Singapore und habe einen der Passagiere ge­troffen, den man gerettet und dorthin zurückge» bracht hatte. Er war schneeweiß geworden und rauchte Opium. Er saß in-er Gesellschaft lie­derlicher Frauenzimmer und lachte. Er kann nichts mehr in der Welt ernst nehmen. Er hat drs Fürchterlichste erlebt. Wir schwammen, sagte er, nach dem Schiff­bruch zu Hunderten umher, weiße, gelbe, braune Merkchen, und die Haie schwammen zu Hunder­ten u.n uns herum. Wir waren ihre Beute, wenn immer es die Haie nach uns gelüstete- Sie wan­den sich um uns herum, angezogen durch den süßlichen Geruch des Menschenblutes. Sie dreh­ten sich schnappten, als seien wir ihr natür­liches Futter. Alle Augenblicke war ein Arm abgerissen, ein Bein aus dem Gelenk gezerrt, rin Rumpf geöffnet. Das Meer rötete sich. Wir schwammen in einem Meer voll Blut. Ich schwamm mit meiner jungen Frau, sagte der Opiumraucher. Wir hielten einander bei der Hand. Meine Frau betete leise. Dann sah sie mich rührend und unbeschreiblich an. Sie lächelte fast. Plötzlich traten ihre Augen aus den Höhlen, ihr Mund verzerrte sich wild. Ihre Hand lieh los. Ihr Körper wurde in die Tiefe ge­zogen, ihr Kopf verschwand. Das Meer färbte sich röter mit ihrem Blut. Hunderttausend Rachen Es sprachen noch ein Maler und ein Matrose. Der Maler beschrieb eigentlich nur ein Bild. Eine Sandbank mitten im Amazonas . Eine weite, sonnige, braune Fläche. Baumlos, graslos, regungslos. Aber wenn man genauer hinsah, waren es nicht gerippte Sandkörner, die dort lagen, sondern gepanzerte Rücken. Tausende und aber Tausende von gepanzerten Leibern lagen auf der Ebene dicht nebeneinander in der Sonn«. Sie liefen in«inen scheußlichen flachen Kopf aus, von dem Raubiierzähne wie Dolche in die Höhe ragten. Hunderttausend Rachen er­warten den Menschen, der dort landet. ES sind zusammengeklappte Krokodilrachen, die sich öffnen wie die Hölle und die so plötzlich und sicher zugreifen, daß es keine Rettung gibt. Ich hörte: man hat einmal einen blonden Mädchen­zopf gefunden im Magen so eines Krokodils. Der Totentanz und das Ende Hein, ein Leichtmatrose, war in einem ägyptischen Hafen auSgerückt, und alS man ihn verfolgte, ein Stück in die Wüste gewandert. Wie ich so durch die Rächt wanderte(er er­zählte mit fiebernder Stimme), erhob sich ein Wüstenwind. Mein Fuß bleibt in einer Art Korbgcflecht stecken... etwas Hartes, Rundes schlägt mir an den Kopf... wie ich danach greife, fassen meine Finger in zwei Höhlen.-. ich stolpere, falle. Eine dunfle Säule kommt von der Ferne auf mich zugcwandert... die Sterne verlöschen... um mich braust es. Ich liege in einem Schacht, der sich um mich dreht: im Zentrum einer Windhose. Für einen Moment blinkt oben ein Stern herein und ich sehe das Grauenhafteste. Mein rechter Fuß steckt in den» Brustkorb eines Skeletts, meine Finger in zwei Augenhöhlen. Die Säule, die den Sand auf­wirbelte, entblößte andere Skelette... ein Massengrab... ein Lager von Gefangenen vielleicht, das ausgestorben war, wie wir auS» sterben werden... durch die Kraft des Windes bewegen sich diese Skelette... sie erheben sich und führen einen Totentanz auf, sie steigen auf, sie fallen herab, sie führen einen schauerlichen Reigen um mich auf... da wird es wieder fin­ster und ich höre nur das Geklapper der Ge­beine... War das eine Fieberphantasie oder Wirklichkeit? Wir gaben Hein den Preis: er konnte ihn brauchen. Wußten Sie das schon? Eine der wildeste« Gegenden Europa « ist die Insel Ouessant ,«in kahler Felsblock, der nur an einigen Stellen zugänglich ist. Unzäh­lige Schiffbrüche haben sich hier ereignet. Ja Frankreich sind von 100 Ehepaaren 70 kinderlos. Erst im 13. Jahrhundert kamen gepfla­sterte Straßen auf, und Paris ging hierin mit gutem Beispiel voran. Dir Hausgans kann ein Alter von 60 bis 70 Jahren erreichen. Ja Arabien darf nur der Mann den Kaffee kochen. Die erste Taffe wird ins Feuer gegoffe» als Trinkopfer an den Scheik-es-Sjarill, den Schuhgeist der Kaffeetrinker. Stets dürfen dem Gast nur halbgefüllte Taffen angeboten werden. Ihm eine volle Taffe zu reichen, loäre eine töd­liche Beleidigung. Nach dem Bekanntwerden des Kaffees wußten zwei persische Aerzte den Emir davon zu überzeugen, daß Kaffee ein be­rauschendes Gettänk sei, also unter die Dinge falle, die Mohammed verboten habe. Es wurde infolgedessen ein Verbot des KaffeettinkenS er­lassen und jedermann verfolgt, der diesem Ge­nuß frönte. Große Unruhen Warrn die Folge. Die Ordnung wurde erst wieder hergestellt, als das Verbot aufgehoben und die beiden Aerzte gehängt wurden. ES steht schwarz an», meine Dame! Läßt sich nicht bestreite«! Da» hier wird ab« helfe«! 2In einen jungen □Hann Von Audrt Mauroi«. Du beginnst dein Leben in einer schweren Zeit. Es gibt in der Geschichte der Menschheit steigende Fluten, die selbst schwache Schloimmer zum Erfolg emporttage». Deine Freunde und du, ihr müßtet gegen den Strom schwimmen. Das ist schloer. Dennoch sind die Eigenschaften, die euch er­forderlich sind, dieselben, die eure Väter ge­rettet haben. Die Gesetze des Wettalls haben sich nicht geändert: die Methoden, di« gestatten,«s zu beherrschen, bleiben unveränderlich; während der ersten Schwinnntempi glaubst du zu ersticken, du wirft die Hoffnung aufgeben, je das Ufer des Erfolges zu erreichen. Beruhige dich! Wir haben das alles durchgemacht; man gewöhnt sich daran, aber man muß Schwimmen lernen. Das erste Geheimnis des Erfolges ist Selbstver- trauen. Man vollendet nichts, Ivenn man nicht an die Möglichkeit des Vollendens glaubt. Dem jungen Schriftsteller erscheint sein erstes Buch endlos; er glaubt, es niemals feriigschreiben zu können. Beim zehnten weiß man, daß es möglich ist, und man geht mit ftischem Mut an die Ar- heit. Was für das Bücherschreiben gilt, trifft auch bei allen anderen Unternehmungen zu. Man wird mit allem oder mit fast allem fertig, man braucht dazu nur Geduld,«inen zähen Mil­ten, den festen Vorsatz, immer wieder zu ver­suchen. bis der Erfolg sich einstellt. Beeile dich nicht! Das Vermögen und die Berühmtheit, die in einem Augenblick entstehen, vergehen auch in einem Augenblick. Ich wünsche dir Hindernisse, Feinde. Der Kampf wird dich fest und widerstandsfähig machen. Mit vierzig oder fünfzig Jahren wirst du däS kräftige, ver­witterte Aussehen erlangen, das Felsen, die lange vom Sturm umsaust worden sind, ange­nommen haben. Die feindliche Welt wird dich geformt haben- Du wirst ein Charakter sein, aber ( auch Charakter haben, und die Meinung den Welt über dich wird dich nur lächeln machen. Wenn man jung ist, erscheint einem alles tra­gisch. Die ersten Hinderniffe kommen einem wist persönlich« Beleidigung vor, die menschliche BoSst beit empört einen. Sage dir, daß man sich aN alles gewöhnt, daß die Zett, in der du gcradst lebst, die schwerste ist, daß die Boßhett allmählich müde wird, den unangreifbaren Menschen anzu­greifen, und daß das Glück für jene, die feinest würdig sind, mit den Jahren zunimmt. Mora­listen sagen zuweilen das GegenteA, aber dann haben sie eben nicht wirAich gelebt. Suche weder das Leben noch die Menschen zu überlisten. Glaube mir, am Schluß wird jeder nach seinen Verdiensten belohnt; die durch Nachsicht oder durch Ueberlistung gewonnenen Erfolge nützen nichts. Mache deinen Weg auf rechtliche Art. Du wirst vor denen anS Ziel ge­langen, die es anders machen. Es ist dein« Pflicht, ein anständiger Mensch zu sein, aber«S ist auch das beste Geschäft. Ich versichere dir, es gibt noch schöne Karrieren, die man mit der Ehrlichkeit macht. Sei tteu und beständig. Ich weiß wohl, daß man versucht ist, wenn etwas nicht nach Wunsch geht, das Ganze aufzugeben. Das Leben mit einer andern Frau neu zu beginnen, einen an­dern Beruf zu ergreifen, unter andern Him­melsstrichen leben zu wollen. Laß dich nicht ver» leiten, diesen scheinbar leichteren Weg zu gehen. In gewissen außerordentlichen Fällen mag ein« solche völlige Umstellung deines Lebens notwen­dig sein, aber für die Mehrzahl der Menschen ist es besser, dort auszuharren, wohin sie das Leben gestellt hat. Es ist ein großes Schicksal, inmit­ten jener zu altern und zu sterben, mit denen. man gestrebt und gekämpft hat. (Uebersetzt vonAnnaDrawe)