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schaften ansammeln und der Alkoholgenuß der Arbeiter zunimmt. Die Kleinbetriebe arbeiten allerdings durchschnittlich bis zu dreizehn Stunden, denn sie können ihre Arbeiter nicht so unterbringen7wie die großen Fabriken, namentlich weun.es sich dabei»nr um vorüber- gehende starke Beschäftigung handelt. Die Bäckereivcrordnung hat nicht das richtige getroffen; eine Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse ist nicht erreicht, und die Bäckergesellen verlangen selbst, daß die Verordnung aufgehoben wird, weil sie die Hoffnung haben, selbst einmal Meister zu werden, und wissen, daß unter solchen Verhältnissen ei» Meister nicht bestehen kann.(Sehr richtig! rechts und bei den Nationalliberalen; Widerspruch bei den Sozial- demokraten.) Die Beschäfttgungsdauer von 36 Stunden kommt in der Müllerei vor; aber es sind dabei so wenig Arbeiter beschäftigt, daß ein großer Mißstand nicht vorliegt. Aber beseitigt werden müßte dieser Mißstand ebenso wie die Mißstände bei der Kon- fektionsarbeit. Die Gewerbe-Ordnung hat den Arbeitsvertrag bis auf zwei Punkte geregelt, darin liegt auch eine Erfüllung der kaiser- lichen Erlaffe; es fehlt nur eineRegelung der Lohnfrage und eine Regelung der Ueberstuuden. Die Ardeiteransschüffe sollten ihre Zu- ftimmung geben zur Ueberarbeit; da haben sie etwa? Befferes zu thuu als die allgemeinen Arbeiterausschüsse, die das Gesetz vorsieht. Da die Gewerkvereine sich überlebt haben, so sollte man obli- gatorische Berufsgenossenschaslen schaffen, um in Gemeinschaft mit den Arbeitgebern wie in de» Knappschaftskassen diese Verhältnisse zu regeln. Alle Prophezeiungen des Professors Brentano bezüglich der Gewerkschaftsbewegung sind längst widerlegt. Den Kongreß der christlich- sozialen Arbeiter hat Herr v. Stumm richtig charakterisirt. Herr Pfarrer Naumann wünschte direkt den Anschluß an die sozial­demokratische Organisation.(Sehr richtig! rechts.) Herr Naumann sollte doch lieber gleich bei den Sozialdemokraten Platz nehmen.(Zu- stimmung rechts.) Abg. v. Stumm(Rp.): Der Abg. Fischer hat hier wieder die Behauptung aufgestellt, ich hätte gesagt, ich wolle nach Berlin reise», um den Kaiser scharf zu machei» gegen die Arbeiter. Nachdem ich die Behauptung hier in öffentlicher Sitzung als Lüge bezeichnet habe, fehlt es mir an einer parlamentarischen Bezeichnung dieses Vor- gehens. Wenn der Abg. Fischer ferner behauptet, es sei mir von irgend einer Stelle zu irgend einer Zeit zugerufen, ich solle die kapitalistische Ausbeutung oder die Vivisektion der arbeitenden Klassen unterlassen, so kann ich nur konstatiren, daß seitens der Stelle, die der Abgeordnete im Auge hat, mir niemals etwas anderes auf diesem Gebiete entgegengebracht ist als die volle Zustimmung zu der Art und Weise, wie ich meine Arbeiter behandle. Wenn der Abgeordnete dann das Recht für sich in Anspruch zu nehmen glaubt, die allerhöchsten Erlasse in seinem Sinne und im Gegensatz zu den Intentionen der Organe des Bundesraths zu inter- preliren, so muß ich das auch als unberechtigt hinstellen. Eine Partei, die die Majestätsbeleidignngen zu ihrem Prinzip erhoben hat, hat am allerwenigsten das Recht dazu, allerhöchste Erlasse nach ihrem Belieben zu interpretiren. Nur der Urheber der Erlaffe und seine offiziellen Organe haben das Recht sie zu interpretiren. wie sie damals gemeint waren. Ich be­haupte auch heute: die Erlaffe sind durch die Beschlüsse des Bundes- raths und des Reichstages thatsächlich ausgesührt.(Widerspruch links.) Ich bestreite in keiner Weise, daß mau über das, was in den Erlaffen steht, auf grund sehr vieler anderer Erwägungen noch viel weiter gehen kann; aber ich be- streite ganz entschieden, daß man behaupten kann, daß die Versprechen der allerhöchsten Erlasse nicht erfüllt worden seien. Die Sozialdemokraten wollen jetzt mit einem großen Sprung weit über das hinausgehe», was sie früher gefordert haben; während sie noch 1390 einen zehnstündigen Normalarbeitstag verlangten, der im Jahre 1394 zu einem neunstündigen und 1393 zu einem achtstündige» werde» sollte, kommen sie jetzt auf einmal sofort mit einem Antrage auf Einführung des Achtstundentages. Damals sagten sie selbst, daß ohne internationale Vereinbarung über den Normal» arbeihitag die Konkurrenzfähigkeit unserer Industrie nicht ans» recht zu erhalte» sei. Ueberall wo der Versuch mit dem Achtstundentag gemacht ist, haben sich größtentheils die Arbeiter selbst dagegen ausgesprochen, und nirgends besteht heut gesetzlich der Achtstundentag. Daß überall, wo frei- willig der Achtstundentag eingeführt ist, ausnahmslos ein Erfolg damit erzielt ist, ist ganz falsch. In England ist an sehr vielen Stellen des Experiment gemacht worden, aber man ist davon zurück- gekomnien wegen erheblicher Nachtheile. Und wenn Herr Fischer sagt, tmß überall die Arbeitsleistungen gestiegen sind infolge einer Verkürzung der Arbeitszeit, so weise ich einfach auf die Statistik der Ber «'verwaltu»g hin. woraus Sie ersehen können, daß die Arbeits!nistung von 1390 139S um 11 pCt. heruntergegangen ist. Ich behaupte, daß dieser Antrag gewissermaßen ein ganz er- heblicher Schlag ins Gesicht der Industrie ist, und daß er bewußter- maßen erreicht und erreichen will die Verminderung der Erwerbs- fähigkeit und die Schädigung einer sehr großen Zahl von Arbeitern. Der Akkoiodarbeiter würde bei dem Achtstundentag pro Stunde genau daffelbe uerdienen wie früher, weil er denselben Stücklohn bekäme; feine Ausgaben würde» aber entsprechend steigen, ivenn er zwei Stunde» mehr auf andere Weise verbringen muß. Wenn et diese in der Famile zubrächte, würden seine Ausgaben allerdings nicht steigen. Das ist aber thatsächlich nicht vorauszusehen. Und wenn Herr Hitze meint, man soll« den Arbeiter eine möglichst geringe Stundenzahl be» schäftigen, damit er sich seiner Familie widmen und seine Kinder besser erziehen könne, so liegt nach meinen Erfahrungen eine viel größere Gefahr für das Familienleben und die»indererziehung in dem Vereinswesen und dem Wirthshausbesuch als in der längeren Arbeitszeit.(Lärm bei den Sozialdemokraten.) Nun soll der Arbeiter in der kürzeren Zeit genau dasselbe leisten; das ist bei einer ganzen Menge von Arbeitsthätigkeiten gar nicht möglich. Man sollte lieber die Bestrebungen, den deutschen Arbeiter zu einein größeren Fleischkonsum anzuregen, fördern. Der Achtstundentag wäre geradezu eine Prämie für die starken Arbeiter, die sich mehr anstrengen können, während der schwächere nicht mehr zu leisten im stände wäre. Diese letzt« Arbeitslosen-Etatistik hat bewiesen» daß die Zahl der Arbeitslosen in Deutsch - land fast verschwindend ist gegen andere Staaten, und daß von einer Reserve- Armee keine Rede ist. Man kann sagen, eine Arbeitslosigkeit im großen ganzen«xistirt garnicht. Wenn das richtig ist, wo wollen Sie denn die 20 pCt. Arbeiter mehr hernehmen, die bei einer Verkürzung der Arbeitszeit von 10 auf 8 Stunden nochwendig wären, um daffelbe Arbeits- quantum zu leisten wie bisher? Es würde sogar«in Ärbeitermangel entstehen, namentlich in der Landwirthschaft, unR wollen Sie etwa eine Kuliwirthfchaft? Mit dem, was ich gesagt habe, will ich keineswegs einer vernünftigen Regelung der Arbeitszeit entgegen- treten. Wenn Sie überhaupt einen Normal- Arbeitstag haben wollen, der mehr ist als eine Redensart, so müssen Sie für jeden einzelnen Menschen individualisiren, Sie müssen eine Dynamomaschine haben, welche die Leistungsfähigkeit eines jeden einzelnen feststellt. Mit Ihrem Antrage(zu den Sozialdemokraten) steuern Sie geradezu auf den sozialdemokratischen Staat los.(Ironischer Zuruf: Also in die Hölle!) Mit der Bäckereiverordnung hat der Bundesrath das Pferd am Schwänze aufgezäumt. Die gefährlichsten Betriebe hätte er zuerst heraussuchen müssen, z. B. die Metallschleifereien, die Fabriken mit Quecksilber, die Thomas- Schlackenmühlen. Statt dessen hat er das Bäckereigewerbe heraus- gegriffen, das die Herren mögen sagen, was sie wollen das gesundeste Gewerbe ist.(Oho! links.) An dem Arbeiterschutz habe ich mich gern betheiligt, aber darum handelt es sich hier nicht, sondern um das Recht des Mannes, seine Kraft möglichst zu verwerthen. Ueber den Antrag Hitze ließe sich ja reden. Die Betriebe, die Tag und Nacht und im Feuer arbeiten, können keinen Normal-Arbeitstag haben, oder man müßte sie zwingen, drei statt zwei Schichten zu machen. Herr v. Heyl meinte, Ueberstuuden könnten nur mit Genehmigung des Arbeiterausschusses eingeführt werden; das ist aber schon im Arbeitsvertrag geregelt. Darin ver- pflicktet sich der Arbeiter schon ohne weiteres, Ueberstunden zu machen, wenn es nothwendig ist. Würden diese Ueberstunden snicht eingeführt sein, so wäre der ganze Betrieb unmöglich. Das können Sie doch nicht beabsichtigen. Die Sozialdemokraten würden durch Ihren Antrag eine Knechtschaft herbeiführen, die schlimmer ist als diejenige, die irgend ein Unternehmer den Arbeitern auferlegen kann. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Abg. Schneider(frs. Vp.): Die Arbeiterschutz-Gesetzgebung wird auch von uns vertheidigt. Aber dem Antrage des Zentrums gegen- über möchte doch darauf aufmerksam zu machen sein, daß der Bundes- rath von seinen Vollmachten nicht immer richtige Anwendung gemacht hat, namentlich bezüglich der Bäckereien. Der Antrag des Zentrums ist empfehlenswerther als der der Sozialdemokraten, weil er sich an die bestehenden Verhältnisse anschließt. Das beste Mittel ist die wirkliche Freiheit des Arbeitsverlrages. Deshalb treten wir für die Sicherung des Koalitionsrechts, für die Schaffung von Berufs - vereine ein. Abg. Bindcwald(Reformp.): Ohne Schädigung der In- dustrie wäre der achtstündige Arbeitstag durchzuführen, aber nicht für alle Betriebe, und für das Kleingewerbe ist er undurchführbar bei der Verschiedenheit der Menschen bezüglich ihrer geistigen und körperlichen Anlage. Ich weiß nicht, ob die acht­stündige Arbeitszeit für die Arbeiter einen Nutzen haben würde; die Arbeiter wollen sie nicht überall. Die achtstündige Arbeitszeit wäre nicht möglich ohne eine gesetzliche Regelung der Lohnfrage. Ob es möglich ist, die Lohnfrage gesetzlich zu regeln, das ist eine andere Frage. In gesundheitsschädlichen Betrieben muß die Arbeits- zeit herabgesetzt werden, darin sind ivohl alle Parteien einig. Für die Einführung obligatorischer Äernfsgenossenschaften bin ich auch ebenso wie Herr v. Heyl, der damit im Gegensatz zu den meisten seiner Freunde steht. Nur die Berufsgenossenschafte» des Handwerks können die Arbeitszeit und die Lohn- frage regeln. Dem Antrage des Zentrums stehen wir freundlich gegenüber. Abg. Hitze(Z.) verwahrt sich gegen einzelne Ausführungen des Abg. v. Heyl, der abfällig geurtheilt hätte über Professoren, und weist daraufhin, daß der Vorsitzende des christlichen Bergarbeiter- Vereins Brnst gegen die SleUnngnahme des Pfarrers Naumann protestirt habe. Die Berufung auf die kaiserlichen Erlasse von 1390 macht auf die Arbeiter innner einen großen Eindruck. Herrn von Stumm's Auslegung derselben war eine andere als die des Ministers von Berlepsch, und von einer schon erfolgten Aus- führnng der kaiserlichen Erlasse ist keine Rede. Ein Vertagungsantrag wird angenommen. Persönlich bemerkt Abg. Fischer: Ich habe nicht behauptet, daß der Abg. v. Stumm die Aeußerung gethan hat, er müsse den Kaiser scharf machen, sonder» ich habe nur angeführt, daß es charakteristisch für den Niedergang unserer Zustände sei, daß dem Freiherrn v. Stumm, dessen Namen ich übrigens garnicht genannt habe, eine solche Aeußerung nicht blos zugeschrieben, sondern daß sie auch allgemein geglaubt wurde. Abg. v. Stnmm bemerkt persönlich, daß nach seiner Meinung durch die Berathungen des Staatsraths die kaiserlichen Erlasse zur Ausführung gekommen sind, daß von einem nicht erfüllten Ver- sprechen also keine Rede mehr sei» könne. Schluß bVe Uhr. Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr.(Etat des Reichskanzlers und der Reichskanzlei; Wahlprüfnugen.) Mommunttles. Stadtverordneteu-Bersammlnug. Oeffentliche Sitzung vom Donnerstag, 4. Februar, nachmittags S Uhr. In dem Dankschreiben des Kaisers auf die Gratulationsadresse der Versammlung wird des Beschlusses vom 21. Januar wie folgt erwähnt:... daß die Stadtverordneteu-Versammlung gewillt ist, die Gefühle der Dankbarkeit und Pietät gegen des hochseligen Kaisers Wilhelms des Großen Majestät gelegentlich der bevor- stehenden Nativnalfeier in würdiger Weise zum Ausdruck zu bringen und sich in diesem Streben durch Stimmen der Unzufriedenheit und Verblendung nicht beirren zu lassen." Am 7. Mai 1396 hat die Versammlung einen Antrag des Stadtv. Kleefeld wegen Verbreiterung der König- straße auf der Nordseite zwischen Heilige Geist- und Burgstraße einem Ausschuß überwiesen. Dieser hat innerhalb der seitdem vergangenen nenn Monate fünf Sitzungen abgehalten. Aus den bezüglichen Protokollen ergiebt sich, daß der Kosteuaufwand, der ursprünglich von den Antragstellern selbst auf nur 3 400 000 Mark geschätzt wurde auf 600 000 Mark und schließlich auf l Million Mark veranschlagt ist. Für diesen Preis will ein Konsortium, dieBerlinische Bodengesellschall", die Ausführung der Berbreitung übernehmen. Doch soll sich die Stadt der Gesellschaft gegenüber schon dann binden, wenn die Ge- meindebehörden die Festsetzung der neuen Fluchtlinie für die Nord- feite der Königstraße beschlossen haben. Auf dem Eckgrundstück Königstr. 62 B ist nämlich ein Neubau der vom Kriegsministerium vertretenen StistmigNationaldank für Veteranen" in der Aus- führung begriffen; jener Vorbehalt der Gesellschaft hat also den Zweck, das Risiko von sich auf die Stadt ab- zuwälzen, welches darin liegt, daß die neue Bauflucht von de» betheiligten staatlichen Instanzen nicht akzeptirt wird. Der Ausschuß hat denn auch diesen Punkt der von der Gesellschaft mffgeftellten Bedingungen einstimmig abgelehnt, sich aber mit 6 gegen 3 Stimmen für die übrigen Forderungen auch für die Be- willigung der verlangten Million ausgesprochen. Stadtv. Wallach bittet, den Ausfchußantrag abziilehnen und damit dem Antrag Kleefeld das verdiente ehrenvolle Begräbmß zu gewähren. Herr Kleefeld habe zuerst blos von einem Kosten- aufwand von 180 000 M., acht Tage später freilich von 300 000 M. gesprochen. Im Ausschuß sei daraus eine Miilion geworden. Als Grund habe man lediglich ästhetische Rücksichten angegeben. Eine Million für 127 Quadratmeter bedeute den märchenhasten Preis von 7874 M. für das Quadratmeter. Für solche Millionenscherze sei Berlin nicht reich genug. Versenken Sie die Vorlage möglich einstimmig in den Orkus!(Heiterkeit und Beifall.) Stadtv. Borg man-»: Auch ich bitte um Ablehnung des Ausschußantrages. Es ist geradezu erstaunlich, welches durch- einander die Berhandlrmgen des Ausschusses bieten. Auch die Art der Verhandlung des AuSschnffes mit Gesellschaften entspricht nicht den Gepflogenheiten der Versammlung. Der Antragsteller Kleefeld hat sich fogar mit Agenten solcher Gesellschaften direkt in Verbindung gesetzt, um der Versammlung sein besonderes Interesse für diese Verbreiterung zu beweisen; den Befähigungsnachweis, solche Verhandlungen mit Erfolg zu führen, hat er jedenfalls nicht erbracht. Daß die Versammlung gegen solche Agenten eine» Wider- willen hat, sollte auch ihm aus dem Falle Schneider gelegentlich der Projekte zum Bau eines neuen Ralhhauses doch bekannt sein. Herr Kleefeld hat seinerzeit, als die Frage der Ver- breiterung auf der Nordseite zuerst auftrat, gegen uns für die Verbreiterung der Südseite gestimmt; wie kommt er jetzt dazu, uns ein solches Opfer zuzumuthen? Daß der Hausbesitzerverein der Königstadt für die Sache eintritt, ist nicht zu verwundern; aber zu verwundern ist es, daß diese Herren, welchen in den letzten 25 Jahren die gebratenen Tauben durch die ,auf städtische Kosten durchgeführten Verkehrsverbesserungen nur so in den Mund geflogen sind, sich nicht längst zusammengethan haben, um die Million, die hier gefordert wird, der Stadl als Dank zum Präsent zu machen.(Heiterkeit.) Einer der Grundstücksbesitzer ist der Fiskus; er errichtet an der Heiligengeiststraße ein neues Ge- bände. Ist bei der Ertheilung der Bau-Erlanbniß Rücksicht genommen worden auf die künftige Verbreiterung der Königstraße an der Südseite? Wir sollen hier wieder einmal eine Million für eine Straßenverbreiterung hergebe», welche auch dem Fiskus zu gute kommt, demselben Fiskus, der dann bei der erste» besten Gelegenheit dieselben Straßen beliebig absperrt, damit der Mob zu de» Hof- festlichkeiten keinen Zutritt hat. Ein Bedürfniß für diese Ver- breiterung ist absolut nicht vorhanden.(Lebhafter Beifall.) Stadtv. E s m a n n tritt für den Ausschußantrag ein und meint, daß die Königstraße eben auf beiden Seiten zu schmal ist und daher auf beiden Seiten verbreitert werden müsse. Stadtv. Wohlgemuth bittet driugend, die Vorlage ab- zulehnen. Stadtv. Hugo Sachs sucht unter lebhaftem Widerspruch und vereinzeltem Beifall die Ausschußanträge zu empfehlen. Es komme nicht blos auf ästhetische Gründe an; der Verkehr in der König- straße wachse stetig; die Verbreiterung müsse erfolge», und je später, desto theurer würde sie sein. Die Kurfürstenbrücke sei in ihrer Anlage verfehlt; sie habe leider das Problem, Brücken und Straßen möglichst eng anzulegen, um den Verkehr zu reguliren, glänzend gelöst(Heiterkeit). Es sei nur eine Frage der Zeit, wenn man neue Mittel in den städtischen Etat einstellen müsse zur Verbreiterung der Kurfürstenbrücke.(Allgemeines Erstaunen und stürmische Ohorufe).* Nachdem noch die Stadtvv. K a l i s ch und L a d e w i g unter wachsender Unruhe der Versammlung gegen die Ansschußvorschläge gesprochen, werden letztere abgelehnt. Die Angelegenheit ist damit für jetzt begraben. Die Ablehnung erfolgte in namentlicher Abstimmung mit 30 gegen 21 Stimmen. Mit den vom Magistrat geforderten Neu- und Erweiterungs- bauten auf dem Gaswerk Schmargendorf hat sich der Ans« schuß einverstanden erklärt; erforderlich sind 1 130 000 M. Soweit dies für die rechtzeitige Fertigstellung nothwendig ist, soll mit der Bestellung der nöihigen Materialien und mit der Ausführung sofort begonnen werden. Stadtv. D e t e r will die Angelegenheit a»f ein Jahr vertagen oder doch so lange aussetzen, bis über die Vorlage wegen Baues eines neuen Gasbehälters in der Fichtesiraße Beschluß gesaßt ist. Die Vertagung wird abgelehnt. Referent Stadtv. L i e b e u o w Iheilt mit, daß im letzten Quartal 1896 die Zunahme des G's- konsums gegen das Vorjahr 6,3 pCt., im ganzen Jahre 1896 9.2 pCt. betragen hat. Der Konsum betrug 117 479 000 Kubikmeter gegen 107 602 000 Kubikmeter im Jahre 139S. Mit diese» Zahlen sieht die Ansschußmehrheit die Nothweudigkeit der Vorlage als erwiesen an. Die Minorität hielt den Ausbau von Schmargendorf nicht für so dringlich. Stadtv. Deter bemängelt die unzulängliche Information der Gasdeputation, die sich für die Bauten ausgesprochen habe; auch im Ausschuß sei das Material nicht ergänzt worden. Er bestreitet die Nothweudigkeit der kostspieligen Baute», da sich die vorhandenen Anstalten besser ausnutzen ließen, als bisher geschehen sei. Stadtraih N a m s l a u nimmt die Verwaltung gegen die Vor- würfe des Stadtv. D-ter in Schutz. Die gegebene» Zahlen seien für die Verwaltung maßgebend gewesen. Die Anstalt in Schmargen- dorf sei berechnet auf eine tägliche Gasproduktion von 380 000Kubik- meter. aber erst ausgebaut für 80 000 Kubikmeter. Die geschätzte Zunahme des Gaskonsums von 6 pCr. sei durch die Thatsachen noch übertroffen worden. Die Berechnungen Deters seien nur theoretisch richtig. Die Stadtv. Jacobi und Lüben befürworten die Vorlage, da Verlin auch auf eine genügende Retortenreserve Werth legen müsse. Unter Ablehnung des Antrages Deter wird nach dem Ausschuß- antrage beschlossen.__ r_ Für die Zeit vom I. April 1397 bis zum 31. März 1900 sollen die für die Verpflegung von Waisenkindern zu liquidirenden Einheitssätze neu festgesetzt werden. Der Magistrat schlägt folgende Sätze vor: 1. an Verpflegungskosteu für ein Kind a) für die ülnstalt in Rummelsburg jährlich 897,60 M., täglich 1,66 M.; b) für das Waiseudepot zu Berlin jährlich 338.20 M., täglich 1,07 M.; e) für die Erziehungsanstalt für verwahrloste Mädchen in Kleinbeeren jährlich 943,20 M., täglich 2,62 M.; 2. an Verwaltungskosten wie bisher a) für ein Kind in hiesiger Waisenpflege jährlich 13 M., täglich 8 Pf.; b) für ein Kind in auswärtiger Kostpflege jährlich 28,20 M. täglich 7 Pf. Die Vorlage wird ohne Debatte genehmigt. Schluß 3 Uhr._ Lokales. Tic Vcrtraucuöpersou für den S. Berliner Wahlkreis heißt nicht Meyer, wie irrthümlich berichtet wurde, sondern Max Mager, Kcibelstr. 23. Gegen die 12« 0«0 9». für die Feststraße, welche auf Koste » der kommunalen Steuerzahler zum 22. März hergerichtet werden soll, bringt dieBerliner Zeitung " eine» recht scharf ge- halten«» Artikel. Das sreisimnge Blatt meint: Die Verpflichtung zur Bezahlung des Festschmucks Unter den Linden läge bei dem eigenartigen Gepräge dieser Feier der königlichen Schatulle ob. I» zweiter Linie käme der preußische Staat; die Stadt Berlin als Stadtgemeinde hat mit der Feier doch herzlich wenig zu thun. Der Finanz- minister weiß nicht, wohin mit all' dem vielen Geld, und doch wird die Stadt Berlin ,>vi« bei der Konsistorialordnung, wie jüngst beim Lehrerbesoldinigsgesetze und bei allen möglichen Gelegenheiten ge- schröpft bis zur Erschlaffung, und mit z y n i s ch e m Spotte deuten allerlei Wemente. die es gut verstehen, aus anderer Haut Riemen zu schneiden, auf Berlins finanzielles Können hin, als ob sich das gar nicht erschöpfen und leeren könnte. Diese Herr- schaften hätten ja so recht, wenn wir in der Thal 120 000 Mark hingaben, um bei der Wilhelmsfeier die Stadl gebührend zu schmücke». Rein, die Bewillignng eines solchen Betrages ans der Stadtkasse für diesen Zweck wäre unter keinem Gesichtspunkt zm rechtfertige» nnd deshalb protestire» wir hiermit dagegen." Wir nehmen an, daß sich diese Stellung derBerliner Zeitung " völlig mit den politischen Ansichten ihres Herausgebers, des Herrn Ullstein, deckt. Und da Herr Ullstein Stadlverordneter ist, so erleben wir es wahrscheinlich, daß die Sozialdemokraten im Rothen Hanse nicht mehr allein dastehen, wenn ihnen nächstens wieder die Pflicht erwächst, gegen die Verwendung von Steuergrosche» zu byzantinische» Zwecken zu protestiren. Warum wurde geste»« der Lustgarte» gesperrt? Es klingt zwar unglaublich, aber da mehrere durchaus nicht im Geruch« des Umsturzes stehende Zeitnuge» gleichzeitig die Mitlheilung bringen, so sei die Ursache mitgetheilt. Die Zcitnngsmeldiuig tanlel: Verleihung von Fahnenbändern durch den Kaiser von Rußland . Eine militärische Feierlichkeit findet heule, Donnerstag Nacdmittag um 12V, Uhr im Lustgarten statt. Es werden nämlich in Gegen- wart des Kaisers die neuen Fahnenbänder, welch« Kaiser Nikolansll. von Rußland dem Kaiser Alexander Garde-Greuadierregiment Nr. 1 verliehen hat, in feierlichster Weise dem Regiment übergeben werden. In der vergangenen Nacht gegen 11 Uhr traf der Flügel- adjutant des Zaren, Oberst Nepokoischitzki, in Berlin ein, welcher die vom Kaiser Nikolaus für die preußische» Regimenter, deren Chef er ist, gestifteten Fahnen- und Standartenbänder überbrachte. Nach der heutigen Feierlichkeit wird bei dem Kaiserpaar im königlichen Schlosse eine größere Frühstückstafel stattfinden." Und darum wird der Verkehr im Lnstgartennach Bedarf" für den gesammten Verkehr gesperrt. Selbst dieNational-Ztg." meint zu diesem Falle:Trotz mancher vorausgegangener Er- fahrungen hat es wohl niemanden gegeben, der geglaubt hat. daß aus einem Anlaß, wie die Ueberreichnng von Fahnenbändern der Verkehr wieder in unabsehbarer Weise gestört werden könnte." Der Festzug am 22. März wird nach einer imLokal-Anzeiger" veröffentlichlen Aufstellung von der Truppe des Zirkusdirektors Renz eröffnet und von religiösen Vereinen beschlossen werden. I» den Germania -Sälen, Chansseestraße, die der Arbeiter- schast nicht zur Verfügung stehen, wird am Sonnabend ein Masken-