Sewie in einem gleichzeitig übersandten Ausschnitte aus der Freiheit" kommen dieselben Gedanken vor, wie in dem Plakate. Es wird darin von Dynamit und Reaktion gesprochen und aufgefordert, die Tyrannen zu vernichten. Besonders der Schluß des Ausschnittes war in den krassesten Ausdrücken gehalten. Der Angeklagte variirte den Tert etwas, Daß die Grundsäße der Anarchie dem Angeklagten durchaus innewohnen, geht aus einer Postkarte hervor, die Drobner, als er Pfingsten nach Frankfurt gereist war, um mit einem andern Anarchisten zusammenzukommen, von Offenbach aus an einen hiesigen Schriftseßer geschrieben hat. Dieselbe schließt mit einem in Buchstaben ausgedrückten Wunsche, daß die Anarchie gedeihen möge. Bezeichnend für ihn ist es auch, daß, als er schon verhaftet war, an seine Adresse eine Sendung aus Brooklyn anfam, in welcher zwei Schriften Most's enthalten waren, nämlich Revolutionäre Kriegswissenschaft, Anleitung zur Herstellung von Nitroglycerin, Schießbaumwolle u. f. w." und August Reinsdorf , die Propaganda der That." Die Beugenvernehmung ergab nichts bemerkenswerthes. Die Ausführungen des Oberreichsanwalts waren nur sehr kurz. Er beschränkte sich, auf das Geständniß des Angeklagten bezüglich des objektiven Thatbestandes hinzuweisen und folgerte die Absicht des Angeklagten, die inkriminirten Schriften zu verbreiten, aus den ganzen Umständen. Zum Schlusse beantragte er eine Strafe von 2 Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust. Der Vertheidiger beantragt dagegen Freisprechung, da der Thatbestand des§ 86 nicht erfüllt sei. Das Urtheil, welches furz vor 5 Uhr verkündet wurde, lautete genau dem Antrage des Oberreichsanwalts gemäß. In dem Liede wurde keine vorbereitende Handlung zum Hochverrathe erblickt. Der Angeklagte nahm das Urtheil mit Ruhe auf und wurde dann wieder in die Haft abgeführt.
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Köslin , 26. Oktober. ( Geständig und dennoch freigesprochen.) Der Fall, daß die Geschworenen einen Angeklagten von einem Verbrechen freisprechen, dessen sich dieser selbst schuldig erklärt, dürfte jedenfalls in der gerichtlichen Praris zu den Seltenheiten gehören. Hier haben die Geschworenen fürzlich einen Knecht Schulz aus Abban Sparsee, der wegen Meineides unter Anklage stand, freigesprochen, obwohl der Angeflagte hartnäckig dabei beharrte, wissentlich früher eine falsche Aussage vor Gericht geleistet zu haben. Der Bauer, bei welchem der Knecht in Diensten stand, war angeklagt gewesen, in feuergefährlicher Nähe geschoffen zu haben, und daraufhin verurtheilt. In der Berufung beschwor der Knecht, daß der Bauer in einer bestimmten Entfernung von dem betreffenden Orte geschoffen, und daß der Papierpfropfen von dem Kuhjungen nachher ein Ende weiter verlegt worden sei. Da diese Aussage verdächtig vorkam, vernahm man Schulz, und in der That gestand er darauf ein, einen Meineid geleistet zu haben, und erklärte dies auch in der Schwurgerichtsfizung, in welcher über ihn verhandelt wurde. Aus den Zeugenaussagen des Kuhjungen und drei anderer ehrbarer Personen ergab sich jedoch das Mertwürdige, daß diese Selbstbeschuldigung des Sch. nicht den Thatsachen entsprechen konnte. Es wurde zugleich erwähnt, daß Sch. als Knabe einmal in Folge eines Falles ein Jahr an Gedächtnißschwäche gelitten habe. Unter diesen Umständen gewannen die Geschworenen die Ueberzeugung, daß der Angeklagte selbst sich in einem Irrthum befände und sprachen sowohl ihn wie den Bauern, welcher der Verleitung zum Meineid angeschuldigt war, von der Anklage frei.
Wien , 29. Oktober. Heute fand hier der erſte Anarchistenprozeß nach dem neuen Anarchistengeset statt. Der Ausnahmsgerichtshof verurtheilte den 33jährigen Bäckergesellen Kittler und den 25jährigen Schuhmachergesellen Sekania wegen Verbreitung eines anarchistischen Flugblattes zu sechs bezüglich vier Jahren schweren Kerfers.
solution: Die hiesige Versammlung schlesischer Buchdruckerei befizer erklärt mit Rücksicht auf die gegenwärtigen allgemeinen drückenden Verhältnisse den neuen allgemeinen deutschen Buchdruckertarif, aufgestellt von der Tariffommission, Leipzig , für nicht annehmbar." Im weiteren wurde die Gründung einer Provinzialvereinigung in Aussicht genommen. Dazu soll eine Versammlung auf den 14. November nach Frankenstein einberufen werden. Sämmtliche Buchdruckereibefizer Schlesiens werden zu derselben eingeladen.
Ueber die Bergarbeiter im Waldenburger Revier erfährt das Sächs. Wochenbl.": Ueberall im Kreise wird geklagt, daß die Arbeitszeit eine zu lange sei, nämlich 12 Stunden pro Tag. Wenn schon diese Zeit ausreicht, den gewöhnlichen Industriearbeiter zu ermatten, so kann man sich den Zustand des Bergmannes vorstellen, deffen Thätigkeit 31 der schwersten gerechnet werden muß, zu welcher sich aber noch der lange Mangel gesunder Luft, der Kampf mit Pulverdampf und stockenden Wettern gesellt. Gleichmäßig sind auch die Klagen über die geringen Löhne. Abschlagszahlungen von 9 M. pro Woche find fast das Höchste, sie sinken durch alle Stufen bis herab zu 6 Mt. Dann darf man aber nicht glauben, daß zum Monatslohntage eine erfleckliche Summe herausgezahlt würde. Oft
Große Erbitterung verursachten bei den Streifenden die in österreichischen und württembergischen Zeitungen inserirten Böttchergesuche, in welchen den fremden Böttchern alle die Lohnsäge zugesagt sind, die den streikenden Kollegen verweigert werden. Falls der Streif nicht in den nächsten Tagen ein Ende nimmt, soll ein Aufruf an die deutsche Arbeiterschaft versandt werden, welcher einerseits die Unterstüßung der Streifenden bezwecken, andererseits die Bedeutung des entbrannten Lohnkampfes für die gesammte Münchener Arbeiterbevölkerung erklären soll. Die Verbreitung des Aufrufes soll namentlich in denjenigen Städten in hoher Auflage geplant sein, wo die Münchener Brauereien ihren meisten Absatz haben.
Ein neuer Fachverein konstituirte fich in Hamburg unter den Gelbgießern uno Gürtlern. Es ließen sich etwa 70 Personen als Mitglieder aufnehmen. Das Eintrittsgeld foll 30 Pf. und der monatliche Beitrag 40 Pf. betragen, und findet vorläufig alle vierzehn Tage eine Zusammenkunft statt. Als Verkehrslokal wurde das Lofal von J. H. Salzen ges wählt.
genug möchte mancher noch Geld auf die Zeche bringen. Daß Vereine und Versammlungen.
bei solchen Verhältnissen sich nicht nur Schulden auf Schulden häufen, sondern Darben der Normalzustand einer Familie von oft nur wenigen Köpfen ist, leuchtet wohl ein. Die Strafen" tragen noch zum weiteren Druck der Löhne bei. Es liegt uns vor ein Strafzettel vom v. d. Heydt- Schacht, 1. Abtheilung der vereinigten Glückhilfgrube pro August 1886. Zu dieser Abtheilung gehören zirka 200 Mann. Davon sind im befagten Monat 55( fünfundfünfzig) bestraft mit zusammen 37 Mart 25 Pfg., und zwar wegen folgender Vergehen: 2 Mann mit je 3,00 M. wegen wiederholtem Skandal bei der Verlesung.
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412
" 1
2,00 wegen abfichtlichen(?) Berfahrens der Wetterthür.
1,00 wegen Unfug.(?)
"
2,00" wegen Grobheit.(?)
"
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" 1
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0,50
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0,50 wegen
Holz zu lang vor Ort tragen.(!!)
" wegen unangemeldetes aus der Grube fahren.
0,50" wegen Feierns ohne Urlaub.
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0,50
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" desgleichen.
0,25" wegen Förderns unreiner Kohle. desgleichen.
"
1,00 desgleichen.
Dies ist nur eine" Abtheilung, es giebt deren aber vierzehn, und bei keiner ist es besser. Wie man sieht, sind einige der Strafgründe nicht haltbar, aber wer sich nicht fügt, der weiß genau was ihm bevorsteht: der Abkehrschein. Und umsonst will doch keiner seine schweren Gelder in die Knappschaftsfrankenkaffe und Invalidenkaffe gesteuert haben. Zur ersteren muß 1,50 zur legteren 0,75 Mark gezahlt werden. Die Unter stügungen sind gering genug. In Krankheitsfällen werden 6 M. pro Woche gezahlt. Die Invalidenkaffe zahlt nach jehnjährigem Steuern monatlich 12 M., dies steigt allmälig auf 24 M., also 80 Pf. pro Tag. 80 Pfenige bei einem Alter von 60 Jahren!
Soziales und Arbeiterbewegung.wendung von jugendlichen Arbeitern und Kindern zur Fabrik
Zur Buchdruckerbewegung. Das Verfahren der Buchdruckereibefizer Rheinland- Westfalens erregt nun auch den Unwillen des besser gesinnten Theils der Vrinzipale. In der letzten Nummer der hier erscheinenden, Deutschen Buchdrucker- Zeitung", dem Organe der Prinzipale, verwahrt sich der Prinzipalvertreter Georg W. Bürenstein in einem längeren Artikel ganz energisch gegen die vorgenommenen Manipulationen genannter Arbeitgeber, wonach dieselben eine erneute Urabstimmung unter dem Vorgeben, daß die erste Abstimmung eine unrichtige war, in ganz Deutschland veranstalten. Herr Bürenstein sagt:„ Auf Bafis des seit 1. Oftober 1878 giltigen Tarifs nebst Anhang hat seitens der Gehilfenschaft eine Kündigung dieses Tarifs per 1. Oktober 1886 stattgefunden; diese Kündigung ist forreft geschehen, also erlosch jener Tarif, wie allseitig anerkannt worden ist, am 1. Oftober 1886, von welchem Zeitpunkt an, wenn kein neuer Tarif zu Stande gekommen wäre, tariflose Zustände geherrscht hätten. Auf Grund des 1878er Tarifs haben sowohl Prinzipale und Gehilfen Vertreter für die Tarif- Revisions- Kommission gewählt und diese haben in Leipzig , wieder auf Grund des 1878er Tarifs, berathen und ein Elaborat zu Tage gefördert, welches sie schließlich wieder nach Vorschrift des 1878er Tarifs Prinzipalen und Gehilfen zur Abstimmung vorlegten. Es hat gar nicht in der Kompetenz der Tarif- Revisions- Kommission gelegen, eine Aenderung des vorgeschriebenen Abstimmungsmodus eintreten zu lassen, ihr waren eben einfach durch den 1878er Tarif die Hände nach dieser Richtung hin gebunden.
Ich selbst, wie ich ausdrücklich betonen möchte, halte den bisher üblichen Modus auch nicht für richtig, da er eben den Kollegen der Provinz nicht die Möglichkeit geboten hat, ihre Ansicht bei der Abstimmung zu dokumentiren, aber deshalb darf man eben den Rechtsboden immer noch nicht verlassen, wie die Kollegen Rheinland- Westfalens dies zweifellos thun, indem sie eine Urabstimmung veranlassen wollen, wozu fie meiner Ansicht nach kein Recht haben, am allerwenigsten unter dem Namen des Deutschen Buchdrucker- Vereins, denn ich kann nicht annehmen, daß der Gesammtvorstand des Deutschen BuchdruckerVereins zu dieser Maßnahme seine Erlaubniß ertheilt hat. Hat er sie nicht ertheilt, haben die Herren kein Recht, den Namen zu mißbrauchen, und dadurch irgend welchen Einfluß hervorzurufen und die Mitglieder des Deutschen BuchdruckerVereins dürfen wohl erwarten, daß ihr Vorstand sein Veto gegen diesen Mißbrauch einlegt..... Ich glaube, daß gerade wir Prinzipale uns bemühen sollten, den Rechtsboden nicht zu verlassen, denn nur so werden wir in der Lage sein, etwa von der Gehilfenschaft versuchte Uebergriffe zurückzuweisen. Nach diesen Ausführungen möge man einerseits dasarbeiterfreundliche" Verhalten der Prinzipale Rheinland- Westfalens beurtheilen, andererseits beachten, daß unter folchen Verhältnissen die Militärbehörden gegen die auf dem Rechtsboden sich befindenden Gehilfen in der Weise Stellung nehmen, daß sie den tarifscheuen Prinzipalen durch Abkommandirung resp. Beurlaubung von Soldaten die Mittel in die Hand geben, die nach Gesetz und Recht begründeten Forderungen der Gehilfen unmöglich zu machen. Aus Stuttgart weiß das„ Schw. Wochenbl." zu melden: Eine am vergangenen Mittwoch im großen Saale von Paul Weiß stattgefundene Allgemeine BuchDruckerversammlung beschloß, die in der Zeit vom 31. Juli bis 2. Oftober 8. J. bezahlte freiwillige Extrasteuer von 50 Pfennig pro Woche nicht zur Rück vertheilung zu bringen, sondern das Geld zur Unterstügung der für Einführung des neuen Tarifes arbeitslos gewordenen Kollegen besonders in Rheinland Westfalen zu verwenden. Auch in Schle sien rühren sich die Prinzipale. Am 24. v. Mts. hielten Buchdruckereibefizer aus Provinzialstädten eine Konferenz zu Kamenz ab. Es handelte sich um Annahme oder Ablehnung des neuen Tarifs. Die Versammelten beschloffen folgende Re
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Die jugendlichen Arbeiter nach den Berichten der Fabrikinspektoren. In dem vorigen Berichte der Gewerberäthe waren von besonderem Interesse die Ermiftelungen, die über die Zahl der in gewerblichen Anstalten beschäftigten jugendlichen Arbeiter angestellt waren. In dem diesjährigen Berichte ist entsprechend den von den Regierungen erlassenen Verfügungen von einer gleichen Zusammenstellung abgesehen worden. Dieselbe soll erst im nächsten Berichte wieder Aufnahme finden. sich indessen erkennen läßt, hat in Bezug auf die Verarbeit eine Aenderung nicht stattgefunden. In Bremen haben einzelne Gewerbetreibende die Beschäftigung von jugendlichen Arbeitern aufgegeben und dafür Frauen eingestellt! jugendlichen Arbeitern aufgegeben und dafür Frauen eingestellt! Verhältnißmäßig am größten scheint die Zahl der in Fabriken beschäftigten jugendlichen Arbeiter und Kinder im Großherzogbeschäftigten jugendlichen Arbeiter und Kinder im Großherzogthum Baden zu sein, in welchem im Berichtsjahre die Gesammtzahl derselben sich auf 9413 belief, worunter fich 1734 Kinder von 12 bis 14 Jahren befanden, d. h. nahezu 11 pCt. der im ganzen Reiche in Fabriken beschäftigten Kinder. Der Grund für diese Erscheinung soll in der Baden vorherrschenden Bigarrenfabrikation zu suchen sein. Eine bemerkenswerthe Erscheinung ficher das 3urückgehen des Lehrlingswesens, deren Klarlegung in den Mittheilungen ein breiterer Raum gewidmet ist. In Bremen , wo die Erscheinung sich gleichfalls bemerkbar gemacht hat, soll die Abnahme der Lehrlinge mit derjenigen der jugendlichen Arbeiter überhaupt zusammenhängen, auch soll sie auf das Darniederliegen des Schiffbaues und der damit in Verbindung stehenden Gewerbe zurückzuführen sein. Aber während in Bremen und auch anderwärts sich eine Abneigung vor der Annahme von Lehrlingen auf Grund eines Lehrvertrages bemerkbar macht, zeigen sich in Oberbayern , aber auch noch in anderen Gegenden, Mißstände ganz anderer Art. Aus Oberbayern wird berichtet, daß dort Lehrlinge in zu großer Bahl angestellt werden. Dieselben werden mehr oder weniger maschinenmäßig beschäftigt und ohne Rücksicht auf ihre immer größer werdende Einseitigkeit ausgenußt, bis der Lehrvertrag abgelaufen ist. Sobald sie dann größere Lohnansprüche stellen, werden sie thunlichst bald entlassen und durch frische Lehrlinge ersetzt. Dieses Unwesen machte sich beson ders in Druckereien und Gießereien bemerkbar. In einer Gießerei fand der Aufsichtsbeamte neben 148 Arbeitern nicht weniger als 61 Lehrlinge im Alter von 14 bis 18 Jahren vor!
Die Hotel- und Restaurateur- Angestellten Dresdens haben eine Petition an den Deutschen Reichstag verfaßt, betr. die Anerkennung der Kellner als Gewerbsgehilfen. Die Folge der Lösung dieser Frage ist von so einschneidender Wirkung auf das ganze Berufsleben, auf die soziale Stellung und die Erwerbsverhältnisse der Kellner, daß es nothwendig war, diese Petition überhaupt in's Leben zu rufen. Um diesem Vorgehen mehr Nachdruck zu verleihen, lud die Landesverwaltung des Vereins der Hotel- und Restaurant- Angestellten in Genf " nicht nur alle Vereinsmitglieder, sondern überhaupt alle Berufsgenossen Dienstag Abend zu einer Versammlung nach Tivoli" ein, dabei von dem Grundsaße ausgehend, daß zur baldigen Erreichung der von oben genannten Vereinen schon seit 10 Jahren verfolgten Biele, die Hebung des Kellnerstandes in materieller und moralischer Hinsicht betreffend, die Einigkeit aller achtbaren Berufsgenossen nothwendig sei. Wie ein Aufruf besagt, liegt die Petition zur Unterzeichnung seit Mittwoch aus in Altstadt: Rampische Straße 121( Plazirungsbureau des Vereins), in Neustadt: Restaurant Saronia", Rhäniggaffe 26.
Zum Böttcherstreit in München . Die Großbrauer sind gerade jezt bei der nothwendigsten Beit, wo die Lagerfäffer ausgepicht und untergebracht werden sollen, in größter Verlegenheit, während die streikenden Böttcher bei den ihnen von überall her und von Vereinen aller Branchen zu Theil werdenden Unterſtüßungen fest entschloffen scheinen, auszuhalten. Sie bleiben auf ihren gestellten Bedingungen in Bezug auf Lohn und Bieranspruch stehen und verlangen dazu noch insbesondere Festsetzung der Arbeitszeit von 6 Uhr Früh bis 6 Uhr Abends,
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+ Eine allgemeine Buchdruckerversammlung, die gut besucht war, fand am Sonntag bei Buggenhagen" am Morisplay statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde mitgetheilt, welches Resultat die sog. Zeitungskommiffion der Gehilfenschaft durch ihre Verhandlungen mit den Prinzipalen erzielt hat. Sie wendete sich, nachdem sie die Vorarbeiten beendet und das Material der besonderen Bestimmungen für den Zeitungssatz festgestellt hatte, an den Prinzipalvertreter Herrn Bürenstein, der jedoch kurzer Hand jede Verhandlung ablehnte. Nach Verständigung mit der Tariffommission made die Zeitungskommission einen neuen Verfuch, Unterhandlung mit den Prinzipalen anzubahnen: fie richtete an jeden zelnen Prinzipal ein Zirkular, in dem sie ihre Wünsche aus einandersezte. Es erfolgte eine Kollektivantwort, in der die Prinzipale ihre Geneigtheit aussprachen, nunmehr auf die Vers handlungen einzugehen. Die Zeitungskommission stellte ihre Forderungen neuerdings und erhielt nun den Bescheid, daß die Vereinigung der Zeitungsdruckereibefizer auf diese Forderungen, die durch den revidirten Tarif nicht gerechtfertigt wurden, nicht eingehen könne und neuen Vorlagen entgegensehe. Nach Ansicht der Zeitungskommission haben sich ihre Forderungen in sehr mäßigen Grenzen gehalten und sie sah sich daher nicht in der Lage, den Prinzipalen eine neue Vorlage zu unterbreiten. Gemäß dieses Beschluffes betrachtete die Zeitungskommission ihr Mandat als erledigt, legte es nieder und übergab der Tarifkommission die Weiterführung der Angelegenheit.- J Anschluß hieran erklärte Herr Besteck, daß die Tariffommission die Sache in die Hand nehmen, weiterführen und s. 3. der Gehilfenschaft Mittheilung machen werde. Herr Besteck er stattete sodann Bericht über die Durchführung des Tarifs. Gr bezeichnete das Resultat der Berliner Tarifbewegung als günstig Von 130 Druckereien haben 103 den Tarif bewilligt. Daß nicht noch mehr erreicht worden sei, verschulde die an einigen Stellen hervorgetretene Uneinigkeit unter den Gehilfen. So günstig wie in Berlin stelle sich das Gesammtresultat in Deutschland nicht Die großen Städte, Leipzig , Dresden , Stuttgart , Hannover , Hamburg , hätten den Tarif durchgeführt, aber in der Proving feien viele Schwierigkeiten zu überwinden. So sei ein harter Ramp in Rheinland- Westfalen zu erwarten, wo die Prinzipale den neuen Tarif rundweg abgelehnt hätten. Von dort stamme aud der famose Protest, der eine Urabstimmung der Prinzipale über den neuen Tarif verlange. Die Aufgabe der Berliner Gehilfen werde es sein, die Kollegen außerhalb thatkräftig zu unterstüten Diese thatfräftige Unterstüßung wurde auch sofort durch Versammlung einmüthig vollzogen: es wurden der Ta fommission 2000 M. zur Verfügung gestellt, von denen 1000 den Kollegen in Rheinland- Westfalen gesandt, und der Rest su Unterſtügung der bedrängten Kollegen anderer Städte in Deutschland bestimmt. Die Höhe und die Zeitdauer de Unterſtügung für die in Berlin sich im Ausstand befindenden Gehilfen wurde der Kommission überlassen. In Betreff de Regelung der englischen Arbeitszeit" beschloß die Versammlung die in dieser Beziehung von dem Verein gefaßten Befchlüffe anzuerkennen. Hiernach sind bei zehnstündiger Arbeitszeit Pausen festgesetzt 1 Stunde für Frühstück und Stunde fi Mittag. Tritt Ueberstundenarbeit ein, die von zwei zu zwei Stunden höher zu bezahlen ist, so kommt noch eine viertelstündige Paise für Vesper hinzu. Von der Wahl eines Gehilfenvers treters zum Schiedsgericht wurde vorläufig Abstand genommen. Als Kandidaten zur Wahl des Gehilfen- Mitgliedes, resp. Stell
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vertreters der Tarif- Kommission für den 1. Kreis wählte
als
die
Versammlung die Herren Besteck, Dolinski, Doeblin und Prescher 1. Von diesen vier Kandidaten hatte der Kreis durch Urabstimmung zwei für die genannten Posten zu wählen.
Damit schloß die Versammlung.
Verband deutscher Zimmerleute, Lokalverband Berlins Dft". Heute, Dienstag, Abends 8 Uhr, Versammlung Pross fauerstraße 37 38. T.- D.: 1. Ergänzungswahl des Vorstandes. 2. Vortrag. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Der Lotal verband Berlin - Süd" hält am Mittwoch( morgen), Abends 8 Uhr, eine Versammlung ab in den Industriehallen" Mariannenstr. 31/32. T.- D.: Vortrag, Verschiedenes und
Fragekasten. Gäste haben in beiden Versammlungen Neue Mitglieder werden aufgenommen.
Butritt
Gauverein Berliner Bildhauer. Aunenstr. 16, Dien tag, den 2. November, Versammlung. Tagesordnung: 1. Ge schäftliches. 2. Vortrag des Schriftstellers Herrn Hirschfeld
über Freiligrath ". 4. Verschiedenes.
Große Bezirksversammlung für den Osten Berlins Dienfta Freie Organisation junger Kaufleute zu Berlin . den 2. November, Abends 81%, Uhr, in Breuer's Salon, Große Frankfurterstraße 74 75. Tagesordnung: 1. Der Nothstand unter den jungen Kaufleuten; wie können wir e ne Befferung
unserer Lage erzielen? 2. Diskussion.
Fachverein der Mechaniker, Optifer, Uhrmacher, chirur
gischer und anderer Instrumentenmacher.
Mittwoch, den
3. November, Abends 8% Uhr, bei Nieft, Kommandanten
straße 71-72, Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Stahn über Magnetismus und Elektrizität 2. Distusfion. 3. Verschiedenes. 4. Fragelasten. Ausgabe der
Billets zum 1. Stiftungsfeste.
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Demokratischer Verein. Heute, Dienstag, Abends 8%, Uhr Versammlung im Berliner Hofbräu", Taubenstraße Nr. 34 Tagesordnung: 1. Das bulgarische Volt und die europäische den Parteitag der Volkspartei in Fürth . 3. Vereinsangelegen Diplomatie." Referent: Herr Ledebour . 2. Besprechung über
heiten.
Zentral- Kranken- und Begräbnißtasse des deutschen Senefelder- Bundes( E. H.) Verwaltungsstelle Berlin , Alerans derstr. 31 im Restaurant Weid: Heute Abend 8 Uhr Mits
glieder und Verwaltungs- Versammlung.
Wolf und Krüger, Staligerstr. 126, Gesang.
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Turnverein
Gesang-, Turn- und gesellige Vereine am Dienstag Schäfer'scher Gesangverein der Elfer". Abends 9 Uhr bei Bruderbund" Abends 9 Uhr Adalbertstr. 4, im Reſtaurant Turnverein Hasenhaide "( Männer Abtheilung) Abend 8 Uhr Dieffenbachstr. 60 61. Rauchklub" Deutsche Flagge Abends 8 Uhr im Restaurant Händler, Wrangelstr. 11. Aufhebung der Sonntagsarbeit, sowie anständige Behandlung Rauchflub Bum Wrangel" Abends 8% Uhr im Restaurant
und Ansprache der Gesellen mit Sie", wie es jetzt sogar beim Militär eingeführt ist. Von den streifenden Gesellen erhielten bisher die Verheiratheten 2 M., die Ledigen 1,50 M. pro Tag.
Adalbertstr. 4.
Verantwortlich für den politischen Theil und Soziales Max Schippel , für Vereine und Versammlungen F. Tukauer, für den übrigen Theil der Beitung R. Cronheim, sämmtlich in Berlin .
Hierzu eine Beilage.
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