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girt. Neben dem Theater werden hier auch Gastwirthe, Schnei-| ber, Galanteriewaarenhändler u. s. w. in besonderen Artikeln und in einem nicht minder blumenreich fritischen Tone be­sprochen. Im Radjeck'schen Wochenblatt" debütiren junge Theologen mit schriftstellerischen Arbeiten und sentimentale Gedichte finden daselbst eine freundliche Aufnahme. Für den Beobachter an der Spree " interessirt fich der Mittelstand leb haft. Er beschäftigt sich mit der Auffaffung lokaler Zustände Man er und liefert Anekdoten aus dem Berliner Leben. sieht aus dieser Charakteristik, wie fich der Geist der Zeit auch damals in der Preffe spiegelte.

Heizung der Personenzüge. Mit dem 1. Oftober d. J. traten für die Heizung der Personenzüge nachstehende, in den Bezirken der sämmtlichen föniglich preußischen Staatsbahnen und der großherzoglich oldenburgischen Eisenbahndirektion gleichmäßige Anwendung findende Vorschriften in Kraft: In der Zeit vom 1. Oktober dis Ende April sollen die Personen­wagen der Tages- und der Nachtzüge geheizt werden, wenn die äußere Temperatur unter+5 Grad R. finkt. In der Zeit vom 1. Dezember bis Ende Februar sollen die Züge nur ausnahmsweise nicht geheizt werden. Ist mit dem Heizen ein­mal begonnen, so wird damit erst dann wieder aufgehört, wenn während dreier auf einander folgender Tage die Temperatur des Nachts nicht unter+5 Grad N. gesunken ist. Ob die Nothwendigkeit zum Heizen vorliegt, bestimmt die Abgangs­station. In den Kupees ist als mittlere Temperatur eine Wärme von+ 8° R. anzustreben. Die Heizung auf den An­fangsstationen muß so frühzeitig begonnen werden, daß schon bei Abgang des Zuges diese Temperatur nahezu erreicht ist. Für die Instandhaltung der Heizvorrichtungen find die Wagen meister derjenigen Station verantwortlich, auf welcher der Wagen stationirt ist. Im Falle fich Mängel an den Heizvor­richtungen vorfinden, welche die Wagenmeister nicht abzustellen vermögen, sind die betreffenden Wagen, unter Angabe der Mängel, einer Werkstätte zuzusenden. Ein von den Betriebs ämtern zu bestimmender Beamter der Heizstation trägt die Ver­antwortung für die vorschriftsmäßige Heizung, während das Zugbegleitungspersonal, namentlich der Zugführer, die Be­folgung der gegebenen Vorschriften, die Wirksamkeit der Heiz­einrichtungen während der Fahrt 2c. zu überwachen und dafür zu forgen hat, daß etwaigen Beschwerden der Reisenden, na­menilich auch über zu starkes Heizen, nach Möglichkeit begegnet werde. Alle diesen Vorschriften entgegenstehende bisherige Be stimmungen werden aufgehoben. Für den Bereich der preußi­schen Staatsbahnen sind gemeinsame Bestimmungen über die Behandlung der Dampfheizung bei den Personenzügen aufge­stellt worden.

An Stelle des Bahnhofs Moabit der Berliner Ring­bohn ist von der Eisenbahnverwaltung die Anlegung zweier Bahnhöfe projektirt worden. Der eine soll auf der anderen Seite der Eisenbahnüberführung im Zuge der Beußelstraße, der zweite in der Gegend der Stromstraße errichtet werden, nachdem die von den städtischen Behörden beschlossene Strom­ftraßenüberführung bewirkt sein wird. Die Vorarbeiten zur Anlegung des Beußelstraßen- Bahnhofes sollen bereits in nächster Zeit begonnen werden.

Am 1. Oktober ist der Winterfahrplan der Neuen Ber liner Omnibus- und Packetfahrt- Aftien- Gesellschaft in Kraft getreten. Auf der Linie Neues Thor- Kottbuser Thor ist eine neue 10 Pfg.- Theilstrecke, von der Friedrichstraße ( Ede Unter den Linden) bis zur Prinzenstraße( Ede Ritterstraße) eingelegt worden. Die Fahrrichtung der Linie Wörther Blak- Anhalter Bahnhof ist zum Theil geändert, indem der Omnibus, vom Wörther Play fommend, nicht mehr von der Mohrenstraße aus in die Wilhelmstraße einfährt, sondern von der Ede Mohren­und Friedrichstraße folgende Straßen berührt: Friedrichstraße, Kochstraße, Wilhelmstraße und Anhaltstraße. Infolge dessen ist die 10 Pfg.-Theilstrecke dieser Linie, Prenzlauer Thor bis zur Wilhelmstraße( Ecke Leipziger Straße ) in Prenzlauer Thor -Friedrichstraße( Ede Leipziger Straße ) geändert. Die Linie Wörther Plaz- Anhalter Bahnhof hat eine neue 10 Pfq.- Theil­ftrecke erhalten, welche vom Alexanderplaz bis zur Friedrich­Straße, Ede Rochstraße, führt.

Die Düppeler Straße, welche unter Vermeidung des Bahnüberganges in der Großgörfchenstraße den Zugang nach dem Matthätkirchhof vermitteln soll, ist jezt dem Berkehr über­geben worden.

Der Vorortverkehr nach Friedrichshagen und Ertner hat eine solche Ausdehnung angenommen, daß der Eisenbahn­minister dem Betriebsamt der Stadt- und Ringbahn den Auf­trag ertheilt hat, einen Entwurf für einen viergleisigen Ausbau der Bahn bis Erfner auszuarbeiten..

Insgesammt 34 Bahngeleise werden nach Fertig­ftellung der neuen Geleise der Potsdamer Bahn auf hohen Brücken über die verlängerte Vortstraße hinwegführen.

Seitens der städtischen Behörden ist der Neuer Ber­ liner Pferbebahn- Gesellschaft die Erlaubniß zum Bau einer Pferdebahnlinie von der Frankfurter Allee durch die Box­hagenerstraße bis zur Berliner Weichbildgrenze ertheilt worden. Mit der Ausführung soll begonnen werden, sobald auch das Polizeipräsidium die Genehmigung ausgesprochen hat. In bes ftimmte Aussicht soll genommen sein, die Bahn bis zur Ort­schaft Rummelsburg weiterzuführen.

Die Sandsteinbekleidung der Fronten des Reichstags­gebäudes nimmt ihren Fortgang. Gegenwärtig ist man faft burchgehends bis zu den Kapitellen der Pilaster und mächtigen Halbfäulen gelangt, welche die Fronten gliedern. Auch der öst­liche, an der Sommerstraße gelegene Mitteltheil des Baues, welcher etwas zurückgeblieben war, ist im Laufe dieses Jahres zusehends gefördert worden. Nur vom Königsplaß aus sieht man noch immer eine klaffende Lücke, welche darauf hindeutet, daß in Sachen der Kuppel noch keine endgiltige Entscheidung getroffen ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich auch in biesem Jahre an jener Stelle eine Aenderung noch nicht voll­ziehen. Die Ueberdachung des großen Parlamentsfaales, wie fie geplant ist, und welche eine Erleuchtung desselben durch Oberlicht bedingte, scheint noch immer der Gegenstand ein­gehendster Erörterung zu sein. Die Entwurfe zu dem inneren Ausbau des Gebäudes find fast fix und fertig und die betreffen­den Arbeiten schon zum Theil vergeben.

Yom Eitelkeits- Markt. Die Boff. 3tg." wird auf das Treiben eines bisher nicht bekannten Unternehmers auf­merksam gemacht, das auf das Einfangen titelsüchtiger Men­fchen berechnet ift. Vor einigen Tagen erhielten hiesige Ein­wohner ein gedrucktes, drei Seiten langes Anschreiben, in dem auf die Gefahren aufmerksam gemacht wird, die das unbefugte Führen des Doftortitels mit fich hrinae. Nachdrücklich wird und in zarter vor den amerikanischen Doktorfa

Weise darauf hingewiefen, daß ore fälschliche Abgabe des Ehrenwortes wie das Vorlegen einer von fremder Hand ange­fertigten Differtation strafbar sei u. f. w. Der Zweck dieser väterlichen Warnung war den Empfängern nicht flar, bis sie einige Tage darauf einen gebrudten Bettel erhielten, der mit den Worten anhebt: Es ist möglich, daß gebildete Herren in geachteter Lebensstellung den Grab eines Doctor philosophiae erwerben können, auch wenn dieselben sich keiner Maturitäts­prüfung unterzogen oder akademische Studien nicht vollendet haben." Im Weiteren wird dann gefagt, das Kaufen eines echten Dottordiploms sei unmöglich, wissenschaftliche Arbeiten würden von dem unbekannten Rathgeber nicht verkauft, auch ertheile die Aus­verlange er feine Vorausbezahlunc funft umsonst, selbst ohne b man Briefmarken bei­zulegen habe; aber über die Art der Diplom= Er­langung wird vorläufig Schweigen beobachtet.

Was nun bezweckt der uneigennüßige Wohlthäter? Wie will er, da die Auskunft umsonst ist und nicht einmal das Almosen der beigefügten Briefmarke begehrt wird, auf seine Kosten für Drud der Rundschreiben, für Porto und Zeitaufwand kommen?

Ist er der Agent einer neuen, Gott weß in welchem Erdtheile Ist er der Agent einer neuen, Gott web in welchem Erdtheile errichteten Doftorfabrik, die wohl die Auskunft umsonst ertheilt, aber sich ihr schönes Diplom" nachher theuer genug bezahlen läßt? Der Schlußsaß der zweiten Aufforderung: Die fretion wird Jedermann, insbesondere Geprellten, zugefichert", macht es wahrscheinlich, daß der edle Doktorspender auf das böse Gewissen solcher Leute spekulist, die sich im Befige eines falschen" Doktors befinden und sich darin nicht sicher fühlen. Damit stimmt, daß die freundlichen Aufforderungen auch an solche Personen gerichtet sind, bei deren Namen im Adreßbuch der Doktortitel ſieht. Der Biedermann hat also auf's Ge­rathewohl den Versuch gemacht, diese Herren auf die Echtheit ihres Titels zu prüfen. Daß Diejenigen, die ihren ordnungs­gerechten Titel besigen, seine Wische in den Papierforb werfen würden, hat er wohl gewußt, aber vielleicht befanden sich unter den Empfängern auch etliche falsche Doktoren, die sich durch das bloße Anklopfen bedroht fühlen und zur Sicherheit gern noch einmal in die Tasche greifen! Der unbekannte Herr er= bittet sich Zusendungen unter folgender Adresse: Auctor, Postlagernd, Berlin C., Poftamt Nr. 25."

Bekenntnisse eines Operateurs. Wunderbar sind oft die Erfolge, welche ein geschickter Chirurg mit einer einzigen Operation erzielen fann; wie mit einem Schlage ist zuweilen jahrelanges Siechthum verschwunden, der Operirte lehrt zu neuem Leben wieder und mit Recht wird die glückliche Hand" des Operateurs gepriesen. Doch giebt es auch unglückliche Zu­fälle bei den Operationen, die das beste Streben des Arztes vereiteln, ihn zur Verzweiflung bringen und dem Patienten verhängnißvoll werden können. Von solchen Fällen hört man nur selten, denn die Herren sprechen begreiflicherweise nicht gern davon. Um so rühmenswerther ist daber der Freimuth bes welibekannten Münchener Chirurgen, Professor v. Nuß­baum, welcher in der jüngst erschienenen Rollifer'schen Jubi läumsschrift einen hochinteressanten Beitrag veröffentlichte über Unglücke in der Chirurgie", die ihm und andern passirt sind. Was tann nicht alles einem Operateur paffiren! Daß er einen unrichtigen Bahn auszieht, soll öfter vorkommen, namentlich wenn der Patient narkotisirt ist und nicht nochmals befragt werden kann. Es ist aber schon in einer Klinit einem Patienten der unrechte Fuß amputirt worden, und das kam so: Ein Kranker mit zwei verbundenen Beide Füßen wurde auf den Operationstisch gelegt. Füße waren erkrankt, den rechten Fuß hielt man für heilbar, den linken für unheilbar und wollte letteren deshalb amputiren. Unglücklicher Weise amputirte man den beffer en rechten Fuß, war darüber sehr erschrocken und gab sich nun die erdenklichste Mühe, den linken schlimmeren Fuß zu erhalten. Und dies gelang! Bei der Ansehung fünstlicher Nasen aus der Stirn­oder Armhaut( Rhinoplastit) pafsirt es nicht selten, daß am Ende des Heilungsprozesses ein Stück brandig wird, oder daß die Anfangs so stola ragende neue Nase zu einem Klumpen zusammenfällt und sich auf die Seite legt. Bei einer Operation der Mandeln im Halse passirte es Herrn v. Nußbaum, daß das Meffer an einem steinigen Konkrement, das in der Mandel steckte, zerbrach und der Patient das 2 Zentimeter lange ab­gebrochene Stück des Instruments hinunter schluckte. Damit nun der haarscharfe Stahl im Magen teine Verwundungen anrichte, ließ Nußbaum sofort ein Glas Zuckerwasser mit einem Eklöffel voll verdünnter Salzsäure trinken, und nach achtundvierzig Stunden

ging das Messerstück schwarz,

rostig und stumpf( Einwirkung der Salsfäure) ohne Be schwerden auf natürlichem Wege ab. Nicht selten werden bekanntlich fünstliche Zähne und Gebisse unversehens verschluckt. Nußbaum kennt einen Fall, wo eine Dame eine Platte mit fünf Zähnen verschluckt hatte, welche fest im Schlunde einge­teilt steckte und weder herauf- noch hinunterbewegt werden fonnte. Da die Dame keine Schmerzen davon hatte, ohne Be läftigung effen und trinken, sprechen und athmen konnte, fo rieth thr Nußbaum, erst dann eine Operation vornehmen zu laffen, wenn große Beschwerden eintreten. Und die Dame trägt nun schon 13 Jahre das verschluckte Zahngebiß ohne Ge­fahr im Halse. Bei Knochenbrüchen kommen sehr viele Un­glücksfälle vor, welche die Patienten gern dem Arzt in die Schuhe schieben möchten, obwohl diesen die Schuld nicht trifft. Sehr häufig liegt nämlich die Schuld der schlechten Heilung an einer frankhaften Veranlagung des Patienten oder an vor zeitigen Bewegungen. Das schiefe Busammenheilen eines Knochenbruches würde auch viel feltener vorkommen, wenn die Aerzte die goldene Regel im Auge behielten, zur halben Heil­zeit den Verband nochmals zu öffnen und die vorhandenen Fehler zu verbessern; denn um diese Zeit lasse sich Fehler zu verbessern; denn noch alles Krumme grade biegen. Ein Unglück" nennt es Nußbaum, wenn ein Operateur bei einer Lapyrotomie einen Schwamm oder eine Pinzette oder ein Gummiröhrchen

kannte rothe Plakat, wonach die Bestände des H.'ichen Waaren lagers öffentlich meistbietend versteigert werden sollter. Bald ertönten im Laden die laute Stimme und die Hammerschläge des Auktionators, die Helfers helfer der Auftionen, die foo, Drömler", waren zahlreich erschienen und von den Nachka en des alten H. gingen Viele hinein, um noch eine Rifte Bigarren billig zu erstehen. Zum Verfteigern der Borräthe waren mehrere Tage nöthig und schließlich famen auch noch Ungar­meine und Spirituosen an die Reihe, obwohl der alte H. so etwas weder verkauft, noch sonst etwa für seinen Brivatgebrauch auf Lager gehalten hatte. Allmälig gingen den Käufern die Augen auf und es tam zu sehr erregten Szenen zwischen den Kaufluftigen und den Drömlern", wobei die legteren schlecht weggekommen fein foller. Am nächsten Mor gen fand dann eine tüchtige Brügelci zwischen dem Auktionator und den Drömlern" ftatt, vermuthlich wegen des diesen zu­stehenden Gewinnantheils. Hierbei sollen in dem Streite Aeuße rungen gefallen sein, wonach in dem Laden gegen 60 Mille Cigarren verauftionirt wären, ein Posten, den der alte H. nic mals in seinem Laden zusammen hatte. Natürlich ist das Cigarrengeschäft in der ganzen Umgegend des H.'schen Ladens labm gelegt, da sich alle Raucher in der Auf.ion der H.'schen Waarenbestände" mit den nöthigen Vorräthen versehen haben.

Mit aufgespanntem Regenschirm im Eisenbahn­koupee fizen zu müffen, ist die neueste Errungenschaft, welde die Berlin - Potsdamer Bahn den Reisenden des am Donners tag früh um 7,40 aus Brandenburg hier einlaufenden Ber­fonenzuges daibot. Im Wagen Nr. 2163 regnete es, wie berichtet wird, fast ebenso start als draußen; die Size und der Fußboden waren vom Waffer überschwemmt. Auf_die_Be­schwerden der bedrängten Passagiere erwiderte der Schaffner, die Einstellung solcher Leckwaggons wäre nicht seine Schuld. Andere Plöße wurden den Reisenden nicht angewiefen.

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Mit Ueberführung nach dem Irrenhause hat dieser Tage ein Scherz" geendet, der, so harmlos er auch war, ten Anstiftern deffelben Gewiffens biffe und Neue verursachen dürfte. In der Arbeitsstube eines Konfettionsgeschäftes am Haus­voigteiplag war seit etwa zwei Jahren die 17jährige Klaffe, die einzige Tochter einer in Schlesien wohnenden Wittwe, thätig, und das stille, geistig zurückgebliebene Mädchen war die Siel scheibe des Spottes und Wizes ihrer glücklicher veranlagten Kolleginnen. Im vorigen Jahre als der widerliche Schön­heitsfonkurrenzfampf in den verschiedensten Etablissements unserer Stadt tobte, waren die Infaffinnen der betr. Arbeits stube an einem Abend in ein derartiges Lokal gegangen, um dort eine preisgekrönte Schönheit zn bewundern. Unter den Besucherinnen befand sich auch die K., mit welcher die anderen Mädchen nach Schluß der Vorstellung fich wieder einen Ult machen wollten, und die ber geistig beschränkten Person in allem Ernst einredeten, fich doch auch um den Schönheitspreis zu bewerben. Tag für Tag ward nunmehr dieser dumme Wig in der Arbeitsstube aufge tischt und um denselben zu vervollständigen, gelangten sogar anonyme Briefe an die K. mit der Aufforderung, sich doch en irgend einer Schönheits- Konkurrenz zu betheiligen; und so bil dete das unschöne Mädchen sich in der That ein, daß sie eine Schönheit" fei; fie vernachläffigte die Arbeit und lief von einer Direktion solcher Institute zu der anderen mit der Bite, ihr doch zu geftatten, öffentlich als preisgetrönte Schönheit auf­zutreten. Natürlich wurde ihr dies sonderbare Anfinnen überall abgeschlagen und darüber verfiel denn das junge Mädchen, bei welcher die Schönheits- Ronkurrenz" zur firen Jdee geworden, in Schwermuth, die sich in den legten Wochen derartig steigerte, daß die schon längst erwerbsunfähige R. vor Kurzem in Tobsucht verfiel und schließlich in dieser Woche nach ihrer Heimath in ein Irrenhaus überführt wurde.

Sturz aus dem fünften Stockwerk. Auf dem Dache des nahezu vollendeten vierstöckigen Neubaues Potsdamer straße 61, an den Fensterbrettern der im fünften Stede liegen den Manfardenräume arbeitete gestern Morgen der 22jährige Klempnergeselle Otto Michalke, geboren zu Ohlau , ein Manr, der an epileptischen Zufällen leiden soll. Ein solcher Krampf anfall scheint den M. bei der Arbeit befallen zu haben, denn plöglich strauchelte er und stürzte, noch ehe sich eine Hand zu feinem Beistande regen konnte, in die Tiefe, schlug auf den das Trottoir abgrenzenden Bauzaun auf und glitt innerhalb desselben auf den Bauplog. Der Tod war bei dem Unglüd­lichen sofort eingetreten. Bauarbeiter erstatteten schleunigst Anzeige von dem stattgehabten Unglück auf dem zuständigen Polizeirevier und dieses veranlaßte nach Aufnahme des That­bestandes die Überführung der Leiche nach dem Leichenschau­haufe.

Wieder hat der Verkehr der Großstadt ein Opfer gefordert. Von einem Omnibus der Linie Hallesches Thor

von der Elektrizitätsgesellschaft, welcher mit einem Handwagen auf dem Straßendamm fuhr, beide Beine in der Kniegegend überfahren. Der Unglückliche blieb mit einem gellenden Auf schrei liegen. Bewußtlos wurde er dann von hilfsbereiten Personen nach dem Flur des Hauses Kronenstraße 17 getrager. Zwei Aerzte, die dem Unfall beigewohnt hatten, untersuchten und verbanden den Verlekten. So weit festzustellen gewesen, find dem Manne beide Kniescheiben zerfplittert. Das 38. Pe lizeirevier veranlaßte schließlich seine Ueberführung nach der Charité mittelst Droschte.

in der Bauchhöhle liegen läßt und die darauf folgende Blut- Thauffeestraße wurden am Mittwoch Mittag einem Arbeiter vergiftung den Tod des Kranken herbeiführt. Eine wirksame Kontrole ist es, alle Instrumente, Schwämme 2c., die zu der Operation gebraucht werden, vor und nach der Operation genau zu zählen; dann weiß man sofort sicher, ob man noch etwas vergessen hat. Auch den berüchtigten Chloroformtod, das ist die Erftidung in der Chloroformnarkose, zählt Nußbaum zu den Unglücksfällen, die den Arzt unverschuldet treffen können. In der ersten Zeit der Chloroformanwendung waren derartige Todesfälle häufiger, jekt fommt jedoch auf 11-22 000 Chloro­formnarkosen erst ein Todesfall. Das fogenannte Lachgas scheint weniger gefährlich und ist entschieden angenehmer als das Chloroform. Allein es tritt dabei oft der fatale Zufall ein, daß das Lachgas den Patienten nicht betäubt, daß er während der Operation bei vollem Gefühl und Bewußtsein bleibt, startes Ropfweh bekommt und schließlich doch chlorofor bleibt, starkes Kopfweh bekommt und schließlich doch chlorofor­mirt werden muß. Wir schließen diefe Unglüdschronit" mit dem Ausspruch Nußbaums, daß die Aerzte aus einem solchen unglücklichen Fall mehr lernen fönnen, als aus zehn glücklichen Fällen, und das ist noch ein gewiffer Troft.

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Wie manchmal alarmirende Gerüchte entstehen, erfieht man aus folgendem, von der D. Verkehrs= 3tg." mit getheilten Fall, welcher gleichzeitig eine Warnung enthält. In der Provinz hatte vor einiger Zeit ein Telegraphenafsistent einem Postagenten, um sich mit demselben einen Scherz" zu machen, telegraphisch die Nachricht zugesandt, daß zwischen Deutschland und Rußland der Krieg erklärt worden sei und auf die zweifelnde Rückfrage des Post­agenten, ob die Nachricht auch Glauben verdiene, die Wahrheit derfelben noch ausdrücklich versichert. Das Gerücht hatte sich dann weiter verbreitet und war auch in eine Zeitung über­gegangen. Dieser unerhörte Mißbrauch der telegraphischen Einrichtungen, welcher eine schwere Beunruhigung der Bevöl ferung und erhebliche wirthschaftliche Schäden hätte nach sich ziehen können, ist jeßt Seitens der obersten Postbehörde dahin geahndet worden, daß der schuldige Beamte mit der höchsten, nach dem Reichsbeamtengefeße zulässigen Geldstrafe in Höhe des einmonatlichen Betrages seines Diensteinkommens belegt worden ist.

Das Treiben gewisser Auktionatoren zeigte sich wieder einmal in seinem häßlichsten Lichte in dem Laden des früheren Zigarrenhändlers H. in der Oranienstraße während der letzten Tage des vorigen Monats. Der alte H., in seiner Nachbarschaft wohlbefannt und von gutem Rufe, hatte sich ent­schloffen, fein Bigarrengeschäft aufzugeben, da er mit den mo­bernen, großartig angelegten Läden nicht mehr konkurriren fonnte. Er hatte feine Vorrä he bis auf wenige Riflen Zigarren verkauft. Diese und die Ladenutensilien beabsichtigte er, wo­möglich im Ganzen los zu werden. Auf seine Verkaufsofferte meldete sich bei ihm ein Konsortium", das sich auch je= Zahlung eines annehmbaren Preises erbot, zur doch unter der Bedingung, daß H. seinen Käufern auch den Laden überlaffe, worauf H. ohne Arg einging. Sofort prangte am nächsten Tage an dem Schaufenster des Ladens das be

Stundenlange Folterqualen hat in der Nacht vom Montag zum Dienstag ein Bauer namens Karl Schüler aus dem benachbarten Waltersdorf( bei Rigdorf) ertragen müffen. Sch- befand sich mit einer zweispännigen Möbelfubre auf dem Wege nach Berlin . Beim Paffiren des Dorfes Selchow glitt derfelbe infolge eines Ruces, welchen der Wagen durch einen im Wege liegenden Stein erhielt, von seinem Size über die Deichfelitange, fiel über dieselbe seitwärts weg und kam mit beiden Beinen vor eins der Vorderräder zu liegen. Schüler rief nun in seiner Angst den Pferden das bekannte Bar! zu und sofort standen dieselben auch still, leider aber um eine Sekunde zu spät- das Vorderrad stand im selben Moment auf den beiden Unterschenkeln des unglücklichen Mannes. Stunden der gräßlichsten Qualen, unterbrochen von mehrfachen Ohnmachisanfällen, folgten nun; endlich brach der Morgen an; nach Berlin zum Markte fahrende Bauern nahten und mit ihnen die verzweiflungsvoll herbeigefehnte Hilfe. Der Ver­stümmelte wurde auf einem in aller Eile requirirten Wagen nach dem nächstgelegenen Köpenick zu einem Arzte geschafft, woselbst ihm Stiefel und Beinkleider von den Beinen ge schnitten werden mußten; die Wadenmuskeln waren geplakt, bie Unterbeinknochen zermalmt und die bereits brandig gewo denen Gliedmaßen boten einen traurigen Anblick dar. Ber­bände wurden sofort angelegt, worauf die Ueberführung in das dortige Krankenhaus erfolgte. Der Arzt gab Hoffnung auf Erhaltung der verlegten Gliedmaßen, doch dürfte ein Jahr dar­über vergehen, ehe Schüler das Krankenlager zu verlaffen im Stande sein wird.

Nicht weniger als 47 Selbstmordfälle hat der amt­liche Polizeibericht im Laufe des verflossenen Monats September zu verzeichnen gehabt; unter den Lebensmüden be fanden sich 37 männliche und 10 weibliche Personen. 30 Fälle nahmen einen tödtlichen Ausgang. Von den Lebensmüden griffen 10 zum Strid, 16 zur Schußwaffe, 10 fuchten den Tod im Waffer, 4 nahmen Gift, 4 öffneten sich die Pulsadern, um zu verbluten, 1 stürzte sich aus dem Fenster und 1 ließ sich von einem Eisenbahnzuge überfahren. Selbstmord eines Gymnasiaften! In große Ere gung und Trauer wurde gestern die auf dem Gesundbrunnen wohnende Familie des Beamten L. durch den Selbstmord ihres einzigen 17jährigen Sohnes Paul, Schüler eines im Zentrum der Stadt belegenen Gymnasiums, verfekt. Als gestern früh die Mutter das 3mmer ihres Sohnes betrat, fand sie auf dem

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