. Anläßlich deffen soll es sehr häufig Au argen Auftritten zwischen Wothe und Herbst gekommen sein. Ferner waren die Kleider des Wothe vollauf mit Blut besprist und im Weiteren fand man im Arresthause zu Laubenheim , in dem Herbst in der Nacht vom 27. zum 28. Auguft zugebracht hatte, in einem Versteck einen Schlüffel, der zu der Wothe'schen Wohnungsthür paßte, und einen den Wothe'schen Eheleuten gehörigen Trauring. Herbst hatte sich einige Tage vor dem Morde auf der hiesigen Meffe eine Reife tasche gekauft.
Am Nachmittage des 27. Auguft ist er mit dieser Tasche, die anscheinend mit schweren Gegenständen angefüllt war, ge sehen worden. Diese Reisetasche, über deren Verbleib er jede Auskunft verweigerte, wurde nach längerer Zeit im Abort der Gastwirthschaft zum Täubchen" ohne Inhalt aufgefunden. Des Weiteren ist festgestellt, daß am Abende des 26. Auguft Frau Wothe in der Nikolaischen Wirthschaft anscheinend auf Herbst gewartet hat. Als Herbst erschien, unterhielten fich Beide sehr lebhaft im Flüstertone. Bei dieser Gelegenheit wollen Leute gehört haben, daß Herbst zu der Wothe gesagt: ,, E3 tann ja nicht heraus tommen." Ecft gegen 83% Uhr foll Herbst mit der Wothe fich in die Wohnung der letteren bes geben haben. Gegen 9 Uhr Abends drang aus der Wothe fchen Wohnung ein furchtbares Geschrei und man hörte einen schweren Gegenstand zur Erde fallen.
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Derartige Vorkommnisse waren jedoch in der Wothe'ichen Wohnung nichts Seltenes, und da bald darauf Todtenstille ein trat, so wurde diesem Lärm von den übrigen Hausbewohnern feine Bedeutung beigelegt. Während solchergestalt die Behörde alle Hebel in Bewegung fezte, um die Person des Mörders festzustellen, entwickelte sie andererseits eine rastlose Thätigkeit, um die fehlenden Körpertheile des im Rhein entdeckten Leich nams aufzufinden. Der Rhein wurde wiederholt von geübten Tauchern, jedoch vergeblich, untersucht.
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Endlich am 12. Oktober fand man im Abort der Wirth schaft Bur Stadt Mainz" einen rechten Oberschenkel und am 20. Oftober in einem Abort der Wirthschaft Bum Tannen baum" einen linten Oberschenkel und den Kopf des Mothe in entseßlich verstümmelter Weise. Die Bunge hing weit zum Halse heraus und die Schädeldede war anscheinend mit einem fehr scharfen Inftrumente zertrümmert. Dagegen ist es bisher noch nicht gelungen, die Unterschenkel, die Arme, die Genitalien und die Kleidung des Ermordeten aufzufinden. Trogdem scheint es feinem Zweifel zu unterliegen, daß der im Rhein aufgefundene Leichnam der des Wothe ift.
Herbst, der fich nun heute wegen beider Mordthaten vor den Schranken Eingangs bezeichneten Gerichtshofes zu vers antworten hat, leugnet beharrlich, der Thäter gewesen zu sein. Als er gleich nach seiner Verhaftung zu der ermordeten Frau Wothe geführt wurde, soll er in lautes Wehllagen ausges brochen sein und mehrfach Arme Grethe" gerufen haben. Herbst heißt mit Vornamen Georg Friedrich; er ist am 19. Mai 1835 zu Mainz geboren, katholischer Konfeffton, unverheirathet und vielfach wegen schweren Diebstahls mit Be fängniß und Buchthaus bestraft.
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( Fortseßung folgt.)
mit beschäftigt war, Bich abzuladen, einem Anaben einen Slier Vereine und Versammlungen.
zum Führen übergeben. Der Stier riß fich los, durchrannte bie Borhagenerstraße, die Frankfurter Allee und die Große Frankfurterstraße und wurde schließlich auf dem Hefe des Hospitals dort wieder eingefangen. In der Frankfurterstraße wurde ein neun Jahre altes Mädchen von dem Stier überrannt, erlitt jedoch nur leichte Verlegungen.
Gerichts- Zeitung.
Der Mainzer Doppelmord vor dem Schwurgericht. Mainz , den 15. Dezember 1885. Erster Tag der Verhandlung.
Mit der Bitte um Veröffentlichung desselben erhielten wir folgendes Schreiben: In dem Bericht der gestrigen Num mer über die öffentliche Versammlung für Frauen und Mädchen steht; ich habe versucht, das Fehlen der Marken durch den Maffeneintritt zu entschuldigen. Dies ist wohl von dem Bericht erstatter irrthümlich aufgefaßt worden; ich habe ausdrücklich angeführt, daß die unkorrekte Buchführung nicht durch meine Schuld entstanden ist. Es handelt sich um Nichteintragung von 1131 Quittungsmarken, für welche jedoch das Geld vor handen war. Dieser Fehler entstand dadurch, daß erstens der Kontroleur Möhring bei der Aufnahme angeblich Listen vers loren haben wollte und wir dann nicht wußten, auf welchen Namen dieselben einget agen werden sollten. Ferner mußte ich zu Anfang des Monats Februar alle auf den Namen Günther lautende Bücher einziehen, weil ich ebenfalls nicht wußte, fir wen die Bezahlung einzutragen sei. Außerdem find mehrere Bücher mit doppelten Nummern und Namen vorhanden ge wesen. Daß also unter solchen Umständen von einem richtigen Eintragen nicht die Rede sein fann, liegt wohl flar und ebenso, daß mich keine Schuld trifft, da von mir kein Buch und Lifte ausgefüllt wurde. Durch das schlechte Schreiben fommen jest auch noch sehr viele Fehler vor, laut Bestätigung des jezigen Kaffirers. Auch find am Tage der Uebernahme, wo der Bor figende Herr Richter und der jezige Kaffirer nur allein gears beitet haben, 68 Marken verkauft, aber nicht gebucht worden. Ich bin nicht meines Amtes entsegt, sondern habe laut Pro tokoll der Hauptversammlung vom 12. April d. J. unter solchen Schluß will ich noch bemerken, daß nur 659 Marten fehlen, nicht 689. Am 4. und 5. April war Revision, da stimmte Geld wie Beläge und Marken bis auf ein Manto von 4 M. 50 Pf. genau, welches ich sofort deckte, laut Unterschrift bes Vorfizenden und Kontroleurs, und was wohl bei einer Ein nahme von 12 248 D. 60 Pf. und einer Ausgabe von 10 907 M. 75 Pf. den Verhältnissen nach entschuldbar ift. Am 6. und 7. April war Ostern, die Kaffe also geschloffen. Am Tage der Uebernahme wurden die innerhalb 5 Tagen vete Wothe in gräßlicher Weise ermordet da, der oder die Mörder tauften Marken, Beläge und Geld wieder geprüft und ftimmte bies genau; als man nun zum Bählen der vorhandenen Marten welche bee schritt, fehlten, nachdem ich alle außenstehenden Marken, welche iesige Raffirer laut seiner Bestätigung erhalten hat, angeführten 659 Stüd. Ich fonnte mir nicht erklären, len dieselben geblieben sind, und vermuthe, daß fie mir gestohlen wurden. Auf wen ich Verdacht habe, ist meine Sache und werde ich dies vor Gericht anführen. Deffentliche Namen u nennen, ohne direkte Beweise in Händen zu haben, wäre wohl gefährlich. Paul Schneider, Buchbinder.
v. k. Ein schauderhaftes Verbrechen, das in den Annalen der Kriminal Justiz fast ohne Beispiel dasteht uud noch immer in ein gewiffes Dunkel gehüllt ist, gelangte heute vor dem Forum des hiesigen großherzoglich hessischen Schwurgerichts zur Verhandlung. Es dürfte den Lesern noch erinnerlich sein, daß am Morgen des 27. August d. J, etwa gegen 6 Uhr, im Rheinstrome hierselbst, in der Nähe des Dampfkrahnes der Taunus Eisenbahn, ein vollständig entblößter männlicher Leichnam aufgefunden wurde. Kopf, Arme, Beine und Genitalien waren in höchst lunstgerechter Weise, anscheinend mit einer Säge, von dem Rumpfe getrennt. Am Nachmittage deffelben Tages durcheilte abermals eine Schredensbotschaft die hiefige Stadt. In dem Hause Fürstenbergerhof Nr. 3 mar von mehreren Leuten die Wahrnehmung gemacht worden, daß aus der im ersten Stockwert befindlichen Wothe'ichen Wohnung Blut herausfidere. Die hiervon benachrichtigte Polizei ließ die Wohnung von einem Schlosser öffnen und nun bot sich den Eintretenden ein furchtbarer Anblick dar. Der Fußboden des Wothe'schen Wohnzimmers glich einer großen Blutlache. Das ganze Bimmer war bis an die Decke mit Blut besprißt, die Wände starten vor Blut, so daß kein Zweifel war, die Stube habe die Stätte einer Mordthat gebildet, der ein heftiger Kampf zwischen den Mördein und dem Er mordeten vorangegangen sein muß. Und in der That in einem ebenfalls vollständig mit Blut besprigten Bette lag Frau
hatten ihr anscheinend mit einem Hammer den Hinterkopf zers fchlagen.
Die Kriminalpolizei entwickelte sofort eine geradezu fieberhafte Thätigkeit, um das Dunkel dieser deiden furchtbaren Verbrechen zu lichten, jedoch zunächst ohne Erfolg. Dagegen stellten die medizinischen Sachverständigen sehr bald fest, daß die im Rheinstrom gefundene verstümmelte Leiche nur wenige Stunden im Waffer gelegen und daß in den Magen beider Ermordeten die gleichen Speiserefte( grüne Bohnen) fich befanden, die, der Verdauung nach zu urtheilen, zu gleicher Beit genoffen waren. Es gewann daher den Anschein, daß beide Mordthaten in der hr. In der öffentlichen Versammlung der Sattler Wothe'schen Wohnung geschehen waren. Ja, die weitere Unter suchung ergab, daß die ermordete Frau Wothe augenscheinlich zunächst dem Mörder Hilfe geleistet hat und daß alsdann fie die ohn und verw. Berufsgenossen, welche am Sonntag in Gratweil's Sälen tagte, wurden über die Lohn- und Arbeitsverhältniffe ſelbſt ebenfalls das Opfer dieses Unmenschen geworden ist. Die der batter in Berlin die Reinem Jahre eingeſetzte er Ermordete, die seit langer Beit unter fittenpolizeilicher Kontrole Kommission auf Grund sehr sorgfältig angestellter statistischer 4 Wochen mit dem 31jährigen Schuhmacher Wothe, einem sehr Herr Wirths, erstattete, ergab, daß die von der Meisterinnung übel beleumundeten Manne, verheirathet. Da Frau Wothe, dem Magiftrat gemachte Mittheilung, welcher zufolge der werbe nachging und ihr Gatte sput los verschwunden war, so höchfte 24 Mart betragen soll, nicht zutreffend sei. Genaue lenkie fich der Verdacht der Thäterschaft zunächst auf diesen. statistische Erhebungen baben in der Wagenarbeit 12, 17 und am Abende des ergeben. Von den in Berlin vorhandenen 400 Werkstätten an Wahr 21 bis 24 Mart, für Militärarbeiter nur 10, 15 und 18 M. 26. August in Gesellschaft von Männern gesehen wurde haben 248( mit 850 Gesellen und 300 Lehrlingen) die ihnen
Diese Vermuthung gewann
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