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Heldische Erziehung

Sie saßen drei Stunden schon, ohne zu fragen, der Junge ist immer noch nicht zu Haus. Die Mutter ficht müde zum Fenster hinaus:

Heut mußt du ihm aber mal wirklich was sagen. Das ist diese Woche die dritte Nacht

was haben die bloß aus dem Jungen gemacht!"

Er lächelt müde und sagt: ,, Wie du meinst! Was fümmert uns schließlich der Fragebogen. Wozu haben wir ihn denn aufgezogen?

Es ist auch nicht nötig, daß du jetzt noch weinst! Er streicht ihr ganz leise das graue Haar, das früher so blond und so glänzend war.

Die Nacht schleicht weiter, sie gehen zu Bette,

es schlägt schon drei, es schlägt halb vier, da kommt der Junge, er riecht nach Bier, im Mundwinkel klebt ihm die Zigarette.

Der Vater steht auf und geht auf sein Zimmer. Da setzt er sich nieder, so ernst wie immer:

,, Nun sag mal, Haus, was machst du für Fazeit, erst gestern wars drei und heut schon bald vier, das kann dir nicht gut tun, das schadet dir, du kommst doch gerade jetzt erst ins Wachsen. Das ist diese Woche die dritte Nacht und was sich die Mutter für Sorgen macht."

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chen? Ich selbst werde im Schweizerfostüm an der Feier teilnehmen."

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,, Von Herzen gerne. Mit tausend Freuden." ,, Dann bitte seien Sie am Morgen bereit. Ich hole Sie um 8 Uhr mit dem Wagen ab. Es ist der internationale Freundschaftstag. Es sind Kinder von 10 bis 13 Jahren, zu denen Sie sprechen sollen." ,, Abgemacht."

Und der Tag kam. Es war einer jener ewig schönen Maientage Südkaliforniens. Langsam

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Von Anders Bechgrimm

Der Bengel torkelt und fallt nur: ,, Schnauze!" Er zieht sich dabei ohne Eile aus

und legt auch den Dolch aus der Tasche herans. ,, Kehrt, marsch! Sonst kriegst du noch eins vor die Plauze!" Schon wühlt er die Decke über den Kopf,

aus den Kiffen lugt nur noch der blonde Schopf.

Am Morgen, bevor er zur Schule muß,

flezt er sich müd auf dem Kinderkatheder

und kant dabei sorgenvoll an seiner Feder.

Dann rafft er sich auf und ruft halblant: ,, Schluß!"

Im Bogen die Spalte: Elternhaus?"

füllt er dann langsam und gründlich aus.

,, Mein Vater war früher Sozialdemokrat, über sowas fönnen wir heut nur noch lachen. Empfehle trokdem, ihm mal Dampf zu machen, hat gar keine Ahnung von unserem Staat.

Im übrigen ist er Häufer- Vermittler

und stört mich im Dienst. Hans Böhm. Heil Hitler!"

Herrn Böhm hat man nunmehr in Schuthaft genommen, er starb daran im folgenden Jahr,

als Hans grade eben sechzehn war. Der ist bald darauf ins Feld gekommen und schrie, als er hing im Stacheldraht da, brei lange Stunden: Mama

Italienerin schwingt die Trifolore in ihrer Hand. ,, Und was ist Dein Wunsch?" fragt sie der Prinzipal, der für jedes Kind ein gutes Wort hat. Ich komme aus Italien. Mein Volk will den Frieden!" antwortet die Kleine, wohl nicht wissend, wie wahr diese Worte sind. Das war gerade in den Tagen, da Mussolini den großen Siegesrausch organisierte.

Dann famen die Reden. Zuerst sprach die Schweizer Frau einige Worte der Einführung

Mama

..., So oft ich in eine Schulklasse tomme, hebt ein Junge seine Hand und ruft mir zu: Freund" schaft!" Ich bin sicher, die Früchte Ihres Bein­ches werden dauernd sein und wirklich Gutes in unseren Schülern wecken."

Kurzsichtige verbieten die Freundschaft weit Ausschauende fördern siel

Kleine Gedanken

befiegt die Sonne die Rebel, die von der See ins und dann erzählte der Hauptredner des Tages über große Gefühle

Land streichen. Dann aber leuchtet sie so hell, so strahlend, wie die Augen der Kinder, die zum Feste rüsten oder in seiner Erwartung zur Schule fommen.

Halb zehn Uhr. In der Speisehalle der Schule sind die größeren Kinder versammelt. Auf einem Pult an der Längswand stehen Blumen. Bu beiden Seiten Stühle für die Schweizerin, den Sprecher und den ,, Prinzipal", wie in Ame­ rika der Schulleiter heißt, den die Kinder aber im Gespräch mit ihm bei seinem Namen nennen, Mr. Bowman. Das gehört zur Demokratie. Nur teine Titel! Neben den Gästen steht ein Bub mit der amerikanischen Flagge.

Der Prinzip a I: ,, Kinder, bevor ich euch unsere Gäste vorstelle, wollen wir die Fahne grüßen." Alle Kinder erheben sich und strecken den rechten Arm gegen das Sternenbanner. Stehend singen sie die Hymne.

Noch eins muß den Reden vorangehen: Die Begrüßung der ausländischen Gäst e", die schon vor der Türe warten. Ein Zeichen und sie marschieren ein,

Den Zug eröffnet ein blondes Mädel mit dem Sternenbanner, die ,, Miß America" dieser Schule. Dann kommen die Nationen. Eine Schul­klasse hatte den ehrenden Auftrag, den Zug der Nationen darzustellen. Jetzt ist der große Augen­blick. Schon kommen sie, als erster ein Indianer, sehr realistisch in einem stark zerfetzten Kleid dargestellt. Dann kommen die guten Nachbarn, die Kanadier und Mexikaner, die Völker des Pazifischen Ozeans, die amerikanischen Phillipi­ner, die Japaner, Chinesen, mit Würde den Zopf tragend. Schließlich Europäer, alle in Kostümen: Engländer, Schotten, Frauen aus dem Elsaß, aus Holland, aus der Schweiz, Aelpler. Eine

den Kindern von den Schrecken des Weltkrieges, von dem Sterben der Väter, von dem Kummer der Mütter, von dem Hunger der Kinder, von der Zeit, da die Mutter das Brot versperrt hal­ten mußte vor den hungrigen Kindern, Ameri­ kas Kinder glücklich preisend, daß sie in einem Lande wohnen, dem dank seiner bewußten Frie densliebe kein Krieg droht. ,, Gute Nachbarn sein!", wie es euer großer Präsident Franklin D. Roosevelt immer wieder sagt, das ist alles. Seid auch heute gute Nachbarn zu einander. Reicht euch die Hände, schließt die Kette, drückt euch fest die Hände, Buben und Mädels, und ruft mit mir: Freundschaft, Freundschaft, Freundschaft! Und diesen Gruß behaltet bei als Gruß und Erinnerung an den Freundschaftstag und an dieses schöne Fest."

Freundschaft, Freundschaft, Freundschaft! scholl das Echo zurück und als dann der Prinzi­pal die Gäste durch alle Schulklassen führte, um ihnen den Schulbetrieb zu zeigen, scholl ihnen überall als Gruß das schöne Wort Freundschaft entgegen, von den Kindern und den Lehrerinnen, denen die unterste Stufe der Amerikanischen Schule ausschließlich anvertraut ist. Ein schmack haftes Wahl in der Schulfüche, die dem Prinzi­pal ebenso dient wie den Lehrerinnen und Kin­dern, auch den Aermsten, den Kindern der Ar­beitslosen, die Gäste der Schule sind, beschloß den schönen Vormittag.

Da die Gäste wieder in den Wagen stiegen, scholl ihnen als leßter Gruß das Wort: Freund­schaft" nach, der in den faschistischen Lördern Europas so verpönte Gruß der Kinderfreunde". Einige Tage später aber brachte der Boitbote dem Redner des Tags einen Brief des Prinzi pals, in dem der Schulman wörtlich jagt:

Die Zaren des alten Roms saßen sei den Gladiatorenkämpfen in ihrer Hofloge und spiel ten das bekannte Spiel mit dem Daumen: wurde er hochgehalten, so blieb das Opfer am Leben, wurde er gesenkt, so erlitt es den Tod. Je nach Laune und Einfall.

Uns fommt es wohl ungeheuerlich vor, mit welcher Frivolität hier über einen Menichen entschieden wurde. Aber handelt es sich auch nicht um Leben oder Tod: oft haben auch unsere Herzen neronische Anwandlungen. Wie oft ist dir einer sofort unsympathisch", den du nur flüchtig fahst? Was ist das mit der großen Liebe auf den ersten Blick" Geht es gar nicht ohne die Launen der Seele?

., Die Liebe fommt nachher schon von selbst": die ständige Redensart der Ehestifter, wie sie in den alten Büchern stehen, hat ihren wahren Kern. Gefühle wollen wachsen und sich bewähren, nicht wie Raketen verschossen sein.

In einer bekannten und vielbesungenen Ballade wird das Herz mit einer Uhr ver­glichen. Ich trage, wo ich gehe... Es hat langsam fast ein wenig phrasenhaften Klang bekommen. Und ist doch zu einem Teile ganz schön.

Ich finde zum Beispiel, der Umstand, daß nur schon etwas über die ersten Jahrzehnte hinausgewachsene" Menschen goldene Uhren ge­schenkt bekommen, läßt sich schön in den Vers gleich einspinnen.

So ein echtes Herz will nämlich mit Ans dacht und Vorsicht behandelt sein.

Und ihr wisst in, wie es ist, wenn man Kindern Uhren scheufit Sie nehmen sie aus­

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