Der Eẞkorb

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Nun er schon den zweiten Tag im Bett| Magen damit fertig werden! Den zweiten Tag lag, nicht schlafend, sondern nur vor sich hin hatte er schon nichts im Leib( fein Magen bösend und träumend die Ernährungswis- frampfte sich zusammen), nein, man mußte da senschafter hatten festgestellt, daß man in dieser sehr vorsichtig zu Werke gehen. Er würde sich Lage die wenigsten Kolorien" berbrauchte- vorerst nur die Suppe gönnen dürfen. entdeckte er plötzlich, daß sein kühler, flarer

Verstand, der die Grenzen feiner Macht und Ohnmacht leider so gut einsehen gelernt hatte, nun zu denselben Hilfsmitteln griff, die er schon als Knabe anwendete, wo er diese Grenzen elben noch nicht fannte: daß er sich in Wach­träume flüchtete! Schon damals war es so ges wesen, daß sein dürftiger kleiner Bubenkörper feinen Sunger in herrlichen Phantasien aus­lebte, daß er im Bett vor dem Einschlafen von Genüssen träumte und alle die guten Dinge, die er auf den Straßen in den Schaufenstern sah, souverän in Besitz nahm.

Damals stand neben seinem Bett ein alter wadliger Stuhl, auf den er seine Kleider hängte. Die Sibfläche war von Farbe ganz abgerieben und zeigte längs der Faserung des Holzes tiefe Rillen. Unter diesem armseligen Stuhl stellte er sich das Tischleindeckdich aus dem Märchen vor. Es hatte von allen immer den stärksten Eindruck auf ihn gemacht, vielleicht weil in seiner entbehrungsreichen Kindheit die Genüsse, die es versprach, so unbekannte und unerfüllbare Wunder waren. Er sah den wackligen Stuhl andächtig an und dachte nach, was er sich nun alles wünschen würde. Und dann ließ er die Herrlichkeiten aufmarschieren und lebte sich so intensiv hinein, daß er sich nur schwer wieder in der dürftigen Wirklichkeit zu recht fand.

Diese Wachträume tauchten nun plötzlich nach Jahren wieder auf. Wohl, weil sie der gleichen dunklen Not in ihm entsprangen. Es tat so gut, aut liegen, jeden Widerstand aufzus geben und die Flucht in die Traumivelt anzu

treten.

Freilich, das Tischleindeckdich von damals war längst alter Bodentram geworden. In seinem Alter ließ sich die Wirklichkeit nicht völ lig ausschließen. Aber konnte es nicht noch andere, realere Tischleindeckdich geben?

Bum Beispiel: es klopfte an der Tür. Er sagte mit nachlässiger Stimme: Herein!" Da öffnete fich die Tür und herein trat ein Kellner in blütentveißem Rock mit einem großen Tablett auf dem Arm. Er verneigte sich höflich und fagte: Hier bringe ich das bestellte Menü, bitte, wohin darf ich es placieren?" Worauf er erstaunt antwortete: Ich habe nichts be= stellt!" Es ist für den Herrn bestellt wor­den!" Wer hat das getan?" Der Kellner machte eine diskrete Handbewegung: Das weiß ich nicht, ich bin beauftragt, es hier abzugeben."

Gut, dann stellen Sie es hier auf den Tisch!" Dann griff er nach der Geldbörse, um fie nach einem Trinkgeld abzusuchen, obwohl er wußte, daß er feinen Groschen drinnen hatte. Aber der Kellner machte wieder jene diskret ablehnende Handbewegung, verbeugte sich und sagte: Es ist alles in Ordnung. Wünsche dem Herrn wohl zu speisen!" Und ging.

Nun stand also dort auf dem Tisch ein großes Tablett mit Speisen. Der angenehme Duft 30g herüber und stach ihm in die Nase. Er zog die Stirn fraus und dachte nach, was er sich wohl auf diesem Tablett wünschen sollte. Ja, ein tiefer Teller fräftiger Rindsuppe mußte dort stehen und Fleisch und Salat und Mehl speisen und herrliches Obst, Butter und Käse und sogar der schwarze Kaffee durfte nicht fehlen. Auf so einem Tablett fonnte schon eine ausgiebige Menge Plak haben. Aber, Herr bea Simmels, wie sollte sein geschwächter

Hm, und wer follte das für ihn bestellt haben? Er fannte niemanden, der sich darum sorgen würde. Wer sollte dahinterstehen? Eine Unbekannte, die ihn aus der Ferne verehrte.

Aber, Himmel, was sollte schon an einem armen Teufel wie er zu verehren sein? Nun, das war Geschmacksache, man konnte berehren, wen man wollte. Liebe war ja oft eitas Irratio­nales. Also, es gab diese Unbekannte. Sm, sah das nicht wirklich ziemlich schofel aus, daß sie es da gleich mit einer regelrechten Abfütterung bei ihm versuchte? Nein, damit würde sie kein

Glück haben; schließlich hatte man doch auch seinen Stolz. Da mußte sie es schon anders an fangen.

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Vielleicht ging es so: Es flopfte. Und auf feine Aufforderung trat ein Dienstmann ein, der einen großen verhüllten Gegenstand in der Hand trug. Schamster Diener, gnä Herr, das foll i da abgeben!" Diesmal war er nicht mehr verwundert, sondern suchte wieder nach seiner Geldbörse. Und wie der Kellner vorhin, machte auch der Dienstmann eine diskret ablehnende Handbewegung und sagte:" Is schon erledigt, gnä Herr! Schamster Diener!"

Und dann schälte er aus den Papierhüllen den geheimnisvollen Gegenstand. Es war ein großer schöner Eßkorb aus einer Feinkosthand lung, mit den herrlichsten Dingen gefüllt.( Er sah einmal im Theater bei einer Premiere, wie ein Star einen solchen Korb bekam.) Und mit­ten brin stat ein Kärtchen, auf dem nicht stand als: Von einer unbekannten Freundin."

Das ging, das war nicht schofel. Wenn ein Star einen solchen Korb empfangen konnte, dann konnte er es auch.

was passiert, denn ihre Kinder können ja net Deutsch und die haben mir wahrscheinlich gschrieben. Stellen S' Ihnen vor, wie mir ia, da hab ich seit gestern den Brief in der Hand und weiß net, was drin steht. Ihner Hauss meister hat mir graten, ich soll zu Ihnen gehi Sie haben in einem Büro garbeit und können Englisch."

Er nidte. Ja, er könne Englisch und werde ihr den Brief gern übersetzen.

wenig schwach und wacklig auf den Beinen ges

Er hatte sich, wie er so vor ihr stand, ein

fühlt, war ungewaschen, unrasiert, ohne Hemda

Arbeit-,

fragen. Aber als er das Papier zwischen den Fingern fühlte und die wohlvertrauten Worte sah all das roch und schmeckte ein wenig nach da verschwand das Hunger- und Schwächegefühl, er vergaß die kindischen Phans tafien von vorhin, sein Gesicht nahm einen fona zentrierten Ausdruck an und er begann die Uebersetzung.

Sie hatte richtig geraten, die Schwester in Amerika war wirklich gestorben und der Brief enthielt eine lange Krankengeschichte. Die Frau Selchermeisterin wischte sich die Augen und ex mußte ihr den Brief dreimal vorlesen. Aber damit war seine Mission nicht beendet, denn nun sollte er noch eine ebenso ausgiebige eng lische Rückantwort schreiben.

Als er fertig war, fragte ihn die Frau Selcherin, was er bekomme. Er war verlegen. Da legte sie drei fettige Schilling auf den Tisch, griff nach ihrer Tasche und sagte, sie habe noch etwas aus dem Geschäft mitgebracht, weis man das heut in jedem Haushalt brauchen fann". Und damit framte sie Würfte, Selche fleisch und Speck aus der Tasche.

Als sie gegangen, starrte er verzückt dars auf nieder. Also wirklich die Verehrerin, mik dem Eßkorb! Nein, viel herrlicher, selber ver dient!

Im ersten Impuls wollte er sich wie ein hungriger Wolf auf die Speisen stürzen. Aber ein eigenes Gefühl hielt ihn zurück. Nein, ex wollte sich vorerst waschen, rasieren und den einzigen reinen Hemdkragen umbinden.

d. J.

Er machte einen Ueberschlag, wie er sich die Sachen für die folgenden Tage einteilen würde. Aber dann runzelte er unzufrieden die Stirn: Der Korb war allein so viel wert, daß er acht oder vierzehn Tage davon Leben hätte können! Und wozu Schinken und Käse, wo er am Notdürftigsten Mangel litt! Pure Ber­schwendung! Das wirkte aufreizend und er riet Der König der Bettler der Unbekannten, solche Tattit lieber zu laffen!

Er warf sich gähnend auf die Seite und grinste über seine Phantasien. Sie standen denen seiner Knabenjahre nicht nach.

Poch, poch, poch!"

Ja, gesezt den Fall, wenn es flopfie.( Es flopfte immer in seinen Wunschträumen!). Poch, poch, poch!"

Aber es flopfte doch wirklich. Herein!" sagte er ein wenig verwirrt. Richtig, er hatte doch abgeschlossen. Er griff nach seinen Klei­dern und dann ging er öffnen.

Vor der Tür stand fein Kellner und kein Dienstmann, sondern eine dicke behäbige Frau, in weißer Schürze, eine Strohtasche am Arm, aus der eine dicke Wurst lugte. Entschuldigen S' schon", sagte Sie, Ihner Hausmeister schickt mich her, nämlich, ich bin die Selcherin vom Ed."( Richtig, jetzt erkannte er sie.) Er öffnete die Tür ganz und ließ sie eintreten.

"

Sie sette ihre Erklärung fort. Ja wissen S', das is nämlich so: Ich hab a Schwester, die is vor zwanzig Jahr nach Amerika gangen und hat dort gheirat und hat Kinder. Und alle paar Jahr amol hat s' mir halt gschrieben, an ausführlichen Brief, und ich hab ihr wieder gschrieben. Und gestern auf amol, da krieg ich an Brief, der is net deutsch, sondern englisch. und da fürcht ich halt, meiner Schwester is

Auf der Stadionstraße in Athen figiert mich ein älterer Herr schon von weitem. Er steuert genau auf mich zu. Fest richtet er seinen Blick auf mich und läßt mich nicht mehr aus den Augen. Kurz vor mir bleibt er stehen.

Fünf Drachmen, bitte", sagte er in strens

gem Ton. Ich bin wie aus allen Wolfen gefallen. ,, Wie, bitte?"

Sie sind zwar ein Fremder, das sehe ich Ihnen an, aber Sie verstehen doch griechisch. Also, fünf Drachmen."

Ich verstehe zwar griechisch, aber ich vers stehe Sie nicht."

"

Sie haben doch einen Beruf, nicht wahr? Es geht Ihnen doch nicht schlecht. Ich sehe es doch." Und dabei mustert er mich von oben bis unten. Und mir geht es absolut nicht gut. Was sträuben Sie sich denn da noch? Herr, geben Sie mir meine fünf Drachmen." Und als ich immer noch zögere:" Sehen Sie denn nicht, daß sich schon Neugierige ansammeln? Blamieren Sie mich nicht."

Eigentlich bin ich etwas erbost über diesen Ueberfall. Seit wann schreiben einem die Bett­ler vor, wieviel man geben muß. Der alte Knabe bemerkt mein Zögern. Sehen Sie, was find denn schon fünf Drachmen. Ein Kaffeechen.