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Mittwoch, den 28. Mai 1890.
7. Jahrg.
Berliner Volksblatt.
Organ für die Interessen der Arbeiter.
Das„ Berliner Volksblatt"
eicheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis fir, Berlin frei Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10 Pf. Poftabonnement 3,30 Mart pro Quartal. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Unter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Desterreich- Ungarn
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Insertionsgebühr
beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersammlungsAnzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beuthstraße 3, sowie von allen Annoncen- Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3-7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt VI. Nr. 4106.
Redaktion: Beuthstraße 2.- Expedition: Beuthffrake 3.
den Achtung vor dem Gesez, die unsere Bourgeoisie be- maschine außer Betrieb gesetzt sei, und erst hierauf erseelt. Es ist fattsam aus den deutschen Fabrikinspektoren- folgte die vorschriftsmäßige Ausfüllung des Zählbogens." dem Gesetz wählerisch, wenn es gilt, sich vor dem Arbeiterschutz zu die Aufsichtsbeamten zu täuschen und Dieselben schützen, und auf eine ganz kleine Dosis Unwahrheit, Lug
Bum Schufze der ingendlichen Arbeiter. berichten bekannt, mit welch' unanſtändigen Mitteln man Die Herren Unternehmer sind, wie man sieht, nicht
1. Mai 1889 ftattgehabte Arbeiterzählung, daß in 974 ihre Arbeitskraft.
Rinder 2520 betrug.
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Die Nothwendigkeit, den Schutz der jugendlichen Ar- ein Schnippchen zu beiter zu erweitern und seine Durchführung zu sichern, wird Herren, die in einen Sittlichkeitskoller hineingerathen, und Trug kommt es ihnen trog ihres Christenthums, das burch die Ergebnisse der letzten sächsischen Fabrit wenn eine hungernde Wittwe ein Stückchen Brot für ihre sie so ostentativ zur Schau tragen, gar nicht an. Aber in dem Aufsichtsbezirke Zwickau z. B. ergab die am tindern ihre Gesundheit, ihr Bischen Jugendfröhlichkeit, der Fabrikinspektion wie des Arbeiterschutzes auf die Sie scheuen sich nicht, dieselben zum Hausindustrie unbedingt nothwendig ist. Denn wie fabrikmäßig betriebenen gewerblichen Anlagen 7986 jugend- Lügen in Bezug auf Altersangabe, darum der Beschäfti- bereits heute die Industriellen sich der Hausindustrie bes liche Arbeiter beschäftigt waren, wobei die Zahl der Arbeiter im Alter von 14 bis 16 Jahren 5466, und die der beiter vor den Augen des Fabrikinspektors, ja es ist vor- man denke nur an die Zustände in der Zigarrengung u. f. w. zu zwingen. Sie verbergen jugendliche Ar- dienen, um ungenirt die Arbeitskräfte ausnügen zu können Die ersteren ergaben gegen das gekommen, daß dieselben vor jenem aus den Fenstern des industrie nach dem Inkrafttreten des bundesräthlichen Borjahr eine Abnahme von 0,98 pCt., die Zahl der Arbeitssaales sich flüchteten oder auf den Aborten einge- Erlasses vom 9. Mai 1888, so wird eine kräftige ReKinder dagegen hat um 113= 4,69 pCt. zugesperrt wurden. form der deutschen Fabrik- Industriezustände allein Die meisten Vergehen dieser Art fanden sich in der diese Massenflucht der Kapitalisten in die Gehege der HeimDer Zwickauer Fabrikinspektor hat nun festgestellt, Textilindustrie, auf deren Betriebe 45,83 pCt. aller Fälle arbeit in noch weit großartigerem Maßstabe herbeiführen. lagen 600 Verstöße gegen die Schutzbestimmungen betreffend Karten, Verzeichnisse u. s. w. betreffend, 8 in 293 der jugendliche Arbeiter beschäftigenden An- kommen. Die Zahl der Erinnerungen, die Arbeitsbücher, Will man also Ernst machen, so muß man auch die Heimbetrug 363. arbeit schützen, muß fie der Aufsicht der Gewerberäthe ugendlicher Arbeiter vorgekommen sind. Er sagt:„ Die Kinder unter 12 Jahren wurden in 6 Anlagen ange- unterstellen und durch wohlüberlegte, sorgsam durchgeBahlen find im Vergleich mit dem Vorjahr gestiegen, troffen, eine zu lange Arbeitszeit für Kinder wurde in arbeitete Reformen die Ueberführung der Hausindustriellen es dürfte dies zunächst darauf zurückzuführen sein, 36 und für jugendliche Arbeiter in 101 Anlagen einige in die geschützte Großindustrie nach und nach anbahnen. daß fämmtliche Anlagen, welche jugendliche Arbeiter be- halten; in 46 Anlagen waren die Pausen zu kurz be-| Bestraft wurden im Zwickauer Aufsichtsbezirk 23 Perhäftigen, wenigstens eine Revision im Laufe des Jahres messen. Nachtarbeit Ar- sonen wegen Beschäftigung von Kindern unter 12 Jahren unterzogen worden sind." wurde in 29 Anlagen konstatirt. In Glashütten, über 6 und der jugendlichen Arbeiter über 10 bezw. 11 Häufigkeit der Revifionen wächst, vermehrt sich auch Walz- und Hammerwerken wurde je 2 mal, in Spinnereien Stunden, 8 wegen Nichtinnehaltung der vorgeschriebenen
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Die Kapitalisten suchen natürlich auf jede Weise vor
widriger Beschäftigung während der Nacht.
die Zahl der ermittelten Sünden gegen die Gewerbeord- 15 mal gegen die diesbezüglichen Ausnahmevorschriften ver- Pausen, 4 wegen nicht erfolgter Anzeige vor Beginn der nung. Nun bedenke man aber, daß es bei den jetzt vor- stoßen. Viele Umstände gab es namentlich in den Stickereien Beschäftigung bei der Ortspolizeibehörde, 3 wegen gesetzhandenen Mitteln bereits eine höchft achtbare Leistung ist, der Amtshauptmannschaft Schwarzenberg. wenn ein Fabrikinspektor ein einziges Mal alle in Frage| Streitig von allen deutschen Bundesstaaten das ausgebildetste stickerei des Bezirkes," erzählt der Zwickauer Gewerberath, ligten so wenig gelesen werden, ist begreiflich. Defters tommenden Betriebe inspizirt. Das ist in Sachsen, das un- der Inspektion sich zu schützen. In einer Maschinen- über Beschäftigung jugendlicher Arbeiter von den Betheiumfaffendste Fabrikinspektorat besitzt, mit Mühe aus- wurde die Wahrnehmung gemacht, daß in dem Erd- waren sie entweder verstaubt oder beschädigt oder in ganz Buführen, anderswo ist es selbst bei dem größten Eifer geschosse des ganz offenkundig als Fabrik her- ungeeigneter Weise angebracht." Ja, wenn es Maschineneinzelner Gewerberäthe einfach ein Ding der Unmöglichkeit. gestellten Hauses 7 Maschinen standen, von welcher 6 an theile wären! Oft genug war anzuordnen, daß die beThin fragen wir: Was bedeutet eine einmalige Revision 6 verschiedene Sticker verpachtet waren. Der Besitzer hatte treffenden Gesezesauszüge tiefer zu hängen" seien. in jage man 300 Arbeitstagen pro Jahr, wenn der Unter- bei Besichtigung der Anlage erklärt, daß er keine Arbeiter Ja, tiefer hängen, das ist das Richtige. Und wir thun nehmer mit beinahe mathematischer Sicherheit darauf rech- besitze und daher auch zur Innehaltung der gesetzlichen dies zur Illustration der sächsischen Plusmacherei. ten tann, daß er in den übrigen 299 Tagen nach Herzens- Bestimmungen über Beschäftigung jugendlicher Arbeiter Fabritinspektor in dieser Zeit ungeschoren läßt, ungeschoren sich dies, der Zählbogen fam leer zurück.
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Hausindustrie thätig sind, ist eine alte Geschichte. Hier
Daß auffällig viel Kinder" unter 12 Jahren in der Es wurde thut baldiger Wandel noth. Interessant ist es, wie die laffen muß? darauf die Ortsbehörde verständigt, daß nach einer Ent- Fabrikanten sich zu irren verstehen zu ihrem Vortheile. febesübertretungen, Kein Sachkundiger glaubt, daß die Summe der Ge- scheidung des königl. sächsischen Oberlandesgerichts vom Es wurde wahrgenommen, daß Unternehmer„ der Ansicht die überhaupt in puncto Kinder- 18. Februar 1889 alle Stickereien, bei denen 4 oder mehr waren, jugendliche Arbeiter, welche früher in Spinnereien usbentung vorkommen, sich decke mit der Ziffer der vom Stickmaschinen in einen gemeinschaftlichen Raume ver beschäftigt und dort nach den Ausnahmebestimmungen auf
Aufsichtsbeamten registrirten Fälle. Thatsächlich einigt sind, als Fabriken angesehen werden.
it die Zahl der betreffenden Vergehen eine weit höhere, und wurde darauf verwiesen, daß nach vorgenannter Entschei konnten, auch in ihren Betrieben 11 Stunden täglich be was in den amtlichen Berichten verzeichnet ist, enthält blos dung es gleichgiltig sei, ob sich alle 4 Maschinen in Beschäftigen zu können." Sehr optimistisch urtheilt übrigens einen Bruchtheil der zahlenmäßig zum Ausdruck kommen- trieb befänden, oder ob die eine oder andere Stick der Zwickauer Fabrikinspektor, wenn er meldet, daß zwar
Feuilleton.
Nachbruct verboten.]
Male:
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Baudu.
Ms Madame Baudu am Abend vor dem Schlafengehen Alles selber machen; Gaujean beharrte bei seinem Eigenihren Gatten über das Ergebniß der Unterredung befragte, sinn und gewährte ihnen noch längere Kredite, ja, er verhatte Baudu wieder seinen Eigensinn gefunden und war ent- sprach sogar, neue Kapitalien für sie zu finden. Allein Roschlossen, bis zu Ende zu gehen. Er erging sich in Lobeserhebungen bineau war vorsichtig und wollte nicht gegen die Anfordeüber Colomban: das sei ein lieber, gesinnungstüchtiger Bursche, rungen der Sparsamkeit und der Ordnung verstoßen. Denicht wie die geschniegelten Stußer da drüben, welche den nise beobachtete seit vierzehn Tagen, daß die Robineau's Käuferinnen den Hof zu machen sich vermessen. sich ihr gegenüber verlegen benahmen und endlich entschloß Aber was ist's mit der Heirath? fragte Madame sie sich ihrerseits, die Sachen in Anregung zu bringen. Sie habe anderwärts einen Platz gefunden, sagte sie. Alle Welt Später, erwiderte der Gatte. Ich will meinen fühlte sich erleichtert. Madame Robineau füßte sie gerührt und schwor, daß sie stets bedauern werde, sie zu verlieren. Sie schwieg eine Weile, dann sagte sie: Dann fragte man sie, wohin sie gehe und als sie erwiderte, Unsere Tochter wird daran sterben. daß sie zu Mouret zurückkehre, wurde Robineau sehr bleich.
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mit gefentiem Haupte da saß, fragte er ihn zum dritten Kindern mein Versprechen halten. Er schwieg wieder, und da der junge Mann noch immer
ichauen:
Du sagst nichts?
Endlich brummte Colomban, ohne ihm in's Gesicht zu|
parten.
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Baudu war erzürnt, aber er hielt an sich. Er selbst wird daran sterben, sagte er sich, wenn man ihn fortwährend
- Sie haben übrigens recht, rief er dann heftig aus. Schwieriger war es, die Nachricht dem alten Bourras Ich habe nichts zu sagen. Sie sind der Herr, Sie quält. Ist es denn seine Schuld? er liebt seine Tochter nichts dafür, wenn das Geschäft nicht besser gehen wolle. schieden. Und sie zitterte, denn sie bewahrte ihm eine leb
find flüger als wir alle. Da Sie es verlangen, werden wir und möchte sein Blut für sie vergießen; aber er kann doch mitzutheilen. Allein Denise mußte sich von ihm verab werfen und ausrufen:" Vater, sezt Euch zur Ruhe, nun eine bessere Juventur zustande bringt. Alle Wetter, Co- diese geräuschvollen Arbeiten im Zuge waren, nicht mehr aus Er hatte gehofft, Colomban werde sich ihm an den Hals Genevieve sollte vernünftig sein und Geduld haben, bis man hafte Dankbarkeit. Bourras kam, seitdem rings um ihn her wollen wir uns plagen. Gebt uns die Butike so wie sie ist. lomban bleibt ja da, Niemand wird ihn ihr stehlen. Scham ergriffen; er flagte sich an, daß er seine Kinder erhalten!" Dann schaute er ihn an und wurde von innerer andere Mal; ein so wohlerzogenes Mädchen!. täuschen hatte wollen. Die alte Rechtlichkeit des Kauf- fie die Eifersuchtsqualen ihrer Tochter errathen, aber sie Das Schlimmste aber war, daß der Architekt, um eine Verrecht, fagte er sich, es giebt im Handel keine Gefühle, nur seltsame weibliche Schüchternheit hinderte sie jedes Mal, mit zins und jenen Abtheilungen herzustellen, welche man in dem mannes erwachte in ihm; dieser vernünftige Bursche hat glaubte, ihrem Manne nichts davon sagen zu sollen. Eine bindung zwischen den bestehenden Abtheilungen des Maga
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dem Zorn heraus. Die Materialwagen verrammelten ihm Es ist unglaublich, wiederholte er ein über das seinen Laden, die Spighacken wühlten in seinen Mauern. Alle Gegenstände in seinem Laden, Regenschirme, Stöcke Madame Baudu sagte nichts mehr. Ohne Zweifel hatte tanzten den ganzen Tag nach dem Takte der Hammerschläge.
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ihm über diese delikate Sache zu sprechen. alten Hotel Duvillard errichtete, auf den Einfall kam, einen Denise wollte wieder beim Glück der Damen" eintreten. unterirdischen Verbindungsgang unterhalb des fleinen Hauses
rebung ein Ende zu machen. Es ist ausgemacht, wir werden Sie hatte begriffen, daß Robineau, obgleich er geneigt war, anlegen zu lassen, welches dazwischen eingefeilt stand. Da -Umarme mich, mein Junge, sagte er, um der Untermuß vor Allem an das Ernste denken. 1 nächsten Jahre wieder von der Heirath sprechen. Man sein Personal zu verringern, nicht den Muth finden werde, das Haus Mouret gehörte und der Vertrag dahin lautete,
fie zu entlassen. Um sich aufrecht zu erhalten, mußten siel daß der Miether genöthigt sei, alle Reparaturarbeiten zu