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nicht nur eine Beeinflussung der Wähler verhindern, sondern auch einen Schuß der Wirthe gegen polizeiliche Chitanen her beiführen. In dieser Beziehung wird der Antrag zu erweitern fein. Aber unter dem jezigen Produktionssystem wird durch Diesen Antrag die Beeinflussung der Wablfreiheit der Arbeiter nicht gänzlich beseitigt werden können. Wir werden deshalb Ihnen in den nächsten Tagen einen Antrag auf Abänderung des Wahlaesezes und der Wahlordnung vorlegen, der hoffent lich demselben Wohlwollen begegnen wird, wie heute der An trag Rintelen.

Werks fei. Die Union " hat auch das Halten der ultramon tanen Beitung Tremonia", welche ebenfalls gegen die Natio naliberalen aufgetreten war, ihren latholischen Arbeitern ver boten; es war eine förmliche Spionage organist t, und ein Gendarm a. D. ging in die Wohnungen, bat die Frauen der Arbeiter um einen Fidibus oder um die Beitung, in der er angeblich nur etwas nachsehen wolle; und webe dem Arbeiter, defen Frau dem Gendarmen zufällig die Tremonia" gegeben batte. Der vorliegende Antrag lann freilich leine Remedur diefer Uebelstände fchaffen; er ist furiflisch unhaltbar und be schränkt auch das freie Verfügungsrecht des Arbeitgebers zu sehr. Besonders aber möchte ich die Straforgane des Staats nicht noch mächtiger machen, so lange bei uns das Antlage­monopol der Staatsanwaltschaft besteht, welches viel schlimmer noch ist, als alle Tabals, Branntwein und sonstigen Monopole zusammen. Können wir denn das Vertrauen haben, daß die Staatsanwaltschaft gegen die nationalliberalen und fonfervativen Schornsteinbarone auf Grund dieses Gesetzes in gleicher Weise bei Wahlbeeinflussungen vorgehen würde, wie gegen Industrielle anderer Parteirichtung, so lange ein Staats anwalt bei einer Lappalie ein öffentliches Intereffe annimmt, wenn es fich um den Sohn eines hohen Beamten hundelt; und ein anderer Staatsanwalt erst auf Geheiß des Ministers die Anllage erhebt in einem Fall, wo man ein Mitglied dieses Hauses des Meineides beschuldigt batte? Ich glaube ferner, daß auch die Reform unseres Wahlsystems, die Her ftellung einer wirklich geheimen Wahl, nur hinausgeschoben und verzögert werden lann. Die Kommissionsberathuug dieses Antrags wünsche aber auch ich, damit durch die Verhandlungen Der Rommission gewisse Industrielle Westfalens und der Rhein­proving an den Branger gestellt und schamroth werden, wie fie es nach ihren brutalen Wahlbeeinflussungen verdienen. Wenn diese nationalliberalen Herren fortfahren, so ihre Ar beiter zu vergewaltigen, so werden fie die legteren zu fanati freis Dortmund lieber in den Händen eines Sozialdemokraten, schen Sozialdemokraten machen. Ich würde freilich den Wahl­als eines egoistischen Nationa lliberalen sehen, der in scham­lofer Weise von seinen Arbeitern verlangt, fie sollten bei den politischen Wahlen nur an die materiellen Interessen des

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Abg.

v. Röller( lons.): Daß selbst Herr Lenzmann

eine nugbringende Distuffton des Bauetats unter solchen Vers hältnissen nicht zu erwarten ist.( Beifall auf allen Seiten des Hauses.)

Die Vertagung wurde mit großer Majorität beschloffen. Auf Anfrage des Abg. Dr. Mehr theilte der Prästs bent mit, daß in der nächsten Woche zweckmäßig die Etat berathung fortzuführen, in der darauf folgenden mit der ersten Lesung der auf die Dftprovinzen bezüglichen neuen Vorlagen zu beginnen sein würde.

Schluß 2 Uhr.( Nächste Sigung Dienstag 11 Uhr. ( Etats der Bau, Berg, Hütten- und Salinenverwaltung.)

Lokales.

Aus der Wienerstraße geht uns folgender Nothschrei au: Für unsere städtische Straßenreinigung scheint die Wieners straße garnicht zu existiren. Bei uns hier draußen liegt der Schnee, der vor drei Wochen gefallen ist, immer noch. Man fann die glatte, festgefrorene Maße, welche unsere Straße in einer Stärke von 8 bis 10 3tm. bedeckt, eigentlich kaum noch Schnee nennen, es ist das reine Eisfeld. Allerdings hat man und den Gefallen gethan, daß man den Schnee aus der halben Stadt durch unsere Straße fuhr und durch die Tausende von Wagen, welche die Straße pasfirt haben, ist die Situation durchaus nicht besser geworden. Von den Trottoirs hat man ja den Schnee weggefegt, dafür ist er aber auf dem Fahrdamm liegen geblieben. Dit, wenn man eine Kolonne der Straßen reiniger erblickte, freute man sich schon und wartete gespannt, an welchem Ende der Straße fie anfangen würden. Leider aber schien es nöthiger, in anderen Straßen den trockenen Staub aufzuwirbeln. Wie viel Pferde hier täglich stürzen, davon wollen wir lieber schweigen. Die Wienerstraße ist eben für die Straßenreinigung wie verloren.

Abg. Windthorft bestreitet, daß er bei einer frühren Wahlprüfung fich anders ausgesprochen als heute. Er habe nur damals wie heute anerkannt, daß es auf diesem Gebiete schwierig sei, eine Grenze des Erlaubten und Unerlaubten zu finden. Es gebe allerdings auch noch andere unzulässige Ein­flüffe, aber bei den Arbeitgebern seien die Mißstände am schreiendsten herangetreten. Auf Einzelnheiten könne man im Plenum nicht eingehen, sonst würde er seinen Fraktionsgenoffen Letocha bitten, fein großes Material vorzutragen. Uebrigens sei ja eine Detailbegründung nicht mehr nöthig, seitdem man im Abgeordnetenhanse Vorlagen mit ganz allgemeiner Be gründung vorlegt. Was von dem Einflusse der Geistlichen gefagt wird, sollte man doch etwas näher spezialistren. Wenn die Geistlichen einen Einfluß ausüben, so freue er fich, fie sollen nur teine unzulässigen Mittel anwenden. Ste haben daffelbe Recht, wie Herr v. Köller, über Land zu geben und zu erklären: ich wähle mich selber. In den Maigesezen ist die unzulässige Beeinflussung seitens der Geist lichen unter Strafe gestellt, wenn dieser Grundsatz ausgedehnt werden soll auf eine andere Kategorie, dann erhebt man ein Mordgeschrei. Alle Erzählungen von dem Einflusse der Getftlichen sind nicht bewiesen; die Geistlichen könnten sich übrigens nicht vertheidigen, denn fie find zum absolutesten Geheimniß bezüglich der Beichte verpflichtet. Alles was hier aus dem Beichtstuhl erzählt wird, ist erlogen.( Unruhe rechts.) Präfident v. Wedell will den Redner zur Drdnung rufen, weil er verstanden: Alles, was Sie aus dem Beichtstuhl u.s.w. Redner bemerkt, daß er von, Sie" nicht gesprochen habe. Der Miß. brauch der Autorität soll beschränkt werden, die wirkliche Auto­rität wolle er am allerwenigsten beschränken. Die Aeußerungen des Herrn von Buttkamer enthielten einen Augriff auf Das geheime Wahlrecht; wenn man Bedenten gegen daffelbe habe, hätte man früher daran denken follen; jest würden seine Freunde das geheime Wahlrecht vertheidigen. Gesichert sei das geheime Wablrecht noch nicht. Was ein bayrisches Zentrumsmitglied in München über das Wahlrecht von Beamten gesagt habe, fönne er nicht billigen.

Bräfident v. Wedell fonstatirt aus den Niederschriften Der Stenographen, daß der eine verstanden: was hier erzählt ist", der andere: ,, was Sie erzählt haben". In beiden Fällen müffe die Aeußerung auf Mitglieder dieses Hauses bezogen werden, deshalb rufe er den Abg. Windthorft zur Drdnung! Abg. v. Helldorff( lons): Wenn Sie mit dem An mung noch auf andere Weise, als durch die jest geltenden Vor schriften zu fichern, so läßt sich darüber reden; wollen Sie aber damit den Versuch machen, die ganz natürlichen Einflüsse, die fich auf jede Wahl geltend machen, unter Strafe zu ftellen, dann betreten Sie ein Gebiet, das sich gefeßgeberisch nicht ver arbeiten läßt. Bieles aus den heutigen Reden der Abgg. Trager und Lenzmann über den schlimmen Einfluß der Partei­agitation auf die Sitten deckt sich durchaus mit dem, was ich vor einigen Wochen bei der Debatte über die Länge der Le gislaturperiode ausgesprochen, was aber damals vom Hause zum Theil mit Gelächter aufgenommen wurde. Mit dem An­trage würden wir einen Boden betreten, der mit allen Grundlagen unseres Strafrechts im Widerspruch steht; mit

gegen den Antrag stimmen wird, ist charakteristisch. Freilich, wenn das Anklagemonopol durch die freie Anklage ersept würde, dann würde auch er für den Antrag sein, der ja dann als schönes politisches Machtmittel zu Parteizeizweden ver meribbar wäre. Herr v. Puttkamer hat übrigens nur das natürliche Bertrauensverhältniß zwischen Arbeitgeber und Ar beiter im Auge gehabt, und nicht wie v. Bollmar meint, ein bestimmtes Recht des Arbeitgebers. Hier in Berlin hat die freifinnige Bartei einen Aufruf erlaffen, die Hausbefizer möchten thren Einfluß für die Wahl des freifinnigen Kandidaten aus nuzen. Bei Gelegenheit der legten Stadtverordnetenwahlen wurde einem Arbeiter, der für Bidenbach gestimmt hatte, vom Babloorfizenden gesagt:" Sie werden entlassen." Nachher trage darauf hinaus wollen, die Geheimhaltung der Abftim­hat dieser Vorsitzende das dahin gedeutet, daß er nur ent laffen aus dem Wahllokal" gemeint habe.( Au! rechts.) In der städtischen Wahlprüfungskommission hat Herr Ludwig Löwe , der dort den Vorfis führt, gesagt, solche Aeußerungen por der Annahme des Antrags Rintelen, der nur die Autorität des Arbeitgebers gegenüber dem Arbeiter untergraben kann. Abg. Mundel: Es mag sein, daß durch die Macht der Mutorität fich ein Bustand der Unschuld in den ländlichen weil fte das Böse nicht tennt. Diese Autorität wollen wir Babltreisen erhält, welcher nicht weiß, was gut und böse ist, nicht anfechten, wir freuen uns vielmehr, wenn fie uns noch lange Herrn v. Köller und seine Reden erhält.( Heiterkeit.) Wir wollen nur anlämpfen gegen den unittlichen Mißbrauch der Autorität. Den Antrag Nintelen ohne Weiteres zum Geset erheben, daran denkt Niemand. Ich gestehe ein, daß ich unferes Strafgesetzbuches theile; denn Gutes ist uns aus dem Jelben nicht viel gekommen. Aber darum handelt es sich hier nicht, sondern darum, ob der Reichstag den richtigen Ge Danten, der in dem Antrage liegt, von sich weisen oder fich mit ihm beschäftigen will. Da tann über die Bejahung doch ein Bweifel sein, und hätte ich noch einen Bweifel gehabt, wäre er durch die konservativen Redner beseitigt worden. Es ist richtig, daß man geglaubt hat beim Erlag De allgemeinen Wahlrechts, daß die Autorität sich dabei gel­

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Einen bemerkenswerthen Bescheid, so besagt ein Eins gesandt der Volts- 3tg.", welcher für weitere Kreise von Inter effe sein dürfte, hat fürzlich der Herr Polizei- Praftdent v. Richthofen hierselbst einem Bädermeister ertheilt, der schon seit längerer Zeit in Berlin à la Bolle das öffentliche Aus­flingeln von Broden betreibt und dieses nun auch in Char lottenburg vornehmen wollte; dasselbe ist ihm jedoch von der dortigen Bolizeidirektion untersagt worden, worauf er fich be­schwerdeführend an den Herrn Minister des Innern wandte, fich auf Bolle und Genossen berufend, und nun folgenden Bescheid erhalten hat: Auf Ihre an den Herrn Minister des Innern gerichtete, von demselben an mich zur Verfügung ab gegebene Beschwerde vom 21. Dezember vorigen Jahres über Sie Verfügung der föniglichen Polizeidirektion in Charlottens burg vom 5. Dezember v. J., durch welche Ihnen das Aus­flingeln von Badwaaren auf den Straßen von Charlottenburg untersagt worden ist, gereicht Ihnen zum Bescheide, daß ich mich nicht veranlaßt finde, die genannte Verfügung aufzu heben. Bisher ist die Erlaubniß zum Ausklingeln von Waaren nur zwei Gewerbetreibenden von Charlottenburg , den Milchhändlern Bolle und Eggert, ertheilt worden. Eine Bes schränkung erscheint im öffentlichen Interesse nothwendig, weil bas Austlingeln zu erheblichen Störungen und Belästigungen des Publikums führt und eine Genehmigung Ihres Gesuchs zur Folge haben würde, daß andere Gewerbetreibende ähnliche Anträge bei der föniglichen Polizeidirektion in Charlottenburg stellen. Der Polizei Präsident. gez. v. Richthofen." Dieser Be scheid lautet also sehr einfach und die abschlägige Motivirung läßt sich kurz in die Worte zusammenfassen: Da tönnte Jeder tommen und flingeln." Allerdings, wenn der Grundsas gelten foll: Was dem Einen recht ist, ist dem Andern billig." Unsere Feuerwehr und die Pferdebahn Klingeln freilich auch; Da dieses Klingeln aber im Intereffe der öffentlichen Sicher heit bei dem oft lebensgefährlichen großstädtischen Verkehr ge­schieht, während das Ausklingeln von Handelsartikeln nur als ein sehr geräuschvolles Reklamemittel zu betrachten ist, welches nach Andeutung jenes Bescheides sogar störend und belästigend erscheint, so dürfte wohl darauf Bedacht zu nehmen sein, ob dieses, sowie das öffentliche Ausschreien von Waaren, über haupt nicht gänzlich abzuschaffen wäre, zumal ja doch amtlicher feits ausdrücklich auf die Konsequenzen desselben hingewiesen ist, welche in einem Rechtsstaat auch ausnahmslos zu berück fichtigen find. Ferner find unsere großstädtischen Handelsver hältnisse in Berlin , wo fast Haus bei Haud aleichartige Ge schäfte, namentlich mit Lebensmitteln, dem Publilum ganz bequem liegen und durch koulante Bedienung in jeder Bes ziehung allen gerechten Ansprüchen zu genügen suchen, derart, Daß solche Volal- und Instrumental Ronzerte auf der Straße mindestens entbehrlich erscheinen. Dieselben erinnern aber leb­baft an Bustände wie in Kuhschnappel und Krähwinkel, wo­selbst außer dem autoritativen Gemeindeboten, welcher das öffentliche Austlingeln und Ausrufen mit gewichtiger Amts­miene besorgt, nur noch von Zeit zu Zeit der landläufig be fannte Blundermaß erscheint, der seinen Antiquitätenhandel mit einer großen Pfeife à la Nachtwächter begleitet.

Strafe wird hier bedroht, wer sein Recht ausübt. Jft denn ein Arbeitgeber verpflichtet, seine Arbeiter zu behalten? Und für den Verstoß gegen dieses Gebot soll er mit Gefängniß und mit dem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bestraft werden? Ein derartiges monströses Beginnen ist hier noch nicht bagewesen, das muß doch jeder Jurist fühlen. Mit nüchternem Verstande fann ich an die Ausführbarkeit des An­trags nicht glauben. Sie betreiben damit nur die Geschäfte der Sozialdemokratie. Ich verstehe nicht, wie man verlangen fann, derartige unfinnige Gedanken in gesesgeberische Form zu bringen. ( Der Präsident ruft den Redner wegen der letteren Neuße rung zur Ordnung.)

Die Debatte wird geschlossen.

tend machen werde, aber mit Gesez und legitimen Mitteln, nicht mit denen, welche heute hier angeführt sind, und von daß der Thron ins Wanken gerathen würde, wenn sie beseitigt Graf Behr gesagt hat. Mich hat folgende Aeußerung empört: werden. Es ist jetzt Sitte der konservativen Seite, wenn von Dieser Seite eine Rüge erfolgt, uns die Legitimation zu einer

bestreiten, weil wir es nicht viel beffer machten. So

es in dem andern Hause gewesen, wo Herr v. Puttkamer bie Bäßlichkeiten seiner Preffe damit vertheidigte, daß unsere Breffe häglich und niedrig sei. Wohin aber soll ein solcher Sag führen? In Betreff der Beispiele, die Herr v. Köller angeführt hat, wird mir versichert, daß der Wähler, dem mit Entlañuna gedroht wurde, gar nicht in einem Dienst verhältniß zum Wahlvorsteher stand,

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Die Hausbeftzer aufgefordert werden, zu Gunsten freisinniger Wahlen auszu.

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Persönlich bemerkt Abg. Ridert: Ich unterwerfe mich durchaus dem Ordnungsruf des Präsidenten. Er wird aber meine Aeußerung milder beurtheilen, wenn er beachtet, was

wenn überall in den Wahlkreisen von Drt zu Drt ber Kandidat Ihrer Partei herumgeht u. f. w." Graf Behr hat ja einen Namen genannt. Wie es damit aussieht, halten wir für eine Ehrenpflicht, weiter zu verfolgen und werden uns später mit Graf Behr persönlich darüber auseinandersezen.

Abg. Haarmann( nationallib.) bemerkt, daß die dem­nächftigen amtlichen Ermittelungen über die Wahl in Bochum die Grundlosigkeit der Vorwürfe des Abg. Lenzmann darihun werden.

In dem Schlußwort als Antragsteller bemerkt Abge ordnete Windthorst, daß es ihm ferngelegen habe, irgend Jemand hier im Hause anzuschuldigen. Er habe den Aus druck Lüge" nur von dem Bericht, den Herr Meyer vorge­lesen, in objektivem Sinne gebraucht.

Der Präsident erklärt, daß er dem Redner, hätte er selbst den Ausdrud in diesem Sinne verstanden, einen Drd­Abg. Meyer( Sena) behält sich vor, auf den Fall später

Der Antrag Rintelen wird darauf einer besonderen Kom­miffion von 14 Mitgliedern überwiesen.

Schluß 6%, Uhr. Nächste Situng Montag 1 Uhr.

Abgeordnetenhaus.

nugen, ist längst von unserer Partei desavouirt worden. Wenn bann weiter Herr Graf Behr sich noch gegen einen Ver forbenen gewendet hat, gegen Einen, der sich nicht mehr bertheidigen fann( hört! hört!), wenn er ihm Wahlbestechungen gröblichsten Art zum Vorwurf gemacht hat, so ist dies eine nungsruf nicht ertheilt haben würde. Beschuldigung, die ich, bis Beweis erbracht ist, als unwahr Burudweisen muß.( Sehr richtig! links.) Ich thue dies des zurüdzukommen. wegen, weil ich den Verstorbenen gelannt habe und ihn niedri Auftrage seines Freundes Dirichlet , der wenn er hier hätte ger Handlungen nicht für fähig halte, ich thue es aber auch im anwesend fein fönnen, wohl richtigere Worte der Erwiderung( Kleinere Vorlagen und Unfallversicherung der Beamten.) gefunden haben würde. Wenn wir aber noch erwägen, daß Der Verstorbene denselben Wahlkreis vertrat, der heute das Blud hat, durch den Grafen Behr vertreten zu sein, so muß ibis auf welteren Beweis behaupten, daß das sonst flare Urtheil des Grafen Behr getrübt ist durch persönliche Inter­effen an dem Wahlkreise, der damals von Hüter erobert mar. Wir wollen den unfittlichen Mißbrauch der Des Arbeitgebers uuter das Strafgeset stellen; da nicht nur bei dem einen vom Antragsteller berührten Punkt zu bleiben. Wir haben hier gehört, trop eines solchen Strafparagraphen würde der Staatsanwalt nichts machen können. bg. Hänel: Nichts machen wollen!) Es freut mich übrigens, am Sch vor dem Denunziantenwesen jezt auch die Rechte Elel empfindet.( Abg. Hänel: Ganz etwas Neues!) Das mag neu lein; aber mit dem neuen Gefühl haben Sie recht, und halten Ste es feft. Entweder wird es uns gelingen, die Mängel Antrages Rintelen in der Kommission zu beseitigen, und Dann werben auch Sie( rechts) nicht umhin lönnen, dem ver. fegen, daß Sie die Unfittlichkeit vertheidigen wollen. Oder der Verfuch wird mißlingen, und dann müffen wir sagen: Wir baben gewünscht, aber es ging über unsere Kräfte. Den Ver fuch abzulehenen, haben wir jedenfalls feine Veranlassung.( Bu

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der Kommission Darauf ankommen,

19. Sigung vom 13. Februar, 11 Uhr. Am Ministertische Maybach und Kommissarien. Eingegangen ist der Gesezentwurf, betreffend die Abände rung von Amtsgerichtsbezirlen.

Auf der Tagesordnung steht zunächst die Wahl des Prä fidiums.

Bei der Wahl des ersten Präsidenten, die unter dem Vorsiz des Abg. v. Heereman stattfand, wurden 333 Stimmen abgegeben, davon 27 unbeschrieben, also ungültig, von den 306 giltigen Stimmen erhielt der Abg. v. Köller 304, der Abg. v. Heereman 2.

Präsident v. Köller: Ich danke Ihnen, meine Herren, und nehme die Wahl für die Dauer der Session bereitwilligst an.( Beifall rechts.)

Bei der Wahl des ersten Vizepräsidenten wur den 340 Stimmzettel abgegeben, davon 118 unbeschrieben, also Windthorst, v. Benda, Zaruba und Janffen je 1 Stimme.

Wir haben dem nichts hinzuzuseßen, es war von jeher un verständlich, weshalb nur Herr Bolle flingeln durfte, und die Kleinen Milchhändler nicht.

Mit Bezug auf die am Mittwoch Abend in Reiniden dorf verübte Mordthat und den Mörder schreibt ein Bericht erstatter auf Grund der an Ort und Stelle von ihm ein­gezogenen Erkundigungen, daß die Gerichts- Kommission am Donnerstag den Thäter Täuber noch im Amtsbureau ver­nommen und daß derselbe, obgleich er bis dahin die größte Kaltblütigkeit, ja fogar Frechheit zur Schau getragen hatte, doch während der Vernehmung ohnmächtig geworden ist. Das zur That benugte Meffer war ein altes, fast bis auf den Rüden abgeschliffenes Schlachtmeffer, das Täuber heimlich aus dem Schlächtergeschäft seines Bruders entnommen hatte, um es zu dem Bwede der Tödtung der Langnick zu gebrauchen. Nach verübter That ließ der Mörder die Schwerverlegte ruhig liegen, entfernte fich, ohne fte weiter zu beachten, und begab fich in die Paeglow'sche Schankwirthschaft, wo er sich, ohne Widerstand zu leisten, verhaften ließ. Als ihm im Amts gefängniß die schweren Feffeln angelegt worden waren, fing er mit denselben an zu raffeln, so daß der dicht neben der Belle Schlafende Amtsdiener während der ganzen Nacht nicht schlafen fonnte. Einmal stand der Amtsdiener auf, begab sich in die Belle des Verbrechers und gebot Ruhe, erhielt aber die ironische Antwort: ,, Ach was, ich muß die Ketten pußen, die sind lange nicht gebraucht und ganz verrostet." Täuber war einer der be üchtigsten Laubdiebe, seine Spezialität war der Diebstahl von Lebensbaum, Luxus- und Dekorationslaub, das er aus Kirchhöfen, Schmuck- und Vorgärten holte. Nur wegen solcher Diebstähle ist er bisher, aber faft unzählige Male bestraft wor den. Am Donnerstag Nachmittag wurde er in das Unter fuchungsgefängniß nach Moabit gebracht. Außerdem veriautet noch, daß der Mörder Täubert feineswegs in der legten Zeit getrennt von seiner Kontubine gelebt hat, ein dieserhalb ent ftandener Streit also auch nicht die Ursache des Mordes ges wesen sein tann. Täubert soll vielmehr am Tage der That wegen versuchter Nothzucht zu einem Jahr Gefängniß ver­urtheilt worden sein und befand sich vielleicht hierüber in hoch­

befferten Antrag zuzuftimmen, ohne fich dem Verdacht auszu ungiltig. Von den 222 giltigen erhält v. Heereman 218, grabiger Aufregung, die noch durch die Vorwürfe seiner

Abg. Heine: Wir werden für eine kommissarische Be rathung des Antrages stimmen. Wenn wir wirklich die Massen mit Berfprechungen der Art aufreizten, daß eine Bertheilung Der Güter erfolgen solle, so ist doch das noch nichts gegen die Agitation, die eine Belastung der großen Maffen mit Steuern Bunften fleiner Interessentenkreise bezweckt. Wir wollen

Abg. v. Heereman: Ich nehme die Wahl dankend an. ( Beifall im Zentrum.)

Bum zweiten Bizepräsidenten wurde Abg. v. Benda mit 276 von 279 giltigen Stimmen gewählt. 32 Bettel waren unbeschrieben; außerdem entfallen auf Richter, Schnatsmeier und Schmidt( Stettin ) je eine Stimme. Abg. v. Benda nimmt die Wahl mit Dant an.( Beifall bei den Nationalliberalen.)

Abg. Berger: Ich beantrage die Vertagung der Sizung. Die Luft ist heute im Saale so außerordentlich schlecht, daß

Ronfubine gesteigert sein dürften. Wenigstens nimmt man an, daß die Verurtheilung die Veranlaffung zu dem Strette ge wesen, in deffen Folge Täubert schließlich zum Meffer griff, um die unselige That zu begehen. Die Ermordete soll übrigens in wenigen Wochen ihrer Niederkunft entgegengesehen haben.

Spizbuben- Humor. Einem in der Klopstockstraße woh­nenden Arzt wurde am 9. d. M., Abends, ein glatter brauner Winterüberzieher mit schwarzem Sammettragen vom Rorridor gestohlen. In den Taschen deffelben befand sich unter anderen Sachen ein Stadtbahn- Abonnementbillet, drei Loose des Archi tektenvereins und einige Visitenkarten. Diese Gegenstände