An der Mauer einer Pagode lag ein BettJer in zerlumpten Kleidern. Er hat nichts, um das er fürchten müßte, dachte Kwang- Si- Teng, und er ist noch nicht so alt, daß nicht noch ein Stück Leben vor ihm läge. Der Mandarin wedte den Bettler. Der Bettler erschrat- er sah unter dem Mantel Mwang- Si- Tengs einen Streifen des seidenen Kleides. Er erhob sich, berneigte sich, sah von unter mit einem fahlen, falten Lächeln zu Kwang- Si- Teng empor.
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Erst als er verschwunden war, sette auch| Hand auf seine Lumpen. ,, Jest fließt mein Blut| Näher und näher rückt das Verderben, rücken Mvang- Si- Teng seinen Weg fort. langfam," fuhr der Bettler fort. Ich bin noch Krieg und Mord und Untergang. Gewaltlofignicht alt an Jahren, aber alt im Herzen." feit und noble Gesinnung kam unter die Räder Ktvang- Si- Teng gab dem Bettier eine und Mars regiert die Stunde, ein sehr Münze. Er zog den Mantel enger um sich. Ein schmutziger und gemeiner Mara Du, mein Tag ist vorüber, dachte er. Ein einziger Mensch lieber Pida, hast nie etwas gewußt von den fagte, er fei glücklich; und dieser einzige log, um, niedrigen Händeln dieser Menschengeneration, sich ein Geldstück zu erschmeicheln. du hast es nur geahnt in deiner Scheuheit und Auch in dieser Nacht konnte Kwang- Si- Verschlossenheit, die nur ganz wenigen AusTeng nicht schlafen. In den Adern der Menschen erwählten Zugang zu deiner schweigsamen, glüht das Blut nicht mehr, es rollt träge, wie Schweigen heischenden Seele gewährte. Du ihre Tage dahinrollen, ohne Sonne, ohne Lachen. haft mit dieser entarteten Epoche möglichst nichts Und die Tiere? Die Blumen? Ueber dem nächt zu tun haben wollen. Das war der eine höhere lichen Wald liegt eine ungeheure Wolfe von Sinn, den dein schlichtes Kater- Dasein für mich Angst und von Sterben, der Tiger padt das Reh, gehabt hat. der Adler den Specht, und selbst aus dem Meere steigt der stumme Schrei der Todesfurcht auf: hinter Schwärmen von Fischen jagt mit glühen-| den Augen der Hai. Wind fährt durch die Blüten und zerfekt ihre Blätter, die Bäume stehen nadt und kahl und ihre Aeste sind eine einzige erstarrte, gefrorene Klage. Gibt es noch einen Tropfen Blut, der nicht erstarrt, gefroren ist in der ewigen Angst vor dem Tode?
,, Bist du glücklich?" fragte der Mandarin. Der Bettler dachte nach. Ein hoher Herr will in der Verkleidung eines einfachen Mannes das Denten der Menschen erforschen, die er regiert, sagte sich der Bettler. Er wünscht in seinem Herzen, daß sie glücklich seien.
Ich bin es," sagte der Bettler. Er schielte zu Kvang- Si- Teng empor. Allerdings bin ich es erst von dem Tage an, an dem ich beschloß, auf alle Reichtümer der Erde zu verzichten. Als ich noch jünger tvar, träumte ich von Macht und Glanz, von einem schönen Haus und von Frauen. Heute..." Der Bettler wies mit der
( Schluß folgt.)
Grabrede auf eine Katze
Aber noch ein anderes Wunder ward mir durch dich und dein Dasein erschlossen. Und wiederum muß ich mich des schämen: nicht dich beirauere ich, sondern das Symbol meines Hauses, das Heimchen am Herd, den Feingehalt der Gemeinschaft, in der ich lebe. Voll Staunen habe ich erst durch deinen Tod wahrgenommen, wie sehr der Geist einer Gemeinschaft eine Einheit ist und sogar die Kreatur des Tieres erfaßt. Du hast dein Leben gelebt, indem du vollkommen unser Leben lebtest, Geist von unserem Geiste wurdest, so klar und so tonzentriert, wie es nur der schlichten Einfalt des Tieres gelingt und nie und nimmer der So also hat es mit dir enden müſſen, armer werde, Augen, die auch noch ungebrochen waren, Leben gelebt zugleich mit meiner kleinen Tochtvinkelzügigen Art des Menschen. Du hast dein alter Freund Bida ! Ganz gegen deine Natur als der tote Körper vor mir lag— nur dieser ter Eva, die fast auf den Tag genau so alt wie war dein Tod. Das Gewaltsame, das deinem Blick war der Steg, der von den Geheimnissen du, deine Gefährtin durch alle acht Jahre war, Wesen allezeit so fremd war, es hat dein Wesen seines verschlossenen scheuen Inneren zu uns bir gleich in Wesen und Charakter: von Heiter= zuletzt vernichtet. Doch noch indem du fielst, Menschen nach außen führte. Seine Beschei feit erfüllt und doch scheu, liebesbedürftig und triumphierte der fittliche Charakter deines Her- denheit war auch Stolz, feuſche Unnahbarkeit, doch nicht mitteilsam, gleichgültig gegen Echozens. Wie dein Leben still und leise gewesen aristokratische Einsamkeit. Aber alles diskret, folade und Kuchen, aber selig Schokolade und war, ſo ſtarbſt du auch ſtill und leiſe. Keine alles unaufdringlich, ein unerbittlicher Gegner| Kuchen geschenkt zu bekommen, weil Schenken Sekunde lang brauchtest du für den Tod, kein alles Lärmenden, Aufsehenerregenden. Ja, auch Liebe ist, doch wird sie es nie sagen, nie vers bescheidenster Schmerzenslaut entstieg der miaut hat er fein Duizendmal in seinem achtlangen... Brust, über die im Verglimmen des letzten jährigem Leben und die Schärfe seiner Krallen, fchönen Sommerabends dieses Jahres das gnas das war wohl nur ein Atavismus aus der denlose Rad eines Autos hinwegfuhr. Auf mich Brunnentiefe barbarischer Vorzeiten: gebraucht hattest du vor dem Tor des Hauses gewartet, hat er diese Krallen nie. O, er war kein armwie allnächtlich so auch in dieser Nacht. Mit feliger Schwächling, kein zahnloser Abstraktpazimir wolltest du ins Haus hinein, dir das Haar fist, kein blutleerer verirodneter Philifter. Er frauen lassen, ein wenig mit dem Schweif war ein Gegner jeglicher Gelvalt und jeglicher wedeln und gesättigt von der schweigsamen Tyrannei, er war ein Gegner der grellen Liebeserklärung dich auf dein Lager zurüd- Effekte, ein Gegner des lätmenden Tages. Doch aleben, wie jede Nacht so auch diesesmal. Owenn die Schatten herniedersanten, wenn der wäre ich nur eine einzige fleine Viertelstunde früher gekommen, o wäre nicht Trägheit in mir gewesen, die mich abhielt, wie ich es vorhatte, schon viel früher einen Besuch zu enden, eine Konversation zu schließen, die nur noch müde dahinplätscherie! Und als ich fam eine Biertelstunde zu spät- war ich abermals zu träge, mir beſondere Gedanken zu machen, daß du just an diesem Abend nicht da warst, mir den letzten Gruß des Tages zu bringen, die lette Gunſt eines freundlichen Herzens. Ruhig und gelaffen schlief ich die Nacht durch, indes du bereits den Schlaf der Ewigkeit angetreten battest. So bescheiden, so unaufdringlich warst du, daß du mich nicht einmal in dieser einzigen Nacht, deiner Todesnacht, stören wollteft. Nur teine Ungelegenheiten, nur tein Aufsehen.
Du starbst, wie du gelebt hattest. Was braucht ein Lebewesen von vernünftigen Prinzipien mehr als sein bißchen Futter und sein bißchen Raum, um irgendwo in einem Winkerl, im Schuhkasten, beim Ofenplaberl, auf oder unter einer Dede die Glieder zu reden und zu schlafen und zu träumen? Abenteuer in der Welt draußen, Ehrgeiz und gewalttätiger Era oberungstrieb? Nein, nicht danach stand meinem Freunde der Sinn. Das ist übliche Kazenart, das ist gewöhnlicher und billiger Ruhm. Er hatte anderen Ehrgeiz. Er eroberte fich seine andere Welt, eine Welt der Innerlichfeit, und nur der Blid, dieser unmeßbare tiefe Bli feiner Augen- Augen, die ich nie vergeffen
linde Hauch des Abendwindes über die Wiesen stric), wenn im Buschwerk leise die Blätter rauschten, wenn die mondbeglänzte Landschaft zu Abenteuern des Friedens loďte, wenn das Bauberreich der Nacht der Seele Geheimnisse und unerkannte Wunder bot, da erwachte meines Pida Phantasie, da wurde es Tag um ihn und in ihm, da schloß er Freundschaft mit Apfelblüten und Sternenlicht.
Durch und durch inwendig war er. Nie heischte er Liebe, nie liebte er stürmische Beweise der Liebe. Es genügte ihm, zu spüren, daß man ihn gern mochte, ez genügte ihm, im selber Raum zu sein mit dem geliebten Wesen und still daneben zu fißen. Keine großen Worte, keine großen Geiten, nur ein tiefer Blid, ein leichtes Busammenpressen der Augenlider-o man verstand sich.
Doch ach, mein armer Pida, fast muß ich mich des bißchen Trauer schämen, das ich dir in dein bißchen Grab nachsende. Was ist denn weiter geschehen, als daß eine Kaze gestorben ist? Eine Kaze?! Und es sterben jest so viele Menschen und vom Himmel fallen nicht wärmende Sonnenstrahlen, sondern Maschinengewehrkugeln, die die Leiber von Frauen und Kindern zerfeßen. Was ist da schon der Tod einer Kaße? Doch ich weine weiter um dich und schäme mich noch mehr: denn vielleicht weine ich gar nicht deinettvegen, sondern um des Prinzipes willen, das mir mit dir zugleich begraben, den Würmern preisgegeben scheint.
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Jüngst hatten wir Besuch: die Kleine. Renate und eine leine Kaze. Eine andere Welt brach in unsere ein. Renate stürmisch, offen, zugetan, ihr Herz auf den Händen tragend und es jedermann offerierend, der Gebrauch davon machen wollte, ein entzüdend lieber Kleiner Kerl, der lärmende Liebling der ganzen Welt. Und die kleine Kate stürmisch, offen, zugetan, ihr Herz auf den Händen tragend und es mit lautem Miauen jedermann offerierend, der ihr Butterſemmel und Schinkenflederl darzubieten hatte, ein entzückend lieber kleiner Keri, der lärmende Liebling der ganzen Welt. Eva und Pida aber waren nirgends, waren verschwunden, hockten abweisend und träumend in irgendeinem Binkel... Ach, meine Freunde, ich sage nicht, daß ihr die Besseren oder Glücklicheren seid, sicher nicht die Glücklicheren und vielleicht auch nicht die Besseren, aber an derz feid ihr, anders warst du, mein Pida, und nicht auf der Heerstraße der Gewöhnlichkeit schritteſt du einher.
Glück? In dieser Welt barbarischer Auflösung haben es selbst die sogenannten Erfolg= reichen nicht, sie spüren das Rieseln und Rutschen der Sandhaufen, die sie mit prahlenden Worten zu schwindelhafter Höhe emporgetrie ben haben, und je unruhiger sie werden, desto mehr Unruhe verbreiten sie, desto lauter und prahlerischer ihr Wort. Du, mein Pida, warst fein Erfolgreicher, du warst nur eine armie Streaiur wie wir alle und du hattest nur eines, was mehr ist als der Erfolg: du hattest Würde. Was ich von mir will und was ich von meinem Stinde ertvarie, das hast du getan, das haft du uns durch dein Leben vorgezeigt; in einer Zeit, in der man nur durch das gilt, was man agiert, durch das zu gelten, was man ist! Beharrlichfeit der Gesinnung hast du uns gewiefen in einer Zeit, wo nichts beharrlich ist als der Verrat.