Hilferuf aus Zimmer Los Von Ellen Lenski

Ein grauer Novembersonntag verdäm­merte. ES war ungefähr gegen S Uhr nach­mittags, als die Gäste-es Grand Höte.s einen furchtbaren Schrei hörten.Hilfe, zu Hilfe!", gellte es über den Flur der zweiten Etage. So eindringlich, so furchtbar, daß die Köche im Souterrain ebenso wie die Hausmädchen im fünften Stockwerk das Schreien vernahmen. Vergeblich wehrten sich die Doppeltüren gegen jene unerwünschte Störung. Es gab nieman­den, der nicht aus-em Schlaf oder aus einer Umarmung, aus der Arbeit oder au- Melan­cholie, aus Plänen oder Grübeleien aufgerif» fen wurde. Sekunden später öffneten sich fast gleichzei­tig das Ganze wirkte in feiner unheimlichen Präzision wie eine gutgestellte Filmszene sämtliche Türen des Hotels, hinter denen fich um diese Zeit Bewohner aushielten. Alles stürzte hinaus, herauf»der hinunter, um zu sehen, was es auf dem Korridor der zweiten Etage gab. Bor der weitgeöffneten Tür des Zim­mers 205 bot sich den Entsetzten folgendes Wild: ein junges Mädchen, es konnte mich eine Frau sein, lag auf dem Boden. Leuch­tend hob sich ihr helles Haar von dem dunklen Weinrot des Läufers ab. Sie hatte ein Ko­stüm an, der Hut war ihr in dem sichtlich borangegangenen Kampf vom Kopf gefal­len. Ihre Hände drückten mit verkrampfter Bewegung eine schwarze Ledertasche an die Brust: und diese Tasche zu entreißen, be­mühte sich mit zäher, unerbittlicher Energie ein ebenfalls sehr junger Mann, der ohne Hut und Mantel vor dem Mädchen auf der Erde kniete. Ohne auf die Umherstehenden zu achten, schrie er unaufhörlich:Gib mir den Schlüssel, ich will den Schlüssel, hörst du? Du kommst mir hier nicht fort, bevor du den Schlüssel rausgerückt hat.. Seine grob- Art zu sprechen, stand in sonderbarem Wider­spruch zu der sorgfältigen Kleidung, den fein­geschnittenen Gesichtszügen. Die Frau antwor­tete nicht, sondern preßte die Tasche nur noch fester. Der Mann, außer sich vor Wut, beugt« sich jetzt blitzschnell vor und legte seine Hmld um die Kehle der sich heftig Wehrenden. Im Nu warf sich einer der Umherstehenden zwi­schen die Beiden. Es war ein Mann im Bade­mantel, der wie«in ehemaliger Matrose aus- sah. So etwas Achnliches mutzte er auch be­stimmt gewesen sein. Denn er trennte die Kämpfenden mit Bewegungen, die an das Entknoten eines SchiffStaueS erinnerten. ».Was ist denn das? Ra, uu lassen Sie mal." Seine Stimme klang' gemütlich. Der junge Mann sah sich um. Mit scheuem Blick, als tvenn er aus schwerem Traum erwache. Da waren viele Menschen: Meistens junge Leute. Denn das Grand Hotel , das seinen hochtö­nenden Namen irreführend trug, wurde haupt­sächlich von Studenten, Malern und'aridere» jungen Künstlern und Künstlerinnen bewohnt. Biele hatten trotz der nachmittäglichen Stunde nur Pyjamas, Bademäntel oder undefinier­bare, kimonoähnliche Gewänder an. Alle stan­den scheu um das Paar. Jetzt richtete sich die Frau vom Boden auf, erblickte die Menschen. In ihre Augen traten Tränen der Scham und des Unwillens.Was hast du gemacht?" sagte sie vorwurfsvoll zu dem Mann, ohne dabei aber nur eine Se­kunde die Handtasche loszulaffen.Was für ein scheußliches Theater." Der Mann schwieg einen Augenblick.- Dann aber, völlig

unvermutet, stürzte er sich wie ein Rasender von neuem auf sein Opfer, riß es mit ver bluffender Gewandtheit von der Erde auf und schleppte die Unglückliche, ehe es jemand ver­hindern konnte, ins Zimmer. Krachend flog die Tür zu. Dem Mann, der wie ein Ma­trose aussah, wurde dabei fast der Fuß abge­klemmt. Ein Schlüsiel drehte sich im Schloß. Und die draußen hörten nur noch furchtbares Toben, das von den Worten begleitet wurde: Jetzt ist eS genug. Entweder du gibst den I Schlüsiel oder es ist aus mit dir. Ohne den Schlüssel kann ich mich sowieso umbringen. Dann sollst du wenigstens mit..." Die Fra» schrie noch einmal, dann ging das Schreien in ein klägliches Wimmern über dann war alles still. Vergebens warfen sich ein paar Beherzte gegen die Tür, um sie einzudrücken. Sie gab nicht nach solide Arbeit. Jemand rief: 'Polizei!" Es war das erlösende Wort. In Rudeln stürzte man ans Telephon und auf die Straße. Ein paar weibliche Wesen, besonders die mit den undefinierbaren Gewändern, wur­den von Weinkrämpfen befallen. Medizinstu­denten bemühten sich um sie. Die Hausmädchen liefen mit verschüchtert-lüfternen Augen um­her. Sie ahnten einen wirklichkeitgewordeuen Hintertreppen-Roman. Fast waren sie neidisch auf das, was hinter der verschlossenen Tür des Zimmers 205 geschehen sein mochte. Vor dem Grand Hotel hatte sich bereits eine Menschenmenge angesammelt, als der schwarze, spiegeManke Wagen der Kriminal-. Polizei vorfuhr. Sechs Beamte in Zivil, mit dienstlich-verschloffenen Mienen, stiege» aus. Die Menge sah ihnen ehrfurchtsvoll-erschau- ernd nach. Der Besitzer des Grand Hotels und zwei befrackte Kellner begleiteten den Beamten­stab bis vor die Tür des Zimmers 205. In einem Tonfall, der verriet, wie wenig unge­wöhnlich solche Situation für einen lang­jährigen Kriminalkommissar ist, rief der Be­amte, indem er zugleich energisch anklopfte: Aufmachen, Kriminalpolizei!" Eine Männer­stimme antwortete:.Herein!" Erstaunt drückte der Kommissar auf die Klinke. Sie gab so­fort nach. ES war nicht abgeschloffen. Die Beamten traten ins Zimmer. Ein junger Mann und eine junge blonde Frau satzen. wie vergnügt lächelnd, an einem Tisch gegenüber. Jever von ihnen hielt ein Heft in der Hand, nichts zwischen ihnen deutete auf Unfrieden. WaS soll denn das heißen?" rief der Kriminalkommisiär,man hat uns hierherge­rufen. Es wurde gesagt, im Zimmer 205 des Grand Hotels sei ein Mord verübt worden. Wir sind doch hier in 205...?"Ganz recht," sagt« jetzt der junge Mann lächelnd. Aber wie Sie sehen, Herr Kommiffar, hat man Sie falsch informiert". Im Türspalt tauchten Gesichter auf. Der Mann, der wie ein Matrose aussah, drängte fich ins Zimmer, Herr Kommiffar, sämtliche Gäste des Hotels,' ich auch/können es bezeugen, daß dieser Mann dort vorhin seine Frau in der schrecklichsten Weise bedroht hat". Der Beamte wandte sich von neuem an den jungen Mann:Stimmt das?" Der andere verbeugte sich höflich.» Es stimmt, Herr Kommiffar. Nur das Ganze hat einen anderen Zusammenhang. Meine Frau und ich, wir haben eine Szene aus einem nachgelasienen Stück von Edgar Wallace geprobt. Wir sind nämlich Schauspieler. Unsere Ansichten über die Auffassung dieser Szene gingen völlig auseinander, so daß wir uns

entschlossen, den ganzen dramatischen Auftritt sozusagen vor unbefangenem Publikum zu spielen. Ich muß dabei gestehen, meine Frau hat recht behalten. Ihre Auffassung kommt dem wirklichen Leben am nächsten. Was die Er« regung unserer Mitbewohner am besten be- wiesen hat. Das ist doch aber grober Unfug", rief der Kommiffar ärgerlich,Sie mußten doch annehmen, daß man nach einem solchen Auftritt die Polizei holen würde". Der Schauspiele« streckte dem Beamten sein Rollenheft entgegen! Laut Wallace muß nach dieser Szene die Po­lizei erscheinen. Meine Herren, Ihre Anwesen« beit wirkt auf mich also keineswegs überra­schend". Der Kommissar versucht vergebens« ein Lächeln zu unterdrücken.Immerhin", meinte er,dieser Scherz wird Sie noch etwas kosten. Man bemüht die Polizei nicht um­sonst". Jetzt rief die junge Frau übermütig: Für die Kunst ist uns nichts zu teuer, Here Kommissar. Außerdem erlauben wir uns heute schon. Sie zur Premiere einzuladen!"

Schach-Ecke Geleitet von Wenzel Scharoch. Drakowa Nr. 32. Post Modlan bei TepHtz-Schönau. Schachaufgabe Nr. 255 Von Josef H y n a, Hostomitz

Schwarz: Kd4. Db5. Lb7. h8. Sbl. Bc5. g4

<n

weift: Kf4. De2, Tc7. Ld6, Sd3, Bb2, e4, g3(8)

Matt in 2 Zügen

Lösungen sind bis längstens 14 Tage nach Erscheinen der Aufgabe an den Leiter dieser Spalte einzusenden. Lösungszug zu Nr. 252: Tg3<6! Richtige Lösungen sandten nachfolgende Ge­nossen ein: Schöffel Anton, Schöbritz: Beutel Wilhelm, Amsdorf b. Tetschen ;'Tepper Franz, Karlsbad : Dinnebier Emil, Tetschen : Habl Er« win, Chimak Theodor. Lohmüller Hans, sämtlich Nest ersitz: Robek Franz und Walter Ludwig. Kwitkau: Ulbert Rudolf, Proseditz; Triltsch Gu­stav. Wisterschan; Hyna Josef. Hostomitz; Tesaf Frans. Suchei. Schachnachrichten In den Tagen S. und 10. November findet in Aussig ein Schachkurs für das Gebiet des V. Kreises statt. Jeder Kurs!st erhält das Kurs­material(und 40 Blatt) gratis beigestellt. Da bis zur Stunde das Kurslokal noch nicht be­kannt ist, erhält jeder Teilnehmer rechtzeitig das Lokal mitgeteilt. Schulungsleiter sind die Genossen Patz und Schöpka. Sektionen, welche noch nicht gemeldet haben, mögen dies unver­züglich tun. Die Schachsektion Nestersitz spielte gegen Klei sehe und unterlag mit 1H:5H Punkten. Die­ser Niederlage braucht sich Nestondtz keines­wegs zu schämen, da Kleische als gute und rou­tinierte Mannschaft bekannt ist. Im 7. Bezirk(Dux) wurde Gen Josef Hyna zum Bezirksschachleiter provisorisch bis zum nächsten Bezirksverbandstag gewählt. Zuschrif­ten an Josef Hyna. Hostomitz, Obere Kolonie 40, bei Dux.