schwunden. die Abdeckerei t> klärt, daß sie ihn nicht entlassen habe, daß er freiwillig fortgeblieben sei. Die Gerüchte, daß Werner verdorbenes, der Abdeckerei übergebeneS Fleisch in den Handel gebracht habe, erhalten durch das Verschwinden Wer­ner« natürlich neue Nahrung, denn man fragt sich, und wohl mit Recht, daß Werner nicht zu verschwinden brauchte, wenn die gegen ihn vorliegenden Verdachtsgründe nicht gerechtfertigt wären. Nebsv dem Treppen-Eingang zu einem erst kürzlich eingerichteten Abzahlungsgeschäft im Südosten der Stadt hat-e der Besitzer eine Tafel mit der Aufschrift anbringen lassen: Aufgang zum Abzahlungsgeschäfts Schon nach einigen Tagen fand er aus dem WorteAufgang" das mittlereg" entfernt und durch ein farbigesh" ersetzt. Die eisernen Haken, auf welchen das Schild ruht und die ziemlich weit aus dem Mauerwerk hervorragen, bilden zugleich die nöthige Illustration für den Sinn der Äenderung, die jedenfalls ein nicht ganz zu« f�iedengestellter Kunde des neuen Geschäfts veranlaßt havl dürfte.

en

Attentat« auf Pfeedebahnfchaffner sind in letzter Zeit mehr. Vorgestern früh ist wiederum

e ach

nichts Neues mehr. Vorgestern früh ist wiederum ein solches auf den Schaffner Wendlandt verübt worden. Als dieser früh um 5 Uhr aus dem Depot der Ackerstraße fuhr, bestieg in der Elsafferstraße ein anständig gekleideter Mann den Perron des Wagens, als jedoch der Schaffner um Zahlung des Fahrgeldes ersuchte, wurde der Fahrgast grob und weigerte sich, den Wagen zu verlassen. W. mußte nun den Tobenden mit Gewalt vom Perron entfernen, stieß jedoch hierbei auf thätlichen Widerstand, und plötzlich schlug der rohe Patron auf den Beamten mit einem eichenen, dicken Stock los; dabei erhielt der Schaffner einen derartigen Schlag auf den Kopf, daß dem Getroffenen das Blut sofort aus einer klaffenden Wunde schoß und der Verletzte betäubt zurücktaumelte. Passanten, welche den Vor« fall bemerkt, brachten den rohen Burschen nach der in der Liniensiraße belegenen zuständigen Polizeiwache. Der nicht unerheblich Verletzte erhielt sofort bei einem in der Nähe wohnenden Heilgehilfen einen Nothverband, mußte seinen Wagen abgeben und liegt zur Zeit noch an seiner Wunde darnieder. Ei« schWarzer Selbstmörder hat vorgestem Abend in einem Hause der Brunnenstraße eine förmliche Panik hervorge« rufen. In dem Hause wohnt seit einigen Tagen ein an den grünen Strand der Spree" verschlagener Neger, der hier sein Glück bald als K-llner, bald als Hausirer zu machen versucht. Der schwarze Jack konnte jedoch die Miethe für das Schlaf« logis nicht bezahlen und sollte deshalb dasselbe vorgestern Abend wieder verlassen, die traurige Gewißheit, obdachlos ohne einen Pfennig in der Tasche in den Straßen der Stadt umher zu irren, muß den armen schwarzen Teufel derartig in Verzweiflung gebracht haben, daß er sich das Leben»u nehmen beschloß. Kurz vor Dunkelwerden knüpfte sich der Neger auf dem Vor« boden des Daches an einem Querbalken auf, gerade in dem« leiben Augenblick, als ein Dienstmädchen mit einem Korb Wäsche den Vorraum betrat. Dieselbe sah eine dunkle schwarze Gestalt schweben, hörte das Siöhnen derselben und mit lautem Hilferufe, daß auf dem BodenRäuber" seien, stürzte das Mädchen, mehr todt wie lebendig, die Treppe hinunter. In der nächsten Minute bereits gellte durch das Haus der Ruf, daß Räuber in der vierten Etage eingebrochen feien und die Wohnungen plünderten, ein Theil der Miether ergriff die Flucht, andere wieder schrien aus den Fenstern nach Hilfe und mehrere Frauen wurden aus Furcht ohnmächtig. Als endlich mehrere Männer bewaffnet den Boden betraten, fanden sie hier die Ursache der Panik, den schwarzen Selbstmörder, bereits be wüßllos, erhängt vor und es bedurfte mehrstündiger ärztlicher Bemühen, um den armen Burschen wieder in§ Leben zurück> zurufen und nach einem im Norden der Stadt belegenen Krankenhause zu schaffen. Ueber das Treppengeländer gestürzt ist vorgestern in einem Haufe der Eisenbahnstraße der acht Jahre alte Sohn der Wittwe Fröhlich, welche in der zweiten Etage wohnt. Die Mutter war auf kurze Zeit fortgegangen; während dieser Zeit war der Sohn auf den Flur hinausgetreten und hatte sich weit über dos Geländer gebeugt. Hierbei verlor er das Gleich» gewicht und stürzte kopfüber in die Tiefe, wo er schwerverletzt bewußtlos liegen blieb. In demselben Augenblick kehrte die Mutter zurück, der Anblick ihres schwerverletzten Kindes verur- sachte ihr einen Ohnmachtsanfall, so daß sie sowohl wie ihr Kind von Hausbewohnern in die Wohnung getragen werden mußte. Selbstmord. Eine entsetzliche Ueberraschung wurde am Sonnabend Nachmittag der aus dem Gesundbrunnen wohnen den Frau des Bauarbeiters H. zu Theil. Der Mann war auf einem Neubau des Weddings in Arbeit, woselbst ihm Frau H. das Mittagessen hinzutragen pflegte. Dies geschah auch vor- gestern, doch fiel es ihr auf, daß ihr Gatte nicht, wie dies sonst der Fall, sie an der Thür des Neubaues erwartete. Die übrigen Kollegen des H. hatten denselben gleichfalls schon einige Zeit vermißt und man fürchtete, daß ihm ein Unglück zugestoßen sei. Deshalb begann man nach H. zu suchen und als die Frau des H. sich in Begleitung anderer Arbeiter nach dem Hinter- gebäude begaben, fanden sie den unglücklichen Mann in einem Winkel der Durchfahrt erhängt vor. Bewußtlos und mit gellendem Aufschrei stürzte die Frau des Selbstmörders zu Boden und ein sofort herbeigeholter Arzt mußte die Bedauerns� werthe, bei welcher ein hitziges Fieber auszubrechen drohte, mittelst Droschke in ihre Wohnung überführen lassen, während der Selbstmörder, der die traurige That in einem Anfall von Geistesstörung ausgeführt, nach dem Leichenschauhause geschafft wurde. Kei einem schweren Diebstnbt ist von dem Diebe ein Schlüssel mit daran befindlicher Mcssingmarke zurückgelassen worden und sind auf letzterer folgende Buchstaben und Zahlen eingeschlagen: oben zunächst römischesA und IV.", darunter -.1- Lt." und unter dieser die Zahl.68" in arabischen Ziffern. Ohne Zweifel rührt der Schlüssel aus einer großen Fabrik oder einer Anstalt, Kranken-, Siechcnhaus oder Gefängnrß her und ließe sich vielleicht eine Spur des unbekannten Diebes ermitteln, wenn sich der Eigen, hümer oder diejenige Anstalt, wo Schlüssel mit solchen Auszetchnungen geführt werden, ausfinden läßt. Der Schlüssel kann be, der Kriminalpolizei, Zimmer 87, in Augenschein genommen werden. GW schrecklicher UnglückvfaU ereignete sich gestern Nachmittag in der Drakestraße im Thiergarten. Der Dach deckergesclle Müller in Schöneberg , Wilmersdorferstr . II wohn- Haft, war in der genannten Straße damit beschäftigt, das Hängegerüst anzubringen, um die Fassade zu streichen. In folge emeS Fehltrittes stürzte er vom dritten Stockwerk auf «inen unten stehenden Bock und blieb mit schweren inneren Verletzungen liegen. Ein herbeigeholter Arzt ordnete die so fortige Ueberführung des schwer Verletzten nach der Klinik in der Ziegelbraße an, wo derselbe hoffnungslos darnrederliegt. GW Nabenrlternpaar. Gegen das in der Auguststraße wohnhafte K.'sche Ehepaar war kürzlich bei der Staatsanwalt fchaft eine Denunziation eingegangen, wonach dasselbe ihr 9jäh riges Pflegekind fortgesetzt, ohne jedwede Veranlassung in bar- barischer Weise mißhandelten, so daß daS Kind infolge der er- uttenen Verletzungen krank geworden sei. Die behördlicherseits angeordnete Untersuchung hat die schweren Beschuldigungen der Denunzianten im vollen Umfange bestätigt. Der mit der körperlichen Untersuchung betraute Arzt Dr. Hirschberg beaut achtete:Das körperlich im Wachsthum zurückgebliebene Mäd chm ist am ganzen Körper mit Striemen und Beulm bedeckt und deuten die Verletzungen unzweifelhaft auf Mißhandlungen durch Stoß beziehungswerse Schlag mittelst gefährlicher Werk« zeuge, als Knüttel, Feuerzange, Stiefelabsatz:c. hin. Die Lungenflügel find durch Mißhandlungen stark laidirt u. s. w Das Kini

Kind ist natürlich sofort anderwärts in Pflge gegeben

irden, gegen das Musier-Pflegeelternpaar aber ist das strafgerichtliche Verfahren wegen schwerer Körperverletzung im Gange. De» Schauplatz«ine» schreckliche« Unglück» war am Freitag eine vor dem Schlesischen Thore gelegene Villa. An dem eisernen Gitter, welches den Vorgarten vom Straßen- land abschließt, vergnügte sich eine Anzahl Knaben. Plötzlich stieß der zehnjährige Alfred K. einen markerschütternden Schrei aus. Er war beim Klettern auf eine Spitze des Zaunes ge- rathen und diese hatte sich tief in den After eingebohrt, so den Knaben förmlich aufspießend. Als die Spielgenossm ihren Kameraden in dieser entsetzlichen Lage sahen, liefm sie davon und überließen den Verunglückten seinem Schicksal. Der Führer eines des Weges daherkommenden SchlächterwagenS bemerkte den K. und befreite ihn aus der fchreckiichen Situation. Man brachte den Knaben, welcher das Bewußtsein verloren hatte, nach der am Görlitzer Bahnhof belegenen Sanitätswache, von wo aus die sofortige Ueberführung des tödtlich verletzten K. auf Anordnung des Arztes nach dem Krankenhause Bethanien erfolgte. Außer der schweren innerlichen Verletzung hat der Knabe noch einen Bruch des linken Fußes davongetragen, der zwischen den Eisenstäben fest eingeklemmt war und den er bei seinen anfänglich selbst unternommenen verzweifelten An« strengungen, sich selbst zu befreien, gebrochen hatte. Kei einem weg«» Diebstahl» a« Reisegepäck auf den Bahnhöfen festgenommenen Manne find folgende, un« zweifelhaft auS Diebstählen herrührende Gegenstände beschlag- nahmt worden: 23 Paar neue verschiedenfarbige Glace- und wildlederne Handschuhe, 13 Shlipse, ein Paar mit brauner, gelber, blauer und weißer Seide gestickte Hosenträger, 4 Kachenez, 7 Paar Strümpfe, ein rothwollenes Unterhemd und dito Hofe, 3 neue rothe Taschentücher, 3 gelbe Taschentücher, gez. Vf. w., 3 bunte Taschentücher, gez. Monogramm IX C., 20 weiße Taschentücher, gez.«. G. K., J. M., W. W., c. O. A. D., B. F., W. S., J. St. u. M. ein Kameelgarnchemisett mit Bunt- druckstickerei, ein Oberhemd, gez. F. Friscd, Kopenhagen , ein Porzellanbecher, auf diesem das Gebäude der Kopenhagener Ausstellung 18L8 eingebrannt, eine N-cessairtafche mit In- fchriftDiamond Dust Clrcular Site 56 Inch.", ein Stempel: L. Matuciek, Sosnewise, Elim." Andachtsbuch für Reifende, Briefpapier und Gratulationskarten in dänischer Sprache u. a. m. Diese Gegenstände können Vormittags zwischen S und I Uhr bei der Kriminalpolizei, Zimmer 83, in Augenschein genommen werden. Eine u«gehe«re Slrandalszene, durch welche der Ver« kehr auf einige Zeit unterbrochen wr-rde, ist am Freitag Abend in der Königstraße vor deriGumpert'schen Konditorei durch die Verhaftung dreier Taschtndiebe verursacht worden. Gegen 9 Uhr stand nämlich vor dem Schaufenster des Konditors eine junge Dame, zu welcher sich alsbald drei junge Leute gesellten, von denen je einer an je eine Seite der Dame, der Dritte hinter dieselbe trat. Die übrigens gut gekleideten Männer ver- suchten mit der Dame eine Unterhaltung abzubahnen, kaum war dies geschehen, so fühlte die Dame, daß der hinter ihr stehende Herr sich an ihren Kleidern zu thun machte. Nichts Gutes ahnend griff sie schnell in die Kleidertasche nach ihrem Portemonnaie dasselbe war fort. Der hinter ihr Stehende halte ihr mit einer Scheere die Klcidertasche aufgeschnitten und das Portemonnaie entwendet. Die Bestohlene schlug sofort Lärm, die in der belebten Gegend zahlreich verkehrenden Passanten kamen heran und intervenirten sofort zu Gunsten der Dame, die drei Männer fingen an auf das Publikum ein« zuschlagen, um sich einm Weg zu bahnen und auch als ein Schutzmann herbeikam, der den als Thäter Bezeichneten fest- nahm, versuchten die beiden Anderen, indem sie auf den Schutz- mann einHieben, den Dritten zu befreien. Unterdeß hatte man noch zwei Schutzleute Herbeigeholt, als diese anlangten, war die Gegend der Straße schwarz von Menschen, so daß sie Roth hatten, sich durchzuarbeiten. Endlich gelang es ihnen, jeder von den Beamten nahm einen der jungen Leute fest und nun ging der Zug auf die Wache in der Klosterstraße. Hier wurden bei den Verhafteten bei einer sofort vorgenommenen V sitation eine Menge Portemonnaies, auch das der jungen Dame, sowie die Scheere, womit der eine Dieb die Kleidertasche der Bestohlenen aufgeschnitten hatte, vorgefunden. Die drei frechen Taschen- dieoe wurden in Haft behalten. Selbstmordversuch. Der Grünkramhändler Kunze in der Altonaerstraße in Alt-Moabit, seit Jahren an einem vor- geschrittenen Krebsleiden krankend, das ihn nach Ausspruch der Aerzte sehr bald seiner Auflösung entgegen geführt haben würde, versuchte sich gestern Morgen gegen 10 Uhr daS Leben zu nehmen, als er um diese Zeit zufällig unbewacht war. Die sofort ange- stellten Wiederbelebungsversuche hatten Erfolg, der Zustand des Unglücklichen ist aber trotzdem hoffnungslos. Stnez vo« der Zelter. Ein bedauerlicher Unfall trug sich gestern Vormittag kurz vor 12 Uhr in dem in der Prenzlauer Allee belegenen städtischen Siechenhause zu. In der zu dem Institut gehörigen Leichenschauhalle war ein Malermeister P. damit beschäftigt, die Deckenverzierungen fertig zu stellen, und hatte zu diesem Zweck eine hohe Leiter bestiegen. Durch eigene Fahrlässigkeit glitt er mit derselben aus und stürzte auf den Fußboden, wobei er sich einen komplizirten Bruch des linken Unterschenkels zuzog. Hilfe war schnell zur Stelle: P- wurde, nachdem man ihm einen Nothverband angelegt, auf seinen Wunsch nach einer Privaiklinik überführt. Gi«e faUe«de Hauottzün hat Sonntag Nachmittag um 3 Uhr einen 3jährigen Knaben schwer verletzt. In dem Hause Prenzlauerstr. 6 findet ein Umbau statt und so war auch u. A. die Hausthür aus den Anßeln gehoben und an die Mauer ge- lehnt worden. Der 8jähitge Paul S. dessen Eltern in der 3. Etage dieses Hauses wohnen, spielte gestern mit anderen Kindern an dem Hause und kam wohl unversehens der ange- lehnten Thür zu nahe: plötzlich fiel dieselbe um und begrub unter sich auch den kleinen S. Das Geschrei der übrtgen Kinder, welche den Vorfall mit angesehen, lockte alsbald Passan- ten herbei, welche den Verunglückten von der schweren Last be- freiten und ihn nach der elterlichen Wohnung schafften. Ein sofort herbeigeholter Arzt konstattrte einen schioeren komplizirten Bruch des rechten Beines, sowie andere innerliche Verletzungen und ordnete die Ueberführung des Kranken nach dem jüdischen Krankenhause an. Der Dirk«« Kusch erfreute sich auch in der verflossenen Woche des regsten Besuches, mehrmals war das Haus voll- ständig ausverkauft. Am Sonntag Abend war es wieder in erster Linie der Direktor Busch, der für die vorzügliche Dressur der Pferde den lebhaftesten Beifall erntete. Solcher Beifall wmd aber auch anderen Gliedern des Zirkus in reichstem Maße zu Theil und die Vorführungen des Kameels und des Zebra, sowie die Leistungen der KlownS wurden mit Jubel aufgenommen. Der großartige Parforce-Reiter Deviane trat zum ersten Mal auf, und zwar mit bedeutendem Erfolg. Der Direktor Busch hat, wie wir hören, noch weitereneue Kräfte" engagirt, die an den nächsten Abenden austreten sollen und die Anziehungskraft dieses Zirkus noch vermehren dürften. Polizeibericht. Am 11. d. M. Vormittags stürzte der Zimmergeselle Gaucert von seinem mit Breitem beladenen Wagen auf das Pflaster herab und erlitt dadurch eine Gehirn- erschüiterung, an deren Folgen er bereits am 12. d. M. ver- starb. In der Nacht zum 12. d.M. wurde beim Ausräumen des KlosetS auf dem Bahnhofe Stralau- RummelSbura die Leiche eines neugeborenen Kindes aufgefunden und nach dem Schauhause geschafft. Am 12. d. MtS. Vonnittaa« fiel eck Schlächtermeister, als er von einem in voller Fahrt befindlichen Pferdebahnwagen sprang, zur Erde und erlitt eine schwere Verletzung des rechtm Knies, so daß er mittelst Droschke nach seiner Wohnung gebrecht werden mußte. Nachmittags stürzte ' der Kutscher Eter von seinem Arbeitswagen, gerielh unter die

Räder und erlitt schwere Verletzurgcn am Kopf, Leib und en beiden Beinen. Er wurde mittelst Droschke nach dem Lazarus- Krankenhause gebracht. Am 13. d. M. Nachmittags fand vor dem Hause Arkonaplatz Nr. 3 zwischen mehreren Personen eme Schlägerei statt, wobei der Sattler KühnS von dem Arbeiter Riedel durch einen Messerstich in die rechte Schulter anscheinend schwer verletzt wurde. Riedel wurde verhaftet. Zu derselben Zeit wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Steinmetz- straße erhängt vorgefunden. Der Selbstmord scheint in einem Anfall von Äetsteestörung begangen worden zu sein. Eben- falls zu derselben Zeit sprang eine Kellnerin, in der Abficht sich das Leben zu nehmen, an der Kottbuferbrücke in den Land- wehrkanal, wurde jedoch von vorübergehenden Personen noch lebend aus dem Wasser gezogen und nach der Charitee ge« bracht. Am 12. und 13. d. M. fanden an sieben ver- schiedenen Orten kleinere Brände statt, welche von der Feuer- wehr gelöscht wurden.

Thecrker. M allner- Theater. Am Sonntag Abend hat der Direktor des Wallner- Theaters einm so glücklichen Griff gethan, daß er auf Wochen, ja vielleicht Monate hinaus der Repertoiresoraen mthobm ist. Allerdings ist derDompfaff", so heißt das Stück, keckes von denm, zu welchm sichein anständig-S Mädchen erst Manns­kleider anziehm muß, wenn es an die Lektüre desselben geht", wie Fräulein Schramm von einen anderen Erzeugniß der Literatur in dem Stück behauptete, sondern es war eine frische, fröhliche Posse, über die man lachen kann, wenn man überhaupt noch dazu im Stande ist. Ter Kern der Handlung ist die VogelliebHabem eines alten Herrn; um die Sorge nach dem entkommenen Dom- pfaffen rankt sich die nothwendige Liebesaffäre. Die Verfasser haben es verstanden, ein lustiges Quodlibet aus allerlei tollen Einfällm, witzigm Kouplets und heiteren Scherzen herzustellen, mit welchen Sie das animirte Publikum drei Stunden lang in der besten Laune erhielten. Gespielt w«de ganz vorzüglich. Wahre Lachstünne mt- fesselte Fräulein Schramm als Dienstmädchen mit zwei Bräuii- gams. Ganz vorzüglich waren ferner die Herren Gimnig, Meister, Alexander, Müller und Büller. Auch die Damenrollnr waren gut besetzt.

(Hevirhks-'Fleitung.

Eine«««e Schwurgerichtsperiode des Landgericht« I unter dem Vorfitze des Landgerichtsralhs Hedemann be- gann gestern mit der Verhandlung einer Anklage wegen ge» meinschaftlichen Straßenraubes gegen die Kutscher Peter Schulz und Gustav Mälicke. Noch ein dritter, namens Blasse, soll bei der That betheiligt gewesen sein, derselbe b- fand sich zu jener Zeit aber auf Urlaub und wird, da er in- zwischen wieder eingezogen ist, vom Militärgericht abgeurtherlt werden. Am Abende des 2. Mai befanden sich die drei gr- nannten Personen in einer Schänke am Humboldthafen, wo sich der Tischler Müller noch zu ihnen gesellte. Die Ange- klagten bemerktm, daß derselbe im Besitze einer silbernen Taschmuhr war und beschlossen, ihm dieselbe durch List oder Gewalt abzunehmen. Dies gelang ihnen auch leicht, nachdem sie ihr Opfer betrunken gemacht hatten. Sie verfchlepp'en ihn nach dem Humboldthain und hier mußte Müller wohl Verdacht geschöpft haben, daß etwas gegen ihn geplant sei, denn plötzlich sing er an, davonzulaufen. Es ist ihm nicht mehr erinnerlich, ob er von feinen Verfolgem zu Boden gestoßen oder durch Stolpern zu Falle gekommen ist, er weiß aber trotz sciner Trunkenheit mit aller Bestimmtheit, daß im nächsten Augen. blick einer der Angeklagten ihm die Arme und ein zweiter du Beine festhielt, worauf der Dritte ihm die Taschenuhr raubte Nachdem der Thatbestand durch die Beweisaufnahme wie vor- stehend festgestellt worden, bejahten die Geschworenen die Schuldsiage, billigten den Angeklagten aber mildernde Um- stände zu. Das Erkenntniß des Gerichtshofes lautete gegen Schul, auf ein Jahr, gegen Mältcke auf zwei Jahre acht Monate Gefängniß und entckrechenden Ehrverlust. Der Kvchbwder Kerr Joseph Janijzewski, der am 30. September cr. nach verbüßter Strafe au, dem Gefängrvß am Plötzenfee entlassen worden ist und der in Berlin Wohnung genommen, hat jetzt eine Verfügung des Polizeipräsidenten vom 11. d. M. erhalten, nach welcher ihm das Recht zum Aufenthalt in Berlm und Charlottenburg genommen ist und nach welcher er auf- gefordert wird, Berlin binnen acht Tagen zu ver- lassen. Für den Fall der Weigerung resp. seines Antrcffeng in den genannten Orten ist ihm eine Exekutivstrafe von 100 Mark oder 10 Tagen Haft angedroht worden Die Aus- weisungs-Ordr« stützt sich auf§ 2 Nr. 2 des Gesitz-s vom 31. Dezember 1842 und 8 2 des FreizügizkeitSzesetzeS vom 1. November 1867, nach welchen Gcfftzen b e- straften Leuten der Aufenthalt an gewissen Orten untersagt werden darf. Der Betroffene, welcher bis- her nur wegen Vergehens gegen das Sozialisten- gesetz und wegen Geheimbündelei bestraft ist, hat seinen Wr- theidiger, Rechtsanwalt Dr. Fla tau, beauftragt, gegen die polizeiliche Verfügung sowie gegen die Strafandrohung die zv- lässigen Rechtsmittel zunächst Beschwerde bei dem Ober- Präsidenten, event. gegen dessen ablehnenden Bescheid Klage bei dem Oberverwaltungsgericht zu ergreifen. In der Polizei- Verfügung ist z. B. übrigens darauf aufmerksam gemacht, daß er, falls er sich in den benachbarten Orten der Kreise Teltow und Niederbarnim niederlassen sollte, seine Ausweisung auch dort zu gewärtigen habe.- In seiner Anzeigcsache gegen den früheren Krimckalschutzmann Jhring-Mahlow, in wel­cher, wie seiner Zeit berichtet wurde, eine große Anzahl Zeugen gerichtlich vernommen worden find, hat das Oberlandesgericht zu Posen Beschluß noch nicht gesißt. AI » ei«* bedenkliche Gefährdung de»Religio«»- friede«»" wurden gestern vor der ersten Strafkammer hiesigen Landgerichts I zwei Artikel derGermania " gekennzeichnet, wegen deren der verantwortliche Redakteur Johannes von KarkowSky angeklagt war. Von katholischer Seite war seiner Zeit für Errichtung einer katholischen Schute in Reinicken- dorf agitirt und die Roihwendigkeit durch eine Liste von ziika 52 in Reinickendorf ansässigen katholischen Schulkindern nach- zuweisen versucht worden. Der Pfarrer Schelk zu Rosen- thal ist Lokal- Schulinspektor von �Reinickendorf und hat als solcher die betreffende Liste zur Prüfung dem Gemeinde- vorstand überwiesen. Nachdem dwch diese Prüfung die Zahl der in der Liste aufgeführten Schüler auf etwa 32 ei- mäßigt worden war, hat Pfarrer Schelk die Nothwendigk.it zur Errichtung einer katholischen Schule nicht anzuerkennen vr- mocht, der Regierung gegenüber vielmehr den Standpunkt ver- treten, daß dem zweifellosen Anrecht der katholischen Kinder auf Unterwessung in ihrer Religion durch Anstellung eines katholischen Lehrers genügt werden könne. Auf diese Vorgänge bezogen sich zwei Artikel in Nr. 4 und Nr. 13 derGermania " vom Januar dieses Jahres. Es wurde darin behaup ct. daß in Reinickendorf die katholischen Kinder durch den Hauptlehrer Piegsa durch Züchtigung und andere Schulstraf.u gezwungen würden, an dem protestantischen Religionsuntenichr Theil zu nehmen und daß der Lokalschulinspcktor die Errich- tung emer katholischen Schule hintertreibe, indem er willkürlich aus der qu. Liste einige Ramm katholischer Schüler herauSge-