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9 95 747 58 91 22 2001 884

52 741

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3 633 62 296 343

30 64 79 O 908 44 108023

765 921

784 822 801 999

436 504 118044

040 190

2506 44 436 99 125051

449

99 674 179 315 1131 82

Nr. 293.

Donnerstag, den 13. Dezember 1888.

5. Jabeg.

Berliner Volksblatt.

Organ für die Interessen der Arbeiter.

Das Berliner Volksbiatt"

fcheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin fret in's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Bostabonnement 4 Mart. Einzelne Nummer 5 Bf. Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10 Pf. ( Eingetragen in der Bostzeitungspreisliste für 1888 unter Nr. 849.)

-

Insertionsgebühr

beträgt für die 4 gespaltete Betitzeile oder deren Raum 25 Pf. Arbeitsmarkt 10 Pf. Bel größeren Aufträgen hoher Rabatt nach Uebereinkunft. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Simmerstraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen.

Redaktion: Beuthstraße 2. Expedition: Zimmerstraße 44.

Die gegenwärtige Wirthschafts­

krisis.

I.

Unter diesem Titel hat Dr. Julius Wolf, Pro­feffor an der Universität 3ürich, eine Schrift verfaßt, die In den letzten Tagen in Tübingen erschienen ist. Ursprünglich hatte er biefes Thema in seiner Antrittsrede im Sommer 1150 semester dieses Jahres behandelt, dann aber erweitert und in Druck gegeben. Wir begegnen in dieser Schrift theilweise 12 1300 recht interessanten Partien, die wir reproduziren wollen. Die gegenwärtige wirthschaftliche Krisis in ihrem Vor­handensein unbestritten vorausgefeßt, macht Herr Wolf auch leine langen Umschweife, sondern steuert direkt auf den 3 91 4 Begenstand los. Eine Krife, welche sich in frapirender Ausnahmslosigkeit auf alle Länder und alle 3weige des produttiven Schaffens erstreckt, derart, daß mit ihr kaum tine der Erwerbsftodungen, welche die Wirthschaftsgeschichte 56 77 bisher verzeichnet, verglichen werden kann, treibt alljährlich Hunderttausende aus ihren Berufen, ruft Industrielle und Arbeiter zu neuen Organisationen auf, legt revolutionäre Reime hierhin und dorthin, drückt Wirthschaftsgebiete, die bisher eine dominirende Rolle gespielt haben, auf eine inferiore Pofition herab, verheißt anderen die Suprematie der Zukunft und zeigt gleich auch ein halbes Dußend national- und sozialökonomischer Theorien in einer bisher nicht vermutheten Bedingtheit.

59 146

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3045 63

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5 731 32

4 921 383 4 109 8 659 861 251 414

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44

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9 93 433

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5 808 19

8 475 523

41 66 83

9132 516 7687 729 42 529 71 165023 168011

273 554

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59 66 83

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6 49 579

3 586 87

9170 72

24 422 3109 263

1.96 742

2 75 983

161 288 286 360

[ 200] 55

17

Bebel hat in einer seiner legten Reichstagsreden ausgesprochen, die auf das Privateigenthum und die Ron furrenz gebaute Wirthschaftsordnung stehe nunmehr vor dem Bankerott. Und so manchem Nichtsozialisten mögen die fich wiederholenden, bald hier bald dort auftauchenden Arbeiter unruhen ein ähnliches Bekenntniß, wenn auch nicht im Tone der Befriedigung, entlockt haben. Ihr seid mit eurer Weisheit zu Ende", hörte man den deutschen Sozias listenführer sagen, diese ganz freie und ungeregelte Pro­buktion arbeitet darauf hin, sich selbst ihr Grab zu graben."

Ist dem wirklich so? Stehen wir bereits inmitten einer Entwickelung, welche, in ihrer Fortsetzung die charat teristischen Erscheinungen potenzirend, uns an den Abgrund führt? An den Abgrund, wo es ein Hinüber nur in das sozialistische Land giebt?

-

Die Krise, in der wir uns befinden, läßt allerdings die Erklärung nicht zu, welche unsere Wissenschaft für jene Krisen bereit hält, die man die normalen Krisen nennen könnte und die von Zeit zu 3eit die einen behaupten mit dem Minimum der Sonnenflecken, die andern behaupten mit einer durch gewisse Evolutionen des menschlichen Geistes bedingten Periodizität- wiederkehren. Die legte dieser Krisen, für welche man ein Gesez der Wiederkehr gefunden zu haben glaubt, war die von 1873. Aber schon 1879 schienen die Wunden, welche die Gründerepoche der Volks­wirthschaft der meisten Länder geschlagen hatte, vernarbt. Seit 1880 stand man wieder in der Bahn einer aufsteigen den Entwicklung. Da, Mitte 1883, tritt plöglich die ver­hängnißvolle Wendung ein. Man sieht sich im Laufe weniger Monate selbst hinter den Stand der grade über wunden geglaubten Krisis zurückgeworfen. Ale Erscheis nungen einer Absetstockung treten neuerlich, aber mit einer bis bahin unbekannten Heftigkeit und vor allem mit einer unerhörten Vielseitigkeit auf.

Nach dieser Einleitung wirft Herr Wolf die Fragen auf: Was haben wir von der Zukunft zu gewärtigen? Hat Bebel recht oder muß er sich noch einige Beit gedulden? Ist die gegenwärtige Wirthschaftskrisis eine Wirthschafts­revolution oder nicht? Wenn ja, wohin führt sie, was ist die neue Basis, auf welche sie die Wirthschaft stellt?" Der Beantwortung dieser Fragen wird eine Erklärung der gegenwärtigen Krise vorausgeschickt.

was dem Preise zuwächst, wird dem Unternehmer in der Regel ohne Abzug als Gewinn zufallen, während der frühere Preis nicht nur Gewinn, sondern auch und vorzugsweise Kostenvergütung enthält. Wir haben also Preisschwankun­gen, wenn wir aus ihnen den Gewinn beurtheilen wollen, potenzirt auf unsere Anschauung zu übertragen. Preisaufschlag von 5 oder 10 pCt. wird uns die Stellung eines Erwerbszweiges bereits als glänzend zeichnen, ein Preisabschlag in gleichem Umfange unter Umständen den Gewinn tafsiren und eine tiefe Depression bedeuten.

Ein

Auf dem Gebiete der Preisstatistik ist nun in letter 3eit viel geleistet worden. Aus aller Herren Länder wurden Erhebungen zusammengetragen. Doch nur wenige sind für unsern Zweck verwendbar. Bei einfacher Gegenüberstellung des heutigen Preises und des früheren läuft man nämlich Gefahr, nicht Gleichartiges zu vergleichen. Denn infolge besonders der 3ölle, die ja gewechselt haben, die gesteigert worden sind und zwar infolge nicht nur jener 3ölle, welche den zur Vergleichung getroffenen Gegenstand selbst treffen, fondern auch anderer, beren Einfluß hinüberreicht, ist die Preisbildung auf vielen Märkten verschoben. Fast nur in England sind die Verhältnisse gleich geblieben. Auf dem Londoner Markt begegnen sich Nachfrage und Angebot nach wie vor im Verhältnisse des gesammten Angebots der Welt und der gesammten Nachfrage und vom Londoner Preis wird man daher zweckmäßig ausgehen. Um nun die Preisentwidelung der letzten Jahre darzustellen, bediene ich mich zweier Arbeiten, welche ein Engländer, Sauerbed, 1886 und 1887 in der Beitschrift der Londoner Statisti schen Gesellschaft publizirt hat. Sauerbeck stellt die Preise von 1886 den Durchschnittspreisen der Perioden 1867 bis 1877, welche mir als die angenehmste Vergleichungsgrunda lage erscheint, weil fie Jahre des Aufschwungs und bes Niebergangs enthält, gegenüber. Der Weizenpreis ist in dieser Beit von 1867-77 auf 1886 gefallen im Ber hältnisse von 100 auf 57, 3uder, Raffee, Thee von 100 auf 60, Baumwolle im Verhältniß von 100 auf 53 und 57. Aehnlich ging es den anderen Waaren.

Die Krise tritt uns überall gleich und überall anders entgegen. Die primären Erscheinungen ähneln fich allerorten, nicht so ihre Evolution. Dieser ellen die sozialen Eigenthümlichkeiten eines jeden bes anbere Bedingungen. Die innere Verwandt haft ist jedoch auch in diesen legten Aeußerungen unmög ich zu verkennen. In Irland hat die Krise der nationalen Agitation die Schärfe und den Umfang von heute gegeben, denn sie machte die Pachten unerschwinglich; in England hat sie die Grundfäße der festländischen Sozialdemokratie in die bis dahin intakt gebliebenen Massen der Arbeiter­bevölkerung eingeführt, denn sie machte die Gewerkvereine unfähig, ihren Aufgaben als Unterstützungskassen zu ent­prechen. Die Zusammenrottungen in London , die Unruhen in Decazeville, die blutigen Straßentämpfe des belgischen Die Ergiebigkeit aller wirthschaftlichen Produktion mißt Borinage in Lüttich , Charleroi , zuletzt in Brüssel sie sich an dem Verhältnisse des Preises zu den Selbstkosten. alle führen direkt auf die Krise zurüd. In Frankreich und Die letteren sind von weit größerer Stabilität als die anderwärts hat auch der politische Radikalismus Nahrung Preise, insbesondere bei den Rohprodukten. Es gilt daher als statthaft, aus dem Preise Schlüsse auf den Stand eines aus ihr gefogen und selbst an dem verelendeten Bauern volte im Often und Süden unseres Welttheils, in Ober­Erwerbszweigs zu ziehen. Man wird dabei aber doch eines italien , an der unteren Donau , in Süd- Rußland konnte die festzuhalten haben, daß nämlich ein Steigen des Preises setzt sich Rrise nicht vorübergehen, ohne den Bauer aus der Indolenz, nicht eine Gewinnerhöhung bedeutet im Verhältniß des Mehr die der Begleiter dauernden Elends ist, für Augenblicke zu

weden.

Feuilleton. Raskolnikow.

Roman von F. M. Dostojews! t.

Aus dem Ruffischen überseht von Wilh. endel

VII.

-

[ 34

Weiche mit einem Paar feuriger Grauschimmel bespannt.

Mitten auf der Straße stand eine elegante Herrschafts­

faß niemand darin, der Kutscher war abgestiegen und

"

des Preises gegen den früheren Preisstand, sondern eine Gewinnerhöhung weit über dieses Verhältniß hinaus. Denn

-

schah, oder ob er besinnungslos war, ich weiß es nicht!. die Pferde find jung, schreckhaft zogen plöglich an, er schrie auf, fie scheuten noch mehr... und da war das Un­glück geschehen. Gerade so war es! rief ein Augenzeuge aus der Das ist wahr, er hat ihn dreimal angerufen! bekräf. tigte ein anderer.

Menge.

-

britter.

Afturat dreimal, alle haben es gehört! rief ein

Der Rutscher war übrigens gar nicht besonders befüm­mert und erschrocken. Man sah ihm an, daß seine Equipage einen reichen und angesehenen Bürger haben müsse, der

Um diesen Preisrückgang weiter zu illuftriren, führt der Verfaffer einige Daten aus einer jüngsten Veröffentlichung des englischen Handelsamtes über die englischen Ein- und Ausfuhrorte an. Diese Publikation thut dar, daß die eng lischen Exdorteure in den Jahren 1883-1886 aus dem Waarenexporte um 11850 Millionen Franken weniger ge= löft haben, als wenn der Export zu den Preisen von 1873 hätte stattfinden können...

Niedriger Waarenpreis ist die Signatur aller Krifen. Er spricht eine Unterkonsumtion aus und diese regelmäßig auf den Arbeitsmarkt fort.

Es werden weniger Arbeiter gebraucht. Wohl ist es eine nicht seltene Erscheinung normaler, mindestens nicht aufsteigender 3eitläufte, daß mehr Arbeiter fich anbieten,

sofort Hilfe geschaffen werden; ehe er aber ins Hospital tommt, tönnte er sterben

-

Er fand sogar Gelegenheit, jemand etwas in die Hand zu drücken; die Sache war übrigens flar und gesetz­lich- jebenfalls war hier die Hilfe näher. Man hob den Verunglückten auf und trug ihn fort, Träger waren genug da. Das Roselsche Haus war nur etwa dreißig Schritt weit entfernt. Raskolnikow ging hinten, hielt vorsichtig den Kopf und gab den Weg an.

Hierher, hierher! Die Treppe hinauf, den Kopf voran, wendet um so, so! Ich danke, ich werde Euch bezahlen. Ratharina Iwanowna rflegte immer, wenn sie eine freie

Sie die Pferde am Halfter. Ringsumher drängte sich eine jett wahrscheinlich irgendwo ihre Ankunft erwartete; die Minute hatte, in ihrem 3immerchen auf und ab zu wan Renge Menschen, allen voran die Polizei. Einer von den Polizei wollte schon diesen Umstand berücksichtigen. Der deln, vom Fenster bis zum Ofen und zurück, die Arme vor bas neben den Rädern auf dem Pflaster lag. Alle redeten, ihn niemand kannte, ins Hospital geschafft werden. Bolininen hatte eine Laterne und beleuchtete damit etwas, Ueberfahrene sollte ins Polizeigebäude und von dort, da der Brust verschränkt und meist mit sich selbst rebend oder Idrien, wehklagten; der Rutscher mußte nicht, was er thun follte und wiederholte nur immer:

-

Unglück!

Solch

ein Unglück! Herr Gott , was für ein Raskolnikow brängte sich, so gut es anging, hindurch,

traft war.

Unterbeffen hatte sich Raskolnikom hindurchgedrängt und niedergebeugt. Da erleuchtete die Laterne plößlich das Ge­ficht des Unglücklichen und er erkannte ihn.

- Ich kenne ihn! rief er, fich ganz herandrängend,- es ist ein verabschiedeter Beamter, Titularrath Marmeladom! Er wohnt hier nebenan, im Hause Kosel Schnell, einen ... hier! Er zog Geld aus der Tasche Arzt! Ich zahle,

flüsternd. In letter 3eit sprach sie häufig mit ihrer ältesten Tochter, der zehnjährigen Polenta, welche, obschon fie lange nicht alles verstand, wenigstens soviel begriff, daß fie der Mutter nüßlich fei; fie folgte ihr daher immer mit ihren großen, flugen Augen und war so schlau, fich zu stellen, als ab fie alles verstünde. Diesmal entfleidete Polenta den leinen Bruder, der den ganzen Tag unwohl gewesen war, um ihn ins Bett zu bringen. Der Junge saß schweigend und Schwefter mit einander sprachen, und war artig. Die noch fleinere Lydia stand, in Lumpen gehüllt, daneben und wartete, bis bie Reihe an fie fommen würde. Die Thür aur Treppe war offen, um wenigstens einigermaßen dem Tabaksqualm, der aus den andern Simmern hereindrang und der die arme Schwindsüchtige zu langem, quollvollem Buften nöthigte, Abzug zu verschaffen. Ratharina Iwanowna erfchien noch elenber, als vor einer Woche, und die Flecken Sie unterhielt sich mit Polenta von ihrer glüdlicheren Vergangenheit, von ihrem ersten Mann, dem Vater der

unb erblickte endlich den Gegenstand der ganzen Unruhe und Neugier. Es lag da besinnungslos auf der Erde ein foeben überfahrener Mensch; er schien sehr ärmlich gekleidet und zeigte es des Polizisten. Eine merkwürdige Aufregung und unbeweglich auf dem Stuhl, er horchte, was Mutter ja sein, war aber nicht in Bauerntracht. Vom Kopf und hatte sich seiner bemächtigt. Dom Geficht floß das Blut in Strömen, das ganze Gesicht war gefchunden und entstellt. man denn noch vorsichtiger sein! Ja, wenn ich gejagt oder Wohnung, als ob es sein eigener Vater sei. ihn nicht angerufen hätte! So aber fuhr ich ganz langs

-

Die Polizisten waren froh, erfahren zu haben, wer der Ueberfahrene fei. Raskolnikow gab auch seinen Namen und seine Adresse an und plaidirte mit dem größten Gifer kann für die schleunige Ueberführung des Bewußtlosen in seine Hierher, nur brei Häuser weit! rief er geschäftig, ins Roselsche Haus... Er war gewiß betrunken und hat Familie... Frau und Rinder. Bis

fam und rubig. Alle sahen es; wenn alle Leute lügen,

bab auch ich gelogen. Natürlich, ein Betrunkener fann sich im Begriff, nach Hause zu gehen. Ich kenne ihn, er ist ein auf ihren Wangen brannten noch röther als früher. night in acht nehmen! Ich sah noch, wie er über die Straße Trunkenbold. ging, wantte, beinahe hinfiel, rufe einmal, zweimal, breimal, halte die Pferde an; er aber läuft gerade zu und

er ins Hospital tommt, fönnte es noch lange währen, hier aber ist gewiß ein Arzt in der Nähe! Ich zahle, zahle alles!

fallt ihnen dicht vor die Füße. Ob es nun absichtlich ge- Wenigstens hat er hier die Pflege der Seinigen, es fann 3ivil"; dabei schimpfte sie über den Trunkenbold, an den