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Beilage zum Berliner Volksblatt.
Nr. 275.
Kongreß freier eingefchriebener und auf Brund landesrechtlicher Vorschriften errichteter Bilfskaffen.
IV.
In der Abendfizung vom 15. November gelangen nur Anträge zur Diskussion, welche in allerletzter Zeit gestellt worden find und daher nicht mehr gedruckt werden konnten. Dieselben werden zum Schluß einer Kommission überwiesen, welch lettere eine Sichtung vornehmen und entscheiden soll, welche Anträge überhaupt diskutabel sind. Erwähnenswerth ist nur ein Antrag des Herrn Heine, welcher dahin geht, die Forderung aufzu stellen, daß der Vorstand einer jeden Krankenkasse das Recht habe, Bestimmungen im Statut selbstständig ändern zu können, ohne daß eine Generalversammlung einberufen zu werden braucht. Der Antragsteller motivirt seinen Antrag damit, daß unter den heutigen Verhältnissen jeder kleinlichen, unwesentlichen Aenderung halber eine Generalversammlung einberufen werden müsse, was jedes Mal der betreffenden Kasse große Rosten verursache. Der Antrag Heine wird nach längerer Debatte angenommen.
Nachdem noch die oben erwähnte Kommission gewählt wor den, wird die Fortsetzung auf Dienstag Morgen vertagt.
In dieser Sigung gelangen, nachdem die Formalitäten er ledigt, die zum Krankenkassengeset" gestellten und zum Theil bereits von Herrn Deisinger in seinem Vortrage berührten Anträge zur Diskussion. Angenommen werden, nach erschöpfender Erörterung, folgende Anträge:
Bu§ 1.( Altona .) In Biffer 3 hinter Kraftmaschine beſteht", ist zu setzen:„ und alle Gewerbetreibende, welche ohne Gehilfen arbeiten".
Bu§ 6. ( Greiz , Rothenthal.) Dem§ 6 ist folgende Faffung zu geben: Als Krantenunterstüßung ist zu gewähren: 1. im Falle der Erwerbsunfähigkeit vom Beginn der Krankbeit ab 2c.", mit einem Zusaß von Dresden :
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Wenn die Krankheit und Arbeitsunfähigkeit durch ein ärztliches Attest bescheinigt wird."
Dazu das Amendement von Heine: ,, Sofern er nicht nachweisen kann, daß die Anmeldung rechtzeitig unmöglich war."
Es wurde ferner beschlossen zu§ 7: Daß ein Kaffenmit glied, welches der Simulation verdächtig ist, auf Antrag des Vorstandes ins Krankenhaus gehen muß."
Bu§ 52 ist von Deifinger der Antrag gestellt:„ Den Drittelbeitrag der Arbeitgeber zu streichen", welcher Antrag einstimmig angenommen wird.
Es werden ferner die folgenden Anträge, zum Theil einstimmig, angenommen:( Braunschweig , Hamburg .) Dem§ 26, Abs.3, folgende Faffung zu geben: Kaffenmitgliedern, welche gleichzeitig anderweitig gegen Krankheit versichert sind, ist das statutenmäßige Krankengeld soweit zu fürzen, als dasselbe, zusammen mit dem aus anderweiter Versicherung bezogenen Krankengelde, den vollen Betrag ihres durchschnittlichen Tagelohnes übersteigen würde.(!!) Die Kürzung findet von den betheiligten Raffen zu gleichen Theilen statt. Durch das 2c.
Bu§ 57.( Schwerin .) Absatz 4 dieses Paragraphen ist auch auf freie Hilfskaffen auszudehnen.
Bu§ 75.( Hamburg .) Statt:„ wenn die Hilfskaffe, welcher fie angehören, ihren Mitgliedern mindestens diejenigen Leistungen gewährt, welche in der Gemeinde, in deren Bezirk die Kaffe ihren Sig hat", ist zu setzen:„ in deren Bezirk sie beschäftigt find".
( Hamburg , Altona .) Dem§ 75 ist als Schlußfat hinzu zufügen:" Der Beweis, daß die Hilfskaffe mindestens die im § 6 vorgeschriebenen Leistungen gewährt, wird geführt durch eine Bescheinigung derjenigen höheren Verwaltungsbehörde, welche die Kaffe zugelassen hat. Wenn sich nachträglich ergiebt, daß diese Bescheinigung hätte versagt werden müssen, so ist der Raffe von derselben höheren Verwaltungsbehörde davon Mit theilung zu machen und zugleich anzugeben, worin ihre Leistun gen hinter den im§ 6 dieses Gesetzes vorgeschriebenen zurückbleiben. Nimmt die Kasse innerhalb einer dieser höheren Verwaltungsbehörde zu bestimmenden, mindestens sechs wöchentlichen Frist die erforderliche Abänderung des Statuts
Eine rasche That.
Eine Geschichte aus dem Westen, erzählt von Auguste Groner .
( Schluß.)
Der Tag der Verhandlung war herangekommen. Es war ein Tag der Sensation. Die Frau eines Richters auf der Bank der Angeklagten, ernst, ruhig, unbewegt.
Die Anklage, flar und kurz, wurde von ihr ebenso flar und kurz als den Thatsachen entsprechend anerkannt. Es gab keine Widersprüche, keine Szenen.
Die Angeklagte schien es eilig zu haben, alles beendet zu sehen.
Wie mir war, da ich im gedrängt vollen Saale der gegenüberstand, die ich als Freundin betrachtete das kann ich mit Worten nicht sagen.
frembete.
Mittwoch, den 24. November 1886.
vor, so ist das Statut ununterbrochen als den Vorschriften dieses Gefeßes entsprechend zu erachten."
( Hamburg , Altona .) Einen neuen§ 75 a einzuschalten: Streitigkeiten, welche zwischen den auf Grund des§ 75 von Der Zugehörigkeit zur Gemeindekrankenversicherung oder zu einer nach Maßgabe der Vorschriften dieses Gesetzes errichteten Krankenkaffe befreiten Personen oder ihren Arbeitgebern einerfeits und einer Drts, Betriebs-( Fabrik-), Bau- und Innungstaffe andererseits über die Verpflichtung zur Leistung von Beiträgen entstehen, werden von derjenigen höheren Verwaltungsbehörde entschieden, welche die Hilfskaffe zugelassen hat. Gegen deren Entscheidung findet binnen zwei Wochen die Berufung an das Reichskrankenkassenamt statt. Die Berufung hat aufschiebende Wirkung."
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Bu§ 80.( Hamburg , Altona , Calbe .) Als Schlußfat ist hinzuzufügen: Den Arbeitgebern ist ferner untersagt, die Beschäftigung Versicherungspflichtiger von der Zugehörigkeit zu oder dem Austritt aus einer bestimmten Krankenkasse abhängig zu machen."
Lokales.
Papiertagelöhner. Es ist ein verzweifeltes Wort, welches an der Spiße dieser Zeilen steht und doch im vollsten Maße gerechtfertigt! Es ist eines der traurigsten Kapitel, welches Diese Ueberschrift trägt, in der Leidensgeschichte des Proletariats. Wohl Manchem mag es nicht in den Sinn, daß weiche, weiße Hände, die sich fest und innig in die schwielige, harte Hand des Arbeiters legen, auch Proletarierhände find, daß ungezählte Viele, die sich mit der Feder ihr tägliches Brot verdienen, ebenso fümmerlich oft, wie der Arbeiter, auch Proletarier find. Mit der Feder! Was Alles liegt in diesen drei Wörtchen verborgen. Welche Unsumme von Ruhm und finanziellen Erfolgen, welche Unsumme von Noth, Elend und Verzweiflung. Und leider ist auch hier die lettere überwiegend. Mit der Feder! Welche ſtolzen Träume hat schon Mancher, wenn nicht Jeder, der heute zu den Papiertagelöhnern" gehört, an diese Worte geknüpft und wie wenig sind sie in Erfüllung gegangen! In wie vielen Händen ist heute die Feder nichts anderes als was die Hacke oder Schaufel in der Hand des Arbeiters ist! Betrachten wir zunächst die Professionisten" der Feder. Eine gute Handschrift" ist heute schon beinahe Vorbedingung für Jeden, der etwas werden" will. Und wer wollte nicht ,, etwas werden"? Hat ein Knabe, welcher die Volksschulen oder die unteren Schulen einer kleinen Stadt, eines Dorfes besucht, eine schöne Handschrift", so hält er sich oft entweder selbst für etwas höheres geboren oder seine Eltern haben ihn zu höherem auserkoren. Statt ihn ein Handwerk erlernen zu lassen, wird er dazu bestimmt, mit der Feder" sein Brot zu verdienen. Er hat ja eine schöne Handschrift, ihm tann nicht es fehlen! Wie auch! Werden doch täglich junge Leute mit schöner Handschrift" verlangt zur Anfertigung von schriftlichen Arbeiten". Mit frohem Muthe, die Brust von stolzer Hoffnung beseelt, tritt der junge Mann als Schreiber" in irgend eine Kanzlei ein, nicht ahnend, daß mit diefem Schritte sein Lebenslauf besiegelt, sein Lebensglück begraben ist. Was wird aus ihm? Ein Bogenschreiber, der bogenweis bezahlt wird, wie der Arbeiter stundenweis entlohnt wird. Alle jene verfümmerten und verknöcherten Gestalten, welche die Kanzleien füllen und nur mechanische Arbeit verrichten, was find die anderes, als Papiertagelöhner", Proletarier, die im Schweiße ihres Angesichts ihr tägliches Brot verdienen müssen. Und glücklich noch diejenigen ,, Helden der Feder", die bei Behörden, Rechtsanwälten 2c. eine wenigstens einigermaßen gesicherte" Gristenz haben. Wehe aber denen, die, vom Sturme des Lebens erfaßt, hinausgewirbelt werden, ohne halt, ohne Stüße, in jenes wildbrandende Meer, auf dem schon so Mancher Schiffbruch gelitten hat. Was wird aus ihnen? Nur um sich über Wasser zu halten, sinken sie herab zum Abschreiber", zum Adressenschreiber", und unherab zum fähig, etwas anderes zu ergreifen, als die Feder, schließlich in den tiefsten Schlamm, aus dem teine Rettung mehr möglich ist. Und blicken wir in die kaufmännischen Komptoirs, auf die Buchhalter, die, über ihre Bücher gebeugt, emfig die Feder führen, was find sie zum großen Theile anderes, als Papiertage löhner"? Wenngleich fie auch nicht Bogenschreiber" find, wenn gleich fie auch nicht mechanische Arbeit verrichten, ihre Arbeit wird dennoch kümmerlich bezahlt und haben sie diese verloren
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Da zwang der mächtige Blick der Angeklagten die schon hald abgewendeten Augen Roberts wieder, die ihren zu fuchen.
Doch was diese Augen sagten, es blieb uns unerklärt. Unendliche Liebe struhlte aus ihnen und dann bliẞte eine Aufforderung, ein Wink daraus ihr entgegen, der sie anstarrte, wie eine Erscheinung aus einer anderen Welt und ihr mit einer Geberde antworteten, aus welcher Scheu und Schmerz und Liebe zur Unterwerfung sprachen.
Dann zog er sich zurück, doch ehe er ging, streckte er die Arme gegen fein Weib aus, und sie lag einen Augenblick lang an einem Herzen, das sich zu ihr bekannte was immer ihr zur Last gelegt wurde. Dieser Gedanke mochte es sein, der sie so zauberhaft mild lächeln machte.
Die Geschworenen zogen sich zurück, und da sie wiederkamen, herrschte lautlose Stille.
Jane war verurtheilt, ein langes Jahr aus der mensch lichen Gesellschaft ausgeschlossen zu sein.
Da sie hereingeführt wurde, das Urtheil zu vernehmen, durchlief ein schredliches Bittern ihren Körper; sie wankte so merklich, daß ihr Vertheidiger herbeieilte, sie zu stüßen. Da sie erfahren hatte, was ihr bevorstand, rannen schwere Thränen über ihre bleichen Wangen. Jegt war es entschieden; sie war eine Gerichtete, eine Ihr Haupt senkte sich wie unter einer schweren Last.
Sie hatte selbst mich gezwungen, gegen sie zu zeugen, da fie mich als die einzige unbetheiligte Person bezeichnet hatte, die sozusagen die Beugin ihrer That war. Da ich nach meiner so knapp als möglich gefaßten Aussage einen Blid nach ihr wagte, fonnte ich wieder in ihrem bleichen Gefichte eine gewiffe Befriedigung lesen, denselben Ausdruck, der mich damals entsetzte und der mich heute be- Gefangene. Es schien für sie nur einen schweren Moment während ganzen Verhandlung zu geben, den, als ihr Gatte, welcher sich natürlich jeder Beugenschaft entschlug, von dem Vertheidiger gebeten, einige formelle Fragen beantwortete. Gatten zu begegnen. Bis dahin hatte Jane es vermieden, den Blicken ihres
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Jest fonnte sie nicht anders, als ihn ansehen. Alle, die sie beobachteten, diese Gatten, welche sich an To schrecklichem Orte gegenüberstanden, fonnten eine eigen thümliche Wahrnehmung machen.
ruhig zu ihm hinübersah, stieg beängstigende Röthe in sein Da Robert Leitons Blicke auf seine Frau fielen, welche furchtbar erregtes Gesicht, und es schien, als wolle er noch eine Mittheilung machen.
Einige Augenblicke später kam sie zu uns in das Nebenzimmer, um Abschied zu nehmen.
Gefaßt trat sie ein, gefaßt begrüßte sie uns und wagte es doch nicht, das Gespräch zu eröffnen.
Da ging mein Mann auf sie zu und sich tief vor ihr neigend, sagte er ihr einige Worte, ob welcher eine brennende Röthe über ihr Gesicht lief.
Sie streďte, als wollte sie etwas abwehren, die Hand gegen ihn aus, während sie ihn mit einem Blicke flammenden Schreckens ansah, der sich auf ihre Hand niederbeugte, fie zu küssen dieselbe Hand, welche die Mordwaffe geführt hatte; jetzt fiel es mir erst auf, es war die linte.
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Verwirrt trat auch ich zu ihr. Was immer sie gethan
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3. Jahrg.
und wie bald kann das geschehen was find fie anders, als Proletarier? Sie stehen dann auf derselben Stufe, wie die Schreiber" und sind derselben Noth und demselben Elend preisgegeben. Und nun erst jene stolzen Träumer, die da hofften, durch ihre Geistesarbeit fich Ruhm und Lorbeeren zu erringen, sich mit der Feder" Reichthum zu erwerben! Jene armen Proletarier des Geistes, ihre Zahl ist groß! Denn in dieser schönen Welt, wo wahrhafte Geistesheroen nur mit Mühe fich Bahn zu brechen vermögen, während privilegirte Mittelmäßig feit angebetet wird, ist für ,, verkannte Genies" tein Play. Was find fie anderes, jene Schriftsteller, Journalisten, Dichter, die ihre Geistesprodukte um jeden Preis" an den Mann zu bringen suchen, nur um den Hunger stillen zu können, was find ste anderes, als Papiertagelöhner", Proletarier, wenn sie auch oft mals im Stande wären, besseres zu leisten, als andere, die in Geld und Ehren wühlen? Gleich dem schlichten Arbeiter mühen fie fich ums tägliche Brot, mit der Feder erbeiten sie und sind noch schlechter daran als die Arbeiter, weil sie kein anderes Hilfsmittel haben, als die Feder. Das Proletariat ist weit verzweigt, es erstreckt sich bis in die besseren Stände". Ist es auch äußerlich verschieden, im Wesen ist es sich doch gleich, das Proletariat der Arbeit" und das gebildete Proletariat", im Denken, Fühlen und Handeln sind sie sich doch gleich, die Tagelöhner" und die Papiertagelöhner".
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Die Jahresberichte der Anwaltskammern, welche der neuesten Nummer der Juristischen Wochenschrift" beigegeben find, enthalten einen in vielfacher Hinsicht anregenden und werthvollen Inhalt. Der Personalbestand der Anwälte ergiebt hiernach zu Anfang des Berichtsjahres( Oktober 1885) eine Summe von 4311, während am Schlusse 4474, also eine Bu nahme von 163 zu vermerken ist. Im Bezirk Berlin , wo die Vermehrung am stärksten ist, lauten die Zahlen 402 und 451. Ueberhaupt war der Zudrang zur Anwaltschaft in diesem Jahre noch größer als im vergangenen. Der Vorstand der Berliner Anwaltskammer war vom Justizminister um folgende Gutachten ersucht worden: Ueber die Thätigkeit, die Leistungen und Hal tung der Rechtsanwälte und Notare, sowie über wünschenswerthe Aenderungen der Zivilprozeßordnung und der Kostengefeße. Von sämmtlichen preußischen Kammervorständen wurde eine gutachtliche Aeußerung eingefordert, ob eine Beschränkung der Freiheit der Advokatur sich insoweit empfehle, als der Justizverwaltung das Recht einzuräumen sei, die Niederlassung eines Anwaltes bei einem Gerichte unbedingt zu versagen, wenn durch übereinstimmendes Gutachten des Oberlandesgerichts und des Vorstandes der Anwaltskammer das Bedürfniß nach der Niederlaffung eines Rechtsanwaltes an jenem Gerichte verneint werde. Die Frage ist von den einzelnen Kammern verschieden beantwortet worden. An Beschwerden waren bei der Berliner Kammer 262 eingegangen, von denen jedoch nur 34 für begründet erachtet und 15 auf den Rechtsweg verwiesen wurden. Bei 10 Streitig feiten unter Anwälten war der hiesige Vorstand um Vermittelung ersucht worden; in 4 Fällen sprach er den Betreffenden feine Mißbilligung aus. Besonderes Interesse nimmt die Wirksamkeit der Ehrengerichte in Anspruch. Im Ganzen wurde gegen 16 Anwälte auf Warnung, gegen 12 auf Verweis, gegen 12 auf Geldstrafe, gegen 18 auf Verweis und Geldstrafe und gegen 11 auf Ausschließung von der Rechtsanwaltschaft erkannt. Bei dem Berliner Ehrengerichte waren 9 Untersuchungen gegen 10 Anwälte anhängig, von denen 7 mit Strafurtheil endigten. Daffelbe lautete in einem Falle auf Warnung und auf Verweis, in 3 Fällen auf Verweis und Geldstrafe, in anderen 3 Fällen auf Ausschließung. Diese härteste Strafe trat ein 1) wegen Vermögensverfalles in Folge leichtsinnigen Schuldenmachens; 2) wegen anstandswidrigen Einforderns übermäßigen Honorars und anstandswidrigen Verhaltens in einem Weinlokale; 3) wegen anstandswidrigen Einforderns übermäßiger Ertrahonorare, sonstiger Fälle von Eigennuß und unzulässiger Einwirkung auf Beugen. Neben der bilfskaffe für deutsche Rechtsanwälte" besteht im Bezirk Berlin die Bode- Stiftung mit einem Vermögen von 25 400 M.; die Kammer selbst ge= bietet über ein Vermögen von mehr als 10 000 m.
Ueber die Vernachlässigung Moabits find uns neuerdings wieder Klagen zugegangen, welche u. A. auch die Beftellung von Werthpaceten betreffen. Ein anderer sich recht fühlbar machender Uebelstand ist der, daß Moabit keine Nor maluhr hat, obwohl doch das Kriminalgericht allein eine solche dringend wünschenswerth macht, damit Pünktlichkeit in den Terminen, die in aller Intereffe liegt, innegehalten werden
hatte, schlecht war sie nicht, die aller Herzen zu gewinnen wußte. Auch ich konnte nicht anders, als ihr die Hände reichen und aufschluchzend von ihr Abschied nehmen. Dann gingen wir.
Sie war mit ihrem Manne allein.
Was sie sprachen, wie sie schieden, Niemand wußte es. Robert kam mit dem Antlige eines Verdammten heraus. Nach einigen Tagen nahm er seine Thätigkeit mit frankhaftem Eifer wieder auf. Es schien, als wolle er sich so viel als möglich ermüden, um seiner Qualen Herr zu werden. Ralph Leiton, obgleich soweit hergestellt, um eine Uebersiedelung ganz gut ertragen zu können, blieb bei ihm. Sie waren Freunde geworden, diese sonderbaren Menschen.
Eines Tages bat mich Ralph, für ihn ein Packet auf die Post zu schicken. Ich that es. Es trug die Adresse von Roberts Vater, der noch immer im Süden war, ich wußte es durch wo er Besitzungen hatte. Das Packet enthielt ein weitläufiges Schreiben und jene Ralph Blätter, in welchen Jane's Prozeß enthalten war.
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Bald darauf kam ein Telegramm an Ralph und später ein Brief, und eines Tages hielt ein eleganter Wagen vor Leitons Wohnung.
Ralph hintte, so gut er konnte, aus dem Hause, um die Insassen der Equipage zu empfangen. Ein alter Herr von vornehmem Wesen und eine alte Dame wurden von ihm in den Garten geführt. Später kam Robert heim und blieb mit einem Ausrufe des Erstaunens am Eingange des Gartens stehen. Dann sah ich ihn zu der Laube eilen, in der die Fremden saßen, und einzelne Worte, die bis zu uns herüberdrangen, ließen uns wissen, daß hier ein Sohn seine Eltern wiedergefunden habe.
Da drüber war ja alles Seligkeit!
Die im Gefängnisse am anderen Ende der Stadt, war sie denn ganz vergessen?
Er wird sich wohl jetzt scheiden lassen?"
Ich frug es aus der ganzen Bitterfeit heraus, welche meine Seele erfaßt hatte, da ich die frohen Worte herübertönen hörte, während Jane in ihrer Belle vielleicht ver=