Ur. 73.
Donnerstag, den 27. März 1890.
7. Jahrg.
Das Berliner Volksblatt"
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der Maschine in derselben" rollte diejenige Frage auf, sammlung auseinander, bemerkenswerthe Vorkommnisse aus welche einst für die politische und ökonomische Gestaltung dem maschinellen Betrieb der Landwirthschaft ebenso Deutschlands bei der Ausdehnung unseres Ackerbaues entschei- wie neue Anregungen anf diesem Gebiet dem Bureau der dender werden dürfte, als mancher jetzt glaubt. Der agrarische Deutschen Landwirthschafts- Gesellschaft fortlaufend mitzuRedner führte ungefähr Folgendes aus: Der Mangel an theilen, damit dieses seine Erfahrungen für den ganzen landwirthschaftlichen Arbeitern, der von Jahr zu Jahr Stand fruchtbar mache. wachse, dränge mit Nothwendigkeit zu einer ausgedehnteren So weit die Verhandlungen der landwirthschaftlichen Anwendung der Maschine, als sie bisher bei uns gegenüber Körperschaft, die ein grelles Licht auf die soziale Zukunft anderen Ländern, namentlich England, üblich gewesen sei. unserer Landwirthschaft werfen. Es ist ganz sicher: eine Mangel an den nöthigen mechanischen Kenntnissen in land- rasche Entwickelung des Maschinenbetriebes auch in der wirthschaftlichen Kreisen und die Lückenhaftigkeit der be- Landwirthschaft ist unausbleiblich. Man weiß es ja aus züglichen Literatur trage u. a. an dem Zurückgebliebenſein der Berechnung von Brock, daß die Produktivität des der deutschen Landwirthschaft in maschineller Beziehung Bodens in Großbritannien mit seinem maschinellen GroßSchuld. In Zukunft müsse dies anders werden. Wenn betrieb doppelt so groß ist, als in Deutschland , daß dort man eine Maschine genau kenne und dieselbe sei zweckent- der Acre im Durchschnitt 35, hier nur 18 Bushel Weizen sprechend konstruirt, dann werde der Nutzen derselben auch trägt. Es liegt also im Interesse der gesammten Voltsnicht ausbleiben. Redner besprach nun eine Reihe land- wirthschaft, auch die Landwirthschaft auf die Höhe der wirthschaftlicher Maschinen, ihre Vortheile und Nachtheile, modernen Technik zu bringen, wie denn der letzte Stipendiat, erörterte die Kosten derselben und betonte zum Schluß den das deutsche Reich kürzlich zur Erforschung der übereinen außerordentlich wichtigen Punkt. Wenn man nämlich seeischen Getreidekonkurrenz ausgesandt hatte, mit der alten berücksichtige, daß zu dem Mangel an landwirthschaftlichen Weisheit zurückgekehrt ist, daß der Kampf zwischen Arbeitern naturgemäß auch eine Steigerung der Löhne europäischer und transatlantischer Landwirthschaft
tommen müſſe und kommen werde, so leuchte doch ein, sich wesentlich abspielen werde auf dem Gebiete der Be
daß die Landwirthe der Verwendung von Maschinen, sie triebstechnik. Das war seit Langem Jedem klar, der möchten wollen oder nicht, nähertreten müßten. weiß, daß man in Ungarn auf den Riesengütern der
Das leuchtete den anwesenden Landwirthen allerdings Magnaten den Kartoffel- und Heuertrag geradezu perein. Denn in der Debatte wurde behauptet, daß man doppelte durch Anwendung des Dampfflugs, der einen schon jetzt in Deutschland viel zu viel Personal in land- Morgen zwölf Zoll tief in viel fürzerer Zeit, als der wirthschaftlichen Betrieben brauche. Hierin können mancherlei Handpflüger, und vor Allem viel billiger, nach Angaben Ersparnisse gemacht werden. In Amerika sei der praktische aus dem Herzogthum Braunschweig für 12 Mark, umLandwirth bei der Konstruktion bezw. Erfindung land- pflügt. Die Ausbeute beim Meiereibetrieb ist durch die wirthschaftlicher Maschinen in großem Maßstabe betheiligt. Bentrifugalmaschinen und die Handseparatoren von Laval Der HolzverDie Bukunft der Land- Infolge dessen erwiesen sich die letzteren meist sehr ge- um 10 bis 15 Prozent gesteigert worden. eignet für den Betrieb; namentlich sind sie stets den betrieb ist revolutionirt durch die Einführung der mechawirthschaft in Deutsch - sonderen Verhältnissen des Bodens u. f. w. angepaßt. nischen Gatterſägen. Man hat berechnet, daß der mittlere Auch die landwirthschaftlichen Arbeiter zeigten ein leb- Fichtenstamm im Handbetrieb 6,30 Mr. Arbeitslohn für land. haftes Interesse für die Maschinen, sännen selbst auf Ver- Bersägen kostet, beim Maschinenbetrieb dagegen 90 Pf. Während in der letzten Woche des Monat Februar besserungen u. s. w. Bei uns würde man die Sorge für Die Cardon'sche Schwingmaschine erzeugt eine 25 Prozent der Wahlkampf tobte, waren in Berlin die Agrarier zu- die Maschinen, die Anbringung von Verbesserungen, wie größere Menge von Flachsfasern, als die frühere Handfammen, um ihre übliche Jahresversammlung abzuhalten. auch sonst in den übrigen Zweigen der Landwirthschaft, arbeit; sie verlangt aber außerdem bedeutend weniger und Die Begehrlichkeit dieser Herren ist bekannt und wir wollen der Initiative des betreffenden Besitzers überlassen. Auch fast ganz ungeschulte Arbeitskräfte. Kein Wunder, daß uns mit dem abfälligen Urtheile über die Branntwein- nach dieser Seite hin müsse mehr geschehen. Besonders nach der letzten preußischen Dampfkesselstatistik die landsteuer und dem Groll, der gegen eine rationelle Reform wurde auf die amerikanischen Mähmaschinen hingewiesen. wirthschaftlichen Provinzen Sachsen und Schlesien mit der direkten Besteuerung zum Ausdruck kam, nicht be- Bei dem Arbeitermangel, der jetzt bestehe, könnten die Bezug auf die Anwendung der beweglichen Dampfschäftigen. Wohl aber lohnt es, die interessanten Aus- Landwirthe nur zu leicht in die Lage kommen, daß ihnen, maschinen sogar die industriell am höchsten entwickelte fichten, welche in der deutschen landwirthschaftlichen Gesell- wenn die Ernte vor der Thür stehe und das Mähen er- Rheinprovinz übertreffen. Dieser kleine Ausflug auf das fchaft über die 8ukunft der deutschen Land- folgen müsse, die Arbeiter streiften. Dann sei es gut, Gebiet der landwirthschaftlichen Maschinentechnik war wirthschaft in technischer, wirthschaftlicher und sozialer gerüstet zu sein. Kurz und gut: man war allerseits über nothwendig, um uns zum Bewußtsein zu bringen, wie Hinsicht eröffnet wurden, zu betrachten. die große Zukunft des maschinellen, händesparenden Be- tiefgreifend die Veränderungen sein dürften, die hier beDer Vortrag eines Rittergutsbesitzers über den Ar- triebs auch für die deutsche Landwirthschaft einig, und vorstehen, und um die sozialen Folgen ganz überschauen beitermangel in der Landwirthschaft und die Verwendung ging mit der Aufforderung an die Theilnehmer der Ver- zu können, welche unvermeidlich sein werden.
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Feuilleton.
Nachdruck verboten.]
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Der Mord auf dem Balle.
Aus dem Leben einer Kreisstadt. Von J. S. Panow.
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Erzählen Sie mir gefälligst den ganzen Vorgang in der genauen Reihenfolge. Wie gelangten Sie auf die Leiter und weshalb mußten Sie dort sein?
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fehlen."
Unter dem Einfluß des mich beherrschenden Gefühls Ich bin zu der Ansicht gekommen, daß ich auf den Bali sah ich Alles in anderem Lichte. Es wird richtiger sein, gehen muß, doch wird dies hauptsächlich von Ihnen abwenn ich sage, daß ich sie mit den Augen sah, mit dem Ver- hängen." stand dachte, mit dem Herzen fühlte. Ich gehörte mir selbst nicht mehr an. Ich war ihr Sklave. Sie begriff dies früher, als ich selbst es bemerkte. Zwei Monate vordem verbreitete sich in der Stadt das Gerücht, daß Fräulein Ruslanow mit Petrowski verlobt sei. Ich erklärte mir einen ich Sie bitte." so raschen Uebergang von einer Braut zur andern durch die gekränkte Eigenliebe Petrowski's. Fräulein Bobrow hat Wort. ihn abgewiesen," dachte ich, und er will ihr zeigen, wie
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" Ich bin bereit, alles zu thun, was Sie mir be-Geben Sie mir das Wort," erwiderte Fräulein. Bobrow, daß Sie unbedingt ausführen werden, um was Ohne eine Minute mich zu bedenken, gab ich mein
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Gut!" sagte Anna Dmitrijemna.„ Ich werde auf wenig ihm an ihr gelegen ist. Dies bestärkte noch mehr dem Balle sein, wissen Sie aber, daß der Auftrag, den ich Ich muß gestehen, daß ich Anna Dmitrijewna bis meine Hoffnung, mit der Zeit der Gatte des Fräuleins Ihnen ertheilen will, sehr gefahrvoll ist. Werden Sie genug zum Verrücktwerden liebte und überhaupt nicht wußte, was Bobrow zu werden. Ruslanows Brief mit der Einladung Muth. dazu besitzen?" ich that. Als ich erfuhr, daß sie Petrowsti's Braut sei, zu dem am 20. Oktober aus Anlaß der Verlobung seiner " Für Sie," sagte ich, bin ich bereit, auch ins war ich in Verzweiflung, und als sie mir dann mittheilte, Tochter stattfindenden Ball erhielt ich drei Tage vor dem Wasser oder nach Sibirien oder in die Zwangsarbeit zu daß sie ihre Verlobung gelöft habe, war mein Entzücken Balle. Ich verbrachte diese Tage fast ausschließlich im Hause gehen." grenzenlos. Einige Tage später verlobte sich Petrowski mit von Bekannten, wo sich Fräulein Bobrow beständig aufhielt. Denken Sie an Ihr Wort und bewahren Sie als Fräulein Ruslanow. Ich hatte mich vollkommen beruhigt; Sie erklärte beständig, daß sie dem Ball nicht beiwohnen Geheimniß, was Sie von mir hören werden. Sie sind der ich hatte Hoffnung, das falte unzugängliche Herz des Fräu- werde, man redete ihr zu, hinzufahren, indem man sie ver- einzige Mensch in der Welt, dem gegenüber ich offenherzig leins Bobrow für mich zu gewinnen. Sie schenkte ihrerseits sicherte, daß ein Ball, auf dem sie nicht zugegen, überhaupt sein werde. Gegen zwölf Uhr Nachts müssen Sie in Rus meinen Bewerbungen mehr Beachtung und ließ mich bereits kein Ball sei, und daß alle Gäste auseinander gehen würden. lanows Garten sein und mir durch das Fenster den Brief hoffen. Ich war im siebenten Himmel, vernachlässigte alle Am 20. Oktober begegnete ich ihr um zwölf Uhr Vormittags übergeben, den Sie von mir erhalten. Sie wissen meine Beschäftigungen und dachte nur an sie. auf dem Boulevard. Sie ging mit zwei Freundinnen spa- das Fenster gegenüber dem durch ein Glasdach erhellten Sie nehmen an, daß sie selbst mit Petrowski ge- ziren, und ich schloß mich ihnen an. Bald vergrößerte sich Zimmer brochen habe, und nicht, daß er seinem gegebenen Wort untreu unsere Gesellschaft noch um drei junge Leute. Wir gingen Aber wie soll ich zu diesem Fenster gelangen? Es geworden war? lange Zeit auf und ab. Als ich neben Fräulein Bobrow ist im zweiten Stock." So erzählten andere Leute; sie selbst aber sagte berging, drängte sie mich, schneller vorwärts zu gehen, und Neben diesem Fenster steht die Feuerleiter." mir, daß die Heirath wegen ihrer Weigerung nicht zn wir beschleunigten unsere Schritte. Als wir uns eine Stande tam. Strecke von den anderen entfernt hatten, sagte sie zu mir Fahren Sie fort! Wissen Sie, daß ich Sie heute besonders erwartete?
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geführt wollen
foll
" Ja, ich weiß. Alles, was Sie wünschen, wird auswerden. Doch wozu diese Geheimthuerei? Was Sie thin?"