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Nr. 241..
Dienstag, den 15. Oktober 1889.
6. Jahrg.
Das„ Berliner Volksblatt"
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erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei m's Haus vierteljährlich 4 Mart, monatlich 1,35 Mart, wöchentlich 35 Pf. Einzelne Nummer lich. 5. Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10 Pf. Bei Abholung aus unserer Expedition Zimmerstraße 44 1 Mart pro Monat. Postabonnement 4 Mart pro Quartal. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1889 unter Nr. 866.) Für das Ausland: Täglich unter Kreuzband durch unsere Expedition 3 Mart pro Monat.
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Redaktion: Beuthstraße 2.
Mikernte.
Die Herren Kartellbrüder werden gut thun, vor den Wahlen feierliche Bittgänge und Gottesdienste zu veranftalten, um die Gnade des Himmels auf sich herabzuflehen. Denn der Himmel zürnt ihnen offenbar und wird ihnen großen Abbruch thun. Er hat die Ernte ungünstig ausfallen lassen, wie der ,, Reichsanzeiger" in seinem se mi nitamtlichen Theil trocken und dürr erklärt.
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Nun, für die Ernte und deren mageren Ausfall kann man uns doch nicht verantwortlich machen, mögen die Kartellbrüder sagen. In gewisser Beziehung kann man das, [ 47 denn es ist noch nicht so lange her, seitdem einige Kartellblätter der Provinz in schwungvollen Versen die Kartellewissen Wirthschaftspolitik feierten und in derselben auch eine Bürg
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schaft für eine gute Ernte sahen. Logischer Weise könnte nan fonach diese Wirthschaftspolitik auch für die schlechte 1 Ernte verantwortlich machen. Fabrit Doch Spaß bei Seite. Die Mißernte ist nun da und Dampfb wir werden ihre Wirkungen bald verspüren. Noch vor Hof peinigen Jahren konnte man sich mit leichtem Herzen über u.frant den Gedanken an eine unzureichende Ernte hinwegfeßen, soweit man nicht selbst auf den Ertrag eines Grundstückes angewiesen war. Was kann uns passiren? pflegte man zu sagen. Die Verkehrsmittel sind ja so vortrefflich ents widelt; haben wir kein Korn, so lassen wir es aus Ungarn , aus Südrußland oder aus Amerika kommen, von wo wir es billiger haben können, als von unseren eignen Bauern." Das ist aber ganz anders geworden, seitdem mit der Umkehr in der Wirthschaftspolitik von 1879 die Klappe zuge 1737 acht worden ist für alles fremie Getreide. Es kann nichts chr herein, es sei denn mit außerordentlichem Aufschlag, und wir werden sonach die Wirkungen der schlechten Ernte of, fchmerzlich verspüren. Obschon nachgewiesen ist, daß Deutsch land auch bei guten Ernten seinen Bedarf an Berealien nicht selber decken fann ein so dicht bevölkertes Land wie ein so dicht bevölkertes Land wie Sachsen z. B. deckt nur an 50 pCt. feines Bedarfshaben doch die Kartellbrüder die Kornzölle so erhöht, daß wir in Deutschland die höchsten 3ölle dieser Art von allen europäischen Staaten haben.
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Die Brotpreise sind, wie authentisch nachgewiesen wor den ist, schon in diesem Jahr an vielen Orten erheblich ge
32 fliegen. Sie werden über den Winter demnach noch mehr
Heigen, nicht nur durch die schlechte Ernte, sondern weil die e für Auffäufer, Spekulanten und Kornwucherer erobe. fich die Situation zu Nuge machen werden. Sie werden letots die Preise hoch halten und hinauf treiben, da sie gegen die sver: Konfurrenz des Auslandes hinreichend geschützt sind. Für diese Herren bedeutet der 3oll in der That einen Schug"; für uns Konsumenten leider nicht.
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Sie sagen, ich soll mich ausruhen", fuhr er fort, aber ich bin nicht so dumm! Ich werd's wohl noch zwei Jahre machen: dann bekomme ich die Pension von einhundertundachtzig Franks; wenn ich heute schon meinen Abschied nähme, brauchten mir die Schlaumeier nur einhundertundfünfzig zu zahlen. Uebrigens bin ich solid, bis auf die Beine: da ist mir das Wasser unter die Haut gedrungen, weil man dort unten eigentlich nie trocken wird. Manchen Rag tann ich keinen Fuß rühren, ohne daß ich laut auf freien muß vor Schmerz."
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Ein neuer Huften unterbrach ihn.
Und davon husten Sie wohl auch?" meinte Stephan. Er schüttelte heftig das Haupt, und als er wieder reden fonnte, fuhr er fort:
,, nein! Früher habe ich nie gehuftet: Ich hab' mich vorigen Monat erkältet und kann's nicht wieder los werden. Und merkwürdig, was ich spucke.... was ich Spude
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Es hatte ihn wieder gepackt. Endlich brachte er's los: cs war schwarz.
Ist es Blut?" wagte Stephan ihn zu fragen. Bonnemort wifchte sich mit dem Rücken der Hand langfam den Mund:
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Arbeiter.
Insertionsgebühr
beträgt für die 4gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersammlungsAnzeigen 20 Pf. Inferate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Bimmerftraße 44, sowie von allen Annoncen- Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3-7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Fefttagen bis 10 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt VI. Nr. 4106.
Expedition: Bimmerffraße 44.
Die Großgrund- und Rittergutsbesißer werden bei der Sache nicht gerade schlecht fahren, denn sie werden nun den Ernteertrag, ben sie erzielt haben, zu erhöhten Preisen los. Aber der kleine Bauer, dem die Kartellblätter vorgeschwindelt haben, daß mit den erhöhten Getreidezöllen für ihn eine neue goldene Aera anbrechen werde, der wird sich unsanft aus seinen Träumen erweckt fühlen. Bei schlechter Ernte ist der kleine Bauer mehr als sonst auf den Markt angewiesen und der Ertrag seiner Scholle liefert ihm selbstverständlich auch einen geringeren Beitrag für seine Lebensbedürfnisse. Da wird er denn über den Winter das Steigen der Brotpreise bitterlich empfinden; er wird unmuthig werden und wird in den Wahlen seinen Unmuth ganz natürlicher Weise gegen jene Herren wenden, welche ihm die Märchen von der neuen goldenen Aera erzählt und ihm den ganzen blauen Dunst vorgemacht haben. Diese Herren find die Kartellbrüder und sie werden unter dem Eindruck der steigenden Brotpreise ihre Herrlichkeit dahinschmelzen sehen, wie die Butter an der Sonne.
Das Bolt in Deutschland hat des Ungemachs genug zu tragen: die Fleischpreise sind gestiegen und die Kohlenbarone wollen sich über den Winter schadlos halten für ihre angeblichen oder wirklichen Verluste bei dem großen Ausstand. Nun werden auch noch die Brotpreise emporschnellen, ein Umstand, für den die Kartellbrüder direkt die Ver antwortung tragen, weil sie die 3ölle hinaufgeschraubt haben. Und hat man nicht aus den Kartellkreisen schon mehr als einmal die liebenswürdige Anregung zu einer noch weiteren Steigerung der Kornzölle vor
nommen?
So müßte es freilich kommen, wenn das deutsche Volt eines Besseren belehrt werden sollte. Wir standen damals im Lärm der Boulanger- und Barackenwahlen von 1887 als düstere Propheten bei Seite und man hörte nicht auf uns, als wir sagten, das Volk werde tief in seinen Beutel greifen müssen, um die Kosten für seine Leichtgläubigkeit bei jenen verhängnißvollen Wahlen zu bestreiten. Nun ist die Rechnung da und in dem erhöhten Brotpreis wird der unbemittelte Familienvater seufzend seinen Tribut an die Kar tellherrlichkeit entrichten.
Leider kann der Brunnen erst zugedeckt werden, nach dem das Kind hineingefallen ist.
Wir sehen nun, wohin es führt, wenn eine Wirthschaftspolitik die Interessen einzelner Kategorien der Bevölkerung einseitig bevorzugt. Wir hoffen aber auch, daß die Bevölkerung aus dieser Wirthschaftspolitik des Kartells etwas gelernt hat. Wir hoffen sogar, daß sie bei den nächsten Wahlen sich mit einem kräftigen Rud die ganze Kartellwirthschaft vom Nacken schütteln wird.
Mögen nur die nationalliberalen und konservativen
Der Hammer tönte immer noch aus dem Schacht die regelmäßigen hellen Schläge: der Sturmwind heulte sein Wehlied von Hunger und Müdigkeit; in dem Kohlenbecken flammte es heller auf, und der Alte darunter fuhr mit leiserer Stimme fort, seine Erinnerungen zum Besten zu geben:
Ja, ja, es ist ein hübsch Stück 3eit, daß er und die Seinen in den Bergen arbeiten! Seine Familie ist bei der Kompagnie der Minen von Montsou feit deren Gründung, und das ist lange her: einhundertundsechs Jahre! Sein Großvater, Wilhelm Maheu, hatte als fünfzehnjähriger Bursche in R quillard Kohle entdeckt, und das wurde die erste Grube. Jedermann weiß es und sie heißt noch heute die Wilhelms- Ader. Er selbst hatte seinen Großvater nie gekannt. Er soll dick und stark gewesen sein und ist sechzig Jahre alt geworden. Dann fam sein Vater, Nikolaus Maheu. Der ist, kaum vierzig alt, in dem Voreux geblieben, den man damals abteufte.
Ein Felssturz hat ihm die Knochen zermalmt. 3wei seiner Onkel und seine drei Brüder haben auch ihre Haut darin gelassen. Ihn selbst halten sie für einen besonders schlauen Patron, weil er so ziemlich heil wieder heraus gekommen ist bis auf die Füße. Uebrigens was sollten sie thun in der Familie? Arbeiten mußte man: also das, oder etwas Anderes! Sein Sohn Toussaint, seine Enkelkinder und alle Anderen sind noch jetzt dabei. Sie wohnen dort unten im Arbeiterviertel. Ja, ja, ja! Einhundertundsechs Jahre Grubenarbeit! die Jungen nach den Alten; immer für dieselbe Gesellschaft: nicht viele Bürger können dergleichen von ihrer Familie erzählen!"
Wenn man wenigstens zu essen hat!" murmelte Stephan wieder.
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Kohle ift's! Ich hab' so viel davon verschluckt, daß ich ,, Das sag' ich ja: so lange man Brot hat, kann man halb mir bis an mein Lebensend' damit einheizen fönnte. Seit fünf Jahren bin ich mit keinem Fuß mehr in die Grube Bonnemort schwieg, seinen Blick noch nach dem Arnekommen: aber es scheint, ich hatte hier im Brustkasten einbeiterdorf gewendet, wo die Fenster anfingen, sich eines nach Kohlenmagazin und wußte nichts davon. Na, das macht dem andern zu erleuchten. Es schlug vier Uhr auf dem ichts, das fonfervirt den Menschen." Kirchthurm von Montsou. Die Kälte wurde noch schneidiger.
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Es entstand eine Pause.
Sie ist wohl reich, Ihre Kompagnie?" fragte Stephan.
Staatsmänner sich einstweilen den Phrasenbrei anrühren, mit dem sie das Volk über die Wirkung der Kornzölle wers den hinwegtäuschen wollen. Die höheren Brotpreise sind ein Eckstein, an dem sie nicht vorbeikommen können, ohne sich zu stoßen.
Und so dürfte denn die Kartellherrlichkeit so schnell verschwinden, wie sie gekommen. Die Herren vom Kartell werden bei den Wahlen auch eine Mißernte haben.
Politische Uebersicht.
Die Wahrheit über die Auflösung des Reichstags im Jahre 1878. In dem vielbesprochenen, direkt auf den Reichstanzler zurückzuführenden Artikel des Hamburger Corre fpontenten" über die heimlichen Kämpfe gegen den Reichsfanzler heißt es wörtlich:
Die Herbeiführung neuer Reichstagswahlen im Jahre 1878 war fein aggressiver sondern ein defensiver Schachzug des Ministerpräsidenten( Fürsten Bismard) gegenüber der Roalition eines Theiles seiner Rollegen mit ber liberalen Majorität des Reichstags.
Also nicht die Attentate veranlaßten die Auflösung, lösung die Auflösung des Reichstags erfolgte, um die nicht das Sozialistengefeß war der Zweck der AufRoalition" gegen den Fürsten Bismarck und die„ liberale Neichstagsmajorität" au fprengen und eine Regierungsoder richtiger Ranzler- Majorität zusammenzubringen. Das rothe Gespenst mar blos der Popanz, um die Wahler ins Garn der Reaktion zu treiben. Es verfah dieselben Dienfte, wie 1887 das Kriegsgespenst.
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Das ist die Wahrheit, die jest endlich eingeftanden ift. Die sozialdemokratischen Abgeordneten haben also Recht gehabt, wenn sie fagten, der Attentatsspeftatel fei blos im Intereffe der Reaktion inszenirt worden. Das Geständniß wird jedenfalls im Reichstag gebührende Verwerthung finden, wenn die Sozialistengefeß- Debatte fommt.
Mit welch heißem Bemühen hatte vor Kurzem die Nordd. Aug. 3tg." darzuthun versucht, daß die von der Schweiz einberufene internationale Arbeiterschuß- Konferenz praktische Zwede taum erfüllen dürfe; man werde es auf ihr mehr oder weniger mit fozialistischen Spielereien" zu thun haben. Jezt muß das Kanzlerblatt mittelbar eingestehen, daß feine Beweisführung noch lange nicht die überzeugendste war. Wenigstens ist ihm darin ein Mitarbeiter der Allg. 3tg." über, dessen Ausführungen von der Nordd. Allg. Ztg." fofort an der richtigen Stelle verwerihet werden. Sozialistische Spie lereien war noch gar Nichts; die neue sozialpolitische Autorität Haltung zum Arbeiterschuß auf der besagten Konferenz sogar beweist haarscharf, daß Deutschland troß seiner ablehnenden feine Verkleinerer in's Unrecht feßen" kann. Durch Berufung auf die deutsche Versicherungsgesetzgebung ist der famose Schach
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Der Alte zog die Schultern in die Höhe und ließ sie dann wieder sinken, als habe er einen schweren Sack voll Gold geladen: Ich glaub's! Ich glaub's! Nicht so reich vielleicht wie ihr Nachbar, die Kompagnie von Anzin; aber doch Millionen und Millionen! Man kann sie nicht zählen. Neunzehn Gruben, deren dreizehn Kohle fördern: der Voreux, die Victoire, Crevecour, Mirou, Saint- Thomas, Magdalen, Feutry- Cantel und die andern! Dann sechs, die als Wetterund Luftschächte dienen, wie Néquillard! Behntausend Arbeiter! Konzessionen, welche sich über siebenundsechzig Kommunen ers strecken! Fünftausend Tonnen Kohle pro Tag! Eine Eisenbahn, die alle Gruben untereinander verbindet! Und Werkstätten! Und Fabriken! stätten! Und Fabriken! O ja, ich wills meinen, daß sie Geld haben!"
Das Rollen der Karren drang plötzlich von Neuem zu ihnen herauf: die Arbeit mußte wieder aufgenommen sein.. Das Pferd spitte die Ohren; Bonnemort spannte es ein; dabei sprach er zu ihm:
,, Na, Faulpelz, wirst Du nun mal endlich aufhören zu schwatzen! Wenn Herr Hennebeau wüßte, womit Du Deine Beit verlumpst, schlechter Kerl!"
,, Also Herrn Hennebeau gehört die Miene?" " Nein," erklärte der Alte, Herr Hennebeau ist nur der Generaldirektor, der wird bezahlt, wie mir."
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Aber wem gehört denn dies Alles?" fragte der junge Mann wieder, mit drr Hand einen Bogen bes schreibend.
Doch Bonnemort war von einem so heftigen Huften geschüttelt, daß ihm der Athem ausging. Endlich, nachdem er sich erleichtert und den schwarzen Schleim von seinen Lippen gewischt hatte, rief er durch den Wind herüber:
Wem das Alles gehört? Man weiß nicht; reichen
Leuten."
,, Dabei wies er mit der Rechten nach irgend einem ungewissen und unbekannten Punkt, wo diese Leute wohnen mochten, für welche die Maheu seit mehr als einem Jahhundert das Gestein Ilopften; und seine Stimme belam