Nr. 146.

Freitag, den 27. Juni 1890.

7. Jahrg.

Berliner Volksblatt.

Organ für die Interessen der Arbeiter.

Das Berliner Volksblatt"

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erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mart pro Quartal. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Unter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat.

Insertionsgebühr

beträgt für die 5 gefpaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs­Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beuthstraße 3, sowie von allen Annoncen- Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3-7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt VI. Mr. 4106.

Redaktion: Beuthstraße 2.- Expedition: Beuthfkrahje 3.

Abonnements- Einladung.

Für das III. Quartal eröffnen wir ein neues Abonnement auf das Berliner Volksblatt"

nebst dem wöchentlich erscheinenden Sonntagsblatt.

Den tüchtigsten Fabrifinspektor, den die Schweiz be- Anzeige können Bußen bis zur Höhe eines halben Tage effen, Herrn 3 perli, hat sie leider vor einigen lohnes oder sofortige Entlassung ohne Kündigung ein­Wochen durch den Tod verloren. Nüsperli war Mechaniker treten. Mit sofortiger Entlassung oder Ordnungsbuße gewesen, ging als solcher in die Fremde, schloß sich der bis zur Hälfte eines Tagesverdienstes wird bestraft wer Arbeiterbewegung an und saß 1864 auf dem internationalen eine Zuwiderhandlung seiner Mitarbeiter gegen die Fabrik­Kongreß zu London neben Karl Marx und Eccarius ordnung dem Arbeitgeber nicht anzeigt."

im Komitee. Nach der Schweiz zurückgekehrt, assoziirte Es kommt sogar vor, daß solche Vorschriften noch

Der Abonnementspreis beträgt frei ins Haus für das er sich im Kanton Neuenburg mit einem Maschinenfabri- von dem Nachsatz begleitet werden, daß der Anzeiger fanten, welches Verhältniß er jedoch löste, als

wöchentlich 28 Pf. Bei Selbstabholung aus der Expedition,

Beuthstraße 3,

genommen.

Also war hierfür mit seinen praktischen Kenntnissen als Mit derartigen Zumuthungen an die Arbeiterschaft F1 Bestellungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren, gung und seiner nicht unbedeutenden allgemeinen Bildung lichen Gehalt es besitzt, und wie es gewiffenlos genug sowie von der Expedition unseres Blattes, Beuthstr. 3, entgegen wie geschaffen, Fabrikinspektor wäre er aber trotz jener ist, auch die Arbeiterklasse zu demoralisiren und damit zu Wir müssen nachdrücklich darauf verweisen, daß es endlich empfehlenden Eigenschaften und Vorzüge in Deutschland korrumpiren. Ueber die vielen und noch stets sich vermehrenden Preffe emanzipiren. Zu den Gegnern gehören auch die sogen. verstand er es, sich das Vertrauen aller Betheiligten, Unfälle der Arbeiter in den industriellen Betriebsan­an der Zeit ist, daß die Arbeiter Berlins sich von der gegnerischen schwerlich geworden. In seiner amtlichen Thätigkeit unparteiischen oder politisch- farblosen Blätter. Sie gerade gehen der Unternehmer sowohl wie das der Arbeiter, zu erlagen ging die auf langjährige Erfahrung Nüsperli's ge stützte Ansicht dahin, daß eine sehr große Anzahl derselben nur darauf aus, die große Masse in der Unwissenheit zu erhalten, werben. um sie desto ungestörter ausplündern zu können. Großen Werth legte Nüsperli darauf, Alles zu be- herbeigeführt wird durch die übertriebenen Anforderungen seitigen, was die Stellung des Arbeiters gegenüber dem der Unternehmer an die Arbeitsleistung der Ar­Unternehmer zu einer unwürdigen zu gestalten vermochte. beiter, wodurch eine rasche oft fieberhafte Thätigkeit Eine Arbeitsordnung, wie die des Königs Stumm, die die veranlaßt wird; auch wirke dabei die Stückarbeit, haupt­Arbeiter zu Heloten degradirt, wäre für Nüsperli ein sächlich infolge der Reduktion der Arbeitslöhne, mit.

das Fabrikgesetz die Fabrikinspektion eingeführt und er als sein Name geheim gehalten werde. Beamter für dieses Institut engagirt wurde. Nüsperli Spikelzüchterei in aller Form!

1 Mark pro Monat. Mechaniker, mit seinen Erfahrungen in der Arbeiterbewe- zeigt das Unternehmerthum, wie entsetzlich wenig sitt.

Ein aufgeklärter Arbeiter liest nur die Arbeiterpresse! Für außerhalb nehmen sämmtliche. Postanstalten Be­ſtellungen für das Bierteljahr gegen Zahlung von 3 Mark

30 Vf. an.

Redaktion und Expedition des Berliner Volksblatt".

Ein

Attentat auf die Menschenwirbe der Arbeiter gewefen und er Energiſch trat Wisperli in diesem Punkte dem oft den Arbeitern

"

würde im Rahmen seiner Machtbefugnisse Alles aufge- gemachten Vorwurf entgegen, daß sie absichtlich boten haben, um dem für freie Männer unerträglichen Verlegungen herbeiführen, um sich dadurch materielle Zustand ein baldiges Ende zu bereiten. In seinem In Vortheile zu verschaffen. Er sagt: Es ist mir kein Fall spektionsbericht äußert er sich über die Fabrikordnungen bekannt geworden, in welchem eine absichtliche Ver­folgendermaßen: Wenn dem Inspektor dadurch schon lehung auch nicht einmal annähernd hätte nachgewiesen viel Mühe verursacht wird, so ergiebt sich daraus doch werden können." Nüsperli war entschiedener Gegner der Beitrag zum Kapitel der Vortheil, daß die Fabrikordnungen nach sorgfältiger Stückarbeit, wie der Nachtarbeit, worin er schwere Nach. Arbeiterschuh". Prüfung und Korrektur dann selten mehr Anlaß zu theile für die Gesundheit der Arbeiter und des Familien­Bekanntlich wiederholen sich seit dem Bestehen des Meinungsverschiedenheiten und Zwistigkeiten zwischen Arlebens erblickte. Er trat im Uebrigen für die Ver. Er konstatirt Instituts der deutschen Fabrikinspektoren oder beitgebern und ihren Augestellten geben. Die Fabrik kürzung der Arbeitszeit ein. Gewerberäthe bei jedesmaligem Erscheinen ihrer Thätigkeits- ordnungen können den Bedürfnissen der Industrie sowohl bezüglich der Ueberzeitbewilligungen, daß fast immer die berichte die Klagen über die Einseitigkeit dieser Beamten, als auch den Vorschriften der Gesetze besser angepaßt, gleichen Etablissemente Ueberzeit nöthig haben, während welche sie sich dadurch zu Schulden kommen lassen, daß allfällig vorkommende unpraktische und unnütze Bestim- die weitaus größte Zahl der Fabriken ohne solche aus­,, Eine größere Anzahl von sie stets und unter allen Umständen auf Seite der Unter- mungen weggelassen und beleidigende oder das kommen kann. Arbeiters verlegende Etablissementen hat die Normalarbeits­nehmer stehen, bei diesen immer nur Gutes zu finden und Ehr gefühl des zu loben wissen, dagegen auf Seite der Arbeiter alles Härten, durch welche das gute Einvernehmen und das zeit auf 10 Stunden reduzirt. Dieser Ver­fritisiren und nie bei ihnen einen Lichtpunkt finden können. gegenseitige Vertrauen zwischen Unternehmer und Arbeiter such ist namentlich auch in einer der bedeutendsten Uhren­fabriken gemacht worden, wobei es sich ergeben hat, daß Nicht selten werden den deutschen Aufsichtsbeamten die gestört wird, beseitigt werden." Nüsperli war oft in der Lage, in neuen Entwürfen das Etablissement dennoch ganz wohl mit allen anderen Berichte der österreichischen Fabrikinspektion als Muster vorgehalten, was auch bis zu einem gewissen Grade von zu Fabrikordnungen folgende, immer wiederkehrende Be- Fabriken konkurriren kann und fortfährt, zu blühen und den schweizerischen Fabrikinspektoren gesagt werden kann, stimmung zu streichen: wenn schon dabei nicht verhehlt werden soll, daß auch

letztere sich noch bessern dürfen, namentlich bei Ausübung der Inspektion selbst.

Feuilleton.

Nachdruck verboten.]

,, Zum Glüd: der Damen."

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Roman von Emile Zola . Autorisirte Uebersetzung von Armin Schwarz. Dann kam der Tod der Tante. Diese wiederholten Ratastrophen drückten das arme Mädchen zu Boden. Mouret batte sich ihr abermals zur Verfügung gestellt und erklärt, daß er Alles bewilligen wolle, was sie für ihren Dheim und

in

bringen.

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zu gedeihen."

Jeder Arbeiter hat die Pflicht, seinem Meister An- Mit großer Sachkenntniß beleuchtete Nüsperli die zeige zu machen, wenn dieser von einem Mitarbeiter hinter- Arbeitsräume und deckte er die verschiedensten gangen und geschädigt wird. Bei Unterlassung dieser Mängel auf, an denen dieselben leiden, und zeigte er, wie

räumt, er aber blieb hartnäckig in dem Winkel, wo er seine Schlafstätte hatte und aus welchen man ihn aus Mitleid nicht verjagen wollte. Die Arbeiter gingen daran, ihm das Dach über dem Kopfe einzureißen. Man riß die mit Schim­mel überzogenen Siegel heraus, die Plafonds stürzten ein, die Mauera krachten, er aber blieb da unter den alten, nackten Mauern, inmitten dieser Trümmer. Als die Polizei erschien, ging er endlich seines Weges. Aber am folgenden Morgen erschien er wieder auf dem Trottoir gegenüber, nachdem er die Nacht in einem benachbarten Hotel Garni zugebracht hatte.

-

-Wenn sie Euch nur sämmtlich begraben würde! rief Bourras mit wüthender Stimme.

Man vernahm ein fürchterliches Krachen, die entsetzten Arbeiter stoben nach allen Richtungen auseinander. Die Mauer stürzte nieder und riß in ihrem Falle fast die ganze Baracke mit. Als die Staubwolke sich verzogen hatte, fab man kaum mehr eine Planke aufrechtstehen.

Mein Gott! schrie der Greis, als ob der Streich ihm durch alle Glieder gefahren wäre. Bestürzt stand er da, niemals hätte er geglaubt, daß es so rasch ein Ende nehmen würde. Herr Bourras, wiederholte Denise, indem sie den Alten auf die Seite zu führen suchte; Sie wissen, daß man

Sie

nicht verlassen wird. Es wird für Ihre Bedürfnisse werden.

gesorgt

-

Er richtete sich auf.

Ich habe keine Bedürfnisse.... Sie werden von jenen Leuten geschickt, nicht wahr? Nun wohl, sagen Sie Ihnen, daß der Vater Bourras noch arbeiten kann und daß er Arbeit finden wird, wo er will. Wahrhaftig, es wäre gar zu bequem, den Leuten, die man erwürgt hat, hinterher Gnaden zu erweisen. Ich bitte Sic, nehmen Sie doch an, flehte sie weiter. Aber er schüttelte sein Löwenhaupt. Nein, nein, es ist aus, gute Nacht, leben Sie

- Herr Bourras, sagte Denise in sanftem Tone. Er hörte es nicht, seine flammenden Augen schienen ihre übrigen Verwandten wolle. Eines Morgens hatte sie die Arbeiter verzehren zu wollen, deren Spithacken sich in wieder eine solche Unterredung mit ihm, weil sie vernommen die Fassade der alten Baracke versenkten. Durch das offene hatte, daß Bourras auf das Straßenpflaster geworfen Fenster sah man jetzt das Junere, diese elenden Zimmer, wurde, und daß Bandu im Begriffe sei, den Laden zu diese schwarze Treppe, wohin die Sonne seit 200 Jahren schließen. Dann ging fie nach dem Dejenner aus, nicht eindringen fonnte. Ach, Sie sind es, sagte er endlich, als er sie erkannte. der Hoffnung, wenigstens Diesen Trost Bourras stand in der Rue de la Micho- Sie arbeiten rasch, die Diebe, nicht wahr? Sie wagte nicht zu sprechen, im Innersten bewegt durch dire auf dem Straßenpflaster, seinem Hause gegenüber, den traurigen Anblick dieses alten Hauses; sie selbst konnte Es war das ein hübscher Streich, von den Advokaten die Blicke nicht abwenden von diesen schimmeligen Steinen, Mourets ersonnen: Da Mouret mehrere Schulden des Alten die hinabgeworfen wurden. Ganz oben, in einem Winkel an sich gekauft hatte, war es ihm ein Leichtes, den des Zimmerchens, welches sie einst bewohnt hatte, jah sie Parapluihändler in den Konkurs zu treiben und in dem noch in schwarzen unsicheren Buchstaben das Wort Ernestine", den zu bringen; der eigensinnige Alte mußte nun für 500 Frants worden war und sie erinnerte sich der traurigen Tage ihrer und ihre Ideen mit sich zu nehmen. hergeben, was er nicht für 100 000 Frants hatte hergeben Noth, die sie hier verbracht hatte. Die Arbeiter, um mit wollen. Der Architekt, der mit seinen Demolirern erschien, einem Schlage eine Mauer niederzureißen, waren auf die schlich er mühsam fort. Sie blickte ihm eine Weile nach, at. hatte den Polizeikommissär holen müssen, um ihn hinaus Idee gekommen, die Hace unten anzusehen, und die Mauer der Ecke des Gaillonplages bog er ein und verschwand. zuwerfen. Die Waaren wurden verkauft, die Zimmer ge- I wantte.

Thun

Sie mir nicht diesen Kummer at.

nicht die Alten zu gehen

Er warf einen letzten Blick auf den Schutthaufen, dann

Denise stand einen Augenblick da, dann trat sie bei