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Ur. 294.

Mittwoch, den 17. Dezember 1890.

7. Jahrg.

Berliner Volksblatt.

Organ für die Infereffen der Arbeiter.

Das Berliner Volksblatt"

erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags- Nummer mit dem Sonntags- Blatt" 10 Pf. Bostabonnement 3,30 Mart pro Quartal. ( Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Unter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat.

Redaktion: Beuthstraße 2.

Die Redaktion.

Wie Revolutionen gemacht werden.

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Insertionsgebühr

beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs Anzeigen 20 Pf. Inferate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beuthstraße 3, sowie von allen Annoncen- Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3-7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt VI. Nr. 4106.

Expedition: Beuthstraße 3.

Die Expeditionen aller Partei und Gewerkschafts- Pfaffen von Belgien , welche seit zwei Menschenaltern blutige Revolution- wir wollen das einzige gefez­blätter werden dringend ersucht, uns die Zeitungen seit der Revolution" von 1830, die ihnen absolute li che Mittel, um unsere soziale und pos regelmäßig zugehen zu lassen. Freiheit der materiellen und moralischen Ausbeutung gab, litische Gleichberechtigung und unsere in edlem Wettstreit mit einander an der Lösung der er- ökonomische Emanzipation zu erlangen. habenen Aufgabe arbeiten, Belgien zu einem kapitalistischen Wir wollen das allgemeine Wahlrecht!" Muster staat zu gestalten, in Belgien das Paradies Imposante Kundgebungen haben stattgefunden alle der Pfaffen und Bourgeois zu schaffen. Sie streiten sich zwar vernünftigen, von der Ausbeutungs- und Herrschwuth der mitunter, allein es ist der Streit von Liebenden, die im Pfaffen und Bourgeois nicht durchfeuchten Bürger des Herzensgrund doch einig sind, und fürwahr sie haben Lands erkennen das Berechtigte der Arbeiterforderung an. Während die Bourgeoisie der alten und der neuen gut zusammengearbeitet; in keinem anderen Lande der Aber die Bourgeois und Pfaffen, sie wanken und Welt, vom bösen Gewissen zernagt und geängstigt, von Welt leben die Pfaffen und Bourgeois so herrlich und in weichen nicht; und höhnen noch obendrein. Nichts träumt als von Umsturz und Revolution, von Freuden- in feinem anderen Lande der Welt ist das Die Arbeiter, zur Verzweiflung getrieben, haben mit einem Tage des jüngsten Gerichts, wo die Reichen und arbeitende Volt so ausgefogen, so herabgewürdigt, so ver- dem allgemeinen Streik gedroht: Kein Stimmrecht, keine das wäre gegen die Frei- Arbeit. Verweigert Ihr uns unser Recht, so verweigern wir Großen auf der Anklagebank sitzen werden, während sie thiert. Keine Schulpflicht das wäre gegen die Frei- Euch unsere Arbeitskraft. Seht, wie Ihr leben könnt grübelt und spintisirt, wie der gefürchtete Tag vermieden heit. Kein Arbeiterschutz ohne unsere Arbeit." und allen Denjenigen, die ihr den Spiegel ihrer Sünden heit, die unbeschränkte Autokratie des Kapitalismus . Neben dem vollkommensten Paradies der und Verbrechen vorhalten, auf immer der Mund gestopft werden könne-; während findige und unfindige Polizei- Bourgeois und Pfaffen die vollkommenste leute und Staatsanwälte sich damit abquälen, wie man Hölle der Arbeiter- wie es feine zweite mehr die Gefühle und Gedanken, die durch das Unrecht und auf Erden giebt. das Elend der herrschenden Gesellschaftsordnung in deren Und in dieser Hölle brodelt es und gährt. Die Ar- Doch hat der Riese Arbeit etwa nur einen Arm? tausend­Opfern erzeugt werden, juristisch in Form Rechtens am Kragen beiter sind am Ende der Fähigkeit des Duldens, am Ende Ist er nicht hundertarmig gleich Briareus, packen, vors Tribunal schleppen und in Gefängnissen begraben der Geduld wollen nicht länger in der Hölle ver- armig, millionenarmig? Und ist ein Kopf da, ein tann, damit ja Zufriedenheit überall walte und der Staat und bleiben. Sie donnern an die Thore. Seit einem Viertel- Wille, der all diese Millionen Arme lenkt? Schlagen die Gesellschaft das heißt der Klassenstaat und die jahrhundert bringt fast jedes Jahr einen Ausbruch der die Arme nicht nach den verschiedensten Richtungen sinnlos Besellschaft der Bourgeoisie vor Revolution und Um- Erbitterung, der Empörung, und um nicht unvorbereitet durcheinander, gegeneinander? turz auf ewige Zeit sicher sei; während die ganze gefaßt zu werden, haben die Herren Bourgeois und Ja, wenn der millionenreiche Riese Proletariat einen Bourgeoispresse der ganzen zivilisirten Welt denen, welche Pfaffen durch ihre Lockspiel die Ausbrüche zu Zeiten Kopf, einen Willen hätte, dann wäre er der König die Schäden der heutigen Wirthschaft darlegen und Heilung herbeiführen lassen, wo man die" Rebellen" hübsch be- der Welt dann brauchte er feinen Streit, um sein Recht zu erzwingen. Dann hätte er es: mit der verlangen, die Absicht unterschiebt, Umsturz und Revo- quem niederschlagen konnte. Macht das Recht.

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lution vorbereiten zu wollen; während dieser tollen Jagd Die Arbeiter haben auch begriffen, daß es Nichts ist auf Revolution und Umsturz sehen wir in diesem Augen- mit solchen Ausbrüchen. Sie wollen i hr Recht zu blick ein seltsames Schauspiel sich vollziehen wir sehen nächst das politische Grundrecht, mit dessen Hilfe sie eine Revolution machen. Und zwar nach allen sich das soziale Recht zu erkämpfen hoffen. Regeln der Kunst. Die gesammte Arbeiterschaft Belgiens hat sich ge­der Versuch einigt in der Forderung des allgemeinen Stimm Fiat experimentum in corpore vili- ist vorzunehmen an einem werthlosen Körper. Bivisektion. Und auf dem Sezirtisch 474 tomischen Theater Europas

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multitude

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Es ist rechts. im ana­

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Ruf der Verzweiflung! Gewiß

,, alle Räder stehen still Wenn Dein starker Arm es will."

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Die Führer ohne Ausnahme: Anseele, de Volders, der sterbende de Paepe fie alle rathen vom allgemeinen Streit ab.

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Die

Wird der allgemeine Streit nicht verderbliche Folgen haben?" warnt der Peuple", das Organ der belgischen Sozialisten. Jetzt ist das Stimmrecht in Belgien an einen schweren Die Arbeiter sind ungeduldig. Umsonst. liegt ein corpus vile, ein Benfus geknüpft. Von anderthalb Millionen männ- höhnende Verweigerung des Rechts hat die Gemüther für Vivisektionszwecke geeigneter, und daran gewöhnter, schon licher Einwohner über 21 Jahre, die das mehr als 6 Millionen erbittert und fühl lächelnd stehen die Bivisektoren hundert, schon tausendmal lebendig zerschnittener, geschun- Einwohner zählende Land enthält, haben bloß 130 000 die Pfaffen und Bourgeois- am Sezirtisch und experimen­bener, zerquetschter Körper ein ganzes Volt, die vile das Stimmrecht also nicht der zehnte Theil. tiren am corpus vile, fühl lächelnd schneiden sie das zuckende Fleisch, beobachten kühl lächelnd die Wirkungen das Das ist ein schmachvoller Zustand. die werthlose gemeine Menge Das Stimmrecht soll den Arbeitern die Pforten der und erwarten, die Uhr in der Hand, die Folgen: Hölle öffnen, in die der pfäffische und bürgerliche Kapi- unvermeidliche Delirium, den unvermeidlichen Ausbruch. talismus sie gesperrt hat. Und der König von Belgien , König von Revolutions­Bei Duzenden von Gelegenheiten haben sie ihren gnaden, dessen Vater durch die Revolution von 1830 auf an dem Leib herumexperimentiren, wie die Aerzte und den Thron gehoben ward, er verkündet in der Brüsseler Anatomen an einem Versuchsthier, oder einem inter - Willen kundgethan: Wir wollen feinen gewaltsamen Umsturz, wir Militärschule: essanten Kranken", oder einem Leichnam. Die Herren Bivisektoren, das sind die Bourgeois und die wollen nicht sengen und brennen, wir wollen keine

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arbeitende Volk Belgiens

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der, werthlose

Körper", der Riesenleib des belgischen Proletariats.

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Feuilleton.

Nachdruck verboten.]

Rothenburger Tage.

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die

Roman aus der Zeit des großen Bauernkrieges von 1525.

Von Wilhelm Blos .

Lienhart sah bewundernd auf die schöne und stolze Gr scheinung der Jungfrau; fein Born begann zu verrauchen. Er verneigte sich mit allem Anstand.

"

Ein Irrthum ist es gerade nicht", sagte Agnes lächelnd, aber ich schlage vor, daß Ihr die Schwerter wieder einstecket."

Lienharts Kolben hing schon wieder am Sattel. " Junker Kunz hat hier seine Gerechtsame wahren wollen,

"

-

das

Wenn die verhängnißvolle Stunde herannaht, so ist

doch nichts verbrochen, sondern gearbeitet als ein treuer und fleißiger Mann."

"

Sei nur stille," sprach Lienhart und schaute sie zärt­lich an, das wird jetzt Alles anders."

"

Nun Lasset uns den Vergleich schließen," rief Agnes. Junker, Ihr müsset mir den Hund vergüten, den Eure Knechte erstochen haben. Meine arme Eva hat großen Schrecken ausgestanden. Zahlet ein

Der dritte Knecht floh in das Haus, denn Lienhart's ben der Galdenbauer war ihm leibeigen, wie Ihr wisset." Schmerzensgeld, damit sie ihr krankes Mütterlein pflegen

niedergestreckt und

den

Soeben

" Hoho!" rief Lienhart und die Zornader auf seiner mag.

"

tam Agnes mit dem alten Balthasar, den der fliehende Knecht Stirn schwoll von Neuem an, er hat sein vertraktes Recht Hinter ihnen ausüben wollen. Denn, so lang mir der am Sattel hängt will es nicht für mich." erschien Kunz Kreglinger. Als er seine beiden Knechte der Bauernhauptmann schlug auf den Streitkolben­schäumenden und wetternden wird das Junkerlein wohl seine Rechte mit schwarzer Lienhart, den er wohl kannte, vor sich sah, entsant ihm Kreide in den Schornstein schreiben müssen. Oder soll ich Kreglinger ingrimmig. ihm mit dem Kolben das Gehirn ausfegen, also daß die alte Finsterniß herauskommt und ihm das reine Licht hinein Kunz Kreglinger zitterte leicht.

völlig der Muth.

" Haltet ein", rief er, Saltet ein!"

Komm nur heraus!" rief Lienhart, ich will Dir mit scheint?" meinem Kolben an Deinen Schädel klopfen, daß Du glauben sollst, Du hättest seither einen irdenen Topf auf den Schul­

tern getragen."

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Aber bedenket doch, es ist ein Frrthum", rief Runz|

" Ich hab' Euch ja schon gesagt, daß ich nichts wider Euch will. Es war ein Frrthum."

Aber mit Guren Rechten ist's Matthäi am Letzten," schwerniß, die Ihr und Euresgleichen auf den armen Bauers­mann gewälzt, fie werden von ihm genommen. Dann hat

Der Junker warf ihr einen bösen Blick zu. Und was der Hund mag werth sein, füget hinzu; ich Damit die Dirn weiter wenzeln kann," knurrte Kunz Was meint Ihr?" rief Lienhart mit gerunzelter Stirn. " Ei", meinte der Junker, lieblich ist solch eine Sache nicht, aber ich will zahlen und Frieden haben".

Während Lienhart und der Junker noch unterhandelten über die Entschädigung und die verwundeten Knechte, von denen der eine noch immer betäubt war, in das Gasthaus Hund aus der Stube geschafft. Agnes warf noch einen letzten Blick auf ihren Liebling.

Rreglinger ängstlich, als er den wuthfunkelnden Blick des fuhr Lienhardt fort. Sie werden abgeschafft und die Be- gebracht wurden, hatte der alte Balthasar den erstochenen Bauernhauptmanns auf sich gerichtet sah.

" Ein Irrthum?" sagte Lienhart. " Ei", meinte der Junker, freilich ein Frrthum. Denn die Sach ein End und Ihr möget Eure Briefe und Ver­e man mir zu wissen gethan, daß in diesem Hause schreibung in ein Feuer thun!"

Knechten hier aufgezogen".

Mit Verlaub", sagte nun Agnes und trat vor, laffet

auch mich etwas sagen".

"

"

Da nimm nun erst, was ich für Deine Mutter gebracht habe", sagte Agnes und übergab Eva die " Tausend Dant," rief Eva, o, Ihr seid mir immer O mein armer Vater", sprach Eva weinend, sein eine gütige Herrin gewesen. Wie soll ich es vergelten, was Lebelang hat er solche Beschwerniß tragen müssen und hat Ihr heute für mich gethan!"

Das wird kein Schade sein, wenn man also verfährt," Tasche. sprach Agnes.