ta Sie doch selbst behaupten, sie habe teine gleichen Augen und daß sie nicht einmal auf der Maschine schreiben könne, sondern stochert?" Liebste", rechtfertigt sich der Mann, ,, Teuerste, auf mein Ehrenwort... ,, Angelötet ist die Birne", Georg S.

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denkt

Die Dunkelheit der Nacht wird tiefer. Immer seltener werden die Stimmen auf der Stiege. Endlich verstummen sie ganz. Durch das große, schmale Fenster fann man wahrnehmen, wie der Himmel sich langsam im Westen erhellt. ..Die Frühlingsnächte sind im Norden furz", denkt Georg S. ,,, wahrscheinlich ist es erst gegen zwei Uhr."

Die Elektrische ist nun ganz still. Der Geh­steig widerhallt unter den Tritten eines ein­famen Fußgängers. Der leichte Wind, der während des Tages nach Benzin und Kohle riecht, aimet jetzt nur noch Feld- und Waldluft. Es sind die zahlreichen Felder und Wälder in der Umgebung Moskaus , die diese Luft her

wehen.

Der Wind dringt sogar bis zur Stiege, to Georg S. in folch gequälter Stimmung steht, und umspielt seinen unglücklichen Kopf.

Auf dem Treppenabsatz auf einer der Türen ist folgende Aufschrift zu sehen: Fräu­lein Adele. Manicüre und Nägelpußen. Bitte weimal an der Wand zu flopfen."

plagen... Sollte ich Ihnen weh tun, so sagen Sie es mir..."

Georg S. dankt und verabschiedet fich von Fräulein Adele. Seine Nägel glänzen nun wie die Nachtsterne am Himmel- aber sein Magen bleibt leer. Die Tür fällt hinter ihm zu und Fräulein Adele geht mit dem Bewußtsein zu Bette, eine gute Tat vollbracht zu haben.

Was nun? Georg S. tveiß nicht, wohin

er gehen könnte, wo sich niederlegen, was essen. Und höchste Fronie seines Schicksals!- nun hat er gar das Vergnügen, zuzuschauen, wie sich von der Stiege ein Besprisornij( Berwahr­loster) heraufschleicht- und mit einem raschen Sprung ist der Kerl auf dem Fensterbrett und dreht geschickt die Birne aus, die nicht an gelötet war.

Aus dem Russischen übertragen von Recha Kab.

Jugend jenseits des Ozeans

Von Friedrich Steiner

Wenn ein Europäer den amerikanischen Kon-| Ideale, die in der Verfassung von 1776 als tinent betritt, so stellt er zunächst erstaunt fest, göttliche, unveräußerlichte Rechte" festgelegt daß die Jugend im öffentlichen Leben der Staa- wurden: Life, Liberty and the Pursuit of ten die maßgebliche Rolle spielt. Die Presse be- Happinez"( Leben, Freiheit und das Streben richtet in vielen Spalten von den Wettbewerben nach Glück). Freilich gibt es in Amerika harie Zugendlicher, Bilder und Lebensbeschreibungen Unterdrückung des wirtschaftlich Schwachen, weisen darauf hin, welch anerkennenswerte Lei- Klassenkampf und Klassenjuſtiz, Beschränkung stungen die amerikanische Jugend vollbringt

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Preisausschreiben spornen die Jugend zu Rekor­den auf allen Gebieten des praktischen Lebens an. Film und Literatur haben das Leben des jungen amerikanischen Menschen in den Mittel­punkt ihrer Darstellung gerüdt. In Magazinen werden berühmte Männer der Vergangenheit und Gegenwart gezeigt: der Gouverneur von New York als Zeitungsjunge; Professor Und auf einmal kommt Georg S. ein Prince Dale von der Columbia- Universität, der glänzender Gedanke: als Laufjunge seine Existenz begonnen-un zählig die Beispiele, an denen den Jugendlichen und Erwachsenen gezeigt wird: nur von deiner Tüchtigkeit hängt es ab, dir den Platz im ame­

,, Sobald man anzuflopfen bittet, wäre es eine Unhöflichkeit, es nicht zu tun", spricht er zu sich selbst.

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Und Georg S. Klopft zweimal mit der hei- rikaniſchen Volk zu erobern. Alle Bestrebungen zur Verbesserung der Lebensform werden propa­fen, flatten Handfläche an der kalten, rauhen giert unter der Parole: für unsere Jugend! Un­Band. Es öffnet sich die Tür: Fräulein Adele willkürlich erinnert man sich an das Wort des selbst, wie es scheint. Ihr Haar iſt gefärbt, die Dichterphilosophen Martin Buber : Die Jugend Augenbrauen find leicht ausrafiert und der ist die Glüds- Chance der Menschheit!" Mund ist offen. Sie schaut fragend auf dem späten Gast.

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,, Verzeihung, tausendmal Verzeihung", beginnt Georg S. ,,, aber ich muß unbedingt noch heute meine Nägel herrichten. Es ist für mich eine Frage von Leben und Tod."

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Um diesen zwanzig Millionen amerikani­schen Jungen und Mädchen die Ideale der Na­tion nahezubringen, hat man ein Schlagwort erfunden: education"( Erziehung), das zum intensiven Ausdruck amerikanischer Lebensart geworden ist. Erziehung dieser Begriff hat . ,, So spät empfange ich nicht. Morgen...", drüben" eine andere Bedeutung als bei uns; Ich weiß", erwidert Georg S. und läßt er umfaßt nicht nur die Erziehung in Schule fie nicht die Tür zumachen ,,, ich weiß, daß das und Elternhaus die ,, education" bestimmt Leben erst morgen beginnt. Aber die Nägel muß das gesamte öffentliche Leben, reguliert das ich noch heute haben. Uebrigens mache ich Sie Dasein der Jugend ebenso wie das der Ertvach­aufmerksam, daß ich kein Geld bei mir habe. fenen. Der Amerikaner bezeichnet sich höchst Ich hab' tein Geld." ungern als ,, alt"; er will solange wie möglich zur Jugend gehören. Ein typisches Beispiel für diese Einstellung ist der Brief des amerikanischen Präsidenten Coolidge an die große Jugendorga­nisation der ,, Boys Club Federation", an die er sein Bild schickt mit den Worten: Ich bin auch nur ein Junge...!"

Die ausrafierten Augenbrauen Fräulein Adeles erheben sich und ihr Mund wird rund

wie eine Puderdose.

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,, Gleich, im Augenblid" denkt freudig Georg S. ,, wird sie einen Milizionär rufen und der führt mich auf die Polizei wegen Stö­rung der Nachtruhe. Dort falle ich vor Hunger in Ohnmacht und man gibt mir alsdann Brot zum Essen und ich schlaf dann selig ein schlafe bis Morgen früh..."

Fräulein Adele schaut ihn befremdet

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an

der Meinungsfreiheit und auch eine Zensur, die in recht willkürlicher Weise das Geistes- und Kulturleben beschränkt; doch die Jugend wird immer wieder darauf verwiesen, das Ideal der Demokratie aufrechtzuerhalten und zu verfech­ten. Die amerikanische Jugend glaubt an das Ideal, auch wenn sie weiß, daß viel von dem versprochenen Glüdszustand Illufionen find, deren Verwirklichung erst späteren Generatio= nen möglich sein wird. Frühzeitig predigt man dem jungen Menschen ,,, wahrer Amerikaner" zu sein, das heißt auf Eigenbrödelei zu verzichten, sich nicht individuellen Neigungen restlos hin­zugeben, sondern sich einzufügen in das längst­

erprobte Schema der Gesellschaft, das darauf beruht, den Einzelnen zum Normaltyp" zu erziehen und ihn zu höchsten Leiſtungen in seinem Berufe anzuspornen.

Von diesem Geiste sind auch alle die großen Jugendorganisationen Amerikas erfüllt. Da ist die berühmte Boy- Scouts"-Bewegung, die 600.000 Jungens umfaßt, über 500 Ortsgrup­pen verfügt und 3000 Camps( Lager) besitzt. Sie ist die populärste Jugendorganisation Ameritas; man kann sie nicht mit irgendwelchen europäischen Jugendbewegungen vergleichen, denn geistige Ziele, ein Eigenleben, kennen die Amerikaner nicht. So sind die Jugendorganisa­tionen das hervorragendste Instrument der education". Die Boy- Scout3" werden nicht deshalb einem gewissen militärischen Drill un­terworfen, um sich in einem späteren Striege be­sonders zu betvähren, sondern um als Helfer im praktischen Leben zu wirken. Eine besondere Gruppe junger Leute wird auf amerikaniſchen Universitäten herangebildet als Boys Workers" ( Jugendbildner); diese jungen Führer der ame= rikanischen Jugend, müssen nicht nur Idealis­

mus,

in der über der Staſſe der New Yorker bern, länzende pädagogiſche Fähigkeiten, ſon­

Untergrundbahn lesen: Keep smiling"( Be- ihren Beruf" mitbringen. Boys- Work" ist wahre dir dein Lächeln) oder an der Zufahrts- eine Spezialwissenschaft für die bereits verschie= straße zu einer größeren Stadt ein Platat lesen: dene amerikanische Universitäten eigne Lehr­Fahre langsam und du lernst unsere schöne stühle errichtet haben. Neben diesen Jungen­Stadt fennen, fahre schnell und du lernst unser organisationen find auch Mädchenklubs vorhan­und spricht leise: Treten Sie, bitte, ein ich| Gefängnis tennen " oder wenn eine gefährden, als deren bedeutendste die., Camp- fire­mache Ihnen gleich die Nägel." liche Kurve mit dem Schild angezeigt wird: girls" und die Girls- scouts" gelten. Frühzeitig Beste Gelegenheit für Selbstmörder" so sind dies alles Zeichen für den jugendlichen Humor des amerikanischen Volkes, der wiederum ein typisches Ausdrudsmittel der, education" ist. Denn ohne diese bewußte Erziehung zum Lä­cheln, zur Lebensfreude, wäre es unmöglich, auf die riesiggeballten Menschenmaſſen in den Groß­städten einzuwirken und den Geist sozialer Ver­ständigung wachzurufen.

Georg S. fißt beim fleinen Tischchen. Die eine braune Hand hält er auf dem geſtidten Pölsterchen, die andere taucht, im Seifenwasser. Sein Kopf ist leicht und schwer zugleich.

Fräulein Adele erzählt: ., Manche arbeiten mit Schere, ich aber nur mit der Feile. Da neulich kommt zu mir ein junger Mann und sagt: Machen Sie mir Nägel, die glänzen sollen wie die Nachtsterne am Himmel- ich bin verliebt.' Aber die Hauptsache das sind die Steuern, die einen gilt

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Immer wendet man sich an die Jugend; fie als die Bewahrerin der amerikanischen

werden in den amerikanischen Jungen und Mäd­chen durch diese Organisationen die National­tugenden: Fleiß, Taikraft, Geschicklichkeit, Le= bensfreude und Hilfsbereitschaft geweckt und ge­fördert, indem man die Jungen als Farmer, Krankenwärter, Ordnungspolizei u. a. m. sich betätigen läßt, während die Mädchen auf andern Gebieten des praktischen Lebens unterwiesen werden: Kinderwartung lernen, Kochen, Schnei dern, Hauswirtschaft, Schwimmen, Reiten, Pionierarbeit und andern Sport. Von diesen