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Mittwoch, den 26. Mai 1886.
Baldwine III. Jahrg.
Berliner Volksblatt
Drgan für die Interessen der Arbeiter.
Meint taglia Morgens außer nach Gonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's baus vierteljährlich 4 Mart, monatli 1,85 tart, wöchentlich 85 Bf. Bofabonnement 4 Mart Ginzelne Rummer Bf. Sonntage- Kummer mit illuftririer Bellage 10 Bf. ( Eingetragen in der Boßzeitungspreisliste füs 1888 unter t. 769.)
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Die vier Acht.
Seitdem die Streitbewegung in Nordamerika wieber in ein ruhiges Fahrwasser gelangt ist, lohnt es sich wohl, ben Kern der Forderungen, welche die Arbeiter dort gestellt, aber für diesmal nicht erlangt haben, etwas näher zu be= trachten Querit wollen wir aber nochmals betonen, daß die Arbeiter in Nordamerika eine so schwere Niederlage nicht erlitten haben würden, wenn die Anarchisten ihre schmutzigen alle Opp Bände aus dem Spiel gelassen hätten und wenn in D. Rovig Amerita ein gefunder, realer Sozialismus unter den Ar beitern sich schon Bahn gebrochen und die nöthige Aufklärung geschafft haben würde.
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Lohn!
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beträgt für die 4 gespaltete Betitzeile oder deren Raum 40 Pf. Arbeitsmarkt 10 Bennige. Bei größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis Rachmittags in der Expedition, Berlin SW., Bimmerftraße 44, sowie von allen nas Bureaug, ohne Erhöhung des Preises, angenommen.
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Fortschritte in der Mechanit, die Vervollkommnung der Mas schinen treiben dazu. Man schafft in achtstündiger täg licher Arbeitszeit, wenn sämmtliche Arbeiter beschäftigt find, jezt schon mehr Produkte, als bie Ronfumtion es erfordert. Unb wollten oder fönnten wir es genau feststellen, wie es gegenwärtig mit der Arbeitszeit in Deutschland steht, so würden wir finden, baß wenn man alle Feiernden und Arbeitslosen mit in die Durchschnittsrechnung hineinzöge, für den einzelnen Arbeiter auf das Jahr gerechnet auch teine längere Arbeitszeit als ungefähr 8 Stunden täglich heraustäme.
Das Schlimme ist jetzt nur bie Planlosigkeit in der Arbeitszeit. Ein Arbeiter muß bei dem sogenannten guten Geschäftsgang 12-14, beim schlechten Geschäftsgang 6 bis 7 Stunden arbeiten; dabei werden zahlreiche Arbeiter bei schlechtem Geschäftsgang entlassen und arbeiten gar nicht.
Bei einer planvollen Regelung der Arbeit aber würden fämmtliche oder doch fast sämmtliche Arbeiter acht Stunden täglich beschäftigt werden können und immer noch bei dem maschinellen Fortschritt überproduziren.
Die Regelung der Arbeitszeit, vor der sich jeht die Unternehmer so sehr entsetzen, wird nach und nach erfolgen und zwar im eigenen Interesse der Unternehmer. Der Beit punkt ist gekommen und zwar durch die vervollkommnete Technik, daß die Konkurrenz eine berartige Gestalt angenommen hat, die schließlich der Mehrzahl der Konkurrenten
selbst nicht mehr gefällt und sie sich nach einer Regelung ber Produktionsweise sehnen. So ist also eine bedeutende verkürzte Arbeitszeit in allen Produktionsländern nur eine Frage der 3eit. Man wird sich bald schon an einen Marimalarbeitstag ebenso leicht gewöhnt haben, wie jetzt z. B. an die Freizügigkeit.
Vier Acht spielen in den Forderungen der amerikanischen Arbeiter eine große Rolle: acht Stunden Arbeit- a Stunden Erholung, a cht Stunden Schlaf und acht Mark enthalten.
So soll der Tag eingetheilt werden und so hoch soll der tägliche Lohn fein.
Wir sehen also, daß der achtstündige Arbeitstag ebenso wie der Tagelohn von acht Mart bei den entwickelten Arbeitsverhältnissen in Nordamerika gerechte Forderungen
Gegen eine achtstündige Schlafzeit ist weiter nichts einzuwenden. Gilt doch eine fiebenfiündige allgemein als normal und wer tüchtig gearbeitet hat, mag auch noch eine Stunde zusehen, die er von der Erholungs- und Vergnü
Unterhaltung widmet, dann acht Stunden schläft, behält für feine Familie nur zwei Stunden übrig, in denen er meist ermüdet kaum Luft hat, sich mit seinen Rindern ernsthaft zu beschäftigen. Das aber soll anders werden. Der größte Theil der achtstündigen Erholungszeit soll der Rindererziehung, dem Lehren und Lernen, der Unterhaltung mit der Frau gewidmet sein, der kleinere vielleicht 1-2 Stunden ber Kamerabschaft, dem Spaziergang mit Freunden und auch der Geselligkeit und Unterhaltung im Wirthshaus.
So faffen die amerikanischen Arbeiter und auch wir bas Wort„ Erholung" auf.
Und für die deutschen Arbeiter wäre ein solcher Zustand gleichfalls wünschenswerth und nach und nach zu erfireben.
Diese vier Acht sind eine vernünftige Forderung für bie Arbeiter überhaupt. Man braucht sich dabei nicht zu überhaften; jebe dieser Acht ist auch nicht buchstäblich zu nehmen, aber im Allgemeinen deuten sie den Standpunkt an, ben bei den gegenwärtig herrschenden sozialen Verhält nissen der Arbeiter einzunehmen hat, wenn er nicht als der von anderen Ständen allzusehr Benachtheiligte erscheinen soll.
Die Arbeiterbewegung und die
konservative Presse.
Die Arbeiterblätter, indem sie die Interessen der nicht § befizenden Klassen verfechten, lommen naturgemäß in denselben Segensas zur liberalen wie zur fonservativen Breffe. Immer. Breffe leichter sein, weil sie hier einen Gegner vorfinden, der bin wird ihnen eine Auseinandersetzung mit der liberalen etwas gelernt hat, der wenigstens das befißt, was man heute als allgemeine Bildung" beansprucht, der eine gewiffe Achtung vor allen Errungenschaften unseres Jahrhunderts begt, und der auch in das Getriebe der modernen, weltumspannenden Wirthschaft eingeweiht ift. Unsere Konservativen jedoch freten noch heute mit der ganzen Beschränktheit veralteter Vorurtheile, mit dem engen Gefichtskreis des Bureaukraten und Provin zialen an alle großen Erscheinungen der Gegenwart heran; wenn nicht gar Haß, bringen fte ihnen doch auch kein Ber ftändniß entgegen, und gerade die Arbeiter, die großstädtischen, aufgeklärten Arbeiter faffen fie noch heute auf, als wären es pommersche ober oftpreußische Tagelöhner, Die in tieffter Ehrfurcht vor Dem angeftammten gnä acht bigen Herrn ersterben Wirthshause fißen? Da werden fie ia mit at mit gesenkten Augen bitten dürfen, denen es aber als scham. haben, Die höchstens Mark täglich nicht einmal auskommen?" Ein solcher Ruf loſe Ueberhebung angerechnet wird, wenn sie jemals offen und ertönt aber wohl nur von solchen Menschen, die feine an- fret forpern. bere Erholung fennen, als das Wirthshaus oder das Theater. Der Arbeiter, welcher jest inklusive der Eßpausen in Deutsch land burchschnittlich 13 Stunden an seine Arbeitsstätte gefesselt ist und täglich vielleicht eine Stunde der geselligen
Unsere beutschen Arbeiter werden jebenfalls die Lohnforderung auf den ersten Blid als zu hoch ansehen, doch gungszeit abzieht. foll hier bemerkt sein, daß der Lohn jetzt schon in Amerita bebeutend höher ist und acht Mart oft erreicht werden, daß rufen: meinen größere sind und daß auch der Preis der Bedürf niffe höher ist, als bei uns. Deshalb rechtfertigt sich diese Forderung durchaus.
Und was die achtstündige tägliche Arbeitszeit anbetrifft, so wird sie sicherlich nicht nur in Amerika , sondern auch überall in nicht allzulanger Zeit eingeführt werden. Die
Radbrud verboten.]
Spielten.
Feuilleton.
Eine Mutter.
Roman von Friedrich Gerstäder. ( Fortsetzung)
"
Acht Stunden Erholung! Da hört man manchen aus Sollen die Arbeiter denn eine so lange Seit täg
eine erste Gefühl die Oberhand gewinnen: die Angst, ihr Geheimniß verrathen zu sehen? Laß sie einmal mit Dir allein sein, laß fie Dich selber sprechen und Dir das bei in die lieben, treuen Augen sehen, und ihr Mutter herz wird schmelzen; sie wird das Kind in ihre Arme brücken!"
-
,, Ach, und weiter verlange ich ja auch nichts auf der Welt, Felix, als nur einmal, ein einziges Mal an ihrem Verschiedene Runstinteressen. Herzen zu ruhen und den füßen Namen Mutter auszu Graf Rottad war an diesem Morgen in der Stadt ges fprechen. Dann will ich ihren Frieden nie, nie wieber wesen, um noch einige Einkäufe zu machen. Als er zurüd ftören; ich ziehe fort mit Dir, wohin Du mich führst, und tehrte, fand er Helene allein in ihrer Stube, den Kopf in bie Hand gestützt und eine helle Thräne im Auge, während Augenblid!" will felig fein schwelgen in der Erinnerung an den einen bie Rinder um sie her luftig und guter Dinge am Boden Und der Wunsch wird Dir erfüllt werden, Helene," fagte Felix freundlich, glaube mir; fie wird vielleicht noch Widerstand leisten, weil sie nicht weiß und wissen kann, wie weit Deine Ansprüche an sie gehen. Sie wird bis bahin ihrem eigenen Herzen Gewalt anthun, aber weiter, und dann später die Stunde segnen, welche Dich wieder in ihre Arme führte. Glaubst Du mir?"
Und wieder so traurig, Herz?" sagte er, indem er auf fie suging, fie leise umfaßte und ihre Stirn füßte, lann ich benn gar kein Lächeln mehr auf Deine Wangen
rufen?"
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Ach, Felix," seufzte die junge Frau, indem sie ihr
ber geftrige Morgen will mir
o war, fie mußte es wissen, da Du ihr den Namen
es mit mir meinft."
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Ein Beispiel für viele! Wir hatten in unserer Sonnabend. nummer auf das Programm der Lausanner Möbel. tisler hingewiesen, welches von den Meistern unter Anderem verlangt, daß nach Möglichkeit nur Mitglieber
und die Kinder, rücksichtslos auf Takt und Tonflüd, nur in der Lust, Mufit zu hören, hatten sich dabei umfaßt und tanzten und jubelten im 3immer umber, als einer ber Diener die Thür öffnete und anfragte, ob Graf George Monford die Ehre haben könne, die Herrschaften zu sprechen. Er übergab dabei zugleich deffen Rarte.
" Graf Monford?" Helene fühlte, wie sie erbleichte. " Es ist ber junge Graf," flüsterte ihr Felix leise zu; fasse Dich, Herz, ein Höflichkeitsbesuch." Es wird uns angenehm sein."
-
Wenige Sekunden später öffnete sich die Thür und Graf George trat ein, aber nicht als förmlicher Besuch, wie Felix gedacht, sondern in seiner liebenswürdigen offenen Weise, und schon in der Thür rief er freundlich:
Ich fann es mir nicht vergeben, Sie gestört zu haben, und es ist unendlich liebenswürdig von Ihnen, gnädige Gräfin, daß Sie einem, doch eigentlich vollkommen fremben Menschen eine Ihrer liebsten Stunden zum Opfer bringen!
Mein lieber Herr Graf, ich muß ernstlich um Entschuldigung bitten!"
Unrecht thue, Dir Unrecht thue, vor allen anderen, denn ihn an sich ziehend, weiß ich ja doch, wie treu und gut Du freundlich, der sich schon lange zu dem offenen, ehrlichen lein Wesen in der Welt hätte mehr Ursache, fich glücklich zu fühlen, als ich; aber
Und nun auch nicht mehr traurig, mein Schah," lachte mir nicht länger grübeln und benken. Sie nur bas kleine
noch immer nicht aus dem Kopf. Sie wußte, daß ich ihr der junge Graf; jest mußt Du Dich zerstreuen; Du darfst weiter wir freuen uns aufrichtig, Sie bei uns zu
aufreibt 1"
Seien Sie uns herzlich willkommen!" sagte Rottac Geficht des jungen Mannes hingezogen gefühlt hatte; bitte, legen Sie ab und setzen wir uns feine Förmlichkeiten sehen!"
-
jener Frau genannt, und doch, wie talt, wie stolz blieb fie fröhliche Völlchen, das sich dort am Boben balgt, ober noch thr Herz nur den tausendsten Theil jener Sehnsucht fühlte, Dir am besten alle häßlichen Gedanken; tomm." Und seine legenheit geben, Ihnen gefällig zu sein," lächelte Rottad. gegen mich, wie verrieth fein Sug in ihrem Antlig, daß beffer, tomm, wir wollen ein wenig musiziren, das verjagt in meine Arme zu fliegen, wie sie mich fast verzehrt und Geige, die unter dem Flügel fland, herausnehmend, stimmte
Felig;, wer von uns weiß denn, was sie dabei gelitten 8"
Sie mußte fich Gewalt anthun, Herz," beruhigte fie aufgaben und Günther jubelnb ausrief:
Helene schüttelte leise und traurig mit dem Ropf. Lenchen!" Sene eisernen Büge," flüsterte fie, sahen nicht aus, als
wahrlich nicht liebend auf mir."
er fie, während die Kinder ebenfalls ihr bisheriges Tollen Das ist recht, nun können wir zusammen tanzen,
ob je ihr Herz irgend eine Pein darauf hervorgerufen, fie von Wehmuth um die zarten Lippen, aber fie lächelte boch
Und selbst, wenn ich gleich mit einer Bitte käme?"
" Ich halte Sie beim Wort," lachte George; so will ich denn, wie man fo fagt, gleich mit der Thür in's Haus fallen, damit ich Sie nicht zu lange von Ihren Instrumenten entfernt halte, denn dann ersuche ich Sie dringend, fortzufahren."
war talt wie Eis, und ihr Blid haftete neugierig, aber schon wieber, und balb übte bie Mufit ihren vollen Zauber meiner Schwester Paula gefeiert werden, und zwar mit dem
auf sie aus, der fte rasch alles Andere vergeffen ließ. Mitten
Und doch hast Du Dich vielleicht geirrt, Helene!" in einer jener Weisen waren sie auch schon, bie Felix bamals
tief gelig; mußte nicht zuerst bei Deinem Anblick auch das in stiller Nacht unter dem Fenster der Geliebten gespielt, habertheatern selber ausgezeichnet hat, so habe ich mir für