Nr. 78.
Mittwoch, den 2. April 1890.
7. Jahrg.
Berliner Volksblatt.
Organ für die Interessen der Arbeiter.
Das Berliner Volksblatt"
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Dies wäre zu allen Zeiten ein mißlicher Zustand Arbeiter stellte, und dies geschah um so mehr, als für eine Partei gewesen, welche die Parole ausgegeben Massingham, der stark zu den Sozialisten hinneigt und hatte:„ Die Massen gegen die Klassen", nach Einführung des er- mit verschiedenen Sozialisten befreundet ist, nach und nach weiterten Stimmrechts aber lag die Unhaltbarkeit auf der der wirkliche Chefredakteur wurde, während O'Connor sich altväterlichen, für das„ gebildete" Bublifum geschriebenen seine Zeit dem Parlament und den Wahlgeschäften Hand. Es mußte Wandel getroffen werden, der sehr mit dem Titel und dem Gehalt begnügte und im übrigen Daily News" mußte ein Kollege an die Seite gestellt widmete. Dem Blatt bekam die entschieden arbeiterfreundwerden, der die kleinen Leute und insbesondere die Ar- liche Haltung durchaus nicht schlecht, die Auflage stieg beiter zu packen verstand. rapide und ließ bald die aller Konkurrenzblätter weit hinter Zu diesem Zwecke wurde vor zwei Jahren, nachdem sich. Andererseits soll auch nicht geleugnet wer die liberale Partei sich von den Schlägen etwas erholt, den, daß der Rückhalt, den sie am Star" fanden, die fie in der 1886er Wahl erlitten, der„ Star", eben die Arbeiter in ihrer Lohn- zc. Bewegung erheblich för falls ein Halfpenny- Blatt), gegründet. Fast die Hälfte derte. Es bildete sich eine Art Gegenseitigkeitsverhältniß der Aktien zeichneten die liberalen Parlamentsmitglieder aus, infolge desselben der" Star" nach und nach eine W. T. Brunner, Sohn eines eingewanderten Schwei - stark sozialistische Färbung erhielt. Wohl mochten manchem zers und Besizer von großen Kaliwerken in Chessire, Führer der Liberalen Bedenken darüber aufsteigen, ob es 1. Holden, ein reicher Industrieller, der zugleich in nicht ein gefährliches Spiel sei, im eigenen Organ eine England und in Frankreich Fabriken besitzt, B. Priestley, Strömung in der Arbeiterbewegung zu unterſtüßen, die Garnfabrikant, und H. Schwann, ein Manchester früher oder später der Partei sehr unbequem werden Kaufmann. Den Vorsitz im Verwaltungsrath über- konnte. Indeß diese Bedenken wurden durch den Hinweis nahm, wie es heißt, als Vertreter des achtzigjährigen auf die vortrefflichen Dienste zurückgedrängt, die der Star" Holden, der Professor Stuart, liberales Parlamentsmit- in der kurzen Zeit seines Bestehens bereits der liberalen glied für einen Londoner Wahlkreis, in dem das Arbeiter Partei geleistet. Während dieselbe bei der 1886er Wahl element sehr stark vertreten ist. Man stellte als Chef- von etwa 60 Parlamentssigen, die London zu vergeben redakteur den Irländer T. P. O'Connor an, einen ge- hat, faum den vierten Theil zu erobern, bezw. zu bewandten Journalisten, und gleichfalls Mitglied des Parla- haupten vermocht hatte, errang sie jetzt in der Hauptstadt ments. Zweiter Redakteur wurde ein junger Landsmann Wahlerfolg über Wahlerfolg. Bei den Nachwahlen zum O'Connor's, Namens Massingham. Während Ersterer die Parlament erzielten ihre Kandidaten entweder größere Minderenglischen Radikalen.große" Politik übernahm, sollte Maffingham die unter- heiten oder nahmen sogar, wie voriges Jahr in Kennington und geordneten Rubriken, die Arbeiterbewegung 2c. übernehmen. neulich in Nord St. Pancras, den Konservativen Size Als Gladstone in der Session 1885/86 seine Home- Anfangs ging auch Alles gut. Herr O'Connor, ge- ab. Bei den Wahlen für den Londoner Schulrath wurde rulvorlage einbrachte, führte dies bekanntlich zu einer wandt und wißig, wie die meisten der Söhne Erins, die bisherige reaktionäre Mehrheit, die im Interesse der Spaltung in der liberalen Partei. Der rechte Flügel, die schlug im" Star" einen ähnlichen Ton an, wie er bisher kirchlichen Schulen die städtischen Volksschulen( Board Whigs", traten aus und bildeten unter Lord Hartington vorzugsweise bei den Yankee's gepflegt wurde, und nannte Schools) möglichst niederzuhalten suchte, erheblich reduzirt, die Gruppe der liberalen Unionisten. Auch einige Radi- das den neuen Journalismus". An die Stelle der und die Wahlen zum Grafschaftsrath ergaben sogar eine fale, voran der ehrgeizige J. Chamberlain, schlossen sich philisterhaften Objektivitätsheuchelei trat ein forzirter überwiegende Mehrheit für die Liberalen. Diese vielverdieser neuen Fraktion an. Eine entsprechende Spaltung Subjektivismus, manchmal ebenso amüsant wie feck, manch- heißende Wendung war natürlich nicht ausschließlich aber vollzog sich in der liberalen Presse, nicht nur rechts- mal aber auch bis zur Albernheit affektivt. Jedenfalls doch im Wesentlichen mit eine Wirkung des Einflusses, liberale, sondern auch einzelne bisher radikale Blätter war die Sache neu, und der" Star" eroberte sich bald dessen der„ Star" sich erfreute. schwenkten in das unionistische Lager ab, darunter das sein Publikum. Da begann die Arbeiterbewegung, die Indeß man spielt nicht ungestraft mit dem Sozialissehr verbreitete Londoner Halfpenny- Blatt Echo". Eine während der großen Geschäftsstille, der Mitte dieses Jahr- mus. Der neue Geist zog auch in die radikalen Klubs Beit lang hatten die Liberalen und Radikalen in London zehnts, gestockt hatte, einen neuen Aufschwung zu nehmen. ein, oder richtiger, die Bestrebungen der Sozialisten, ihm fein Organ zur Verfügung, d. h. kein tägliches Organ, Die Verhandlungen vor der Kommission des Oberhauses dort Einzug zu verschaffen, hatten immer mehr Erfolg. das in der Arbeiterbevölkerung nennenswerthe Verbreitung zur Untersuchung der Mißstände in der Hausindustrie er- So kam es, daß als vor etlichen Monaten die Delegirten hatte. regten die Aufmerksamkeit des Publikums, der Streik der der radikalen Vereine zusammentraten, um ein AktionsZündhölzchen- Arbeiterinnen brach aus. Die Natur der programm für die nächste Zeit auszuarbeiteu, der Antrag, Sache gebot es, daß der" Star" sich auf die Seite der den gesetzlichen Achtstundentag auf dasselbe zu sehen, eine
Der Sozialismus und die
1 Halfpenny= ca. 4½ Pf.
Feuilleton.
Nachdruck verboten.]
Der Mord auf dem Balle.
Aus dem Leben einer Kreisstadt.
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Von J. S. Panow.. ( Fortsetzung und Schluß.).
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Wir werden sie bei uns unterbringen, hier, in unserem Hause. Er ist ein geschickter Mann. Er wird mir bei meinen Arbeiten beistehen, sagte der alte Ruslanow. Wir werden ihn unter Menschen bringen; wir werden einen Mann aus ihm machen.
Einige Minuten nach seiner Ankunft bei Ruslanows füßte Petrowski bereits seiner neuen Braut die Hände; am Abend wußte es die ganze Stadt.
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Dieser Mensch ist ein Glückskind, sagte man von
ihm in der Stadt. Als die zu Bett liegende Anna Dmitrijewna diese Nachricht erhielt, stand sie auf.
Ich werde mich rächen! Wie eine verwundete Löwin wanderte sie in ihrem Bimmer herum. Es schien ihr, als habe Fräulein Ruslanow ihr den Bräutigam aus Ehrgeiz und Koketterie geraubt. Petrowski's Schuld verzehnfachte sich in ihren Augen.
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und auf eine glänzende Partie, die mir bevorstand. Ich suchungsrichter aus der Masse der von der Polizei unter bezwang vor ihm meinen Stolz und er verspottete mich. seiner Anleitung erlangten Angaben den Fall und stellt die Ich werde nicht ungerächt bleiben! Ich werde Petrowski Thatsache in der Art her, wie das Verbrechen begangen nicht durch meinen Bruder fordern lassen... ich werde wurde. mich selbst rächen, und grausam rächen! Er liebt die Ruslanow... Helene wird nicht seine Frau werden!
Wie sie ihren Plan zur Ausführung bringen werde, darüber legte sich Fräulein Bobrow selbst keine Rechnung ab; wenigstens bemühte sie sich, das Nachdenken über die Art der Ausführung ihrer Rache bis zum entscheidenden Augenblicke von sich fern zu halten.
Ich brauche einen Helfer, dachte sie, und sie begann gegen Itschalow die Liebenswürdige zu spielen. tschalow lebte wieder auf.
Er bildete sich ein, daß sie ihn liebe und deshalb Betrowski verabschiedet habe.
Er begann sich zu puzen, sich schön zu machen, und ganze Tage brachte er bei der Familie Bobrow zu Wir wissen, wie die blutige Nache Anna Dmitrijewna's zum Ausbruch tam.
Das war die Vergangenheit der Verbrecher und ihres Opfers, welche zu enthüllen, Kokorin gelungen war.
Nicht alles, was er mir mittheilte, ließ sich in die Form der Untersuchungsakten zwingen. Ich nahm übrigens die entsprechenden Verhöre vor, um die Ermittelungen durch die Untersuchung zu kontroliren.
Sobald dieses Räthsel gelöst ist, theilt der Untersuchungsrichter allen bei dem Prozesse Betheiligten mit, daß die Untersuchung geschlossen ist, und übersendet das ganze Aftenmaterial dem Staatsanwalt oder seinem Stellvertreter. Dasselbe that auch ich.
Infolge eines seltsamen Zusammentreffens wurde die Gerichtsverhandlung für den 2. Juni, das ist für denselben Tag bestimmt, an welchem die Hochzeit Petrowski's und des Fräuleins Bobrow stattfinden sollte.
Fräulein Bobrow befand sich die ganze Zeit im Gefängniß. Der Vater Itschalows hatte sich, nachdem er sich von dem verhältnißmäßig geringen Grade der Schuld desselben überzeugt hatte, bereit erklärt, für ihn Bürgschaft zu leisten.
Die alten Bobrows bestürmten mich ununterbrochen mit Bitten, ihnen eine Zusammenkunft mit ihrer Tochter zu gestatten.
Anna Dmitrijewna kamr nicht in das Empfangszimmer des Gefänguiffes, wo nach dem Gefängniß- Reglement das Wiedersehen der Arrestanten gestattet war. Der Gefängnißdirektor erzählte, daß die Gefangene auf die Aufforderung, sich ins Empfangszimmer zu begeben, feine Antwort gab, und daß sie die ihr gebrachten Speisen kaum berühre.
Wenn der Direktor in ihre Zelle komint, findet er sie Die Untersuchung wurde geschlossen. fast stets in derselben Lage. Sie liegt gewöhnlich regungsIch habe seinetwegen auf alles verzichtet, dachte sie: Ebenso wie der Bildhauer aus der unbestimmten Mar los auf dem Bett, das Geficht der Wand zugekehrt, ohne auf meinen Hochmuth, auf das Verlangen anderen zu gefallen, I mormasse die Statue herausmeißelt, so klärt der Unter- Idem, was um sie herum vorgeht, Beachtung zu widmen.
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